{"hits":{"total":{"value":10,"relation":"eq"},"hits":[{"_index":"gesis-21-05-2026-02-00-54","_id":"cews-2-407266","_version":1,"_seq_no":45600,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Die doppelte Vergesellschaftung - die doppelte Unterdr\u00fcckung : Besonderheiten der Frauenforschung in den Sozialwissenschaften","id":"cews-2-407266","date":"1987","date_recency":"1987","abstract":["Die Verfasserin stellt die These auf, da\u00df eine Soziologie der Frau (im Sinne einer Bindestrich-Soziologie gefa\u00dft), etwas anderes als Frauenforschung ist, die ihre Paradigma und ihre Methodologie aus dem Bannkreis etablierter Sozialwissenschaften l\u00f6st, und besch\u00e4ftigt sich mit Problemen einer feministischen Theorie und Empirie in den Sozialwissenschaften. Der Anspruch feministischer Sozialwissenschaft liegt nicht nur in einem doppelten Erkenntnisgewinn; den untersuchten Ph\u00e4nomenen gerecht zu werden, und bei den Forscherinnen auch einen f\u00fcr sie selbst produktiven Lernproze\u00df anzuregen. Die Forschung hat dar\u00fcberhinaus den Sinn, zur Aufhebung von Frauendiskriminierung, zur Erweiterung weiblicher Spielr\u00e4ume beizutragen. Dieser Praxisbezug macht es notwendig, da\u00df beide Parts der Forschungsaktivit\u00e4t sich \u00fcber deren Zielsetzung einig werden. Die Notwendigkeit von Selbstreflextion und Umorientierung schlie\u00dft also beide ein; die, die mittels der Wissenschaft eingreifen und die, die von diesem Eingriff betroffen sind. Frauenforschung zwingt zum st\u00e4ndigen Standortwechsel zwischen \u00e4hnlichen und abweichenden Erfahrungen, zur Modifikation vorg\u00e4ngiger Sichtweisen, zur Akzeptanz eigener Behinderungen und der Emanzipationsvorspr\u00fcnge anderer, zum langen Atem im Umgang mit Angstschwellen und Widerst\u00e4nden. An der Verflechtung aufgezeigter Aspekte wird ein Spezifikum feministischer Sozialforschung deutlich, das vielleicht das evidenteste ist; die Komplexit\u00e4t ihrer Problemfelder kann nicht reduziert werden. Den weiblichen Lebenszusammenhang gibt es nur als interdependentes Gef\u00fcge; sowohl objektiv als auch subjektiv. (TR)"],"type":"publication","topic":["Frauenforschung","Frauenbewegung","Feminismus","Empirie","Sozialisierung","Lebenssituation","Weiblichkeit","Subjektivit\u00e4t","Sozialwissenschaften","Diskriminierung","Theorie"],"classification":["Frauen- und Geschlechterforschung","Wissenschaftssoziologie, Wissenschafts- und Technikforschung"],"person":["Becker-Schmidt, Regina"],"person_sort":"Becker-Schmidt","source":"In: Die andere H\u00e4lfte der Gesellschaft, Lilo Unterkircher (Hrsg.), Wien, 10-25","links":[],"subtype":"in_proceedings","database":"GESIS-SOLIS","document_type":"Sammelwerksbeitrag","coreDoctypeLit":["Sammelwerksbeitrag"],"coreAuthor":["Becker-Schmidt, Regina"],"corePublisher":"\u00d6GB-Verl.","corePagerange":"10-25","coredoctypelitadd":["incollection"],"coreLanguage":["de"],"data_source":"GESIS-CEWS","index_source":"GESIS-CEWS","link_count":0,"gesis_own":1,"fulltext":0,"thematic_collection":"Geschlecht und Wissenschaft","thematic_collection_en":"Gender and science"},"system_type":"BASE","doc_rank":1,"rid":28959756},{"_index":"gesis-21-05-2026-02-00-54","_id":"cews-2-802037","_version":1,"_seq_no":47261,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Karriere eines feministischen Konzeptes? : der \"Gender\"-Begriff in der Diskussion","id":"cews-2-802037","date":"2001","date_recency":"2001","type":"publication","topic":["Feminismus","Frauenforschung","Chancengleichheit"],"person":["Gries, Pia","Holm, Ruth","St\u00f6tzer, Bettina"],"person_sort":"GriesHolmSt\u00f6tzer","source":"In: Forum Wissenschaft, Jg. 18, 11-14","links":[],"subtype":"journal_article","document_type":"Zeitschriftenaufsatz","coreDoctypeLit":["Zeitschriftenaufsatz"],"coreAuthor":["Gries, Pia","Holm, Ruth","St\u00f6tzer, Bettina"],"coreJournalTitle":"Forum Wissenschaft","coreZsband":"Jg. 18","corePagerange":"11-14","coredoctypelitadd":["literatur"],"coreLanguage":["DE"],"coreIssn":"0178-6563","data_source":"GESIS-CEWS","index_source":"GESIS-CEWS","link_count":0,"gesis_own":1,"fulltext":0,"thematic_collection":"Geschlecht und Wissenschaft","thematic_collection_en":"Gender and science"},"system_type":"EXP","doc_rank":2,"rid":28959756},{"_index":"gesis-21-05-2026-02-00-54","_id":"cews-2-562853","_version":1,"_seq_no":45866,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Feministische Theorien zur Einf\u00fchrung","id":"cews-2-562853","date":"2007","date_recency":"2007","abstract":["Die Autorinnen mussten sich mit ihrer Einf\u00fchrung in das interdisziplin\u00e4re Feld der feministischen Theorienbildung drei grundlegenden Schwierigkeiten stellen: Es handelt sich in diesem Bereich nicht um eine Theorie, sondern um ein zum Teil kontrovers diskutiertes Set verschiedenster Ans\u00e4tze, welche alle dem Spannungsbogen zwischen wissenschaftlichem Erkenntnisinteresse und einem praktischen, politischen Anspruch unterliegen und letztendlich muss eine solche Gesamtdarstellung einfach und \u00fcbersichtlich gestaltet sein. In diesem Band werden diese Probleme gel\u00f6st, indem die Vielfalt der Theorien entlang einer Leitfrage aufgearbeitet wird: 'Die organisierende Perspektive unserer Einf\u00fchrung in die feministische Theorien ist die gegenw\u00e4rtig hei\u00df diskutierte Frage: In welchem Verh\u00e4ltnis stehen die Analysen der sozialen Differenzen zwischen M\u00e4nnern und Frauen zu Analysen, die sich auf die sozialen Differenzen unter Frauen konzentrieren? Auf welchen Argumenten basieren die beiden Richtungen?' (12) Dabei werden sowohl die Entwicklungsgeschichte als auch systematische Forschungsprobleme gleicherma\u00dfen ber\u00fccksichtigt. Nach der Darstellung der Ausgangsprobleme feministischer Forschung und der Entwicklung der deutschsprachigen Debatte um das Geschlechterverh\u00e4ltnis beleuchten die Autorinnen zwei zentrale Kontroversen der Neunzigerjahre aus dem anglo-amerikanischen Raum: die Sex-Gender Debatte und den Diskurs \u00fcber die soziale Heterogenit\u00e4t von Frauen. Dabei werden in besonderem Ma\u00dfe die Positionen von Judith Butler, Donna Haraway und Iris Young ber\u00fccksichtigt. Im abschlie\u00dfenden Kapitel behandeln die Autorinnen die Frage der Subjekt Konstitution und den Einfluss der Arbeit Michel Foucaults auf feministische Theorienbildung. (ZPol, NOMOS)"],"type":"publication","topic":["Theorie","Frauenforschung","Feminismus","Erkenntnisinteresse","Frauenbewegung","soziale Ungleichheit","Geschlechterforschung"],"classification":["Frauen- und Geschlechterforschung","Generelle Theorien der Sozialwissenschaften"],"person":["Becker-Schmidt, Regina","Knapp, Gudrun-Axeli"],"person_sort":"Becker-SchmidtKnapp","links":[],"subtype":"journal_article","database":"ZPOL","document_type":"Monographie","coreDoctypeLit":["Monographie"],"coreAuthor":["Becker-Schmidt, Regina","Knapp, Gudrun-Axeli"],"corePublisher":"Junius","coreZsband":"213","corePagerange":"180 S.","coredoctypelitadd":["monograph"],"coreLanguage":["de"],"data_source":"GESIS-CEWS","index_source":"GESIS-CEWS","link_count":0,"gesis_own":1,"fulltext":0,"thematic_collection":"Geschlecht und Wissenschaft","thematic_collection_en":"Gender and science"},"system_type":"BASE","doc_rank":3,"rid":28959756},{"_index":"gesis-21-05-2026-02-00-54","_id":"gesis-solis-00139617","_version":1,"_seq_no":83354,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Politische Sozialisation und Geschlechterdifferenz","id":"gesis-solis-00139617","date":"1991","date_recency":"1991","abstract":"Ausgehend von der Tatsache, da\u00df Frauen in den politischen Machtarenen zwar noch immer unbedeutend vertreten sind, aber sich in den letzten Jahrzehnten die Einstellungen gegen\u00fcber Frauen deutlich ver\u00e4ndert haben, gibt die Autorin einen \u00dcberblick \u00fcber Ver\u00e4nderungen des sozio\u00f6konomischen Bedingungsgef\u00fcges f\u00fcr die Sozialisation von Frauen. 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(psz)","portal_url":"http:\/\/sowiport.gesis.org\/search\/id\/gesis-solis-00139617","type":"publication","topic":["Sozialisation","Sozialisationsforschung","Forschungsstand","Theorie","politische Sozialisation","geschlechtsspezifische Sozialisation","Frau"],"person":["Kulke, Christine"],"person_sort":"Kulke","source":"In: Neues Handbuch der Sozialisationsforschung, Klaus Hurrelmann ; Dieter Ulich , Weinheim, Beltz, 1991, S. 595-613","links":[],"subtype":"in_proceedings","publisher":"GESIS","database":"SOLIS - Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem","document_type":"Sammelwerksbeitrag","coreAuthor":["Kulke, Christine"],"coreSjahr":"1991","coreSverl":"Beltz","coreSatit":"Neues Handbuch der Sozialisationsforschung","corePagerange":"595-613","coreIsbn":"3-407-83113-7","coredoctypelitadd":["Aufsatz"],"coreLanguage":["Deutsch (DE)"],"coreSort":"Weinheim","data_source":"GESIS-Literaturpool","link_count":0,"gesis_own":1,"fulltext":0,"index_source":"OUTCITE","literature_collection":"GESIS-Literaturpool"},"system_type":"EXP","doc_rank":4,"rid":28959756},{"_index":"gesis-21-05-2026-02-00-54","_id":"cews-2-651248","_version":1,"_seq_no":46182,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Frauen- und Geschlechterforschung in interdisziplin\u00e4rer Perspektive","id":"cews-2-651248","date":"2002","date_recency":"2002","abstract":["Der Beitrag befasst sich mit vier Fragen: Was meint das Attribut \"feministisch\"? Warum bedarf Frauen- und Geschlechterforschung eines interdisziplin\u00e4ren Zuschnittes? Worin unterscheidet sich Frauen- von Geschlechterforschung? Macht Frauen- und Geschlechterforschung als feministische Wissenschaft nur in den Sozial- und Geisteswissenschaften Sinn, oder auch in den Natur- und Technikwissenschaften sowie in der Medizin? Der feministische Ansatz wird wissenschaftshistorisch bis in seine Urspr\u00fcnge im vorigen Jahrhundert verfolgt, seine erkenntnistheoretischen, methodologischen und inhaltlichen Auswirkungen auf die Wissensgenese werden reflektiert und der (auf Grund ihres epistemologischen Kontexts) interdisziplin\u00e4re Charakter feministischer Forschung wird herausgearbeitet. Im Anschluss daran werden die drei Ans\u00e4tze der Frauenforschung, Geschlechterforschung und Geschlechterverh\u00e4ltnisforschung in ihren unterschiedlichen Akzentsetzungen und in ihrer Relevanz f\u00fcr die verschiedenen Wissensbereiche, vor allem der Natur- und Technikwissenschaften, vorgestellt. 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Vor diesem Hintergrund haben sich verschiedene 'Politikender Gleichheit' etabliert, die einen Wandel im Geschlechterverh\u00e4ltnis bef\u00f6rdern sollen. Diese Institutionalisierung von Frauen- und Geschlechterpolitik ist von jeher feministischer Kritik unterzogen worden, was auch aktuell f\u00fcr das auf europ\u00e4ischer und auf nationaler Ebene implementierte Konzept des 'Gender Mainstreaming' zu beobachten ist. Unterschiedliche Kritiken richten sich dabei auf die zunehmende \u00d6konomisierung auch von Geschlechterpolitik, wenn in den Geschlechtergerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit und die betriebswirtschaftliche Logik der Qualit\u00e4tssicherung unmittelbar miteinander verkn\u00fcpft werden. Welchen Bedeutungswandel erf\u00e4hrt eine Kategorie wie Geschlecht, wenn sie zunehmend als eine Humanressource f\u00fcr wirtschaftliche Interessen und Entwicklungen begriffen wird? Wie wird die komplexe Kategorie Geschlecht gegenw\u00e4rtig in weit reichende Analyse- und Handlungskonzepte des Gender Mainstreaming \u00fcbersetzt? Welchen Bedeutungswandel erf\u00e4hrt dabei der gesellschaftskritische Gehalt soziologischer Frauen- und Geschlechterforschung? Diese Fragen werden anhand der Analyse von Kernaussagen und Schl\u00fcsselkonzepten des Gender Mainstreaming diskutiert (Genderkompetenz, Genderwissen, Gendertrainings), deren Ambivalenz herausgearbeitet wird: zwischen der fraglosen Passf\u00f6rmigkeitin die Logik des marktbezogenen Individualismus und einem fortdauernden Streben nach Wandel im Geschlechterverh\u00e4ltnis und damit nach Gleichheit.\" (Autorenreferat)","portal_url":"http:\/\/www.ssoar.info\/ssoar\/handle\/document\/17441","type":"publication","topic":["Frauenbewegung","Gender Mainstreaming","Frau","Entwicklung","Kritik","Frauenpolitik","\u00d6konomisierung","Geschlechterpolitik","Mann","Geschlechterverh\u00e4ltnis","Geschlechterforschung","Konzeption","Ungleichheit"],"person":["Bereswill, Mechthild"],"person_sort":"Bereswill","source":"In: Soziale Ungleichheit, kulturelle Unterschiede: Verhandlungen des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Soziologie in M\u00fcnchen. 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Institutionalis ierte Frauen- und Geschlechterpolitik schwankt zwischen \u00bbherrschaftskritis chem und b\u00fcrokratischem Diskurs\" (von Braunm\u00fchl 2000), das gilt auch f\u00fcr den ak tuellen Differenzierungs- und Professionalisierungsschub, den Geschl echterpolitiken durch die Implementierung von Strategien des Gender Mainstreaming erfahren (Wetterer 2003a, vgl. auch den Beitrag von Meuser in diesem Band). Kritikerinnen se hen hier eine folgenreiche Verkn\u00fcpfung zwischen den Gleichheitsidealen von Ge schlechterpolitik und der zunehmenden \u00d6konomisierung des Politischen. Aus diesem Blickwinkel geraten die gesellschaftsund herrschaftskritischen Impulse feminist ischer Bewegungen in den Strudel einer gesellschaftlichen Dynamik, in deren Ze ntrum die Forcierung von Ungleichheit steht. Ideale von Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit zwisch en den Geschlechtern werden zu Kriterien des Wettbewerbs, der Qualit\u00e4tssicherung und der Humanpolitik umgedeutet; Kritik wird stumpf und Geschlechterpolitik scheint nur noch eine Frage von Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu sein. Diese vielfach beklagte Umdeutung von Geschlechtergerechtigkeit in Leistungsgerechtigkeit klingt auch in dem folgenden Zitat an: \u00bbDer unternehmerische Ansatz, die individuellen F\u00e4higkeiten so intensiv wie nur m\u00f6glich nutzbar zu machen, verbietet per se die Schlechterstellung eine s Geschlechts, denn damit w\u00fcrde das Ziel der h\u00f6chstm\u00f6glichen Potentialaussch\u00f6pfung der Belegschaft nicht erreicht, der Betrieb bliebe dann unter seinen M\u00f6glichk eiten und das ginge zu Lasten des Unternehmens.\" (Schmidt 2003: 6) Die betriebs wirtschaftliche Begr\u00fcndung f\u00fcr einen Abbau von Ungleichheit zwischen den Geschlechtern k\u00f6nnte direkt einem Handbuch f\u00fcr Personalplanung oder einem Te xt \u00fcber das gegenw\u00e4rtig sehr popul\u00e4re Diversity Management entnommen sein: Geschlecht wird als eine Humanressource - - - - - 1 Die folgenden Argumente werden ausf\u00fchrlich in Bereswill 2004a entwickelt. 2304 SEKTION POLITISCHE SOZIOLOGIE betrachtet und die damit verb undene Formel lautet Differe nz plus Kreativit\u00e4t ergibt Leistungssteigerung bei gleichzeitiger Kostensenkung (Emmerich\/Krell 1997: 330). Auf diese Logik spielt auch Renate Schm idt an, die Bundesministerin f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend, von der die Aussage stammt. Das Zitat ist einer Er\u00f6ffnungsrede entnommen, welche die Politikerin anl\u00e4sslich der Gr\u00fcndung des GenderKompetenzZentrum s an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin vor fast einem Jahr, am 27. Oktober 2003, gehalten hat. Die Argumentationsrichtung der Politikerin best\u00e4tigt, was feministische Kritikerinnen des seit 1997 auf europ\u00e4ischer un d seit 1999 auf nationaler Ebene festgeschriebenen Gender Mainstreaming immer wieder betonen. Ge schlechterpolitik ger\u00e4t zunehmend in den Sog von \u00d6konomisie rung. Dies gilt nicht nur f\u00fcr privatwirtschaftliche Kontexte, auf die die Mini sterin hier Bezug nimmt. Auch im Zuge von Verwaltungsreformen wird Geschlechter politik in Managementstrategien \u00fcbersetzt. Die Verschlankung von Verwaltu ng und die Implementierung von Geschlechterperspektiven auf allen Ebenen (Stiegler 1998, 2002) sollen Hand in Hand gehen (Wetterer 2003a). Gleichzeitig haben wir es beim Projek t des Gender Mainstreaming mit einem Erfolg feministischer Politik zu tun. Urspr\u00fcnglich von Feministinnen in der Entwicklungszusammenarbeit durchgesetzt, ze igt sich die ganze Widerspr\u00fcchlichkeit von Institutionalisierungs- und Professi onalisierungsprozessen im Anschluss an soziale Bewegungen (von Braunm\u00fchl 2000; Frey 2003). Eine entscheidende Frage, die sich stellt, lautet, ob wir es mit einer Politik zu tun haben, die sich im Namen von Geschlechtergerechtigkeit etabliert hat, la ngfristig aber in eine Politik neuer wie alter Ungleichheiten m\u00fcndet (P\u00fchl 2003). Pr ofitieren etwa nur die \u00bbwertsch\u00f6pfungsstarken\" Mitglieder einer Gesellschaft von den Strategien des Mainstreaming? Diese Bef\u00fcrchtung der \u00d6konomin Brigitte Youn g (2001) verweist auf komplexe, verdeckte und ungleichzeitige Konstellationen sozialer Ungleichheit im Geschlechterverh\u00e4ltnis. Aus der wissenschaftlichen Pers pektive ist die Offenlegung dieser Komplexit\u00e4t eine theoretische wie methodis che Herausforderung und bedarf einer gesellschaftstheoretisch fundierten Konzep tualisierung der Kategorie Geschlecht (Becker-Schmidt 2002, 2003; Kr\u00fcger 2002). Po litische Akteurinnen und Akteure, die auf eine Beilegung sozialer Ungleichhe iten im Geschlechterverh\u00e4ltnis zielen, stehen vor der Herausforderung, mit gezielten Ma\u00dfnahmen an komplexen Ungleichheitslagen anzusetzen und diese zu beseitigen. Auf die Strategien des Gender Mainstreaming bezogen, lassen sich hier me hrere Fragen stellen: Wie wird die skizzierte Komplexit\u00e4t von Ungleichheiten im Geschlechterverh\u00e4ltnis in einschl\u00e4gigen Konzepten des Mainstreaming thematisiert ? Wie wird die mehrdimensionale Analysekategorie Geschlecht in weit reichend e Analyse- und Handlungskonzepte \u00fcbersetzt? Eine entscheidende Fr age, die sich in diesem Zusammenhang stellt, lautet: Geschlechterverh\u00e4ltnis BERESWILL: GESCHLECHT ALS HUMANRESSOURCE 2305 Welchen Bedeutungswandel erf\u00e4hrt der gese llschaftskritische Gehalt soziologischer Frauen- und Geschlechterforschung in K onzepten des Gender Mainstreaming? Diese Fragen leiten den folgenden Blic k auf Schl\u00fcsselkonzepte gegenw\u00e4rtiger Geschlechterpolitik, namentlich \u00bbGender\" , \u00bbGenderkompetenz\" und \u00bbGendertrainings\". Dabei wird auf einschl\u00e4gige Pub likationen, Praxishandb\u00fccher und auf die virtuelle Pr\u00e4sentation des bereits erw\u00e4 hnten KompetenzZentrums Bezug genommen. Dessen Homepage enth\u00e4lt pointierte Ar beitsdefinitionen der Schl\u00fcsselbegriffe des Mainstreaming und b\u00fcndelt damit die Fa chdiskurse und Handlungsstrategien im hiesigen Kontext auf hohem Niveau. Zudem ist der Name dieser jungen Einrichtung bereits Programm: Der Erfolg von zuk\u00fc nftiger Geschlechterpolitik wird in der systematischen Aneignung von Genderko mpetenz durch Akteurinnen und Akteure des institutionellen Wand els gesehen (Burbach\/Schlottau 2001; Merz 2001a, b; Ehrhardt\/Jansen 2003). Individualisierte Wege aus hierar chischen Verh\u00e4ltnissen? Die rhetorische Nivellierung von Ungleichheiten im Wie wird Geschlecht nun in einschl\u00e4gige n Publikationen und Konzepten des Gender Mainstreaming gefasst? Die Kategorie Geschlecht wird durchg\u00e4ngig als \u00bbGender\" bezeichnet und in gro\u00dfer \u00dcbereins timmung mit \u00bbsoziales Geschlecht\" \u00fcbersetzt. Zudem ist von \u00bbGeschlechtsrollen\" und \u00bbGeschlechtsiden tit\u00e4ten\" die Rede, die sozial konstruiert und ver\u00e4nderbar sind. 2 Strukturelle Ungleichheiten im Geschlechterverh\u00e4ltnis treten hingegen in den Hintergrund oder werden, wie auf der Homepage des Zentrums, als \u00fcberkomme ne \u00bbDominanz-Vorstellungen\" von der \u00bb\u00dcberlegenheit des Mannes\" relativiert. Aber selbst wenn von Geschlechter verh\u00e4ltnissen die Rede ist, bleiben die Formulierung en seltsam verwaschen. Ungleichheiten, Benachteiligungen und Diskriminierungen we rden angedeutet und letztlich bleibt offen, wer benachteiligt oder diskriminier t ist, und ob wir es immer noch mit einem gesellschaftlichen Strukturzusa mmenhang zu tun haben, der zuungunsten von Frauen wirkt (Becker-Schmidt 1993). Dieser augenf\u00e4lligen Neutralisierung v on Hierarchien, Inte ressenkonflikten oder Herrschaftskritik steht die Zi elsetzung einer multioptiona len Individualisierung von - - - - - 2 Hier wird ein Konzept von Geschlecht wieder belebt, dessen Grenzen vielfach problematisiert und kritisiert worden sind: das der Geschlechterrolle. Eine kritische Sichtung der einschl\u00e4gigen Praxisund Handb\u00fccher unter diesem Aspekt w\u00e4re ein eigener Forschungsschritt, der an dieser Stelle nicht weiter verfolgt wird. 2306 SEKTION POLITISCHE SOZIOLOGIE Frauen und M\u00e4nnern zur Seite, deren Gleich stellung darauf zielt - ich zitiere noch einmal von der Homepage -, \u00bbFrauen un d M\u00e4nnern die Chance zu er\u00f6ffnen, ihr Leben individuell zu gestalten\". Hier steht das Bild der fortschreitenden Individualisierung Pate. Das Ideal der Individualisieru ng \u00fcberschreibt den politischen Selbstbestimmungsbegriff von Frauenbewegun gen, der mit Autonomiek\u00e4mpfen und kritischen Einw\u00e4nden gegen m\u00e4nnlich k onnotierte Individualisierungsmuster verbunden war und ist (Weber 1998). Wandel im Geschlechterverh\u00e4ltnis, so l\u00e4sst sich festhalten, wird nunmehr als Teil eines indi vidualisierten und gleichf\u00f6rmig gedachten Freisetzungsprozesses beider Geschlech ter begriffen, dessen Erfolg - und damit kommt ein weiteres Schl\u00fcsselkonzept de s Mainstreaming ins Spiel - ma\u00dfgeblich von der Genderkompetenz aller Akte urinnen und Akteure abh\u00e4ngt. Genderkompetenz - sozialer Wandel durch Expertise und Wissensmanagement? Was ist \u00bbGenderkompetenz\"? Sie wird in anwendungsbezogenen Publikationen als eine Kombination aus Genderwissen, Fa chkompetenz sowie Sozial- und Selbstkompetenz dargestellt (Merz 2001a, b; Bu rbach\/Schlottau 2001). Im Mittelpunkt steht eine \u00dcbersetzung von Wissen in Hand eln, konkretisiert durch die \u00bbAusbildung von Expertentum durch Wissenstransfer\" (KompetenzZentrum). Sozialer Wandel im Geschlechterverh\u00e4ltnis wird demnach durch geschicktes Wissens- und Projektmanagement erreicht, was ma\u00dfgeblich von der Qualifikation vernetzter Genderexpertinnen und -experten abh\u00e4ngt. Neben der Anforderung, normativ und rational mit Wissen umzugehen, um \u00fcberschaubare un d vor allem finanzierbare Projekte zu entwerfen, wird die gro\u00dfe Bedeutung von reflexivem Wissen hervorgehoben. Fachwissen allein gen\u00fcgt nicht, um das ei gene Handeln abzusch\u00e4tzen. Deshalb wird in Gender Trainings entsprechend viel Wert auf selb streflexives Lernen und die Entfaltung von Selbst- und Sozialkompetenzen gelegt. 3 - - - - - 3 Zur ausf\u00fchrlichen Auseinandersetzung mit den Potenzialen und den Fallen solcher Trainings vgl. Bereswill 2004b. BERESWILL: GESCHLECHT ALS HUMANRESSOURCE 2307 Gender Trainings - die Reproduktion von Differenz und Hierarchie? Diese Trainings zur Sensibilisierung der eigenen Wahrnehmung basieren auf theoretischen Inputs, kombiniert mit Methoden der Gruppenarbeit, mit Elementen der Gruppendynamik sowie mit biographischen \u00dcbungen. Gender wird dabei mit einer verbl\u00fcffenden Selbstverst\u00e4ndlichkeit zur An alysekategorie erhoben, statt selbst zum Untersuchungsgegenstand zu werden. 4 Das hei\u00dft, in vielen \u00dcbungen stehen \u00bbFrauen\" und \u00bbM\u00e4nner\" sich als differente, ja sogar fremde Wesen gegen\u00fcber. Den Unterschied bereits voraus gesetzt, betrac hten sie sich wechse lseitig durch die Genderbrille, die aufzusetzen sie ja auch lernen sollen. 5 Ob diese Brille nun rosa, hellblau oder violett get\u00f6nt ist - an einer Ste lle des Lernprozesses bl eibt der Blick seltsam tr\u00fcb: Auch wenn Geschlecht im theoreti schen Teil vieler Konzepte als sozial konstruiertes und Geschlechterverh\u00e4ltnisse als hierarchische diskutiert werden sp\u00e4testens im \u00dcbungsteil der Trainings ka nn die Irritation der zweigeschlechtlichen Gewissheiten fraglos hinter eine alte Ge wissheit zur\u00fccktreten: Frauen und M\u00e4nner sind unterschiedlich. Aus Gleichstellungspolit ik wird so hinter dem R\u00fccken ihrer Akteurinnen und Akteure eine Politik de r Differenz. Die subtile \u00dcbersetzung von Differenz in Hierarchie, deren flexible Z\u00e4 hlebigkeit wir aus mikro-soziologischen Studien zur Gen\u00fcge kennen (Wetterer 2003b), droht dabei im toten Winkel der Genderkompetenz zu verschwinden. Das affirmative Ideal der \u00bbGenderkompe tenz\" erweist sich somit als ein Knotenpunkt des Transfers komplexer Wissens best\u00e4nde in handlungsleitende Konzepte. Die entscheidende Herausforderun g von Geschlechterpolitiken, komplexe Ungleichheitsverh\u00e4ltnisse auch weiterhin auf die politische Agenda zu setzen, bedarf aber weniger einer (Selbst-)Vergewisse rung von Akteurinnen und Akteuren als Frauen oder als M\u00e4nner. Sie bedarf vielmehr fort w\u00e4hrender Analysen eines komplexen Strukturzusammenhangs, der es nicht er laubt, soziale Ungleichheiten weg zu trainieren. Dieses Argument richtet sich nicht gegen ei ne Verkn\u00fcpfung zwischen sozialem Lernen und politischem Agie ren. Entscheidend sind dabei aber offene Denkr\u00e4ume, die es erlauben, die eigene Ve rwicklung in Ungleichheitsverh\u00e4ltnisse zu erkennen, ohne der verf\u00fchrerischen Zumutung zu erliegen, diese durch subjektive Anstrengungen aufl\u00f6sen zu wollen. - - - - - 4 Um diese Falle zu vermeiden w\u00e4re hingegen notwendig mit der \u00bbGender-Paradoxie\" zu arbeiten, dass Zweigeschlechtlichkeit aufgel\u00f6st werden soll, indem mit ihr und an ihr gearbeitet wird (Lorber 1999). 