{"hits":{"total":{"value":10,"relation":"eq"},"hits":[{"_index":"gesis-21-05-2026-02-00-54","_id":"gesis-ssoar-65638","_version":4,"_seq_no":147603,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Geschlecht - Sozialisation - Transformationen","id":"gesis-ssoar-65638","date":"2015","date_recency":"2015","abstract":"Seit der grundlegenden Kritik an der Annahme einer \"weiblichen Sozialisation\" in der Geschlechterforschung wurde die Frage, wie Individuen in eine nach Geschlecht strukturierte Gesellschaft hineinwachsen, lange als \u00fcberholt angesehen. Um zu einer Revitalisierung der Debatte \u00fcber Sozialisation in der Geschlechterforschung beizutragen, betrachten die AutorInnen diese Frage sowohl hinsichtlich der Transformationen der theoretischen Debatte als auch in Bezug auf den Wandel der gesellschaftlichen Geschlechterverh\u00e4ltnisse. In den Anf\u00e4ngen der Frauenforschung erwies sich das Konzept der \"geschlechtsspezifischen Sozialisation\" als Motor f\u00fcr empirische Erkundungen von Ungleichheitsverh\u00e4ltnissen und als theoretisch nach vielen Seiten hin anschlussf\u00e4hig. Schon bald kam es allerdings zur Kritik an der Annahme einer \"weiblichen Sozialisation\" in der Geschlechterforschung, die zum einen auf Grundannahmen der Sozialisationsforschung selbst zielte, zum anderen durch sozialkonstruktivistisch, ethnomethodologische und dekonstruktivistische Theoriedebatten in der Geschlechterforschung herausgefordert wurde. Seither hat es den Anschein, als lasse die Hinterfragung theoretischer Konzepte der Sozialisationsforschung auch insgesamt die Frage obsolet werden, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene handlungsf\u00e4hige Subjekte in einer zweigeschlechtlich organisierten Gesellschaft werden. Das Jahrbuch stellt die Frage nach der Transformation von Sozialisation und Geschlecht in einer doppelten Weise. Zum einen geht es um Transformationen der Debatten zw. der theoretischen Perspektiven zu Geschlecht und Sozialisation. In entsprechenden Beitr\u00e4gen geht es um die Frage, welche Theorieperspektiven die bisher kritisierten Dilemmata und Desiderate der Sozialisationsforschung transformieren k\u00f6nnen. Mit Blick auf exemplarische empirische Studien wird ausgelotet, wie erziehungswissenschaftliche Sozialisationsforschung zu Geschlecht heute konzipiert werden kann, um Prozesse der Vergeschlechtlichung und Ungleichheitsverh\u00e4ltnisse zu erfassen. Zum anderen geht es um aktuelle Transformationsprozesse gesellschaftlicher Geschlechterverh\u00e4ltnisse, die sich etwa in Debatten um eine Ver\u00e4nderung ehemals geschlechtsspezifischer Zust\u00e4ndigkeiten in Familien oder Bildungsinstitutionen zeigen, in denen es aber auch zur Dethematisierung von Geschlechterungleichheiten bei gleichzeitiger Reproduktion hierarchischer Geschlechterverh\u00e4ltnisse und zweigeschlechtlicher Normen kommt.","portal_url":"https:\/\/www.ssoar.info\/ssoar\/handle\/document\/65638","type":"publication","topic":["Geschlechtsrolle","Geschlechterforschung","Geschlechterverh\u00e4ltnis","Geschlecht","Sozialisation","Theorie","Heterosexualit\u00e4t","Normativit\u00e4t","M\u00e4nnlichkeit","Elternschaft","Mutterschaft","Vaterschaft","Familienarbeit","Arbeitsteilung","Dual Career Couple","Wissenschaftlerin","Wissenschaftler","geschlechtsspezifische Sozialisation"],"person":["Dausien, Bettina","Thon, Christine","Walgenbach, Katharina"],"person_sort":"DausienThonWalgenbach","links":[{"label":"URN","link":"http:\/\/nbn-resolving.de\/urn:nbn:de:0168-ssoar-65638-2"}],"publisher":"Verlag Barbara Budrich","document_type":"Sammelwerk","institutions":["Verlag Barbara Budrich"],"coreEditor":["Dausien, Bettina","Thon, Christine","Walgenbach, Katharina"],"coreSjahr":"2015","corePublisher":"Verlag Barbara Budrich","coreZsband":"11","coreIsbn":"978-3-8474-0854-3","publishLocation_str_mv":"Opladen","coreLanguage":"de","urn":"urn:nbn:de:0168-ssoar-65638-2","data_source":"GESIS-SSOAR","index_source":"GESIS-SSOAR","database":"SSOAR - Social Science Open Access Repository","link_count":0,"gesis_own":1,"fulltext":1,"metadata_quality":10,"full_text":" Folge 11\/2015 Vera Moser Inga Pinhard Barbara Rendtorff Annedore Prengel Jahrbuch in der Erziehungswissenschaft Frauen- und Geschlechterforschung Redaktion J\u00fcrgen Budde Katharina WalgenbachChristine Thon Astrid Messerschmidt Beirat Birgit Althans Sabine Andresen Bettina Dausien Hannelore Faulstich-Wieland Edgar Forster Isabell Diehm Rita Casale Eva Breitenbach Edith Glaser Marita Kampshoff Margret Kraul Andrea Liesner Susanne Maurer Carola Iller Bettina Dausien Christine Thon Katharina Walgenbach (Hrsg.) Geschlecht - Sozialisation Transformationen Verlag Barbara Budrich Opladen \u2022 Berlin \u2022 Toronto 2015 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet \u00fcber http:\/\/dnb.d-nb.de abrufbar. Gedruckt auf s\u00e4urefreiem und alterungsbest\u00e4ndigem Papier. Alle Rechte vorbehalten. \u00a9 2015 Verlag Barbara Budrich, Opladen, Berlin & Toronto www.budrich-verlag.de ISBN 978-3-8474-0668-6 (Paperback) eISBN 978-3-8474-0854-3 (eBook) Das Werk einschlie\u00dflich aller seiner Teile ist urheberrechtlich gesch\u00fctzt. Jede Verwertung au\u00dferhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzul\u00e4ssig und strafbar. Das gilt insbesondere f\u00fcr Vervielf\u00e4ltigungen, \u00dcbersetzungen, Mikrov erfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Umschlaggestaltung: disegno visuelle kommunikation, Wuppertal - www.disenjo.de Lektorat: Christine Berberich Typographisches Lektorat: Ulrike Weing\u00e4rtner, Gr\u00fcndau Paradoxien heteronormativer Sozialisation ................................................ 129 Gruppendiskussionen .................................................................................. 111 Monika G\u00f6tsch Mechthild Bereswill, Gudrun Ehlert Sozialisation im Kontext des Krisendiskurses \u00fcber Jungen ........................ 93 Empirische Analysen Transformationen von Geschlechterverh\u00e4ltnissen Sabine Klinger Die (De-)Thematisierung von Geschlech terhierarchien im Verh\u00e4ltnis akademischer Sozialisationsprozesse un d gesellschaftlicher Diskurse. Eine qualitativ-rekonstruktive Analyse studentischer Barbara Rendtorff Zugewinne und Fallen - aktuelle Ver\u00e4nderungen in Geschlechtervorstellungen und ihre Probleme ........................................ 77 Weiterentwicklung von Sozialisationsth eorien im Anschluss an Judith Butlers diskurstheoretisches Ve rst\u00e4ndnis von Geschlecht .............. .. 53 Inhalt Einleitung Bettina Dausien, Christine Th on, Katharina Walgenbach Geschlecht - Sozialisation - Transformationen ........................................... 9 Essay Bettina Dausien, Katharina Walgenbach Sozialisation von Geschlecht Skizzen zu einem wissenschaftlichen Diskurs und Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Revitalisierung einer gesellschaftsanalytischen Perspektive ................. 17 Theoretische Analysen - Transformationen von Debatten Jutta Hartmann Transformatorische Denkbewegungen - der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung der DGfE an der Universit\u00e4t Paderborn (05.\/06. M\u00e4rz 2015) ..................................... 199 Verzeichnis der Autor_innen ................................................................... 209 Ambivalenzen und transformative Potenziale im Arbeitskontext Wissenschaft: Zur Vereinbarkeit vo n Wissenschaft und Elternschaft in Dual-Career-Familien ............................................................................. 179 Tagungsbericht Anne-Dorothee Warmuth \"Erziehung - Gewalt - Sexualit\u00e4t\". Tagungsbericht zur Jahrestagung M\u00fctter und die diskursive Figur des 'aktiven Vaters' ................................ 163 Stefanie Leinfellner Rhea Seehaus (Un-)Ordnungen der familialen Sorge? Inhalt Offener Teil Karin Flaake Neue Konstellationen f\u00fcr M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfe Potentiale einer in der Paarbe ziehung geteilten Elternschaft f\u00fcr Entwicklungsm\u00f6glichkeiten von Jungen und jungen M\u00e4nnern ............ 147 6 Einleitung als Motor f\u00fcr empirische Erkundungen von Ungleichheitsverh\u00e4ltnissen und als theoretisch nach vielen Seiten hin ansc hlussf\u00e4hig. Schon bald kam es allerdings auch zur internen Kritik an de r Annahme einer 'weiblichen Sozialisation' in der Geschlechterfo rschung. Zum einen lag di ese Kritik in den Grundannahmen der Sozialisationsforschung selbst begr\u00fcndet (Dausien 1999), zum anderen wurde sie vor allem durch so zialkonstruktivistische, ethnomethodologische und dekonstruktivistische Theoriedebatten in der Geschlechterforschung herausgefordert (Gildemeister\/Wetterer 1992). Um die Jahrtausendwende vermehrten sich deshalb die Krisendiagnosen, wenn es um den Zusammenhang von Sozialisationsforschung und Geschlecht zu deren Analyse sozialisationstheoretische Instrumentarien herangezogen werden. Im Blick auf die Geschichte sozialisations theoretischer Debatten erscheint es so, als spiele der Sozialisationsbe griff f\u00fcr die Entwicklung der Geschlechterforschung eine geradezu schicksalhafte Rolle. In den Anf\u00e4ngen der Frauenforschung erwies sich das Konzept der \"geschlechtsspezifischen Sozialisation\" theoretischen Perspe ktiven in diesem Kontext. Der Frage nach Transformationen von Sozialisation und Geschlecht n\u00e4he rt sich der Band von zwei Seiten: Zum einen geht es um Transformationen der Debatten bzw. der theoretischen Perspektiven zu Geschlecht und Sozialisation und die Konsequenzen f\u00fcr erziehungswissenschaftliche Gesc hlechterforschung. Zum anderen geht es um aktuelle Transformationsprozesse gesellschaftlicher Geschlechterverh\u00e4ltnisse, Mit dem Titel Geschlecht - Sozialisation - Transformationen spannt der vorliegende Band 11 des Jahrbuchs Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft einen Bogen zwischen Transformationen gesellschaftlicher Geschlechterverh\u00e4ltnisse und Transformationen erziehungswissenschaftlicher Debatten \u00fcber die Theoretisierung dies er Verh\u00e4ltnisse. Im Fokus steht dabei Sozialisation als eine der zentralen und gleichwohl umstrittenen Geschlecht - Sozialisation - Transformationen Bettina Dausien, Christine Thon, Katharina Walgenbach sierungsprozesse gedeutet werden, und fragt, welche Rolle dabei ein simplifi\"Revitalisierung einer gesellschaftsanaly tischen Perspektive\" in der erziehungswissenschaftlichen Geschlechterforschung. Im Blick auf die Sozialisationsforschung f\u00fchrt dies zu der eingangs erw\u00e4hnten Frage nach einer Transformation von Theorieperspektiven , die im ersten Teil des Bandes im Vordergrund steht. Welche theoretischen Perspektiven k\u00f6nnen die bisher kritisierten Dilemmata und Desiderate der Sozialisationsforschung produktiv bearbeitbar machen und den gegenw\u00e4rtigen Herausforderungen gerecht werden? Wie sollte die erziehungswissenschaftliche Sozialisationsforschung zu Geschlecht he ute konzipiert werden, um Prozesse der Vergeschlechtlichung und Ungleichheitsverh\u00e4ltnisse zu erfassen? Welche theoretischen Perspektiven sind besonders produktiv, wenn es um aktuelle Transformationsprozesse von Ge schlechterverh\u00e4ltnissen geht? Jutta Hartmann verfolgt im Blick auf den Wandel erziehungswissenschaftlicher Debatten zu Sozialisation die Frage, welchen Beitrag die Perspektive Judith Butlers zum Thema Sozialisation und Geschlecht leisten k\u00f6nnte und wo Anschl\u00fcsse zwischen den von Butler inspirierten Studien und der Diskussion \u00fcber Sozialisation in der Geschlechterfors chung bestehen. Di e Autorin zeigt, dass poststrukturalistische Perspektiven weniger antagonistisch zum Sozialisationsparadigma stehen als h\u00e4ufig a ngenommen. Insofern pl\u00e4diert Hartmann f\u00fcr eine in Anschluss an Butler ne u orientierte Sozialisationstheorie. Mit dem Verh\u00e4ltnis von Sozialisation und Transformation besch\u00e4ftigt sich der Beitrag von Barbara Rendtorff. Unter der \u00dcberschrift \"Zugewinne und Fallen\" untersucht sie aktuelle Diskurse um Geschlecht in unterschiedlichen Kontexten, in denen Transformationen von Geschlechterordnungen als Modernitheoretischer Perspektiven in der Ge schlechterforschung sp ezifische blinde Flecken in Bezug auf die Bedeutung gesellschaftlicher Transformationen von Geschlechterverh\u00e4ltnissen entstanden sind, und fragen nach M\u00f6glichkeiten der strukturierte Gesellschaft hineinwachse n bzw. wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene handlungs f\u00e4hige Subjekte in einer zweigeschlechtlich organisierten Gesellschaft werden. Diesen Faden theoretischer Debatten um Geschlecht und Sozialisation greifen Bettina Dausien und Katharina Walgenbach in ihrem einf\u00fchrenden Essay zu diesem Band auf. Sie argumentieren, dass mit dem Verlust sozialisationsBettina Dausien, Christine Thon, Katharina Walgenbach ging (Wetterer 2003). Maihofer (2002) spricht sogar von einer \"Tabuisierung\" des Themas. In der Erziehungswissens chaft l\u00e4sst sich zeitgleich beobachten, dass sozialisationstheoretische Fragestellung en in andere Disziplinen abwandern oder unter Begriffen wie Lernen, Bildung, Entwicklung oder Erziehung verhandelt werden. Ist Sozialisation f\u00fc r die Erziehungswissenschaft eine anachronistische Metapher geworden (Popp 2002)? Es hat den Anschein, als lasse die Hinterfragung theoretischer Konzep te der Sozialisationsforschung auch insgesamt die Frage obsolet werden, wie Individuen in eine nach Geschlecht 10 Blick auf Transformationen von Sozialisation und Geschlecht gewinnen: Dazu richtet sich die Aufmerksamkeit auf erziehungswissenschaftlich relevante Diagnose der Dethematisierung von Gesc hlecht f\u00fcr die empirische Sozialisationsforschung bzw. erziehungswissens chaftliche Forschun g zu Geschlecht hat. Analog dazu l\u00e4sst sich aber auch eine generelle Analyseperspektive im Dethematisierung von Geschlechteru ngleichheiten bei gleichzeitiger Reproduktion hierarchischer Geschlechterver h\u00e4ltnisse (Koppetsch\/Burkhart 1999; McRobbie 2010; Soiland 2011). Hier ist zu fragen, welche Konsequenzen die und gesellschaftstheoretischen Weiteren twicklung sozialisationstheoretischer Modelle. An den Beitr\u00e4gen des ersten Teils zeigt sich deutlich, dass es auch Transformationen von Geschlechterverh\u00e4ltnissen sind, die die erziehungswissenschaftliche Theoriebildung zu Fragen der Gesc hlechtersozialisation herausfordern. Die Interpretation aktueller Transformati onen ist daher ein prominenter Anlass, bisherige Annahmen oder Modelle von Geschlecht und Sozialisation weiterzuentwickeln und zu einer Neubestim mung des Sozialisationsbegriffs zu gelangen. Dieses Anliegen kann verfolgt werden, indem Transformationen gesellschaftlicher Geschlechterverh\u00e4ltnisse zum Ausgangspunkt genommen und auf ihre Implikationen f\u00fc r sozialisationstheoretische Debatten hin befragt werden. Unter den gegenw\u00e4rtigen Entwicklungen von Geschlechterdiskursen stechen insbesondere Umdeutungen bzw. Instrumentalisierungen feministischer Ideale wie Selbstbestimmung oder Unabh\u00e4ngigkeit in \u00f6konomisch verwertbare Eigenschaften wie Flexibilit\u00e4t, Mobilit\u00e4t oder individuelle Eigenverantwortung (Fraser 2009) hervor. Gerahmt wird dies von der zunehmenden ignoriert werden. So k\u00f6nnen auf der Basis unterkomplexer Sozialisations- und Identit\u00e4tsmodelle erneut Naturalismen Einzug halten. Auf Seiten der Geschlechterforschung sehen die Autorinnen die Notwendigkeit einer subjektmunion' und 'agency' zugeschrieben und auch von ihnen selbst aktiv in Lebensentw\u00fcrfe \u00fcbernommen werden, is t somit ein zwiesp\u00e4ltiger Modernisierungsgewinn. Rendtorff analysiert dies e Mechanismen und diskutiert ihre Relevanz f\u00fcr die Geschlechter(sozialisations)forschung. Der Beitrag von Mechthild Bereswill und Gudrun Ehlert rekonstruiert Theorietraditionen zu Sozialisation und Geschl echt, um vor diesem Hintergrund die gegenw\u00e4rtigen Diskurse \u00fcber eine Be nachteiligung von Jungen in Kontexten von Erziehung und Bildung einzuordnen. Die Autorinnen zeigen, wie in diesen Diskursen Ausdifferenzie rungen, die Konzepte v on Geschlechtersozialisation in der feministischen Forschung in verschiedenen Richtungen erfahren haben, schlechterbilder die herk\u00f6mmliche Tre nnung zwischen 'weiblicher' F\u00fcrsorgeorientierung ( communion ) und 'm\u00e4nnlicher' Handlungsmacht ( agency ) aufrechterhalten bleibt. Die beobachtbare Ver\u00e4nderung, dass jungen Frauen 'comGeschlecht - Sozialisation - Transformationen zierendes Verst\u00e4ndnis von Geschlechters ozialisation spielt. Die Autorin arbeitet heraus, dass unter der Oberfl\u00e4che vermeintlicher Modernisierung der Ge11 sierung'. Anhand von Gruppendiskussion en untersucht Klinger, wie Studierende der Erziehungswissenschaft die Themen Geschlecht, Geschlechterhierarchien und Geschlechterpolitik heute fassen. Monika G\u00f6tsch rekurriert in ihrem Artikel eb enfalls auf empirische Ergebnisse. Sie rekonstruiert anhand von Gr uppendiskussionen mit Jugendlichen, wie die Re-Produktion heteronormativen Wissens als sozialisierte und sozialisierende Praxis verstanden werden ka nn. Ein paradoxer Befund ihrer Studie ist, dass die Jugendlichen Sexualit\u00e4t und Geschlecht durchaus als individuell w\u00e4hlbar und pluralisiert wahrnehmen , ohne allerdings Heteronormativit\u00e4t als Normalisierungsdirektiv aufzugeben. Jugendliche k\u00f6nnen damit pluralisierte und zugleich heteronormative Subjekte 'sein'. Die Auseinandersetzung um Transf ormationen von Geschlechterverh\u00e4ltnissen wird auch im offenen Teil dieses Bandes fortgef\u00fchrt, ohne auf sozialisationstheoretische Frageste llungen zu fokussieren. Karin Flaake fragt in ihrem Beitrag na ch den ver\u00e4nderten Bedingungen des Aufwachsens f\u00fcr S\u00f6hne von Paaren, die si ch die Elternschaft teilen und in denen die V\u00e4ter bewusst eine aktive Rolle \u00fcbernehmen. Die Autorin berichtet aus den Ergebnissen einer Interviewstudie und diskutiert an Beispielen, wie sich der allm\u00e4hliche Wandel in den famili\u00e4ren Beziehungen im intergenerationalen Vergleich vollzieht bzw. andeutet. Da bei werden aus einer psychoanalytisch informierten Perspektive insbeso ndere Vater-Sohn- und Mutter-Sohn-Beziehungen in ihrer Bedeutung f\u00fcr die M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfe der S\u00f6hne in den Blick genommen. Die Transformation von V\u00e4terlichkeitsdi skursen, namentlich die Etablierung der \"diskursiven Figur des 'aktiven Vaters'\", ist der Ausgangspunkt des Beitrags von Rhea Seehaus . Diesen vielfach diskutierten Wandel analysiert die Autorin auf der Basis einer empirisc hen Studie zur Perspektive von M\u00fcttern auf die Verteilung von Sorgea rbeit. Dabei zeigt sich, dass der Wandel entsprechender Diskurse - keineswegs der a llt\u00e4glichen Praxen - gleichwohl \"(Un-) Ordnungen der familialen Sorge\" pro duziert, die M\u00fctter herausfordern, einerseits ein Bild ihres Partners als das ein es aktiven Vaters mit zu konstruieren, andererseits aber Sorgearbeit weiterhin als in erster Linie weibliches Territorium zu behaupten. Bettina Dausien, Christine Thon, Katharina Walgenbach empirische Felder und konkrete Ph\u00e4nomene, in denen sich eine Transformation von Geschlechterverh\u00e4ltnissen beso nders deutlich zeigt. Diesen Weg gehen die Beitr\u00e4ge im zweiten Teil des Bandes. Der Beitrag von Sabine Klinger greift das Ph\u00e4nomen der Dethematisierung von Geschlechterungleichheiten direkt au f. Als theoretischer Referenzrahmen dienen der Autorin die These von Angela McRobbie, dass jungen Frauen im neoliberalen Genderregime gegenw\u00e4rtig ein neuer Geschlechtervertrag angeboten werde, sowie Angelika Wetterers Befund einer 'rhetorischen Moderni12 254. Koppetsch, Cornelia \/ Burkart, G\u00fcnter (1999): Die Illusion der Emanzipation: zur Wirksamkeit latenter Geschlechtsnormen im Milieuvergleich. Konstanz: UVK. Maihofer, Andrea (2002): Geschlecht und Sozialisation. Hauptartikel. In: Erw\u00e4gen Wissen - Ethik, Heft 1\/2002. McRobbie, Angela (2010): Top Girls: Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes. Wiesbaden: VS. Popp, Ulrike (2002): \"Sozialisation\" - Substanzieller Begriff oder anachronistische Metapher? In: Zeitschrift f\u00fcr P\u00e4dagogik, Jg. 48, Nr. 6, S. 898-917. Soiland, Tove (2011): Zum problematischen Cultural Turn in der Geschlechterforschung. In: Casale, Rita \/ Forster, Edgar (Hrsg.): Ungleiche Geschlechtergleichheit. Geschlechterpolitik und Theorien des Humankapitals (Jahrbuch Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft, Bd. 7). Opladen \/ Farmington Hills: Barbara Budrich, S. 17-32. mann, Martina \/ Oechsle, Mechthild \/ Schmerl, Christiane \/ Stein-Hilbers, Marlene (Hrsg.): Erkenntnisprojekt Geschlecht. Feministische Perspektiven verwandeln Wissenschaft. Opladen: Leske und Budrich, S. 216-249. Fraser, Nancy (2009): Feminismus, Kapitalismus und die List der Geschichte. In: Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik, Heft 8, S. 44-57. Gildemeister, Regine \/ Wetterer, Angelika (1992): Wie Geschlechter gemacht werden. Die soziale Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit und ihre Reifizierung in der Frauenforschung. In: Knapp, Gudrun-Axeli \/ Wetterer, Angelika (Hrsg.): TraditionenBr\u00fcche. Entwicklungen feministischer Theorie. Freiburg i. Br.: Kore, S. 201schaftsbetriebs verbunden sind, und b ezieht mit der Perspektive der Kinder auch intergenerationale Dynamiken ein. Den Abschluss des Bandes bildet ein Tagungsbericht von Anne-Dorothee Warmuth zur Jahrestagung 2015 der Sek tion Frauen- und Geschlechterforschung der DGfE. Die Tagung an der Universit\u00e4t Paderborn war dem Zusammenhang von Erziehung, Gewalt und Se xualit\u00e4t gewidmet und versammelte in ihrem Programm eine gro\u00dfe Bandbreite von Vortr\u00e4gen, \u00fcber die der Bericht einen \u00dcberblick gibt. Geschlecht - Sozialisation - Transformationen Mit \"transformativen Potentialen\" von Dual-Career-Familien besch\u00e4ftigt sich der Artikel von Stefanie Leinfellner . Er pr\u00e4sentiert Ergebnisse einer Interviewstudie mit Wissenschaftler_innen-Paaren und deren Kindern. Der Beitrag erlaubt insbesondere Einblicke in die spezifischen Ambivalenzen, die mit Doppelkarriere-Arrangements in den institutionellen Kontexten des WissenLiteratur Dausien, Bettina (1999): \"Geschlechtsspezifische Sozialisation\" - Konstruktiv(istisch)e Ideen zur Karriere und Kritik eines Konzepts. In: Dausien, Bettina \/ Herr13 Bettina Dausien, Christine Thon, Katharina Walgenbach Wetterer, Angelika (2003): Die Krise der Sozialisationsforschung als Spiegel gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse. In: Zeitschrift f\u00fcr Frauenstudien & Geschlechterforschung, Jg. 21, Heft 1\/2003, S. 3-22. 14 Essay des Themas plausibilisieren k\u00f6nnen. Wir entwickeln die These, dass unterschiedliche, auch kontr\u00e4re Str\u00f6mungen der erziehungswissenschaftlichen Geschlechterforschung auf eine Weise 'zus ammengespielt' haben, dass sich das Interesse auf die Analyse von Mikropraktiken und Diskursen sowie auf Prozesse der Individualisierung verlagert hat und dass damit sozialisationstheoretische Fragen gewisserma\u00dfen an den Ra nd ger\u00fcckt sind. Dazu hat wesentlich auch die Rezeption des Individualisierungsansatzes in der Erziehungswissenschlechtersozialisation dagegen ein Un-Thema geworden zu sein. Wir m\u00f6chten in diesem Essay reflektieren, was es bedeutet, wenn der sozialisationstheoretische Blick in aktuellen Analysen der (erzieh ungswissenschaftlichen) Geschlechterforschung fehlt. Daf\u00fcr verfolgen wir zwei miteinander verkn\u00fcpfte Fragestellungen: Wie ist der Verlust sozi alisationstheoretischer Fragen zu erkl\u00e4ren? Und welche wichtigen Themen und Perspektiven geraten damit aus dem Blick? Um der ersten Frage nachzugehen schauen wir, in Teil I des Essays, zun\u00e4chst noch einmal zur\u00fcck auf die Geschichte der erziehungswissenschaftlichen Geschlechterforschung. Ziel ist weniger eine genaue historische Rekonstruktion der Debatten um Geschlechtersozialisation als vielmehr die Entwicklung einer Argumentationsskizze, mit der wir den aktuellen Bedeutungsverlust schlechterforschung wissensch aftlich, aber auch in der p\u00e4dagogischen Praxis hohe Aufmerksamkeit hatte, ja, zu den konstitutiven Problemstellungen der Geschlechterforschung und der Frauenbewegung z\u00e4hlte. Heute scheint GeAusgangspunkt des folgenden Essays ist die Beobachtung, dass sozialisationstheoretisches Denken in der erzieh ungswissenschaftlichen Geschlechterforschung seit l\u00e4ngerem einen erheblichen Relevanzverlust erlitten hat. Dies ist umso erstaunlicher, als das Thema in den Anf\u00e4ngen der Frauen- und Geeiner gesellschaftsanalytischen Perspektive und Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Revitalisierung Sozialisation von Geschlecht Skizzen zu einem wissenschaftlichen Diskurs Bettina Dausien, Katharina Walgenbach schaftlicher Reflexion tionstheoretische Perspektiven in aktuellen sozialwissens chaftlichen Gesellschaftsanalysen zu diesen Transformati onsprozessen ein Forschungsdesiderat. Wir denken, dass die in der j\u00fcngeren erziehungswissenschaftlichen Geschlechterforschung herrschende Distanz gegen\u00fcber kontemp or\u00e4ren Analysen zur Transformation der Geschlechterverh\u00e4ltnisse auf der Makroebene durch eine Wiederaufnahme der sozialisati onstheoretischen Perspektive aufgebrochen und korrigiert werden k\u00f6nnte. Vo r diesem Hintergrund pl\u00e4dieren wir f\u00fcr eine Revitalisierung gesellschaftsanalytischer Perspektiven in der erziehungswissenschaftlichen Sozialisations- und Geschlechterforschung. Die hier angesprochenen Themen sind weitgespannt und k\u00f6nnen im Format eines Essays gewiss nicht in angemessener Differenziertheit behandelt werden. Aktuelle wissenschaftliche Disk urse \u00fcber Neoliberalismu s, Postfordismus und neue Formen des Kapitalismus sind vielf \u00e4ltig, differenziert, oft auch \u00fcberpointiert und unscharf, und gleiches gilt f\u00fcr De batten \u00fcber neue Formen der Subjektivierung und Id entit\u00e4tsformationen. Wir k\u00f6nnen diese Diskussionen hier nicht ann\u00e4hernd systematisch aufarbe iten - und schon gar keine schl\u00fcssige bereits vor einigen Jahren hingewiesen, ihre Argumente wurden allerdings nicht systematisch im Rahmen der Forschungen zu Sozialisation und Geschlecht und auch nicht in anderen erziehungswisse nschaftlichen Diskursen aufgegriffen. Aktuelle Gesellschaftsdiagnosen zur Neuordnung von \u00d6konomie, Staat und Privatsph\u00e4re und deren Folgen f\u00fcr eine Transformation der Geschlechterverh\u00e4ltnisse bleiben damit tendenziell au\u00dferhalb erziehungswissenunterschiedliche Forschungsrichtungen umfa sst. Die Frage, was mit dem sozialisationstheoretischen Blick verlorengeht, kann nun, in Teil II des Essays, differenzierter beantwortet werden. Unser Anliegen ist es zu zeigen, dass insbesondere solche Ans\u00e4tze aus dem Blick ge raten sind, die Vergesellschaftung im Zusammenhang mit sozialen Ungleichheitsstrukturen und historisch-gesellschaftlichen Geschlechterverh\u00e4ltnissen auf der Strukturebene thematisieren. Auf die problematische Ausblendung gesellschaftlicher Strukturzusammenh\u00e4nge aus der Geschlechter(sozialis ations)forschung haben einzelne Autorinnen wie Bettina Heintz und Eva Nadai (1998) oder Helga Bilden (2006) Vergesellschaftung auszukommen scheint. Der R\u00fcckblick in die Geschichte bereitet auch die Bearbeitung der zweiten Frage vor, denn er erinnert daran, dass das Sozialisationsparadigma durchaus Bettina Dausien, Katharina Walgenbach schaft beigetragen, bei der die gesellschaftsanalytische Dimension gewisserma\u00dfen 'weggek\u00fcrzt' wurde und 'Individualisierung' ohne das Konzept der 1. Welche Bedeutung diese Ans\u00e4tze f\u00fcr eine sozialisationstheoretische und erziehungswissenschaftliche Geschlechterforschung haben, diskutieren wir in Teil II. Umgekehrt erscheinen uns aber auch sozialisa1 Die Jahrb\u00fccher der Frauen- und Geschlechterforschung k\u00f6nnen hier als Ausnahme f\u00fcr die Erziehungswissenschaft angef\u00fchrt werden (Borst\/Casale 2007; Casale\/Forster 2011; Moser\/Pinhard 2010; Moser\/Rendtorff 2012; siehe auch Walgenbach\/Stach 2015). Sie fokussierten allerdings nicht dezidiert Fragen der Sozialisationsforschung und -theorie. 