5 Markante Beispiele f\u00fcr diesen affirmativen Umgang mit der Geschlechterdifferenz findet sich bei Dzalakowski (1995) f\u00fcr das Feld der Wirtschaftsunternehmen, bei Burbach\/Schlottau (2001) f\u00fcr den Non-Profit-Bereich. anderem an Erfolgsratgebern f\u00fcr Frau en (2002). Als \u00bbUnternehmerinnen ihrer selbst\" sollen sie lernen, sich im fluide n Gewirr von L\u00fccken und Nischen zu behaupten und dabei auch flexibel mit Ge schlecht umzugehen. Mit der geforderten Anpassung an \u00bbwechselnde Kundenanforder ungen und Konkurrenzverh\u00e4ltnisse\" ist dann logischerweise ein \u00bbChangieren zw ischen Affirmation und Aufl\u00f6sung von Geschlechterstereotypen\" (2002: 191) verbunden. Br\u00f6cklings Analyse der gegenw\u00e4rtigen Situ ation f\u00e4llt allerdings sehr hermetisch aus, was die Macht der Selbstoptimierungsdiskurse \u00fcber das Subjekt angeht. Im Kontext des von ihm verfolgten diskursthe oretischen Blicks verschwindet die Widerst\u00e4ndigkeit von Subjekten und hinterl\u00e4 sst ein fatalistisches Bild der Anpassung 2308 SEKTION POLITISCHE SOZIOLOGIE Gleichstellungspolitik zwischen rhetorischer Modernisierung und unternehmerischer Selbstop timierung und fortw\u00e4hrender Gesellschaftskritik Ein forschender Blick auf die Sprechweisen und strategischen Ausrichtungen aktueller Geschlechterpolitik ergibt ein zwiesp \u00e4ltiges Bild: Ohne Zweifel wird an einem Politikideal der anzustrebenden Chancenglei chheit und Gleichstellung festgehalten. Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern werden nicht verleugnet, sie werden aber neutralisiert und individualisiert. Die Reduzierung von Komplexit\u00e4t und die Nivellierung von Kritik ist mit einer Um deutung von Politik in Management verbunden. Eine Folge dieser Umdeutung is t die zunehmende Entnennung von strukturellen, institutionalisierten Ungleichheiten - es sei denn, die Aufhebung dieser Ungleichheiten bietet \u00f6konomische Vorteile. Die Kategorie Geschlecht erf\u00e4hrt eine ei nseitige Ausdeutung: Als diskursive Differenzkategorie, die durch individuelle s Streben ver\u00e4ndert werden kann - hier zeigt sich eine Entwicklung, die Angelika Wetterer (2003b) treffend als \u00bbrhetorische Modernisierung\" bezeichnet. Wir haben es gegenw\u00e4rtig mit einer Kluft zwischen der kulturellen Flexibilit\u00e4t und der strukt urellen Z\u00e4hlebigkeit von Geschlecht zu tun. Gleichzeitig erweist sich Geschlech t als handlungsleitende Humanressource f\u00fcr Ma\u00dfnahmen und Projekte, in deren Mittelp unkt die unternehmerische Selbstoptimierung ihrer Akteurinnen und Akteure steh t. Der Erfolg von Geschlechterpolitik wird letztlich der Kontingenz des Marktes \u00fcberantwortet - diese Sichtweise kn\u00fcpft an einen Gedanken von Ulrich Br\u00f6ckling (2002) an, dessen Lesarten gegenw\u00e4rtiger Managementstrategien von Michel Fouc aults (2000) Konzept der Gouvernementalit\u00e4t abgeleitet sind (vgl. auch Br\u00f6ck ling 2000). Demnach entwickeln diese Techniken sich unter dem Einfluss neoliberaler Po litik verst\u00e4rkt in Richtung ausgefeilter Selbsttechnologien. Solche elaborierten Technologien de r Selbstoptimierung durch das Individuum kommen laut Br\u00f6ckling ge rade in Managementstrategien der Personalf\u00fchrung und der Qualit\u00e4tssicherung zum Ausdruck (2000). Dies zeigt er unter BERESWILL: GESCHLECHT ALS HUMANRESSOURCE 2309 und Selbstunterwerfung. Trotz dieses su bjekttheoretischen Einwands lenkt seine diskurstheoretische Analyse die Aufmerks amkeit auf den gleichen Punkt wie die zuvor herangezogene, modernisierungstheor etische Perspektive. Die Flexibilit\u00e4t von Geschlecht spielt sich haupts\u00e4ch lich auf der Diskursebene ab. Geschlechtergerechtigkeit und Leistungsg erechtigkeit drohen somit ineinander zu fallen - soziale Ungleichheit im Geschl echterverh\u00e4ltnis erledigt sich durch \u00d6konomisierung. Dieses hermetische Bild wird allerdings durchkreuzt: durch das Festhalten an einem normativen Ideal von Gleichheit und dem damit verbundenen Fingerzeig auf Ungleichheiten im Geschlech terverh\u00e4ltnis. Die Frage, ob wir es im Kontext von Geschlechterpolitiken gegenw\u00e4r tig mit einer Politik der Ungleichheit zu tun haben, die im Namen von Gleichheit daher kommt, ist l\u00e4ngst nicht entschieden. Geschlechterpolitiken werden au ch unter den Bedingungen des Gender Mainstreaming ihren ambivalenten Charak ter bewahren. Analysen wie Handlungskonzepte, die dieses Schwanken zwischen Gesellschaftskritik und \u00d6konomisierung in die eine oder andere Ri chtung aufzul\u00f6sen suchen, ve reinfachen und verfehlen die widerspr\u00fcchliche Dynamik femi nistischer Politikerfolge. Literatur Becker-Schmidt, Regina (1993), \u00bbGeschlechterdifferenz - Geschlechterverh\u00e4ltnis: Soziale Dimensionen des Begriffs 'Geschlecht'\", Zeitschrift f\u00fcr Frauenforschung, Jg. 11, H. 1\/2, S. 37-46. Becker-Schmidt, Regina (2002), \u00bbWas mit Macht getrennt wird, geh\u00f6rt gesellschaftlich zusammen. Zur Dialektik von Umverteilung und Anerkennung in Ph\u00e4nomenen sozialer Ungleichstellung\", in: Knapp, Gudrun-Axeli\/Wetterer, Angelika (Hg.), Soziale Verortung der Geschlechter. Gesellschaftstheorie und feministische Kritik, M\u00fcnster, S. 91-131. Bereswill, Mechthild (2004a), \u00bb'Gender' als neue Humanressource? 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Dabei ging es um eine Selbstpositionierung empirischer feministischer Wissenschaft im Konfliktfeld qualitativer versus quantitativer Forschung, um die Frage, ob es eine spezifische feministische Methode geben k\u00f6nne, oder um das Problem, Geschlecht zu erforschen ohne es selbst gem\u00e4\u00df der eigenen Erwartungen im Forschungsprozess herzustellen. Es ist selbstverst\u00e4ndlich, dass Texte, die \u00fcber ein Jahrzehnt hinweg aus unterschiedlichen Zusammenh\u00e4ngen heraus entstanden, ein Problemfeld nicht homogen darstellen. 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ISBN 978-3-9810739-1-1 Druck: Druckzentrum der Philipps-Universit\u00e4t Marbur g 1. Auflage: 75 Schutzgeb\u00fchr: 3,00 Euro Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 3 e d i t o r i a l Das Zentrum f\u00fcr Gender Studies und feministische Zu kunftsforschung dient der Forsch Tu Tng und Lehre im Bereich der feministischen Wissenschaften mit dem Fokus auf Zukunftsforschung. In Ab grenzung zu traditionellen disziplin\u00e4ren Zug\u00e4ngen sollen die Forschu ngen im Zentrum \u00b7 Geschlecht als konstitutiv f\u00fcr alle gesellschaftli chen Gegenst\u00e4nde betonen, \u00b7 auf systematische und kritische Behandlung von Zuk unftsfragen ausgerichtet sein, indem die Prozessualit\u00e4t der behand elten Felder in Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Entwicklungen betont wird, \u00b7 auf interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit und transdisz iplin\u00e4re Bearbeitung von Forschungsfeldern ausgerichtet sein, um un iversalisierende bzw. diskriminierende Sichtweisen zu vermeiden. In der Schriften-Reihe des Zentrums werden in unreg elm\u00e4\u00dfiger Folge Forschungsberichte, Vorlesungen und andere wissensc haftliche Arbeiten, ver\u00f6ffentlicht, die im Kontext des Zentrums en tstanden sind oder von Mitgliedern des Zentrums erarbeitet wurden. Wir m\u00f6chten auf diesem Wege die Arbeit des Zentrums f\u00fcr Gender Studies und feministische Zukunftsforschung einem gr\u00f6\u00dferen Publikum zug\u00e4nglic h machen und zur Diskussion stellen. Bei dem vorliegenden Heft 6 handelt es sich um die Zusammenstellung von Texten zur Methodologie feministischer Wissensc haft, die mehrheitlich f\u00fcr die Marburger Universit\u00e4ts\u00f6ffentlichkeit b zw. aus Diskussionszusammenh\u00e4ngen des Zentrums heraus entstanden sind. Wir danken Kerstin Pohl f\u00fcr die Bearbeitung des Man uskripts und die Erstellung der Druckvorlage. Karola Maltry & Gabriele Sturm 4 Schriften-Reihe - Heft 6 Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 5 i n h a l t Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Der weibliche Blick (1995) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Wie forschen Frauen? \u00dcberlegungen zur Entscheidung f\u00fcr qualitatives oder quantifizierendes Vorgehen (1994). . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Methoden als Herrschaftswissen - zur verborgenen Sy ntax empirischer Wissenschaft (2004). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 Herausforderungen politikwissenschaftlichen Denkens durch feministische Wissenschaftskritik (2001). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 Autorin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81 Hinweis auf Publikationen des Zentrums . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83 6 Schriften-Reihe - Heft 6 Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 7 Gabriele Sturm Einleitung Feministische Methodologie geh\u00f6rte zun\u00e4chst nicht z u meinen bewusst gew\u00e4hlten Arbeitsschwerpunkten. Ich hatte Mathemati k und Soziologie studiert und war so daf\u00fcr pr\u00e4destiniert, ein berufl iches T\u00e4tigkeitsfeld im Bereich der empirischen Sozialforschung zu finden - und zwar der mathematisch orientierten. Aber zugleich z\u00e4hlte ich m ich auch zur Frauenbewegung der 1970er und 80er Jahre. Und dies hie\u00df - zumindest an der Universit\u00e4t Bielefeld - mit einem gro\u00dfen Teil aller dort t\u00e4tigen Wissenschaftlerinnen in der AG Frauenforschung bzw. sp\u00e4te r in der Interdisziplin\u00e4ren Forschungsgruppe Frauenforschung (IFF) zu d iskutieren, zu forschen, zu streiten, zu feiern und Hochschulpolitik zu machen. W\u00e4hrend ich selbst als Angestellte in sozialpsychologischen Drittmittelprojekten meine Erfahrungen mit Feldarbeit, der sich rasant e ntwickelnden EDV und dem dazugeh\u00f6rigen Tagungsgesch\u00e4ft machte, disku tierte ich in der IFF mit anderen Frauen deren Forschungsdesigns, ber iet sie hinsichtlich statistischer Auswertungsm\u00f6glichkeiten und nahm an Supervisionsgruppen zur kommunikativen Validierung der Interpretati on qualitativer Interviewauswertungen teil. Die nun hier versammelten Te xte sind nicht direkt aus den beschriebenen Arbeitszusammenh\u00e4ngen heraus entstanden, sondern sind j\u00fcngeren Datums und richteten sich nac h unterschiedlichen Anfragen aus. Der \u00e4lteste Text ist vor inzwischen 13 Jahren im Ba nd 8 der Schriftenreihe der Sektion Frauenforschung in der Deutschen Ges ellschaft f\u00fcr Soziologie erschienen. F\u00fcr dieses Buch - das dann den Titel 'Erfahrung mit Methode' erhielt - sollten die Erfahrungen mit der Empirie soziologischer Frauenforschung zusammengetragen und reflektiert we rden. Die Herausgeberinnen luden damals alle Autorinnen zu Rundg espr\u00e4chen in die R\u00e4ume der F.A.M. nach M\u00fcnchen ein, bei denen die er sten Ideen f\u00fcr die zu verfassenden Artikel vorgestellt und diskutiert wurden, so dass die wachsenden Texte zahlreiche Anregungen aller versam melten Kolleginnen aufnehmen konnten. Mein Artikel aus diesem Buch reagierte insbesondere auf die (nach wie vor anhaltenden) Streitig keiten zwischen quantitativen und qualitativen MethodenvertreterInn en. Gegen das darin sich manifestierende dualistische Denken entwickele ich die Denkfigur des methodologischen Triviums, das den Blick eher a uf den beabsichtigten Forschungszweck lenken soll. 8 Schriften-Reihe - Heft 6 Der Eingangstext ist nur wenig j\u00fcngeren Datums. Er entspricht weitestgehend dem Vorstellungsvortrag, den ich im Juni 199 5 f\u00fcr die Hochschuldozentur 'Methoden der empirischen Sozialforsc hung - mit Anwendungsbezug Frauenforschung oder Sozialstrukturanaly se' an der Philipps-Universit\u00e4t hielt. Auch in Marburg diskutier(t)en WissenschaftlerInnen ihre feministische Forschung - u.a. auch Methoden feministischer Wisse nschaft - in einem interdisziplin\u00e4ren Zentrum. Bis 2001 geschah dies i n der Interdisziplin\u00e4ren Arbeitsgruppe Frauenforschung (IAG) und seither im Zentrum f\u00fcr Gender Studies und feministische Zukunftsforschung. Einen Ort f\u00fcr den Austausch bot u. a. ein regelm\u00e4\u00dfig gemeinsam verans taltetes Kolloquium. Ein dort gehaltener Vortrag zu feministischer W issenschaftskritik bildet den Abschluss dieses Heftes. Der vierte Text schlie\u00dflich erschien vor zwei Jahre n in einem Methodologie-Lehrbuch des AK 'Politik und Geschlecht' in d er Deutschen Vereinigung f\u00fcr Politische Wissenschaft (DVPW). Gew\u00fcnsch t war ein Artikel, der etwa lauten sollte: '10 Jahre nach dem methodol ogischen Trivium'. Die in einem solchen Titel mitschwingende Vorstellu ng einer Rezeptionsgeschichte ist allerdings nicht umzusetzen, weil mein Wunsch, dualisierendes methodisches Denken zu Gunsten anderer St rukturierungen aufzugeben, kaum Widerhall gefunden hat. Inwiefern ich mit einer Hamburger Kollegin an einem methodologischen Grundmode ll weitergedacht habe, ist nun unter dem Titel 'Methoden als Herrsch aftswissen' nachzulesen. Texte, die \u00fcber einen Zeitraum von etwa zehn Jahren entstanden sind, stellen ein Themenfeld selbstverst\u00e4ndlich nicht hom ogen dar. Entwicklungen und Perspektivverschiebungen sind deutlich e rkennbar. Dies muss so sein, weshalb an den beiden \u00e4lteren Texten au\u00dfer Rechtschreibung und einer inhaltlichen Korrektur auch keine Ve r\u00e4nderungen vorgenommen wurden. Nun w\u00fcnsche ich allen Leserinnen und Lesern, dass s ie sich nicht zu schwer mit den verschlungenen Wegen methodologische n Denkens tun, sondern lustvoll mit ihrem Denken und meinen Denkmo dellen experimentieren m\u00f6gen. Im Dezember 2006 Gabriele Sturm Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 9 Der weibliche Blick (1995) 1 Der Titel meines Vortrags ist gewollt provozierend formuliert - und das durchaus als methodisches Design verstanden, da er - so hoffe ich Fragen, Interessen, Stellungnahmen hervorruft. Da i ch Sie weder in der schriftlichen Form noch aus Zeitgr\u00fcnden im m\u00fcndlich en Vortrag nach spontanen Reaktionen fragen kann, simuliere ich ein ige Ihrer m\u00f6glichen Fragen, die da lauten k\u00f6nnten: \"Was hei\u00dft denn hier weiblich?\" oder \"Sehe ich was, was Du nicht siehst?\" oder \"Wieso sc hauen Frauen anders als M\u00e4nner?\" oder auch \"So etwas soll es geben ?\" Als Aufh\u00e4nger f\u00fcr methodologische \u00dcberlegungen genutzt m\u00f6chte ich hier drei Aspekte dieses Reiz-Reaktions-Spiels vertiefen: Zum ersten m\u00f6chte ich auf die angedeutete Konstitution des Weiblichen eingehen, indem ich unter anderem darlege, was ich unter feministischer Soziolo gie verstehe, da das Verst\u00e4ndnis davon keineswegs als allseits geteilter Wissensstand vorausgesetzt werden kann. Zum zweiten m\u00f6chte ich auf das Sehen als bevorzugte m\u00e4nnliche Sinnesweise hindeuten. Und als Verbindungsschritt zwischen der Geschlechterkonstitution und d em geschlechtsdifferenzierten Blick m\u00f6chte ich mich dem Erkenntnisprozess als zentralen Gegenstand empirischer Soziologie widmen, wobei ich insbesondere auf den Begriff der Objektivit\u00e4t eingehen werde. Zum Ersten will ich also auf das Geschlechterkonstr ukt eingehen und damit zugleich meine Perspektive als Wissenschaftle rin darlegen. Dabei setze ich voraus, dass auch wissenschaftliche Persp ektiven - und nicht nur ein Alltagsverst\u00e4ndnis - durch Interessen bzw. Fragestellungen und Handlungsbez\u00fcge gepr\u00e4gt sind. Diese fokussieren, be zogen auf ein Problem, das Wahrnehmen wie das Deuten wie das Hand eln. Mit meinem Titel habe ich implizit eine Differenz konstrui ert. Zwar habe ich mich 1 F\u00fcr den hier abgedruckten Vortrag lautete die Aufg abenstellung, eine methodologische Sicht auf das Themenfeld 'Frauenforschung und Sozia lstrukturanalyse' zu pr\u00e4sentieren. F\u00fcr die Verschriftlichung habe ich weitgehend die in ei nem Vortrag \u00fcbliche Anredeform beibehalten. Entsprechend wurde auch weitgehend auf Literat urverweise verzichtet. 10 Schriften-Reihe - Heft 6 Ihrer Reaktion als Zuh\u00f6rerInnen bzw. als LeserInnen nicht versichert, aber unserem kulturellen Muster entspricht, dass wi r bei Betonung nur eines Geschlechts das andere in der Regel als unter schieden mitdenken. Die Formulierung des weiblichen Blicks produzi ert nahezu selbstverst\u00e4ndlich die Annahme der Existenz des m\u00e4nnliche n Blicks - Sie k\u00f6nnen es an sich selbst \u00fcberpr\u00fcfen bzw. haben es s chon getan. Die Wahrnehmung eines Gegensatzes ist f\u00fcr menschliche E rkenntnis sogar notwendig, denn wenn alle Menschen und Forschenden sich als in ihrem Erleben lebende Subjekte nicht von ihren Erlebnisin halten trennen k\u00f6nnten, w\u00fcrde die Welt von allen auf identische Weise erfahren. Erst Erfahrungsunterschiede schaffen die M\u00f6glichkeit, von rein subjektiven Sin nstrukturen zu abstrahieren und in Folge in einer als intersubjektiv verstandenen Au\u00dfenwelt zu agieren. Unter anderem bietet sich uns dadurch die Chance, dass wir uns zu einem Vortrag n icht zuf\u00e4llig, sondern intendiert am ausgewiesenen Ort treffen. Das unausgesprochene aber mitgedachte Gegen\u00fcber wei st also auf unseren Erkenntniswillen. Hinsichtlich des Geschlecht s - als eines dichotom kodierten Merkmals des Menschen - ist sogar anz unehmen, dass es eine der wesentlichen Ursachen f\u00fcr eine weit ver breitete dualistische Konstituierung von Welt ist. Selbst wenn es uns nic ht immer leicht f\u00e4llt, versuchen wir h\u00e4ufig bis meist, unsere Wahrnehmunge n in Form von Gegensatzpaaren zu ordnen. Es ist f\u00fcr uns die gebr\u00e4uchlichste und gewohnteste M\u00f6glichkeit, Komplexit\u00e4t zu reduzieren un d Ordnungsstrukturen zu entwickeln - im Alltag wie in der Wissenscha ft, was \u00fcbrigens auch ein Beispiel f\u00fcr derartige Gegen\u00fcberstellungen ist. Zahllose statistische Tests und sogar multidimensionale Verfahren pr\u00e4sent ieren sich als polare Darstellungen und beruhen auf Paarvergleichen. W er sich schon mit vieldimensionalen MDS oder \u00e4hnlichem geplagt hat, w ei\u00df, dass es derzeit auch kaum anders geht, wenn eine Interpretatio n \u00fcberhaupt noch m\u00f6glich sein soll. So erscheint mir auch nicht die Reduzierung problematisch, sondern, dass zu wenig beachtet oder themati siert wird, was explizit oder vor allem implizit ausgeschlossen wurde. D ies trifft \u00e4hnlich die Konstituierung von Geschlecht als Gegensatzpaar. Zw ar werden durch Dualisierung Zug\u00e4nge zu nicht-bin\u00e4ren Erkenntnisstr ukturen erschwert, das grundlegende Problem besteht jedoch in der unterschiedlichen Bewertung der beiden Seiten. Die Welt in Dualismen zu ordnen ist seit Platon in der europ\u00e4ischen Philosophie gang und g\u00e4be. Aber erst seit Aristoteles sind sie implizit mit einer Zuweisung zum G eschlechterverh\u00e4ltnis Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 11 verbunden: So wie Licht zu Finsternis, wie aktiv zu passiv, wie Geist zu Materie, wie au\u00dfen zu innen, wie Kultur zu Natur wi rd das Verh\u00e4ltnis vom Mann zur Frau angesehen. Die damit einhergehend e Bewertung weist den Frauen qua Geschlecht immer den schlechte ren Pol zu. Den Zusammenhang dieser hierarchischen Ordnung mit den Charakteristika unseres Wissenschaftssystems weist Evelyn Fox Kelle r insbesondere f\u00fcr die Naturwissenschaften nach. Speziell durch werten de Dualismen werden Spaltungen verfestigt, die es unm\u00f6glich machen, dass die Erfahrungen von Welt und Natur als mit den Forschenden verb unden wahrgenommen werden k\u00f6nnen. Stattdessen hat der Wissensch aftler autonom zu agieren. Als herrschender Erkenntnisstruktur wei st Evelyn Fox Keller dieser Ordnung den Begriff des Wissenschaft-Geschlechter-System s zu. Die untergeordnete Rolle von Frauen in den europ\u00e4is chen Gesellschaften erfuhr durch den Aufstieg neuzeitlicher Wissens chaft so nicht unerkl\u00e4rbar ihren Tiefpunkt: Mehr denn je hatten sie zu leiden, falls sie Anspruch auf das den M\u00e4nnern vorbehaltene Seinsprinzi p erhoben, denn damit stellten sie sich au\u00dferhalb nat\u00fcrlicher Ordnu ng und waren darum zu strafen. Erst mit der Frauenbewegung - der Alten wie der Neuen scheint Bewegung auch in das Wissenschaft-Geschlech ter-System gekommen zu sein. W\u00e4hrend es der Frauenbewegung um die L\u00f6sung von Fra uen aus unterdr\u00fcckenden Herrschaftsverh\u00e4ltnissen geht, zielt ein e feministische Soziologie auf eine Analyse des zugrunde liegenden hierarchis chen Geschlechterverh\u00e4ltnisses und auf Kritik aller daraus resultierenden Gesellschaftsformationen. Das Geschlechterverh\u00e4ltnis weis t f\u00fcr die Analyse unterschiedliche, sich teils \u00fcberlagernde Fassetten auf, von denen ich zur Zeit vier formuliere: 1. erleben wir das Geschlechterverh\u00e4ltnis auf der E bene der pers\u00f6nlichen Beziehung zwischen Geschlechtsindividuen . Mit den daraus resultierenden Alltagsproblemen haben wir alle zu t un auch wenn wir gegenw\u00e4rtig in keiner heterosexuellen Partnersc haft leben, da die unterschiedliche Vergeschlechtlichung unsere Ro llen-Erwartungen und geschlechtstypische Verhaltensweisen beding t. 2. wirkt die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer der beiden Genu sgruppen im kategorialen Sinn auf der Ebene der Sozialstruktur als starke Trennv ariable, weshalb zahlreiche Situationsanalysen als Ver gleichsuntersu- 12 Schriften-Reihe - Heft 6 chungen hinsichtlich verschiedenster Merkmalsvertei lungen durchgef\u00fchrt werden. 3. ist das Geschlechterverh\u00e4ltnis als \u00fcberindividuelles Vergesellschaftungsverh\u00e4ltnis zu untersuchen, wobei zur Zeit das Augenmerk insbesondere auf der Entwicklung von Arbeitsteilung, F ortpflanzung und Eigentumssicherung liegt. 4. manifestiert sich das Geschlechterverh\u00e4ltnis als kulturell-historischer Ausdruck mit symbolisch belegten Bedeutungstr\u00e4gern. Die soe ben kurz angesprochene Kritik am dualistischen Weltbild verweist auf zugeh\u00f6rige Dekonstruktionen von Weiblichkeit und M\u00e4 nnlichkeit. Auf dieser letzten Analyseebene will ich mich im Fo lgenden haupts\u00e4chlich bewegen. Eine Beschr\u00e4nkung auf qualitativ oder quantifizierend operierende Methoden oder Verfahren ist f\u00fcr keine der angef\u00fchrten Fassetten sinnvoll. Damit m\u00f6chte ich meine Standortbestimmung hinsichtl ich der Konstitution des Weiblichen vorerst beenden und schauen, was dies f\u00fcr Methoden bedeutet. Dabei ist das Ziel immer noch die Kl\u00e4rung des im Titelthema angesprochenen m\u00f6glicherweise geschlechtsspezifisch en 2 Blicks. Sie h\u00f6ren schon, ich gedenke noch nicht, die unausgespr ochene Frage, ob es einen solchen gibt, zu beantworten. Vielmehr m\u00f6c hte ich mich zu2 In der deutschen Alltagssprache und teilweise auch in der Wissenschaft wird das Wort \"geschlechtsspezifisch\" f\u00fcr alle Kennzeichnungen von U nterschieden zwischen Angeh\u00f6rigen der beiden Genusgruppen verwendet, d. h. bestimmte Merk male sind spezifisch m\u00e4nnlich oder spezifisch weiblich. Aus au\u00dfereurop\u00e4ischen Kulturen sind Unterscheidungen nach drei oder mehr Geschlechtern bekannt, auf die ich hier nicht eingehen kann. Wenn ich hinsichtlich des gesellschaftlich verwirklichten Konzepts der Zweige schlechtlichkeit entsprechend der englischen Unterscheidung zwischen 'sex' und 'gender' na ch biologischem und sozialem Geschlecht unterscheide, ist nicht mehr einfach von G eschlechtsspezifik zu reden. Dem Vorschlag von Annette Degenhardt & Hanns Martin Trautn er (1979) folgend, bezeichne ich Merkmale, die nur bei einer Genusgruppe vorkommen ( z. B. Geb\u00e4rf\u00e4higkeit) als \"geschlechtsspezifisch\" und Merkmale, die im Laufe der Sozialisation erworben werden als \"geschlechtstypisch\". Sozialisierte Geschlechtstypik k ann - so gesehen - zun\u00e4chst bei beiden Genusgruppen ermittelt und anschlie\u00dfend zur Charakt erisierung von Geschlechterverh\u00e4ltnissen vergleichend interpretiert werden, w\u00e4hrend e ine festgestellte biologische Geschlechtsspezifik immer nur auf eine Genusgruppe zu trifft, als solche aber durchaus in die Interpretation von Geschlechterverh\u00e4ltnissen mit ei nflie\u00dfen muss. Sowohl Vorstellungen des biologischen als auch des sozialen Geschlechts unte rliegen historischen Einfl\u00fcssen. Insofern d\u00fcrfte sich der Sprachgebrauch durch konstruktivist ische Geschlechtertheorie weiter ver\u00e4ndern. Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 13 n\u00e4chst einigen M\u00f6glichkeiten und Grenzen des Erkenntnisprozesses widmen sowie dem Anspruch an Wissenschaft, dass sie allgemeing\u00fcltige Aussagen verk\u00fcnden m\u00f6ge. Das Problem f\u00fcr die Method en empirischer Forschung besteht dabei in der Verwechslung eines p lanm\u00e4\u00dfigen, geordneten, kontrollierten Vorgehens zwecks Erkenntni sgewinnung mit der Entscheidung, was als wahr konstatiert werden kann oder soll. \"m\u00e9thodos\", die griechische Wurzel des Begriffs Methode , hei\u00dft nichts anderes als das Nach-Gehen, Hinterher-Gehen, der Weg zu etw as hin. Methoden sind somit abh\u00e4ngig vom Ziel, von der Fragestellung und nur daran gebunden als geeignet oder ungeeignet zu beurteilen. Der Weg h\u00e4ngt zudem von der Person ab, die ihm folgt. So ist Wissen schaft - und nicht nur die Sozialwissenschaften - immer als soziale Un ternehmung zu verstehen. Jegliche Messung beruht auf der Wechselwirk ung zwischen Sender und Empf\u00e4nger. Die Erfolge von Wissenschaft folgern somit aus der F\u00e4higkeit zur Interaktion, beruhen auf Austausc h und der Verst\u00e4ndigung \u00fcber verschiedene Perspektiven, um dann auf je weils abstrakterer Ebene zu einer gemeinsamen Aussage zu gelangen. Wah rheit kann somit nur soziale Wahrheit sein, denn sie ist keine E igenschaft von Dingen, sondern von S\u00e4tzen, die an erkennende und handelnde Menschen gebunden sind. S\u00e4tze werden zudem nicht gefunden, son dern sind aufzustellen und entsprechend auch zu \u00e4ndern oder zu ver werfen. Dergleichen Vertauschungen von Allgemeinem mit Beso nderem oder von Ordnung mit Entwicklung etc. behandelt ausf\u00fchrl ich die Typentheorie. Wenn ich den Weg also nicht mehr mit dem Ziel verwechsele, kann ich mich dem n\u00e4chsten Klassifikationsproblem zuwend en. Meine n\u00e4chste Begriffskl\u00e4rung bezieht sich auf eines der klassisc hen G\u00fctekriterien empirischer Sozialforschung. Als solche gelten Objekt ivit\u00e4t, Reliabilit\u00e4t und Validit\u00e4t, die zudem als einander implizierend defi niert werden. Dadurch erscheint die Objektivit\u00e4t als Kern, als unabdingbar f\u00fcr traditionelle Messung. In Methodenlehrb\u00fcchern sind diese G\u00fctekriteri en ausschlie\u00dflich f\u00fcr das Messinstrument und seinen Verwendungskontext fo rmuliert. Angewendet wird speziell der Begriff der Objektivit\u00e4t i m wissenschaftlichen Alltag allerdings wiederum eher im Sinne von richti g bzw. neutral. Was hei\u00dft nun objektiv, wenn ich nach der Wortwurzel sc haue. Im Lateinischen hei\u00dft \"obicere = entgegenwerfen, entgegenstel len, vorsetzen, vorwerfen\". Das Objekt als obiectum ist dann das Entgegengeworfene, der Vorwurf, auch der Gegenstand, das Vorgestellte. Damit ist mir das Ziel von Methode gegeben, auf das sich das T\u00e4tig-Se in, das Dem-Weg- 14 Schriften-Reihe - Heft 6 Folgen bezieht. Objektiv meint dann das dem Gegenst and Anhaftende durchaus unabh\u00e4ngig von Messmethode und Beobachter bzw. Beobachterin, worauf in der Physik insbesondere durch den Begriff der Objektivierbarkeit hingewiesen wird. \u00dcbrigens stammt entsp rechend subjektiv aus \"subicere = darunter werfen, zugrunde legen, un terlegen\". Ein Subjekt bezeichnet somit die Basis, die Grundlage, das Unt ergelegte, von wo aus Erkennen und Handeln auf einen Gegenstand zu m\u00f6glich wird. Diese Definition wird auch durch die aktuelle femin istische Theoriedebatte um ein situiertes versus ein konstituiertes Subj ekt nicht in Frage gestellt. Mir erscheint, an diesen Begriffshintergr\u00fcnden beso nders erw\u00e4hnenswert der implizierte Eigensinn des Objektes als des mir Entgegenstehenden zu sein, was einer Vorstellung von Neutralit \u00e4t im Sinne von Nicht-beteiligt-Sein widerspricht. Diesen Eigensinn des mir Entgegengeworfenen kann ich meines Erachtens auch in der wiss enschaftlichen Interaktion nur bedingt begreifen. Er zwingt mich jed och zu bewusster Subjektivit\u00e4t, d. h. zur Stellungnahme und zu Entsc heidungen \u00fcber den Fortgang des Forschungsprozesses. Die Eigenheit des Objektes ist zu beeinflussen und sogar zu zerst\u00f6ren, aber dann wird aus dem Gegenstand ein Ableger einer individuellen statt subjekt iven Perspektive. Als Folge kann kaum mehr als Langeweile bzw. Gleichma\u00df produziert werden. Objektivit\u00e4t als \u00dcberparteilichkeit bildet som it weniger ein Problem, wenn der Begriff begrenzt angewendet wird beim Eins atz eines wohldefinierten Erhebungsinstrumentes - auch wenn zu disk utieren ist, ob Werthaltungen und diesen zugrunde liegende Erfahrun gskontexte nicht auch Einfluss auf die Syntax einer Theorie nehmen u nd somit jede Methodenkonstruktion beeinflussen. Bei der Erstellung eines Erhebungsinstrumentes im Sinne von Methodenwahl ist der Begrif f der Objektivit\u00e4t sofern es um Neutralit\u00e4t statt um Angemessenheit ge ht - fehl am Platz. Objektiv sollte also nicht mehr als Bewertungskateg orie, sondern als Klassifikation von dem Gegenstand angeh\u00f6renden Eige nheiten verstanden werden, die in einem kontrollierten Interaktion sprozess von Erfahrung zu Erkenntnis werden. Im Weiteren kann ich mic h nun dem Zusammenhang von Methode und Geschlechterverh\u00e4ltnis w idmen. Dazu brauche ich nur bislang schon Zusammengetragen es auch zusammenzudenken, als Folien aufeinander zu legen. Da ist auf der einen Folie Methode als der sich entwickelnde Weg zwische n Subjekt und Objekt im Forschungsprozess, wobei Subjekt wie Objekt durch vergleichba- Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 15 re Eigenst\u00e4ndigkeit gekennzeichnet sind. Diese pote nzielle Gleichwertigkeit sagt allerdings nichts aus hinsichtlich der Zu griffsm\u00f6glichkeiten der Erkenntnissuchenden auf den Gegenstand ihrer Begier de. Auf der anderen Folie ist das Geschlechterverh\u00e4ltnis in seinen verschieden auftretenden Fassetten, die derzeit nicht allein durch Diffe renz, sondern durch Hierarchie gekennzeichnet sind. Ich ben\u00fctze bewusst das Wort Hierarchie, das im Kirchenlatein die \"heilige Rangordnung \", das gottgeweihte Herrschen bezeichnete. Die Worte Ungleichheit oder Verschiedenheit k\u00f6nnen das Herrschaftsverh\u00e4ltnis von M\u00e4nnern \u00fcber F rauen in einer pariarchalischen Kultur nur unzureichend beschreiben bzw. dienen der Verschleierung. Frauen waren in und f\u00fcr neuzeitlich e Wissenschaft so unwichtig, dass sie als Objekte derselben kaum, als Subjekte im Prinzip nie in Erscheinung traten. Die Geschichte der Fraue nbildung als Voraussetzung f\u00fcr eine m\u00f6gliche Wissenschaftslaufbahn spr icht eine deutliche Sprache: Erst mit der sogenannt \"Alten\" Frauenbeweg ung im 19. Jahrhundert erstritten sich Frauen den Zugang zu \u00f6ffent lichen Schulen und in der Folge die Hochschulzulassung. Die Erweiterung d er Bildungschancen f\u00fcr Frauen auf der einen Seite ging jedoch einh er mit einer Sublimierung ihrer famili\u00e4ren Abh\u00e4ngigkeit auf der anderen Seite: Was Ursula Beer als sekund\u00e4ren Patriarchalismus analysiert hat ist die Etablierung des Normalarbeitsverh\u00e4ltnisses mit dem Vorbild m\u00e4nn licher Industriearbeit zeitgleich mit der Normalfamilie als Kleinfami lie mit der Mutter als Familienmanagerin. Mit dieser in einer Arbeitsgesel lschaft hierarchischen Arbeitsteilung haben Frauen auch als Objekte von Wissenschaft \"schlechte Karten\". Wie es am Beispiel der Psychoan alyse besonders deutlich wurde, erschienen sie - falls \u00fcberhaupt se parat betrachtet - als Exoten, Monstren, das Fremde, als von der Normalit\u00e4t m\u00e4nnlicher Ordnung Abweichende . Den Forschenden gegen\u00fcber gleichwertige Eigenst\u00e4ndigkeit zu beanspruchen war in einer sich haupt s\u00e4chlich technischsezierend verstehenden Methodenauffassung im Sinne Francis Bacons 3 kaum m\u00f6glich. So verbreitete sich in der Frauenbewe gung die abweh3 Francis Bacon (1561 - 1626) war Anwalt, Politiker, Schriftsteller, Philosoph. Als Oberster Kronanwalt war er u. a. f\u00fcr die Hexenjagden in Engl and zust\u00e4ndig, die in der angels\u00e4chsischen Welt in den Bereich des Strafrechts (1604: Wi tchcraft Act) und nicht des religi\u00f6sen Rechts fielen. Bacon gilt als Begr\u00fcnder moderner Em pirie. Die rational geleitete Vermehrung des Wissens und die Fundierung menschlicher Erkennt nis war ihm dabei nicht Selbstzweck, sondern Mittel, Herrschaft \u00fcber die Natur zu gewinn en. Gegen das bis dahin deduktiv orientierte Methodenideal baute er die induktive Argumen tation aus, die auf einer systematischen Variation der Rahmenbedingungen beruht. 16 Schriften-Reihe - Heft 6 rende Beschreibung traditioneller Forschung als mit der Gefahr des Zum-Ding-degradiert-Werdens verbunden. Die in den 1970er Jahren sich konstituierende Fraue nforschung suchte folglich nach eigenen alternativen Kriterien f\u00fcr Fr auen im Forschungsprozess. Pr\u00e4gend f\u00fcr methodologische Diskussionen w urden dabei die \"Methodischen Postulate zur Frauenforschung\" von Ma ria Mies aus dem Jahr 1978. Sie rief damals auf zu bewusster Parteilichkeit f\u00fcr die Aufhebung der \u00b7 Unterdr\u00fcckung der Frau, gegen eine verk\u00fcrzt und verallgemeinert als N eutralit\u00e4t und Indifferenz verstandene Werturteilsfreiheit; \u00b7 zu einer Sicht von unten, im Dienste der beherrsch ten Gruppen; \u00b7 zur aktiven Teilnahme an emanzipatorischen Aktione n; \u00b7 zur Ver\u00e4nderung des status quo als Ziel von Forsch ung; \u00b7 zur Auswahl des Forschungsgegenstandes nach strate gischen Erfordernissen der Frauenbewegung und \u00b7 zur Organisation von Forschung als beidseitigen Be wusstwerdungsprozess f\u00fcr Forschende und Erforschte. Die Formulierung dieser Postulate resultierte aus d en Erfahrungen der Frauenbewegung, also aus politischem Handeln verbun den mit kritischer Wissenschaftshaltung. Auch wenn sie einigen von Ihn en fremd erscheinen m\u00f6gen, sind sie nicht sehr unterschiedlich zu d en zuvor von mir vorgenommenen Begriffsinterpretationen hinsichtlich Me thode sowie dem Verh\u00e4ltnis von subjektiv versus objektiv. Denn gefo rdert wird die Kl\u00e4rung der Voraussetzungen einschlie\u00dflich des eigenen - bislang meist selbstverst\u00e4ndlich androzentrisch gepr\u00e4gten - Standortes , weiter die Betonung des Praxiskontextes und des Forschungsinteresses als Erkenntnis und Methodenwahl leitend, sowie das Bewusstsein davon, dass ein Forschungsprozess als Suchbewegung zwischen prinzipiell gleichwertigem Subjekt und Objekt keine Seite unver\u00e4ndert lassen kann. Deshalb bedarf Forschung einer politischen bzw. \u00f6ffentlichen Refle xion, da immer das Gemeinwesen von der Auswirkung betroffen ist. W\u00fcrde solches von allen Forschenden bedacht und eingehalten, s\u00e4hen unse re Gesellschaft wie das Geschlechterverh\u00e4ltnis wie auch unsere wiss enschaftlichen Methoden wahrscheinlich anders aus. Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 17 Methodenwahl ist also insofern geschlechtsabh\u00e4ngig als Vergeschlechtlichung und Vergesellschaftung Frauen und M\u00e4nner un terschiedlich gepr\u00e4gt und ihnen in der Regel verschiedene Erfahrung skontexte erm\u00f6glicht haben. Die Frage nach dem weiblichen Blick m\u00fc sste also zum einen schauen, was es an gemeinsamem Wirklichkeitsverst\u00e4ndnis gibt - was ich auch als gesamtgesellschaftliche Erfahrung beze ichnen k\u00f6nnte. Diesbez\u00fcglich sch\u00e4tze ich interindividuelle Faktizi t\u00e4t als weitgehend unbekannte Schnittmenge ein. Zum anderen gehe ich abe r auch davon aus, dass ich in der Regel meine Wirklichkeit zu gr o\u00dfen Teilen mit Anderen teile, und dass die Anderen ihrerseits von ganz Entsprechendem ausgehen. Allerdings m\u00fcssen wir uns \u00fcber Gemeinsame s und Trennendes entschieden deutlicher austauschen. Erst dann k ann \u00fcberlegt werden, inwiefern Frauen und M\u00e4nner miteinander etwas intentional ver\u00e4ndern wollen am sie betreffenden Trennungszustand? Das m ag ich hier nicht beantworten, sollten Sie sich aber weiterf\u00fchr end fragen! Neben dieser Differenz zwischen Angeh\u00f6rigen der bei den Genusgruppen ist nicht zu vergessen, dass die Differenz zwis chen M\u00e4nnern bzw. die zwischen Frauen entsprechend ihren Lebensumst\u00e4n den zudem noch einiges an Varianz hinsichtlich m\u00f6glicher Erkenntni sperspektiven erzeugt. So erwarte ich auf der Ebene von Mittelwerts vergleichen wenn es um geschlechtstypische Wahrnehmung geht auch nur ve reinzelte \u00fcberzuf\u00e4llige Unterschiede - abh\u00e4ngig von der Variablen konstruktion. Wie aber komme ich dar\u00fcber hinaus zu Aussagen \u00fcber den weiblichen oder m\u00e4nnlichen Blick? Dazu m\u00f6chte ich in diesem letzten Teil meiner Ausf\u00fc hrungen kurz auf analysierende Folgerungen von Craig Owens eingehen, der sich als amerikanischer Kunstkritiker viele Jahre am Disput um Postmoderne beteiligte. In einem Artikel mit dem Titel \"Der Disku rs der Anderen - Feministinnen und Postmoderne\" unterscheidet er die The men und Darstellungen weiblicher und m\u00e4nnlicher Kunstschaffender i m Hinblick auf ihre F\u00e4higkeit, Differenz zu erkennen. Zun\u00e4chst habe es so ausgesehen, dass feministische Kritik sich nicht unterscheide v on sogenannt postmodernen Forderungen. Jedoch erwiesen sich Grundlagen und Zielrichtung als wesentlich unterschiedlich. Nachdem schon Marti n Heidegger das Wesen der Neuzeit dadurch f\u00fcr ausgezeichnet hielt, dass die Welt zum Bild wird bzw. mann als Subjekt die Welt schafft, f \u00fchrte Luce Irigaray 18 Schriften-Reihe - Heft 6 1978 (zitiert in Owens 1986, S. 186) weiter aus: \"S ich des Blickes zu bedienen ist das Privileg der M\u00e4nner und nicht der Fr auen. Denn das Auge objektiviert und beherrscht st\u00e4rker als die anderen Sinne. Es stellt Distanz her, h\u00e4lt diese Distanz aufrecht. Die Dominanz des Blickes \u00fcber Geruch, Geschmack, Ber\u00fchrung und H\u00f6ren hat k\u00f6rperlich e Beziehungen in unserer Kultur verk\u00fcmmern lassen [...]. In dem Mome nt, in dem der Blick dominiert, verliert der K\u00f6rper seine Materialit\u00e4t\". Letzteres hei\u00dft, er wird in Bildlichkeit transformiert. Eine Herrschaftsstruktur der Moderne besteht so im Repr\u00e4sentationsprinzip . Dieses schlie\u00dft Frauen als Subjekte der Darstellung aus, l\u00e4sst sie nur zu als Objekte i m Modus einer Darstellung des Nichtdarstellbaren - wie der Natur, der Wa hrheit, des Erhabenen. So treten M\u00e4nner auf als das Sichtbare, Frauen als das Unsichtbare. Da, wo die sexuelle Differenz dargestellt wird, ist es kein Abbild anatomischer Differenz, sondern der ihr zugeschriebene n Werte: Der ver\u00f6ffentlichte Phallus ist lediglich Signifikant. Dies eingedenk arbeiten die meisten K\u00fcnstlerinnen weiterhin bzw. ausdr\u00fccklich m it dem vorhandenen Repertoire kultureller Symbolik, denn ihr Subjekt, weibliche Sexualit\u00e4t, konstituiert sich immer in und als Repr\u00e4sentation, als Repr\u00e4sentation des Begehrens des Mannes. Daraus folgert, dass ein genuin weiblicher Blick derzeit nicht existiert weder geschlechtstypisch noch gar geschlechtsspezif isch (siehe auch vergleichbare Ergebnisse in der Identit\u00e4ts-Diskussi on). Den m\u00e4nnlichen Blick dagegen kennen wir sehr gut - unter anderem a ls Bildtitel, den einige Maler f\u00fcr ihre Werke gew\u00e4hlt haben. Weiterhin wird deutlich, dass Frauen sich dagegen wehren, im postmodernen Kauderw elsch Differenz mit Hierarchie, Vielfalt mit Beliebigkeit oder Obje ktivit\u00e4t mit Entscheidungsverweigerung zu verwechseln. F\u00fcr die empirisch e Forschung bedeutet solche Analyse zudem versch\u00e4rfte Reflexionsa nforderungen f\u00fcr ein Basis-Erhebungsinstrument der Empirischen Sozia lforschung: die Beobachtung! Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich aus meinen Thesen vier Folg erungen ableiten: 1. Dichotome Ordnungskategorien sind f\u00fcr wissenscha ftlichen Erkenntnisfortschritt hinderlich obwohl sie eine \u00fcber schaubare Strukturierung sehr erleichtern. Sie sollten zumindest erg \u00e4nzt werden. Zugleich ist im politischen Handeln Differenz zu beto nen, um einer Esist-alles-egal-Haltung entgegenzuwirken. Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 19 2. Die vier Wirkungsebenen des Geschlechterverh\u00e4ltn issen, die derzeit von der Geschlechterforschung untersucht werden, si nd nur mit Hilfe des gesamten zur Verf\u00fcgung stehenden Methodenspe ktrums zu bearbeiten und fordern dar\u00fcber hinaus zur Neu- und Weiterentwicklung von Methodologie und Methoden heraus. 3. Manches aus dem \u00fcblichen Methodeninventar wird a ufgrund einer oft wenig \u00fcberzeugend erlebten Forschungspraxis abg elehnt. Eine R\u00fcckbesinnung (nicht nur mittels etymologischem Zug riff) auf Bedeutungsgehalte methodologischer Grundbegriffe kann nicht schaden. 4. Wenn Sehen ein von den Geschlechtern unterschied lich einge\u00fcbter Sinn ist, muss insbesondere in Beobachtungsstudien wesentlich pr\u00e4ziser auf die Erhebungssituation geachtet werden . Es ist vor allem zu fragen, wessen Realit\u00e4t sich vergegenst\u00e4ndli cht hat und heute sichtbar ist? 20 Schriften-Reihe - Heft 6 Wie forschen Frauen? \u00dcberlegungen zur Entscheidung f\u00fcr qualitatives oder quantifizierendes Vorgehen (1994) 4 Um es gleich vorwegzunehmen: Ich denke nicht, dass es feministische Methoden gibt! Allerdings gehe ich davon aus, dass aus dem zur Verf\u00fcgung stehenden Methodenspektrum nicht jeder Ansatz gleicherma\u00dfen geeignet ist, Fragen des Geschlechterverh\u00e4ltnisses zu erforschen - es gibt also durchaus eine feministisch begr\u00fcndete Wah l ad\u00e4quater\/er Methoden. Zum einen stellt sich die Entscheidung f\u00fcr ein spez ielles methodisches Vorgehen als eine operational 5 begr\u00fcndete dar, da unterschiedliche Problemstellungen, Vorannahmen und Forschungsziele auch verschiedenen Instrumente und Strategien der methodischen B earbeitung nahe legen; diesbez\u00fcglich unterscheiden sich Frauenforsc herinnen \"nur\" durch ihren Blick auf bzw. erweiterte Aufmerksamkeit f\u00fcr die Realit\u00e4t von anderen Forschenden. Zum anderen ist die Entscheidung f\u00fcr Methode und Ve rfahren aber auch verkn\u00fcpft mit oder gar \u00fcberlagert von ideologischen Zuschreibungen bzw. Vereinnahmungen, die - insbesondere wenn es um die Alternative quantitativ oder qualitativ geht - eine Ber\u00fccksicht igung der damit implizit mitgedachten Inhalte erforderlich machen kann oder sollte. 4 Dieser Artikel erschien erstmals 1994 in: Angelika Dietzinger, Hedwig Kitzer, Ingrid Anker, Irma Bingel, Erika Haas & Simone Odierna (Hg.), Erfahrung mit Methode: Wege sozialwissenschaftlicher Frauenforschung (Forum Frauenforschung, Bd. 8, S. 85-104). Freibur g: Kore. Bei der Wiederver\u00f6ffentlichung habe ich im letzten Teil einen gedanklichen \"Dreher\" korrigiert sowie in geringf\u00fcgigem Ma\u00dfe sprachliche Gl\u00e4tt ungen vorgenommen. Die beiden Abbildungen wurden aufgrund ver\u00e4nderter Grafikprogramme neu erstellt. An der Argumentationsstruktur ist nichts ver\u00e4ndert worden! 5 Eine operationale Begr\u00fcndung folgt zuvor festgeleg ten \/ festzulegenden Grunds\u00e4tzen und pr\u00e4feriert in der Ausrichtung auf ein bestimmtes Zi el hin ein L\u00f6sungsverfahren, das entsprechend den Vorannahmen und Erkenntnisinteressen zu o perationalisieren ist. Unter Operationen werden zielorientiert aufeinander folgende Han dlungen, Denkvorg\u00e4nge, Arbeitsschritte etc. verstanden. Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 21 Und schlie\u00dflich ist auch wissenschaftliches Arbeite n unabh\u00e4ngig von pers\u00f6nlichen Pr\u00e4ferenzen und alltagsbedingten Erfah rungen der Forschenden, die sich u. a. in der Methodenwahl ausdr\u00fc cken k\u00f6nnen. Welche Ans\u00e4tze stellen sich also derzeit als die ad \u00e4quateren f\u00fcr forschende Frauen dar? Infolge des Methodenstreites de r vergangenen Jahrzehnte - u. a. ausgehend vom Positivismusstreit in der deutschen Soziologie - hat sich die Diskussion h\u00e4ufig auf ein e Polarisierung \"qualitativ versus quantitativ\" verk\u00fcrzt, ohne in jedem F all die M\u00f6glichkeiten und die Grenzen der Verfahren ausgelotet zu haben o der auf den sich gegenseitig erg\u00e4nzenden Charakter eingegangen zu se in. Da der Frauenforschung h\u00e4ufig zugeschrieben wird, eher qualita tive Forschungsans\u00e4tze zu pr\u00e4ferieren, m\u00f6chte ich auf verschiedenen Ebenen untersuchen, was diese gr\u00f6\u00dfere N\u00e4he bedingen k\u00f6nnte - zun\u00e4 chst anhand einiger kurzer wissenschaftshistorischer Aspekte und dann mittels einer ausschnitthaften Gegen\u00fcberstellung von quantifizier enden und sogenannt qualitative vorgehenden Methoden und Verfahre n. Frauen und Forschung in der Vergangenheit Z\u00e4hlen\/Rechnen und Auslegen 6 waren in der Wissenschaft des sogenannten Altertums - worunter die Zeit der Hochkulturen des Mittelmee rgro\u00dfraumes bis zum Zusammenbruch des r\u00f6mischen Reic hes im 3.\/4. Jahrhundert verstanden wird - nicht als Opposition zu denken ebenso wenig wie sich wissenschaftliches Tun auf nur einen Bereich der Wirklichkeit beschr\u00e4nkt h\u00e4tte. In einem aus heutiger Si cht weniger differenzierten, magischen Weltbild geh\u00f6rte Z\u00e4hlen wie jede r andere Erkenntnisprozess zur Aneignung bzw. Konstitution von Real it\u00e4t. Unter einer materialistischen Betrachtungsweise lassen sich auf den verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen \u00e4hnliche Strukturprinzipi en ausmachen: Z. B. korrespondierte im antiken Griechenland die St\u00e4ndeg esellschaft der Polis mit dem Kunstideal des Goldenen Schnittes und m it einem Zahlenraum, der auf Q - die rationalen Zahlen des Dezimal systems - beschr\u00e4nkt war, w\u00e4hrend schon die Kenntnis der Wurzel 2 - als Zahlenwert der Diagonale im Quadrat - den Rahmen damaliger Rea lit\u00e4t, in der alles im Verh\u00e4ltnis zueinander stehend verstanden wurde, gesprengt h\u00e4tte. Zahlen\/-systeme waren insofern nie etwas Neutrales, da sie durch ihre 6 Mit diesem Begriff m\u00f6chte ich an dieser Stelle die Diskussion um Verstehen versus Erkl\u00e4ren umgehen. 22 Schriften-Reihe - Heft 6 Axiomatik Denkstrukturen und Deutungsmuster sowohl abbilden als auch fest- bzw. zumindest nahe legen. Ob eine st\u00e4rk er von Frauen und ihrer Lebenswelt dominierte Kultur einen alternativ en Zahlenraum entwickelt h\u00e4tte, ist m. E. m\u00fc\u00dfig zu spekulieren bzw. in Teilaspekten Mathematiker\/innen, Ethnolog\/inn\/en oder Historiker\/inne n f\u00fcr zuk\u00fcnftige Forschungen zu \u00fcberlassen. Meinerseits gehe ich nicht davon aus, dass Frauen \"von Natur aus\" zahlenlos lebten, sondern da ss sie sehr wohl Anteil daran hatten, die Welt z\u00e4hlend und rechnend zu erfassen - z. B. waren Orakel oft auf Zahlenmystik begr\u00fcndet und wurde n in der Regel von Priesterinnen verk\u00fcndet. Damit verhielten sich Frau en bis zum Mittelalter - trotz gesellschaftlich ungleicher Wertigkeit der Geschlechter - systemkonform zur organischen, teilweise animistischen Na turauffassung aller traditionellen Kulturen. Die neuzeitliche Wissenschaft gr\u00fcndet in der Aufl\u00f6sung des aristotelischen Weltbildes, das erfahrungswissenschaftlich be gr\u00fcndet war, und der zugeh\u00f6rigen scholastischen Philosophie. Sandra Harding (1990, S. 234ff.) kennzeichnet die zeitliche Verankerung des Ursprungsmythos der modernen Wissenschaft durch drei Stadien: 1. Der Zusammenbruch feudalistischer Arbeitsteilung , die auf einer Trennung von Handwerk und Intelligenz beruhte, bot eine Voraussetzung f\u00fcr die Entwicklung der experimentellen Met hode. 2. Die neuen kognitiven Strukturen der Wissenschaft fanden Unterst\u00fctzung, weil sie mit dem Kampf gegen die Vorherrschaf t der politischen und geistigen Autorit\u00e4ten des Feudalismus in eins fielen, wie die englische New Science Movement belegt. 3. Im Zuge der Restauration (1662 Royal Society, 16 66 Acad\u00e9mie des Sciences) setzte sich als neue Arbeitsteilung die T rennung der kognitiven von den (im engeren Sinne) gesellschaftlich en Zielsetzungen durch. Eine etablierungsw\u00fcrdige Wissenschaft wurde auf ihre Methode reduziert und so zur positivistisch wertfreie n. Diese von der traditionellen Wissenschaftsgeschicht e als fortschrittlich verkl\u00e4rte Zeit bedeutete f\u00fcr das Alltagsleben aller Menschen in Europa eine der finstersten Epochen. Insbesondere f\u00fcr Frau en, denen immer eine gr\u00f6\u00dfere N\u00e4he zur Natur zugeschrieben wurde\/wir d, hie\u00df es, dass ihre \"Naturhaftigkeit\" wie die \"Restnatur\" entseelt und objektiviert werden muss\/te. Sobald weibliche Sexualit\u00e4t - als Ausdruck ihrer Naturverbun- Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 23 denheit und N\u00e4he zum B\u00f6sen - nicht von M\u00e4nnern kont rolliert werden konnte\/kann, wird sie als Bedrohung der Gesellschaf tsordnung - als auf m\u00e4nnlich-menschlichem Intellekt beruhend und gegen das weiblichnat\u00fcrliche Chaos gerichtet - empfunden und Frauen w aren\/sind darob zu verst\u00fcmmeln oder gar auszumerzen. Der zu Beginn der Neuzeit entstandene Begriff von N atur als blo\u00dfem Objekt technisch-mechanischer Produktionsprozesse u nd die Differenzierung von Wissenschaft in Naturwissenschaften und \"andere\" hat sich in wesentlichen Z\u00fcgen bis heute gehalten. Die Alleg orie der Natura wurde zwar noch lange positiv gedeutet, aber in der b\u00fc rgerlichen Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts wechselte ihre Bedeutungsgestalt endg\u00fcltig zum Symbol f\u00fcr m\u00e4nnliche Naturbeherrschun g und den Vernunftgedanken (vgl. dazu auch Bovenschen 1977; Merc hant 1980). Ein gesellschaftlicher Positivismus geht - bei aller Un terschiedlichkeit der verschiedenen Schulen - davon aus, dass die Methode n und Verfahren der nur noch als Gesetzeswissenschaft verstandenen Naturwissenschaften die einzig wahren auch f\u00fcr die Sozialwissenscha ften sind und dass nur solche Ph\u00e4nomene als gesichertes Wissen angeseh en werden d\u00fcrfen, die unabh\u00e4ngig von der Person und beliebig wie derholbar beobachtbar sind. Der verdeckte Sexismus liegt hier m. E. vor allem in der unreflektiert be schr\u00e4nkten, dualistischen Naturvorstellung, die sic h zugunsten einer m\u00e4nnlich dominierten Weltordnung - einschlie\u00dflich d er Wissenschaften - durchsetzte. Zugleich wurden\/werden durchaus diff erente naturwissenschaftliche Ans\u00e4tze verheimlicht oder unterdr\u00fcck t, wie z. B. die Alchimie des 17. Jahrhunderts. Entsprechend steht ein dekuvrierender Vergleich der sehr unterschiedlichen Erkenntnisstru kturen der Physik mit denen der Biologie noch weitgehend aus. Eine st\u00e4rke re Entwicklung bzw. zumindest unterst\u00fctzende Duldung solch \"altern ativer\" Ans\u00e4tze w\u00e4re notwendig\/gewesen f\u00fcr die potenzielle Verortung von Frauen und deren Denk- und Handlungsweisen in der Wissenschaft, aber keineswegs hinreichend f\u00fcr nonsexistische Forschung. Denn eine Methode ist nicht per se non-\/sexistisch, sondern erst ihr Gebrauch b zw. ihr Ausschluss entscheidet dar\u00fcber. 7 7 Um im \"gewohnten\" Forschungsalltag die Aufmerksamk eit f\u00fcr offenen wie verdeckten Sexismus zu sch\u00e4rfen, hat Margrit Eichler (1991) eine n ersten vorl\u00e4ufigen Kriterienkatalog f\u00fcr 24 Schriften-Reihe - Heft 6 Nicht zu \u00fcbersehen ist, dass sich sowohl die Psycho logie als auch die Soziologie im 19. Jahrhundert als eigenst\u00e4ndige Dis ziplinen erst etablieren konnten, als sie sich am naturwissenschaftliche n Fortschritt orientierten und vergleichbare mathematische Verfahren ausar beiteten. Die nicht-quantifizierenden Verfahren, die erst zur Abg renzung \"qualitativ\" genannt wurden, fanden im sp\u00e4ten Positivismus des W iener Kreises durchaus ihren Platz als im weitesten Sinne Eingang sforschung (Kleining 1991a, S. 11f.). F\u00fcr meine Problemstellung hinsichtlich der Methoden wahl ist zu konstatieren, dass quantifizierend arbeitende Forschung w eit verbreitet mit einem sogenannt pr\u00e4zisen naturwissenschaftlichen Fors chungsansatz gleichgesetzt und implizit auf einem positivistisch en Wissenschaftsverst\u00e4ndnis gr\u00fcndend verstanden wird. Dass eine solche Verbindung allenfalls als eine Teilmengenbeziehung angesehen werden kann und eine ganze Reihe der Grundlagen quantifizierend arbeiten der Wissenschaft weder auf positivistische noch auf naturwissenschaf tliche Praxis rekurrieren, fasst z. B. Alan Bryman (1992, p. 42) zusammen . Quantifizierend zu forschen bedeutet also nicht zwi ngend, sich einem positivistischen Paradigma zuzurechnen. Damit l\u00e4sst die von Regina Becker-Schmidt & Helga Bilden (1991, S. 24) zitierte Studie, dass Ende der 70er Jahre in den USA 63 % der von Frauen publizier ten Forschungsarbeiten auf statistischen Verfahren beruhten (bei M\u00e4 nnern 71 %) vor allem folgenden Schluss zu: Frauen weichen nicht qua Geschlecht den sogenannten harten Methoden aus, sondern sie entsch eiden durchaus wissend, wann sie problemorientiert und gegenstands ad\u00e4quat zu welchem Ansatz greifen. Wenn ich die Gegen\u00fcberstellung von quantitativ vers us qualitativ demnach nicht einfach durch positivistisch-objektiv ve rsus explorativsubjektiv ersetzen will, ist genauer zu untersuchen , welche Aussagen die verschiedenen Verfahren erm\u00f6glichen, warum Frauenfo rschung derzeit m\u00f6glicherweise einen eher qualitativen Teil des Met hodenspektrums pr\u00e4feriert und ob die leidige Dichotomisierung nich t durch eine andere Strukturierung des Erkenntnisprozesses aufgehoben w erden kann. nonsexistische Forschungsmethoden ausgef\u00fchrt, der e ing\u00e4ngige Argumentationen f\u00fcr Standartsituationen liefert. Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 25 Wozu dient eine Unterscheidung in qualitative und q uantitative Methoden? Wie Gerhard Kleining (1991a, S. 12) verstehe ich Me thoden als intendierte Handlungsweisen, die zwischen Handelnden und den Gegenst\u00e4nden der Handlungen vermitteln. Dadurch er\u00f6ffnen sic h ein umfassenderes Verst\u00e4ndnis der traditionellen Basismethoden Be obachtung und Experiment als dialektisches Verh\u00e4ltnis von rezeptivem und aktivem Handeln. Wissenschaftliche Methoden unterscheiden sich dabe i von Alltagsverfahren nur durch ihre bewusste\/re Handhabung. De r reflektierte Forschungsvorgang besteht aus einem fortgesetzten dial ektischen Vermittlungsprozess, der \u00fcber mehrere Stationen verl\u00e4uft: Zum einen gestalte ich diesen Prozess als Forschungssubjekt und wirke auf den Forschungsgegenstand ein. Zum anderen bin ich als Mitg lied der Gesellschaft bzw. als Teil eines \u00f6kologischen Wirkungsgef \u00fcges Teil eben dieses beforschten Feldes. Diese Gleichzeitigkeit bewi rkt, dass ich auch als erkennend Handelnde haupts\u00e4chlich Inhalte aktualisi eren kann, die als begriffene gesellschaftliche oder \u00f6kologische Wirkl ichkeit bereits realisiert habe. Zwecks wissenschaftlicher Analyse muss die Trennung in Erkenntnissubjekt und Erkenntnisgegenstand 8 vollzogen werden im Bewusstsein der Ineinanderverschr\u00e4nktheit der beiden Positionen. Entsprechend verhalten sich der empirische Vorgang und der Erkenntnisprozess parallel zueinander: Auf der einen Seite steht das empirische Material - gleichg\u00fcltig mittels welcher Erhebungsme thode zum Faktum geworden - und auf der anderen Seite der von mir al s Forschender\/m gew\u00e4hlte Entdeckungsprozess, der qua Variation den Bereich bisheriger Erkenntnis zu ver\u00e4ndern sucht. In diesem dialektisc hen Prozess werden die Forschenden also zum Bestandteil sowohl der von ihnen gew\u00e4hlten Daten als auch der Entdeckungsstruktur. Dieses Span nungsfeld zwi8 Ein Beispiel eines solchen Trennungsvorganges kenn en wohl alle Wissenschaftstreibenden aus der Suchphase zu Beginn eines neuen Projektes. Der kreative Raum, in dem ein Thema Gestalt annimmt, ist ohne klare Abgrenzungen zwisch en Subjekt und Gegenstand, zwischen Material und Vorstellung, etc. Die anf\u00e4ngliche, mei st schwer zu ertragende Sprachlosigkeit trennt noch nicht. Erst die deutende Konkretisierun g und Versprachlichung f\u00fchrt zur beschr\u00e4nkenden und f\u00fcr den Fortgang zugleich notwendi gen Differenzierung. Eine nicht bewusst vorgenommene \"Objektivierung\" kann zu Verlust der Kritikf\u00e4higkeit f\u00fchren, was Monika Wohlrab-Sahr (1993) f\u00fcr die Frauenforschung anhand der Langzeitwirkungen der von Maria Mies 1978 formulierten \"methodischen Postulate\" aus f\u00fchrt. Andererseits bildet diese Art Objektivit\u00e4t keinen Widerspruch zu einer offen gelegt en Parteinahme, der eine reflektierte Entscheidung vorausgeht. 26 Schriften-Reihe - Heft 6 schen Material und prozesshaftem Vorgehen ist ein G rundmuster f\u00fcr die naturwissenschaftlichen wie f\u00fcr die geisteswissensc haftlichen Methoden und unterscheidet auch nicht zwischen quantifiziere nder und qualitativer Form. Qualitative und quantifizierende Methoden untersche iden sich m. E. ausschlie\u00dflich hinsichtlich ihres Abstraktionsgrades und der daraus resultierenden Erfordernisse. Insofern halte ich \u00fcbliche Ge gen\u00fcberstellungen (z. B. Lamnek 1988, S. 244) eher f\u00fcr irritierend. J e weniger ein\/e Forscher\/in \u00fcber den interessierenden Gegenstandsberei ch wei\u00df bzw. je mehr die vorhandenen Erkl\u00e4rungsmuster als einzig m\u00f6 gliche angezweifelt werden, um so eher muss sie\/er sich qualitativ er, also unstandardisierter, offener Methoden bedienen. Wenn ein Forsch ungsstand komplex, differenziert und nicht auf wenige Wirkungen reduzierbar ist, erscheint die mit Quantifizierung immer verbundene Ve reinfachung als unangebracht und f\u00fcr den Erkenntnisgewinn kontraprodu ktiv. Erst wenn bestimmte Verallgemeinerungen schon gezogen wurden und ein in gen\u00fcgendem Umfang geteilter Erkenntnisstand erreicht ist, kann eine sich auf bestimmte Fragestellungen beschr\u00e4nkende Quantif izierung in Betracht gezogen werden. Beim qualitativen Arbeiten entwickelt sich der Fors chungsgegenstand bzw. die Fragestellung bzw. das Problem im Prozess der Auseinandersetzung mit dem empirischen Material. Dagegen muss in einer quantifizierenden Untersuchung die Definition des Gegenstan dsbereiches gleich zu Anfang abgeschlossen werden. Dies begr\u00fcndet sich darin, dass die vorzunehmende Operationalisierung die Abbildung ins numerische Relativ 9 erm\u00f6glichen muss, das w\u00e4hrend der Analyse dann nic ht mehr verlassen werden kann. Die quantifizierende Analyse l\u00e4 sst weiterreichende Erkenntnis also nur auf der Grundlage des f\u00fcr das P roblemfeld akzeptierten und festgelegten Vorwissens bzw. der im Ope rationalisierungsvorgang gesetzten Rahmenbedingungen zu. 9 F\u00fcr das quantifizierende Vorgehen ist immer eine P arallelisierung zwischen der Menge der Merkmalsauspr\u00e4gungen der interessierenden Forschung sobjekte und einer Zahlenmenge herzustellen. Weiterhin sind mit der Operationalisi erung Ordnungen auf den betrachteten Elementen des Forschungsgegenstandes zu definieren. Nur so wird eine strukturtreue Abbildung vom empirischen Relativ (= Menge der Variablen bzw. der geordneten Eigenschaften) ins numerische Relativ (= Zahlenkodex der Merkmalsa uspr\u00e4gungen) m\u00f6glich, welches das Skalenniveau und damit die weitere Rechenbarkeit fe stlegt. Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 27 Die Schwerpunktsetzungen der beiden Herangehensweis en heben folglich sehr unterschiedliche Seiten eines m\u00f6glicherwe ise gleichen Gegenstandsbereiches hervor: W\u00e4hrend beim qualitativen H erangehen eher die Vielfalt und das Besondere betont wird, sind be im quantifizierenden Arbeiten eher Mehrheitsaussagen angestrebt sowie di e Reduktion des Materials insbesondere aufgrund einer angestrebten \u00d6konomisierung. Entsprechend sieht die f\u00fcr wissenschaftliche Method ik unverzichtbare Kontrolle des Vorgehens infolge der Verschiedenheit des Fors chungsprozesses anders aus: Bei quantifizierenden Methode n erfordert die erw\u00fcnschte Mathematisierbarkeit im Wesentlichen eine von au\u00dfen herangetragene Systematik. Die Kontrolle ist somit in de r Regel eine formale, indem Erhebungssituationen wie -instrumente so weit gehend wie m\u00f6glich standardisiert werden. Die G\u00fctekriterien diese r Standardisierung sind Objektivit\u00e4t (= \u00dcberparteilichkeit), Reliabilit\u00e4t ( = Zuverl\u00e4ssigkeit) und interne Validit\u00e4t (= G\u00fcltigkeit). Externe Validit\u00e4t k ann durch formales Vorgehen nicht gew\u00e4hrleistet werden! Bei der Datenanal yse und Interpretation m\u00fcssen zudem die Bedingungen der messtheoretis ch geforderten Datenqualit\u00e4t - resultierend aus der Abbildung von empirischen ins numerische Relativ - beachtet werden. Demgegen\u00fcber ist die Systematik des qualitativen Fo rschungsprozesses eine wesentlich von innen erfolgende. Die Kontrolle erfolgt insbesondere \u00fcber die Selbstreflexion der\/s Forschenden und mitt els diskursiver Auseinandersetzung anhand einer transparenten Darstell ung. Als weitere G\u00fctekriterien gelten die Intaktheit des Materials u nd die Plausibilit\u00e4t der (materialimmanenten) Interpretationen. Alle dar\u00fcber hinaus angef\u00fchrten Unterschiede halte ich f\u00fcr nur graduell und lediglich betont durch disziplinspezifische Vor lieben f\u00fcr und Beschr\u00e4nkungen auf sich je unterschiedlich etabliert habende Methoden. Was bedeutet diese Differenz f\u00fcr Frauenforschungsvo rhaben? Meine Antwort auf diese Frage lautet kaum anders als die von Ursula M\u00fcller vor zehn Jahren (1984). Auch nach nunmehr 20 Jahren Neue Frauenbewegung sind die Kenntnisse der Struktur 10 des ungleichen Geschlechter10 Unter Struktur verstehe ich im methodologischen Ko ntext ein Quasi-Netzwerk mit sowohl positionalen als auch relationalen Eigenschaften: P ositional bedeutet, dass die zun\u00e4chst interessierenden Geschlechtermerkmale beschrieben w erden, bevor das Verh\u00e4ltnis zueinander in Form von Vergleichen, Unterscheidungen, Z usammenh\u00e4ngen (Korrelationen) etc. 28 Schriften-Reihe - Heft 6 verh\u00e4ltnisses keineswegs als ersch\u00f6pfend zu bezeich nen. Insofern k\u00f6nnen wir auf keinen m\u00f6glichen Zugang verzichten. Wei ter hie\u00dfe eine \"spezielle\" Methode der Frauenforschung, dass Fraue n sich selbst als \"exotisch\" definierten. Das Geschlechterverh\u00e4ltnis ist jedoch real und allt\u00e4glich zu erfahren, wenn auch auf sehr unterschied lichen Ebenen. Ankn\u00fcpfend an Ursula Beer (1990) unterscheide ich zum indest vier, sich teils \u00fcberlappende Fassetten: Das Geschlechterverh\u00e4 ltnis als ein \u00fcberindividuelles gesellschaftliches Verh\u00e4ltnis, als In teraktionsbeziehung zwischen Mitgliedern der kategorialen Genusgruppen, als pers\u00f6nliche Beziehungen zwischen Geschlechtsindividuen und als kultureller Ausdruck von Weiblichkeit und M\u00e4nnlichkeit mit symboli sch belegten Bedeutungstr\u00e4gern. Diese noch keineswegs abgeschlossene Differenzierung belegt, dass es sich nicht um einen \"einfachen\" Erk enntnisgegenstand handelt, der qua Methode schon wieder reduzierbar w \u00e4re. Hinsichtlich aller Ebenen sind die Kenntnisse als rudiment\u00e4r ein zustufen. Die durch jahrhundertelange Gewohnheit entwickelten Wahrnehmu ngsmuster waren zwar nicht von Frauen entwickelt, aber auch Fra uen haben den \"m\u00e4nnerinfizierten\" Blick \u00fcbernommen und k\u00f6nnen sic h erst langsam in eigenst\u00e4ndigen Denkstrukturen \u00fcben. Insofern ist qu alitatives Forschen f\u00fcr Frauen unverzichtbar, da es gerade um die Aufde ckung noch unsichtbarer Strukturen und die Analyse h\u00f6chst komple xer Deutungsmuster neuen Inhalts geht. Zugleich sind in den Bereic hen, f\u00fcr die schon klare Aussagen \u00fcber das Geschlechterverh\u00e4ltnis entwick elt wurden, quantifizierende Analysen durchaus sinnvoll: Z. B. sind d ie Genusgruppen fokussierende Sozialstrukturanalysen (auf der Ebene d er Situationsanalyse) f\u00fcr eine politische Diskussion um soziale Ungle ichheit unerl\u00e4sslich. Ein methodologisches Trivium als Ordnungsstruktur d er wissenschaftlichen Erkenntniswege Noch ganz anders stellt sich m. E. aber die Entsche idung f\u00fcr eine spezielle Methodik, wenn ich Frauenforschung als neue Di sziplin quer zum traditionellen F\u00e4cherzuschnitt verstehe. Dann sp\u00e4te stens ist es mit der Verortung auf dem Spektrum von qualitativ bis quant itativ nicht getan, da der Abstraktionsgrad f\u00fcr die ganz anders gestellten neuen Fragen nicht in Blick genommen wird. Relational bedeutet, dass d as Zueinander-in-Beziehung-Stehen der Geschlechter gleich als Weg, Abh\u00e4ngigkeit, Wechselw irkung, Austausch etc. beschrieben wird, ohne die Pole\/Standorte festlegen zu m\u00fcssen o der voneinander abzugrenzen! Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 29 die Hauptrolle spielt. Methoden als Handlungsraster erfordern, um die schon angesprochenen Strukturen des Geschlechterver h\u00e4ltnisses sichtbarer zu machen, eine anders gelagerte Entscheidung bez\u00fcglich des Ziels des Erkenntnisprozesses , um auf dieser Grundlage dann die Forschungsstrategie zu kl\u00e4ren. So m\u00f6chte ich im Folgen den anhand eines Modells die Strukturierung des Erkenntnisprozesses als einen \"Dreiweg\", d. h. als ein methodologisches Trivium 11 ordnen. Meine Hauptintention f\u00fcr dieses Modell besteht darin, den die Methodendi skussion der vergangenen Jahrzehnte pr\u00e4genden Dualismus quantitativ versus qualitativ verlassen zu wollen. Mein Interesse an dessen Aufl\u00f6 sung begr\u00fcndet, warum dieser Artikel in einem Frauen-Methoden-Reade r erscheint: Denn, die Kritik an den \"unsere\" Wissenschaft und G esellschaft konstituierenden Dualismen ist eine grundlegend feministisc he - was keinen Widerspruch dazu bedeutet, dass auch aufgrund anderer kritischer Haltungen \u00e4hnliche \u00dcberzeugungen ge\u00e4u\u00dfert werden! Alle si nd wir daran gew\u00f6hnt, in entsprechenden Schwarz-Wei\u00df-Bildern zu de nken - Kultur versus Natur, reduktionistisch versus ganzheitlich, rational versus emotional, Geist versus K\u00f6rper, objektiv versus subjekti v, aktiv versus passiv, Intellekt versus Liebe, etc. - und reproduzieren da mit die Ausgrenzung der Frauen, da in all diesen Dualisierungen implizi t die wertende Zuordnung von M\u00e4nnlichkeit versus Weiblichkeit mittransp ortiert wird. Mit Blick auf die in der modernen Wissenschaft manifestierten Spaltungen dieser Art pr\u00e4gte Evelyn Fox Keller (1986) den Begriff des \"WissenschaftGeschlechter-Systems\". Dagegen setzt u. a. Ilse Len z (1992) erste \u00dcberlegungen, das zweigeschlechtliche System generell i n Frage zu stellen, und auch Geschlecht als offene, mehrdimensionale un d dynamische Gr\u00f6\u00dfe zu begreifen. Was kann frau diesen Dualismen auf methodischem Gebiet entgegensetzen? 11 Ein Trivium bezeichnete in der mittelalterlichen L ateinschule die ersten drei der Artes liberales: Grammatik, Rhetorik und Dialektik. In dem Sinne, d ass dieser traditionelle Dreiweg grundlegende Bedeutung f\u00fcr die damalige Universit\u00e4t sausbildung - als Prop\u00e4deutik f\u00fcr die h\u00f6heren Fakult\u00e4ten - hatte, entlehne ich den Begrif f hier f\u00fcr die dreigliedrige Erkenntnisstruktur als Grundlage des Forschungsprozesses. 30 Schriften-Reihe - Heft 6 Abbildung 1 : Trivium des Erkenntnisprozesses: Wirkgef\u00fcge der d rei Schlussweisen der Abduktion, Deduktion, Induktion. Im Idealfall ist quantifizierende Forschung mit der Argumentationsstruktur der deduktiv-nomologischen Erkl\u00e4rung verbunden worden. Die so arbeitenden Wissenschaftler\/innen setz\/t\/en sich meis t ab von den als subjektiv und damit unwissenschaftlich angesehenen \"ve rstehenden\" Erkl\u00e4rungen z. B. des Symbolischen Interaktionismus. Um mich von dieser Polarisierung zu l\u00f6sen, gehe ich dennoch von der St ruktur und den Komponenten einer deduktiv-nomologischen Erkl\u00e4rung aus (vgl. z. B. Hill 1988, S. 42 ff.): Deduktion ist die Ableitung einer besonderen Aussage (= These) aus allgemeinen anderen Aussagen (= Hypothes en) kraft logischer Schlussregeln; sind die Hypothesen (systemimm anent) wahre Aussagen - also Axiome oder ein Gesetz (= nomos) - so ist der Einzelfall bzw. die These deduktiv (= herausgef\u00fchrt) bewe isbar. Das Explanans einer solchen deduktiven Erkl\u00e4rung besteht aus eine m Gesetz (\"wenn..., dann...\") und der darin geforderten, empirisch bele gten Ursache, der Rand- bzw. Antezedenzbedingung; das Explanandum bes teht aus dem beobachtbaren singul\u00e4ren Ereignis als zu erkl\u00e4rende m Ph\u00e4nomen. Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 31 Diese Definition enth\u00e4lt mit den drei Komponenten spezielle Auspr\u00e4gungen der Ankerfelder, die ich f\u00fcr das weiterzuentwic kelnde Trivium der Erkenntniswege benutzen will: Das Gesetz als Teil der theoretischen und konzeptionellen Aussagen, die Randbedingung als Teil der Zusammenhangsstrukturen bzw. Rahmenbedingungen, das zu erkl \u00e4rende singul\u00e4re Ereignis als Teil des empirischen Materials. Das typische Erhebungsdesign f\u00fcr deduktives Vorgehe n ist das Experiment . In Reinform, d. h. in der Regel als Laborexperime nt, findet das Experiment haupts\u00e4chlich in der Psychologie und Sozia lpsychologie Verwendung. Als Verfahrensdesign ist es in Form von \"n at\u00fcrlichem Experiment\" oder Quasi-Experiment oder qualitativem Exper iment in allen Gesellschaftswissenschaften zu finden. Induktion (= das Hineinf\u00fchren, Einspeisen) wird im Allgemein en als das Gegenteil der Deduktion proklamier. Als wissenschaf tliche Methode bedeutet sie, von einer Anzahl begr\u00fcndeter Einzelauss agen \u00fcber Objekte aus einem Bereich per Induktionsschluss auf die all gemeine G\u00fcltigkeit bzw. generelle Aussage f\u00fcr alle Objekte des fraglic hen Bereichs zu schlie\u00dfen. Das Hauptproblem moderner Wissenschaftst heorie mit diesem Erkenntnisweg besteht darin, dass im Sinne mode rner Logik (unvollst\u00e4ndige) Induktionen niemals schl\u00fcssige Beweis e liefern k\u00f6nnen, sondern nur Wahrscheinlichkeitsaussagen. Letztere g elten nur als zu pr\u00fcfende Hypothesen. Allerdings sind s\u00e4mtliche Wiss enschaften auf induktives Vorgehen angewiesen, wenn sie nicht auf di e Formulierung allgemeiner S\u00e4tze bzw. Theorien verzichten wollen. Im induktiv arbeitenden Forschungsprozess ist auf d er Startebene also immer das empirische Material vorhanden. Allein sch on durch die Formulierung und Auswahl des Bereiches und der an den Objekten zu beobachtenden Variablen werden zudem m\u00f6gliche Variati onen bzw. Vergleiche und damit potenzielle Zusammenhangsmuster d eterminiert. Somit geht auch der Induktionsweg nicht von dem Punkt einer begr\u00fcndbaren Einzelaussage aus, sondern von einer Ebene, geb ildet aus vielf\u00e4ltigen Beobachtungen von Objekten eines Bereiches - als empirisches Material - und aus implizierten Vermutungen \u00fcber wirkungsrelevante Rahmenbedingungen - als Zusammenhangsstruktur. Der Schluss auf zu verallgemeinernde S\u00e4tze ist also keineswegs eine blo\u00dfe Umkehrung zur 32 Schriften-Reihe - Heft 6 Deduktion, sondern teilt mit dieser sogar die vorau sgesetzten Randbedingungen. Das typische Erhebungsdesign f\u00fcr induktives Vorgehe n ist das Survey Verfahren. Als historisch bedeutsam sind diesbez\u00fcgl ich die gro\u00dfen sozialpolitischen Enqueten im Europa des 19. Jahrhunder ts anzuf\u00fchren, sowie die Social Surveys in den USA der 20er Jahre un d die Soziographie der \"\u00d6sterreichischen Wirtschaftspsychologischen Fo rschungsstelle\" im Wien der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Heute w\u00e4r e die Grounded Theory als im wesentlichen induktiv vorgehend einzu stufen, zumindest ist ihre Methodik auf Theorieentwicklung ausgericht et. Wenn das Verh\u00e4ltnis von Deduktion und Induktion nic ht als klassischer Gegensatz aufrechterhalten werden kann, ist mindest ens eine dritte M\u00f6glichkeit in dem von mir konstruierten Modell der Erkenntniswege offen - n\u00e4mlich der Schluss von der Ebene des empiris chen Materials verbunden mit theoretischen und konzeptuellen Aussagen auf die Zusammenhangsstruktur. Im Sinne von Charles S. Peirce (1 903\/1983, S. 90ff.) wird dieses Schlussfolgerungsverfahren, bei dem the oretisches Wissen als Heuristik eingesetzt wird, abduktiv genannt (vg l. Rosenthal 1990, S. 248). Abduktion (= das Wegf\u00fchren, Abspreizen) wird im W\u00f6rterbuch n ur als medizinischer Begriff aufgef\u00fchrt, als das Beweg en von K\u00f6rperteilen von der K\u00f6rperachse weg. Und durchaus entsprechend ist die Vorgehensweise beim Abduktionsschluss: Das empirische Material eines Falles wird mit Hilfe aller zug\u00e4nglichen (interpretierenden) Aussagen gleichg\u00fcltig, ob aus der Alltagserfahrung, oder aus wissenschaftlichen Theorien durchaus unterschiedlicher Reichweite stam mend - in kontrastierende Lesarten aufgef\u00e4chert; eine sequentielle A barbeitung entlang dem Material f\u00fchrt zu einer Rekonstruktion deutungs - und handlungserzeugender Tiefenstrukturen . Das typische Erhebungsdesign f\u00fcr abduktives Vorgehe n ist die Fallstudie . Es gibt heute verschiedene Forschungsans\u00e4tze, die mittels Abduktionsschluss versuchen, latente Bedingungsstrukturen aufzudecken: Dazu geh\u00f6ren Oral History, psychoanalytische Sozialpsych ologie, strukturale Hermeneutik, ph\u00e4nomenologische Sozialforschung oder ethnomethodologische Arbeiten. Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 33 Wenn ich mich anhand des in dieser Grundform aufges pannten methodologischen Triviums nun wieder meiner Ausgangsfrag e zuwende, was die ad\u00e4quatere Vorgehensweise f\u00fcr Frauenforscherinn en ist, so kann ich nur eine Pr\u00e4ferenz mit zeitlich beschr\u00e4nkter Reichw eite \u00e4u\u00dfern. Zum jetzigen Zeitpunkt wird vornehmlich das Geschlechterve rh\u00e4ltnis thematisiert. Da dies im Wesentlichen eine Frage nach der Struktur desselben ist, bietet ein abduktives Vorgehen den vergleichsw eise ad\u00e4quateren Forschungsweg. Dass dieser schon vielfach genutzt w ird, zeigen einige Beitr\u00e4ge dieses Readers. Aber ist das schon die umf assendste Antwort, die ich auf meine Titelfrage geben kann? Die Spezifizierung des Erkenntnisprozesses Noch stellt sich das Trivium recht \"pur\" dar, zwar nicht mehr einer dichotomen Form verhaftet, jedoch auch noch nicht verbun den mit den uns gel\u00e4ufigen Begriffen qualitativ und quantitativ, di e meine Ausgangsfrage leiteten. Weiterhin gehen die Erkenntniswege jeweil s von einer Ebene aus, die von zumindest zwei Komponenten aufgespannt wird. Meine praktische Erfahrung lehrt mich jedoch, dass die Ur sprungsidee eines Forschungsvorhabens zumeist von einer dieser Kompon enten her gedacht wird. So m\u00f6chte ich als n\u00e4chstes versuchen, d ie unterschiedlich m\u00f6glichen Erkenntniswege in dem von mir entwickelten triadischen Modell zu konkretisieren. Beim abduktiven Vorgehen liegt das Erkenntnisziel i n der Dechiffrierung der den Erscheinungsformen zugrundeliegenden Strukt ur . Je nach Schwerpunktsetzung auf der Ausgangsebene pr\u00e4gt sich der Forschungsprozess anders aus und verlangt damit nach v erschiedenen Forschungsstrategien. Wenn die Verankerung urspr\u00fcng lich im empirischen Material liegt und dieses sodann auf dem Hint ergrund bekannter Aussagen betrachtet wird, ergibt sich eine (nicht-s tatistische) wahrscheinliche Vor-Aussage \u00fcber den Verlauf zuk\u00fcnftiger Erfahrungen auf dem Weg zum Strukturerkennen. Diese wird z. B. in d er biographischen Analyse verwendet, wenn aufgrund objektiver bzw. er ster pers\u00f6nlicher Daten oder Interviewpassagen Voraussagen den sp\u00e4ter en Text bzw. Lebensweg betreffend formuliert werden. Am bekanntest en sind Voraussagen derzeit bez\u00fcglich wirtschaftlicher Entwicklunge n: D. h., aufgrund \u00f6konomischer Bildungsgesetze werden vorliegende Dat en f\u00fcr die Zukunft fortgeschrieben und bilden mit ihren Kurvenve rl\u00e4ufen eine Struk- 34 Schriften-Reihe - Heft 6 turaussage. Gehen Forscher\/innen im Abduktionsschlu ss jedoch eher von einem theoretischen Konzept aus, so haben sie a n ihre Daten bestimmte Erwartungen im Hinblick auf deren Existenz und m\u00f6gliche Anordnung. Damit ergibt sich als Arbeitsweg idealer W eise die Beschreibung . Typisch f\u00fcr dieses Vorgehen ist ein Gro\u00dfteil ethn ologischer Forschung, die versucht, m\u00f6glichst selbstreflexiv mit den wahrnehmungslenkenden theoretischen Vorkenntnissen umzugehen, o der andere entsprechende Explorationen, gleichg\u00fcltig ob qualitati v-interpretierend oder in Grundz\u00fcgen quantifizierend. In diesem Sinne abdu ktiv arbeitet \u00fcbrigens auch die gesamte Deskriptivstatistik mit den \u00fc blichen Grundausz\u00e4hlungen und Zusammenhangsma\u00dfen, da eine Variablen wahl immer schon theoretische Entscheidungen voraussetzt und d ie Darstellung mittels Grafik, Tabelle oder monovariater bzw. bivaria ter Kennwerte Verteilungsaussagen im Sinne von Strukturaussagen liefert . Beim induktiven Vorgehen liegt das Erkenntnisziel i n der Entwicklung verallgemeinerbarer Aussagen . Sind dabei strukturelle Annahmen pr\u00e4gend f\u00fcr den beginnenden Forschungsweg, so werden b ez\u00fcglich des empirischen Materials Unterschiedsanalysen im Hinblick auf Theoriebildung vorgenommen. Am vertrautesten sind diesbez\u00fcgli ch die \u00fcblichen quantifizierenden Grundausz\u00e4hlungen mit Prozentanga ben und daran anschlie\u00dfende sch\u00e4tzstatistische Berechnungen 12. Beim qualitativen Arbeiten sind kaum Verteilungsaussagen m\u00f6glich, sehr wohl aber kontrastierende Analysen mit bewusster Vorauswahl. Liegt d agegen der anf\u00e4ngliche Schwerpunkt auf dem Datenmaterial und werden Strukturkategorien erst zweitrangig hinzugezogen, um zu verallgem einerbaren Aussagen zu gelangen, so wird der Forschungsprozess durc h eine Typenbildung gepr\u00e4gt. Beim quantifizierenden Arbeiten sind die beiden bekanntesten Analyseverfahren daf\u00fcr die Faktoren- und die Clusteranalyse. Bei der qualitativ ausgerichteten Soziographie waren es die zu bildenden Leitbegriffe und in der Biographieforschung sind es z. B. Idealtypen in einer bestimmten Teilpopulation. Beim deduktiven Vorgehen liegt das Erkenntnisziel i n der \u00dcberpr\u00fcfung und Sicherung der vorgenommenen Setzungen . Bezieht sich die Aus12 Inferenzstatistik umfasst Sch\u00e4tz- und Teststatisti k. Die Sch\u00e4tzstatistik visiert Aussagen \u00fcber die Grundgesamtheit \/ Population an. Sie zielt so auf Generalisierbarkeit, indem anhand der bekannten Statistiken einer Stichprobe auf die Parameter der Population geschlossen wird, oder entschieden wird, ob zwei Stichproben au fgrund ihrer Statistiken zur selben oder zu unterschiedlichen Populationen geh\u00f6ren. Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 35 gangsfragestellung im Deduktionsschluss im wesentli chen auf die Reichweite des theoretischen Konzepts (z. B. Reprod uktionsarbeit), so ist qua Variation verschiedener Rahmenbedingungen i m Hinblick auf das potenziell zur Wahl stehende empirische Material ei ne Verfeinerung der theoretischen Konzeption zu erreichen. Wird anderer seits eine Strukturkategorie als Realit\u00e4t grundlegend konstituierend a ngesehen (z. B. Geschlecht als hierarchisches Verh\u00e4ltnis), so wird an hand unterschiedlicher Theorierahmen versucht, mit den Ergebnissen der Emp irie den Wirkungsbereich der Strukturkategorie auszudehnen. Beide deduktiv orientierten Wege sind in unz\u00e4hligen experimentell angeo rdneten Forschungen anzutreffen, wobei ich zugleich darauf hinweise , dass diese nicht nur die bekannteren messenden Laborexperimente, sondern das ganze Spektrum bis hin zum qualitativen Experiment (vgl. Kleining 1991b) umfassen. In der Statistik spiegelt sich diese Schlus sweise in der Teststatistik 13 sowie den darauf aufbauenden multivariaten Verfahr en. Wenn ich nun mein Modell auf dem Hintergrund meiner Forschungserfahrung betrachte, so ist klar, dass auch die soebe n durchgef\u00fchrte Differenzierung noch l\u00e4ngst nicht alle m\u00f6glichen Wege de r verschiedenen Forschungsprozesse abbildet. Aber eine gewisse Teil menge ist zumindest \u00fcber Kombinationen angef\u00fchrter Teilst\u00fccke zu bilden. Niemand denkt und forscht nur in eine Richtung: Wer im Grun de deduktiv arbeitet, muss bzw. sollte die aus den Daten gewonnenen Erken ntnisse in die theoretischen Kategorien und Konzepte aufnehmen; we r im Wesentlichen induktiv vorgeht, flicht die herausgefilterten Theoriekonstrukte in die Anordnung des weiter zu erforschenden Materials ein ; wer den Forschungsprozess mittels Abduktion beginnt, nutzt ent zifferte Strukturen, um die konzeptuell herleitbaren Interpretationsalte rnativen neu aufzuf\u00e4chern. \u00c4hnliches steht in jedem Methodenlehrbuch. 13 Teststatistik macht Aussagen \u00fcber die zu erwartend en Statistiken einer Stichprobe und dient damit der \u00dcberpr\u00fcfung von Hypothesen. Aufgrun d der Kenntnis der Parameter der Grundgesamtheit kann mit einer gewissen Wahrscheinl ichkeit auf das Intervall geschlossen werden, in dem die Statistiken einer zugeh\u00f6rigen St ichprobe liegen m\u00fcssen, oder es kann angegeben werden, wie gro\u00df die Unterschiede gleicha rtiger Statistiken zweier Stichproben h\u00f6chstens werden d\u00fcrfen. 36 Schriften-Reihe - Heft 6 Abduktionsschluss: Dechiffrierung der Grundstruktur Induktionsschluss: Generierung allgemeiner Aussagen Deduktionsschluss: \u00dcberpr\u00fcfung von Setzungen Abbildung 2 : Kennzeichnung der Erkenntniswege im Trivium bei u nterschiedlicher Verankerung der drei Ausgangsannahmen. Die drei Ankerfelder sind E := empirische Auss agen, T := theoretische Aussagen, S := Strukturaussa gen. Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 37 Was ich hoffe, mit meinem Modell deutlicher machen zu k\u00f6nnen, ist, dass der Forschungsprozess nicht nur ein \"Hin und Her\" (induktiv - deduktiv) bleibt, sondern durch mindestens drei Stadien \"rechtsherum\" oder \"linksherum\" verl\u00e4uft: Auf die Voraussage folgt die Unterscheidung und auf diese die Verfeinerung, die erneut die Voraussa ge nach sich zieht, etc. - oder: Auf die Beschreibung folgt die Erweite rung, auf diese die Typisierung und die erneute Beschreibung etc. Das gen uine Erkenntnisziel bestimmt dabei den Anfang und die \"F\u00e4rbung\" des For schungsganges, aber nur bedingt - z. B. durch Zeit- oder Mittelbeg renzung - das Ende. Dies erinnert nat\u00fcrlich sehr an die klassische herm eneutische Spirale der Erkenntnisgewinnung, wobei mir gerade die mehr als zwei Stationen auf einer Spiralschleife wichtig sind, um die Begrenzun gen des mit dem Geschlechterverh\u00e4ltnis konfundierten Dualismus aufzul \u00f6sen. Der Standardisierungsgrad der Forschung von offen ( statt qualitativ) bis (EDV-)rechenbar (statt quantitativ) verh\u00e4lt sich me ines Erachtens wie eine unabh\u00e4ngige Dimension auf der Ebene des Erkenn tnisprozesses. Diese eher \"nachgeordnete\" Dimension entspricht ein em nicht zwingend linearen, stetigen Spektrum. Damit w\u00fcrde aus einem \"kreisf\u00f6rmigen\" Forschungsprozess ein zumindest \" zylinderf\u00f6rmiger \", wenn z. B. f\u00fcr aufeinander folgende Teilwege unterschiedliche Standar disierungsstufen zur Anwendung gelangten. \u00c4hnlich k\u00f6nnten auch ander e Klassifikationsebenen f\u00fcr das Forschungsgeschehen zu diesem Triviu m ins Verh\u00e4ltnis gesetzt werden, wie z. B. die Differenzierung in su bjekt-, objekt- und prozessbezogene Methodologien. Vorl\u00e4ufiges Fazit Das Spezifikum einer feministisch geleiteten Method enwahl besteht in der Suche nach einem Vorgehen, das am ehesten zu un erwarteten und neuen Sichtweisen und nicht ausschlie\u00dflich zu gr\u00f6\u00dfe rer Varianz bisheriger Interpretationen f\u00fchrt, um so der verfestigten Geschlechterhierarchie entgegenzuwirken. Diese Hierarchie beweist sich unt er anderem in den allt\u00e4glich verwendeten Dualismen, was einen Grund n eben anderen bietet, die Polarit\u00e4t qualitativ versus quantitativ zu entwichten. Der diesbez\u00fcgliche Methodenstreit in seiner ideologieverhafte ten Alltagsversion verschleiert\/e, worauf es grunds\u00e4tzlicher bei der M ethodenwahl ankommt, n\u00e4mlich auf die Voraussetzungen und die Fors chungsziele. Mit dem vorgestellten Modell des Erkenntnis-Triviums so llte - bei einzuge- 38 Schriften-Reihe - Heft 6 stehender Umgehung einiger wissenschaftstheoretisch er Dispute - ein Versuch vorgestellt werden, die Entscheidung bez\u00fcgl ich der Forschungsmethoden und -verfahren von einer anderen Eb ene her zu f\u00e4llen. F\u00fcr Frauenforscherinnen kann dies weiterhin he i\u00dfen, zur Entdeckung neuer Sichtweisen eher qualitativ und zwecks Ausdeutung des Geschlechterverh\u00e4ltnisses verst\u00e4rkt abduktiv zu arb eiten. Um Fragestellungen jedoch nicht dauerhaft zu beschr\u00e4nken und ei ngedenk des dargestellten zylindrischen Forschungsweges ist dar\u00fcbe r hinaus methodologische Offenheit und Experimentierfreude geforder t. Damit erweist sich die Titelfragestellung als \u00fcberholt bzw. als rein r hetorischer Aufh\u00e4nger. Eine Selbst-\/Begrenzung der Frauenforschung auf Met hoden, die nur einen Pol des Standardisierungsspektrums in Anspruc h n\u00e4hmen, entspr\u00e4che der traditionellen Ausgrenzung von Frauen a us den gesellschafts- wie wissenschaftsrelevanten Positionen und \u00fcberlie\u00dfe ihnen nur eine \"Spielwiese\" statt der Gesamtheit aller M\u00f6glic hkeiten. Insofern ist mein Wunsch auf viele neue Ideen gerichtet, die die bisherigen Grenzen \u00fcberschreiten m\u00f6gen. Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 39 Methoden als Herrschaftswissen - \u00fcber die verborgene Syntax empirischer Wissenscha ft (2004) 14 Vorbemerkungen Methoden geh\u00f6ren zum Standardprogramm einer guten W issenschaftsausbildung. Und ihre Kenntnis ist nahezu unverzicht bar, will mensch als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler in einer emp irisch orientierten Disziplin forschend und lehrend t\u00e4tig sein und blei ben. Methoden sind aber auch \u00fcber den engen Rahmen wissenschaftlichen Forschens hinaus von zentraler Bedeutung: \"Methode bezieht sich auf die Reflexion des Verh\u00e4ltnisses von Gegenstand und Erkenntnis (bz w. Begriff); (Unterrichts-) Methodik stellt dagegen die Frage nach den Schritten, Formen, Phasen der Vermittlung durch den Lehrenden bzw. der Aneignung durch den Lernenden. Methode ist folglich der Weg (griech . hod\u00f3s) nach etwas hin (griech. met\u00e1), der zielbestimmte Weg (der Erkenntnis). Die methodische Strukturierung mu\u00df - unabh\u00e4ngig von den sonsti gen Verfahrensweisen - die individuell-subjektiven (anthropogenen ) und situativen Voraussetzungen der Lernenden [d. h. auch der Forsche nden, G. S.] mit dem objektiven, sozialkulturell bedingten Sachanspr uch vereinigen\" (Mickel 2000, S. 107). F\u00fcr in diesem Sinne gedachte un d verwendete Methoden 15 ist es erstrebenswert, m\u00f6glichst viele Wege kennen zu lernen, auszuprobieren oder zur Verf\u00fcgung zu stellen. Es gi lt, einem Ziel nachzustreben, und der eingeschlagene Weg ergibt sich a us einem Zusammenwirken subjektiver und objektiver Faktoren. Im A lltag finden wir manche Wege eher zuf\u00e4llig, viele Wege gehen wir in Beg leitung anderer und 14 Dieser Artikel erschien erstmals 2005 in Cilja Har ders, Heike Kahlert & Delia Schindler (Hg.), Forschungsfeld Politik: Geschlechtskategoriale Einf \u00fchrung in die Sozialwissenschaften (Politik und Geschlecht, Bd. 15, S. 45-66). Wiesbad en: VS. 15 Ich verwende in diesem Artikel den Begriff der Met hode(n) als \u00fcbergeordneten. Darunter fallen sowohl Methodologie im Sinne von Methodentheorie bzw. Konzeptionierung und Reflexion des methodischen Vorgehens als auch die Forschungs- oder Gestaltungsmittel , d. h., die einzelnen Techniken bzw. die speziellen Werkzeu ge methodischen Arbeitens, als auch Verfahren , in denen bestimmte Zwecksetzungen bereits immer m it ausgew\u00e4hlten Mitteln kombiniert als Einheit auftreten. 40 Schriften-Reihe - Heft 6 achten kaum auf die Stationen, anderen Wegen folgen wir aufgrund einer Karte bzw. eines Plans. Dies ist bei der wissen schaftlichen Suche nach neuen Erkenntnissen kaum anders. Allerdings ist moderne Wissenschaft kein Gesch\u00e4ft f \u00fcr Jedermann und schon gar nicht f\u00fcr Jedefrau. So scheint sich inner halb der gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen insbesondere der Bereich der Methoden besonders erfolgreich gegen weibliche Vertre terinnen abschotten zu k\u00f6nnen. Nachdem in Deutschland vor rund 100 Jahr en auch Frauen zum Studium an \u00f6ffentlichen Hochschulen zugelassen wurden, ist laut Statistischem Bundesamt seit dem Wintersemester 200 2\/03 die Mehrheit der Studienanf\u00e4ngerInnen der weiblichen Genusgruppe zuzuordnen. 16 Dagegen liegt der Frauenanteil an allen Professuren im Jahr 2000 bei 10,5 %. Den zu konstatierenden drastischen Filterpr ozess schreiben Jutta Allmendinger, Nina von Stebut und Stefan Fuchs e inem B\u00fcndel von individuellen, organisationalen und gesellschaftlic hen Ursachen zu (2002, S. 12ff.). Wenn diese AutorInnen in ihrem Gu tachten aber zugleich vor der Gefahr warnen, eine h\u00f6here Einbindun g von Frauen in F\u00fchrungspositionen der Wissenschaft mit einem Attra ktivit\u00e4ts- und Prestigeverlust wissenschaftlichen Arbeitens zu erkaufe n - ein Zusammenhang, auf den verschiedene Studien immer wieder hin gewiesen haben stellt sich die Frage der \"gesellschaftlichen Macht ordnung\" (ebd., S. 20) unvermindert. Es geht also allenfalls vordergr\u00fcndig um Qualifikation, stattdessen um die Wahrung bestehender Hierarchien im Wissenschaftssystem, von denen das Geschlechterverh\u00e4ltnis eine der markanten ist. Vor allem um \"die Koinzidenz von Feminisie rung und Entwertung\" (Wetterer 2000, S. 210) zu vermeiden, werden die Zu gangsbedingungen zu den als exklusiv geltenden Berufsfeldern nach Be darf - und f\u00fcr Au\u00dfenseiterInnen meist nicht erkennbar - angepasst. Im Zusammenhang mit organisationalen Ursachen 17 ist davon auszugehen, dass nicht nur die Verteilung der Professorinn en auf Dotierungen 16 Hinsichtlich der Studienanf\u00e4ngerInnenquote, die de n Anteil an der gleichaltrigen Bev\u00f6lkerung angibt, wiesen M\u00e4nner und Frauen bereits 1996 mit je 28,1 % den gleichen Anteil auf. Im Jahr 2002 ist diese Quote f\u00fcr M\u00e4nner auf 36,5 % und f\u00fcr Frauen auf 38,7 % gestiegen. 17 Zu den organisationalen Ursachen z\u00e4hlen insbesondere \u00b7 Unsicherheit und Zuf\u00e4lligkeit des Karriereweges ve rbunden mit extremer pers\u00f6nlicher Abh\u00e4ngigkeit, \u00b7 partikularistische Z\u00fcge im peer review Verfahren, die Wissenschaftlerinnen benachteiligen, Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 41 und auf Disziplinen, sondern auch die auf Fachgebie te symptomatisch f\u00fcr die Machtordnung innerhalb einer Wissenschaft w ie f\u00fcr deren Au\u00dfenwirkung ist. Insofern vermute ich fortdauernde M echanismen, mit denen m\u00e4nnliche Dominanz zumindest in den Leitungspos itionen der akademischen Welt aufrecht erhalten werden soll (vgl. Krais 2000). Mit dem folgenden Text m\u00f6chte ich entlang einer hypothetisc hen Struktur wissenschaftlichen Handelns \u00fcberlegen, in welchem Zusammenhang die Praxis des Methodendiskurses an Universit\u00e4ten und i n wissenschaftlichen Standesvertretungen m\u00f6glicherweise mit der Pr\u00e4senz von Frauen und M\u00e4nnern in verschiedenen Wissenschaftsfeldern steht. Meine dahinter stehende These lautet, dass der derzeit heftig tobende Methodenstreit 18 zum einen auf einen Wandel wissenschaftlicher Leit vorstellungen hinweist und zum anderen \u00fcberdecken soll, dass zent rale Entscheidungskriterien empirischen Arbeitens kaum \u00f6ffentlic h verhandelt werden, um so ohne Widerspruch erw\u00fcnschte Ziehs\u00f6hne - selte n Zieht\u00f6chter der eigenen 'Schule' im Wissenschaftssystem zu etab lieren. Zun\u00e4chst werde ich auf die selten thematisierte Han dlungslogik empirischer Wissenschaften eingehen (2), diese dimensions weise vorstellen und bisherige Methodendiskussionen der Frauen- und Geschlechterforschung 19 daran orientiert kurz darstellen (3, 4, 5). Abschl ie\u00dfend (6) werde ich versuchen, daraus Folgerungen hinsichtlich d es Standes wissen\u00b7 mikropolitisch eine unterschiedliche Wertsch\u00e4tzung , die Frauen im Prozess von 'Schulenbildung' als weniger gewinnbringend einstuft. 18 In der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Soziologie stell t sich die Auseinandersetzung - zugespitzt formuliert - als Gegeneinander dar von Ratio nal-Choice-Vertretern einerseits, die auf statistische Datenanalyse eingeschworen sind, und V ertreterinnen verschiedener interpretativer Ans\u00e4tze andererseits, die ihr Material ohne E insatz von Statistik analysieren. 19 In Anlehnung an Regina Becker-Schmidt (1999) verwe nde ich Frauenforschung als Bezeichnung f\u00fcr alle Untersuchungen, die den Einfluss faktor 'Geschlecht' in der Wissensproduktion, in der Gestaltung von sozialen Welten oder in der Ausrichtung von Diskursen thematisieren und dabei die gesellschaftlich vernachl\u00e4 ssigten Interessen von Frauen deutlich machen wollen. Geschlechterforschung richtet sich hingegen auf die Analyse der Situatio n von Angeh\u00f6rigen beider Genusgruppen oder auf eine E ntschl\u00fcsselung der kulturellgesellschaftlichen Konstruktion von Geschlecht. Feministische Wissenschaft beruft sich dar\u00fcber hinaus auf die emanzipatorischen Impulse polit ischer und wissenschaftlicher Str\u00f6mungen, die insbesondere von Frauen und f\u00fcr Frauen ges etzt wurden zwecks Ver\u00e4nderung eines hierarchischen Geschlechterverh\u00e4ltnisses. Femin istisch gilt u. a. als Synonym f\u00fcr 'kritisch' - kritisch insbesondere gegen\u00fcber universali sierenden und einseitig m\u00e4nnlichen Sichtweisen sowie gegen\u00fcber wissenschaftlichen Posi tionen, die durch einen Mangel an Selbstreflexivit\u00e4t gekennzeichnet sind. 42 Schriften-Reihe - Heft 6 schaftlichen Wandels und der Position von Frauen im Wissenschaftssystem zu ziehen. Methodologische Struktur wissenschaftlicher Theorie und Empirie: Semantik - Syntax - Pragmatik In den 1970er Jahren \u00e4nderten sich die wissenschaft stheoretischen Debatten infolge der Thesen von Thomas S. Kuhn (1973) : Seine Analyse der Naturwissenschaften 20 lie\u00df ihn ein Modell der Wissenschaftsentwicklung formulieren, das durch lange Phasen der Normalwiss enschaft gepr\u00e4gt ist. Diese kann in Zeiten starken Wandels auf grund des Umsturzes ihrer Paradigmata abgel\u00f6st werden durch revolution\u00e4 re Wissenschaft, die sich dann wiederum langsam zur neuen Normalwiss enschaft aufbaut. Als Paradigma gelten - an den Ideenbegriff Pl atons ankn\u00fcpfend, der ein allgemeinstes Wesensmerkmal sowie ein ewige s Urbild kennzeichnet, - \"kollektive und\/oder individuelle (eine r Tradition von Theoriearbeit und theoriegeleiteter, Forschungsarbeit pr\u00e4g ender) Beispielleistungen (Vorbilder) im Verlauf der Wissenschaftsentw icklung. Paradigma beh\u00e4lt in dieser Hinsicht seine normative Bedeutung . Paradigmatisch sind auch \u00fcberlieferte Bezugsprobleme, woran sich b estimmte Forschungsgemeinschaften \u00fcber die Zeit hinweg als ma\u00dfg ebend orientieren\" (Ritsert 1996, S. 171). Paradigma taucht bei Kuhn jedoch auch als Begriff f \u00fcr bestimmte Bestandteile von Theorien sowie f\u00fcr methodische Verfa hren auf, z. B. f\u00fcr weltanschaulich gepr\u00e4gte Hintergrundannahmen, spezi elle Seinsvorstellungen, ausgew\u00e4hlte Begriffsmuster und syntaktische Grundstrukturen. Weiterhin geh\u00f6ren auch Ma\u00dfst\u00e4be bzw. Kriterien f\u00fcr die Theorie- und Forschungsarbeit als Lehrbeispiel dazu, um untersch eiden zu k\u00f6nnen, was als wissenschaftliche\/s Problem\/l\u00f6sung oder als Scharlatanerie einzustufen ist (ebd., S. 172). Um den etwas schillernden Paradigma-Begriff zu umge hen und zugleich die Wechselwirkung zwischen \u00e4u\u00dferen geschichtlichen Fak toren und immanenter Entwicklung von wissenschaftlichen Diszi plinen zu ber\u00fccksichtigen, f\u00fchrt J\u00fcrgen Ritsert in seinen Schriften zur Logik der Sozial20 Meine Einsch\u00e4tzung der Wissenschaftsentwicklung ge ht von homologen Denkstrukturen aus, die einen strukturellen Vergleich von Natur- m it Gesellschaftswissenschaften erlauben (vgl. Sturm 2003a). Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 43 wissenschaften den Theoriebegriff weiter aus (ebd., S. 150ff.). Er folgt der Tradition der griechisch-antiken Vorstellung ei ner systematischen Betrachtung (theoria) und Darstellung oberster Ursa chen, Zwecke und Prinzipien und f\u00fchrt drei Dimensionen an, die als k onstituierend f\u00fcr Theorien gelten k\u00f6nnen und somit auch Theorienvergleich e erlauben: Dies sind die \u00b7 Semantik einer Theorie als ihr Aussagengehalt, \u00b7 die Syntax einer Theorie in Form ihrer formallogischen Ordnun gsprinzipien, sowie \u00b7 die Pragmatik einer Theorie als ihr Praxisbezug (ebd., S. 153). Werden Theorietypen nach syntaktischer Struktur unterschieden, so akzeptieren Anh\u00e4ngerInnen des Kritischen Rationalismu s nur Satzordnungen als Theorie, die axiomatisch-deduktiv arrangier t sind. Schl\u00fcssige und brauchbare Alternativen sind allerdings in den Traditionen induktiver Logik oder dialektischer Konfigurationen entstanden , und derzeit werden weitere Ans\u00e4tze alternativer logischer Strukturen z . B. in den Geschichtsund den Kulturwissenschaften oder in feministischer Erkenntnistheorie (ebd., S. 340ff.) diskutiert. Entsprechend vielf\u00e4ltige und teilweise in entgegeng esetzte Richtungen weisende Setzungen sind f\u00fcr die semantischen Dimensionen von Theorie zu konstatieren: Zum einen geh\u00f6ren Zusammenhangsbehauptungen bzw. -vermutungen zu den Grundbestandteilen jeder Theorie. Mit solchen Aussagen geht eine intersubjektiv verbindliche Festlegung von Grundbegriffen einher, aus denen sich die gesamte B egrifflichkeit einer Theorie i. d. R. hierarchisch nach Graden der Allge meinheit herleitet. Der Relationstyp der aufgestellten Zusammenhangsaussage n pr\u00e4gt u. a. die unterschiedlichen Entwicklungsdynamiken von Theorie n - z. B. als deduktiv abgeleitetes Gesetzeswerk oder als hermeneut isch sich erweiterndes Beschreibungssystem. Dabei sagt der verschi edenartige Umgang mit Daten und Begriffsbildung noch wenig \u00fcber Abstraktion und Idealisierung aus, die alle Theorien vornehmen. F\u00fcr Letztere sind die Kriterien f\u00fcr Aufnahme, Beibehalten oder Verwerfen the oriepr\u00e4gender Aussagen relevant. Zum anderen pr\u00e4gen die Kernvorstellungen einer Theorie nicht nur deren semantische Dimension, sondern bilden \u00fcberhaupt deren Dreh- und Angelpunkt - bilden quasi die Zentr alreferenz. Als Formationsprinzip des gesamten Diskurses sind sie alle n anderen Aussagen vorgeordnet. Als Zentralreferenz normieren sie, \" was als ein f\u00fcr die Theorie relevantes Problem zu gelten hat, wie die Probleme strukturiert 44 Schriften-Reihe - Heft 6 sind und worin eine erfolgreiche Bearbeitung bzw. L\u00f6sung eines Pr oblems besteht\" (ebd., S. 162). Anders ausgedr\u00fcckt ge ht es um Schl\u00fcsselsemantiken, um zentrale Ordnungsvorstellungen so wie um Kriterien der Problematisierung. Diese \"Kernvorstellungen ein er Theorie sind entschieden einwandfester als andere Komponenten\" (ebd ., S. 161). Alle Theorien weisen schlie\u00dflich noch eine pragmatische Seite auf. Die Frage, wozu Theorien verwendet werden k\u00f6nnen, l\u00e4sst sich dabei innerwissenschaftlich wie auch hinsichtlich der Praxisbe z\u00fcge beantworten. Innerwissenschaftlich besteht Dissens \u00fcber die Reic hweite von L\u00f6sungen, was u. a. im Spannungsfeld der Begriffe Erkl\u00e4r en - Prognose Verstehen diskutiert wird. Bei den Praxisbez\u00fcgen we rden die Bedingungen von Theorieentwicklung, die Konsequenzen theore tischer Modelle und empirischer Forschungsprozesse sowie die Implik ationen - also wie und inwieweit externe Faktoren der gesellschaftlich en Praxis in die innere Ordnung einer Theorie eingehen - thematisiert. B esonders um den letzten Aspekt ging es in den Jahrzehnten um 1900 h erum im sogenannten Werturteilsstreit zwischen Mitgliedern des 'Ver eins f\u00fcr Socialpolitik' (ebd., S. 23ff.). Ich komme wieder auf Kuhns Konzeption Wissenschaftl icher Revolutionen zur\u00fcck. Darin sind f\u00fcr die Phase einer reifen ( Normal-) Wissenschaft Kontinuit\u00e4t, Kumulation und Fortschritt kennzeichne nd, f\u00fcr die Phase der Krise stehen Umw\u00e4lzungen aller bisherigen Denk- und Vorgehensweisen an, verkn\u00fcpft mit scharfer Konkurrenz in den zwisch en-paradigmatischen Phasen der Wissenschaftsentwicklung. Will sich eine Disziplin m\u00f6glichst lange in der Phase der Normalwissenschaft halten, i st vor allem der Bereich der Zentralreferenz zu sch\u00fctzen und zu vertei digen - insofern ist gem\u00e4\u00df Ritsert zu fragen, was zu den Kernvorstellung en eines Fachs zu z\u00e4hlen ist. F\u00fcr die verschiedenen gesellschaftswiss enschaftlichen Disziplinen (\u00d6konomie, Politikwissenschaft, Soziologie ) sind m. E. immer noch funktionalistische Ans\u00e4tze verkn\u00fcpft mit einer i. d. R. quantitativ auswertenden Variablenforschung dominant, auch wenn andere Positionen nicht mehr g\u00e4nzlich verschwiegen oder verdr\u00e4ngt werden k\u00f6nnen. Allerdings sind diese F\u00e4cher derzeit in unterschied lichem Ausma\u00df paradigmatischem Wandel unterworfen: Soziologie als die gesellschaftlich vielleicht am wenigsten wirksam eingesch\u00e4tzte Diszi plin weist derzeit wohl die gr\u00f6\u00dfte Variation theoretischer Positionen und methodischer Konzepte auf - verbunden mit heftigen fachlichen Au seinandersetzungen; dagegen pr\u00e4sentiert sich \u00d6konomie zwar mit tra ditionellen Streitpo- Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 45 sitionen, nichtsdestotrotz aber mit einem relativ e ngen Kanon theoretischer und methodischer Lehrmeinungen. So wie sich d ie meisten Disziplinen derzeit im Rahmen universit\u00e4rer Wissenschaft arbeitsteilig strukturieren, wirken insbesondere die Lehr- und Forschungsschwerpunkte \"Theorie\" und \"Methoden\" als Horte der Zentralrefer enz . Dies gilt wiederum im Sinne Kuhns nicht nur hinsichtlich der Inhal te, sondern auch hinsichtlich der Personen, die zur jeweils tragenden F orschungsgemeinschaft zugelassen werden. Hinsichtlich der von mir fokussierten Beteiligung v on WissenschaftlerInnen am (Normal-)Wissenschaft konstituierenden Metho dendiskurs ist zu erwarten, dass Frauen zwar 'gezwungenerma\u00dfen' in de n Teildisziplinen zugelassen werden, die auf die unterschiedlichen Pr axisfelder einer Wissenschaft ausgerichtet sind. In den Bereichen \"Theo rie\" und \"Methoden\" als Garanten der Zentralreferenz d\u00fcrften sie allenf alls als legitimierende Minderheit geduldet sein. Um den zugrunde liegenden Ausschlussmechanismen auf die Spur zu kommen, will ich im Weite ren zun\u00e4chst darlegen, wie sich eine entlang Semantik, Syntax und P ragmatik strukturierte Handlungslogik auf empirische Forschung auswirkt . Eine zusammen mit Ingrid Breckner entwickelte Systematik mit sechs methodologischen Denk- und Arbeitsschritten (Breckner & Sturm i. A.), die aus der Lehrpraxis in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen entstanden ist, soll mir im folgenden Analyseprozess helfen, die Methode ndiskussionen der Frauen- und Geschlechterforschung hinsichtlich der angenommenen Zentralreferenz zeitgen\u00f6ssischer Normalwissenschaft zu beurteilen (vgl. auch Sturm 2004). Idealtypisch sollten sich alle Entscheidungen hinsi chtlich der Methodenwahl auf die drei oben eingef\u00fchrten Ebenen beziehen (vgl. auch Kriz et al. 1990, S. 47ff.). Jede methodologische Entscheidung - im Sinne theoretischer Begr\u00fcndungen methodischer Schritte - ist zudem in einem Aushandlungsfeld zu treffen zwischen der Objektwelt des wissenschaftlichen Gegenstands und der Position der forschenden S ubjekte, von der aus Ziele, Zwecke und Mittel der wissenschaftlichen Praxis bestimmt werden. In Zusammenh\u00e4ngen feministischer Forschung ist es selbstverst\u00e4ndlich, dass in einem solchen Interaktionsprozes s die Objektseite nur 'durch die Brille' der wissenschaftlich Handelnden sichtbar werden kann (vgl. Schl\u00fccker 2003). Die Objektperspektive wird g efiltert durch die Interessen, Kenntnisse und situativen M\u00f6glichkeiten der Forschungssubjekte und ist nur durch diese erfahrbar - zur Subjektpers pektive geh\u00f6ren ne- 46 Schriften-Reihe - Heft 6 ben der Reflexion der objektiv erfahrenen Vorgaben die begr\u00fcndet zu treffenden Entscheidungen. F\u00fcr die hier benutzte Sy stematik methodologischer Forschungsschritte ergibt sich aus den beid en unterschiedlich m\u00f6glichen Perspektiven auf ein methodologisches Zie l eine Doppelung der Entscheidungsstruktur: In der \u00dcberblickstabelle sind deshalb f\u00fcr jede Entscheidungsebene je ein Zugang aus der antizipier ten Objekt- und einer aus der Subjektperspektive aufgeschl\u00fcsselt. Die Semantik des Themen- und Problemfeldes wird durch die Erkun dungen des wissenschaftlichen Handlungsfelds, das von der Objektwelt gepr\u00e4gt ist, und \u00fcber die Zielbestimmung durch das wi ssenschaftlich handelnde Subjekt erschlossen. Diese beiden Arbeitssch ritte zielen auf die Kl\u00e4rung dessen ab, was traditionell Entdeckungszusammenhang genannt wird. In den beiden folgenden methodologische n Schritten steht die Syntax des Themenfeldes im Vordergrund. Sie wird entschl\u00fc sselt durch die Erkundung der Ordnung der Objektwelt und durch die subjektive Zweckbestimmung des wissenschaftlichen Handelns. Sie dient der Konzeption des Begr\u00fcndungszusammenhang s des wissenschaftlichen Vorgehens. Abschlie\u00dfend gilt die Aufmerksamkeit der Pragmatik des wissenschaftlichen Vorgehens. Sie entsteht durch ei ne Pr\u00e4zisierung des von der Objektwelt nahe gelegten wissenschaftlichen Handlungsbedarfs und die subjektive Auswahl von Handlungsmitteln im Rahmen der Operationalisierung der wissenschaftlichen Fragestellu ng. Mit der Fokussierung der Pragmatik in der methodologischen Vorberei tung wissenschaftlichen Handelns wird der Begr\u00fcndungszusammenhang abschlie\u00dfend formuliert und der angestrebte Verwertungs- und Wirkungszusammenhang konzeptionell abgesichert. Selbstverst\u00e4ndlich grei fen diese Schritte in der wissenschaftlichen Praxis ineinander und sin d im Konzeptionsprozess nur schwer voneinander zu trennen. Zur Reflexi on und Evaluation des eigenen Tuns ist die hier vorgestellte analytis che Unterscheidung jedoch \u00e4u\u00dferst hilfreich. Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 47 Tabelle 1: Idealtypische Handlungslogik einer Forschungs- und Gestaltungskonzeption (Quelle: Breckner & Sturm i. A.) Methodologische Ent- Zugang Ziel Zweck Handlungsweg scheidung S Wissen- Erkundung des E schaftliches Objekt Themen- bzw. Kl\u00e4rung des ErkenntM Abkl\u00e4rung Handlungs- Problemfelds nisinteresses A des Entde- feld N ckungszuT sammen- Formulierung der Begr\u00fcndung des wishangs Zielbe- senschaftlichen HandI stimmung Subjekt Themen- bzw. K Problemstellung lungsziels Untersuchung der Qualifizierung von Art S Feldord- Objekt Ordnungsstruktur und G\u00fcte der inhaltliY Konzeption nung der Themen- bzw. chen Zusammenh\u00e4nN des Be- Problemstellung ge T gr\u00fcndungszusammen- Eingrenzung der A hangs Zweckbe- Formulierung der Themen- bzw. Probstimmung SubjektX Erkenntnis leiten- lemstellung auf den den Fragestellung zu bearbeitenden Ausschnitt P Formulie- WissenR rung des schaftlicher Begr\u00fcndung des Festlegung der ForA Begr\u00fcn- Hand- Objekt wissenschaftli- schungs- bzw. GestalG dungs- und lungsbedarf chen Vorgehens tungsidee M AbsicheA rung des Verwer- Operationalisie- Entwicklung des ForT tungszu- Mittelbe- Subjekt rung der Frage- schungs- bzw. GestalI sammen- stimmung stellung tungsplans K hangs 48 Schriften-Reihe - Heft 6 Betonung der Semantik in der feministischen Methodologiedebatte Innerhalb der vorgeschlagenen methodologischen Ents cheidungsstruktur f\u00fcr empirisches Arbeiten richtet sich die Bestimmung der Semantik eines Themen- und Problemfeldes auf die inhaltliche Struk tur. W\u00e4chst z. B. aufgrund einer massiven Frauenf\u00f6rderung der Frauena nteil im Wissenschaftsbetrieb, was von einigen als Erfolg der poli tischen Steuerung deklariert und von anderen kritisch beurteilt wird, u nd werden daraufhin zunehmend systematisch Informationen gesammelt, entst eht eine mehr oder weniger umfangreiche Sammlung von theoretische n, methodischen und praktischen Notizen, Berichten oder Abhandlunge n, die den Stand der Wissenschaft hinsichtlich des Themenfeldes 'Fra uen im Wissenschaftssystem' beinhaltet. Damit ist ein wissenschaftliches Handlungsfeld abgesteckt. Aus einer Zuspitzung des Erkenntnisint eresses auf den nach wie vor marginalen Anteil von Frauen an Leitun gspositionen k\u00f6nnte sich eine Themenstellung ergeben, die den Zusammenh ang von Genusgruppenzugeh\u00f6rigkeit, Herkunftsmilieu und individue llen Karrierem\u00f6glichkeiten anvisiert. Damit ist die Zielbestimmung f\u00fcr einen m\u00f6glichen weiteren Forschungsprozess erfolgt. Wissenschaftshistorisch dokumentierte sich der femi nistische Methodologiediskurs erstmals anl\u00e4sslich der ersten Berliner Sommeruniversit\u00e4t f\u00fcr Frauen im Jahr 1976 zum Thema \"Frauen und Wissenschaft\". Dort manifestierte sich die Unzufriedenheit von Studenti nnen und Dozentinnen mit der Praxis der 1968er Bewegung, die frauenp olitische Felder weitgehend vernachl\u00e4ssigte. Nach der Gr\u00fcndung auton omer Frauenzentren ging es den wissenschaftlich t\u00e4tigen Frauen da rum, zum einen die Verkn\u00fcpfung der unterschiedlichen Praxisfelder von Frauen herzustellen und zum anderen die Erfahrungen eines weiblich gepr \u00e4gten Alltags und die Reflexionen der Frauenbewegung auch in ihr wiss enschaftliches Arbeiten einflie\u00dfen zu lassen. Daraus folgerte eine K ritik sowohl am m\u00e4nnlichkeitszentrierten und von M\u00e4nnern dominierten Wi ssenschaftsbetrieb als auch am Frauen unterdr\u00fcckenden Geschlechterverh \u00e4ltnis. Insgesamt wurde Feminismus als Projekt umfassenden gesellscha ftlichen Wandels proklamiert (was eher auf den Wirkungszusammenhang anspielt), und feministische Wissenschaft wurde als fortw\u00e4hrender kritischer Erkenntnisprozess konzipiert, getragen von gemeinsamer Ref lexion des forschenden wie gestaltenden Handelns (vgl. Althoff, B ereswill & Riegraf 2001, S. 19ff.). Die zu jenem Zeitpunkt formulierte n Kriterien sind weit- Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 49 gehend als Voraussetzungen methodologischen Handeln s einzustufen, die den Entdeckungszusammenhang der entstehenden Frauenfors chung spezifizieren und von der traditionellen akademisch en Wissenschaft abgrenzen. Die Kennzeichnung des \"eigenen Standpunkte s\" und die Formulierung der Widerspr\u00fcche des \"weiblichen Lebenszu sammenhangs\" lieferten das kritische Potenzial, mit dem Kernvors tellungen und Zusammenhangsbehauptungen in Frage gestellt wurden. Parallel zu den methodologischen \u00dcberlegungen, die direkt aus der Erfahrung mit Frauen- und beginnender Geschlechterfor schung resultierten, lieferte die feministische Wissenschaftskritik eine unersch\u00f6pfliche Quelle methodologischer Debatten. Vor allem Philoso phinnen und Naturwissenschaftlerinnen verwiesen den universellen G\u00fcltigkeits- wie den Objektivit\u00e4tsanspruch der (Normal-) Wissenschaft in s Reich des Androzentrismus. Trotz recht unterschiedlicher Argumenta tionen sind sich die Kritikerinnen auch in diesem Themenfeld hinsichtlic h eines durch die eigene Genusgruppenzugeh\u00f6rigkeit bedingten Standortes als Basis wissenschaftlicher Untersuchungen einig (z. B. Harding 1990 und Klinger 1990) - betonen damit wiederum den Entdeckungszusam menhang wissenschaftlicher Erkenntnis. Wenig explizierte Syntax nicht nur in feministischer Wissenschaft Die Bestimmung der Syntax richtet sich auf Setzungen und Regeln, die die gew\u00e4hlte Themenstellung beeinflussen und strukt urieren. Ben\u00f6tigt wird ihre Kenntnis zur Konzeption des Begr\u00fcndungszu sammenhangs. Die 'Grammatik des Themenfelds' setzt sich zusammen aus der formallogischen Ordnung der Objektwelt und aus der Argume ntationslogik der Forschungssubjekte: Mit der syntaktischen Struktur werden der f\u00fcr die Datenanalyse relevante Reduktionsgrad (quantitativ - qualitativ) sowie Logiken des Schlussfolgerns (abduktiv, deduktiv, in duktiv) nahegelegt und daraus abgeleitet Systematisierungs- und Argume ntationsm\u00f6glichkeiten (z. B. hermeneutisch oder dialektisch oder k ritisch-rationalistisch oder pragmatistisch, vgl. z. B. Kriz et al. 1990, S . 122-151) erschlie\u00dfund begr\u00fcndbar. Die gedoppelte Entscheidungsstruktu r pr\u00e4sentiert sich in dieser Phase methodologischen Handelns durch die Ermittlung der Feldordnung und die Zweckbestimmung , mit der die Fragestellung des wissenschaftlichen Vorgehens eingegrenzt und pr\u00e4zis iert wird. 50 Schriften-Reihe - Heft 6 Um die Feldordnung zu bestimmen, sind Art und G\u00fcte der inhaltlichen Zusammenh\u00e4nge im durch die Themenstellung ausgew\u00e4hl ten Gegenstandsbereich zu qualifizieren. Als Zugang zu den O rdnungsmustern eines Gegenstands steht wissenschaftliches und allt\u00e4g liches Erfahrungswissen zur Verf\u00fcgung. Die Feldordnung ist damit abh \u00e4ngig von der im Rahmen semantischer Setzungen gew\u00e4hlten (Alltags-)T heorie. Erkenntnistheoretisch wird zwischen vollst\u00e4ndigen und unvollst\u00e4ndigen Ordnungen unterschieden. Eine Ordnung gilt dann als vollst\u00e4ndig, wenn alle r elevanten Themenaspekte (Dinge, Personen, Orte, Zeiten, Ereignisse, S ituationsverl\u00e4ufe, Eigenschaften etc.) bekannt sind und hinsichtlich bes timmter Kriterien zueinander in Beziehung gesetzt werden k\u00f6nnen. Dieser Idealzustand einer vollst\u00e4ndigen Ordnung ist in der Regel nur in m athematisch eindeutig definierten Denksystemen gegeben - in gesellschafts wissenschaftlich bedeutsamen Themenfeldern sind relativ vollst\u00e4ndige Ordnungen f\u00fcr \u00fcberschaubare Themenstellungen in bereits gut erfor schten Feldern anzunehmen. In dem Beispiel einer Untersuchung des Zu sammenhangs von Genusgruppen- und Milieuzugeh\u00f6rigkeit mit Karri erechancen kann nur dann von einer eher vollst\u00e4ndigen Ordnung ausge gangen werden, wenn nur eine \u00fcberschaubare Anzahl genau festliegen der Aufstiegswege sinnvoll zu unterscheiden ist, wenn die unterst\u00fc tzenden bzw. hemmenden Verst\u00e4rker aus dem Spektrum sozialen, kultur ellen und symbolischen Kapitals eindeutig einzusch\u00e4tzen sind, und we nn keine weiteren f\u00fcr Karriereverl\u00e4ufe bedeutsamen Einflussfaktoren a nzunehmen sind. Solches h\u00e4tte f\u00fcr die Mittelwahl die Konsequenz , dass im Falle eines Forschungsvorhabens die Datenerhebung mit standardisierten Instrumenten sowie eher geschlossenen Strategien und die Auswertung unter Zuhilfenahme von Statistik geschehen sollte - im Falle eines Gestaltungsvorhabens entsprechend festgelegte Implementations- und Umsetzungsverfahren eingesetzt werden k\u00f6nnten. Mit unvollst\u00e4ndigen Ordnungen sind Beziehungsgeflec hte gemeint, in denen konstitutive Aspekte unklar oder nicht bekann t sind und\/oder nicht zueinander in Beziehung zu setzen sind. Je geringer das eigene Vorwissen oder zug\u00e4ngliches Wissen zur gew\u00e4hlten Themenst ellung ist, je weniger die als relevant angesehenen Aspekte z\u00e4hl- od er messbar sind oder je mehr vorhandene Erkl\u00e4rungen zu den formulier ten offenen Fragen angezweifelt werden, desto weniger sollte entsprech end einer vollst\u00e4ndigen Ordnungsstruktur geforscht werden. Solches h\u00e4tt e f\u00fcr die Mittelwahl Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 51 die Konsequenz , dass im Falle eines Forschungsvorhabens die Daten erhebung mit unstandardisierten Instrumenten sowie eher offenen Strategien und die Auswertung haupts\u00e4chlich mittels qualitativer Rekonstruktion geschehen sollte - im Falle eines Gestaltungsvorha bens entsprechend variable Implementations- und Umsetzungsverfahren eingesetzt werden m\u00fcssen. In dem hier herangezogenen Beispiel w\u00e4re dies der Fall, wenn eher unklar ist, welche Faktoren derzeit Karriereverl\u00e4ufe bestimmen, wenn zudem das Zusammenwirken verschiedene r gesellschaftlicher Differenzierungsdimensionen (Rasse, Kl asse, Geschlecht als eher vertikale und Generation, Ethnie, Religion , sexuelle Orientierung oder Milieu als eher horizontale) mit der Genusgrup penzugeh\u00f6rigkeit nicht eingesch\u00e4tzt werden kann, oder wenn Zweifel d ar\u00fcber bestehen, was als gesellschaftlich herausragende Position bzw . Elite anzusehen ist. Die Subjektperspektive auf der Syntax-Ebene der For schungskonzeption ist durch die erforderliche Zweckbestimmung des Forschungsvorhabens gekennzeichnet. D. h., die zuvor festgelegte Zielse tzung ist so zu operationalisieren, dass mit der Formulierung einer fors chungsleitenden Frage die Themenstellung auf den letztlich zu bearbeitend en Gegenstandsausschnitt eingegrenzt wird. Entsprechend verschiedene r wissenschaftlicher Erkl\u00e4rungsmodelle sind m\u00f6gliche Fragestellungen unt erschiedlich ausgerichtet. F\u00fcr deren Systematisierung wird hier auf ein methodologisches Trivium verwiesen (Sturm 1994, S. 94ff.). Dessen Beziehung sgef\u00fcge weist drei Schlussweisen (Abduktion, Deduktion, Ind uktion) sowie drei Aussagefelder (empirische Aussagen, theoretische Au ssagen, Strukturaussagen) auf. Jede der drei Schlussweisen geht von zwei als gesichert angenommenen Aussagefeldern aus und erschlie\u00dft dara us das fehlende Dritte. Bei der Abduktion wird das empirische Material eines Falls mit Hilfe aller zug\u00e4nglichen, interpretierenden (theoretischen) Aus sagen - gleichg\u00fcltig, ob diese aus der Alltagserfahrung oder aus wissensc haftlichen Theorien stammen - in unterschiedliche, m\u00f6glichst kontrastie rende Lesarten hinsichtlich der den Fall begr\u00fcndenden Zusammenhangsst ruktur aufgef\u00e4chert. Die so formulierten wahr-scheinlichen VorAus sagen, auch 'erkl\u00e4rende Hypothesen' genannt, m\u00fcssen sich im kommunika tiven Prozess der Wissenschaft Treibenden \u00fcber das bekannte Mater ial bew\u00e4hren, weshalb diese Schlussweise auch als 'Sherlock-Holme s-Logik' gekennzeichnet werden kann. Die typische Erhebungsform f\u00fc r abduktives Vor- 52 Schriften-Reihe - Heft 6 gehen ist die Einzelfallstudie. Der Erkenntniszweck ist auf eine Entschl\u00fcsselung der den Erscheinungsformen zu Grunde l iegenden Struktur gerichtet. In der Frauen- und Geschlechterforschung sind es insbesondere Biografieforschung, Diskursanalyse oder die do kumentarische Methode, die abduktiv vorgehen. Obwohl diese Ans\u00e4tze i. d. R. mit qualitativ-rekonstruierender Datenanalyse arbeiten, folgt die Wahl qualitativer Verfahren ausschlie\u00dflich aus der Ordnungsstruktur d er Themenstellungen feministischer Wissenschaft und nicht aus der A bduktionslogik. Wenn im oben entwickelten Beispiel z. B. nicht sich er ist, wodurch derzeit Karriereverl\u00e4ufe nachhaltig gelenkt werden, is t unstandardisiert und offen zu arbeiten. Wenn sich die Fragestellung zude m auf die Erkundung ver\u00e4nderter Beziehungsgef\u00fcge in einer scientific community richtet, sind diese Karrierestruktur pr\u00e4genden Zusammenh\u00e4nge z. B . anhand von Berufsbiografien abduktiv zu ermitteln. Abbildung 3 : Methodologisches Trivium der drei Erkl\u00e4rungsmodelle der Abduktion, Deduktion, Induktion (Quelle: Sturm 1994 \/ 2004 \/ 2005 \/ 2006a). Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 53 Bei der Deduktion wird eine besondere Aussage (These) aus allgemeinen anderen Aussagen (Hypothesen, bestehend aus the oretischen S\u00e4tzen, die in einer Struktur zusammenwirken) gem\u00e4\u00df lo gischer Regeln abgeleitet. Sind die Hypothesen im Sinne von Axiomen oder Gesetzen wahr, so ist die These deduktiv beweisbar bzw. der empirische Einzelfall vorhersehbar. Die Ausgangsebene einer solchen deduk tiven Erkl\u00e4rung liegt dann in der Form \"Wenn ..., dann ...\" sowie e mpirisch belegter Ursache bzw. Randbedingung (das \"wenn\") vor; das zu e rkl\u00e4rende Ph\u00e4nomen besteht aus dem erwarteten und zu beobachtend en empirischen Ereignis. Die typische Erhebungsform f\u00fcr deduktives Vorgehen ist das Experiment, und der Erkenntniszweck ist auf eine \u00dcberpr\u00fcfung und Sicherung von vorgenommenen Setzungen , z. B. von logischen Gesetzen, gerichtet. Beispielsweise k\u00f6nnte eine Hypothese, da ss die Aussch\u00f6pfung des Potenzials an hochqualifizierten Frauen bislang als Wettbewerbsgr\u00f6\u00dfe keine Rolle spielt, anhand eines Verglei chs von personalsuchenden mit personalges\u00e4ttigten Branchen untersucht werden. Diese Schlussweise war bislang in der Frauen- und Geschle chterforschung nicht sehr verbreitet (au\u00dfer in der Form des Gedank enexperiments), da es zun\u00e4chst eher um die Entdeckung unbekannter Zusa mmenh\u00e4nge und die Entwicklung neuer Theorien ging als um die \u00dcber pr\u00fcfung bereits etablierter Konzepte. Der Induktion sschluss geht von einer Anzahl empirischer Einzelau ssagen \u00fcber Gegenst\u00e4nde aus, f\u00fcr die bestimmte Struktu raussagen in Form operationalisierter Merkmale als wirkungsrelevant a ngenommen werden - indem z. B. Geschlecht ausschlie\u00dflich als dichoto me Variable verwendet wird. H\u00e4ufen sich Zusammenh\u00e4nge zwischen den so konstruierten Variablen, kann auf die allgemeine G\u00fcltigkeit diese r Merkmalskoppelungen f\u00fcr alle vergleichbaren Gegenst\u00e4nde geschlossen werden. Wie die Abduktion kann auch die Induktion niemals schl\u00fcssig e Beweise, sondern nur Wahrscheinlichkeitsaussagen liefern. Die tradit ionelle Erhebungsform f\u00fcr induktives Vorgehen ist ein Survey. Gemein t ist damit i. d. R. eine Erhebung von Massendaten, z. B. \u00fcber die angestr ebten Berufe von Frauen und M\u00e4nnern einer bestimmten Jahrgangsstufe oder \u00fcber die Genusgruppenverteilung in einem speziellen akademis chen Berufsfeld. Der Erkenntniszweck ist auf eine Entwicklung verallgemeinerbarer Aussagen gerichtet, z. B. bez\u00fcglich des unterschiedlichen in dividuellen Arbeitsangebotsverhaltens von M\u00e4nnern und Frauen oder hinsichtlich wirksamer Anreize f\u00fcr Arbeitgeber zur Besch\u00e4ftigung von hochqualifizierten 54 Schriften-Reihe - Heft 6 Frauen. Aktuell arbeiten in der Frauen- und Geschle chterforschung vor allem die Konzeptionen, die der Grounded Theory fol gen, mit dem Induktionsschluss. Aber auch die in der Anfangszeit weit verbreiteten Studien der Oral History oder aus Sozialstatistiken abgelei tete Situationsanalysen gehen induktiv vor. Allerdings treten diese subjektgebundenen Entscheid ungen f\u00fcr ein zweckangemessenes Erkl\u00e4rungsmodell selten pur bzw. isoliert auf: In Forschungsprozessen schichten sich neue Erkenntniss e i. d. R. einer Spiralform folgend auf, wobei Schlusslogiken einand er in der Aufeinanderfolge erg\u00e4nzen. Letzteres geht in der Praxis mit der Kombination unterschiedlicher Techniken einher, was unter den Beg riffen des Methodenmix oder der Triangulation (vgl. Flick 1991) fun giert, wobei im Falle von unterschiedlich spezifizierten Teilbereichen ei nes Themenfeldes auch quantitative und qualitative Zugangsweisen mit einander kombiniert werden k\u00f6nnen. Im Falle solcher Kombinationspraxis k\u00f6nnte dann deutlich werden, dass die immer wieder aufgekochten Str eitigkeiten um die 'wahre Methodenlehre', die sich h\u00e4ufig als Gegensat z quantitativ versus qualitativ pr\u00e4sentieren, Spiegelfechtereien sind un d von bedeutsameren Beweggr\u00fcnden - z. B. wer die Besetzung von C4-Metho den-Professuren entscheidet und damit Einfluss auf die sich wandeln de Zentralreferenz des Faches nimmt - ablenken sollen. Im Feld feministischer Wissenschaft f\u00fchrte eine ehe r themenfeldgebundene Reflexion \u00fcber die Methoden der Erkenntnisgewi nnung in Zusammenhang mit unterschiedlichen theoretischen Pr\u00e4fere nzen und nicht zuletzt abh\u00e4ngig von je disziplin\u00e4ren Denkstilen zu e inem breiten Spektrum von Verfahren, die heute in der Frauen- und Geschle chterforschung eingesetzt werden. Eine bewusste Auseinandersetzung mi t der Syntax der sich h\u00f6chst komplex darstellenden Themenfelder, die unvermeidlich Konsequenzen auch f\u00fcr den Verwertungszusammenhang h at, fand nur teilweise statt. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Problem feld 'Gewalt gegen Frauen', das in politischen wie wissenschaftlichen \u00d6ffentlichkeiten weitestgehend verschwiegen wurde und damit ein Nicht-T hema war. Dieser wissenschaftlich quasi unbekannte Gegenstand verlan gte von den Forscherinnen, ihre vorhandenen methodischen Werkzeuge entsprechend der Syntax ihres Themenfeldes zu ver\u00e4ndern oder zum indest neu zu kombinieren (vgl. Hagemann-White et al. 1981). In d en 1990er Jahren ver\u00e4nderten sich dann mit den theoretischen Fokussi erungen auch die methodologischen Zugriffe: Nachdem vor allem Forsch erinnen angetre- Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 55 ten waren, die traditionellen Wissensbest\u00e4nde hinsi chtlich der Situation von Frauen zu erg\u00e4nzen und Fragen nach dem Geschlec hterverh\u00e4ltnis und seiner strukturierenden Wirkung in gesellschaft lichen Prozessen (einschlie\u00dflich der Wissenschaft) zu stellen, wurde zunehmend die Kategorie Geschlecht selbst in Frage gestellt (vgl. u. a. Feministische Studien 2\/1993, Sturm 2003b). Das sich durchsetzende B ewusstsein, dass Frauen keine homogene Gruppe sind, dass Geschlecht zwar eine tragende, aber nicht die einzig relevante Dimension so zialer Ungleichheit ist, sowie der Anspruch, das Themenfeld der untersc hiedlichen Geschlechterrelationen nur interdisziplin\u00e4r ausloten zu k\u00f6nnen, trugen dazu bei, dass sich neben den Zielsetzungen auch die Zwe cksetzungen feministischer Forschung ausdifferenzierten. Wenn Gesch lecht als erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftiges, am ehesten relationales Ph\u00e4nomen zu behandeln ist, m\u00fcssen in der Empirie kontextsensible, ergebnisoffe ne und antiessentialistische Verfahren Verwendung finden. So finden de rzeit neben den vor allem in Deutschland etablierten Studien einer femi nistisch gewendeten Kritischen Theorie, Studien mit ethnomethodologisch em oder diskursanalytischem Ansatz weite Verbreitung (vgl. Althoff et al. 2001, S. 187ff.). Die in solchen Studien eingesetzten Verfahren der d okumentarischen Interpretation, des Krisenexperiments oder der Deko nstruktion kultureller Ph\u00e4nomene zielen alle auf eine Spezifizierung des B egr\u00fcndungszusammenhangs feministischer Forschung. Und trotzdem meine ich feststellen zu m\u00fcssen, dass im Begr\u00fcndungszusammenhang feministischer Wissenschaft vor allem die grundlegende Syntax bisl ang zu wenig genau reflektiert wurde, und u. a. dadurch eine Mitsprach e kritischer Wissenschaftlerinnen im normalwissenschaftlichen Ver\u00e4nder ungsprozess zumindest geschw\u00e4cht worden ist. Pragmatik: Entscheidung f\u00fcr forschende Politikwisse nschaft oder f\u00fcr gestaltende politische Praxis Im methodologischen Entscheidungsprozess muss die Bestimmung der Pragmatik all den zuvor getroffenen Entscheidungen folgen. D ie Objektperspektive kommt in dieser Phase insofern zum Trag en, als der wissenschaftliche Handlungsbedarf eher politikwissenschaftliche Forschung oder eher politische Gestaltung gesellschaftlicher Situ ationen und Zust\u00e4nde im Sinne von Umsetzung und Anwendung von For schungsergebnissen nahe legt. Zugleich werden die zeitlichen , r\u00e4umlichen, perso- 56 Schriften-Reihe - Heft 6 nellen, finanziellen etc. Handlungsspielr\u00e4ume deutl ich, die Auswirkungen auf den praktizierbaren Forschungs- oder Gestaltung sprozess und seine erzielbaren Ertr\u00e4ge haben. Aus der Subjektperspekti ve f\u00fchrt die Operationalisierung der handlungsleitenden Frage im Rahmen der verbleibenden M\u00f6glichkeiten nun endg\u00fcltig zur Mittelbestimmung : Im politikwissenschaftlichen Forschungsfall sind abh\u00e4ngig von Semantik und Syntax mehr oder weniger standardisierte Erhebu ngsinstrumente (Inhaltsanalyse, Beobachtung, Befragung, interaktiv e Re-\/ Konstruktionen) und mehr oder weniger offene Erhebungsstrategi en (Forschungsdesign, Fokussierung, Kontrolle) mit eher 'qualitat iven'\/sprachlich rekonstruierenden oder 'quantitativen'\/statistisch model lierenden Datenanalyseverfahren zu kombinieren. Eine Interpretation der Ergebnisse im Hinblick auf die urspr\u00fcngliche Themenstellung kann nur im Rahmen der angenommenen Feldordnung und im Duktus der mit der Zw eckbestimmung verkn\u00fcpften Argumentationslogik erfolgen. Wenn z. B . Policy Studies bzw. Politikfeldanalysen notwendig erscheinen, weil die Problemverarbeitung durch das politisch-administrative System i m Vergleich zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt keine angemessenen L\u00f6sungen mehr anbieten kann, hat sich die Ordnungsstruktur des Feldes offenbar s oweit aufgel\u00f6st, dass mit eher unstandardisierten, offenen Verfahren (z. B. abduktiv im Rahmen einer Fallstudie) geforscht werden sollte. Inte ressiert hingegen ein \u00dcberblick \u00fcber die aktuell z. B. in der Familienpol itik eingesetzten Interventionsmittel, k\u00f6nnen diese standardisiert und rel ativ geschlossen gem\u00e4\u00df der darin implizierten Zwecke erhoben und stati stisch dargestellt werden, um dann per Induktionsschluss eine Mehrheit saussage zu formulieren. Im realpolitischen Gestaltungsfall sind entsprechend eine Bestandsaufnahme (Wahl der Instrumente und Strategien f\u00fcr Best andserhebung wie Bestandsanalyse entsprechend dem Forschungsfall), d ie Umsetzung von ideellen und\/oder materiellen Gestaltungsoption en (Entscheidung hinsichtlich der gestaltbaren politischen Realit\u00e4t, Festlegung der Instrumente und Strategien f\u00fcr die Neu-\/Umplanung und Ver mittlung bzw. Implementierung des Vorhabens) sowie die notwendigen Evaluierungsma\u00dfnahmen (f\u00fcr einzelne Schritte wie f\u00fcr den gesamt en Prozess) zu entwickeln. Da politische Gestaltung meist erst dan n eingefordert wird, wenn die aktuelle gesellschaftliche Praxis aufgrund zunehmenden Problemdrucks nicht mehr angemessen erscheint, ist dara us i. d. R. auf ein ungeordnetes Problemfeld zu schlie\u00dfen. Insofern sin d vermehrt unstan- Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 57 dardisiert und offen angelegte Techniken der Wahrne hmung, der Deund Rekonstruktion gesellschaftlicher Erfahrungen o der der Intervention einzusetzen. Zumindest im Feld der politischen Bild ung existieren bereits eine ganze Reihe methodisch-didaktischer Werkzeuge (z. B. Kuhn & Massing 2000), die unter ver\u00e4ndertem methodologisch en Fokus neu systematisiert werden k\u00f6nnten. Mit der Pragmatik feministischer Empirie hat sich d ie Frauenforschung sehr fr\u00fchzeitig auseinandergesetzt. Die method(olog )ischen Postulate von Maria Mies aus dem Jahr 1978 spitzten die Anfan gs\u00fcberlegungen der Berliner Frauenuniversit\u00e4t zu. Auf Kritik unter schiedlicher Herkunft stie\u00df die geforderte bewusste Parteilichkeit f\u00fcr di e Aufhebung der Unterdr\u00fcckung der Frau wie gegen eine verallgemeinert al s Neutralit\u00e4t und Indifferenz verstandene Werturteilsfreiheit. (Letzt ere gilt auch in der bisherigen Normalwissenschaft nur im Begr\u00fcndungszusamm enhang und nicht im Entdeckungs- oder Verwertungszusammenhang. ) Maria Mies proklamierte weiterhin eine Sicht von unten im Dien ste der beherrschten Gruppen, aktive Teilnahme an emanzipatorischen Akti onen, Ver\u00e4nderung des Status quo als Ziel von Forschung, Auswahl des Forschungsgegenstandes nach strategischen Erfordernissen der Frauenbewegung, und Organisation von Forschung als beidseitigen Bew usstwerdungsprozess f\u00fcr Forschende und Erforschte. Bis Mitte der 1980er Jahre f\u00fchrte die methodologisc he Diskussion hinsichtlich des Begr\u00fcndungs- wie des Verwertungszusam menhangs weitgehend zu der \u00dcbereinkunft (vgl. Zentraleinrichtung 1984), dass es zwar keine spezielle Methode der Frauenforschung gebe, s ich allerdings insbesondere offene prozessorientierte Verfahren zur E rhebung qualitativer Daten eigneten, die bislang verschwiegenen oder ver zerrt dargestellten Lebensrealit\u00e4ten von Frauen zu erfassen. F\u00fcr die An alyse bedeutet dies, sowohl den Entstehungsprozess von Daten und Ergebni ssen als auch das Verh\u00e4ltnis zwischen den am Forschungsprozess Be teiligten mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Vorstellungen un d Ressourcen zu reflektieren und zu ver\u00f6ffentlichen, da nur so das entstehende Forschungsprodukt beurteilbar ist. Die durch Maria Mie s' Postulate sich pointierende Diskussion nahm mit der Betonung des Z iels emanzipatorischer Ver\u00e4nderung verst\u00e4rkt den Verwertungs- und Wi rkungszusammenhang von Forschung in den konzeptionierenden Bli ck. Mies' Prinzipien der Parteilichkeit und Betroffenheit wurden im Kolleginnenkreis zwar \u00e4u\u00dferst kontrovers diskutiert, f\u00fchrten aber in der Folge in der Auseinan- 58 Schriften-Reihe - Heft 6 dersetzung um den Autonomieanspruch von Wissenschaf t gegen\u00fcber politischen Zielsetzungen zu den bereits angedeuteten deutlichen Positionierungen hinsichtlich des Entdeckungszusammenhang s feministischer Forschung (z. B. Becker-Schmidt 1985; Th\u00fcrmer-Rohr 1987). Trotzdem wurde bislang nicht nur in der politikwiss enschaftlichen Geschlechterforschung zu wenig reflektiert, wie die a uf den Ebenen der Semantik und der Syntax getroffenen Entscheidungen die Verwertung der Ergebnisse feministischer Forschung lenken. Wenn z. B. eine konstruktivistisch orientierte Geschlechterforschung m it der Geschlechterdifferenz die Naturhaftigkeit hierarchischer Ordnung h interfragt, wird auf der Syntaxebene eine unvollst\u00e4ndige Ordnung angenom men und es werden abduktive oder induktive Schlusslogiken gew\u00e4 hlt. Die Pragmatik dieser Ans\u00e4tze ist 'objektiv' in erster Linie auf F orschung ausgerichtet, wenngleich deren Ergebnisse auch im gesellschaftlic hen Alltag andere Begr\u00fcndungen f\u00fcr politikrelevante Strukturen notwen dig werden lassen und damit Ver\u00e4nderung erm\u00f6glichen. Die Pragmatik is t 'subjektiv' auf eine Mittelwahl angelegt, die aufgrund des Erkenntnis interesses und der begriffenen Ordnungsstruktur einen ergebnisoffenen Forschungsprozess gew\u00e4hrleisten muss. Somit liegt es in diesem Beispi el au\u00dferhalb des wissenschaftlichen Einflussbereichs, welche m\u00f6glich en Erkenntnisse in der politischen Gestaltungspraxis wem wie nutzen we rden. Folgerungen Meine Einordnung sozialwissenschaftlicher Frauen- u nd Geschlechterforschung in eine Vergleiche erlaubende methodologi sche Ordnungsstruktur l\u00e4sst f\u00fcr die Vergangenheit umfangreiche K l\u00e4rungen sowohl des Entdeckungs- als auch des angestrebten Wirkungszusa mmenhangs erkennen. Anders sieht meine Einsch\u00e4tzung bez\u00fcglich d es Begr\u00fcndungszusammenhangs aus, ohne den die Wirkung einer Forsc hung oder Gestaltung faktisch nicht einzusch\u00e4tzen ist. Zwar wur de in den Diskussionen der vergangenen beiden Jahrzehnte immer wieder auf Ursula M\u00fcllers Artikel \"Gibt es eine spezielle Methode in der Frauenforschung?