18 schaftung der Individuen und die Indivi dualisierung des Sozialen als dialektischen Prozess zusammenzudenken, und zwar in der Dimension der Lebensspanne individueller Existenz oder, ande rs gesagt, in der Perspektive individueller Biographien. Der von \u00c9mile Durkheim Ende des 19. Jahrhunderts erstmals formulierte Begriff Sozialisation enthielt gewisserma\u00dfen die soziologische Antwort auf die Frage, wie und unter welchen Bedingungen arbeitsteilige moderne Gesellschaften Integration und Koh\u00e4renz he rstellen k\u00f6nnen, wenn traditionelle Moralvorstellungen und \u00e4u\u00dfere Zw\u00e4nge ihre Bindungskraft verlieren und die Lebensf\u00fchrung ihrer Mitglieder zunehmend ko ntingent und individualisiert wird. Durkheims Erkl\u00e4rung lenkte den Blick au f eine neue Form der Vergesellschaftung, auf die Internalisierun g gesellschaftlicher Regeln und Strukturen, die zu einer Art Kollektivbewusstsein, einem Gemeinsinn oder einer \"organischen Solidarit\u00e4t\" f\u00fchrt. Diese bleibt jedoch bis zu einem gewissen Ma\u00dfe prek\u00e4r und offen, da sie eben nicht mehr durch Religion oder \u00e4u\u00dfere Gewalt \"mechanisch\" verkn\u00fcpft: Dies gilt f\u00fcr sein erstes Auftauchen am Ende des 19. Jahrhunderts ebenso wie f\u00fcr sp\u00e4tere Ko njunkturen, etwa im Kont ext der Reformierung der Sozialwissenschaften nach dem Zweiten Weltkrieg (vgl. Veith 1996: 21ff., 36ff.). Es gilt auch f\u00fcr die Herausbildung des Konzepts der 'geschlechtsspezifischen Sozialisation', das in den 1970er Jahren bedeutsam wurde. Die theoretische Grundfigur des Sozialisationskonzepts besteht darin, die Vergesellneu anzusto\u00dfen. Es ist die 'alte' so zialisationstheoretische Fragestellung, auf die es wom\u00f6glich keine befriedigenden Antworten gibt, die aber dennoch gestellt sein soll, ja muss, weil die gesells chaftlichen Verh\u00e4ltnisse sich in einem Ausma\u00df ge\u00e4ndert haben, dass auch das analytische Instrumentarium der Geschlechter(sozialisations)forschung nicht fraglos beibehalten werden kann. Was an seine Stelle tritt oder treten sollte, ist eine offene Frage. Sozialisation von Geschlecht Konzeption zu ihrer Verkn\u00fcpfung vorlege n. Das ist jedoch auch nicht der Anspruch des Essays. Uns geht es darum, die Debatte um diese Fragen wieder Teil I 1 'Geschlechtersozialisation' Skizze zur Karriere eines wissenschaftlichen Paradigmas Das wissenschaftliche Konzept der Sozialisation ist in seiner Entstehungs- und Wirkungsgeschichte eng mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen 19 historischen Assoziationen zu verbinden und anschaulicher zu machen. Geschlechterordnung beitragen gesamte Entwicklung in den sozialistischen Nachkriegsgesellschaften Osteuropas. Sie sollen hier dennoch genannt werden, um das abstrakte Argument wenigstens mit einigen wenigen und der sich herausbildenden Frauen- und Geschlechterforschung thematisiert wurde. Simone de Beauvoirs vielzitierter Satz: \"Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es\" ([1949] 1951: 265) , steht paradigmatisch f\u00fcr diese Einsicht. Auch sie ist wiederum im Zusamm enhang mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen zu sehen, die zum Br\u00fcchigwerden der bis dahin dominanten Bettina Dausien, Katharina Walgenbach erzwungen werden kann, sondern vom kollektiven Handeln der Individuen abh\u00e4ngig geworden ist (vgl. Durkheim [1893] 1977; Veith 1996: 114ff.). Den Gedanken der Internalisierung oder Inkorporation '\u00e4u\u00dferer' gesellschaftlicher Strukturen in die 'innere' Struktur der handelnde n Subjekte haben sp\u00e4ter mit unterschiedlichen Akzentsetzungen Norbert Elias (1976) mit seinen Studien zum \"Prozess der Zivilisation\" u nd Pierre Bourdieu (1987) mit seinem Konzept des Habitus theoretisch und empirisch weitergef\u00fchrt. Beide Ans\u00e4tze zielen darauf ab, die Dichotomie von In dividuum versus Gesellschaft, die historisch und theoriearchitektonisch gese hen f\u00fcr das Sozialisationsparadigma konstitutiv ist, zu \u00fcberwinden (vgl. Bauer 2011: 107-120). Dieser Anspruch wird sp\u00e4ter auch in der Geschlechterforschung aufgenommen (s.u.). Das urspr\u00fcngliche soziologische Inter esse galt somit der theoretischen Erfassung des Zusammenhangs zwischen de r Transformation der (europ\u00e4ischen) Gesellschaften zu modernen industrie-kapitalistisch wirtschaftenden, national organisierten Staaten einerseits und an dererseits der Idee und empirischen Formation eines (m\u00e4nnlichen) b\u00fcrgerlichen Subj ekts, das sich in diesen Strukturen herausbildet und zu einem handlungs- und leistungsf\u00e4higen, moralisch verpflichteten Mitglied heranw\u00e4chst, zugleich aber auch seine je individuelle Pers\u00f6nlichkeit und Biographie ausbildet. 2 1.1 \"Geschlechtersozialisation\" Aufbruch und neue Perspektiven in den 1970er Jahren Dass dieses Subjekt ein Geschlecht hat od er, genauer, durch die in einer historisch-konkreten Gesells chaft herrschenden Geschlechterverh\u00e4ltnisse zu einem geschlechtlich positionierten und identifizierte n Subjekt, zu 'Mann' und 'Frau' wird, war eine Erkenntnis, die erst Jahrzehnte sp\u00e4ter in der Frauenbewegung 3: mit dynamisierten Entwicklungen der Arbeitsm\u00e4rkte ab den 1950er Jahren und dem steigenden Bedarf an qualifizierten 2 Zur Genese sozialisationstheoretischen Denkens vgl. die umfassende Arbeit von Veith (1996), zur Entwicklung der Debatte um Geschlechtersozialisation vgl. ausf\u00fchrlicher Dausien 1999, 2006; Bilden\/Dausien 2006. 3 Die folgenden Stichworte lassen notgedrungen viele wichtige Differenzierungen aus, vor allem den Aspekt der Klassenlage, die nationalen Besonderheiten, Migrationsprozesse und die 20 (Durkheim). Es lenkt den Blick auf die gesellschaftliche Herstellung sozialer Rollen und vergeschlechtlichter Identit\u00e4ten. \"Wir werden nicht als M\u00e4dchen geboren - wir werden dazu gemacht\", lautet der programmatische Titel einer (wie auch der klassenspezifischen) So zialisation vornehmlich in soziologischen und erziehungswissenschaftlichen Di skursen rasch an Bedeutung; psychologische, kulturanthropologische und historische Forschungen werden zu seiner St\u00fctzung herangezogen. Das Konz ept er\u00f6ffnet die theoretisch begr\u00fcndete M\u00f6glichkeit, Geschlecht nicht mehr als 'Naturtatsache' zu behandeln, die p\u00e4dagogisch allenfalls geformt und verfein ert werden kann (wie Geschlecht in der P\u00e4dagogik lange Zeit konzipiert war), sondern als 'soziale Tatsache' reits vielfach ad absurdum gef\u00fchrt hatte n und einer schlichten Restauration in den Familien ebenso wie in der Gesellschaft entgegenstanden. Die sogenannte Studentenbewegung, die Frauenbewegung und andere neue soziale Bewegungen, die sich in den 1960er und 1970er Jahren bilden, sind politischer und kultureller Ausdruck einer gesellschaftlichen Transformation, die - neben der Klassenfrage - ganz wesentlich die Geschl echterfrage tangiert, ja durch sie vorangetrieben wird. Insbesondere zunehmend gut ausgebildete Frauen fordern jetzt nicht nur gleiche Rech te und Teilhabe, sondern machen sie immer \u00f6fter auch in der Alltagspraxis geltend. Sozialisation von Geschlecht Arbeitskr\u00e4ften; mit den Bildungsreformen, die seit den 1960er Jahren in den meisten westeurop\u00e4ischen Gesellschaften politisch in Gang gesetzt und sehr rasch im Alltag wirksam werden; mit der Erosion und zunehmenden Kritik der im Nationalsozialismus geltenden No rmen und Werte und dem Entstehen neuer politischer Ans\u00e4tze zur Demokratis ierung sowie neuer kultureller Orientierungen in den nachwachsenden Generationen; schlie\u00dflich mit den konkreten biographischen Erfahrungen von Frauen (und M\u00e4nnern) im Nationalsozialismus und im Krieg, die jene vermeintlich traditionelle Geschlechterordnung be4 Sie kritisieren offen die bestehenden Machtverh\u00e4ltnisse zwischen den Geschlechtern sowohl auf der Ebene pers\u00f6nlicher Beziehungen als auch in ihrer institutiona lisierten Struktur, die sich u.a. in den Schulen und Universit\u00e4ten zeigt. In dies em vielschichtigen gesellschaftlichen Kontext, der als Modernisierungsprozess interpretiert werden kann, zugleich aber bereits Ans\u00e4tze zu dessen Kritik en th\u00e4lt, ist auch die Diskussion um Geschlechtersozialisation zu verorten, die sich als interdisziplin\u00e4re Debatte in den 1970er Jahren etabliert. 1.2 Etablierung im wissenschaftlichen Feld Im deutschsprachigen Raum gewinnt das Konzept der geschlechtsspezifischen 4 In einer rekonstruktiven Studie hat Christine Thon (2008) untersucht, wie solche Erfahrungen in den Lebensentw\u00fcrfen und -praxen von Frauen \u00fcber Generationen hinweg tradiert und transformiert werden. 21 Analyse der widerspr\u00fcchlichen Verges ellschaftungsprozesse bem\u00fchen und Geschlechterverh\u00e4ltnisse im Kontext gesellschaftlicher Strukturen und ihrer wechselseitigen Dynamiken verorten. Im deutschsprachigen Feld sind das vor allem die Arbeiten von Regina Becker-Schmidt und Gudrun-Axeli Knapp, die tion von Geschlechtsidentit\u00e4t frage n und diese als Reproduktion der geschlechtlichen Arbeitsteilung moderner Gesellschaften interpretieren (z.B. Chodorow 1985), neben Ans\u00e4tzen, die sich im soziologischen Sinn um eine tersozialisation bezeichnet werden. Dies soll aber nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass der Ansatz auch Probleme hat und keineswegs ein in sich sc hl\u00fcssiges, theoretisch konsistentes Paradigma darstellt. Im Gegenteil, die in den 1980er und 19 90er Jahren an den Universit\u00e4ten gut etablierte Sozialisationsfors chung bezieht einen Gro\u00dfteil ihrer Integrationskraft aus dem Umstand, dass 'Sozialisation' eine sehr abstrakte \u00dcberschrift f\u00fcr eine komplexe Problem stellung ist, die in konkreten Forschungskonzepten recht unterschiedlich au sbuchstabiert werden kann. Das gilt auch f\u00fcr die Forschungen zu Geschlech tersozialisation. Mit der gemeinsamen begrifflichen Klammer werden durchaus diskrepante, ja widerspr\u00fcchliche Forschungsans\u00e4tze zusammengefasst: Da finden sich psychoanalytisch ausgerichtete Ans\u00e4tze, die in erster Linie nach der Dynamik der fr\u00fchkindlichen Formasation, die \u00fcber die fachwissenschaftlichen Grenzen hinaus wahrgenommen werden und das Thema breit in den Erziehungs- und Sozialwissenschaften verankern. Diese Phase kann deshalb als Hochzeit des Konzepts der GeschlechBettina Dausien, Katharina Walgenbach zeitgen\u00f6ssischen Publikation (Scheu 1 977), die mit nicht unbedeutender Akzentverschiebung Simone de Beauvoirs Satz aufgreift (vgl. Dausien 1999: 225ff.). Die sozialisationstheoretische Sichtweise bringt auch ein erhebliches Potenzial f\u00fcr empirische Forschung mit sich: Es werden neue Forschungsfragen und ganze Forschungsprogramme auf di e Tagesordnung gesetzt (vgl. Hurrelmann\/Ulich 1980) sowie neue Methoden ihrer Bearbeitung gesucht und entwickelt, Ans\u00e4tze der quantitativen Sozialforschung eb enso wie die ab Mitte der 1970er Jahre rasch bedeutsam werd enden qualitativen Methoden und Konzepte der Methodenkombination. Das Sozialisationsparadigma ist in dieser Phase dabei nicht unwesentlich an der Transformation der geisteswissenschaftlichen P\u00e4dagogik in eine modernisierte, empirisch orientierte Erziehungswissenschaft beteiligt. Das Sozialisationskonzept ist, insbesond ere im Kontext der Frauenbewegung, auch mit dem Anspruch der Kritik an bisherigen wissenschaftlichen Sichtweisen und Forschungsans\u00e4tzen verbunden. Geschlechtersozialisation geh\u00f6rt in den 1970er und 1980 er Jahren zu jen en Themen, die s ich zu Kristallisationspunkten im Aufbau einer kritischen Fraue nforschung und feministischen Wissenschaft entwickeln. In den 1980er Jahren entsteht eine Vielzahl von Studien und theoretischen Diskussionen zum Thema Geschlechtersoziali22 spezifischer' Sozialisation bietet An satzpunkte f\u00fcr eine kritisch-emanzipatorische Bildungs- und Erziehungspraxis, etwa f\u00fcr Konzepte einer parteilichen M\u00e4dchen- und Frauenbildung sowie f\u00fcr die Gestaltung der familialen 1970er und 1980er Jahren geht einher mit und wird auch getragen von einer breiteren gesellschaftlich-kulturellen Thematisierung der Geschlechterfrage, keineswegs nur in der Frauenbewegung im engeren Sinn. Die Idee 'geschlechtsReifizierung der Geschlechter differenz durch die Frau enforschung selbst wird kurze Zeit sp\u00e4ter zentraler An satzpunkt der (Selbst-)Kritik. retischen Verst\u00e4ndnis des Zusammenhangs zwischen Sozialisation und Geschlecht. Sozialisation von Geschlecht im Anschluss an die Kritische Theor ie von einer konstitutiven Widerspruchsstruktur zwischen den gesellschaftlichen Sph\u00e4ren Produktion und Reproduktion ausgehen und daraus strukturell am bivalente Subjektformationen ableiten und empirisch rekonstruieren - und dabei die Tradition nicht-dualistischen, dialektischen Denkens in der Sozialisationsfo rschung prominent vertreten (vgl. stellvertretend Becker-Schmidt 1987; Knapp 1990). Neben solchen, theoretisch elaborierten An s\u00e4tzen gibt es schlie\u00dflich eine Vielzahl empirischer Forsch ungen, die einzelne Aspekte untersuchen und in einem sozialisationstheoretischen Rahmen verankern, z.B. Studien zur unterschiedlichen Behandlung 'weiblicher' un d 'm\u00e4nnlicher' Kinder beim Stillen, im Kindergarten oder im Schulunterricht, zur Darstellung von 'M\u00e4dchen' und 'Jungen' oder 'Frauen' und 'M\u00e4nnern' in Bilderb\u00fcchern, Schulb\u00fcchern, Talkshows oder in der Werbung (vgl. Schmerl 2006b). Mit solchen Einzelstudien, die bis he ute in der psychologischen oder erziehungswissenschaftlichen Geschlechterforschung durchaus \u00fcblich sind, werden einerseits bis dahin wenig beachtete Momente des komplexen Sozialisationsgeschehens identifiziert, andererseits f\u00fchren sie kaum zu einem besseren theo5 Sie tragen vielmehr, zugespitzt gesagt, mit dazu bei, den Dualismus 'weiblich\/m\u00e4nnlich' zu wiederholen und zu fixieren. Eben dieses Problem der 1.3 Geschlechtersozialisation als Perspektive in der politischen und p\u00e4dagogischen Praxis Zun\u00e4chst ist jedoch ein Blick \u00fcber die Grenzen der wissenschaftlichen Debatte hinaus angezeigt. Der Aufschwung des Sozialisationsparadigmas in den 5 Helga Bildens programmatischer Entwurf, solche Befunde in einem aneignungstheoretischen Rahmen zu integrieren (Bilden 1980), wird nicht systematisch ausgearbeitet und von der Autorin selbst mehrfach kritisch reformuliert (Bilden 1991, 2006; vgl. auch Schmerl 2006a). 23 vgl. Rendtorff 2006). cher Ans\u00e4tze entwickelt sich bald eine geschlechterreflektierende P\u00e4dagogik (zum \u00dcberblick als auch Erziehungspraktiken, die Kinder zur Ausbildung von Interessen und F\u00e4higkeiten anregen sollen, die typischerweise dem 'anderen' Geschlecht zugerechnet werden, also Fu\u00dfball und Technikbauk\u00e4sten f\u00fcr M\u00e4dchen, Puppenspiele und Sticken f\u00fcr Jungen. In Kritik solgeht, sowohl auf der Ebene alltagsweltlicher Empirie als auch in der empirischen Forschung. 7 Beispiele f\u00fcr diese Strategie gibt es viele, sowohl auf der Ebene der Medien, Materialien und Spielsachen, mit denen Kinder aufwachsen, die nun geschlechterbewusst gestaltet werden, und erf\u00fcllt ganz offensichtlich sehr gut die Funktion als gesellschaftliches Deutungsmuster. (Nebenbei gesagt, tritt das Argument 'Sozialisation' damit, funktional betrachtet, nicht selten an die Stelle seines vermeintlichen Gegenspielers: Es l\u00f6st das Argument ab, Gesc hlecht sei eine biologische Disposition.) Bettina Dausien, Katharina Walgenbach Erziehung, die den kritisierten Geschlechterstereotypen 6 durch 'gegengeschlechtliche' Angebote 7 oder 'geschlechtsneutrale' Interventionen gegensteuern sollten. In dieser historischen Konstellation wi rd das Sozialisationskonzept zu einem Argument transformiert, das in p\u00e4dagogischen Kontexten wie Schulen, Kinderg\u00e4rten, Universit\u00e4ten oder der Bi ldungspolitik durchaus in seiner Sprengkraft erkannt und de shalb nicht nur positiv, so ndern auch sk eptisch aufgenommen wird: Das bestehende Geschl echterverh\u00e4ltnis oder, wie es im zeitgen\u00f6ssischen Jargon h\u00e4ufig hei\u00dft, die 'Geschlechterrollen' sind weder 'angeboren' noch kulturell festgeschrieben, sondern Ergebnis historisch-gesellschaftlicher Prozesse. Sie werden 'gemacht' und - so die p\u00e4dagogische Hoffnung - k\u00f6nnen deshalb auch ver\u00e4ndert werden. Diese Idee wird zwar in der Folge vo rdergr\u00fcndig entt\u00e4uscht, da sich die intendierten Effekte zumindest nicht unm ittelbar einstellen, dennoch wird der Sozialisationsgedanke nachha ltig vom gesellschaftliche n Diskurs aufgenommen. In der p\u00e4dagogischen Praxis und in der Bildun gspolitik, in neuen Formen der 'Frauenf\u00f6rderung' und sp\u00e4ter in der Gleichstellungspolitik ist das Konzept bzw. Argument der Geschlechtersozialisation nicht wegzudenken. Es wird zumeist ohne n\u00e4here Differenzierung und Explikation - als Erkl\u00e4rungsmuster f\u00fcr soziale Ungleichheit ebenso wie f\u00fcr p\u00e4dagogische Probleme herangezogen 1.4 Kritik und Bedeutungsverlust: der Sozialisationsansatz seit den 1990er Jahren Im Unterschied dazu beginnt im wisse nschaftlichen Kontext, noch w\u00e4hrend die Konjunktur der Sozialisationsforschun g anh\u00e4lt, eine kritische Debatte, die Anfang der 1990er Jahre zu einer breite ren Diskussion und schlie\u00dflich zur Ab6 Das Konzept der Geschlechterstereotype ist insbesondere in der Sozial- und Kognitionspsychologie verankert und bezeichnet kognitive Zuschreibungen von Eigenschaften als \"weiblich\" und \"m\u00e4nnlich\". Es hatte in den 1970er und 1980er Jahren Konjunktur, was vermutlich mit dem Vorteil erkl\u00e4rt werden kann, dass es in hohem Ma\u00df mit empirischer Evidenz einher24 tionspotenzial enth\u00e4lt, ist mit dem Begriff der Dekonstruktion verbunden. Im Anschluss an die franz\u00f6sische poststrukturalistische Philosophie, insbesondere Situationen tun , und nicht als etwas, was sie sind oder haben (vgl. Garfinkel 1967; Goffman 1977; West\/Zimmerman 1987; Lorber\/Farrell (1991); zum \u00dcberblick vgl. Gildemeister 2010; Wetterer 2010). Das doing gender -Konzept wird in den 1990er Jahren zunehmend in der deutschsprachigen Geschlechterforschung rezipiert (vgl. Hagemann-White 1984, 1988; Gildemeister\/Wetterer 1992) , in ethnographischen Studien erprobt (z.B. Breidenstein\/Kelle 1998; Kelle 1999) und auch explizit gegen Grundannahmen der Sozialisationsforschung ge wendet (vgl. Kelle\/Breidenstein 1996). Der damit angeregte Perspektivwechsel ist radikal und irritierend, besonders f\u00fcr eine Frauenforschung, di e sich in Kritik an der androzentrischen Wissenschaft auf positive Konzepte 'weiblich er' Forschung und Identit\u00e4t bezieht und bestrebt ist, damit eine eigenst\u00e4ndige Position in der Wissenschaft zu fundieren. Dar\u00fcber hinaus bricht der Ansatz radikal mit der Vorstellung, gender sei eine soziale \u00dcberformung eines doch irgendwie vorhandenen biologischen Kerns von Geschlecht ( sex) - eine durchaus verbreitete Sichtweise, die ein Nebeneinander der bisherigen Auffassung und feministischer Kritik noch zugelassen hatte. Es wundert somit nicht, dass doing gender in p\u00e4dagogischen Kontexten kontrovers diskutiert wurde und wird. An dererseits best\u00e4rkte der Ansatz auch handlungsorientierte Perspektiven und die Idee, dass Individuen nicht nur Opfer gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse si nd, sondern auch \"T\u00e4ter_innen\" (Th\u00fcrmer-Rohr 1983) - und dass sie deshalb auch aktiv an der Ver\u00e4nderung gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse mitwirken k\u00f6nn en, z.B. im Rahmen einer p\u00e4dagogischen Praxis, die sich als geschlechterre flexiv begreift und ihre eigene Beteiligung an Prozessen des doing gender in den Blick nimmt. Eine zweite Richtung, die sich kritisch mit der bisherigen Frauen- und Geschlechterforschung auseinandersetzt und ein mindestens ebenso hohes IrritaSozialisation von Geschlecht kehr der Geschlechterforschung vom Sozi alisationsparadigma f\u00fchrt (vgl. Dausien 1999). Zwei wissenschaftliche Str\u00f6mu ngen sind dabei einflussreich, die sich aus unterschied lichen theoretischen Perspek tiven heraus mit den Identit\u00e4tsannahmen und Tendenzen der Reifizierung in der bisherigen Frauen- und Geschlechterforschung auseinandersetzen: Zum einen gewinnen bereits in den 1 980er Jahren diskutierte sozialkonstruktivistische und interaktionistische Ans\u00e4tze an Bedeutung, die Geschlecht als soziale bzw. kulturelle Konstruktion begreifen und starke empirische Konzepte zu ihrer Rekonstruktion zur Verf\u00fcgung stellen. Das Konzept des doing gender (West\/Zimmerman 1987) erm\u00f6glicht es nicht nur, substanzialisierende Vorstellungen von Geschlecht, Geschl echtsidentit\u00e4t oder 'weiblichen\/m\u00e4nnlichen Eigenschaften' zu kritisieren, s ondern bietet eine theoretisch und methodologisch \u00fcberzeugende Alternative an: Ge schlecht wird als eine fortlaufende soziale Praxis verstanden, als etwas, was Akteur_innen in konkreten sozialen 25 auf den Punkt. Es wird zum Kristallisa tionskern einer Debatte (vgl. Benhabib u.a. 1993), die weit \u00fcber den Feminismus hinaus wirkt und allm\u00e4hlich auch die erziehungswissenschaftliche Diskussion e rreicht, wo Ans\u00e4tze der Queer Theory (Hark 1996) auch mit p\u00e4dagogischen Fragen verbunden werden (Pl\u00f6\u00dfer 2005). Die dekonstruktivistische Debatte setzt sich zwar nicht direkt mit dem Sozialisationsparadigma auseinander, bewirkt aber eine Perspektivenverschiebung in Richtung der gesellschaftlichen Diskurse und kulturellen Ordnungen, die geschlechtliche Subjekte machtvoll hervorbringen. Vorrangiges Ziel ist die Dekonstruktion kultureller Denksysteme, verbunden mit einem zun\u00e4chst eher theoretischen und politischen, weniger em pirisch-forschenden Interesse an irritierenden und subversiven Praktiken (B utler 1990). Ans\u00e4tze, die dekonstruktivistische Theorie mit Fragen der So zialisation zu verbinden und im Rahmen empirischer Studien zu untersuchen, we rden erst sp\u00e4ter entwickelt (vgl. dazu Hartmann in diesem Band). Beide Richtungen, die sozialkonstruk tivistische und die dekonstruktivistische, unterscheiden sich in ihren theoretischen Begriffen und Denktraditionen, dennoch tragen sie, zumal in ihrem etw a zeitgleichen Auftreten, dazu bei, dass das Sozialisationsthema aus dem Blick ger\u00e4t und vermeintlich obsolet wird Bettina Dausien, Katharina Walgenbach an die Konzepte Jacques Derridas sowie an Arbeiten von Judith Butler und Michel Foucault, kritisiert sie die Idee des autonomen Subj ekts und Identit\u00e4tskonzepte in der Geschlechterforschung. Das 1991 ins Deutsche \u00fcbersetzte Buch \"Gender Trouble\" (Bu tler 1990) bringt ein verschiedentlich schon formuliertes 'Unbehagen' mit der Theorie und Praxis der Geschlechterforschung 8 (vgl. Dausien 1999). Die Rede von Geschlechtersozialisation oder gar geschlechtsspezifischer Sozialisation ger\u00e4t in Verdacht, jener kritisierten Idee eines relativ stabilen, 'weiblichen' oder 'm \u00e4nnlichen' Subjekts noch immer anzuh\u00e4ngen. Die sozialisationstheoretische Sprache bekommt den Geschmack des Gestrigen, Altbackenen. Sie '\u00fcberw intert' jedoch in Lehr- und Handb\u00fcchern bzw. deren Neuauflagen. Diese Entwicklung hat, r\u00fcckblickend gesehen, nicht unproblematische Folgen: Zum einen wird das Forschungsfeld in der kritis chen Ausein andersetzung homogenisiert ; der Vorwurf eines substanzialisierenden und dichotomisierenden Denkens wird pauschal gegen\u00fcber Sozialisationskonzepten formuliert, auch da wo er unberechtigt ist. Damit werden Ans\u00e4tze, die sich aus nicht-dualistischen Theorietraditionen (Pragmatismu s, Marxismus, einigen Spielarten der Psychoanalyse) heraus mit Sozialisation befassen, in gewisser Weise vergessen oder zumindest im feministischen Diskurs nicht weiterentwickelt. Unterst\u00fctzt wird diese Tendenz wom\u00f6glich dadurch, dass die Literatur aus den 8 Davon erstaunlich unber\u00fchrt sind allerdings Forschungen, die im herk\u00f6mmlichen Sinn Geschlechtersozialisation mit Hilfe von Variablendesigns zu erfassen suchen, besonders in der Psychologie. Diese werden allerdings in der Geschlechterforschung ebenso wenig rezipiert, wie sie ihrerseits die feministische Erkenntniskritik zu Kenntnis genommen haben. 26 struktivismus und der Dekonstruktion zwar zu berechtigter Kritik an der Sozialisationsforschung gef\u00fchrt haben, dass sie alleine jedoch nicht f\u00fcr deren Bedeutungsverlust verantw ortlich waren. Hinzu kommt die enorme Wirkung eines Paradigmas, das seit den 1980er Jahren in den Sozialwissenschaften diskutiert wird und sich sehr schnell zu m dominanten Deutungsmuster entfalten konnte: das Individualisierungstheorem. hungswissenschaftlichen Ge schlechterforschung weni ger Resonanz gefunden (vgl. dazu Bilden 2006; Dausien 2006). Sie scheint tats\u00e4chlich weitgehend aus dem Blick geraten zu sein. Wie kann dieser Verlust oder, weniger dramatisch ausgedr\u00fcckt, das aufkommende Desinteres se an gesellschaftsanalytischen Perspektiven erkl\u00e4rt werden? Unsere These ist, dass die beiden f\u00fcr die feministische Theoriedebatte der 1990er Jahre wichtigen Str\u00f6mungen des Sozialkonweniger auf das Sozialisationsparadigma und seine Weiterentwicklung als auf Biographieforschung, p\u00e4dagogische und psychoanalytische Subjekttheorien oder performanztheoretische Ans\u00e4tze ( vgl. Dausien 2002; Tervooren 2006; sowie die Beitr\u00e4ge in Bilden\/Dausien 2006). Im Vergleich zur Subjektproblematik hat die Frage nach den gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen bzw. den Vergesellschaftungsstrukturen in der erzie(Knapp 1997: 503). Wenig sp\u00e4ter kritisiert auch Andrea Maihofer die \"Tabuisierung\" dieser Frage und pl\u00e4diert \"f\u00fcr eine Wiederaufnahme einer sozialisationstheoretischen Perspektive\" (Maiho fer 2002: 17), von der sie sich Aufschluss \u00fcber den \"Proze\u00df der Aneignung 'im' Individuum\" (ebd.: 15) verspricht. Eine erneute Diskussion dieser theoretischen 'L\u00fccke' hat zwar gezeigt, dass es durchaus neuere Beitr\u00e4ge zum Thema gibt; diese beziehen sich aber turalisieren, aber auch: ohne in Rhetorike n zu verfallen, in denen die Dimension der biographischen Haftung von Erfahrungen, die subjektkonstitutive Verbindlichkeit von Individuation und Sozialisation, v\u00f6llig aufgel\u00f6st ist?\" Sozialisation von Geschlecht 1970er und 1980er Jahren in aktuellen Lehr- und Forschungskontexten der Erziehungswissenschaft nur noch selten rezipiert wird. 9 Ein weiteres Problem besteht darin, dass mit der Kritik nicht nur sozialisationstheoretische Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze, so ndern auch die ihnen zugrundeliegenden Fragen aus dem Blick geraten sind (vgl. Dausien 1999): die Frage nach dem Werden und Gewordens ein konkreter gesellschaf tlicher Individuen, d.h. nach der Konstruktion und Konstitution von S ubjektstrukturen , und die damit verkn\u00fcpfte Frage nach der Vergesellschaftungslogik, also den gesellschaftlichen Strukturen bzw. Strukturierungsprozessen , die spezifische Individualit\u00e4tsformen und Integrationsmech anismen hervorbringen. Die erste Frage hatte Gudrun-Axeli Knapp bereits in den 1990er Jahren seinerzeit in Kritik der doing gender -Ans\u00e4tze - systematisch wieder auf die Tagesordnung gesetzt: \"Wie kann man 'Gewordensein' von Personen unter dem Gesichtspunkt 'Geschlecht' fassen, ohne zu substantialisieren oder zu na9 Dies hat wom\u00f6glich auch mit dem technischen Umstand zu tun, dass die meisten dieser Texte weder neu aufgelegt wurden noch digitalisiert vorliegen. 