\" (1984) verwiesen, die darin den Blick von Methode i m Sinne von Werkzeug umwendet auf einen feministischen Begr\u00fcndungsz usammenhang. Die syntaktische Struktur wissenschaftlicher Erkenn tnisprozesse, die den Begr\u00fcndungszusammenhang nicht unerheblich bestimmt, wurde in der Folgezeit jedoch kaum analysiert. Insofern ist der Begr\u00fcndungszusam- Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 59 menhang bislang am wenigsten reflektiert worden. Nichtsdes totrotz folgte die feministische Forschungspraxis im Allgemeine n den hier thematisierten Bedingtheiten, indem h\u00e4ufiger qualitative V erfahren Verwendung gefunden haben. Dies entspricht dem durch die Ber\u00fcc ksichtigung von Geschlecht ver\u00e4nderten Blick auf nahezu alle Themen felder und der damit einzugestehenden unklaren Feldordnung, die di e Mittelbestimmung pr\u00e4gt. F\u00fcr die Zukunft sind jedoch Operational isierungsentscheidungen, die dem empirischen Gegenstand entsprechend die Alternativen klar abw\u00e4gen, erstrebenswert. Daf\u00fcr m\u00fcssten allerdi ngs in den Curricula der Hochschulen Methodologiekurse einen festen Plat z erhalten, da die Kenntnis der methodischen Werkzeuge alleine nicht a usreicht. Wenn ich im Weiteren beurteilen m\u00f6chte, welche Chan cen Wissenschaftlerinnen haben, das Unthematisierte in den Me thodendiskurs der in die Krise geratenen Normalwissenschaft 21 einzubringen und damit eventuell eine andere Diskurskultur einzuleiten, si nd f\u00fcr einen ersten Blick die wissenschaftlichen Gesellschaften das ang emessene Objekt: In der Deutschen Vereinigung f\u00fcr Politische Wissenscha ft (DVPW) existiert erst seit dem Herbst 2003 eine ad-hoc-Gruppe 'Empir ische Methoden', \u00fcber deren Mitgliederstruktur mir keine Information en vorliegen. In der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Soziologie (DGS) hatte s ich die Sektion 'Methoden der empirischen Sozialforschung' Mitte der 1 960er Jahre gegr\u00fcndet, um den wissenschaftlichen Austausch zwischen e mpirisch arbeitenden SoziologInnen an Forschungs- und Umfrageinstitu ten und an den sich etablierenden Universit\u00e4tsinstituten zu f\u00f6rder n. BewerberInnen werden heute nur als bereits Promovierte nach einem Pr obevortrag und unter der Bedingung, dass die Mehrheit der Mitglieder versammlung zustimmt, als Mitglieder aufgenommen. Derzeit (Ende 2 003) sind 23 Wissenschaftlerinnen und 116 Wissenschaftler im Mitgli ederverzeichnis dieser DGS-Sektion verzeichnet, von denen 5 bzw. 66 de r Statusgruppe der ProfessorInnen angeh\u00f6ren (vor einer Bereinigung des Mitgliederver21 Ein Faktum, das auf die im Kuhnschen Sinn verstand ene Krise hinweist, ist die zunehmende Zersplitterung der wissenschaftlichen Gesells chaften in immer mehr Sektionen, Arbeits- und Ad-hoc-Gruppen, die kaum mehr durch inha ltliche Komplexit\u00e4t der Gegenst\u00e4nde zu begr\u00fcnden ist. Sie scheint eher auf nachlassende Bindungskraft zentraler wissenschaftstheoretischer Leitbilder und auf mangelnden Willen zur Zusammenarbeit und zur Verkn\u00fcpfung verschiedener Positionen zu verweisen. Speziel l im Methodenbereich besinnt sich kaum jemand auf gemeinsame Strukturen, sondern f\u00fcr jedes 'neue' Verfahren wird eine eigene Arbeits- oder wissenschaftliche Gemeinschaft g egr\u00fcndet mit eigenen Tagungen, Fortbildungsveranstaltungen etc. 60 Schriften-Reihe - Heft 6 zeichnisses im Jahr 1994 waren es 10 Frauen und 106 M\u00e4nner, von denen 2 bzw. 59 ProfessorInnen waren). Im Oktober 199 7 wurde zudem eine Arbeitsgruppe (AG) 'Methoden der qualitativen Sozialforschung' gegr\u00fcndet, aus der im Herbst 2003 eine Sektion hervor ging. Diese zweite Methodensektion weist derzeit 73 Wissenschaftlerinn en und 86 Wissenschaftler im Mitgliederverzeichnis auf, von denen 1 0 bzw. 27 ProfessorInnen sind. Die Unterrepr\u00e4sentanz von Wissenschaft lerinnen in der Sektion mit quantitativer Ausrichtung kann nicht dadur ch erkl\u00e4rt werden, dass Frauen weniger (gerne) empirisch forschten. Un d der scheinbare Zusammenhang zwischen Genusgruppenzugeh\u00f6rigkeit und Methodenpr\u00e4ferenz ist bereits fr\u00fcher widerlegt worden (z. B . Becker-Schmidt & Bilden 1991, S. 24). Vielmehr l\u00e4sst die Genusgruppenve rteilung in den beiden Methodensektionen der Soziologie darauf schlie\u00df en, dass insbesondere ein Teil der quantitativen Methoden zum Hor t der zu bewahrenden Normalwissenschaft stilisiert wird. Davon ausge hend, dass gerade das Verschwiegene hochwirksam sein kann, ist gem\u00e4\u00df meinen bisherigen Betrachtungen vor allem die Syntax wissenschaft lichen Handelns zu beachten, um diese Stilisierung zu unterlaufen. Im sich abzeichnenden Prozess wissenschaftlichen Wa ndels ist zu vermuten, dass mit der Syntax von Theorie und Empirie zugleich die Zentralreferenz patriarchaler Normalwissenschaft gesch\u00fctzt werden soll. Dieser Schutz funktioniert, indem (offensichtlich vor allem quantitative) Methoden weitverbreitet als Geheimwissen gehandelt we rden. Zwar geh\u00f6ren Statistik, multivariate Datenanalyse und Method en quantitativer Sozialforschung inzwischen zum Pflicht-Kanon eines je den sozialwissenschaftlichen Studiums - jedoch spezialisieren sich nur sehr wenige Studierende in diesem Bereich, obwohl gute Methodenken ntnisse als Distinktionskriterium f\u00fcr Wissenschaftlichkeit gelten. Die von mir hier dargelegten syntaktischen Aspekte methodologischer Entsc heidungen geh\u00f6ren allenfalls in Spezialseminaren zur Ausbildung. Gelehrt werden haupts\u00e4chlich Techniken mit wenig Bezug auf die Kon textbedingungen ihres Einsatzes - und dies h\u00e4ufig nur im Rahmen von Sekund\u00e4ranalysen am Computer statt im Feldeinsatz. Die (karriere-)re levante Vermittlung von Methoden geschieht so nach wie vor eher in einem direkten LehrerSch\u00fcler-Verh\u00e4ltnis (z. B. im Rahmen von Forschungsprojekten), das an traditionelle Meisterschulen erinnert. Und um Sch\u00fcl erIn zu werden, muss sich mensch i. d. R. bewerben und wird aufgrund der milieum\u00e4\u00dfigen Passungen ausgew\u00e4hlt (z. B. ist BewerberInnen um di e Mitgliedschaft in Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 61 der DGS-Methodensektion\/quantitativ vor ihrem Vorst ellungsvortrag h\u00e4ufig nicht klar, welche Kriterien dieser erf\u00fcllen mu ss, damit die anwesenden Mitglieder f\u00fcr Aufnahme pl\u00e4dieren). Damit greif en alle bekannten Benachteiligungsmechanismen, denen Frauen in der Wi ssenschaft unterliegen. Das angesprochene hierarchische Meister-Verh\u00e4ltnis hat sich im deutschen Wissenschaftssystem in der weit verbreiteten Schulenbildung fortgesetzt. Die damit verbundenen communities treten in Konkurrenz zueinander und versuchen mit allen m\u00f6glichen Mitteln, i hre Einflusssph\u00e4re zu erweitern oder zumindest zu bewahren. Im Bereich empirischer Sozialforschung stehen nicht nur VertreterInnen qualita tiver gegen VertreterInnen quantitativer Methoden. Vielmehr erfolgen Ab grenzungsk\u00e4mpfe auch zwischen VertreterInnen spezifischer Verfahren innerhalb eines Paradigmas. So gew\u00e4hrleistet allein die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer berufsst\u00e4ndischen Organisation keineswegs die Akzeptanz oder gar die Unterst\u00fctzung der anderen Mitglieder. Die offiziell ausgetra genen Streitpunkte wie z. B. der um die G\u00fcte qualitativer oder quantit ativer Verfahren scheinen zu verobjektivieren, wer die Kernaussagen der jeweiligen Disziplin zuk\u00fcnftig bestimmen darf. Entsprechendes gil t f\u00fcr die Frage der Qualifikation und Eignung von Frauen f\u00fcr Leitungspo sitionen. Da es, laut Thomas Kuhn, auch bei der Wahl eines Paradigmas - w ie bei politischen Revolutionen - keine h\u00f6here Norm als die Billigung durch die ma\u00dfgebliche Gemeinschaft gibt, sollten deren Kriterien zumi ndest klar sein. Im verminten Feld wissenschaftlicher Methodendiskurse tr\u00e4gt meine hier vorgestellte Strukturierung dazu bei, vorgeschobene Argumente schneller aufdecken zu k\u00f6nnen. Trotzdem wird es vielen LeserInnen wenig nutzen, zu k\u00fcnftig mit ver\u00e4ndertem Blick auf die Argumentation empirischer Arbe iten schauen oder die eigenen Vorhaben mit materialangemesseneren Beg r\u00fcndungen pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen. Aber eventuell wird die Einsch \u00e4tzung der erfahrenen Abwehrstrategien klarer - ob es um einen abgele hnten Forschungsantrag geht oder um eine nicht zugesprochene Stelle . Weder f\u00fchren moralische Emp\u00f6rung ob der erfahrbaren Ungerechtigkei t oder normative Forderungen einer Gleichbehandlung zu Ver\u00e4nderungen noch das Mitschwimmen im Strom derer, die durchaus begr\u00fcndet in der Empirie auf gegenstandsangemessene Methoden bzw. bei Stellenbes etzungen auf ein ausschreibungsangemessenes Qualifikationsprofil insistieren. Da, wo es um Definitionsmacht und Steuerungsm\u00f6glichkeiten geht, erfolgen Be- 62 Schriften-Reihe - Heft 6 setzungen von Themen wie von Stellen gro\u00dfenteils ge m\u00e4\u00df traditioneller Patronage, die nicht nur Frauen von zentralen Berei chen fernh\u00e4lt. Folge ich der dichotomisch konstruierten Kuhnschen Einsch \u00e4tzung wissenschaftlichen Fortschritts, so sind rationale Diskur se - also Begr\u00fcndungen auf dem Wege des Austausches von Argument und Gegen argument nur innerhalb fortw\u00e4hrender Normalwissenschaft m\u00f6gl ich. \"Beim \u00dcbergang von einem Paradigma zu einem anderen spielt ni cht einmal die Rhetorik, sondern vorzugsweise die Eristik die ents cheidende Rolle\", verstanden \"als die Technik, andere mit allen denkb aren sophistischen Tricks zu \u00fcberreden oder zu indoktrinieren\" (Ritser t 1996, S. 199). Diese eher d\u00fcstere Einsch\u00e4tzung soll nun nicht dazu f\u00fchren, dass wir uns nicht mehr um eine feministische Erkenntnis f\u00f6r dernde Theorie und Empirie bem\u00fchen. Methodologisches Denken kann dabei zumindest die beiden folgenden Ergebnisse hervorbringen: Zum eine n f\u00f6rdert es das Begreifen des eigenen - hoffentlich lustvollen - Fo rschens und Gestaltens. Zum anderen legt es den Schluss nahe, dass di e Ver\u00e4nderung der Welt einschlie\u00dflich der Wissenschaft mit nicht-rati onalen Mitteln leichter gelingen k\u00f6nnte (dazu Schopenhauer 1983). Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 63 Herausforderungen politikwissenschaftlichen Denkens durch feministische Wissenschaftskritik (2000) 22 Politikwissenschaft richtet ihr disziplin\u00e4res Augen merk auf gesellschaftliche Akteure und politische Institutionen sowie dere n Beziehungen zueinander, durch die Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltniss e Gestalt annehmen. Wie weitreichend sich Politikwissenschaft in D eutschland dabei immer noch als m\u00e4nner- und m\u00e4nnlichkeitsorientierte Disziplin darstellt, pr\u00e4sentieren Ingrid Kurz-Scherf (2001) und Birgit S auer (2001) eindr\u00fccklich. Wenn also die Zweigeschlechtlichkeit von Poli tik in der Fachdisziplin kaum rezipiert wird, um wie viel geringer ist dann die Chance, dass die f\u00fcr die Wissenschaft wesentlich grundlegendere Krit ik feministischer Wissenschaftlerinnen an den Kernvorstellungen der T heoriebildung Geh\u00f6r findet. Dies betrifft allerdings nicht nur die Politikwissenschaft, sondern nahezu alle wissenschaftlichen Disziplinen, ob wohl in Kreisen der Wissenschafts- und Wissenstheoretiker\/innen ein Umd enken eingesetzt hat: So verweist z. B. J\u00fcrgen Ritsert auf \"eine aus gepr\u00e4gte Tendenz [...], Zusammenh\u00e4ngen zwischen Wissenschaftslogik und Wiss enschaftsgeschichte nachzugehen\" (1996, S. 226) und f\u00fchrt als Beispiel f\u00fcr die neue empirische Wissenschaftssoziologie die Arbeiten von Loren Graham und Helen Longino an (ebd., S. 340ff). Der nun folgende Text ist \u00fcber weite Teile identisc h mit einem Vortrag 23, der als Zielgruppe nicht nur Kolleg\/inn\/en aus der Politikwissenschaft ansprechen sollte. Es werden jedoch solch zentrale Ko nstruktionen abendl\u00e4ndischer Wissenschaften thematisiert, dass sie da s Denken jeglicher Fachdisziplin und damit auch der Politikwissenschaf t herausfordern sollten. Formuliert habe ich den Text als Soziologin, d ie sich schwerpunkt22 Dieser Artikel erschien erstmals 2001 in: Ayla Sat ilmis & Telse Jacobs (Hg.), Feministischer Eigensinn: Kompa\u00df f\u00fcr Politik und ihre Wissen schaft (Argument Sonderband Neue Folge, AS 283, S. 91-104). Hamburg: Argument. 23 \"Kernthemen feministischer Wissenschaftskritik\" im Interdisziplin\u00e4ren Kolloquium des Zentrums f\u00fcr Gender Studies und feministische Zukunftsf orschung an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg am 6. November 2000. 64 Schriften-Reihe - Heft 6 m\u00e4\u00dfig mit Methoden der empirischen Sozialforschung und folglich auch mit Methodologie besch\u00e4ftigt. Da derzeit in den scientific communities der Sozial- und Gesellschaftswissenschaften eine ti efgreifende Verunsicherung sowohl hinsichtlich der bislang verfolgten theoretischen Leitkonzepte als auch hinsichtlich der angemessenen Forsch ungsmethoden diskursf\u00e4hig wird, geraten erkenntnistheoretische G rundsatz\u00fcberlegungen wieder verst\u00e4rkt in die Auseinandersetzung. Die Forschungsdiskurse feministischer Wissenschaftlerinnen sind daran nich t unerheblich beteiligt. Um zum Ende der hier ausgef\u00fchrten \u00dcberlegungen zu a ktuell formulierten herausfordernden Thesen feministischer Wissensc haftstheoretikerinnen zu gelangen, stelle ich zun\u00e4chst sehr kurz unte r Verweis auf einen Vortrag von Regina Becker-Schmidt vor, welche wisse nschaftliche Position mit der Kennzeichnung 'feministisch' versehen wird - und positioniere mich damit selbst. Ausf\u00fchrlicher besch\u00e4ftige ich mich sodann mit zwei Begriffen, die m. E. in der Wissenschaftsgeschichte als Kernvorstellungen zum Tragen gekommen sind: Zum Einen geht es um Naturvorstellungen und zum Anderen um Identit\u00e4tslogik. Die absc hlie\u00dfend rezipierten Forschungsfragen aktueller feministischer Theor iebildung bleiben thesenhaft, um zum Weiterlesen anzuregen bzw. - wie im Titel angedeutet - das bisherige eigene Denken zu provozieren. Kriterien f\u00fcr feministische Wissenschaft Unter dem Druck der Neuen Frauenbewegung \u00f6ffneten s ich in Deutschland in den 70er Jahren zun\u00e4chst die gesellschaftsw issenschaftlichen Disziplinen einer Neufokussierung ihrer Themenfelde r unter dem Schlagwort \"Frauenforschung\". Frauenforschung wird seither \"als Oberbegriff f\u00fcr alle Untersuchungen verstanden, die die Bedeutung des Einflussfaktors 'Geschlecht' in der Wissensproduktion, in der Gestaltung von sozialen Welten, in der Ausrichtung von Diskursen t hematisieren und dabei die gesellschaftlich vernachl\u00e4ssigten Interes sen von Frauen ins Spiel bringen. Gegen die Geschlechterforschung l\u00e4ss t sie sich folgenderma\u00dfen abgrenzen: Sie konzentriert sich auf die A ngeh\u00f6rigen der weiblichen Genus-Gruppe, um zum einen die gesellsch aftliche Relevanz ihrer Erfahrungen und ihres Wissens herauszuarbeite n; um ihre Rolle in der Kulturgeschichte und Wissenschaftsentwicklung w ider alles Vergessen in Erinnerung zu bringen. Zum anderen deckt Fra uenforschung die Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 65 Diskriminierungen und die Mechanismen der Marginali sierung auf, welche Frauen zugemutet wurden und werden. Des weitere n geht sie Ph\u00e4nomenen nach, die mit Zuschreibungen von 'Weiblichk eit' zu tun haben\" (Becker-Schmidt 1999, S. 1f). Je nach den die Analy sen begr\u00fcndenden Referenzsystemen oder nach politischer Opportunit\u00e4t wurden sp\u00e4ter die Bezeichnungen Geschlechterforschung oder Geschlecht erverh\u00e4ltnisforschung pr\u00e4feriert. Parallel dazu bezeichneten sich Wissenschaftlerinne n und Wissenschaftler als \"feministisch\". Dieser Begriff \"wurde im vo rigen Jahrhundert gepr\u00e4gt, um die emanzipatorischen Impulse in politisc hen und wissenschaftlichen Str\u00f6mungen zu charakterisieren, die vo n Frauen gesetzt wurden. Bis heute ist 'feministisch' ein Synonym f\u00fc r 'kritisch' geblieben, kritisch insbesondere gegen\u00fcber universalisierenden oder einseitig m\u00e4nnlichen Sichtweisen, sowie gegen\u00fcber wissenschaf tlichen Positionen, die durch einen Mangel an Selbstreflexivit\u00e4t g ekennzeichnet sind. Die Dekonstruktion wissenschaftlicher Mythen ist de mzufolge ebenso Sache des Feminismus wie die Auseinandersetzung mit soziokulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die soziale U ngleichheit, Unfreiheit und Diskriminierung entlang der Trennlinie 'Ge schlecht', aber auch der von Klasse und Ethnie hervorbringen oder befest igen. 'Feminismus' ist also keine Weltanschauung, sondern eine Option f\u00fcr Aufkl\u00e4rung, die \u00fcber Geschlechterfragen hinausgehen kann. Die erken ntnistheoretischen, methodologischen und inhaltlichen Innovation en feministischer Forschung k\u00f6nnen Transfercharakter f\u00fcr Gegenstandsb ereiche auch jenseits der Frauenforschung haben und umgekehrt ni mmt feministische Forschung wissenschafts- und gesellschaftskritische Problematisierungen aus anderen Str\u00f6mungen zur Konturierung ihrer e igenen Positionen auf\" (ebd., S. 1). Sofern es also um die Art und We ise des Denkens geht oder im Verh\u00e4ltnis von Forschungssubjekt und Forsch ungsobjekt die eigene Vergeschlechtlichung zur wissenschaftlichen Se lbstreflexion geh\u00f6rt, sprechen vor allem Vertreterinnen und Vertret er der Geistes- und Naturwissenschaften von feministischer Wissenschaft . Rekonstruktionen der Wissenschaftsgeschichte Nach dieser knappen und hochverdichteten Kl\u00e4rung me iner Ausgangsbedingungen will ich mich der Kritik von feministis chen Wissenschaftlerinnen an der tradierten Wissenschaft n\u00e4hern. Dazu habe ich verschie- 66 Schriften-Reihe - Heft 6 dene Dekonstruktionsanalysen von Wissenschaftlerinn en zu zwei grundlegenden Konzepten abendl\u00e4ndischer Kultur gesichtet und versuche, diese hier zu pointieren. Es geht um die Begriffe N atur und Identit\u00e4t wobei ich deutlich auf die interpretierende Redukti on meiner Darstellung hinweise. Einer Rekonstruktion der Wissenschaftsgeschichte un ter Beachtung des implizierten Geschlechterverh\u00e4ltnisses haben sich i n den vergangenen 20 Jahren insbesondere amerikanische Philosophinnen gewidmet. Hervorhebend sind zu nennen: Sandra Harding, Evelyn Fo x Keller (als mathematische Biophysikerin) und Carolyn Merchant, de ren Hauptwerke auch in deutscher \u00dcbersetzung vorliegen. Insbesonde re Carolyn Merchant weist in ihrem 1980 erschienenen Buch \"Der To d der Natur\" nach, dass schon w\u00e4hrend der Renaissance der \u00f6kologischen Krise von heute der Weg gebahnt wurde. Ihrer Argumentation m\u00f6chte i ch f\u00fcr diesen Aspekt folgen. Schon vor Beginn der Neuzeit hatte sic h mit der Philosophie Platons eine hierarchische Dichotomisierung der Wel t etabliert. Diese hatte die Natur als weibliches Prinzip, als passive und rezeptive Materie in einen Gegensatz zum Geist als m\u00e4nnliches Prinzip , als aktive und bewegende Kraft gesetzt. Vor allem wurde in diesem Dualismus die Physis untergeordnet und die k\u00f6rperlose Idee bevorz ugt! Dennoch hatte bis zum 16. Jahrhundert in okzidentalen Kulturr\u00e4ume n ein animistisches Bild von Natur gegen\u00fcber einem Nutzungsansatz \u00fcberw ogen. In Europa wurde bis ins Mittelalter der Zusammenhang von Ich, Gesellschaft und Kosmos im Bild des Organismus gesehen. Dass unter d er Organismusmetapher ein ganzes Spektrum von philosophischen un d politischen Alternativen entstand, bietet kein Hindernis, all die se Weltsichten unter der Rubrik \"organisch\" zusammenzufassen. Deren leitende Metaphorik bestand aus einem Doppelbild der Natur: Zum einen das der Erde als nahrungsspendende, freundliche, wohlt\u00e4tige Mutter in e inem planvoll geordneten Universum; zum anderen das der wilden, unbez\u00e4 hmbaren Natur, die gewaltt\u00e4tiges Chaos hervorbringt. W\u00e4hrend das e rste Bild den Menschen Ehrerbietung abverlangte und sie von Eingriff en in den lebendigen Organismus oder vor dessen Beraubung zur\u00fcckhielt, r ief die zweite Metapher das Interesse an Naturbeherrschung wach. In dem Ma\u00dfe, in dem die Gesellschaften den Prozess der Kommerzialisieru ng und Industrialisierung vorantrieben, war eine Verschiebung der lei tenden Metaphorik unumg\u00e4nglich. So verschwand allm\u00e4hlich die Vorstell ung von der Erde als N\u00e4hrerin in einer organischen Welt. Pr\u00e4gend wur de die Vorstellung Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 67 von Natur als St\u00f6rung und Gesetzlosigkeit, deren si ch die 'Menschheit' zu bem\u00e4chtigen hatte. Laut Carolyn Merchants Analyse war mit dem Zerfall des Feudalismus und der Expansion der Europ\u00e4er in neue Welten und a uf neue M\u00e4rkte die Diskrepanz zwischen technischer Entwicklung und organischer Metaphorik im 16. und 17. Jahrhundert so gro\u00df geworde n, dass ein neuer Wertekodex dem Aktionsrahmen angemessen werden muss te. Dies ist das Geburtsjahrhundert der neuen Wissenschaft der M echanik als Vorl\u00e4uferin einer modernen Wissenschaft. Die neuen kog nitiven Strukturen der Wissenschaft, auf die ich gleich noch genauer e ingehen werde, fanden auf zwei Ebenen Unterst\u00fctzung: Zum einen, weil sie eine Basis f\u00fcr den Kampf gegen die Vorherrschaft der politischen u nd geistigen Autorit\u00e4ten des Feudalismus schufen. Zum anderen, weil mi t dem vorindustriellen Kapitalismus - ich denke dabei insbesondere a n die fortgesetzte Akkumulation und die Verbreitung der Geld- und Mark twirtschaft - das Interesse an permanenter Ertragssteigerung durch ef fizientere Technologien und einzuschr\u00e4nkende Subsistenzproduktion in s schier Unermessliche wuchs. Bevor ich mich n\u00e4her auf eine Diskussion der Denkst rukturen neuzeitlicher Wissenschaft einlasse, will ich zun\u00e4chst noch beschreiben, was die eben dargestellte Werteverschiebung bez\u00fcglich weibl icher Natur f\u00fcr die Frauen jener Zeit bedeutete: Carolyn Merchant besch reibt, wie auf unterschiedlichen Ebenen das Bed\u00fcrfnis wuchs, Natur z u unterwerfen und zu kontrollieren. So wie die Erde zunehmend als cha otisch erlebt wurde und damit zur Beherrschung herausforderte, so wuchs zugleich der Wunsch, Frauen zu disziplinieren, von denen mann gl aubte, dass sie wegen ihrer Geb\u00e4rf\u00e4higkeit der Natur n\u00e4her st\u00fcnden als M\u00e4nner. Aufgrund dieser gr\u00f6\u00dferen Naturn\u00e4he wurde Frauen ein st \u00e4rkerer Sexualtrieb unterstellt und damit implizit die N\u00e4he zum T eufel proklamiert. So n\u00e4hrte sich die Hexenverfolgung aus der Angst, dass die unkontrollierte Seite der Natur die Oberhand gewinnen k\u00f6nnte. Die H erabw\u00fcrdigung der Frau und des Animalischen auf eine mindere Stufe me nschlichen Lebens beruhte auf dem Dualismus von Natur und Kultur , der nicht nur f\u00fcr die geisteswissenschaftlichen F\u00e4cher pr\u00e4gend wird, sondern auch ein entscheidendes Moment beim Aufschwung der westliche n Zivilisation auf Kosten der Natur bedeutet. M\u00e4nner geh\u00f6ren laut neue r Weltordnung zur Kultur-Ebene - Frauen, Natur und Kolonien wurden so zugerichtet, wie sie an ihrem \"nat\u00fcrlichen\" Platz zur Ausbeutung ber eitzustehen hatten. 