27 aus den Fesseln der 'traditionellen geschl echtsspezifischen Sozialisation' f\u00fcr Frauen - und f\u00fcr M\u00e4nner. Dieser Wandel vollzieht sich nicht nur auf der normativen Ebene, sondern betrifft auch die faktischen, statistisch beobachtbaren Strukturen des Lebenslaufs: Institutionelle Vorgaben im Bildungs- und Erwerbssystem haben an Ververwandelt. Mit der Durchsetzung neo liberaler Steuerungsstrukturen konnte sich die Individualisierungsthese nicht nur in der Sozialwissenschaft, sondern auch als gelebte Alltagspraxis w eiter ausbreiten und stabilisieren. Ein Kernpunkt dieser Analysen ist bis heute die These, dass das am Arbeitsmarkt und an der (m\u00e4nnlichen, b\u00fc rgerlichen) Berufs- un d Bildungsbiographie orientierte Konzept des Lebenslaufs seine Plausibilit\u00e4t und Orientierungskraft verloren hat. Individuen haben de shalb die Chance und sind zugleich gezwungen, so die Argumentation, ihre bi ographischen Entw\u00fcrfe, Strategien und Praxen der allt\u00e4glichen Lebensf\u00fchrung in einem weitaus gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00df als vorhergehende Generationen 'selbst' zu gestalten, immer wieder neu zu erfinden, aus eigener Kraft, Phantasie und Erfahrung heraus zu 'konstruieren'. Dabei k\u00f6nnen sie sich, so der Tenor de r individualisierungstheoretischen Argumentation, nicht mehr auf eine fraglos akzeptierte 'Normalbiographie' berufen (vgl. Kohli 1985). Dieser Umstand bede utet mit Blick auf gesellschaftlich festgeschriebene Geschlechterpositionen Verunsicherung, aber auch Befreiung wurde sie mit dem Zusammenbruch der politischen und gesellschaftlichen Systemlogik (Kapitalismus vs. Sozialismus) von der historischen Entwicklung gewisserma\u00dfen eingeholt und zunehmend in ein affirmatives Deutungsmuster liert und den Blick auf die Vervielf\u00e4ltigun g von Lebenslagen, die abnehmende Bindungskraft zentraler In stitutionen und Deutungsmuster und auf die Individualisierung der Lebensf\u00fchrung lenkt. Wurde diese Interpretation zun\u00e4chst du rchaus als kritische Beschreibungsfolie entwickelt, die den Wirkmechanismen einer ne uen, reflexiven Moderne auf der Spur und in gewisser Weise ihrer Zeit prognostisch voraus war, so 1994, 2002) und 'reflexive Moderne' (Beck\/Giddens\/Lash 1996) hat sich ein Erkl\u00e4rungsansatz etabliert, der die Aufl\u00f6sung oder zumindest Relativierung herk\u00f6mmlicher sozialer Bindungen an Klassen- und Geschlechterlagen postuBettina Dausien, Katharina Walgenbach 2 Individualisierung ohne Vergesellschaftung? Erkl\u00e4rungsversuch f\u00fcr den Bedeutungsverlust des Sozialisationsparadigmas Anfang der 1980er Jahre wurde eine sozi ologische Gesellsch aftsdiagnose vorgelegt, die den Zeitgeist genau getrof fen und seitdem den sozial- und erziehungswissenschaftlichen Diskurs massiv gepr\u00e4gt hat, sich aber auch in anderen gesellschaftlichen Feldern und Diskurse n fest verankern konnte. Unter den \u00dcberschriften 'Individualisierung' (Beck 1983, 1986; Beck\/Beck-Gernsheim 28 phie, die sich 'zwischen' den Geschlechtern positionier t, w\u00e4re noch vor einer stitutionen ist diese These 'angekommen'. Sie dient der Erkl\u00e4rung von Ver\u00e4nderungen in allen gesellschaftlichen Be reichen, die ehemals klassische Themen der geschlechterbezogenen Sozi alisationsforschung waren: Die Familienformen haben sich diversifiziert (Stichworte: Patchworkfamilien, Einelternfamilien), gleichgeschlechtliche Partnerschaften werden zunehmend legalisiert und als Erziehungskontexte erforscht, sexuelle Orientierungen jenseits des heteronormativen Modells werden als m \u00f6gliche und legitime Optionen von Heranwachsenden ernst ge nommen. Auch gleichgeschlechtliche Elternschaft ist nicht nur denkbar, sondern taucht als r eale Praxis in p\u00e4dagogischen Institutionen auf. Und mehr noch: Das heteronormative, streng dichotomisch strukturierte Geschlechtermodell selbst scheint langsam gelockert zu werden. Die M\u00f6glichkeit eines Geschlechtswechsels oder sogar einer anerkennungsf\u00e4higen BiograErfahrungs- und Deutungshorizonte - ihre biographischen Entw\u00fcrfe und \u00fcberarbeiten sie immer wieder neu. Soweit eine kurze Rekapitulation dieser gel\u00e4ufigen Denkfigur. Sie wird immer wieder herangezogen, um zu erkl\u00e4ren, dass sich Geschlechterverh\u00e4ltnisse ver\u00e4ndert und vermeintlich an Bedeutung verloren haben - gerade im Kontext des Bildungssystems. Das individualisierte Subjekt scheint nicht mehr auf bestimmte weibliche oder m\u00e4nnl iche Rollenmuster festge legt, sondern hat Spielr\u00e4ume, die eigene Biographie zu gesta lten und dabei auch sein individuelles Konzept von 'Frausein' oder 'Mannsei n' zu entwerfen und zu erproben - mehr Spielr\u00e4ume, als ihm oft lieb ist. Die Zahl m\u00f6glicher Lebenswege hat sich vervielfacht. Zugleich tritt das Risiko, die 'falsche' Entscheidung zu tr effen und die Verantwortung daf\u00fcr am Ende sich selbst zuschreiben zu m\u00fcssen, als historisch neue Norm und Erfahrung individueller Existenz in Erscheinung. Subjekte reagieren darauf, so die Fortf\u00fchrung des Argument s, mit einem gesteigerten Ma\u00df an Reflexion und \"Biographisierung\" (Kohli 1985). Sie 'basteln' - im Rahmen ihrer je eigenen Sozialisation von Geschlecht bindlichkeit verloren bzw. sind 'flexibil isiert' worden. Das sog. Normalarbeitsverh\u00e4ltnis mitteleurop\u00e4ischer kapitalistischer Gesellsch aften ist in Aufl\u00f6sung begriffen, neue Formen der Arbeit, der Kapitalakkumulation und der Existenzsicherung, \u00fcber nationale Grenzen hinweg, gewinnen an Bedeutung und produzieren neue Bruchlinien sozialer Un gleichheit (Stichwort Intersektionalit\u00e4t; vgl. Walgenbach 2014). Anders gesagt: Die Gel\u00e4nder indivi dueller Lebensplanung und Lebensf\u00fchrung scheinen zunehmend fragil geworden oder ganz weggebrochen zu sein. 2.1 Individualisierung statt Sozialisation? In der Erziehungswissenschaft wie in der p\u00e4dagogischen Praxis und ihren In29 Frauen im Bildungssystem 'gleichgezogen' oder ihre m\u00e4nnlichen Genossen sogar '\u00fcberholt' haben, scheint es keinen Bedarf mehr f\u00fcr das Konzept der geschlechtsspezifischen Sozialisation zu geben. Lediglich da, wo Ungleichheiten ben (vgl. Dausien 2011a, b). Welche Rolle spielt nun in diesen Ans\u00e4tzen das Thema Sozialisation von Geschlecht? Einfach gesagt: es kommt kaum noch vor. Seit M\u00e4dchen und bensspanne hinweg, zumindest solange die k\u00f6rperlichen und geistigen Kr\u00e4fte reichen, selbst organisiert, selbst managt, ja auch selbst sozialisiert schungen (Gregor 2015) und erste Ans\u00e4tze, die Themen Trans- und Intersexualit\u00e4t in die Ausbildung von P\u00e4dagog_innen zu integrier en. Leitidee ist dabei, Kinder und Jugendliche p\u00e4dagogi sch zu begleiten, da diese nun selbst - und nicht mehr institutionelle Zw\u00e4nge - dar\u00fcber entscheiden sollen, welche Identit\u00e4t sie ausbilden und mit welch em K\u00f6rper sie leben wollen. Auch die Perspektive auf Bildungs- und Berufswege hat sich ge\u00e4ndert. M\u00e4dchen stehen nicht nur formal alle B ildungsabschl\u00fcsse offen, sie erreichen sie auch. Zumindest oberfl\u00e4chlich betrachtet gibt es einen breiten Konsens, dass Jugendliche in ihrer Berufswahl nicht mehr an Geschlechtergrenzen scheitern sollten. Selbst Arkanbereich e der M\u00e4nnlichkeit wie Polizei und Milit\u00e4r sind inzwischen realistische Berufs optionen f\u00fcr Frauen geworden, unterst\u00fctzt durch mediale Vorbilder wie tou ghe Fernsehkommiss arinnen, die zugleich auch noch sexy und alleinerziehende M\u00fctter sind. Ande re Berufe durchlaufen (weithin unbemerkt) einen Geschlechtswechsel, wie z.B. die Veterin\u00e4rmedizin. Aber da sind auch Gegenbei spiele: Die sog. MINT-F\u00e4cher bleiben offensichtlich eine Bastion der M\u00e4nnlich keit, Fr\u00fchp\u00e4dagogik und Pflege sind nach wie vor 'weiblich'. Die Frage, wie das Bildungssystem auf gesellschaftliche Partizipation und ein Be rufsleben vorber eitet (und welche p\u00e4dagogischen Praxen sich daraus ableiten lassen), wird insgesamt gesehen jedoch kaum noch mit Blick auf Geschlecht diskutiert - und dies ist, gemessen an der jahrhundertelangen geschlechterdifferenzierenden ( und -spaltenden) Tradition der P\u00e4dagogik, ein wirkliches Novum. Stattdessen dominiert in der P\u00e4dagogik wie in der Bildungspolitik die Leitidee des 'sich selbst bildenden Individuums', das sich \u00fcber die gesamte LeBettina Dausien, Katharina Walgenbach Generation unaussprechlich, ja undenkbar gewesen. Inzwischen gibt es Literatur, Berichte in den Medien, sozial- und erziehungswissenschaftliche For10 und in eine Zukunft hinein entwirft, f\u00fcr die es keine Vorbilder in den vorangegangenen Generationen mehr gibt. Diese Idee ha t neue Konzepte auf die Tagesordnung gesetzt, 'lebenslanges Lernen', '\u00dcberg\u00e4nge' ( transitions ) und 'Bildungsbiographien', die sowohl die empirisc he Bildungsforschung als auch p\u00e4dagogische Theoriediskurse in gro\u00dfem Stil be sch\u00e4ftigen und z.T. neu ausrichten. Sie pr\u00e4gen auch neue Verst\u00e4ndnisse p\u00e4dagogischen Handelns, die ihren Kern in der Begleitung, Beratung und Moderation individueller Bildungswege ha10 Vgl. dazu das Themenheft der Zeitschrift f\u00fcr Soziologie der Erziehung und Sozialisation, Heft 2\/2002. 30 spezifische Sozialisation' erscheint \u00fcbe rholt und bis auf weiteres im \u00dcbrigen auch kaum noch dazu brauchbar, sich wi ssenschaftlich zu profilieren. Die Rezeption des Individualisierungskonzepts erfolgt jedoch verk\u00fcrzt. W\u00e4hrend Analysen, die sich auf Individualisierungspr ozesse der Subjekte und ihrer Lebensweisen beziehen, rasch in die erzieh ungswissenschaftliche Debatte \u00fcbernommen werden, bleiben gesellschaftsbezoge ne Analysen weitge hend unbeachtet. Zugespitzt gesagt: Individualisierung wird als Theorem genutzt, ohne die Frage nach Vergesellschaftung zu stellen. sich an diesen orientieren, 'sind noch nicht so weit', dass sie die Geschlechterfrage individuell handhaben und souver \u00e4n hinter sich lassen k\u00f6nnten. Diese Beobachtungen an der Oberfl\u00e4c he des p\u00e4dagogischen Diskurses zusammenfassend, ziehen wir als Fazit: Das Individualisierungsparadigma, das sich auch, ja sogar wesentlich, auf Transformationen im Geschlechterverh\u00e4ltnis bezieht, hat das Thema Sozialisation abgel\u00f6st. Das Konzept 'geschlechtsSozialisation von Geschlecht zwischen den Geschlechtern hartn\u00e4ckig an der empirischen Oberfl\u00e4che oder in der p\u00e4dagogischen Praxis auftauchen, wird noch auf Sozialisation als Erkl\u00e4rung zur\u00fcckgegriffen. Beispiele hierf\u00fc r sind das schon genannte Thema 'M\u00e4dchen und MINT-F\u00e4cher' oder der Diskurs um die Benachteiligung von Jungen im (feminisierten) Schulsystem (siehe dazu auch Bereswill\/Ehlert in diesem Band). Und es gibt ein weiteres Feld, in de m systematisch auf die Erkl\u00e4rung 'Sozialisation' zur\u00fcckgegriffen wird: n\u00e4mlich die Thematisierung der Bildungswege von Jugendlichen 'mit Migrationshintergrund'. Ihnen (oder ihren Eltern) wird, zugespitzt gesagt, der Status des individualisierten Subjekts noch nicht in vollem Umfang zuerkannt, ihnen wi rd unterstellt, sie seien 'noch' den traditionellen Geschlechterrollen ihrer 'Ku ltur' verhaftet. Das Sozialisationsargument wird in solchen Kontexten mit der Idee der R\u00fcckst\u00e4ndigkeit assoziiert: bestimmte Berufsfelder oder Lebensentw\u00fcrfe, vor allem aber die Subjekte, die 2.2 Kritik am Individualisierungstheorem: Neue Formen der Subjektivierung und \"individualisierte Weiblichkeit\" Die beschriebene These der Individua lisierung wird in der Bildungswissenschaft nicht nur affirmativ aufgegriffen, sondern auch kritisch analysiert, insbesondere aus subjektivierungstheoretischer Sicht im Anschluss an Foucaults Arbeiten zu Disziplinierung und Gouver nementalit\u00e4t. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die kritisch-dekonstruktivistisch e Auseinandersetzung m it dem Diskurs des lebenslangen Lernens (z.B. Rothe 2011). Hier konnte \u00fcberzeugend herausgearbeitet werden, wie im neoliberalen Disk urs (auch und gerade im erziehungswissenschaftlichen Feld) gesellschaftlic he Strukturprobleme in individuelle Lernprobleme verwandelt und Individu en in die Subjektposition des\/der Ler31 Sozialisationsperspektiven in den letz ten Jahrzehnten marginalisiert. Wir m\u00f6chten hingegen f\u00fcr eine Revitalisierung der sozialisa tionstheoretischen Perspektive in der erziehungswissenschaftlichen Geschlechterforschung pl\u00e4dieren. liert sie die These, dass \"individualisierte Weiblichkeit\" als hegemoniales Subjektmodell des Neoliberalismus zu betrachten sei (Thon 2012). In Auseinandersetzung mit modernisierungstheoretis chen Ans\u00e4tzen und Diagnosen zeitgen\u00f6ssischer Transformationen im Geschlecht erverh\u00e4ltnis interpretiert sie in Ankn\u00fcpfung an Arbeiten von Angelika Wette rer (2003) und Angela McRobbie (2010) Individualisierung als \"Form der herrschafts f\u00f6rmigen Subjektivierung, die Subjekte als Individuen hervorbringt und sie in ein spezifisches Verh\u00e4ltnis zum Sozialen setzt und insofern auch f\u00fcr die Stabilisierung von Geschlechterordnungen relevant ist\" (T hon 2012: 33). Und weiter: \"Individualisierte Weiblichkeit ist eine Formation, die das jew eilige Subjekt unter den gegenw\u00e4rtigen kulturellen und \u00f6konomischen Bedingungen sozial integrierbar und handlungsf\u00e4hig macht\" (ebd.: 36). Dieses ver\u00e4nderte Verh\u00e4ltnis zum Sozialen, das sowohl in den apologetischen Ans\u00e4tzen der Individualisierungsd ebatte als auch in den kritischen subjektivierungstheoretischen Analysen in den Blick genommen wird, besteht in einer Akzentuierung von Individualit\u00e4t, deren strukturelle gesellschaftliche Bedingungen undeutlich gew orden sind, unter diversen Schichten von Diskursen und Gegendiskursen verborgen. Mag dies als Beschreibung alltagsweltlicher Verh\u00e4ltnisse zutreffen, so kann es als wissenschaftliche Analyse doch nicht gen\u00fcgen. Wir pl\u00e4dieren daf\u00fcr, einen genaueren Blick auf die gesellschaftlichen Strukturen 'hinter' den individualisierenden Diskursen in der P\u00e4dagogik in die erziehungswissenschaftliche Geschlechterdebatte wieder ei nzuf\u00fchren (vgl. dazu Nickel 2012 sowie weitere Beitr\u00e4ge in Moser\/Rendtorff 20 12). Es geht darum, sich nicht mit Oberfl\u00e4chenbeschreibungen zu begn\u00fcgen , die dem Individu alisierungsdiskurs aufsitzen, sondern - so unsere These - die theoretisch-analytischen Potenziale des Sozialisationsparadigmas wied er in Erinnerung zu rufen. Als Zwischenbilanz l\u00e4sst sich festhalten , dass die Theoriekonjunkturen in der Erziehungswissenschaft bzw. der erziehungswissenschaftlichen Sozialisationsforschung - so gegens\u00e4tzlich sie auch gewesen sein m\u00f6gen - in ihrem Zusammenwirken den Blick auf ges ellschaftliche Transformationsprozesse von Geschlechterverh\u00e4ltnissen gerade zu verstellt haben. Durch die Verlagerung des erziehungswissenschaftlichen In teresses auf die Analyse von Mikropraktiken und -diskursen sowie auf Prozesse der Individualisierung wurden tragen. Diese Kritik l\u00e4sst sich mit Chris tine Thons Analysen zum Individualisierungsdiskurs verkn\u00fcpfen. Unter Bezugnahme auf Laclau und Mouffe formuBettina Dausien, Katharina Walgenbach nenden gebracht werden, und zwar als individuelle Lernende, die auch individuell f\u00fcr die Ergebnisse ihres Lernens und deren Verwertung Verantwortung 32 die eigentlich einen gleichwertigen S tellenwert in der Analyse einnehmen m\u00fcssten. Somit werden vor allem Tendenzen herausgearbeitet, die sicherlich nicht alle Arbeits-, Lebens- und Subjek tivierungsformen durchdringen, allerdings zunehmend hegemonial zu werden scheinen und somit zumindest eine Orientierungsfunktion bzw. Abgrenzungsfolie f\u00fcr individuelle Lebensentw\u00fcrfe herausbilden. Forschung und Theoriebildung der Geschlechtersozialisation neue Fragen auf, sondern ben\u00f6tigen auch eine dezidiert sozialisationstheoretische Perspektive f\u00fcr ihre erziehungswissenschaftliche Bearbeitung. Bevor wir diese These ausf\u00fchren, soll zun\u00e4chst skizziert werden, was wir unter der Neuordnung von \u00d6konomie, Staat und Privatsph\u00e4re verstehen. Daf\u00fcr scheint uns ein Rekurs auf aktuelle Ges ellschaftsdiagnosen in verschiedenen Disziplinen der Sozialwissenschaften lohnend. Im Anschluss daran m\u00f6chten wir an ausgew\u00e4hlten Beis pielen verdeutlichen, worin wir die Potenziale einer Revitalisierung gesellschaftsanalytischer Perspektiven in der Sozialisationsund Geschlechterforschung sehen. Einschr\u00e4nkend soll darauf hingewiesen werden, dass wir im Folgenden Elemente der Ver\u00e4nderung st\u00e4rker hervorheben als Momente der Kontinuit\u00e4t, damit meinen wir nicht alleine Forschungen zur Geschlechtersozialisation muss sich deshalb der Herausforderu ng stellen, diese gesellschaftlichen Transformationsprozesse einzubeziehen. Sie werfen nicht nur f\u00fcr die empirische Sauer 2001; Fraser 2009; Casale 2012; Walgenbach 2015). Diese Gesellschaftsanalysen verweisen unseres Erachtens auf tiefgreifende gesellschaftliche Transformationsprozesse. Eine zuk\u00fcnftige Sozialisationsforschung - und wicklungstrends dringend geboten. Sozialisation von Geschlecht Die Wiederaufnahme gesellschaftsanalytischer Perspektiven erscheint uns nicht zuletzt aufgrund aktueller \u00f6konomischer, politischer und sozialer EntTeil II 3 Wiederaufnahme gesellschaftsanalytischer Perspektiven in der Sozialisations- und Geschlechterforschung Seit der Jahrtausendwende wird in den Sozialwissenschaften verst\u00e4rkt diskutiert, inwiefern sich durch die Neuordnung von \u00d6konomie, Staat und Gesellschaft Konstellationen ausmachen lassen, die auch die Geschlechterverh\u00e4ltnisse beeinflussen bzw. durch diese entscheidend organisiert werden (vgl. 33 zweite H\u00e4lfte des 20. Jahrh underts (Hausen 1976). zeigte, wie die Dichotomie von \u00d6ffentlic hkeit versus Privatheit die Geschlechterordnung in der europ\u00e4ischen Moderne in fundamentaler Weise begr\u00fcndet. Dies galt insbesondere f\u00fcr das letzte Drittel des 18. Jahrhunderts bis in die tionsarbeit \u00fcbernehmen und M\u00e4nner die (bezahlte) Produktionsarbeit. Auf diese Form der 'geschlechtsspezifischen' Arbeitsteilung rekurrierten auch Sozialisationstheorien der 1980er Jahre zur Herausbildung differenter Geschlechtsidentit\u00e4ten, was bereits in Teil I skizziert wurde. Beispiele daf\u00fcr sind die Objektbeziehungstheorie von Nancy Chodorow (Chodorow 1985) oder Carol Gilligans Studie zur weiblichen Moralentwicklung (Gilligan 1988). Regina Becker-Schmidt verwies dagegen mit ihrem Konzept der 'doppelten Vergesellschaftung' auf die Tatsache, dass solche Theorien zur 'geschlechtsspezifischen Sozialisation' einen starken Mittelschicht-Bias haben. Ihre Studie zu Fabrikarbeiterinnen aus den 1980er Jahren zeigte, dass die befragten Frauen \u00fcber widerspr\u00fcchlich strukturierte Praxisbereiche in soziale Zusammenh\u00e4nge eingebunden waren, die si e durch pers\u00f6nliche Anstrengungen rekombinieren mussten (Becker-Schmidt 1987). Allerdings basierte auch das Konzept der 'doppelten Vergesellschaftung' auf einer historischen Konstellation, die durch eine Trennung zwischen Erwerbssph\u00e4re und Privatsph\u00e4re gekennzeichnet war. Die historische Genese dieser geschlechtlich codierten Sph\u00e4rentre nnung hatte Karin Hausen bereits in den Anf\u00e4ngen der Geschlechterforschung instruktiv herausgearbeitet. Sie terisiert (Fraser 2009: 44). In der Konsequenz verliert eine fordistische Organisation von \u00d6konomie, Staat und Ges ellschaft zunehmend an Bedeutung, die sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts beispielsweise durch Massenproduktion, Massenbesch\u00e4ftigung, Massenkonsum, staatliche Wachstumssteuerung und den Ausbau eines Wohlfahrtsstaats auszei chnete (Hirsch\/Roth 1986). In der Geschlechterforschung wurde vielfach herausgearbeitet, dass diese Gesellschaftsformation prim\u00e4r auf m\u00e4nnliche Normalarbeitsverh\u00e4ltnisse, Lebensformen und Biographien ausgerichtet war. Dar\u00fcber hinaus war die Trennung zwischen Privatheit und \u00d6ffentlichkeit ein zentrales Signum des fordistischen Genderregimes (vgl. Young 1998). Dieses manifestierte sich etwa im Idealbild der heterosexuellen Kleinfamilie als Sozialisationsinstanz, in der Frauen vorzugsweise die (unbezahlte) ReprodukBettina Dausien, Katharina Walgenbach 3.1 Aktuelle Gesellschaftsdiagnosen zur Neuordnung von \u00d6konomie, Staat und Privatsph\u00e4re 11 Nach Nancy Fraser befinden wir uns aktuell am \u00dcbergang zu einer neuen Gesellschaftsform, die sie als postfordistisch, transnational und neoliberal charak11 Eine ausf\u00fchrliche Untersuchung der gesellschaftlichen Transformationsprozesse mit umfassenden Literaturhinweisen findet sich bei Walgenbach 2015. Der Beitrag fokussiert allerdings keine Sozialisationsfragen. 34 bzw. Marktes unterworfen werden kann und soll (Ptak 2004). Mit dieser neoliberalen Logik sehen sich seit einigen Jahren auch zentrale Sozialisationskontexte wie Bildungsinstitutionen konfrontier t. Ein Beispiel daf\u00fcr sind Hochschul-Rankings oder international vergle ichende Schulleistungstests, welche tionsprozesse ver\u00e4ndert oder gar neue Formen der Subjektivierung im Sozialisationskontext Berufswelt hervorbringt. Jenseits der Ver\u00e4nderungen im \u00f6konomischen Feld erscheinen uns aber auch weitere Entwicklungstrends bedeutsam. So werden die beschriebenen Transformationsprozesse durch eine neo liberale Wirtschafts- und Sozialpolitik flankiert, deren Denkweise sich bis in die 1930er Jahre zur\u00fcckverfolgen l\u00e4sst und deren Einfluss sp\u00e4testens seit dem Wegfall der Systemkonkurrenzen (Kapitalismus vs. Sozialismus) in Europa en tscheidend zunimmt. Die Grundidee des Neoliberalismus basiert darauf, dass alles dem Gesetz des Wettbewerbs chen und Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen di e Bereiche 'Arbeit' und 'Leben' eine zeitliche und r\u00e4umliche Flexibilisierung erfahren (Pongratz\/Vo\u00df 2003; J\u00fcrgens 2006). Die geschlechtlich codierte Tren nung zwischen \u00d6ffentlichkeit und Privatheit wird durch solche Entwicklun gsdynamiken also herausgefordert. F\u00fcr die Sozialisationsforschung w\u00e4re es dar\u00fc ber hinaus interessant zu untersuchen, inwiefern dieser Wandel der Arbeitsorganisation auch berufliche Sozialisades Marktes wird hier also zum zentralen Strukturierungsmoment betrieblicher Organisation (Sauer 2007). Die neuen Arbeits- und Produktionsformen f\u00fchren zu einer Erosion der Trennung zwischen \u00d6ffentlichkeit un d Privatheit (Senne t 2000; Boltanski\/ Chiapello 2006). Es entstehen neue Formen der 'Subjektivierung von Arbeit' und der 'Entgrenzung von Arbeit', die dazu f\u00fchren, dass in immer mehr Branschiedenen Branchen herausbilden (Hir sch\/Roth 1986). Gel\u00e4ufige Stichworte daf\u00fcr sind etwa lean production oder lean management , aber auch Dezentralisierung, Teamarbeit oder 'flache Hierarchien'. Die Kontingenz bzw. Dynamik \"Harmonisierung der menschlichen Verh \u00e4ltnisse durch die Erg\u00e4nzung von Welt und Heim\" (Hausen 1976: 380). Exemplarisch l\u00e4sst sich hier auf Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie ver weisen, der von einem komplement\u00e4ren Verh\u00e4ltnis zwischen Bildung\/Staat und Erziehung\/Privatsph \u00e4re ausging, welches bei ihm auch geschlechtlich codi ert war (Humboldt [1792] 2002; siehe auch Casale 2012: 131-134). Mit anderen Autor_innen in den Sozi alwissenschaften gehen wir davon aus, dass sich gegenw\u00e4rtig eine Neuordnung von \u00d6konomie, Staat und Privatsph\u00e4re beobachten l\u00e4sst, welche di e vergeschlechtlichte Sph\u00e4rentrennung modifizieren k\u00f6nnte oder zumindest in eine Krise f\u00fchrt (Sauer 2001; Fraser 2009; Casale 2012). Unter dem Label 'Postfordismus' wird diskutiert, inwiefern sich seit den 1970er Jahren neue Produktions- und Arbeitsformen in verSozialisation von Geschlecht Nach Hausen strukturiert die neue Geschlechterordnung aber auch zeitgen\u00f6ssische Vorstellungen von Staat, Gesellschaft, Familie, Humanit\u00e4t sowie die 35 noch weitgehend ein Forschungsdesiderat zu sein. Wichtig sind unseres Erachtens auch Transformationsprozesse im Feld der Politik, wo sich eine Ve rschiebung vom 'f\u00fcrsorgend en Wohlfahrtsstaat' zum 'nationalen Wettbewerbsstaat' beobachten l\u00e4sst (Hirsch 1995). In Deutschland wird diese Transformation sp\u00e4testens se it den 1990er Jahren durch eine neoliberale Rhetorik begleitet, die auf eine n Abbau des Wohlfahrtsstaates abzielt, der als Wachstumsbremse und Hindernis individueller Leistungsbereitschaft diskreditiert wird. Stattdessen protegier en neoliberale Akteu re die Idee eines 'schlanken Staates' (Ptak 2004). Diese Orientierung zeigt sich auch in dem sozialpolitischen Paradigmenwechsel von Welfare to Workfare (Schr\u00f6der\/ Blair 1999). Die p\u00e4dagogischen Konseque nzen dieser Entwicklung werden gegenw\u00e4rtig vor allem in de r Sozialp\u00e4dagogik diskutier t (Kessl\/Otto 2009); ob und welche Bedeutung sie f\u00fcr Sozialisa tionsprozesse haben, ist eine offene Frage. Im Rekurs auf Karin Hausen w\u00e4re demnach heute erneut zu fragen, wie die Transformation von \u00d6konomie, Staat un d Gesellschaft mit einer Neukonfiguration der Geschlechterordnung einherg eht. Aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive hat sich Rita Casale mit dies er Frage befasst. Sie argumentiert, dass vor allem die Vorstellung einer komplement\u00e4ren Erg\u00e4nzung von Staat und Familie, die den Bildungstheorien des 18. und 19. Jahrhunderts zugrunde liegt, aktuell in eine Krise ger\u00e4t. Diesen Proze ss bringt die Autorin dezidiert mit einer Transformation der sozialen und symbolischen Ordnung der Geschlechter in Verbindung. Einen Zusammenha ng sieht sie in Tendenzen der Verstaatlichung der Erziehung und der Entstaatlichung der Bildung . W\u00e4hrend sich der Staat zunehmend aus der Ho chschulbildung zur\u00fc ckzieht, so Casale, f\u00fchrt das Interesse an einer Optimierung von 'Humankapital' zu Tendenzen einer Verstaatlichung von Erziehung. Die zeigt sich beispielsweise an Debatten \u00fcber Fr\u00fchf\u00f6rderung oder \u00fcber die Zust\u00e4ndigkeit des S taates in Erzieh ungsfragen: \"Man ist mit einem ambivalenten Prozess konfrontiert, der einerseits zu einer neuen Bestimmung des Vertrags zw ischen den Geschlechtern und zu einem ver\u00e4nderten Verst\u00e4ndnis von Elternschaft f\u00fchren k\u00f6nnte, und der andererseits die Einmischung des Staates in eine Sph\u00e4re beinhaltet, f\u00fcr die sich der neuzeitlichen Erziehungs- und Bildungstheorie zufolge der Staat nicht zust\u00e4ndig hielt\" (Casale 2012: 135). Auch f\u00fcr die Erziehungswissenschaft stellen sich somit grunds\u00e4tzliche Fragen, z.B. inwiefern die Transformations prozesse von Geschlechterverh\u00e4ltnissen zu einer Neubestimmung p\u00e4dagogi scher Handlungsfelder, Bildungsinstitutionen und erziehungswissenschaftlicher Leitbegriffe wie Bildung, Erziehung und Sozialisation f\u00fchrt (Walgenbach\/Stach 2015). Bettina Dausien, Katharina Walgenbach die Konkurrenz auf einem 'Bildungsmarkt' artifiziell herstellen. Welche Bedeutung dies f\u00fcr die Herausbildung neuer 'Bildungssubjekte' hat, scheint uns 36 Flexibilit\u00e4t, Mobilit\u00e4t oder die F\u00e4higke it zur Patchworkidentit\u00e4t auszeichnen (Maihofer 2002: 16). In der Geschlechterforschung wird aktu ell herausgearbeitet, dass Begriffe wie 'unternehmerisches Selbst' nicht allein auf eine Transformation der Erwerbssph\u00e4re hinweisen, sondern die Trennung zwischen Erwerbssph\u00e4re und Privatsph\u00e4re \u00fcberschreiten. Das Private is t nicht l\u00e4nger nur politisch, res\u00fcmiert Nina Power, es ist heute auch \u00f6konomi sch (Power 2011: 42). Christine Thon (2015) untersucht anhand von Brosch\u00fcren, Handreichungen und Leitf\u00e4den von und Selbstbestimmung einhergehen, zum anderen wird die Marktlogik aber auch in das Individuum selbst verlagert, z.B. wenn Subjekte angerufen werden, sich als ihr eigenes Produkt zu verm arkten. Diese Aufforderung gilt zu jeder Zeit, da die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verst\u00e4rkt oszillieren (vgl. Michalitsch 2006: 90-96 ; Geissler 2008). Hier wird also ein genuines Thema der Sozialisationstheorie und -forschung angesprochen, n\u00e4mlich die Frage der Subjektwerdung . Abh\u00e4ngig vom jeweiligen theoretischen Zugang gilt es f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Sozialisationsforschung, die oben skizzierten gesells chaftlichen Transformations prozesse mit Analysen zur Subjektivierung, Hab itualisierung, Identit\u00e4tsform ationen, Subjektanrufungen oder Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung zu verbinden. Nach Andrea Maihofer w\u00e4re allerdings gleichzeitig zu reflektieren , inwiefern die theoretischen Bem\u00fchungen, neue Identit\u00e4tskonzep te zu beschreiben, selbst Effekt und\/oder Motor gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen sind. S ie tragen somit zur Entstehung neuer 'Sozialcharaktere' oder 'Existenzmodi' bei, die sich z.B. gegenw\u00e4rtig durch Frage, wie sie mit Analyseperspektiven verkn\u00fcpft werden k\u00f6nnen, die sich auf die Subjektgenese beziehen: Welche Anru fungen bringt das neue Geschlechterregime hervor und wie werden diese vo n den Subjekten bearbeitet? Diesen Fragen soll im Folgenden anhand von vier Beispielen nachgegangen werden. Neue Formen der Subjektwerdung Mit der zunehmenden Entgrenzung von Arbeit entstehen neue Formen der Subjektivierung, die gegenw\u00e4rtig mit Begriffen wie 'unternehmerisches Selbst' (Br\u00f6ckling 2007) oder 'Arbeitskr aftunternehmer' (Pongratz\/Vo\u00df 2003) belegt werden. 'Eigenverantwortung' un d 'Selbstmanagement' sind Schl\u00fcsselbegriffe des zentralen Prinzips eine r marktgerechten Selbstregulation (vgl. Br\u00f6ckling 2007; Michalits ch 2008). Dies gilt zum ei nen f\u00fcr die ne uen Arbeitsformen, die mit Versprechungen von Selbstverwirklichung, Zeitsouver\u00e4nit\u00e4t Sozialisation von Geschlecht 3.2 Sozialisation und Geschlechterverh\u00e4ltnisse im Transformationsprozess Die oben beschriebenen Gesellschaftsdia gnosen bewegen sich allerdings meist auf einer Makroebene. F\u00fcr die Sozialisationsforschung stellt sich nun die 37 gnostizierter demographischer Wandel. Be f\u00fcrchtet wird ein Fachkr\u00e4ftemangel, der in Europa verschiedene Wirtscha ftsbranchen und Regionen in den n\u00e4chsten Jahrzehnten unterschiedlich stark tr effen wird (Walgenbach 2015: 31-32). Vergleichbar mit den 1960er Jahren werden vor diesem Hintergrund prim\u00e4r Frauen als 'Begabungsreserven' identifiziert, aber auch Migrant_innen und Jugendliche aus sogenannten 'bildungsfern en Schichten' (Walgenbach 2015: 32). Junge, hochqualifizierte Frauen avancieren seit einigen Jahren zu wirtschaftspolitischen Hoffnungstr\u00e4gerinnen, denn sie verf\u00fcgen im Durchschnitt mittlerweile \u00fcber ein h\u00f6heres Bildungs niveau als ihre m\u00e4nnlichen Altersgenossen (z.B. Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft 2007: 134). Top Girls nennt McRobbie die neue weibliche Generation, die sie als hoch motivierte Leistungstr\u00e4gerinnen des neoliberalen Umbaus identifiziert und denen die Adult Worker Model (vgl. Lewis 2001; Annesley 2007). Erkl\u00e4rungsfaktoren f\u00fcr die Etablierung des Adult Worker Model in Europa sind sowohl die bereits beschriebenen gesellschaftlichen Transformationsprozesse als auch ein proEin wichtiger Aspekt f\u00fcr die Wiederaufnahme gesellschaftsanalytischer Perspektiven in der Sozialisations- und Gesc hlechterforschung ist der aktuell diskutierte Paradigmenwechsel vom m\u00e4nnlichen Familienern\u00e4hrermodell zum sind\" (Thon 2015: 139). Ausgespart bleiben hingegen geschlechtertheoretische Analysen, die das Problem der Vereinbarkeit auf einer in stitutionellen Basis bearbeiten und auf die widerspr\u00fcchlichen Logiken von Erwerbsarbeit und Familienarbeit verweisen. Das Adult Worker Model als neuer Integrationsmodus und \u00f6konomisch rationalen, individuellen Probleml\u00f6sens angerufen. Der p\u00e4dagogische Impetus dieser Brosch\u00fcren manifestiert sich beispielsweise in der Pr\u00e4sentation von Doppelkarrierepaaren als nachahmenswerten Vorbildern: \"Portr\u00e4ts von Eltern, die 'erfolgreiche' Vereinbarkeitsl\u00f6sungen repr\u00e4sentieren (vgl. BMFSFJ 2012b: 22f.; Baden-W\u00fcrttemberg-Stiftung 2010: 64ff.), sollen ein Lernen am Modell initiieren. D ie Individualisierung von Vereinbarkeit erfolgt damit nicht nur \u00fcber eine Responsibilisierung von Eltern (Kessl 2011: 69), sondern auch durch das Ve rsprechen von Iden tit\u00e4ten, die innerhalb des hegemonialen Diskurses mit einem hohen Ma\u00df an Attraktivit\u00e4t ausgestattet den eigenen Marktwert als dringend gesuchte Fachkr\u00e4fte zu erkennen. Die Subjekte der Vereinbarkeit werden dabei, so Thon, als individualisierte Subjekte des Wollens, kompetenten Planens, strategischen Kommunizierens Vereinbarkeit' selbst erst neu herstellen. Die Autorin arbeitet heraus, dass die Adressat_innen dieser Publikationen (zumeist junge, gut ausgebildete M\u00fctter) dazu angehalten werden, sich selbst als 'Humankapital' wahrzunehmen und Bettina Dausien, Katharina Walgenbach Ministerien, Stiftungen und Wirtschaftsverb\u00e4nden, wie \u00f6konomisierte Diskurse zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf entsprechende 'Subjekte der 38 viduen, die sich in die Sph\u00e4re der Produktion und Verwertbarkeit eingliedern lassen und den Staat von Transferleistunge n entlasten, erfahren eine Integration als respektable Gesellschaftsmitglieder, w\u00e4hrend sich die Prozesse sozialer wurde, n\u00e4mlich die volle Integration in die Gesellschaft, unabh\u00e4ngig von Geschlecht, Migrationshintergrund, sexueller Orientierung etc. Die alte sozialisationstheoretische Frage nach der Integration in die Gesellschaft erh\u00e4lt somit eine neue Antwort: Nach der neoliberal en Logik findet soziale Integration ausschlie\u00dflich auf der Basis von Verwertb arkeit und Leistungsf\u00e4higkeit statt. Das meritokratische Versprechen der Moderne erh\u00e4lt somit erneut Auftrieb. In diesem Zusammenhang lassen sich auch seit der Jahrtausendwende in Europa verschiedene Initiativ en beobachten, die auf ein en Abbau von Diskriminierung abzielen. Allerdings adressieren das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (2006) und die Richtlinien der Europ\u00e4isc hen Union zum Antidiskriminierungsrecht prim\u00e4r die Erwerbssph\u00e4re. Gem\u00e4\u00df dem Adult Worker Model sollen Barrieren f\u00fcr den Eintritt in den Arbeitsmarkt entfernt werden. Des Weiteren bleiben bestimmte Diskrimini erungsmerkmale bzw. Ungleichheitsdimensionen wie etwa Schicht bzw. so ziales Milieu oder Staatsangeh\u00f6rigkeit von der europ\u00e4ischen Antidiskriminie rungspolitik explizit ausgeschlossen (vgl. Hormel 2008: 22). Letztlich geht der Abbau von Diskriminierung mit einer gleichzeitigen Versch\u00e4rfung von sozialer Ungleichheit einher (Walgenbach 2015). Die IndiArbeitsstunden und versch\u00e4rften Doppelschichten einher (vgl. Fraser 2009: 51f.). Gleichzeitig reaktiviert das Adult Worker Model allerdings auch ein altes Versprechen, das seit der franz\u00f6sischen Revolution nie vollst\u00e4ndig eingel\u00f6st Person alleine heute h\u00e4ufig nicht mehr ei ne ganze Familie ern\u00e4hren kann. Das Doppelverdienermodell geht demnach mi t einer Absenkung des Lohnniveaus, einem sinkenden Lebensstandard, einem Anstieg der pro Haushalt geleisteten beit zu sichern und den Staat zu entla sten (Klinger 2014). Insofern hat das Modell auch einen Zwangscharakter. Dieser ergibt sich allein schon \u00f6konomisch, da die Abschaffung des m\u00e4nnlichen Ern\u00e4hrermodells auch bedeutet, dass eine lich bearbeitet werden; wie sie neue Se lbstkonzepte, Identit\u00e4tsentw\u00fcrfe oder Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungssche mata hervorbringen oder die geschlechtsbezogene Arbeitsteilung in der Familie neu konfigurieren. Das Adult Worker Model offeriert aber auch einen neuen Modus gesellschaftlicher Integration. Es etabliert ein normatives Leitbild, nach dem alle erwerbsf\u00e4higen Erwachsenen auch erwerbst \u00e4tig sein sollen. Sie haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, ihren Lebensunterhalt durch Erwerbsarschlechtersozialisation bedeutet, ist we itgehend unklar. Wir wissen erst wenig dar\u00fcber, wie das Adult Worker Model bzw. die neuen neoliberalen Subjektanrufungen von Frauen und M\u00e4nnern (sowie weiteren Geschlechtern) tats\u00e4chSozialisation von Geschlecht Tore ins Erwerbsleben und zur Konsumkultur weit ge\u00f6ffnet werden (vgl. McRobbie 2010). Was dieser Entwicklungstrend f\u00fcr die Forschungen zur Ge39 gen nicht vereinbar sind (Walgenbach 2015: 34). Welche neuen m\u00e4nnlichen Sozialisationsmuster sich in aktuellen Transformationsprozessen herausbilden, ist eben falls weitgehend ein Forschungsdesiderat. Erste Studien zu M\u00e4nnern in prek\u00e4ren Besc h\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen weisen darauf hin, dass traditionelle M\u00e4nnlic hkeitsmuster f\u00fcr M\u00e4nner aus unteren sozialen Milieus nach wie vor eine zentrale Orientierung darstellen (z.B. D\u00f6rre 2007; Kreher 2007). Offenbar sind tr aditionell m\u00e4nnliche Lebensentw\u00fcrfe gerade f\u00fcr diejenigen M\u00e4nner attraktiv, die sie kaum erreichen k\u00f6nnen (Bereswill Beispiel stellt sich die Frage, ob z un\u00e4chst positiv besetzte Attribute der Transnational Business Masculinity wie Flexibilit\u00e4t, Mobilit\u00e4t oder Autonomie auch mit Verlusten einhergehen, da sie z.B. mit engen sozialen (Familien-)BindunTop Manager sind. Ihre Orientierungen , Werte und Handlungsmuster setzen gegenw\u00e4rtig auch komplizenhafte, unter geordnete und marginalisierte Formen von M\u00e4nnlichkeiten neu in Relation (vgl. Connell\/Wood 2005; Connell 2010). Es ist davon auszugehen, dass die ge sellschaftlichen Entgrenzungsprozesse auch f\u00fcr die Eliten bzw. Repr\u00e4sentanten hegemonialer M\u00e4nnlichkeit neue Herausforderungen darstellen, jene begegnen ihnen jedoch mit anderen Ressourcen und Bew\u00e4ltigungskompetenzen. Aufgru nd besserer \u00f6konomischer und sozialer Ausgangsbedingungen kann Unsich erheit hier eher aktiv gestaltend bew\u00e4ltigt werden (Meuser 2010: 332). Aller dings verst\u00e4rken sich auch f\u00fcr Repr\u00e4sentanten der hegemonialen M\u00e4nnlichkeit die pers\u00f6nlichen Risiken. Zum Bettina Dausien, Katharina Walgenbach Spaltung f\u00fcr diejenigen versch\u00e4rfen, die jenseits des Leistungskollektivs platziert sind. F\u00fcr ihre gesellschaftliche, soziale und kulturelle Integration f\u00fchlt sich auch kein 'aktivierender Sozialstaat' mehr verantwortlich. M\u00e4nnliche Sozialisation im Transformationsprozess Der Strukturwandel der Erwerbsarbeit bedeutet f\u00fcr M\u00e4nner eine Erosion des m\u00e4nnlichen Normalarbeitsverh\u00e4ltnisses (Aulenbacher 2009). Fordistische M\u00e4nnlichkeitskonstruktionen assoziierten M\u00e4nnlichkeit prim\u00e4r mit Beruf und Karriere, wie auch diverse Studien zu m\u00e4nnlichen Sozialisationsprozessen und Lebensentw\u00fcrfen zeigen (z.B. Scholz 20 04; Meuser 2006). M\u00e4nner sind heute in einem neuen Ausma\u00df von Prekarit\u00e4t betroffen, w\u00e4hrend Frauen sich gerade durch den Strukturwandel neue Besch\u00e4 ftigungsperspektiven erschlie\u00dfen konnten (Lengersdorf\/Meuser 2010). Nach Meuser geht M\u00e4nnern durch die Angleichung von 'm\u00e4nnlichen' und 'weiblichen' Erwerbsverl\u00e4ufen gegenw\u00e4rtig ein wichtiges \"Distinktionsmittel\" verloren (Meuser 2010: 331). Aktuelle Prozesse der neoliberalen Globalisierung motivierten Raewyn Connell, ihr Konzept der hegemonialen M\u00e4nnlichkeit neu zu \u00fcberarbeiteten. F\u00fcr Connell und Wood bildet die Transnational Busi ness Masculinity heute eine neue Form hegemonialer M\u00e4nnlichkeit, deren Prototyp global agierende 40 minierungsformen und Subjektivierungspro zesse interessiert? Inwiefern ist es f\u00fcr junge Frauen als Interviewpartneri nnen beispielsweise m\u00f6glich, subjektive McRobbie, werden die Erfolge des Feminismus nun zwar anerkannt, doch seine Inhalte, Protestformen und Utopien werden als unzeitgem\u00e4\u00df ausrangiert. McRobbie spricht hier von einer \"Politik der Desartik ulation\", da gerade durch die Formen der Anerkennung bzw. Inanspruchnahme etwaige Aufrufe zur Erneuerung des Feminismus bereits im Vorfeld diskreditiert w\u00fcrden. Die Dethematisierung von Geschlechterunglei chheit ist f\u00fcr die Autorin demnach ein zentrales Merkmal des neoliberalen Geschlechterregimes (vgl. McRobbie 2010). Was bedeuten diese empirischen Befunde und theoretischen \u00dcberlegungen f\u00fcr eine Sozialisationsforschung, die sich f\u00fcr soziale Ungleichheiten, DiskriKindererziehung aus dem Berufsleben au ssetzen, dann wird dies von den befragten Paaren als Ergebni s individueller bzw. \u00f6konomischer Abw\u00e4gungen interpretiert (Koppetsch\/Burkart 1999). Im Sinne einer neoliberalen Rhetorik werden Entscheidungen wie die Aufte ilung der Elternzeit 'gemeinsam' und 'im Team' entschieden. Sie kommen somit auch nicht als Effekt einer strukturellen Geschlechterhierarchie in den Blick. Nach McRobbie wird jungen Frauen im neoliberalen Geschlechterregime ein neuer 'Geschlechtervertrag' angebote n: F\u00fcr die vollst\u00e4ndige Integration in den Erwerbsmarkt und die Konsumsph\u00e4re verzichten sie auf einen als \u00fcberholt geltenden Feminismus. Im Gegensatz zu traditionellen Backlash-Debatten, so dern) nach wie vor prim\u00e4r traditionelle Formen geschlechtlicher Arbeitsteilungen. Neu ist allerdings, dass diese nicht mehr als geschlechtlich strukturiertes Ungleichheitsverh\u00e4ltnis wahrgenommen werden. Wenn Frauen z.B. f\u00fcr die hierarchien zu kritisieren (vgl. dazu auch Klinger in diesem Band). Koppetsch und Burkart (1999) kommen auf der Basis ihrer empirischen Studie Die Illusion der Emanzipation zu dem Ergebnis, dass eine weit verbreitete Gleichheitsrhetorik die Themati sierung bestehender Geschlechterungleichheiten geradezu verhindert. Sie weisen nach, dass tradierte Geschlechternormen in den meisten sozialen Milieus zwar weitgehend ihre G\u00fcltigkeit verloren haben, dennoch finden sich bei heterosexuellen Paaren (insbesondere mit KinSozialisation von Geschlecht 2007). Einige Autor_innen verweise n zudem auf Momente der Neuaushandlung von Geschlechterarrangements, wenn Frauen beispielsweise ungeplant zu Familienern\u00e4hrerinnen werden (V\u00f6lker 2009). Dethematisierung von Geschlechterhierarchien Ein letztes Beispiel f\u00fcr die Notwendigkeit der Wiederaufnahme gesellschaftsanalytischer Perspektiven in der Sozialisations- und Geschlechterforschung ist die These, dass gerade der j\u00fcngeren weiblichen Generation keine Sprache zur Verf\u00fcgung zu stehen scheint, um die nach wie vor existierenden Geschlechter41 Prozesse der Geschlechterkonstruktion in individuellen Biographien und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse n zu analysieren; und weil sie in der Beantwortung der Fragen bereits einige theoretische Kl\u00e4rungen geleistet haben. zialisation und insbesondere soziologische Theorien der Vergesellschaftung wieder aufzunehmen - nicht weil sie di e richtigen Antworten schon geliefert h\u00e4tten, aber weil sie Fragen stellen, die nach wie vor geeignet erscheinen, um der Subjektbildung zu beziehen oder, ge nauer, das Verh\u00e4ltnis von Subjektbildung und gesellschaftlichen Strukturen in den Blick zu nehmen. Daf\u00fcr, so unser Pl\u00e4doyer, ist es n\u00fctzlich, die versickerte Diskussion um GeschlechtersoWir sehen angesichts der beschrieben en gesellschaftlichen Transformationsprozesse und ihrer enormen Bedeutung f\u00fcr die Geschlechterordnung(en), in und mit denen wir leben, die Notwendigkeit, uns in der erziehungswissenschaftlichen Geschlechte rforschung n\u00e4her mit den entsprechenden Analysen auseinanderzusetzen. Gleichzeitig weisen die skizzierten Gesells chaftsanalysen selbst wiederum ein Forschungsdesiderat auf: die Frage nach der Verkn\u00fcpfung von Subjektwerdung und Vergesellschaftung. Die meisten der aktuellen Studien zu gesellschaftlichen Transformationsprozessen arbeiten zwar die Anrufungen heraus, denen sich Subjekte heute ausgesetzt sehen, aber nicht deren konkrete Bearbeitung durch die Individuen. Inwiefer n werden diese Anrufungen beispielsweise von den Individuen inkorporiert, abge lehnt oder modifiziert? Dieses Forschungsdesiderat veranlasst uns zu der Feststellung, dass die Diskussion zur Transformation von Geschlechterverh\u00e4ltn issen umgekehrt auch einer dezidiert sozialisationstheoretischen Perspektive bedarf. Es geht folglich darum, die Transformation von Geschlechterverh\u00e4ltnissen im Rahmen der Fragestellu ngen und Traditionen unseres Faches, aber diesen auch \u00fcberschreitend, zu verarbeiten. Das bedeutet vor allem, sie auf Prozesse onsforschung auf diese Hera usforderung reagieren? Bettina Dausien, Katharina Walgenbach Erfahrungen von Unterdr\u00fcckung oder 'Opfersein' \u00fcberhaupt zu artikulieren? Mit welchen methodischen Verfahren und Instrumenten kann eine SozialisatiTeil III 4 Ausblick Die beiden Argumentationslinien, mit denen wir uns an das komplexe Thema herangewagt haben, haben gewiss manche Frage nur gestreift und vermutlich mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Dies war durchaus unsere Absicht. 42 modells zu vermeiden und sich daf\u00fcr auf eine theoretisch genaue, empirisch gehaltvolle und materialbezogene An alyse begr\u00fcndet ausgew\u00e4hlter Ph\u00e4nomene zu konzentrieren. Der erhoffte Gewi nn ist die Entwicklung neuer tragf\u00e4higer Begriffe und Konzepte, mit denen wir die Komplexit\u00e4t und (verdeckte) Strukturierung von Sozialisationsproz essen an konkreten Fallbeispielen gedanklich besser fassen k\u00f6nnen. Das klingt nur vermeintlich bescheiden . Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen besteht schon darin, die richtigen Fragen zu stellen und gute Beispiele f\u00fcr ihre Bearbeitung auszuw\u00e4hlen. Es gilt somit, sozialisationstheoretische Fragestellungen 'kleinzuarbeiten' und in th eoretisch und methodologisch reflektierte Forschung zu \u00fcbersetzen. Eine Hilfe auf dem Weg dahin ist - besonders f\u00fcr erziehungswissenschaftliche Forscher_i nnen, die es gewohnt sind, Individuen und ihren sozialen Praktiken in de n Blick zu nehmen - eine kritische gegenw\u00e4rtig vor allem in der Biographieforschung (Dausien 2008; Thon 2008), einer auf In stitutionen und Praxen bezo genen Ethnographie (Breidenstein u.a. 2013), in diskursanalytischen Studien, die empi risch-rekonstruktiv arbeiten (s. noch einmal Hartmann in diesem Band) oder auch in neu entwickelten theoriegeleiteten Konzepten wie der Habitusanalyse (Bremer\/TeiwesK\u00fcgler 2013). Auch theor etisch reflektierte Kombin ationen zwischen quantitativen und qualitativen Ans \u00e4tzen bieten ein noch unau sgesch\u00f6pftes Potenzial f\u00fcr die Bearbeitung sozialisati onstheoretischer Fragestellungen. Entscheidend ist, so unser Fazit aus dem R\u00fcckblick in die Geschichte der Sozialisationsforschung, den Anspruch eines allumfassenden Sozialisationsschen dem Individuellen und dem Sozialen am konkreten Material bzw. 'am Fall' zu rekonstruieren, anders gesagt , die das Gesellschaftliche 'im' Individuum und das Individuelle als Erscheinun gsform des Gesellschaftlichen in den Blick nehmen. Das bedeutet, wir brauche n theoretisch eingebettete und reflektierte empirische Ans\u00e4tze. Hinzu kommt die Aufgabe, die Konstr uktivit\u00e4t des Forschungsprozesses systematisch in Rechnung zu stellen, also die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kontexte der eigenen Forsch ung zu reflektieren und Prozesse der Ko-Konstruktion, die sich daraus ergebe n, in die Analyse kritisch mit einzubeziehen. Ans\u00e4tze, die sich diesen Anspr\u00fcchen verpflichtet sehen, finden sich l\u00e4sst, statt die Komplexit\u00e4t des Themas durch additives An einanderf\u00fcgen von Teil-Theorien und alles umfassenden 'Ebenen' aufzul\u00f6sen. In empirischer Hinsicht sind reflexiv -rekonstruktive Methodologien gefragt, die danach suchen, jenen oft verdeckten 'inneren Zusammenhang' zwiSozialisation von Geschlecht Dabei sollten allerdings Probleme des Sozialisationsansatzes, die in der Vergangenheit erkannt und systematisch ref lektiert wurden (s . Teil I), nicht wiederholt werden. So sind vor allem Ans\u00e4tze aufzugreifen, die in theoretischer Hinsicht eine dialektische Grundkonzeptio n verfolgen, die sich auch in der Analyse singul\u00e4rer Ph\u00e4nomene (an historisch-konkreten F\u00e4llen) anwenden 43 Wien: Verlag d. \u00d6sterreichischen Gewerkschaftsbundes, S. 10-25. Benhabib, Seyla \/ Butler, Judith \/ Cornell, Drucilla \/ Fraser, Nancy (1993): Der Streit um die Differenz. 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Die Kritik am \u00fcberkommenen Sozialisationsparadigma gilt einem Essentialisieren, Homogenisieren und Reifizieren des kulturellen Systems heteros exueller Zweigeschlechtlichkeit, das hier\u00fcber als eine Art \"vorsoziale Wirklichkeit\" (Gildemeister\/Wetterer 1992: 215) hervorgebracht werde. Problematisier ung erfuhr schon zuvor ein \u00fcberdeterminiertes Verst\u00e4ndnis von Geschlecht als zugemutetes Produkt eines unausweichlichen Sozialisationsprozesses. Weiter steht eine unterkomplexe Vorstellung von Identit\u00e4ten zur Disposition, die nicht nur \u00fcber das Geschlecht, sondern zugleich \u00fcber weitere soziale Kategori en, wie etwa ethnische Zugeh\u00f6rigkeit oder sexuelles Begehren, konstituiert sind. Mit dem Konzept einer \"SelbstBildung in sozialen Praktiken\" (Bilden 19 91: 280) lassen sich die Inszenierungen von Geschlecht in so zialkonstruktivistischen Ans\u00e4tzen demgegen\u00fcber als eine Art Bindeglied zwischen Individuum und Gesellschaft fassen und weitere Differenzkategorien ber\u00fccksichtigen. M it Blick auf entsprechende Zug\u00e4nge eines doing gender sind nun jedoch ebenso strukturtheoretische Defizite der handlungstheoretischen Ans\u00e4tze zu beklagen (vgl. Tervooren 2006: 16) wie r\u00fchren, und als ein transformierender Beitrag zu derselben begriffen werden kann. bez\u00fcglichen Debatte nur bedingt nachvollziehbar. Im Folgenden m\u00f6chte ich daher untersuchen, inwiefern die Aufnahme neuer, insbesondere kulturtheoretischer Perspektiven zu begriffliche n Differenzierungen und Transformationen der aktuellen Debatte in der erziehungswissenschaftlichen Frauen- und Geschlechterforschung gef\u00fchrt hat, die zugleich zentrale Fragestellungen und Herausforderungen einer geschlechtsbezogenen Sozialisationsforschung bewird die Aufgabe der Integration des In dividuums in die Gesellschaft zugeschrieben. In einer Verbindung aus wissenschaftlichem Programm und politischem Ver\u00e4nderungsinteresse richtet sich das Erkenntnisinteresse des mit der 'realistischen Wende' der Erziehungswissenschaften in den 1960er Jahren eng verbundenen Sozialisationsparadigmas auf Fragen nach Bedingungen wie Verhinderungen von Emanzipation und da mit nach m\u00f6glichen Ansatzpunkten von Ver\u00e4nderung (vgl. Hage mann-White 2004: 147). Begreifen wir geschlechtsbezogene Sozialisationsforschung als einen vielstimmigen Diskurs, der sich durch unter schiedliche Referenztheorien und die Untersuchung einer gro\u00dfen Bandbreite von Sozialisationsfeldern wie -aspekten auszeichnet, der zugleich aber auch durch kontroverse Debatten und eine immer wieder gegebene Gleichzeiti gkeit des Ungleichzeitigen gekennzeichnet ist (vgl. Metz-G\u00f6ckel 2007: 135ff.), da nn ist die gegenw\u00e4rtige Distanz gegen\u00fcber dem Sozialisationsbegriff bei alle r nachvollziehbaren Kritik an spezifischen Verk\u00fcrzungen, Widerspr\u00fcchen und Ausblendungen innerhalb der diesnur gesellschaftsf\u00e4hig, sondern zugleich auch geschlechtlich werden und dies ihr Leben lang bleiben: Wie verarbeite n die Einzelnen die sie umgebende Realit\u00e4t in produktiver Weise u nd entwickeln dabei f\u00fcr bestimmte soziale Gruppen charakteristische Denk-, F\u00fchl- und Verhaltensweisen? Wie machen sie sich im Prozess ihrer Identit\u00e4tsbildung vorgefundene Standards zu eigen, unterwandern diese dabei aber auch und arbeiten sie um? Sozialisationsprozessen Jutta Hartmann subjekttheoretische Verengu ngen der zur Jahrtausendwende in Konjunktur stehenden mikrosoziologischen Zug\u00e4nge zu bem\u00e4ngeln (vgl. Maihofer 2002). Zum einen bleibt der machtvolle Ra hmen struktureller wie kultureller Ungleichheiten auffallend unterbelichtet, zu m anderen die Frage nach situations\u00fcbergreifenden Kontinuit\u00e4ten des Geschlechtlichseins unbeantwortet. Auch in dezidiert erziehungswissens chaftlichen Studien sind seit den 2000er Jahren explizit sozialisationstheoretische Argumentationen in den Hintergrund getreten. Hier stehen sie im Schatten einer Konjunktur bildungstheoretischer \u00dcberlegungen, die entsprechend dem historisch vermittelten Gehalt des Bildungsbegriffs einer Begr\u00fcndungs perspektive folgend den kritisch-reflexiven Aspekt der Selbst- und Weltverh\u00e4ltnisse fokussieren (m\u00fcssten). Demgegen\u00fcber zielen Fragen, die unter dem Be griff der Sozialisation gestellt werden, einer Beobachtungsperspektive folgend auf die Mechanismen, Voraussetzungen und Folgen der allt\u00e4glichen Vorg\u00e4nge, durch die Heranwachsende nicht 54 ten Studien zu der Debatte \u00fcber Sozialisation in der Geschlechterforschung festzustellen? Worin genau liegen die theoretischen Vers chiebungen und welche Bedeutung kommt ihnen f\u00fcr das Vers t\u00e4ndnis des Geschlechtlichwerdens und -seins zu? Geschlecht leisten und w elche theoretische Relevanz sie dabei mit Blick auf die geschlechtsbezogene Sozialisat ionsforschung entfalten. Wo sind Anschl\u00fcsse, wo Widerspr\u00fcche zwischen Butlers Ansatz und den von ihr inspiriergrundlegende sozialisationstheoretisch e Fragestellungen auf diskurs- und praxistheoretischer Ebene ebenso gegeben wie den genannten Kritikpunkten der Debatte konstruktiv begegnet. Meine weiteren Ausf\u00fchrungen folgen der Frage, welche konkreten Beitr\u00e4ge die \u00dcberlegungen Judith Butlers und die Erkenntnisse der im Anschluss an ihre Theorien durchgef\u00fchrten Studien zur Debatte um die Sozialisation von Weise die Konstruktion heterosexueller Zweigeschlechtlichkeit als ein Ineinander von normativen Zw\u00e4ngen und von Transformationen derselben begriffen werden kann, sind, so die hier vertretene These, Anschlussm\u00f6glichkeiten f\u00fcr immer mehr Studien auf poststrukturalistische Theorien zur\u00fcck, wie sie insbesondere \u00fcber die Rezeption der Schriften Judith Butlers und das Konzept von Heteronormativit\u00e4t Eingang in die erziehungswissenschaftliche Debatte gefunden haben und im Anschluss daran et wa mit dem Diskursbegriff Michel Foucaults, einem Verst\u00e4ndnis von Dekonstruktion nach Jacques Derrida und\/oder dem Begriff der Performa tivit\u00e4t arbeiten. Mit Judith Butlers Verst\u00e4ndnis von Geschlecht als \"eine Praxis der Improvisation im Rahmen des Zwangs\" (Butler 2009: 9) ist es m\u00f6glic h, Geschlecht als eine Aktivit\u00e4t zu begreifen, die \u00fcber Sozialit\u00e4t bedingt ist so wie gebunden an die Wirkkraft \"soziale[r] Normen, die unsere Existenz bestimmen\" (ebd.: 10). Mit Butlers Konzentration auf die Gleichzeitigkeit von normativer Beschr\u00e4nkung und ver\u00e4ndernder Handlungsf\u00e4higkeit des Subjekts, mit ihrer Frage, in welcher Art und von \u00fcber verschiedene Differenzkategor ien konstituierten Identit\u00e4ten untersuchenden - Zug\u00e4nge jedoch so orientiert, dass sie vorherrschende Vereindeutigungen auf der Ebene von Geschlecht (im Sinne von sex , gender und Begehren) dekonstruieren (k\u00f6nnen) (vgl. kritis ch Hartmann 2006, Tuider 2012). Um Mehrdeutigkeiten, Ungleichzeitigkeiten und Kontingenzen von Geschlechtsidentit\u00e4ten und -k\u00f6rpern zu erfassen, greifen in den letzten 15 Jahren daher sentationen der Geschlechterdifferenzieru ng mit Blick auf mehrere soziale Kategorien untersuchen. Nicht selbstvers t\u00e4ndlich sind diese - zunehmend unter dem Begriff der Intersektionalit\u00e4t auftretenden und die Multidimensionalit\u00e4t Transformatorische Denkbewegungen Ausgangspunkt ist die Beobachtung, da ss die Kritik an einer 'Vereindeutigung' von Geschlecht deu tlich langsamer und in geringerem Ausma\u00df als die Essentialismus- und Homogenisierungskr itik Resonanz in der erziehungswissenschaftlichen Frauen- und Geschlechterforschung findet. Zwar nehmen seit den 2000er Jahren solche Analysen zu, die Interaktionen, Praxen und Repr\u00e455 2008: 17). Essenz hervorbringt. Entsprechend konzeptu alisiert Butler das Subjekt als eines, das durch performative Wiederholung bestehender Bedeutungen, Konventionen und Normen m\u00f6glich wird und \u00fcber seine Praxen erst als solches entsteht. Motor dieses Prozesses ist ein letztlich nie zu erreichendes normatives Ideal, das sich \u00fcber Prozesse der \"Sed imentierung\" historis ch unterschiedlicher M\u00f6glichkeiten des Geschlechtlich seins in Form \"leiblicher Stile\" materiell realisiert (ebd.: 206). \u00dcber die als koh\u00e4rent gesetzte Triade sex-gender-desire spielen Praktiken des sexuellen Bege hrens eine wesentliche Rolle im Prozess der Hervorbringung bin\u00e4rer Geschlech tlichkeit. In diesem Sinne erweist sich Geschlechtsidentit\u00e4t als ein Set vo n Handlungen bzw. Akten, \u00fcber die K\u00f6rper in st\u00e4ndiger Wiederholung \"zu kulturell erzeugten Formen der Geschlechtsidentit\u00e4t stilisiert werden\" (e bd.). Insofern kommt dem K\u00f6rper, seinen Gesten, Bewegungen und Stilen zen trale Bedeutung bei der Konstituierung von Geschlecht zu. In einer prozes shaften Materialisierung \u00fcber die Zeit entwickeln heteronormative Geschlechte rdiskurse eine Beharrlichkeit in der Jutta Hartmann 1 Soziale Normen, die unsere Existenz bestimmen Hauptreferenzpunkte in Butlers Gendertheorie 1 In einem ersten Schritt sollen die Gedank en Judith Butlers zum 'Mechanismus' von Geschlecht skizziert werden, die als geeignete Bezugspunkte f\u00fcr sozialisationstheoretische \u00dcberlegungen ersche inen. Es sind ihre diskurstheoretischen Perspektiven, die ausgehend von einer Verkn\u00fcpfung von Sprache, Wissen, gesellschaftlicher Macht und indivi duellem Bewusstsein im Rahmen poststrukturalistischen Denkens einen Zugang zu geschlechtlichen Subjekten erm\u00f6glichen, 2 der diese als materialisierte Effe kte diskursiver Strukturen zu begreifen vermag. Butler (1991: 27) folgend gibt der hegemoniale Geschlechterdiskurs heterosexueller Zweigeschlech tlichkeit einen Vorstellungshorizont f\u00fcr Erfahrungen und Identit\u00e4ten vor und \u00fcbt in seiner bin\u00e4ren Strukturierung den Effekt einer \"zwanghaften Einschr\u00e4nkung\" auf die Darstellungs- und Wahrnehmungsmuster aus. Dabei er\u00f6ffnen Diskurse den M\u00f6glichkeitsraum, in dem Subjekte Lebensf\u00e4higkeit erlangen. Disk urse produzieren Subjekte, indem sich diese \u00fcber jene identifizieren und jene diese durchdringen. Butler vertritt die These, dass wir \u00fcber Handlungen, Gesten und Sprache entgegen der vorherrschenden Vorstellung von Repr\u00e4sentation nicht eine wesenhafte oder nat\u00fcrliche Geschlechtsidentit\u00e4t ausd r\u00fccken, sondern dass es demgegen\u00fcber die Performativit\u00e4t der Geschlechtsidentit\u00e4t ist, die nachtr\u00e4glich selbst die Illusion eines geschlechtlichen Kerns, die Wirkung einer weiblichen oder m\u00e4nnlichen 1 Teile dieser \u00dcberlegungen sind ausf\u00fchrlicher publiziert in Hartmann (2012). 