68 Schriften-Reihe - Heft 6 K\u00f6niginnen wie Handwerkerinnen oder gar Wissenschaf tlerinnen und sogar Hebammen wurden als Umkehrung der nat\u00fcrlichen Ordnung angefeindet und waren mit der Aufkl\u00e4rung weitestgehen d von der Bildfl\u00e4che verschwunden. Die Folgewirkungen dieses Prozess es sind bis heute deutlich! So fordert Carolyn Merchant: \"Wenn Natur und Frauen, Indianer und Schwarze aus den Fesseln dieser Ideologie befre it werden sollen, bedarf es einer radikalen Kritik der Grundkategorie n 'Natur und Kultur', die alle wissenschaftlichen F\u00e4cher begrifflich stru kturieren\" (1987, S. 160). Mit der Wissenschaftsentwicklung hat sich insbesond ere Sandra Harding besch\u00e4ftigt: Seit der Institutionalisierung moderne r Wissenschaften in Europa zum Ende des 17. Jahrhunderts sind die Wisse nschaften intraund interdisziplin\u00e4r starken Arbeitsteilungen unter worfen. Vor allem werden seither kognitive von gesellschaftlichen Zielse tzungen getrennt. Die moderne Kosmologie ist gepr\u00e4gt vom Atomismus, Wertf reiheit und der experimentellen Beobachtung. Der Atomismus zerlegt Natur in kleinste Teilchen passiver, tr\u00e4ger Materie, die nur durch vo n au\u00dfen wirkende Kr\u00e4fte miteinander in Beziehung gesetzt werden k\u00f6nn en. W\u00e4hrend die organizistische Sichtweise der Natur eigene Werte u nd Interessen und eine interne Zweckorientierung zuschrieb, sprachen die Nachfolger des Kopernikus (\u20201543) von prim\u00e4ren und sekund\u00e4ren Qual it\u00e4ten der Natur, wobei erstere reliabel und objektiv zu messen sein m\u00fcssen und letztere als subjektiv abgetan werden k\u00f6nnen. Zugleich wird mit dem Postulat der Wertfreiheit behauptet, es g\u00e4be keine der Natur inh \u00e4renten Werte. So wurde die eng definierte, positivistisch deklariert e Methode zum m\u00e4chtigsten Symbol f\u00fcr die neue Wissenschaft und zum He rrschaftsinstrument. Insgesamt \"findet die Fortschrittlichkeit sic h in jenen Charakterz\u00fcgen, die ein Abbild dessen sind, was im Westen als m\u00e4nnlich begriffen wird: soziale Autonomie, \u00dcberschreitung des gesells chaftlich Konkreten und Besonderen, epistemische und moralische Entsche idungsbefugnis auf der Grundlage unparteiischer Methoden, Regeln u nd Gesetze\" (Harding 1990, S. 249). Es stellt sich somit die Frage, ob das Zwei-Welten- Universum der Antike sich in neuzeitlicher Wissenschaft nicht nur in mod ernerer Form und extrem gesteigerter Effektivit\u00e4t pr\u00e4sentiert? Zumindes t die feministischen Wissenschaftskritikerinnen sehen die Geschlechteror dnung im wissenschaftlichen Forschungsprozess abgebildet, mit der Natur in Metaphern der Weiblichkeit beschrieben und dem Forschungsvorg ang \"als ange- Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 69 messene T\u00e4tigkeit zur Konsolidierung und Aufrechter haltung m\u00e4nnlicher Geschlechtsidentit\u00e4t\" (ebd., S. 257). F\u00fcr die Natur wissenschaften hatte Evelyn Fox Keller \u00e4hnliche \u00dcberlegungen schon 1985 spezifiziert, die ich in drei zentralen Punkten darlegen will: Jegliche Wissenschaft - also auch die Naturwissens\u00b7 chaften - sind eine soziale T\u00e4tigkeit, ein gesellschaftliches Unte rnehmen. Sowohl das Geschlecht als auch die Wissenschaft sind gesel lschaftliche Kategorien, die anhand von Entstehungsprozessen erken nbar werden. Charakteristika entwickeln sich anhand von Ausgrenz ungsprozessen, die in der modernen Wissenschaft spezielle Dua lisierungen und Spaltungen verfestigten: wir sind daran gew\u00f6hnt, in entsprechenden Schwarz-Wei\u00df-Bildern zu denken - Verstand versus Li ebe, objektiv versus subjektiv, \u00f6ffentlich versus privat, Licht v ersus Finsternis etc. Hinter allem steht implizit die Zuordnung zu M\u00e4nnli chkeit versus Weiblichkeit. F\u00fcr diese Struktur pr\u00e4gt Evelyn Fox K eller den Begriff des \"Wissenschaft-Geschlechter-System\"s. \u00b7 \u00c4lteren Wissenschaftsformen, wie der Alchemie, dem Animismus oder der Astrologie, wurde vorgeworfen, subjektiv i nsofern zu sein, als nur das Innenleben des Menschen auf Natur proji ziert worden sei. Evelyn Fox Keller stellt daneben ihre These, w onach heutige Wissenschaft die eigene innere Leere, die Wahrnehmu ng als getrenntes und autonomes Wesen, desinteressiert und e ntfremdet auf ihren Erkenntnisgegenstand projizieren. Die Naturwi ssenschaften speziell \u00fcbertr\u00fcgen die Erfahrungen einer Minderhei t wei\u00dfer Mittelschicht-M\u00e4nner auf Natur. \u00b7 Dagegen setzt sie die Erfahrungen der Differenz, v erstanden als Vielfalt, Verschiedenheit, Nichtausgrenzung von \"an deren\" Erfahrungen oder \"unpassenden\" Beobachtungen. Die Anrufu ng der Objektivit\u00e4t setzt sie gleichbedeutend mit der Abscha ffung der Verantwortlichkeit, worin eben auch ihre Popularit\u00e4t begr \u00fcndet liege. Evelyn Fox Keller r\u00fcckt dem Objektivit\u00e4tsproblem mit d er psychoanalytischen Objektbeziehungstheorie (vgl. z. B. Arbeiten von Nancy Choderow oder Dorothy Dinnerstein) zuleibe, wodurch si e die angestrebte gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Entfernung des Subjekts von e inem Objekt speziell f\u00fcr M\u00e4nner aufgrund ihrer Sozialisation al s \"lebensnotwendig\" erkl\u00e4rt und nachweist, warum ihnen somit ersch wert wird, die Erfahrungen von Welt und Natur als mit ihnen verbun den wahrzu- 70 Schriften-Reihe - Heft 6 nehmen. Gegen diese Folgerungen aus m\u00e4nnlicher Verg eschlechtlichung entwirft sie die Idee einer \"dynamischen Auto nomie und Objektivit\u00e4t\". Diese sind gepr\u00e4gt durch das Bewusstse in der Verbundenheit mit den anderen und der Natur genauso wie d urch das der Ver\u00e4nderung aller Teilhabenden im Erkenntnisprozess . Soweit meine Rezeption von Evelyn Fox Keller. Das mechanistische Weltbild der aufgekl\u00e4rten Wissen schaften hat zu den bekannten Formen der Industrialisierung gef\u00fchrt . Die Vergesellschaftung jeder einzelnen Frau findet somit w\u00e4hrend der vergangenen 200 Jahre sowohl - wie soeben am Naturbegriff beleg t - auf der Ebene der Bilder und Vorstellungen statt als auch auf der Ebene des Erlebens und Handelns: Letztere zeigt sich in der Erwerbsarb eit durch mindere Akzeptanz weiblich konnotierter T\u00e4tigkeiten und in der Reproduktionsarbeit durch fortgesetzte urspr\u00fcngliche Akkumulation. Die Grundlage dazu wird auf der Ebene der Wahrnehmung bzw. der Konstit ution der eigenen Person gelegt durch Verinnerlichung \"der\" minderwer tigen und b\u00f6sen Seite einer nur dichotom geordneten Welt. Zusammenf assend werden derartige \u00dcberlegungen heute mitgedacht, wenn von d er Naturalisierung der Geschlechterdifferenz bzw. Geschlechterhierarch ie gesprochen wird: Die implizierten Dichotomisierungen wirken sich sow ohl auf Geschlechterkonstruktionen als auch auf Naturkonzeptionen au s. Wurden die Dekonstruktionen zum Naturbegriff vor al lem von nordamerikanischen Philosophinnen vorangetrieben, so beruht der Diskurs um die Dekonstruktion des Identit\u00e4tsbegriffes eher auf Arb eiten europ\u00e4ischer Historikerinnen und Kulturwissenschaftlerinnen. Dab ei wird im Rahmen von Geschlechterverh\u00e4ltnisforschung das Augenmerk i nsbesondere auf die Ver\u00e4nderung der hierarchischen Geschlechterbezi ehung gerichtet. Ein Beispiel sei hier kurz aufgezeigt: W\u00e4hrend des Mittelalters bis zum Jahrhundert des Humanismus und der Reformation ist ein durch christliche Anthropologie gepr\u00e4gtes hierarchisches Ein-Gesc hlecht-Modell (Laqueur 1992) vorherrschend, in dem Mann und Frau von gleichem Fleisch sind, durch unterschiedliche Gottn\u00e4he bzw. -ferne jedoch in einem graduell, nicht essentiell hierarchischem Verh\u00e4 ltnis zueinander stehen. Als komplement\u00e4res Verh\u00e4ltnis der Geschlechter betont es das Aufeinanderangewiesensein (z. B. \u00d6konomie des Ganze n Hauses). Erst durch die dynamischen und humanistisch-moralischen Facetten der Renaissance besteht die Gefahr, dass m\u00e4nnliche Domina nz eventuell in Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 71 Frage gestellt wird, woraufhin Gegenreformation sam t Hexenverfolgungen und der Absolutismus als Gegenbewegung und zur Sicherung patriarchalischer Herrschaft zu verzeichnen sind. Die sich w\u00e4hrend der geistig-historischen Epoche de r Aufkl\u00e4rung und der b\u00fcrgerlichen Revolutionen durchsetzenden Ideale ein er wissenschaftlich zu begr\u00fcndenden, nat\u00fcrlichen Weltordnung ver\u00e4ndern die Art der Hierarchisierung: Die mit der m\u00e4nnlichen Herrschaftssiche rung ablaufenden Distanzierungen in Zusammenspiel mit der Eroberung fremder Kulturen produzieren den Begriff des Anderen. Dieser setzt d en wei\u00dfen europ\u00e4ischen Mann in Opposition zur heimischen Frau wie zu m nicht-wei\u00dfen Mann in der Fremde. Der R\u00fcckgriff auf g\u00f6ttliche Ord nung wird \u00fcberfl\u00fcssig, denn die Andersartigkeit wird als Natur begr\u00fcn det und als solche gegen\u00fcber dem m\u00e4nnlichen Geist zur Minderwertigkeit . Aus der fr\u00fcheren Geschlechterkomplementarit\u00e4t wird die bis heute g\u00fcl tige Geschlechterpolarit\u00e4t (vgl. Duden 1999). Das damit einhergehend e wissenschaftlich konnotierte Zwei-Geschlechter-Modell lenkt den sezi erenden Blick von au\u00dfen auf den geschlechtlichen K\u00f6rper und blendet d as bisherige Erfahren von innen weitestgehend aus (nicht nur hinsicht lich K\u00f6rperbildern, sondern z. B. auch hinsichtlich Stadtbildern). Gesichert wird diese Konstruktion bis heute durch e in b\u00fcrgerlichmodernes Identit\u00e4tskonzept. Die Wortwurzel von Iden tit\u00e4t bedeutet Einerlei \/ Ein-und-dasselbe-Sein. In Verbindung mit d em Wort Individuum, als dem Unteilbaren, Abgesonderten, spitzen sich be ide Bedeutungen noch einmal zu: Das unteilbare Selbe wird zum End- und Angelpunkt, es ist mit sich selbst eins und von ihm geht alles aus . Das mit sich selbst identische Individuum entspricht seit dem 18. Jahrh undert dem Selbstentwurf des b\u00fcrgerlichen Mannes. Von ihm aus gesehe n wird alles, was nicht zu ihm geh\u00f6rt, zum ausgegrenzten Anderen, zum Nicht-Ich, das der Definitionsmacht des m\u00e4nnlich best\u00e4ndigen, abge schlossenen und selbstgewissen Subjektes unterliegt. In dieser Kons truktion wird das Weibliche als Nicht-Identisches ausgeschlossen - ka nn somit keine b\u00fcrgerlich-moderne Identit\u00e4t gewinnen, sich nicht selb st bestimmen! Regina Becker-Schmidt & Gudrun-Axeli Knapp geben entsprech end f\u00fcr die Geltung des Weiblichen in der Gesellschaft drei aufein ander bezogene Dimensionen an (1987, S. 144f): Hinsichtlich der kulturellen symbolischen-repr\u00e4sen\u00b7 tativen Wertehierarchie ist Weiblichkeit gekennzeichnet durch diskr iminierende Un- 72 Schriften-Reihe - Heft 6 terordnung und Minderbewertung, was eine Identifika tion mit dem Mangel verlangt; \u00b7 hinsichtlich der regulativ-strukturierenden Dichot omisierung ist Weiblichkeit verwiesen auf die reduzierende Positio nierung am Pol des Privaten, Naturhaften, K\u00f6rperhaften und damit N ichtm\u00e4nnlichen, was in Bezug auf die soziale Stellung die Identifik ation mit der deklassierten Rolle verlangt; und schlie\u00dflich - zum Ausgleich stilisiert - hinsichtlich der inhaltlich-materialen Bestimmung \u00b7 von Weiblichkeit ist es ihre sie auszeichnende Andersartigkeit, die eine Identifikation mit den Besonderheiten des Geschlechtes - z. B. mit M\u00fctterlichkeit als vollendete Form der Weiblichkeit - verlangt. An dieser identifizierenden und ausgrenzenden Logik , die dem europ\u00e4ischen Ordnungssystem innewohnt, hat sich die Frauen bewegung seit 150 Jahren in Auseinandersetzung um die Geschlechts stereotypen abgearbeitet. Wurde in der Alten Frauenbewegung haupt s\u00e4chlich gegen die Diskriminierung mittels Gleichheitsvorstellunge n angegangen, analysierte die Neue Frauenbewegung dann vor allem die R eduzierung der Frauen durch die gesellschaftlichen Rollenzw\u00e4nge un d proklamierte Differenzvorstellungen mit eigener weiblicher Identit\u00e4 t. Inzwischen ist deutlich geworden, dass die hierarchisierende Struktur der Zweigeschlechtlichkeit einschlie\u00dflich der damit verkn\u00fcpften zwang sweisen Heterosexualit\u00e4t nur in Frage zu stellen ist, wenn auch die Au szeichnung als weiblich oder m\u00e4nnlich und der dem zugrundeliegende b\u00fcrgerli ch-moderne Identit\u00e4tszwang aufgegeben werden. \"Nur wo Identisches und NichtIdentisches zugleich gedacht werden, geraten die Ve rh\u00e4ltnisse in Bewegung, kommen Kr\u00e4fte und Gegenkr\u00e4fte zum Vorschein, werden Lernprozesse und Ver\u00e4nderungen vorstellbar\" (ebd., S. 142) . Die aktuelle theoretische Diskussion um Geschlechte rkonstitution pl\u00e4diert deshalb ausgehend von der lebensweltlich vero rteten Demonstration von Queer-Sein (vgl. Hark 1999) f\u00fcr Vielfalt und Aufhebung aller Dualisierungen. Dieses beinhaltet als Folge der Ausein andersetzung mit dem Faktum und den Elementen der Verschiedenheit die Ei nbindung wissenschaftlicher wie alltagspraktischer Entscheidungen in deren r\u00e4umlichen und zeitlichen Kontext. Statt Gegenst\u00e4nde und Ereig nisse als voneinander Getrennte nebeneinander zu stellen und allenfal ls zu vergleichen, sollten sich zuk\u00fcnftige Konstruktionen nicht mehr a uf die Definition von Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 73 Einheiten und Eindeutigkeiten kaprizieren, sondern vor allem die Relationen zwischen den Gegebenheiten betonen. Solches ve rlangt u. a. die Reflexion und Ver\u00e4nderung der bislang dominierenden Rationalit\u00e4tsbzw. Vernunftkriterien (vgl. Kulke 1988). Thesen und Forschungsfragen In Zuspitzung dieser Darlegungen m\u00f6chte ich nun im abschlie\u00dfenden Teil auf derzeitige zentrale Themen feministischer Wissenschaftsanalyse eingehen, wie sie Elvira Scheich 1996 in ihrer Einl eitung zur Dokumentation der Tagung \"Geschlechterdifferenz und Naturkon zepte in der Modern: Beitr\u00e4ge zur feministischen Theorie\" (Hamburg er Institut f\u00fcr Sozialforschung) zusammengestellt hat. Dazu formuliere ic h nun Thesen mit dazugeh\u00f6rigen Fragestellungen: Geschlechterdifferenz \/ -hierarchie ist als durchg\u00b7 \u00e4ngiger Subtext der Wissenschaftsgeschichte zu sehen (vgl. ebd., S. 9). Zu fragen ist damit nach der gesellschaftlichen He rkunft der Bilder und Modelle, die z. B. soziale Ungleichheit als nat \u00fcrliche Differenz interpretieren und legitimieren. Dazu ist u. a. die politische Funktion von Naturwissenschaften zu ber\u00fccksichtigen, da dere n Konstruktionen aus patriarchalisch-hierarchischen Verh\u00e4ltnisse n heraus entstanden sind und diese ihrerseits st\u00fctzen: Die Mode lle von Natur erscheinen neutral und verschleiern die implizierten Erkenntnisstrukturen. Auch mittels politikwissenschaftlicher Methodo logien wird so ein Erkenntnismodell perpetuiert, das hierarchische Ges chlechterbeziehung nachbildet, indem z. B. das Gebot objektiver K ontrolle und die Abwehr subjektiven Konstituierens nicht hinterfragt werden. \u00b7 Zwischen den historischen Erfahrungen von Frauen u nd der kulturellen Repr\u00e4sentationsfunktion des Weiblichen beste ht ein widerspr\u00fcchliches Verh\u00e4ltnis (vgl. ebd., S. 15). Eine w\u00fcnschenswerte Denaturalisierung der Geschlec hter hat Konsequenzen f\u00fcr individuelle K\u00f6rpererfahrungen, jegli che Kommunikation, sexuelle Reproduktion oder die soziale Organi sation der Arbeitsteilung und des gesellschaftlichen Raumes. Dam it ist auch in politikwissenschaftlichen Problemfeldern zu fragen, weshalb und f\u00fcr wen z. B. der Unterschied zwischen K\u00f6rpern und Masc hinen oder zwischen Materie und Information bedeutungslos gewo rden ist, oder 74 Schriften-Reihe - Heft 6 wer die Definitionsmacht dar\u00fcber hat, was Natur und was Artefakt oder was real und was virtuell ist? \u00b7 Wissenschaften regeln und gestalten das Verh\u00e4ltnis von Diskurs und Realit\u00e4t entsprechend dem Selbstverst\u00e4ndnis des modernen Menschen (vgl. ebd., S. 15). Derzeit \u00e4ndern sich - ausgel\u00f6st durch feministisch e Diskurse - die Konstruktionen von Geschlecht wie die Einsch\u00e4tzunge n von Rationalit\u00e4t. Entsprechend ist zu fragen, wie der Einsat z instrumenteller Vernunft die menschlichen Ideen und gesellschaftlic hen Institutionen verwandelt bzw. die semiotischen und materiellen St ruktur- und Prozesskategorien beeinflusst hat, oder wohin sich eine feministische Politikwissenschaft entwickeln kann, deren zen trale Kategorie Geschlecht nicht in dichotomischer Struktur festges chrieben wird? Wie m\u00fcssten sich z. B. Sozialstrukturanalysen \u00e4nder n, wenn Geschlecht nicht mehr als dichotom kodierte Kategorie verwendet werden kann? Zumindest muss sich jede politische Praxi s ausdifferenzieren, da der zunehmende Verlust an Eindeutigkeite n massiven Einfluss auf die Vergesellschaftung von Frauen und M\u00e4nnern hat. \u00b7 F\u00fcr die abendl\u00e4ndische Moderne ist historisch und kulturell grundlegend eine unmarkierte Erkenntnis- und Subjektpositi on, die sowohl vom K\u00f6rper als auch von der sozialen und nat\u00fcrliche n Umgebung getrennt erscheint (vgl. ebd., S. 22f). Betont wird zunehmend die Notwendigkeit einer mode rneren kritischen Theorie, damit die Ver\u00e4nderungen im Verh\u00e4ltni s von Darstellung und Herstellung der Welt analysiert werden k\u00f6n nen: So prangert z. B. Donna Haraway (1996) die Irrationalit\u00e4te n und Verzerrungen in der Rhetorik des Universalismus wie des Rela tivismus an und verweist auf die selbstgen\u00fcgsame Ungebundenheit von Erkenntnis, die alle Grenzen transzendiert und jegliche Verantw ortung ablehnt. Auch in den Politikwissenschaften ist zu \u00fcberdenken , was eine Aufhebung dieser Trennungen f\u00fcr kritische Praxis bzw. politisches Engagement bedeuten kann. Und was folgt f\u00fcr die entsp rechend unverortet konstruierten zentralen Konzepte der Fachd isziplin, wenn das Weibliche nicht mehr als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr Best\u00e4ndigkeit, Begrenzung etc. nutzbar ist, nicht mehr Objekt ist, ohne F\u00e4higkeit zur Imagination, zur Planung und Kontrolle? Alterna tiv zu der bisherigen der m\u00e4nnlichen Identit\u00e4tskonzeption angemesse nen Subjekt- Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 75 position formuliert Donna Haraway ein multiples Erk enntnissubjekt mit einer \"multidimensionalen Topographie\", widersp r\u00fcchlich und unabgeschlossen, unzul\u00e4nglich und verletzlich, unei nheitlich und nicht voraussetzungslos. Was hei\u00dft es f\u00fcr die Polit ik, wenn eine markierte Subjektposition im Erkenntnisprozess, die auf der Praxisebene mit der Anerkennung des Anderen einhergeht, d ie Spaltung von Wissen und Praxis aufzuheben verlangt? Wenn ich mich nun im Ausblick der feministischen Vi sion \"Wissenschaft war von Beginn an utopisch und vision\u00e4r\" anschlie\u00dfe , sind aus den soeben angeschnittenen wissenschaftskritischen Thes en auch f\u00fcr die Praxis einer Politikwissenschaftlerin grundlegende Haltungen zusammenfassend abzuleiten: Wissensproduktion vollzieht sich in sozialen Struk\u00b7 turen, so dass jede Erkenntnis, ob in Wissenschaft oder Alltag, in F orschung oder Gestaltung, eine situierte ist; \u00b7 jedem objektiven Blick ist immer eine partiale Per spektive zu eigen und erst die Positionierung kann den Erkenntnisansp ruch begr\u00fcnden; \u00b7 freizulegen sind Emanzipationspotenziale und unabh \u00e4ngige Kreativit\u00e4t, durch die das politische Feld ver\u00e4ndernde Proz esse in Gang gesetzt werden k\u00f6nnen; \u00b7 konstitutiv ist die Anerkennung des Anderen. 76 Schriften-Reihe - Heft 6 Literatur Allmendinger, Jutta; von Stebut, Nina & Fuchs, Stef an (2002). 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Nach dem Studium mehrj\u00e4hrige Forschungserfahrung in sozialpsychologischen Feldforschungsprojekten; von 1987 bis 2004 als Dozentin an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Soziologie der Universit\u00e4t Bielefeld im Bereich \"Methoden der empirischen Sozi alforschung\", an der Fakult\u00e4t Raumplanung der Universit\u00e4t Dortmund im Be reich \"Soziologische Grundlagen der Raumplanung\", am Institut f\u00fcr Soziol ogie der Philosophischen Fakult\u00e4t der TU Dresden im Bereich \"Methoden der empirischen Sozialforschung\" und am Institut f\u00fcr Soziologie des F achbereichs Gesellschaftswissenschaften und Philosophie der Philipps- Universit\u00e4t Marburg; seit 2005 als wissenschaftliche Projektleiterin im Referat \"Raum- und Stadtbeobachtung\" des Bundesamtes f\u00fcr Bauwesen und Raumo rdnung in Bonn. Nebenberuflich zeitweilig t\u00e4tig als Lehrbeauftragte und Gutachterin sowie als Beraterin und Evaluatorin f\u00fcr inter- und transdiszi plin\u00e4r arbeitende Projekte. U. a. Mitarbeit in den feministischen Netzwerken: Interdisziplin\u00e4re Forschungsgruppe Frauenforschung - IFF - an der Universit\u00e4t Bielefeld, Sektion Frauen- und Geschlechterforschung in der DG S, AK Wissenschaftlerinnen NRW, Feministische Organisation von Planerinnen und Arch itektinnen - FOPA, Zentrum f\u00fcr Gender Studies und feministische Zukunf tsforschung der Philipps-Universit\u00e4t Marburg (Gr\u00fcndungsmitglied und erste gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Direktorin). 82 Schriften-Reihe - Heft 6 Gabriele Sturm: Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodol ogie 83 p u b l i k a t i o n e n Zentrum f\u00fcr Gender Studies und feministische Zukunf tsforschung (Hg.). Schriften-Reihe . Marburg: Philipps-Universit\u00e4t. Heft 1 Maltry, Karola & Sturm, Gabriele (Red.). (20 03). Vorlesungen zu Gender Studies und feministischer Wissenschaft 1: Perspektiven auf feministische Wissenschaft . Heft 2 Maltry, Karola & Sturm, Gabriele (Red.). (20 03). Vorlesungen zu Gender Studies und feministischer Wissenschaft 2: Disziplin\u00e4re Zug \u00e4nge zum Thema Geschlecht . Heft 3 Maltry, Karola & Sturm, Gabriele (Red.). (20 04). Vorlesungen zu Gender Studies und feministischer Wissenschaft 3: Kulturwissenscha ftlich-historische Perspektiven des Geschlechterverh\u00e4ltnisses . Heft 4 Holland-Cunz, Barbara; K\u00f6llhofer, Nina; L\u00f6ch el, Rolf; Maltry, Karola & Rausch, Renate (2002). Zukunftswege von Frauen in Politik und Gesellschaft : Eine DelphiStudie . Heft 5 Maltry, Karola (Red.). (2004). Zuk\u00fcnfte des Geschlechterverh\u00e4ltnisses . Heft 6 Sturm, Gabriele (2004). Beitr\u00e4ge zu feministischer Methodologie . Heft 7 Maltry, Karola & Sturm, Gabriele (Red.). (20 04). Vorlesungen zu Gender Studies und feministischer Wissenschaft 4: Geschlechterroll en - Geschlechtsidentit\u00e4ten . Heft 8 Ludwig, Katrin (2005). Sichtbare Seelenkratz er. 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K\u00f6rper - Identit\u00e4t - Geschlecht . 84 Schriften-Reihe - Heft 6 Zentrum f\u00fcr Gender Studies und feministische Zukunf tsforschung der Philipps-Universit\u00e4t Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Direktorin: Elisabeth Rohr Wissenschaftliche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung: Karola Maltry Karl-von-Frisch-Stra\u00dfe 8a 35032 Marburg Telefon: (0 64 21) 28 248 23 Telefax: (0 64 21) 28 248 41 E-Mail: genderzukunft@staff.uni-marburg.de http:\/\/www.uni-marburg.de\/genderzukunft\/ ","related_references":[{"view":"Bundestag, D., Stebut, ., N., Fuchs, S. (2002). Globalisierung, Global Governance und Demokratie: Gutachten f\u00fcr die Enquete-Kommission \"Globalisierung der Weltwirtschaft -Herausforde- rungen und Antworten\" des Deutschen Bundestages, Darmstadt \u2212 (2005): Private Actors and the Legitimacy of Governance Beyond the State. Opladen: Deutscher Bun- destag. White Paper on International Development, 14.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Althoff, M., Bereswill, M., Riegraf, B. (2001). 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Andererseits hat diese Tabuisierung, wie ich zeigen werde, aber auch zu einer Reihe problematischer Forschungssperren gef\u00fchrt, die sich gerade f\u00fcr die Analyse des aktuellen gesellschaftlichen Wandels f\u00fcr die Frauen- und Geschlechterforschung zunehmend als unproduktiv erweisen. Abschlie\u00dfend werde ich einige zentrale Punkte angeben, in welche Richtung eine 'Reformulierung geschlechtsspezifischer Sozialisationstheorien' gehen m\u00fc\u00dfte.\" (Autorenreferat)","\"The article addresses the question, why within women's studies in Germany lately can one only find scattered studies devoted to gender specific socialization? It shows that, within the framework of (de-)constructionist gender theory, there is a wide spread taboo an discussion of issues related to socialization theory. While many criticisms of socialization theory are no doubt justified, the taboo an the latter has led, I will show, to a series of problematical restrictions an research. These have proven to be increasingly unproductive, particularly with respect to the analysis of current social changes affecting women and gender research. Finally, I will provide a few points indicating the direction in which a reformulated gender specific socialization theory must move.\" (author's abstract)"],"type":"publication","topic":["Sozialisation","Frauenforschung","Konstruktivismus","Theorie","Geschlechterverh\u00e4ltnis","soziologische Theorie"],"classification":["Sozialpsychologie","Frauen- und Geschlechterforschung"],"person":["Maihofer, Andrea"],"person_sort":"Maihofer","source":"In: Erw\u00e4gen Wissen Ethik : Forum f\u00fcr Erw\u00e4gungskultur, Jg. 13, 13-26","links":[],"subtype":"journal_article","database":"GESIS-SOLIS","document_type":"Zeitschriftenaufsatz","coreDoctypeLit":["Zeitschriftenaufsatz"],"coreAuthor":["Maihofer, Andrea"],"coreJournalTitle":"Erw\u00e4gen Wissen Ethik : Forum f\u00fcr Erw\u00e4gungskultur","coreZsband":"Jg. 13","corePagerange":"13-26","coredoctypelitadd":["article"],"coreLanguage":["de"],"coreIssn":"1610-3696","data_source":"GESIS-CEWS","index_source":"GESIS-CEWS","link_count":0,"gesis_own":1,"fulltext":0,"thematic_collection":"Geschlecht und Wissenschaft","thematic_collection_en":"Gender and science"},"system_type":"EXP","doc_rank":8,"rid":28959756},{"_index":"gesis-21-05-2026-02-00-54","_id":"gesis-solis-00102423","_version":1,"_seq_no":82591,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Frauen und Deklassierung : Geschlecht und Klasse","id":"gesis-solis-00102423","date":"1987","date_recency":"1987","abstract":"Die Autorin besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, welche Deutungsmuster in Anspruch genommen werden k\u00f6nnen, um die Abwertung und Verdr\u00e4ngung des Weiblichen und von Frauen aus der Gesellschaftsanalyse erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. 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