2 Steht der Subjektbegriff f\u00fcr die kulturelle Form, in der die Einzelnen auf geistiger, k\u00f6rperlicher und affektiver Ebene gesellschaftliche Wesen werden, wird mit den Begriffen der Subjektivit\u00e4t und Identit\u00e4t die Art und Weise gefasst, sich selbst zu begreifen (vgl. Reckwitz 56 Figur des konstitutiven Au\u00dfen (ebd.: 23). Mit dieser ist eine grundlegende Abrade verweigerte Bindungen und verweige rte Identifizierungen f\u00fcr die Performativit\u00e4t des Geschlechts sind. In A bgrenzung zu klassisch psychoanalytischen Ans\u00e4tzen, die Identifizierung gleich geschlechtlich und Begehren gegengeschlechtlich konzipieren, vertritt sie die These, dass wir letztlich nicht in der Lage sind, in Fragen der Identifikatio n und des Begehrens nach einem Entweder-oder-Prinzip zu funktionieren (ebd.: 138). So verstanden handelt es sich bei Weiblichkeit und M\u00e4nnlichkeit um Po sitionen, die mit der Heterosexualisierung des Begehrens entstehen, die M\u00f6glichkeiten des anderen Geschlechts verwerfen und vom Verbot der Homosexualit\u00e4t geleitet sind. Zentral wird die mit der Psychoanalyse argumentiert sie, dass Performativit\u00e4t psychisch gerade von den Identifikationen und Begehrenslin ien orchestriert wird, die die Performativit\u00e4t nicht ausdr\u00fccken kann bzw. darf. Sie arbeitet heraus, wie zentral gemit seinen Praxen und s einer Materie durch eine prinzipielle Fragilit\u00e4t und Irritierbarkeit gekennzeichnet ist. Sie geht davon aus, dass wir \"gewisserma\u00dfen gezwungen [sind], die regulierenden Be dingungen des Geschlechts st\u00e4ndig zu wiederholen, wie aber diese Wiederholung vor sich geht, ist teilweise offen\" (Butler 1993: 10; He rvorh. i. Orig.). Zentral im K onzept der Performativit\u00e4t ist die mit der Zitatf\u00f6rmigkeit verbundene Neubedeutung, das Wiederholen von Vorausgegangenem mit dem hierin angelegten Potential zu Erweiterung, Verschiebung und Resignifikation, die Chan ce, \"aus dem Begriff der Geschlechtsidentit\u00e4t als Wirkung produktiven Zwangs Handlungsf\u00e4higkeit ab[zu]leiten\" (Butler 1995: 15). K\u00f6rper erweisen sich so gesehen als Orte kultureller Interpretation, als Felder \"f\u00fcr eine Reihe sich kulturell erweiternder M\u00f6glichkeiten\" (ebd.: 11). Den Ansatz der Performativit\u00e4t weiterentwickelnd verweist Butler (ebd.: 129ff.) auf das Unbewusste als Sitz ve rworfener Geschlechtlichkeit wie auf den phantasmatischen Charakter der Identifizierung. In Auseinandersetzung Transformatorische Denkbewegungen Tiefe des K\u00f6rpers. Butler versteht auch das biologische Geschlecht als \"eine kulturelle Norm, die die Materialisierung von K\u00f6rpern regiert\" (1995: 22) und bietet somit ein Verst\u00e4ndni s von Geschlecht an, bei dem sex schon immer gender ist (Butler 1999: 11). Mit dem Modell der Performativit\u00e4t von Geschlecht macht Butler nicht nur den konstitutiven Zwang zu einer koh\u00e4 renten Geschlechtsidentit\u00e4t nachvollziehbar, sie betont dar\u00fcber hinaus auftretende Instabilit\u00e4t und Diskontinuit\u00e4t und damit die M\u00f6glichkeit, kontingente, d.h. zuf\u00e4llige Verbindungen zwischen sex , gender und Begehren zu stiften, beispielsweise sex weiblich und gender m\u00e4nnlich zu leben. Als deutliche \u00d6ffnung einer reproduktionslogisch ausgerichteten Sozialisationsperspektive interpr etierbar - und in expliziter Weiterentwicklung des in k\u00f6rperbezogenen Sozi alisationstheorien viel beachteten Ansatzes von Pierre Bourdieu - betont Butler, wie durch die Mehrdeutigkeit jedes Diskurses und den Zwang zu st\u00e4ndiger Wiederholung auch der K\u00f6rper 57 Studien, die verschiedene weitere theoretische Bez\u00fcge herstellen, mehr oder weniger ausgepr\u00e4gt auf Butlers Theorien - und dabei auf jeweils verschiedene gr\u00f6\u00dftenteils durch Unberechenbarkeit ge kennzeichnet, bietet dieses - gleichwohl im Horizont diskursiver Rahmung - auch Raum f\u00fcr reflexive Ver\u00e4nderung und somit begr\u00fcndete Anschlussm \u00f6glichkeiten von Bildungs- an Sozialisationsfragen. Im Weiteren soll aufgezeigt werden, wie Butlers Konzept der Performativit\u00e4t, verstanden als \" sensitizing concept \" (Fritzsche 2001), Eingang in empirische Untersuchungen findet, wie dar\u00fc ber theoretisch bedeutsame Verschiebungen f\u00fcr die Sozialisationsforschung fruchtbar gemacht und neue Erkenntnisse zum Prozess des Geschlechtlichwe rdens gewonnen werden k\u00f6nnen. Im Kontext der deutschsprachigen erziehungswissenschaftlichen Frauen- und Geschlechterforschung liegen bislang erst wenige empirische Studien vor, die Prozesse des Geschlechtlichwerdens mit R\u00fcckgriff auf die Theorien Judith Butlers bearbeiten und de ren Potentiale f\u00fcr sozialisati onstheoretische Fragestellungen herausstellen. Die weitere, auf entsprechende Arbeiten zielende Auswahl folgt zugleich den Kriterien , unterschiedliche A ltersgruppen und Sozialisationsfelder zu ber\u00fcck sichtigen sowie anhand der vorgestellten Beispiele einen m\u00f6glichst breiten Einblick in eine Art \"Lexikon f\u00fcr die Geschlechterkomplexit\u00e4t\" (Butler 2002: 6) zu erm\u00f6glichen. So entsteht eine Auswahl an Jutta Hartmann h\u00e4ngigkeit der einen Position von der jeweils anderen gegeben. Das vorherrschende Verst\u00e4ndnis von geschlechtlich er wie sexueller Identit\u00e4t als ein Entweder-oder erweist sich als kulturelle Fikt ion, Differenz - nicht Einheit - als deren konstitutives Element. F\u00fcr ein permanentes unabgeschlossenes Werden stehend, greift das Konzept der Performativit\u00e4t somit drei f\u00fcr die Konstitution des geschlechtlichen Subjekts relevante Ebenen auf - die der Handlung, des K\u00f6rpers und der Psyche. Insofern erscheint es daf\u00fcr geeig net, der Kritik Andrea Maihofers (2002) zu folgen und die Frage nach dem Subjekt, dessen K\u00f6rper und Seele als materielle Realit\u00e4t sozialer Praxen hervortreten , in der Debatte um Sozialisation nicht l\u00e4nger zu marginalisieren. Wie im pos tstrukturalistischen Diskurs Judith Butlers erweisen sich die Begriffe von Subjekt, Handlung und Begehren auch f\u00fcr die Sozialisationsdebatte als zentral. Der theoretisch bedeutsame Unterschied liegt in Butlers Betonung des normativen Gehalts von Geschlecht als gesamtem ( sex & gender ) sowie darin, dass das Subjekt bei Butler weder vor seinen Handlungen existiert - und damit nicht einfach mehr oder weniger frei \u00fcber diese bestimmen kann -, noch von seinen k\u00f6rperlichen Akten oder seiner psychischen Begehrensstruktur getrennt gesehen werden kann. Normative Vorgaben, symbolische Ordnungen und Machtverh\u00e4ltnisse schreiben sich nicht einfach in das Subjekt ein, das Subjekt ist vielmehr aktiv an seinem machtvollen Konstitutionsprozess beteiligt. Dabei werden normative Diskurse nicht einfach reproduziert. Butler beto nt mit dem Konzept der Performativit\u00e4t ein auf verschiedenen Ebenen angesiedeltes Ver\u00e4nderungspotential. Zwar 58 l\u00e4ufigen Begriff des 'Einschreibens' das aktive Moment des Subjekts markiert. Doch w\u00e4hrend Bourdieu die Wiederhol ung der k\u00f6rperlichen Praxen ver\u00e4nderungsresistent entwirft, kann mit Butlers Gedanken der Reinszenierung, f\u00fcr die Tervooren eine Verkn\u00fcpfung der symbolischen mit der sozialen Sph\u00e4re ableitet, auch das Neue in den Blick geno mmen werden: \"Das Ein\u00fcben wiederholt gehend, dass Sozialisation ad\u00e4quat weder als ein passiver Prozess noch als ein in souver\u00e4ner Weise aktiver verstanden werden kann, spricht Tervooren (ebd.: 37) von einem \"Aufwachsen zwischen Tun und Widerfahren\". Sie analysiert Interaktionen und Praxen im Kontext von Schule, in denen die Heranwachsenden vor dem Horizont heterosexueller Zweigeschlechtlichkeit diese aufrufen aber auch unterwandern. Im Mittelpunkt der von ihr entwick elten performativen Sozialisationstheorie steht Bourdieus Begriff des 'Ein\u00fcbe ns', der das g\u00e4ngige sozialisationstheoretische 'Werden' zu spezifizieren vermag und im Unterschied zum geKonzept der Performativit\u00e4t das konstitu tive Verh\u00e4ltnis der untersuchten Kinder zu gesellschaftlichen Normen der Geschlechtsidentit\u00e4t herausgearbeitet werden kann, ohne ihnen ihre Handlungsf\u00e4higkeit abzusprechen. Davon ausWechselbeziehung von empiri schen Erkenntnissen und sozialisationsbezogenen \u00dcberlegungen zu einer \"Skizze einer performativen Sozialisationstheorie\" (ebd.: 9) weiterentwickelt zu haben. Dabei zeigt Tervooren, wie mit Butlers Transformatorische Denkbewegungen Aspekte derselben - zur\u00fcckgreifen und sich auch forschungsmethodologisch deutlich voneinander unterscheiden. Diese Unterschiede im Einzelnen darzustellen, w\u00fcrde den Rahmen dieser Publikation sprengen. 2 'Ein\u00fcben' statt 'Werden' - Elemente und Erkenntnisse einer performativen Sozialisationstheorie Studien, die den K\u00f6rper und seine Prax en als einen Ort der Auseinandersetzung mit geschlechts- und begehrensb ezogenen Normen in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung s tellen, gelingt es mithilfe von Butlers Theorie des Performativen, mikrosoziologische Betrachtung en mit Fragen de r Subjek twerdung zu verbinden. Die dabei nachgezeichneten geschlechts- und begehrensbezogenen Praktiken von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen lassen in unterschiedlichem Ausma\u00df Spielr\u00e4ume im F eld heterosexueller Zweigeschlechtlichkeit sichtbar werden. Diese sind im Alltagshandeln im Rahmen allgemeiner \u00f6ffentlicher R\u00e4ume wie auch in subk ulturellen Orten bzw. ritualisierten Ausnahmesituationen in jeweils sp ezifischer Form nachweisbar. Mit ihrer ethnografischen Studie \"Im Spielraum von Geschlecht und Begehren\" kommt Anja Tervooren (2006) da s Verdienst zu, als eine der ersten zentrale Aspekte der Theorien Butlers nicht nur aufgegriffen, sondern in einer 59 226f.) die f\u00fcr sie vordringlichsten Themen ihres Alters zu bearbeiten: die Setzung als m\u00e4nnliches Ich und die rituelle Trennung vom Weiblichen, die Ann\u00e4herung an Sexualit\u00e4t im Allgemeinen, das Verh\u00e4ltnis zu anderen Jungen und die Beziehung zum anderen Geschlecht.\" (ebd.: Spielr\u00e4ume erweisen sich als kleiner als die der M\u00e4dchen, aber auch Jungen finden \"Mittel und Wege, Identifizierung en mit Weiblichkeit und Besetzungen homosexueller Positionierungen zu erpr oben\" (ebd.). Gleichzeitig arbeitet Tervooren die Fragw\u00fcrdigkeit heraus, die bei Erwachsenen g\u00e4ngige Verkn\u00fcpfung von sex , gender , Begehren und Sexualit\u00e4t auf Kinder zu \u00fcbertragen. Wie das Geschlecht begreift die Forscherin auch das Begehren als ereignishaft und st\u00e4ndig aufzuf\u00fchren. So ka nn sie nachzeichnen, wie genussvoll die Kinder verschiedene Begehrensweisen durchspielen und wie sie, den Zwang zur heterosexuellen Positionierung erfa ssend, sich mit dem Tabu der Homosexualit\u00e4t auseinandersetzen. Ankn\u00fcpfend an Butlers Betonung der Sozialit\u00e4t des geschlechtlichen Tuns arbeitet Tervooren die kollektive Natur wie die Bedeutung der Peer-Group als zen trales Feld der Erprobung heraus und spezifiziert so die sozialisationstheoretische Bedeut ung, die der Beziehung zu anderen im Prozess des Ein\u00fcbens von Geschlecht in diesem Alter zukommt: und gegengeschlechtlichem Begehren in de m Prozess, in dem sie \"immer wieder zu M\u00e4dchen und Jungen werden\" (ebd.: 37), nutzen. So kommt Tervooren zu der Erkenntnis, dass viele M\u00e4dchen \"sich auch im Alltag an den Geschlechterinszenierunge n der Jungen [orientieren; J.H.], w\u00e4hrend letztere Weiblichkeit nur spielerisch e rproben, um ihre Beziehung zu dieser bald wieder zu verwerfen\" (ebd.: 225). Die von den Jungen verwendeten gesichts ihres phantasmatischen Charak ters instabil und anfechtbar bleiben (ebd.: 35f.). Indem sie die wiederholende Aktivit\u00e4t des Subjekts, den zwingenden Charakter der Verfehlung sowie das in der Reinszenierung liegende Potential der Neusch\u00f6pfung ber\u00fccksichtig t, kann Tervooren nicht nur herausarbeiten, welche Traditionen die Kinder weiterreichen, sondern auch, welche Spielr\u00e4ume sie beim Ein\u00fcben von Weiblichkeit und M\u00e4nnlichkeit, von gleichnes K\u00f6rpers\" (ebd.: 18) vollzieht, di e Bezugnahme auf vorg\u00e4ngige Handlungen eine \u00e4sthetische ist und sich die gesellschaftlichen Machtverh\u00e4ltnisse im Prozess der Verk\u00f6rperung zwar allm\u00e4hlich im Habitus verfestigen, jedoch ansches Verh\u00e4ltnis von \u00c4hnlichkeit und Differenz generiert\" (ebd.: 23). Tervooren l\u00e4sst am empirischen Material nachvollziehbar werden, wie sich die \"Unterwerfung des Subjekts unter die symbolische Ordnung [...] in den Akten seiJutta Hartmann etwas, ohne dass sie [die Reinszenierung; J.H.] das Vorgegebene blo\u00df ausdr\u00fccken w\u00fcrde, es zeigt sich als Transformation des Bestehenden, das ein spezifi\"Was bei den M\u00e4dchen \u00fcber das Primat der gleichgeschlechtlichen Clique und der besten Freundin als N\u00e4he auch zu Homosexualit\u00e4t nur anklingt, inszenieren die Jungen offensiv vor der Kamera. Das spielerische Auff\u00fchren homosexueller Sexualpraktiken erm\u00f6glicht ihnen, Tervoorens Skizze einer performativen Sozialisationstheorie erweist sich als ein gelungener Versuch, mit R\u00fcckgriff auf das Konzept der Performativit\u00e4t 60 die mit der m\u00e4nnlichen Geschlechtsidentit\u00e4t der boys einhergehende heterosesituationen nachvollziehbar, die mit de n normativen Dualit\u00e4ten von m\u00e4nnlich und weiblich, von homo- und heterosexue ll nicht mehr zu begreifen sind und die - von Fritzsche als \"begehrende Ide ntifizierung\" und \"identifikatorisches Begehren\" begriffen - die vorherrsche nde Geschlechterordnung unterlaufen und zugleich \"die Wirkungsmacht der heterosexuellen Matrix\" best\u00e4tigen (ebd.: 94). Fritzsche vertritt die These, dass die \"Fragilit\u00e4t einer koh\u00e4renten Geschlechtsidentit\u00e4t\" f\u00fcr Kinder in de r \u00dcbergangsphase zur Adoleszenz offensichtlich deutlicher wahrnehmbar ist al s f\u00fcr Erwachsene, weswegen die beginnende Adoleszenz als ein \"Raum f\u00fcr Unsi cherheiten und \u00c4ngs te, jedoch auch f\u00fcr einen besonders kreativen Umgang mit dem Gesetz\" einzusch\u00e4tzen ist (Fritzsche 2004: 88). So be richtet ein zu ihrem Fan-Se in interviewtes M\u00e4dchen von dem Ger\u00fccht, dass ihre Boygroup ei gentlich aus M\u00e4dchen best\u00fcnde. Die Sorge dieses M\u00e4dchens, die boys k\u00f6nnten girls und ihr Begehren wom\u00f6glich lesbisch sein, wertet Fritzsche als Hinweis darauf, dass es dem M\u00e4dchen um den Bedingungen ihres Sozialisationspr ozesses entsprechen. Die Praxen der M\u00e4dchen erweisen sich demgegen\u00fcber als ein dynamischer Vorgang, bei dem im Zuge komplexer Begehrensverh\u00e4ltnis se und wechselnder Identifizierungen normative Vorstellungen st\u00e4ndig durchkreuzt werden. Am Beispiel von M\u00e4dchen, die bei einem Auftritt ihre m\u00e4nnlichen Stars imitieren und sich dabei von anderen M\u00e4dchen mit Liebeszurufen feiern lassen, arbeitet die Forscherin heraus, wie die M\u00e4dchen zugleich ein gleich- wie ein gegengeschlechtliches Begehren in szenieren. Butlers \u00dcberlegungen zur unbewussten Dimension von Geschlecht folgend macht Fritzsche Begehrensauch innerpsychische Faktoren in ihrer diskursiven Bedingtheit ber\u00fccksichtigt. Einen kreativen Umgang mit normativ en Vorgaben ar beitet auch Bettina Fritzsche (2003) in ihrer empirischen St udie zu kulturellen Praktiken des FanSeins bei M\u00e4dchen am \u00dcbergang von der Kindheit zur Jugend heraus. W\u00e4hrend dieses Fan-Sein h\u00e4ufig als der In begriff von Heterosexualisierung begriffen wird, dokumentieren die Interviews mit M\u00e4dchen, die Fans von Boy und Girl Groups sind, deren aktive Auseinandersetzung mit der Geschlechterdichotomie und der Norm der Heterosexu alit\u00e4t. Sie belegen, da ss die Wirkungen entsprechender Medien auf die M\u00e4dchen keine kausalen sind, die Folgen nicht Transformatorische Denkbewegungen struktur- und handlungstheo retisch orientierte Perspektiven zusammen zu denken und dabei Macht als sowohl in den St rukturen verortet als auch \"von den einzelnen Subjekten in den H\u00e4nden gehalten\" (ebd.: 36) wahrzunehmen. Mit den Begriffen der Resignifikation und des Phantasmatischen bereichert Tervooren die Sozialisationsforschung mit theor etischen Perspektiven, die es erm\u00f6glichen, Spielr\u00e4ume beim Ein\u00fcben in das normative Geflecht heterosexueller Zweigeschlechtlichkeit sichtbar un d uneindeutige Geschlechterinszenierungen in ihrer Komplexit\u00e4t auf eine Weise erkl\u00e4rbar werden zu lassen, die 61 anderes Geschlecht ausgehend (ebd.: 244) signalisieren sie ein Verst\u00e4ndnis ihres K\u00f6rpers als gestaltbar es Instrument und ihrer Identit\u00e4t als ver\u00e4nderbar. panischer Rock-Musiker*innen. Entsprechend unterstreichen die Protagonist*innen ihre Abkehr von eindeutigen Geschlechtszugeh\u00f6rigkeiten \u00fcber die Darstellung eines schmalen und schlan ken K\u00f6rpers und langer bunter Haartracht, durch auf K\u00f6rper und K\u00f6rper gef\u00fchl wirkende Kleidung und Accessoires sowie durch das Annehmen gesc hlechtlich nicht markiert wirkender japanischer Namen. Auch von der M\u00f6glichkeit einer \"Umgew\u00f6hnung\" in ein lisierbar erscheinen (ebd.: 214). Dass die Wissenschaftler* in auf \u00f6ffnende Praktiken zumeist unmittelbar folgend auch schlie\u00dfende Praktiken von der Person selbst oder eine*r Interaktions teilnehmer*in beobachten kann (ebd.: 244ff.), best\u00e4tigt den auch in der besonderen Fastnachtsituation wirksam bestehen bleibenden heteronormativen Rahmen. Deutlich in einem subkulturellen Kont ext verortet, in dem das Spiel mit den Geschlechtern eine zentrale Rolle sp ielt, untersucht die Studie von Nadine Heymann (2014) Codes und (K\u00f6rper-)Routinen der Protagonist*innen zu analysieren, die quer zu einer ve reindeutigenden Entweder-oder-Matrix liegt. Wie das Verworfene auch im Erwachse nenleben einen ritualisierten Raum erhalten kann, macht Kerstin Bronner ( 2011: 35) in ihrer Studie nachvollziehbar, die \"meist unbewusst, tempor\u00e4r und spontan\" sich vollziehende \"Genderspiele\" bei Fastnachtteilnehmenden untersuch t und die These vertritt, dass der \u00fcber das Setting der Fastnacht gegebene Freiraum genutzt werde, um im heteronormativ strukturierten Alltag nicht zugelassenen Bed\u00fcrfnissen zu folgen. Ihre ethnografische Untersuchung, wi e Geschlechterbilder handlungspraktisch verhandelt werden, zeigt u.a., inwiefern \"Hexenrolle und -kost\u00fcm\" experimentelle M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume f\u00fcr homosoziale und -erotische Kontak te und K\u00f6rperlichkeiten er\u00f6ffnen, die au\u00dferhalb derselben zwischen M\u00e4nnern als kaum reagebenheiten ausgeht, sondern durch Suchbewegungen charakterisiert ist. Fritzsche arbeitet eine variantenreiche Bewe gung des Ann\u00e4herns an und Entfernens von normative(n) Vorlagen heraus und l\u00e4sst so ein performatives Einkreisen der sexuellen Identit\u00e4t sichtb ar werden. Der R\u00fcckgriff auf Butlers Theorie der Performativit\u00e4t erm\u00f6glicht es auch Fritzsche, so zialisationsrelevante Zusammenh\u00e4nge auf der Ebene von Geschlecht und Begehren in einer Komplexit\u00e4t Jutta Hartmann xuelle Symbolisierung ihres Fan-Seins ge ht. Die Forscherin erkennt das sexuelle Selbstverst\u00e4ndnis des M\u00e4dchens als eines, das nicht von nat\u00fcrlichen Ge3 des Visual Kei. Deren subkulturelle Kritik an der gesellschaftlichen Ordnung artikuliert sich in einer \u00e4sthetischen Praxis und K\u00f6rperlichkeit, die mehrdeutige geschlechtliche K\u00f6rper und bisexuelles Bege hren erm\u00e4chtigen. Als diskursive Vorlagen dienen den Jugendlichen geschlechtlich veruneindeutigte K\u00f6rper ja3 Die Protagonist*innen des Visual Kei bestehen der Perspektive der Forscher*in folgend vor allem aus M\u00e4dchen sowie aus einigen transgeschlechtlichen Jungen und wenigen cis-m\u00e4nnlichen Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen. 62 sozialisiert worden zu sein. Mit Butler l\u00e4sst sich dies als eine Normaneignung lesen, \"die sich gegen de ren geschichtlich sedimen tierte Wirkungen richtet\" Personenstands\u00e4nderung anstrebend Testosteron nimmt und eine operative Entfernung der Brust plant. Er begreift sich als \"' von geburt an ein junge'\" (ebd.: 53) seiend und weist die Annahme der Forscherin zur\u00fcck, als M\u00e4dchen insbesondere auf k\u00f6rperlicher, visueller und \u00e4sthetischer Ebene. Da die Forscherin sie dagegen kaum auf rationaler oder reflexiver Ebene findet, spricht sie von widerspenstigen, nicht jedoch von widerst\u00e4ndigen Praxen (ebd.: 223). Auch lassen sich Br\u00fcche zwischen Praxen und Sprache der untersuchten Protagonist*innen feststellen. Nur we nige verwenden Begriffe wie transgeschlechtlich, transsexuell oder trans* zur eigenen Vero rtung. Die meisten k\u00f6nnen mit diesen Bezeichnungen kaum etwas anfangen und greifen in der Selbstbeschreibung auf im dichotomen Denken verhaftete Begriffe wie 'kerlig' oder 'androgyn' zur\u00fcck. In Ermangelung einer alternativen Sprache f\u00fcr ihre Selbstverortung quer zu heterosexueller Zw eigeschlechtlichkeit entsteht ein auffallendes Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen einem unreflek tierten praktischen Wissen auf der einen und dem dominanten gesellschaftlichen Wissen, an dem die Protagonist*innen sprachlich partizipieren, auf der anderen Seite. Wie zugleich an das subkulturelle Feld herangetragene Begriffe wie Trans* scheitern k\u00f6nnen, macht Heymann am Beispiel von Mero deutlich, der eine proben; in der \"ritualisier ten Wiederholung wird di e Synchronit\u00e4t zwischen sexueller Identit\u00e4t und Begehren\" zugleich auch in Frage gestellt (ebd.: 186). Die Auseinandersetzungen mit normativen Vorlagen erfolgen im Visual Kei Mangas als eine Selbsterm\u00e4chtigungsstrategie der diese Praxis ausf\u00fchrenden M\u00e4dchen. Diese besetzen Sexualit\u00e4t nich t nur positiv und verm\u00f6gen im Erfinden der Geschichten den Umgang mit Liebe, Begehren und Sexualit\u00e4t zu erSelbst verschoben zu hegemonialen Ge schlechternormen liegend, entfalten die Praktiken des Visual Kei in ihrer Wiederholung nun jedoch einen stabilisierenden Niederschlag in einer subkult urellen Normalit\u00e4t, die \u00fcber subkulturelle \"Kreisl\u00e4ufe der Anerkennung\" (ebd.: 221f.) uneindeutige Subjektpositionen mit subkulturellem Kapital privilegiert. Als der herrschenden Ordnung widerstreitend erweist sich im Visual Kei auch das Begehren. Bisexualit\u00e4t ist konstitutiv f\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndnis in di eser Subkultur, das Schreiben von Boys' Love Mangas eine beliebte Praxis. Dabei handelt es sich um von und f\u00fcr M\u00e4dchen sowie h\u00e4ufig von ihnen gemeinsam verfasste pornografische Liebesgeschichten \u00fcber schwule Jungen und M\u00e4nner, die zart und feminin gezeichnet sind. In der Gleichzeitigkeit von Identifik ation und Begehren gegen die Regeln der symbolischen Ordnung versto\u00dfend, interpretiert Heymann Boys' Love Transformatorische Denkbewegungen Heymann interessiert sich f\u00fcr Subjektformen, die sich in k\u00f6rperlichen Handlungen bilden. Sie konzeptualisiert die Effekte wiederho lender Praxis Butler in Anschluss an und Abgrenzung von Bourdieu folgend - mit der \"Denkfigur der Sedimentierung\" (ebd.: 22 1), wobei sie sowohl die m\u00f6gliche Stabilisierung wie auch das gegebene Potential der Transformation betont. 63 tersuchen, auch der kritisierten Tendenz zur Vereindeutigung heterosexueller Zweigeschlechtlichkeit in der Sozialisations forschung zu bege gnen: \"So ger\u00e4t tifizierungsverh\u00e4ltnisse in den Blick. Die vorgestellten Studien zeigen, wie es dar\u00fcber hinaus m\u00f6glich ist, \u00fcber Zug\u00e4ng e, die sich mit gender- und heteronormativen Vorgaben auseinandersetzen und zugleich deren \u00dcberschreitung unund offen f\u00fcr neue Bedeutungen zu konzeptualisieren. In einer die Debatte dynamisierenden Weise gelingt es den in diesem Abschnitt vorgestellten Studien nicht nur werdende und seie nde, sondern auch verworfene bzw. in unterschiedlichen Kontexten in verschiedener Weise doch lebbare nicht-normative geschlechtliche und sexuelle Praxen und Existenzweisen sichtbar und in ihrer Hervorbrin gung als einen Mechanismus von Gender nachvollziehbar zu machen. Der dekonst ruktiven Perspektiv e Butlers folgend, der entsprechend die Ausschlie\u00dfungslogik von Normen auf das verweist, was sich diesen nicht f\u00fcgt, verschiebt sich mit R\u00fcckgriff auf ihre Theorie das Erkenntnisinteresse der Sozialisationsforschung auch auf die Geschlechtergrenzen und die M\u00f6glichkeiten zu deren Verschiebung. Deutlich \u00f6ffnen die auch in Verbindung mit weiteren Theorien entwickelten St udien den Blick auf Praxen, die nicht in der hegemonialen Ordnu ng aufgehen. Dabei leistet der in den Studien vorgenommene Bezug auf Butlers Konzept der Performativit\u00e4t einen Beitrag dazu, sowohl die Reproduktion als auch den Wandel der gesellschaftlich-kulturellen Ordn ung systematisch zu erfassen und empirisch zu konkretisieren, in welcher Weise normative Vorgaben zugleich Spielr\u00e4ume f\u00fcr eine ver\u00e4ndernde Praxis enthalten. Das bere ichernde Moment f\u00fcr die Sozialisationsforschung liegt in der theoretischen Sensibilisierung f\u00fcr die dem Sozialisationsprozess inh\u00e4renten Bedingungen und Grenzen der M\u00f6glichkeit der Transformation von stets mit normativen Disk ursen verbundenen Praxen und Identit\u00e4tsmustern. Mit der M\u00f6glichkeit der Verschiebung von Geschlechtergrenzen kommt nicht nur eine real gelebte Vielf alt geschlechtlicher und sexueller Subjektpositionen und damit zusammenh\u00e4ngend komplexer Begehrens- und IdenWirklichkeit br\u00fcchig werden k\u00f6nnen\". W ill Sozialisationsforschung der in ihrem Forschungsdesign angelegten Tende nz der Vereindeu tigung begegnen, gilt es daher nicht nur offen zu sein f\u00fcr die Praxen, die \u00fcblicherweise durch die Raster der g\u00e4ngigen Ord nung fallen, wie f\u00fcr die Vi elfalt an geschlechtlichen und sexuellen Existenzweisen , sondern genau hier mit der Praxis der Kritik anzusetzen und in diesem Sinne die Kategorien selbst als situiert, prozesshaft 'Trans*' in dieser Forschungssituation scheitert, vermag auch die Bezeichnung 'Junge' die spezifische Lebenslage von Mero letztlich nicht zu fassen. Butlers kritischer Haltung gegen\u00fc ber kulturellen Bedeutun gen und Kategoriensystemen folgend kann Nadine Heymann (2014: 286) mit ihrer Studie \u00fcberzeugend aufzeigen, wie auch \"theoretische Konzepte und Kategoriensysteme in der Konfrontation mit den Widerspr\u00fcchlichkeiten und Mehrdeutigkeiten sozialer Jutta Hartmann und, als auflehnendes Moment interpre tiert, die \"Zukunft durch den Bruch mit der Vergangenheit begr\u00fcndet\" (Butler 1998: 225). Doch wie der Begriff 64 Erkenntnisgewinn die f\u00fcr die Sozialisati onsforschung wesentlichen Dimensionen der Lebenszeit und -geschichte mit Butlers diskurstheoretischer Fassung von Geschlecht zusammengef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Einem entsprechenden Zugang folgt Marc Thielen (2009) in seiner Studie \u00fcber in Deutschland lebende iranische M\u00e4nner, die aufgrund ihrer 'sexuellen Orientierung' ihr HerkunftsVerschiebungen in den Praxen oder - wie im n\u00e4chsten Kapitel aufgegriffen in erz\u00e4hlten Lebensgeschichten beschreib- und erkl\u00e4rbar gemacht. erm\u00f6glicht, sich der Pluralit\u00e4t von Ge schlechtsidentit\u00e4ten a uf der Ebene der Geschlechterdimensionen selbst zuzuwenden und damit einer Komplexit\u00e4t von Geschlecht, wie sie durch Butlers \u00dcberlegungen zur Kontingenz von sex , gender & desire , zur inh\u00e4renten Differenz als konstitutivem Bestandteil von Identit\u00e4t sowie zur zeitlichen Instabilit\u00e4t von Geschl echtlichkeit aufgrund der Notwendigkeit wiederholter Reartikulati onen des Subjekts als kennzeichnend f\u00fcr Geschlecht verstehbar wurde. Eine entsprechend weiterentwickelte pe rformative Sozialisationstheorie stellt Unterschiede nicht einfach reproduzier end fest, sondern l\u00e4sst sie in deren Machtf\u00f6rmigkeit wie Kontingenz und Be weglichkeit nachvollziehbar werden. Strukturierende Machtverh\u00e4ltnisse we rden weder verleugnet noch hypostasiert, daf\u00fcr aber subversive M\u00f6glichk eitsr\u00e4ume des Sozialisationsprozesses mit in den Blick genommen und non-konforme Uneindeutigkeiten, Br\u00fcche und Transformatorische Denkbewegungen die Br\u00fcchigkeit des Sozialisationsproze sses, die zwischen der Auseinandersetzung mit abstrakten Geschlechtern ormen und deren notwendigem konstitutivem Verfehlen in ihren eigentlichen A uff\u00fchrungen angesiedelt ist, in den Blick\" (Fritzsche\/Tervooren 2006: 159). Es ist die mit der Theorie der Performativit\u00e4t gegebene Fokussierung auf die Spielr\u00e4ume von Geschlecht, die es 3 Dynamisch und dezentriert lebensgeschichtliche Dimensionen und die Wechselseitigkeit von Differenzkategorien Lebensgeschichten gelten als Orte biografisch erfahrener oder sich im Erz\u00e4hlen vollziehender Lern- und Ver\u00e4nderun gsprozesse. So verstanden erm\u00f6glichen sie es nachzuvollziehen, wie vielf \u00e4ltig wiederholte Prax en und Diskurse sich im Laufe der Zeit zu dauerhafteren Strukturen des Seins und zu Selbsttheorien verfestigen sowie aktuelle Se lbstpr\u00e4sentationen orchestrieren; wie folglich auch heteronormative Zweigeschlechtlichkeit konserviert oder beispielsweise im Falle spezifischer Lebenserfahrungen transformiert wird. Im Folgenden soll anhand einer empirischen Studie er\u00f6rtert werden, mit welchem 65 weder des Herkunfts- noch des Ziellande s - aufgehen. Insbesondere am Beispiel der als \"Geschichte reflexiver Identit\u00e4tsentgrenz ung\" (ebd.: 155ff.) portr\u00e4tierten Biografie zei gt sich, wie innerhalb einer Lebensgeschichte verschiedene sexuelle Selbstverortungen eingenommen werden k\u00f6nnen und wie wenig sich Begehren \"als eine stabile Gr\u00f6\u00dfe begreifen\" l\u00e4sst, \"die zu einem bestimmten biografischen Moment feststeht\" (ebd.: 219). zepte in der Migration ein ver\u00e4ndertes sexuelles Selbstverst\u00e4ndnis sowie eine Lebensweise mit gleichgesc hlechtlichen Liebesbeziehung en auftritt (ebd.: 170). Gleichzeitig erleben die Akteu re diese neue Selbstve rortung subjektiv ganz unterschiedlich. Die Evaluation reicht von der Verst\u00e4rkung erlebter Traumatisierungen durch den ho mogenisierenden Sexualit\u00e4ts diskurs der Einwanderungsbeh\u00f6rde \u00fcber innere Konflikte ange sichts eigener verfestigter heteronormativer Normalit\u00e4tsvorstellungen bis hin zu einer - als \u00fcber Bildungsprozesse mittels Literatur, Filme und Kontakte zur schwulen Subkultur erm\u00f6glicht beschriebenen und positiv be werteten - Identifikation als 'schwul' mit einer sp\u00e4teren - vermutlich \u00fcber die Teilhabe an entsprechenden De batten orchestrierten - Distanzierung von zunehmend als einschr\u00e4nkend erlebten Identit\u00e4tsmodellen hin zu einem offenen geschlech tlich-sexuellen Selbstverst\u00e4ndnis. Thielen verdeutlicht, dass die vielf\u00e4ltigen Lebensweisen, \u00fcber die sich die interviewten M\u00e4nner begreifen, kaum in den dominanten Sexualit\u00e4tsdiskursen sich die Akteure \"in ihren biografischen Erz\u00e4hlungen immer wieder auf fertige Muster, auf Identit\u00e4tsh\u00fclsen, die ihnen in den unterschiedlichen Kontexten der Herkunfts- und Zielgesellschaften offe riert werden\", beziehen und wie sie diese identifizierend aneignen, aber auch modifizierend verschieben. Als zentral f\u00fcr das eigene sexuelle Selbstverst\u00e4n dnis erweisen sich die unterschiedlichen Diskurse zu gleichgeschlechtlichem Begehren, mit denen die Interviewten in bedeutenden Phasen ihres Lebens in Kontakt kommen. Vor dem Hintergrund famili\u00e4rer Sozialisationserfahr ungen in Kindheit und Jugend, die ausschlie\u00dflich durch heterosexuelle Normalit \u00e4tsvorstellungen charakterisiert waren, ist f\u00fcr die Interviewten ein lebensgeschichtlicher Rahmen gegeben, der ihre weitere biografische Arbeit strukturiert. Thielen arbeitet heraus, wie bei einigen der Interviewten ihre im Erwa chsenenalter im Iran gelebte Sexualit\u00e4t zwischen M\u00e4nnern zun\u00e4chst nicht mit einer identit\u00e4ren Subj ektverortung oder Lebensweise einhergeht und erst durch die Konfrontation mit verschiedenen Sexualit\u00e4tsdiskursen und durch die Aneignung vorgefundener Identit\u00e4tskonJutta Hartmann land verlie\u00dfen. Die Studie macht nachvo llziehbar, wie transkulturelle Erfahrungen zu biografisch ver\u00e4nderten Ko nstruktionen von M\u00e4nnlichkeit und Sexualit\u00e4t im Migrationskontext f\u00fchren. Butlers Theorie der diskursiven Ko nstruktion von Identit\u00e4ten mit narrativem Interviewmaterial zusammenf\u00fchrend kann Thielen herausarbeiten, wie 66 listischen Sicht auf Macht\/Reproduktion und Befreiung\/Transformation widersteht. bzw. Grenzlinien zwischen sozialisations- und bildungstheoretischen Fragen, die einer duaschenswert erscheint mir eine weitere Auslotung der theoretischen \u00dcberschneidungen von arbeitung der offensichtlich konstitutiven Geschlechtsnormen\" im Prozess der Wiederholung. Damit bindet sie Subversion an ein reflektiertes Wiederholen, gleichwohl sich auch diese Reartikulation weder als voluntaristisch noch als v\u00f6llig kontrollierbar erweise. W\u00fcnlungsf\u00e4higkeit nicht f\u00fcr jedwede Verschiebung ein, sondern explizit f\u00fcr eine \"kritische Umselbst nimmt keinen Bezug auf den Bildungsbegriff, setzt jedoch bspw. den Begriff der Handhen, sondern als Dynamisierung in einem den Sozialisationsprozess kennzeichnenden und im Horizont heterono rmativer Diskurse liegenden kontingenten Spielraum - als eine Dynamisierung, die mit Butler gesprochen als eine Art \"Improvisation im Rahmen des Zwangs\" (Butler 2009: 9) zu erkunden w\u00e4re. Subjekt erst werden , was es bereits meint zu sein\" (ebd.: 112; Hervor. i. Orig.). Dabei regen Butlers diskurs- und differ enztheoretische Perspektiven die biografiebezogene Sozialisationsforschung an, das Interesse von der bisherigen Konzentration auf Verstetigung und Verfestigung nicht nur auf das mit der Verzeitlichung gegebene Potential der Vers chiebung und Ver\u00e4nderung des Geschlechtlichwerdens zu lenken, sondern s ich auch \"st\u00e4rker dem Uneindeutigen, dem Dazwischen und dem Widerstreitig en\" (Thielen 2009: 264) zuzuwenden. Dieses gilt es diskurstheoretisch betrach tet nun wiederum nicht als radikalen Bruch oder als jenseits bestehender Machtbedingungen lokalisiert zu versteTransformatorische Denkbewegungen Sind Diskurse \u00fcber Subjekte \"f\u00fcr die gelebte und aktuelle Erfahrung eines solchen Subjekts konstitutiv \" (Butler 1993: 132; Hervo rh. i. Orig.) und entstehen spezifische Selbstverst\u00e4ndnisse, Ha ndlungsstrategien und Lebensweisen im untrennbaren Zusammenspiel von Erfa hrungen und Diskursteilhaben, dann hat sich biografieorientierte Sozialisa tionsforschung f\u00fcr die durch die Lebensgeschichten flie\u00dfenden Diskurse zu interessieren, die die Interviewten aufgreifen und weitertragen und dabei gegebenenfalls auch ver\u00e4ndern. Ein solches Subjektverst\u00e4ndnis ist anschlussf\u00e4hig an ein Verst\u00e4ndnis von Biografie, das diese als einen \"Ort oder ein generatives Prinzip der Hervorbringung sozialen Handelns und gesellschaftlicher (Differe nz-)Verh\u00e4ltnisse\" (D ausien 2006: 30) begreift. Generiert werden in den Proz essen des Erz\u00e4hlens jedoch auch die Subjekte selbst, denn - so Nadine Rose (2012) - die Geschichten, mit denen die biografische Forschung arbeitet, erz\u00e4hlen weniger \"\u00fcber das Werden des Subjekts\", sondern vielmehr l\u00e4sst \"das Erz\u00e4hlen dieser Geschichte [...] das 4 Dar\u00fcber hinaus l\u00e4sst eine differenzth eoretische Sensibilisierung gegen\u00fcber der Inkoh\u00e4renz von Hete ro- wie Homosexualit\u00e4t die in den Erz\u00e4hlungen auftretenden Widerspr\u00fcchlichkeiten und Vielsch ichtigkeiten in ih rem ebenso unberechenbaren wie hervorbringenden Charakter begreifen. Entsprechend kann 4 Im Unterschied zu den bildungstheoretischen Ankn\u00fcpfungen an Butlers Theorieprogramm von Nadine Rose und Hans-Christoph Koller (2013) w\u00fcrde ich diese Improvisationen nicht ohne weitere Differenzierung als Bildungsbewegungen kennzeichnen und weiter pr\u00fcfen wollen, welche Art von Verschiebung oder Transformation entsprechend welcher Kriterien als Sozialisation und welche als Bildung qualifiziert werden kann bzw. sollte. Butler (1995: 15) 67 welche diskursiven Angebote halten mit welcher - z.T. unintendierten - Wirkung Einzug in p\u00e4dagogische Prozesse bzw. sollten dies begr\u00fcndet tun? tierung begriffen werden kann (ebd.: 1 66). So weist die Studie nicht nur Homogenit\u00e4tsmythen \u00fcber die vermeintlich patriarchal-konservative Sexualit\u00e4t von Migranten zur\u00fcck, sie legt auch wiederholt den Abschied von der Idee nahe, es g\u00e4be so etwas wie \"universell g\u00fcltige, eindeutig katalogisierbare sexuelle Orientierungen\" (Castro Varela\/Dhawan 2009: 106). Marc Thielens Studie macht nachvollzieh bar, wie sich in der wechselseitigen Bedingtheit verschiedener Differe nzkategorien uneinheitliche, zum Teil widerspr\u00fcchliche Diskurse und kulture lle Codes vermischen. Entsprechende konzeptionelle Verschiebungen verm\u00f6gen Sozialisation als einen vielschichtigen Prozess auszuweisen, der nicht nur ni cht f\u00fcr alle gleich verl\u00e4uft, sondern vielmehr vielfach nach situativen, so zialen, (sub)kulturellen, institutionellen, biografischen, geografischen, politischen und historischen Kontexten und damit zusammenh\u00e4ngenden Ordnungsverh\u00e4ltni ssen zu differenzieren ist und das Nachdenken \u00fcber 'Geschlechtlichwerden und -sein' entsprechend weiter qualifiziert. Zus\u00e4tzlich finden s ich in Thielens Studie Hinweise auf die Bedeutung, die Bildungsangeboten im Prozess der Sozialisation zukommen kann. Diesem Aspekt soll im Folgenden weiter nachgegangen werden. Jutta Hartmann Thielen den dynamischen Charakter vo n geschlechtlich-sexuellen Lebensweisen in der Migration und deren Dispersi on an den Kreuzungen verschiedener Differenzen rekonstruieren, ohne identit\u00e4 tslogische Kurzschl\u00fcsse zu produzieren. Zugleich verdeutlicht die Studie, wie vermessen es w\u00e4re, mit westeurop\u00e4ischen Zielgesellschaften der Migration verbundene Sexualit\u00e4tsdiskurse als per se emanzipativ zu begreifen. Thielen arbeitet heraus, wie sich Heteronormativit\u00e4t hier auch in Verkn\u00fcpfung mit Ra ssismus konstituiert und das angebotene Identit\u00e4tskonzept einer schwulen Identit\u00e4t auch als sexuelle Reglemen4 Gender-non-konforme Positionierungen p\u00e4dagogische Herausforderungen auf dem Weg zu einer neuen Geschlechterkomplexit\u00e4t Interessiert sich Sozialis ationsforschung, einem politis chen Impetus folgend, auch f\u00fcr Fragen nach den M\u00f6glichke iten von Emanzipation, der Lebbarkeit alternativer Geschlechtsordnungen und dem produktiven Beitrag, den (p\u00e4dagogische) Bildung hierzu leistet, da nn hat sich erziehungswissenschaftliche Forschung reflexiv auch eigenen Ansatzpunkten und Herausforderungen zuzuwenden: Welchen S ubjekten gilt die p\u00e4dagogische Aufmerksamkeit, welche Ausschl\u00fcsse werden dabei - oft entgegen besserer Absicht - produziert und 68 gen, wie im R\u00fcckgriff auf diese erneut bestehende Differenzordnungen aufgerufen und nur bedingt ver\u00e4ndert reinstalliert werden. Demgegen\u00fcber kann Kleiner die fragw\u00fcrdigen Effekte id entit\u00e4tsorientierter Ans\u00e4tze aufzeigen und mender Praktiken in der Schule sowie M\u00f6glichkeiten eines selbstbewussten Entgegentretens herausarbeiten. Vielmehr gelingt es ihr wiederum selbst vereinfachenden Emanzipationsmodellen gegen\u00fcber sensibilisierend aufzuzeiOrdnung, als er*sie in einer biografisc hen Zeit der geschlechtlichen und sexuellen Suchbewegung dem Zwang vereinde utigender Identifizierung folgt. Sich mit der Selbstpositionierung als schwul implizit m\u00e4nnlich verortend, \u00fcbergeht Jannes ein vage wahrgenommenes k\u00f6rper liches Unbehagen, eine m\u00f6gliche geschlechtliche Ambivalenz und verschlie\u00dft s ich mit dem 'Outing' zun\u00e4chst weiteren Optionen des Identifizierens u nd Begehrens. Seine Handlungsf\u00e4higkeit erweist sich so als durch eine wide rspr\u00fcchliche Gleich zeitigkeit gekennzeichnet, erm\u00e4chtigend positioniert und norma lisierend unterwirft er sich gegen\u00fcber der vorgefundenen Ordnung. Sensibilisiert durch Butlers Subjekttheorie \"einer ma chtkritischen und performativen Lesart von Differenz\" (ebd.: 262) kann Kleiner nicht nur die weiterhin bestehende geschlechtsbezogen zurichtende Wirkm\u00e4chtigkeit besch\u00e4denn auf das Selbstverst\u00e4ndnis und die Alltagspraxen der Menschen blicken, die sich deutlicher an der Grenze heterosexueller Zweigeschlechtlichkeit verorten. Dem begegnen Studien wie die v on Bettina Kleiner (2015a), die gendernon-konforme Jugendliche, di e sich als lesbisch, schwul, bisexuell oder transidentisch verstehen, zu ihren Erfahrungen in der Schule befragt und dabei auf ein Feld fokussiert, das Butler folgend (2014: 183f.) in besonderer Weise durch eine Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr wie eine Verl etzlichkeit durch Normen entlang verschiedener Differenzordnungen gekennzei chnet ist. Diese gehen nicht nur mit Platz zuweisenden, sondern auch mit privilegierenden oder benachteiligenden Anrufungen und Zuschreibungen einher, mit denen die Einzelnen einen Umgang finden m\u00fcssen, wobei sie im Bestreben, anerkannt zu sein, \"bestimmte W\u00fcnsche und Sehns\u00fcchte verleugne[n] ode r zerst\u00f6r[en]\" (ebd.: 185). So berichtet beispielsweise Jannes (vgl. Kleiner 2015b: 265ff.) \u00fcber wiederholte homophobe Besch\u00e4mungen in einer Zeit, in der er*sie sich selbst noch nicht mit Fragen geschlechtlicher oder sexue ller Identit\u00e4t besch\u00e4ftigt habe. Unter den Verletzungen leidend und von der anwesenden Lehrperson ermutigt, positioniert sich Jannes im Zuge eines Klassenvortrags zum Thema Mobbing spontan als homosexuell. Die spezifische Situ ation erm\u00f6glicht es ihm*ihr, hier\u00fcber eine machtvollere Position einzunehme n und das eigene Befinden in der Schule deutlich zu verbe ssern. Im emanzipativ-selb stbewusst erscheinenden 'Ja, ich bin schwul' unterwirft Jannes sich jedoch insofern der dominanten Transformatorische Denkbewegungen Barbara Sch\u00fctze (2010: 71f.) problema tisiert mit Blick auf erziehungswissenschaftliche Studien, dass diese eher auf allt\u00e4gliche Grenzverwischungen 69 konkretisiert und lebbar wird\" (ebd.: 407). Die skizzierten Studien zu non-konformen Geschl echtlichkeiten sensibilisieren daf\u00fcr, wie Sozialisation nicht nu r mit Blick auf die Reproduktion der sozialen Ordnung, sondern auch auf eine explizite Emanzipation von derselben normativ fundiert bleibt. Sie unterstreichen den Stellenwert von alternativem kollektiven Rahmen ausloten zu k\u00f6nnen. Sie leitet die Notwendigkeit von R\u00e4umen und Praxen ab, in denen \"andere Formen von Beziehungen, andere Selbstverh\u00e4ltnisse und Lebensweisen gestaltet werden k\u00f6nnen, in denen Freiheit ternativer Normen [verweis t]\" (2010: 45). Entsprechend erkennt Schirmer in der Destabilisierung hegemonialer Wisse nsweisen eine Bedingung der M\u00f6glichkeit, alternative geschlechtliche Existenzweisen ausdr\u00fccken und in einem Pathologisierung entgegengetreten werden kann. Anhand kollektiver Praxen zeichnet die Autorin M\u00f6glichkeiten nach, Geschlecht 'anders' zu leben. ten in einer heteronormativit\u00e4tskr itischen P\u00e4dagogik eintreten. Ebenfalls auf Butlers ethisch-normativen Impetus einer \u00d6ffnung geschlechtlicher M\u00f6glichkeiten Bezug nehm end untersucht Uta Schirmer (2010) Erfahrungen mit gender-non-konformen Positionierungen, die nicht im Rahmen formaler Bildung, sondern in einem informellen Setting situiert sind. Die Forscherin interessiert sich f\u00fcr die tr ansformierende Wirkung heteronormative Geschlechtlichkeit bewusst \u00fcbertretender Praxen auf das geschlechtliche Selbstverh\u00e4ltnis der von ihr interviewten Personen, die sich innerhalb des subkulturellen Raums der deutschsprachigen Drag King-Szene bewegen. So beispielsweise Filip, der sich mit der Einn ahme von Testoste ron k\u00f6rperlich wohler f\u00fchlt und als Mann gesehen werden m\u00f6chte (ebd.: 408). W\u00e4hrend er sich als Transmann versteht, lehnt er es jedo ch als Zumutung ab, sich zugleich auch als Mann empfinden zu sollen. Davon ausgehend, ein 'weibliches Wesen' zu besitzen, will er dieses leben. Indem sie verschiedene Weisen der Verk\u00f6rperung und Identifizierung rekonstruiert, arbeitet Schirmer (2007: 46) heraus, wie \"die Frage nach einer die Person bestimmenden 'inneren' geschlechtlichen Wahrheit wirksam zur\u00fcck\" gewiesen und den mit vorherrschenden Geschlechtszumutungen verbundenen Effekten wie Selbstzweifel, Scham oder Jutta Hartmann \u00fcberzeugend f\u00fcr ein Thematisieren von Differenzordnungen mit deren Herstellungspraxen sowie f\u00fcr das Er\u00f6rtern von m\u00f6glichen Irritationen und Unklarhei5 Dabei, so wird deutlich, geht es vergleichbar dem Gedanken der Performativit\u00e4t jedoch ni cht darum, diese Potentiale einfach freizulegen, vielmehr besteht die Heraus forderung darin, diese produktiv zu entwickeln. Die Forscherin betont in Anschluss an Butlers Buch Undoing Gender , wie diese \"die M\u00f6glichkeit der Anf echtung hegemonialer Normen nicht mehr vorwiegend aus deren 'innerer' In stabilit\u00e4t heraus [bestimmt], sondern [...] explizit auf die Notwendigkeit und auch M\u00f6glichkeit der Entwicklung al5 Gleichwohl bleiben die Alternativen auch hier prek\u00e4r. Hegemoniale Geschlechterdiskurse \"ergreifen und positionieren\" die Interviewten weiterhin, sie strukturieren deren Selbstbez\u00fcge mit (ebd.: 48). 70 deren \u00fcber die Studien zu Performativ it\u00e4t nachgewiesene M\u00f6glichkeit zu fassen, sich dynamisch in Rissen der vorherrschenden Ordnung zu bewegen. Zugleich w\u00fcrde der anhand biografischer Studien hervorgehobene Aspekt eines zwar kontinuierlichen, zugleich jedoch in unterschiedlichen Situationen, Kontexten und Zeiten verlaufenden und dabe i potentiell mit ganz verschiedenen Diskursteilhaben und Selbstverst\u00e4ndni ssen verbundenen Prozesses nicht ber\u00fccksichtigt werden . Nicht zuletzt bliebe die durc h die zuletzt genannten Studien in Erinnerung gerufene Erkenntnis unbedacht, dass die Norm selbst in verschiedenen Versionen auftritt und in stets widerspr\u00fcchlichen Auseinandersetzungsprozessen kein eindeutiges oder gar stabiles Sozialisationsergebnis hervorzubringen vermag (vgl. Butler 20 14: 179). Und: Wenn die Norm den Bereich des Sozialen umrei\u00dft, dann bl eibt ein m\u00f6gliches Au\u00dferhalb von ihr immer in Bezug zu dieser Norm defini ert. Dadurch sind die \"Spielarten von Gender, die nicht in das bin\u00e4re Muster passen, [...] ebenso Teil von Gender wie jedes seiner zutiefst normativen Beispiele\" (Butler 2009: 74). tion zu begreifen, tr\u00e4fe den Kern der mi t poststrukturalistischen Theorien erm\u00f6glichten Verschiebung nicht. Auch wenn es zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Kulturkreis so etwas wie vergleichbare Erfahrungen und entwickelte Charakteristika geben mag, w\u00fcrde eine entsprechende Interpretation die Annahme vorg\u00e4ngiger Identit\u00e4ten aufrufe n. Damit w\u00fcrde sie es verpassen, nicht nur die konstitutive Bedingtheit der jeweiligen Subjekte, sondern auch m\u00f6glicher Existenzweis en gekn\u00fcpft ist. Studien zu non-konformen Geschlechtlichkeiten einfach als Beitr\u00e4ge zu einer 'anderen' oder 'besonderen' lesbischen, schwulen oder trans*-Sozialisastituierung erfolgt\" (Butler 2009: 31). Zu einer ze ntralen Bildungsaufgabe avanciert es, sich f\u00fcr Identifizierungsprozesse zu interessieren und zu erkennen, inwiefern die spezifische Existenz des Subjekts an den Verlust anderer Transformatorische Denkbewegungen Wissen wie (kollektiven) Reflexionsprozessen als notwendige Bedingung erweiterter geschlechtlicher M\u00f6glichkeiten, die zugleich sozial lebbar sind. Um Geschlecht nicht l\u00e4nger auf Weiblichkeit u nd M\u00e4nnlichkeit zu reduzieren, regt Butler \"ein neues, legitimierendes Lex ikon f\u00fcr die Geschlechterkomplexit\u00e4t\" an (2002: 6). Ein erster Schritt hierzu mag darin liegen, die Rede von Geschlechterdifferenzen zu erweitern. Sie markiert dann auch die Differenz zwischen normativen und non-konforme n Geschlechterpositionen, wobei auch diese Dualit\u00e4t in Frage steh t. Einblicke in Bildungsinstitutionen zeigen, dass sich die in diesem Kontext nahegelegten Selbstverst\u00e4ndnisse im Vergleich zu fr\u00fcheren Zeiten zwar als moderat vervielf\u00e4ltigt, jedoch zugleich nach wie vor identit\u00e4tslogisch begrenzt erweisen und einer dynamisierenden Revision bed\u00fcrfen. Die Geschlechtsidentit\u00e4t als disk ursiv gebunden zu verstehen justiert Bildungsperspektiven neu: \"Wenn ich immer von Normen konstituiert werde, die nicht von mir stammen, dann muss ich verstehen k\u00f6nnen, wie diese Kon71 als h\u00e4ufig angenommen, und dass sic h, ohne die verschiedenen Paradigmen gleichzusetzen, zentrale Ber\u00fchrungspunkte aufzeigen lassen. Die Diskussion ausgew\u00e4hlter Studien in Anschluss an Butle r belegt, wie diese in der Lage sind, \u00fcber diskurs- wie praxistheoretische \u00dcberlegungen wiederholt bem\u00e4ngelten struktur- wie subjekttheoretischen Ve rengungen der deutschsprachigen Debatte um Sozialisation und Geschlecht k onstruktiv zu begegnen. Eine in Anschluss an Butlers Theorien transfor mierte Sozialisationstheorie kann Kritiklinien und Verschiebungen der Sozialisationsdebatte integrieren: Mit einer deutlichen Betonung der gesellschaftlich-kulturellen Dimension der Subjektbildung erscheint das in s einer Psyche wie in seinem K\u00f6rper entessentialisierte Subjekt mit Blick auf seine Handlungsf\u00e4 higkeit gleichwohl nicht \u00fcberdeterminiert. Am kontinuierlichen Tun der Subj ekte festhaltend erlaubt das Konzept der Performativit\u00e4t die Dominanz der Strukturen und damit auch Aspekte wie Gewalt und Verletzlichkeit als wichtige Sozialisationsfaktoren in der Debatte zu halten. Die performative Verschiebung \u00f6ffnet den Weg, Fragen nach dem Wie und dem Warum sichtbar gewordener Differenzen zu erhellen, d.h. die Frage, in welcher Weise sich die jeweilig e Differenz konstituiert und existiert, mit der machttheoretischen Frage, welch e Rolle Sprache, Wissen und Normen dabei spielen, zu verbinden. Das in de n Praxen liegende Aufrufen wie Untergraben normativer Vorlagen, die Gleichzeitigkeit im Hervorbringen und Verwerfen spezifischer Subjektpositionen, di e wechselseitige Wirkkraft verschiedener Differenzkategorien wie die Be r\u00fccksichtigung damit zusammenh\u00e4ngenvistisch zu Recht in Erinnerung gerufe ne aktive Gestaltungspotential der Individuen in den Hintergrund und vermochte die Relationalit\u00e4t von Geschlecht kaum zu erfassen. In diesem Aufsatz wurde die These vertreten, dass poststrukturalistische Perspektiven, wie sie am Beispiel der Theorien Judith Butlers vorgestellt wurden, weniger antagonistisch zum sozialisationstheoretischen Paradigma stehen Jutta Hartmann 5 Transformatorische Denkbewegungen dynamisierte Sozialisationstheorie Sozialisationsforschung versucht ni cht nur Reproduktions- und Wandlungsprozesse in der Relation von Individuum und Gesellschaft zu erfassen, sie durchl\u00e4uft vielmehr selbst Transforma tionen der Diskursivierung: W\u00e4hrend zun\u00e4chst mittels Rollentheorie deutlich politisch ausgerichtet gegen biologistische Begr\u00fcndungen Positi on bezogen, Macht- und Gewaltverh\u00e4ltnisse thematisiert und die Gesellschaftlichkeit de r Geschlechterkategorie herausgestellt wurden, erschien mit eng konstruktivistisch ausgerichteten mikrosoziologischen Studien des doing gender das Potential zur Kritik sowohl den Verh\u00e4ltnissen wie dem eigenen Verhalten gegen\u00fcber stark eingeschr\u00e4nkt. Demgegen\u00fcber trat im Paradigma geschlechtsspezifischer Sozialisation das konstrukti72 griffen der Moderne nicht aus und dekont extualisiert auch den Begriff der Freiheit, statt ihn zu verwerfen: \"[...] jede Handlungsf\u00e4higkeit, auch die der Freiheit, steht in Bezug zu einem erm\u00f6g lichenden und begrenzenden Feld von Zw\u00e4ngen\" (Butler 1995: 28). Entgegen einer Befreiung als radikalem Dagegen w\u00e4ren Kritik und Emanzipation so gesehe n an eine reflexive Schleife auf das eigene Verhaftetsein gebunden. Eine transformierte Sozialisationsforschung mag Bildung neue Anregungen hierf\u00fcr bieten. f\u00f6rdert, mag ihr das Potential zukommen, solch befreiende Impulse anzubieten, ohne einem umfassenden Befreiungsversprechen zu folgen. Butler schlie\u00dft die M\u00f6glichkeit einer Wiederaneignung von als problematisch erkannten BeSubjekts legen das Moment der bewussten Transformation - der Suche nach anderen M\u00f6glichkeiten zu denken, zu tun und zu sein - als eine Form von Kritik und Befreiung nahe. Wenn Bildung die Handlungsmacht des Subjekts beFoucault (1977) das gesells chaftliche Individuum, das sich als widerspr\u00fcchliches Subjekt seiner Vielf\u00e4ltigkeit gewahr wird und sich zu seinen Weisen der Unterwerfung reflektierend verh\u00e4lt. Foucaults \u00dcberlegungen zum Ethos des schen dem Konzept der Performativit\u00e4t und \u00fcblichen Sozialisationstheorien liegt somit in der Theoretisierung des Spannungsverh\u00e4ltnisses von Autonomie und Heteronomie. Gilt Subjektivit\u00e4t als entscheidender Ansatzpunkt von Macht und Subjektivierung als zentrale r Ort gesellschaftlich-kultureller Aushandlung, dann ist das Individuum nich t in die gesellschaftlich-kulturelle Ordnung heterosexueller Zweiges chlechtlichkeit integriert, sondern mittels dieser Struktur als Subjekt konstituiert. Desse n Handlungsf\u00e4higke it kann nicht souver\u00e4n, sondern nur im Horizont gesells chaftlich-kultureller Diskurse und Praxen entwickelt werden. Auch wenn hier keine terminologische \u00dcbereinstimmung zur bisherigen Sozialisationsdebatte besteht, ist der Geda nke einer Emanzipation nicht v\u00f6llig verworfen. Denn Ansatzpunkt einer Bewegung zu mehr Freiheit ist mit schaft diese im Grunde dennoch zun\u00e4chst getrennt entwerfen, stehen sich Subjekt und Diskurs in poststrukturalistisch en Zug\u00e4ngen nicht als zwei separat denkbare Dimensionen gegen\u00fcber, die ei nander lediglich beeinflussen. Das Subjekt ist hier stets diskursiv und de r Diskurs subjektiv hervorgebracht und Geschlecht als ein Mechanismus der Konstitution von mit Diskursen gleichurspr\u00fcnglichen Subjekten entworfen. Ein entscheidender Unterschied zwider Komplexit\u00e4t des Geschlechtlichwerden s und -seins anzun\u00e4hern. Sichtbar werden Spielr\u00e4ume und Geschlechterord nungen, die mit den bisherigen Theorieperspektiven nicht in den Blick gekommen sind. Widerspr\u00fcche verbleiben in den vo rherrschend verwendeten Begrifflichkeiten. Im Unterschied zu bisherigen sozialisationstheoretischen Ans\u00e4tzen, die in der Untersuchung des Wechselverh\u00e4ltnisses von Individuum und GesellTransformatorische Denkbewegungen der Diskriminierungserfahrungen mark ieren Facetten einer poststrukturalistisch reformulierten Sozialisationstheorie, die geeignet daf\u00fcr erscheint, sich 73 Butler, Judith (1999): Gender Trouble. 2 S. 102-121. Dausien, Bettina (2006): Geschlechterverh\u00e4ltnisse und ihre Subjekte. 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In jedem Fall gibt der Titel eine Koppelung vor, in der der Sozialisationsprozess als Motor, als 'Transformato r' oder als Mittler gefasst wird, der das Verh\u00e4ltnis von geschlechtlichen I ndividuen und Ges ellschaft modelliert bzw. die Frage aufkl\u00e4ren soll, wie die Struktur des Geschlechterverh\u00e4ltnisses in der jeweiligen Gesellschaft beschaffe n ist, tradiert wird und auf die Individuen einwirkt. Meine \u00dcberlegungen zu diesem Themenfeld haben mich zu der These gef\u00fchrt, dass die derzeit beobachtbaren Tendenzen in der Rede \u00fcber 'Geschlecht', in den Zuschreibungen an Fr auen\/M\u00e4dchen und M\u00e4nner\/Jungen, in Inszenierungen und Theoretisierunge n von M\u00e4nnlichkeit und Weiblichkeit zwar ein breites Feld von widerspr\u00fcch lichen Positionen abbilden, dabei aber dennoch in einigen Grundlinien \u00fcberein stimmen und diese dadurch gewisserma\u00dfen gemeinsam befestigen. Mir schein t sich dabei eine Art Bem\u00fchen zu zeigen, Geschlecht, Geschlechterordnu ng und Geschlechterverh\u00e4ltnisse unterkomplex nicht als in sich widerspr\u00fcchlich erscheinen zu lassen, sondern Mogende Jahrbuch gege ben hat, unterstellt zweierlei: einen Zusammenhang der gereihten Begriffe und dass dieser Zu sammenhang unklar oder jedenfalls diskussionsw\u00fcrdig sei. Ob dabei die Bewegung von hinten nach vorne gedacht und ihre Probleme Zugewinne und Fallen aktuelle Ver\u00e4nderungen in Geschlechtervorstellungen Barbara Rendtorff Der Titel \"Geschlecht - Sozialisation - Transformation\", den sich das vorlie- onen. erkennen - in beiden Gruppen zeigen sich sehr traditionelle, aber auch differenzierte Positikann dabei \u00fcbrigens keinen deutlichen Unterschied zwischen Studentinnen und Studenten verbunden mit Zuwendung\/Zuneigung und mit W\u00e4rme (daher auch die prominente Verwendung der 'W\u00e4rme-Dimension' in der sozialpsychologischen Stereotypenforschung), denn 'W\u00e4rme' ist die konkrete erfahrungsbezogene Seite der \"ziemlich abstrakten Idee\" dessen, was metaphorisch \"Zuneigung\" genannt dieses Zugest\u00e4ndnis jedoch die basa len stereotypen Zuschreibungen an m\u00e4nnlich und weiblich offenbar nur sehr selek tiv tangiert. Dies deckt sich mit Befunden und \u00dcberlegungen an anderer Ste lle, die zeigen, dass die in der sozialpsychologischen Forschung seit langem als Geschlechtstypisierung beschreibendes Gegensatzpaar etablierte Gege n\u00fcberstellung von W\u00e4rme\/Expressivit\u00e4t und Kompetenz\/Instrumentalit\u00e4t - kurz: von communion und agency - in Bewegung geraten ist. Dabei werden agency , Kompetenz und Leistungsf\u00e4higkeit zunehmend auch Frauen zugeordnet, w\u00e4hrend die communion -Zuschreibung jedoch exklusiv bei ihnen verbleibt (vgl . z.B. Eckes 2004; Ebert\/Steffens 2012: 28; Metz-G\u00f6ckel 2014; Lehner 2015). Mit communion sind hier der grunds\u00e4tzlich Frauen zugeschriebene Aspekt des 'Bezogenseins', eine \"Fokussierung auf andere Menschen\" (Ebert\/Steffens 2012: 28) sowie die aus dieser Vo rstellung abgeleiteten Verpflichtungen gemeint. In dem seit dem 19. Jh. ausgestalteten Bild von b\u00fcrgerlicher M\u00fctterlichkeit, der liebenden Mutter im Kreise ihrer Kinder, ist diese Bezogenheit eng erweisen wird, m\u00f6chte ich sie hier zur Diskussion stellen und zun\u00e4chst erl\u00e4utern, was mich zu dieser \u00dcberlegung bewogen hat. Mein erster Anlass beruht auf Erfahrungen im universit\u00e4ren Alltag. [Sweet Paprika]) Barbara Rendtorff Kinderbad (\"Prinzessinnenbad\" und \"S iegerbad\" von B\u00fcbchen) bis zum Knabberzeug (Pom-B\u00e4r \"Only for Boys\" [Wild Paprika] und \"Only for Girls\" 1 muss als offensive Vereindeutigungsstrategie der Komplexit\u00e4tsreduktion eingesch\u00e4tzt werden - auch wenn zun\u00e4chst unklar bleibt, ob es sich um Re-Souver\u00e4nisier ungsbem\u00fchungen (Forster 2 006) handelt oder ob hier Gegenbewegungen gegen ein bereits eingetretenes Br\u00fcchigwerden der 'heteronormativen Matrix' zum Au sdruck kommen. Fest steht jedenfalls, dass Kinder und Jugendliche heutzutage sehr vi el ausdr\u00fccklicher von vereindeutigenden Geschlechterbildern bedr\u00e4ngt werden als in den vergangenen Jahrzehnten, dieser Prozess und seine Folgen bislang aber noch kaum differenziert analysiert worden sind. Ohne sicher zu sein, dass meine These sich als weiterf\u00fchrend 2 In vielen \u00c4u\u00dferungen und Hausarbeiten von Stud ierenden f\u00e4llt mir auf, dass sie zwar eine gro\u00dfe ausdr\u00fcckliche Bereitschaft zeigen, M\u00e4dchen und Frauen zuzugestehen, dass sie 'dasselbe k\u00f6nnen' und 'tun d\u00fcrfen' wie Jungen und M\u00e4nner, dass 1 Vgl. als ersten Einblick http:\/\/www.buzzfeed.com\/philippjahner\/komplett-uberflussig-gegenderte-produkte. 2 Sie stammen aus Eingangsfrageb\u00f6gen in Seminaren und aus schriftlichen Arbeiten, die nicht systematisch ausgewertet wurden, und geben insofern eine pers\u00f6nliche Erfahrung wieder. Ich 78 Denn die Mischung aus Zugewinn an Kompetenz und gleichzeitiger exklusiver Zuordnung zum 'Bezogensein' hat ja f\u00fcr M\u00e4dchen\/Frauen als Kehrseite zur Folge, dass sich f\u00fcr Jungen und m\u00e4nnliche Jugendliche keine Verbreiterung ihrer M\u00e4nnlichkeitsvorstellungen ergibt - im Gegenteil: Auf der einen Ebene (agency und Kompetenz) machen die M\u00e4dchen ihnen Konkurrenz oder \u00fcberholen sie gar, aber zu der anderen Ebene ( communion ) erhalten sie keinen Zugang. Im \u00dcbrigen ist aus vielen empiri schen psychologischen Studien bekannt, Presse und teilweise sogar in p\u00e4dagogi schen Schriften nahegelegt. Dabei verstellt die Interpretation dieser Ver\u00e4nderun gen als 'Gewinn' und 'Verlust' an Leistungsf\u00e4higkeit und -output den Blick auf den eigentlich wichtigen Punkt. einer studentischen Arbeit der Hinweis darauf, dass heutzutage die Jungen die Bildungsverlierer seien und das \u00dcberma\u00df an Frauen in p\u00e4dagogischen Berufen daf\u00fcr verantwortlich sei - diese Einsch\u00e4tzung wird den Studierenden ja in der Entwicklung', in der diese Zugewinne als selbstt\u00e4tig geschehene und fortschreitende Modernisierungserfolge erscheinen ('heutzutage' haben sich die Vorstellungen 'gewandelt') od er aber als Ergebnis feministischer Aktivit\u00e4ten ('die Frauen haben [nur] die M\u00e4dchen gef\u00f6rdert und es dabei zum Nachteil der Jungen \u00fcbertrieben'). Wie bei einer Waage scheint der 'Gewinn' auf der einen Seite selbstt\u00e4tig einen 'Verlust' auf der anderen zu evozieren. So fehlt in kaum k\u00f6nne(n), welchen geschlechterbezogenen Lebensentwurf oder sexuelle Orientierung er oder sie leben will, doch we nn es 'grunds\u00e4tzlich' wird, dann zeigt sich, dass die \u00dcbernahme von Sorge f\u00fc r Kinder, soziale Belange (Kindergarten, Schule, Nachbarschaft) und Wohnlic hkeit des Hauses als erwartbare Orientierung den Frauen weitg ehend ungebrochen, aber stillschweigend zugeordnet ist. Dass dies 'stillschweigend' geschi eht, hat zur Folge, dass diese Zuordnung dem Diskurs entzogen wird und gewisserma\u00dfen absinkt auf eine Ebene fundierender Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Die gro\u00dfz\u00fcgig gew\u00e4hrten Zugest\u00e4ndnisse an weib liche Zugewinne sind zudem oftmals eingebettet in eine sehr enge Vorstellung von 'fortschrittlicher und Benachteiligung von Kindern erwerbst\u00e4tiger M\u00fctter von der p\u00e4dagogischen Forschung ja seit langem zur\u00fcckgewiesen worden ist. Nach meinem Eindruck gehen viele Studi erende also davon aus, dass heutzutage jede\/r, insbesondere junge Erwachsene wie sie selbst, frei entscheiden ten gesteckt' werden, weil 'ihre Mutter ke ine Zeit f\u00fcr sie hat'. Es tauchen hier relativ h\u00e4ufig Formulierungen auf, die an die 'Schl\u00fcsselkinder'-Debatte der 1970er Jahre erinnern - wobei deren These einer grunds\u00e4tzlichen Gef\u00e4hrdung (a.a.O.: 36). Dies begegnet mir beispielsweise in studentischen Arbeiten, wenn Kinder von den Studierenden adressiert werden als bed\u00fcrftiger Teil von Familien, als Angewiesene, denen Mitgef\u00fchl geb\u00fchrt, wenn sie 'in den KindergarZugewinne und Fallen - aktuelle Ver\u00e4nderungen in Geschlechtervorstellungen wird (Lakoff\/Wehling 2008: 21). Und eben diese 'W\u00e4rme-Dimension', so zeigen auch Ebert\/Steffens, ist als weibliches Stereotyp nach wie vor ungebrochen 79 aktiven Beteiligung des Sub jekts an seiner Pers\u00f6nlic hkeitsentwicklung durch seine individuelle Art und Weise der Verarbeitung von Erfahrungen und Umwelteinfl\u00fcssen zwar durchaus inspirierend, aber es l\u00e4sst sich hier ein zeittypischer, schwerwiegender Umschlag beob achten: von der Vorstellung eines MitBeteiligtseins des Individuums an seinen Lebensumst\u00e4nden und seinem Bildungsprozess zur selbstt\u00e4tigen und selb stverantworteten Konstruktion seiner selbst, seiner Lernprozesse und der Au sgestaltung seiner Geschlechtlichkeit als frei gew\u00e4hltem und selbst verantwortet em Prozess. Dem, was hier als Selbst\u00e4ndigkeit ausgegeben wird, liegt also eine verk\u00fcrzte und verf\u00e4lschende Vorstellung von Autonomie bzw. Freiheit zu grunde, in der die sich aus Begrenzungen, Angewiesensein und Selbstve rantwortung ergebenden Widerspr\u00fcchlichkeiten gewisserma\u00dfen banalisie rt werden. Mit der Beschreibung geschlechtstypischer Sozialisation als einer selbst induzierten 'Herstellung' von Geschlecht zu einem selbst arrangierten Tableau verschwinden die Dramen des den Gewohnheit der H\u00f6herbewertung als m\u00e4nnlich eingestufter T\u00e4tigkeitsfelder die den Frauen zugeordneten Arbe iten gewisserma\u00dfen 'automatisch' mit entwertet. Die Doppelzuordnung von agency als Gewinn der Frauen und communion als ihre \u00fcberdauernde Verpflicht ung und spezifisch bleibende Kompetenz erweist sich so gesehen nicht einfa ch als Zugewinn, sondern zugleich auch als eine Falle, und sie ist vor allem auch deshalb riskant, weil sie ein Einfallstor f\u00fcr romantisierende modernit\u00e4tskritische und wertkonservative Kritik an der \"Emanzipation als Irrtum\" (Kahlert 2007: 196) anbietet. Hier ergibt sich nun, als zweiter Au sgangspunkt meiner \u00dcberlegungen, eine Verbindung zu einer spezifischen Denk- und Argumentationsfigur auf einem anderen Terrain, auf dem ebenfalls die Frage von 'Zugewinn und Falle' diskutiert wird. In der etwa mit dem Ausdru ck 'Selbstsozialisation' nahegelegten Vorstellung 'w\u00e4hlt' das Kind aus dem zur Verf\u00fcgung stehenden Angebot das aus, was 'zu ihm passt'. Grunds\u00e4tzlich ist die (auf Hurrelmanns Paradigma des produktiv realit\u00e4tsverarbeitenden Subjekts zur\u00fcckgehende) Vorstellung einer 322 und passim). Dies alles ist selbstverst\u00e4ndlich ein E ffekt der Persistenz von Geschlechterauffassungen und -positionierungen, deren strukturelle Wirksamkeit im gesamtgesellschaftlichen Diskurs und deren m\u00f6gliche Ver\u00e4nderun g aber derzeit allenfalls in Bezug auf M\u00e4nnlichkeit disku tiert werden (vgl. Bereswill et al. 2007; Baader et al. 2012; vgl. aber auch Fleig 2014). Die Folgen sind ambivalent: Erstens bleiben agency und communion , 'weiblich' und 'm\u00e4nnlich' konnotierte Zuschreibungen weiterhin gespalten und voneinander getrennt. Zweitens bl eiben Jungen und m\u00e4nnliche Jugendliche gewisserma\u00dfen 'stecken' in der Zuordnung zu instrumentellen Aktivit\u00e4ten und traditionell 'm\u00e4nnlichen' Skills (\u00dcbe rlegenheit, Rivalit\u00e4t usw.; vgl. z.B. Cornwell et al. 2011), zugleich aber werden aufgrund der weiterhin andauernBarbara Rendtorff dass Eltern und insbesondere V\u00e4ter die \"Gendergrenzen\" f\u00fcr Jungen enger auslegen, st\u00e4rker kontrollieren und verhandeln als bei M\u00e4dchen (vgl. Fine 2012: 80 zunehmen, als Vorbedingung daf\u00fcr, es f\u00fcr sich selbst reklamieren zu k\u00f6nnen, bedarf es einer spezifischen \"Bereitschaft\", schreibt Ludwik Fleck in einem dass der Verweis auf die M\u00f6glichkeiten von Selbststeuerung sowohl deren erzwungene Notwendigkeit \u00fcberdeckt als auch mit dem Schein voller Wahlfreiheit die komplexen strukturellen Zw\u00e4nge und Verstrickungen geschlechtlicher und geschlechterbezogener Entwicklung dramatisch untersch\u00e4tzt. Um in der Komplexit\u00e4t der umgebenden Welt und ihren M\u00f6glichkeiten Unterschiedliches - folglich auch unterschiedlich M\u00f6gliches - \u00fcberhaupt wahrnehmen, dass Ehrgeiz bei M\u00e4dchen eher an die Erf\u00fcllung von Vorgaben gebunden bleibt denn an kreativ-problem l\u00f6sendes Vorgehen usw. (als \u00dcbersicht siehe Herwartz-Emden et al. 2012). Auch hier scheint mir die These berechtigt, reiches Risiko: Indem sie die Verant wortung f\u00fcr das Ge lingen des Bildungsprozesses auf das einzelne Kind \u00fcbertrage n, wirkt sich hier die allgemein bekannte Tatsache aus, dass M\u00e4dchen ei n schw\u00e4cheres intellektuelles und leistungsbezogenes Selbstvertrauen aufwei sen als Jungen. Auch wenn ihr allgemeines Zutrauen in ihre F\u00e4higkeiten w\u00e4chst, so gilt dies doch nicht f\u00fcr die Schule, ungeachtet der besseren Schulnot en (vgl. z.B.: Sprietsma 2011; K\u00f6nig et al. 2011: 416ff.; Schauder 2012: 204) . Dies ist ein Sachverhalt, der noch auf Aufkl\u00e4rung wartet, der aber dazu beitr\u00e4g t, dass M\u00e4dchen ihre Leistungen tendenziell untersch\u00e4tzen, dass sie ihre Bildungsvorteile nicht in den Beruf mit\"Zwang zur Selbstthematisie rung\" (Rosa 2002: 279). Da sie von einem kompetenzorientierten Fortschrittsdenken getragen sind, bergen diese Strategien also ein in Bezug auf die Geschlechterthematik folgentats\u00e4chlich sind (ebd.: 17) . Dies korrespondiert mi t der Betonung von Eigenaktivit\u00e4t und Selbststeue rung von Lernprozessen, die Selbstkontrolle und Selbstbestrafung bei Fehlverhalten einschlie\u00dfen - auch einen andauernden schlechtsblind\" sein (Benke 2012: 219). Wer also in Geschlechterstrukturen 'verhaftet bleibt', ist selber schuld. In ihren \u00dcberlegungen zu den aktu ellen \"widerspr\u00fcchliche[n] Zeiten des Aufwachsens\", die gepr\u00e4gt sind von Beschleunigung, Flexibilisierung und Selbstoptimierung, beobachten Vera King und Katarina Busch (2012) denn auch, dass diese die \"Flexibilisierung von Familie\" und zugleich \"erh\u00f6hte Anspr\u00fcche an familiale Erziehungspraxis\" (ebd.: 9) zur Folge haben, und sie beobachten als eine Folge dieser paradoxen Anforderungen die Tendenz, Kinder als \"weniger bed\u00fcrftig anzusehen und als autonom(er) zu konstruieren\", als sie scheinen dann als eine Art Fehlentwickl ung, die aber durch das 'richtige' Handeln leicht beeinflussbar sei und ver\u00e4ndert werden k\u00f6nne - so kann man dann auf die Idee kommen, ein geschlechtergerechter Unterricht m\u00fcsse \"geZugewinne und Fallen - aktuelle Ver\u00e4nderungen in Geschlechtervorstellungen Sexuellen, die Verunsiche rungen und Verlockunge n, die die Geschlechtlichkeit spannungsvoll umgeben. Es versch winden gesellschaftliche Machtverh\u00e4ltnisse ebenso wie die strukturelle Dimension der symbolischen Organisation von Zweigeschlechtlichkeit und der daraus resultierende n Bedeutungen. Die geschlechterbezogenen gesellschaftlichen Ungleichheits-Strukturen er81 lektiv den M\u00e4dchen als Etikett (und als Verpflichtung) angeheftet wird. Feld (etwa durch Girls' Days). Insbes ondere das Konstatieren von 'Interessen' ist hier ein problematischer Punkt, denn auch dieser ist ein Einfallstor f\u00fcr unreflektiert bleibende essentialisti sche Vorstellungen, wenn n\u00e4mlich geschlechtstypische Interessen diagnostizier t und dann in einem naturalisierenden Fehlschluss als 'gegebene' beantw ortet und bedient werden. Das klassische Beispiel daf\u00fcr ist der vielfach propa gierte Rat, das technische Prinzip der Pumpe den Jungen am Beispiel der \u00d6lpumpe zu erl\u00e4utern und den M\u00e4dchen mit der Herzpumpe (vgl. stellvertretend Hartinger 2008: 301), wobei die oben diskutierte 'Bezogenheit' und 'Fokussierung auf andere Menschen' hier kolten Fachkr\u00e4ften \u00f6konomisch dr\u00e4ngend geworden ist (vgl. Benke 2012; Thaler\/ Hofst\u00e4tter 2012). Dies ist ein nicht unwe sentlicher Aspekt, denn er verdeutlicht, dass nicht der Wunsch nach \u00d6ffn ung und Abmilderung geschlechtstypischer (Selbst-)Zuschreibungen von M\u00e4dchen in Bezug auf Technik im Wege p\u00e4dagogischer Ma\u00dfnahmen hinter dieser Debatte steht (au\u00dfer f\u00fcr einige der beteiligten Geschlechterforscherinnen), sondern das 'Fit-Machen' der M\u00e4dchen f\u00fcr die verwaisten, weil von den M\u00e4nnern zugunsten attraktiverer Arbeitsfelder verlassenen T\u00e4tigkeitsbereiche. Als K\u00f6nigsweg gilt es allenthalben, die 'Passung' zwischen de n offenbar un- oder doch schwer vermittelbaren Feldern 'Weiblichkeit' und 'technisch-nat urwissenschaftliche Themen' zu erh\u00f6hen - etwa durch Aufgreifen vermeintlicher 'Interessen' von M\u00e4dchen oder die Ver\u00e4nderung ihrer individuellen Haltung und 'Passung' zum fraglichen schriebenen Beispiele in ihrer Wirkung eben nicht untersch\u00e4tzt werden d\u00fcrfen, auch wenn sie auf den ersten Blick banal erscheinen m\u00f6gen. Dies f\u00fchrt zu meinem dritten Ausgangspunkt. Ein in der (Schul-)P\u00e4dagogik und den Fachdidaktiken momentan sehr strapaziertes Thema ist die Frage nach den Gr\u00fcnden f\u00fcr die Technikferne von M\u00e4dchen, die seit einigen Jahren durch den anhaltenden Mangel an qualifizierFleck konstatiert, dass \"ein gro\u00dfer Teil de r Bildung des Kindes\" gerade darauf beruhe, \"das sehen zu lernen, was die \u00c4 lteren sehen\" (1983: 63f.), was einen gro\u00dfen Verlust f\u00fcr das m\u00f6gliche Wissen bedeuten k\u00f6nne. Die unbemerkte (und vom Kind nicht reflektierbare) Ein\u00fcbung in das 'Wissen der \u00c4lteren' wird aber, davon ist auszugehen, in Aufgab enstellungen und p\u00e4dagogischer Adressierung immer den R\u00fcckgriff auf Bekanntes, als 'sicher' Geltendes nahelegen, und es darf wohl vermutet werden, dass hier ein gro\u00dfes Risiko f\u00fcr Reifizierungen in Bezug auf Geschlechterkonnotationen angelegt ist. Jede Vereindeutigung bedeutet Beschr\u00e4nkungen 'm\u00f6glichen Wissens', so dass die vorne beBarbara Rendtorff seiner wissenstheoretischen Texte aus den drei\u00dfiger Jahren, einer Offenheit, die als F\u00e4higkeit und als Denkbegrenzu ng im Prozess der \"gew\u00f6hnlichen Erziehung\" als ein spezifischer Denkstil hervorgebracht wird. Was LehrerInnen oder Eltern als wesentlich erachten, teilt sich in diesem Prozess dem Heranwachsenden mit und beschr\u00e4nkt damit zugleich seine Wahrnehmung - und 82 logy of behavior is impossible\" (zit. be i Tr\u00f6hler 2014: 18). Das behavioristidiglich in einem schmalen, zuvor abge steckten Terrain wirksam werden soll, eben der steuerbaren Erh\u00f6hung oder Verst\u00e4rkung eines selektierten Aspekts, bei Kontrolle aller \u00fcbrigen - wie in Skinners Diktum \"If man is free, technowobei letztere Theorielinie vor allem die Machbarkeit betont, die rationale und quasimechanische Beeinflussbarkeit des Menschen. Diese Vorstellung von Beeinflussbarkeit kann nur funktionieren, wenn das menschliche Handeln leziehungswissenschaftlicher Theorien und Positionen in Deutschland und den USA mit der hier dominanten lutherischen 'Innerlichkeit' und dem dort dominanten calvinistischen Fortschrittsoptimismus in Zusammenhang gebracht, gischen Formungsprozess. Daniel Tr\u00f6hler (2014) hat k\u00fcrzlich mit Blick auf das Thema des DGfEKongresses \"Traditionen und Zuk\u00fcnfte\" die unterschiedliche Entwicklung errekt und unmittelbar 'M\u00e4dchen zu ve r\u00e4ndern', damit sie in ihrer eigenen Selbstwahrnehmung besser zu MINT-F\u00e4chern passen. Vielmehr soll es darum gehen, solche Identit\u00e4tsaspe kte von M\u00e4dchen, die ni cht zum Bereich passen, situational zu de-aktivieren und damit nicht handlungsleitend werden zu lassen\" (Kessels 2012: 182). Hier wird ein in meinen Augen alarmierendes Menschenbild sichtbar, eine m echanistische, unhistorische, sozialisations-, kulturund gesellschaftsbezogene Aspekte le ugnende Vorstellung von historischen Formungsprozessen und der m\u00f6glichen selektiven 'L\u00f6schung' von einzelnen ihrer Effekte. In dieser Perspektive mu tiert Geschlecht - alle Erkenntnisse aus soziologischer und erzieh ungswissenschaftlicher Geschlechterforschung der letzten Jahrzehnte salopp \u00fcberspringend - zu einem dem Subjekt eher \u00e4u\u00dferlichen Aspekt, einer Summe von Einzelfa ktoren, leicht zug\u00e4nglich und ver\u00e4nderlich durch gezielte Intervention. Mir sche int auch, dass hier eine bereits \u00fcberholte Vorstellung von 'Sozialisation' (vgl. dazu Dausien 1999) durchscheint, mit der Vorstellung, dass M\u00e4 dchen im Sozialisationsprozess 'zu etwas geformt' worden seien, ihnen etwas von au\u00dfen aufgezwungen worden sei, was sich deshalb eben auch wieder 'entfernen' l\u00e4sst. Damit wird aber - und das ist hier der wichtigste Punkt - der indivi duelle Gestaltungsspielraum letztlich doch einem vermeintlichen geschlechts gruppenverursachten Kollektivinteresse untergeordnet - oder anders gesagt: Die Verantwortung f\u00fcr Ver\u00e4nderung wird den Einzelnen aufgetragen, ohne die Bedingungen aufzukl\u00e4ren, die zur Unterordnung unter das Geschlechtsg ruppenkollektiv gef\u00fchrt haben. Und diese - das wei\u00df die Geschlechterforschung seit langem - liegen weder in der einzelnen geschlechtlichen Person begr\u00fcndet noch in einem einfachen p\u00e4dagoZugewinne und Fallen - aktuelle Ver\u00e4nderungen in Geschlechtervorstellungen Als ver\u00e4nderungsbed\u00fcrftig werden also die M\u00e4dchen selbst angesehen, nicht die F\u00e4cher, Fachkulturen oder gar gesellschaftlich-kulturelle Strukturen. Un\u00fcbertreffbar auf den Punkt gebracht wird dies in einer Formulierung von Ursula Kessels, die schreibt, ein \"Ansat zpunkt zur Erh\u00f6hung der Passung\" sei \"das Selbst der M\u00e4dchen und Frauen\": \"Hierbei ist weniger daran gedacht, di83 sie die \u00fcberwiegende Verantwo rtung f\u00fcr und Zuordnung zu communion unerkannt behalten, dieser Bereich aber gle ichzeitig als nicht erstrebenswert abgewertet bleibt, die Zuordnung zu sozialer Verantwortung also nicht zu Ansehen und Anerkennung f\u00fchrt. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der hier nicht weiter verfolgt werden kann, liegt dann nat\u00fcrlich darin, dass der Bereich von communion und sozialer Sorge selbst somit der beschriebenen Tendenz zu Entwertung ausgesetzt ist. Was ehemals als p\u00e4dagogisch-politisch es Projekt der Ve rfl\u00fcssigung von 'Gendergrenzen' angetreten ist, erweis t sich also als moderate Verschiebung an der Oberfl\u00e4che, die im Gewande von 'Zugest\u00e4ndnissen' an M\u00e4dchen und Ver\u00e4nderungsbewegungen von M\u00e4nnern in Richtung auf weiblich konnotierte Bereiche nicht gleichfalls als deren Modernisierungsgewinne bewertet werden k\u00f6nnen, so dass Frauen in einem doppelten Sinne in die 'Falle' geraten - sofern rain identifiziert werden); dass zugleich aber die prominente zentrale Zuordnung von Frauen zu communion und sozialer N\u00e4he in Verbindung mit letztlich doch fehlender Passung zu Kompetenz \u00fcberdauert. Dies hat zur Folge, dass gien der Dethematisierung und 'L\u00f6schu ngs'-Versuche wirkungslos bleiben. Der erste Hinweis, den wir f\u00fcr unsere Ausgangsfrage gewonnen haben, besteht also in dem Widerspruch, dass zwar bildungs- und leistungsbezogene sowie gesellschaftliche Zugewinne der Frauen verzeichnet und ihnen zugestanden werden (auch wenn sie teilweise als Ausdehnung auf ehemals m\u00e4nnliches Terrungspl\u00e4ne noch so logisch erscheinen - wenn sie nicht die Dynamik der Geschlechterordnung, ihre symbolische Di mension und die subtilen Mechanismen durchsichtig machen, die zu ihrem \u00dcberdauern beitragen, werden Strateschwindet und die faktisch e Leistung massiv beeinflusst - hier im Vergleich zum sehr viel besseren Ergebnis derselben Aufgabe, wenn sie als \"Zeichentest\" ausgegeben wurde (ebd.: 1026). Auch wenn die 'mechanistischen' Ver\u00e4ndebleiben und die eigene Behauptung der W\u00e4hlbarkeit zur Farce wird. So zeigt denn auch die aktu elle internationale Studie zur Computerkompetenz von M\u00e4dchen und Jungen ICILS (Bos et al . 2014), dass M\u00e4dchen sich f\u00fcr weniger kompetent halten als Jungen (ebd.: 218), o bgleich dies in keinem einzigen der 21 Teilnehmerl\u00e4nder faktisch der Fall war - im Gegenteil lagen ihre Kompetenzwerte auch in Deutschland signifikan t \u00fcber denen der Jungen (ebd.: 216). Die Studie von Huguet\/R\u00e9gner (2009) zeigt erg\u00e4nzend, dass die negative Selbsteinsch\u00e4tzung von M\u00e4dchen in Bezug auf Geometrie auch bei selbst ausgewerteter guter Leistung und trotz \"counter-stereotype beliefs\" nicht verBarbara Rendtorff sche Menschenbild, das auch die heutige empirische psychologische und erziehungswissenschaftlich e Forschung beeinflusst ha t, legt solche segmentierten mechanistischen Strategien der F\u00f6rderung nahe, doch f\u00fchren gerade diese mit einiger Sicherheit dazu, dass die grundlegenden Vorstellungen des Denkens \u00fcber weiblich und m\u00e4nnlich im vorne angesprochenen Sinne unver\u00e4ndert 84 angebotenen. Auch wenn das im Einzelfall unter gl\u00fccklichen Umst\u00e4nden durchaus gelingen mag, kann es do ch nicht als Strategie \u00fcberzeugen. sition schon an sich hoch problematisch, so ist es ganz gewiss die Idee, dass Kinder ohne weitere Unterst\u00fctzung als kognitiv-rationale Appelle in der Lage sein sollten, andere Zuschreibungen vorzunehmen als die ihnen routinem\u00e4\u00dfig nicht reflektierter (und vom je einzelnen Kind auch nicht durchschaubarer) Geschlechterstereotype beitragen. Ist di e Vorstellung der freien Gestaltung und W\u00e4hlbarkeit von Geschlechteraspekten bei der Ausgestaltung der eigenen Pospr\u00fcche wird in ein 'mehr oder weniger' aufgel\u00f6st, weil die Oberfl\u00e4chenstruktur als die eigentlich wichtige Ebene ausgegeben und dem v\u00f6llig unzureichenden Zugriff des einzelnen Kindes und sein en 'Interessen' \u00fcberantwortet wird. Ich habe zweitens vorne argumentiert, dass die im p\u00e4dagogischen Feld, aber nicht nur dort auffallenden Vorstellu ngen von instrumenteller Planbarkeit und Machbarkeit, die \u00dcbertragung der Verantwortung f\u00fcr das gelingende Leben einschlie\u00dflich der Geschlechtlichke it auf das einzelne Kind zwar allenthalben modern und zeitgem\u00e4\u00df wirken, zugleich aber eine v\u00f6llige \u00dcberforderung darstellen und deshalb gewisserma\u00dfen 'hinterr\u00fccks' zum \u00dcberdauern Zugewinne und Fallen - aktuelle Ver\u00e4nderungen in Geschlechtervorstellungen Frauen daherkommt - damit den 'Zugewinn' betont um den Preis von Entwertung und Verschwindenlassen der als 't raditionell' geltenden ehemals weiblichen Aufgabenbereiche. So wird die darunter liegende, unbeeindruckt bleibende Struktur geschlechtlicher Zuordnungen dem kritischen Blick entzogen und die Komplexit\u00e4t der Geschlechterordnung und ihrer inh\u00e4renten Wider3 Drittens hat sich schlie\u00dflich gezeigt, wie im (schul-)p\u00e4dagogischen Kontext beide vorher festgestellten Problemat iken einander gegenseitig verst\u00e4rken. Dabei wurde deutlich, dass auf beiden Eb enen dieselbe Problemstruktur - besser: Problemvermeidungsstruktur - am We rke ist. Was hier sichtbar wird, ist ein durchg\u00e4ngiges Bem\u00fchen, sich nicht mit der Komplexit\u00e4t geschlechterbezogener Sortierungs-, Ordnungs- und Bewertungsroutinen zu konfrontieren (oder die Unf\u00e4higkeit dazu), sonder n sie als Handlungsroutinen, als quantifizierbare, als mechanisch bearbeitbare oder auf individuellen (gewisserma\u00dfen 'intrinsischen') Antrieb zur\u00fcckf\u00fchrbare Ph\u00e4nomene zu behandeln. Es entsteht allerdings der deutliche Ei ndruck, dass gerade die Verschiebung, die \u00dcbertragung der Verantwortung f\u00fcr das Gelingen des eigenen Lebens auf das einzelne Kind entscheidend dazu beitr\u00e4gt, dass die (angeblich) intendierten Prozesse der Milderung v on Stereotypen, der Erweiterung des Repertoires f\u00fcr Selbstentw\u00fcrfe von Kindern usw. scheitern, weil sie jenen aufgeladen wurden, die am wenigsten daf\u00fcr ger\u00fc stet sind. Die Botschaft, dass es sich bei der Entwicklung einer eigenen Geschlechtspositio n um einen pragmatisch zu bew\u00e4ltigenden, frei gestaltbaren Pr ozess handle, sowie die Aufforderung, diesen Prozess breit und unvoreingenommen (unbeeinflusst durch stereotype 3 Neuerdings ist die Diagnose 'leicht reizbar, w\u00fctend und\/oder traurig' als St\u00f6rungsbild in das DSM V aufgenommen worden (\u00c4rzteblatt 2010) - damit werden Symptome und Anzeichen einer \u00dcberforderung zus\u00e4tzlich pathologisiert. 85 lung, dass Subjekte ihre individuelle Auslegung einer ansonsten symbolisch vorstellungen wird so auf die instrumentelle Aneignung von Kompetenzen und Orientierungen verk\u00fcrzt und verst\u00e4rkt zudem noch die Gefahr des Umschlags in geschlechterbetonende Strategien (w ie im erw\u00e4hnten Beispiel der \u00d6l- und Herzpumpe, oder wenn eine Schulminis terin empfiehlt, man solle den M\u00e4dchen klar machen, dass Chemie etwas mit Kosmetik zu tun habe, dann w\u00fcrden sie sich schon daf\u00fcr interessieren; vgl. Rendtorff 2014: 116). Aus der Vorstelnaturwissenschaftlichen F\u00e4chern und bei Jungen die Lesefreude zu f\u00f6rdern, ist der oft erweckte Eindruck, damit sei das Problem dann schon an seiner Wurzel gepackt, doch sehr irref\u00fchrend. Der Prozess der 'Ein\u00fcbung' von Geschlechterphischen Beobachtungskategorie, die besc hreiben soll, wie sich die Subjekte handelnd eine Position aneignen, welche Mittel und Strategien sie dabei verwenden, welches ihre Bezugskategorien sind, in welchen Arrangements sich der Prozess organisiert usw., in die Vorstellung umgeschlagen, dass wir es durch den Einsatz von Verst\u00e4rkung und Unterlassen selbst in der Hand h\u00e4tten, was in Bezug auf Geschlechtlichkeit und geschlechtliche Positionierung im gesellschaftlichen Feld aus uns wird. D ies steht auch in wohlmeinenden und engagierten schulbezogenen Schriften f\u00fc r Lehrkr\u00e4fte im Vordergrund. Doch obgleich es selbstverst\u00e4ndlich sinnvoll ist, bei M\u00e4dchen das Interesse an den (Lakoff\/Wehling 2008: 28). Die Mischung und Verbindung von Betonen und Weglassen entscheidet dar\u00fcber, auf welche Aspekte einer Sache wir uns konzentrieren und welche wir beil\u00e4ufig beha ndeln - und diese dann unter R\u00fcckgriff auf Schon-Bekanntes und Gewusstes quasi unreflektiert mitf\u00fchren. Wir k\u00f6nnen mit einiger Sicherheit annehmen, dass hier deshalb auch das Risiko angelegt ist, weiterhin beobachtete Ge schlechterunterschiede dann als naturgegeben zu interpretieren. Auch der Begriff 'doing gender' hat im \u00dcbrigen einen Umschlag mitgemacht, zumindest aber eine Verk\u00fcrzung erfahren und ist von einer ethnograzu verstehen, vom \"Schwinden der F\u00e4higkeit begleitet wird, bestimmte andere wahrzunehmen\" (ebd.). Das betrifft Erkenntnisprozesse, die aus Beobachtungen erwachsen, ebenso wie die Ebene der sprachlichen Vermittlung, denn sprachliche Verst\u00e4ndigungsprozesse unt erliegen ebenfalls einer Struktur, die selektiv vorgeht (durch Fokussierung oder Betonung einzelner Aspekte und Weglassen anderer) und restriktiv wirkt: \"Metaphors hide and highlight\" Barbara Rendtorff Festlegungen) zu gestalten, ist verlog en und zynisch und verdeckt zudem, dass auch die Erwachsenen selbst in dieser Hinsicht keineswegs souver\u00e4n handeln k\u00f6nnen. Aus wissenschaftstheoretischen, erkennt niskritischen und aus sprachbezogenen Studien wissen wir auch, dass ei ne spezifisch fokussierte Aufmerksamkeit (etwa auf eine zu l\u00f6 sende Aufgabenstellung) immer mit einer \"spezifische[n] Blindheit\" (Fleck 1983: 62) gegen\u00fcber den nicht fokussierten Aspekten einhergeht, dass das Entstehen der F\u00e4higkeit, bestimmte Zusammenh\u00e4nge 86 schlechtliche Verfasstheit des Menschen ihn sozusagen 'durchstreichen', ihn als gespaltenes, in sich widerspr\u00fcchlic hes Subjekt entstehen lassen und (s)eine Das Sexuelle und das Geschlechtliche sind ein unbegreifliches und auch beunruhigendes Terrain, das Kinder und Jugend liche zutiefst verunsichert - dies ist ein zentrales Moment der psychoanaly tischen Vorstellung vom Menschen als einer in sich spannungs vollen geschlechtlichen Ex istenz (vgl. List 2009: 84ff.). Besonders deutlich wird das strukturi erende Moment von Geschlecht in Lacans Verwendung der 'Barre', gewisserma\u00dfen einer Bebilderung eines psychischen strukturierenden Vorgangs als elementarer Kennzeichnung von Identit\u00e4t: In der Zeichentheorie symbolisier t die 'Barre' (oder: der Balken) die Trennung zwischen Signifikant und Signifikat und soll verdeutlichen, dass beide zwar aufeinander bezogen, aber dennoch Zeichen und Bedeutung un\u00fcberwindlich voneinander getrennt sind und bleiben m\u00fcssen. Lacan \u00fcbertr\u00e4gt dies in das Subjekt selbst, um zu verdeutlichen, dass die sprachliche und ge29). Spannung und Widerspr\u00fcche liegen ab er nicht (nur) im Au\u00dfen, sie sto\u00dfen dem Kind nicht (nur) zu, es st\u00f6\u00dft auch nicht darauf als eine zu bew\u00e4ltigende Aufgabe, sondern sie sind selber zentraler Bestandteil menschlicher Existenz. ihrer \u00dcberwindung erfordert, w\u00e4hrend \"Rezeption\" ohne Widerstand und Konflikt eine \"Aneignung\" im emphatischen Sinne und damit einen Beitrag zur Autonomieentwicklung des Kindes nicht erm\u00f6glichen kann (Frijhoff 2010: ritation, Unverstandenes und Unbekannte s. Was das Denken anregt, ist immer die Frage, die Herausforderung, die von dem Unverstandenen, Unzusammenpassenden, von Spannung und dem Widerspr\u00fcchlichen ausgeht und M\u00fche zu Dimension von Geschlecht zu einer unterkomplexen Vorstellung von Ursachen und Ver\u00e4nderungsm\u00f6glichkeiten geschlechterbezogener Positionierungen f\u00fchrt oder f\u00fchren kann und dadurch zu einer Verschiebung von Handlungsnotwendigkeiten auf eine Oberfl\u00e4chenebe ne beitr\u00e4gt, so dass die Struktur, die der Problematik zugrunde liegt, nicht in den Blick kommen kann und verkannt wird (vgl. Rendtorff 2008). Die Tendenzen zu einer instrumentellen und mechanistischen Betrachtung von Zugewinnen in Bezug auf geschlechterbez ogene Verhaltensrepertoires verweisen nicht zuletzt auf eine reduzierte V orstellung davon, was produktiv ist f\u00fcr menschliche Entwicklung und auch f\u00fcr die Entwicklung von geschlechterbezogener Selbstauffassung. Produktiv und initiierend f\u00fcr die Entwicklungen der Einzelnen wie auch der Zivilisation insgesamt sind immer Reaktionen auf Irschlechtsuntypischem Verhalten w\u00e4re also ein Effekt ihrer eigenen Wirkung. Mittlerweile wird die Tatsache, dass au ch die leibliche Dimension (offenbar zur allgemeinen Erleichterung ) damit aus der Debatte verschwindet, zunehmend kritisch gesehen und diese wird er neut zur Sprache gebracht (vgl. etwa Barad 2012; Marzano 2013). Auch an dies er Stelle scheint mir also die These gerechtfertigt, dass eine Komplexit\u00e4tsreduktion in Bezug auf die strukturelle Zugewinne und Fallen - aktuelle Ver\u00e4nderungen in Geschlechtervorstellungen gegr\u00fcndeten Geschlechtsposition handelnd aneignen, wird nun die Idee selbstt\u00e4tiger und spielerischer Produktion von Geschlecht - die F\u00e4higkeit zu ge87 der bringen hier deshalb keine L\u00f6sung. Denn die zentrale Voraussetzung f\u00fcr den produktiven Umgang mit Widerspr\u00fcc hlichkeit ist ja die F\u00e4higkeit, in der Beziehung zum Anderen diesen als letztlich unsteuerbar (uneinholbar anders) und auch sich selbst als nicht vollst\u00e4ndig durchschaubar und lenkbar zu erfahren. Diese grundlegende Differenz, die das ('gebarrte', durchgestrichene) Subjekt durchzieht und seine Beziehungen fundiert, darf nicht zum Verschwinden gebracht werden - \"weil die Aufhebung der Differenz in der Konsequenz zu einer Aufhebung des Denkens\" f\u00fchren w\u00fcrde (List 2009: 129). eine andere Art von Perspektive au f offene Fragen hin erm\u00f6glicht. Die Dethematisierung und das Vers chwindenlassen von Widerspr\u00fcchlichkeiten durch die \u00dcbertragung der (Selbst-)Kontrolle der Prozesse auf die Kindard 2008). Der Zugewinn an agency auf der Seite der M\u00e4dchen wird sich also erst dann als Potential erweisen k\u00f6nnen, wenn diese aus dem Modus der Berechnung heraustreten kann, nicht als ein einfaches 'Mehr' erscheint, sondern zu erfahren. Und die (p\u00e4dagogische) Vorstellung von Konfliktvermeidung kann auch zu Verwirrung f\u00fchren - etwa wenn eine Schule als m\u00e4dchenf\u00f6rdernde Devise ausgibt \"Wir lesen nur B\u00fccher von starken M\u00e4dchen\" (der Stanbieten. Aus dieser Vorstellung w\u00fcrde folgen, dass die produktiven, der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen f\u00f6rde rlichen Aspekte sich um Konflikt, Beunruhigung und Widerspruch drehen - und nicht etwa um Bew\u00e4ltigung und Erf\u00fcllung von Aufgaben. Das in der b\u00fcrgerlichen Familie ebenso wie in der P\u00e4dagogik hoch wirksame Konfliktverme idungsgebot erweist sich hier als doppelt hinderlich: Es macht es den 'als M\u00e4dchen' sozialisierten Kindern schwerer, sich in Beziehungen als konkurrent zu erleben oder als \u00fcberlegen zu setzen, wie den 'als Jungen' sozialisierten, sich als angewiesen oder abh\u00e4ngig dies jemals zu einem Ende f\u00fchren w\u00fcrde. Die Frage des Heranwachsenden: 'Wer bin ich - f\u00fcr mich und f\u00fcr die Anderen, und wie werde oder will ich sein?' ist keine Frage, auf die es eine Antwort g\u00e4be, sondern bel\u00e4sst das Subjekt im Prozess des Aufwachsens in einem spannungsvollen Zustand. Ganz im Gegenteil zu der vorne beschriebenen ub iquit\u00e4ren Tendenz, Geschlecht als ein Oberfl\u00e4chenph\u00e4nomen zu beschreiben und als solches auch zu beantworten , w\u00fcrde sich von hier aus viel eher die Notwendigkeit ergeben, die Tatsache des 'Durchgestrichenseins' als produktiven Ausgangspunkt f\u00fcr Fragen und Suchen zu nehmen und gerade nicht eine verschlie\u00dfende instrumentelle Antwort anzuBarbara Rendtorff harmonische Verfasstheit unm\u00f6glich machen - es ist gerade dies, was das menschliche Subjekt ausmacht (vgl. Fink 2006: 58ff.). Di e 'Durchstreichung', die Lacan auch als 'Mangel', als 'Riss' oder als 'symbolische Kastration' beschreibt (vgl. Rendtorff 1996), bewirkt zwar eine Entfremdung des Subjekts, erh\u00e4lt aber zugleich auch mit dem Bege hren die Spannung immer aufrecht und sorgt so f\u00fcr Aktivit\u00e4t und Entwicklung. Auch in einer freudianischen Perspektive wirkt die Geschlechtlichkeit des Mensch en selbst mit ihrer Spannung, ihren Erregungen und ihrer Lustsuche als Motor seiner Entwicklung, ohne dass 88 trotz des ihnen attestierten Zugewinns an agency im h\u00e4uslichen wie im schulischen Kontext sehr stark auf prosoziales Verhalten und Harmonie verpflichtet und Jungen ohne Zuwachs an communion weiterhin daran gew\u00f6hnt, dass andere f\u00fcr sie die soziale Verantwortun g \u00fcbernehmen - so hindert man beide daran, sich uneinsch\u00e4tzbaren und un \u00fcbersichtlichen Prozessen mit offenem Ausgang zu konfrontieren, und versperrt damit beiden die M\u00f6glichkeit, auch ihre eigenen inneren und sozialen Widerspr\u00fcchlichkeiten als produktiv zu erleben. den jeweiligen Begrenzungen und Zw\u00e4ngen zu entlasten, die ihnen durch geschlechterbezogene Zuschreibungen aufe rlegt werden. Und diese Intervention kann nur sinnvoll geschehen, wenn sie Konfliktreiches und Widerspr\u00fcchliches, Unabgeschlossenes und unabschlie\u00dfbare Offenheit sehr grunds\u00e4tzlich und nicht nur in Bezug auf Geschlecht positiv fokussiert, zu Auseinandersetzung(en) einl\u00e4dt und diese attraktiv und produktiv gestaltet. M\u00e4dchen werden 'Sozialisationsprozess', zu einem eigens intendierten Zuwachs von Reflexionsf\u00e4higkeit in Bezug auf Geschlechterzu schreibungen kommt, wird es keine wirkliche Ver\u00e4nderung geben, die imstande w\u00e4re, M\u00e4dchen und Jungen von tion' der Geschlechterordnung (ganz unabh\u00e4ngig davon, ob diese als 'Angleichung' von Geschlechterpositionen oder als Einf\u00fcgung in allgemein dominierende Effektivit\u00e4tsvorstellungen gedach t wird) selbst schon einer T\u00e4uschung aufsitzt, sofern sie die Vorstellung ei nes 'Modernisierungsfortschritts' der weiblichen Geschlechterposition in eine m sich quasi selbstt\u00e4tig vollziehenden Prozess nahelegt. Damit w\u00fcrde die Wirk m\u00e4chtigkeit von Geschlecht auf einer untauglichen Ebene lokalisiert und die Dimension verfehlt, die f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung der Geschlechterordnung zentral ist. Wenn es nicht in der Mitte der Reihe, in dem zuvor als Motor oder eben 'Transformator' beschriebenen Term Zugewinne und Fallen - aktuelle Ver\u00e4nderungen in Geschlechtervorstellungen Im (p\u00e4dagogischen) Modus der Selbstkontrolle ist das Kind (selbstverst\u00e4ndlich gilt dies auch f\u00fcr uns Erwachsene) aber zugleich Subjekt und Objekt des Prozesses (vgl. Rosa 2002: 279), so fern es sich zu sich als dem zu Kontrollierenden verh\u00e4lt, und die daf\u00fcr n\u00f6tige grunds\u00e4tzliche Kontingenzannahme erschwert es noch dazu, in Strukturen zu denken oder diese \u00fcberhaupt wahrzunehmen. Dabei sind aber die Voraussetz ungen f\u00fcr eine reflexive Selbstbestimmung nicht gegeben, weil die Distanz fehl t, die f\u00fcr jede Art von Erkenntnis oder Reflexion die Voraussetzung bildet . Es mag \u00fcberinterpretiert sein, aber mir scheint sich hier auch die Gefahr einer Re-Zentrierung des Subjekts anzudeuten, oder eine Re-Souver\u00e4nisierungst endenz, die eigentlich einem \u00fcberholten Subjektverst\u00e4ndnis angeh\u00f6rt (vgl. z.B. Lettow 2012). Zur\u00fcck zum Anfang. Die Alternative, di e Reihung der Titel-Begriffe dieses Bandes von hinten nach vorne oder aber umgekehrt zu lesen, war also falsch gestellt. Tats\u00e4chlich lautet die Antwort, dass die Rede von einer 'Transforma89 griff 26.6.2015]. Dausien, Bettina (1999): \"Geschlechtsspezifische Sozialisation\" - Konstruktiv(istisch)e Ideen zur Karriere und Kritik eines Konzepts. In: Dausien, Bettina et al. (Hrsg.): Erkenntnisprojekt Geschlecht. Opladen: Leske und Budrich, S. 216-246. Der Standard (2008): \"Wir lesen nur B\u00fccher von starken M\u00e4dchen\" http:\/\/derstandard.at\/3373121 [Zugriff 12.11.2013]. Ebert, Irena D. \/ Steffens, Melanie C. 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M\u00e4nnlichkeit kann de mnach nur erfolgreich entwickelt werden, wenn M\u00e4nner f\u00fcr Jungen als Bezugspersonen zur Verf\u00fcgung stehen. Der als zu einseitig und dominant einge sch\u00e4tzte Einfluss von M\u00fcttern und professionellen Frauen in Einrichtungen der Erziehung und Bildung wird zugleich als kontraproduktiv f\u00fcr die Entw icklung von Jungen bewertet. Begr\u00fcndet wird diese Sicht mit psyc hoanalytischen, bindungstheoretischen und entwicklungspsychologischen Erkl\u00e4r ungsans\u00e4tzen zur Bedeutung von V\u00e4tern und M\u00e4nnern f\u00fcr die Entwicklung von Kindern. Ebenso werden neurowissenschaftliche und evolutionsbiologische Befunde herangezogen, die die Existenz und die Bedeutung von Geschlechte runterschieden f\u00fcr das Verhalten von Menschen betonen. Dabei finden sich teilweise harsche Zur\u00fcckweisungen sozialwissenschaftlicher Einsichten der Geschlechterforschung, wenn beispielsweise in der EinSozialisation im Kontext des Krisendiskurses \u00fcber Jungen Mechthild Bereswill, Gudrun Ehlert Schlagen wir Fachzeitschriften oder popul\u00e4re Magazine auf, wird seit gut zehn Jahren eine geschlechter- und bildungspolitische Diag nose verhandelt: Jungen gelten im Vergleich mit M\u00e4dchen als besonders unterst\u00fctzungs- und f\u00f6rde- w\u00fcrde (Gildemeister\/Wetterer 1992). Geschlechtertheoretisch betrachtet ge winnen die kritischen Auseinandersetzungen mit Konzepten der geschlecht sspezifischen Sozialisation ihre Brisanz im Kontext von fortlau fenden erkenntniskritischen Reflexionen in diesem Feld. Gerungen wird um angemessene theoretische und empirische Zug\u00e4nge zur Komplexit\u00e4t und Relati onalit\u00e4t von Geschlecht. Wie wird das Verh\u00e4ltnis von Struktur und Handeln begriffen? Wie vermitteln sich Diskurse und Praksentialisierende Setzungen verzichten, ohne die strukturierende Wirkung von Geschlecht f\u00fcr die Herausbildung eine r vergesellschafteten Subjektivit\u00e4t zu verleugnen (3). Mechthild Bereswill, Gudrun Ehlert Der vorliegende Beitrag setzt bei di eser geschlechtertheoretischen Diskurskonstellation an. Im ersten Schritt wird an die differenzierte feministische Theoriebildung zu Gesc hlechtersozialisation erinnert und die Komplexit\u00e4t und Mehrdimensionalit\u00e4t der Kategorie Geschlecht entfaltet (1). Dieser Schritt dient als Hintergrundfolie f\u00fcr die kritische Diskussion der Debatte \u00fcber Jungen als benachteiligte Verlierer im gesellsch aftlichen Wandel des Geschlechterverh\u00e4ltnisses (2). Abschlie\u00dfend wird der Frage nachgegangen, wie sozialisationstheoretische Perspektiven konturiert werden k\u00f6nnen, die auf normative und es1 Geschlechtersozialisation als mehrdimensionale Dynamik Wer sich aus sozialwissenschaftlicher Pe rspektive mit dem Verh\u00e4ltnis von Sozialisation und Geschlecht auseinandersetzt, trifft auf differenzierte und kontroverse Theorie- und Forschungstraditionen (Maihofer 2002; Bilden 1991; Hagemann-White 2004; Bilden\/Dausien 2006). In der deutschsprachigen Frauen- und Geschlechterforschung wird Sozialisation seit Ende der 1960er Jahre zun\u00e4chst mit Blick auf die ge sellschaftliche Benachteiligung von M\u00e4dchen und Frauen thematisiert. Weibliche Sozialisation galt als Schl\u00fcsselkonzept zur Erkl\u00e4rung von Unterdr\u00fcckung im Geschlechterverh\u00e4ltnis. \"Zugleich wuchs aber der Unmut, denn die Erkl\u00e4r ungen setzten als gegeben voraus, dass Frauen generell jenen Sozialcharakter aufweisen, dessen Entstehung sie begreiflich machen wollten\" (Hagemann-Wh ite 2004: 149). So geriet das Konzept der geschlechtsspezifischen Sozialisation seit Anfang der 1990er Jahre in die Kritik. Zentrale Einw\u00e4nde richteten sich gegen eine zu deterministische Sichtweise auf das Verh\u00e4ltnis von Subj ekt und Gesellschaft sowie gegen die Tendenz der Vereinheitlichung von We iblichkeit (und M\u00e4nnlichkeit) (vgl. ebd.: 151). Das ging mit dem generellen Einfluss sozialkonstruktivistischer Ans\u00e4tze in der Geschlechterforschung einher sowie mit dem Anspruch, keine Unterscheidungsforschung zu betreiben (Kelle 1999), die ihrerseits wieder neue Stereotype und vor allem Naturalisierungen von Geschlecht produzieren 94 lenkt den Blick auf das Beharrungsverm\u00f6gen und den Wandel von Herrschafts- und Ungleichheitsverh\u00e4ltnissen, deren Struktur und Wirkung nicht offen vor den Subjekten liegen, ihre Le bensentw\u00fcrfe aber ma\u00dfgeblich strukturieren. Dies ist keine deterministische Sicht auf das Subjekt in der Gesellschaft, sondern wirft Fragen nach der widerst\u00e4ndigen, ambivalenten und br\u00fcchigen den Punkt gebracht, der darauf verweist, dass Frauen und M\u00e4nner als soziale Gruppen (nicht als Subjekte) zueinander ins Verh\u00e4ltnis gesetzt werden, beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt oder im Bildungswesen. Es handelt sich um ein metatheoretisches und herrschaftskritisches Ko nzept, mit dem Ungleichheit zwischen den Geschlechtern auch in ihren verdeckten Momenten analysiert wird (Becker-Schmidt 1993, 1985) . In der M\u00e4nnlichkeitsforschung finden sich hier Ankn\u00fcpfungsmomente zu Connells Konzept der hegemonialen M\u00e4nnlichkeit und zu Bourdieus m\u00e4 nnlicher Herrschaft (Connell 1987; Connell\/Messerschmidt 2005 ; Bourdieu 2005). Die ge sellschaftstheoretische Brille, die diese Zug\u00e4nge verbindet, fokussiert bei Fragen der Sozialisation immer die Auseinandersetzung der Subjekte mit den Verh\u00e4ltnissen, die sie sich aneignen. Geschlechtersozialisation aus dieser Perspektive zu untersuchen, strukturiert wird. Diese Sicht wird mit dem Begriff Geschlechterverh\u00e4ltnis auf gen nach deren sozialisationstheoreti schen Implikationen: Geschlecht als Strukturkategorie, Geschlecht als soziale Konstruktion und Geschlecht als Konfliktkategorie. Es handelt sich nich t um ein Mehrebenenmodell, denn gesellschaftstheoretische Aussagen zu Ge schlecht als Strukturkategorie k\u00f6nnen nicht bruchlos mit solchen zu Geschlecht als soziale Konstruktion oder zur konflikthaften Aneignung von Geschl echtsidentit\u00e4t durch die Subjekte verkn\u00fcpft werden. Geschlecht als Strukturkategorie setzt Gesellschaft als einen komplexen Zusammenhang voraus, dessen gesamtes Gef\u00fcge auch durch Geschlecht mitdung erfassen? Wie kann Geschlecht als ein Aspekt von Subjektivit\u00e4t untersucht werden, ohne essen tialistisch zu argumentiere n? Die Fragen ber\u00fchren auch das strittige Konzept der Sozialis ation, bei dem es grundlegend darum geht, die Wechselwirkungen von Verh\u00e4ltn issen und Verhalten zu bestimmen. Die Dialektik von gesells chaftlichen und subjektiven Dynamiken im Prozess der Sozialisation kann dabei immer nur in Ausschnitten unt ersucht werden. Dies erfordert theoretische und met hodologische Verortungen sowie Einsichten in die Potenziale und die Grenzen jeweiliger Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze und Theorietraditionen (Becker-Schmidt 2006: 291f.). Das betrifft sowohl die Konzeptualisierung von So zialisation als auch von Geschlecht. Die Differenzierung verschiedener theoretischer Konzeptionen von Geschlecht haben wir an anderer Stelle ausf\u00fchrlich diskutiert (Bereswill\/Ehlert 2010). Wir skizzieren im Folgenden drei ausgew\u00e4hlte Theorieans\u00e4tze und fraSozialisation im Kontext des Krisendiskurses \u00fcber Jungen tiken miteinander? Wie l\u00e4sst sich di e intersektionale Verflechtung von Geschlecht mit anderen sozialen Kategorien der Ungleichheit und Unterschei95 lungsleitendes Deutungsmuster der Zw eigeschlechtlichkeit - oder irritieren. Geschlechterdifferenz wird als inter aktiver Aspekt der sozialen Identit\u00e4t von Menschen rekonstruiert, wobei sich so zialisationstheoretisch die Frage nach deren Verfestigung \u00fcber den jew eiligen Kontext hinaus stellt. Aus einer subjekttheoretischen Perspektive wird Geschlecht als Konfliktkategorie untersucht. Welche auch unbewussten Br\u00fcche und Konflikte zeigen sich im Prozess der Geschlechtersozialisation? In den Vordergrund treten dabei die eigensinnigen, subjektiven Aneignun gs- und Verarbeitungsmuster von Differenz und Hierarchie. Im Mittelpunkt s tehen die intrasubje ktiven Konfliktdynamiken des Subjekts und die Aneignung, Aus- und m\u00f6gliche Umgestaltung oder auch Zur\u00fcckweisung kultureller Konstr uktionen von Geschlechterdifferenz (Bereswill 2014; Ehlert 2012). Dies \u00f6ffn et den Zugang zu lebenslang konflikthaften Auseinandersetzungen mit ge sellschaftlichen Identit\u00e4tszw\u00e4ngen, die durch Br\u00fcche und Ambivalenzen gekennzeichnet sind (Becker-Schmidt\/ Knapp 1987). Die sozialpsychologisch fundierte subjekttheoretische Perspektive auf Geschlechtersozialisation reduz iert Sozialisation nicht auf entwicklungs- oder kognitionspsychologische Theorien, sondern fragt nach dem komwie Verh\u00e4ltnisse und Verh alten zueinander vermittelt sind, fokussiert die sozialkonstruktivistische Brille die interak tive und intersub jektive Herstellung von sozialer Ordnung. Geschlecht kann diese Ordnung stabilisieren - als handgeneralisierten Anderen ge neriert (Mead 1968). Geschl echt gewinnt seine Bedeutung im Prozess des doing gender, in wechselseitigen Zu schreibungen und Interpretationen von Geschlechterdiffere nz. Geschlechtersozialisation wird interaktions- und handlungstheoretisch al s aktiver Prozess der Zuschreibung und Konstruktion von Unterschieden und Bewertungen analysiert. F\u00fcr die Frage, Identit\u00e4t des Subjekts sich im intersubjektiven Austausch mit signifikanten und Sicht als ein intersubjektiver Prozess verstanden, in dessen Verlauf die soziale institutionalisierten Zuschreibungen, de ren Begr\u00fcndung (nich t nur) im Fall von Geschlechterordnungen h\u00e4ufig auf Naturalisierungen basiert (Goffman 1977; Gildemeister\/Robert 2008; Wetterer 2009). Sozialisation wird aus dieser aktiv hergestellt und soziale Hierarchien sind das Ergebnis von verfestigten, schlechterordnung, deren Struktur durc h regelgeleitetes Handeln reproduziert und transformiert wird. Gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse werden demnach interKontexten. Die soziale Ordnung einer Gesellschaft ist immer auch eine Gewechselseitigen Interpretationsleistungen von Subjekten in konkreten sozialen turierten historisch spezifischen Situation verstanden. Wird Geschlecht als soziale Konstruktion konzipiert, so wird Gesellschaft als Sinn- und Handlungszusammenhang voraus gesetzt. Der Fokus richtet sich auf das Zusammenspiel von implizitem und explizitem Wissen, Handeln und Mechthild Bereswill, Gudrun Ehlert Aneignung von Strukturvorgaben auf. Ge schlechtersozialisation wird so als dialektischer Prozess der Vergesellschaftung in einer durch Geschlecht struk96 bener Werte. [...] Diese Balance besteht heute nicht mehr\" (Matzner\/Tischner 2008:10). Nach dieser Lesart ist die Or dnung der Geschlechter seit gut vierzig Jahren gest\u00f6rt. Idealtypisch wird di e gesellschaftliche Geschlechterordnung hier r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt als komplement\u00e4res Arrangement von differenten Werten konstruiert. Es handelt sich um eine bemerkens werte Umdeutung von Ungleichheiten im Geschlechterverh\u00e4ltnis. Dies betrifft sowohl die Idealisierung der sozialen Ordnung der westdeutschen Nachkriegsgese llschaft als auch das Bild von den ausbalancierten Werten, das ganz ohne Hierarchien und Bewertungen auskommt. Dies legt eine harmonische ges ellschaftliche Situation nahe, die durch die wohl dosierte Verteilung geschl echtsspezifischer Werte stabil gehalten worden sei. Die r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte und manifeste Idealisierung der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft mag eher eine Ausnahme im hier untersuchten es beispielsweise einleitend im \"H andbuch Jungen-P\u00e4dagogik\": \"Bis zum Ende der 1960er-Jahre bestand in unserer Gesellschaft eine ausgewogene Verteilung jeweils dem m\u00e4nnlichen und dem weiblichen Geschlecht zugeschrienauer gesagt aus dem Gleichgewicht geratenen Geschlechterordnung. So hei\u00dft personen als Gegen\u00fcber f\u00fcr Jungen in \u00f6ffentlichen Erziehungseinrichtungen gefordert werden. Hierbei \"ist es prim\u00e4 r der Junge, der als sozialisationsgest\u00f6rte, beunruhigende Kristallisationsfigur dem Mann in der professionellen Kindererziehung massive Dringlichkeit versch afft\" (ebd.: 56). Die Diagnose von den fehlenden m\u00e4 nnlichen Bezugspers onen in \u00f6ffentlichen Einrichtungen korrespondiert mit der Bewertung einer gewandelten, getheoretischen Implikationen. Die dami t verbundenen Ausdifferenzierungen sind erkenntnisleitend f\u00fcr gegenw\u00e4rtige Theorie- und Forschungsans\u00e4tze zur Geschlechtersozialisation. Vor diesem Hi ntergrund werden die Forschungsans\u00e4tze und Befunde in der im Folgenden untersuchten Debatte auf ihren Bezug zur Komplexit\u00e4t von Geschlecht und ihre theoretische Verortung befragt. Sozialisation im Kontext des Krisendiskurses \u00fcber Jungen plexen Wechselverh\u00e4ltnis zwischen widerspr\u00fcch lichen, ungleichzeitigen gesellschaftlichen Konstellationen und der Konflikt- und Ambivalenzf\u00e4higkeit des Subjekts. Die bisherigen \u00dcberlegungen verdeutlichen die Komplexit\u00e4t und Kontextgebundenheit geschlechtertheoretischer Perspektiven und ihrer sozialisations2 Die Entwicklung und Erziehung von Jungen in der Krise? Im Mittelpunkt der Fachdebatten \u00fcber di e Entwicklung von Jungen steht \"die Figur des gef\u00e4hrdeten Jungen\" (Rose 2013 : 55). Lotte Rose untersucht diesen Diskurs im Zusammenhang der Elementarp\u00e4dagogik, wo m\u00e4nnliche Bezugs97 Subjekte durchzuschlagen. Diese bruchlose Entsprechung ist mit einer 'Einheitsunterstellung' verbunden: Die konsta tierte Belastung betrifft nicht weniger als den \"m\u00e4nnlichen Teil der jungen Bev\u00f6lkerung\" - also alle Jungen? Selten wird differenziert, welche Gruppen von Jungen (und M\u00e4dchen) im Bildungsprozess benachteiligt oder von Zuschreibunge n der Devianz betroffen sind. AD(H)S-Diagnosen: \"Die Bildungsmisere der Jungen mit ihrer abnehmenden F\u00e4higkeit, schriftliche Texte lesen, vers tehen und reflektieren zu k\u00f6nnen (vgl. Baumert et.al. 2001), und das Anwa chsen psychosozialer St\u00f6rungen von m\u00e4nnlichen Kindern und Jugendlichen verdeutlichen, dass die familieninternen und soziodynamischen Verschiebungen vor allem zu Lasten des m\u00e4nnlichen Teils der jungen Bev\u00f6lkerung gehen\" (Dammasch 2011: 69). Hier wird von zwei kontextspezifischen, geschlechtsgebundenen Befunden - einem Befund der Schulforschung und ei nem klinischen Befund - auf gesellschaftlichen Wandel geschl ossen und generalisiert. Jungen sind demnach au\u00dferordentlich belastet und reagieren mit Leistungsversagen und psychischer Auff\u00e4lligkeit. Die Zeitdiagnose Dammasch s basiert auf quantitativen Befunden mit denen statistische Verteil ungen zu Geschlecht erkennbar werden. Diese aus ihrem spezifischen Forschungs kontext herausgel\u00f6sten Daten bilden die Ausgangsbasis f\u00fcr weit reichende Schlussfolgerungen. Gesellschaftlicher Wandel scheint dabei eins zu eins auf das Verhalten und die Beziehungen der um die \"Figur des gef\u00e4hrdeten Jungen\" (Rose) zu plausibilisieren. Dies steht im Kontext eines breiteren Diskurses zu M\u00e4nnlichkeiten 'in der Krise', der geschlechtertheoretisch sehr kritisch ref lektiert wird (vgl. die Beitr\u00e4ge in: Bereswill\/Neuber 2011). In einschl\u00e4gigen Publ ikationen zur gegenw\u00e4rtigen Situation von Jungen wird das Krisenszen ario entlang wiederkehrender Deutungsmuster entfaltet. Konstatiert wird eine Iden tit\u00e4tskrise der Jungen, betont wird die gro\u00dfe Bedeutung von Geschlechteru nterschieden, einhergehend mit der fraglosen Reproduktion des Unterschieds, verbunden mit der Abwertung von Weiblichkeit. Mechthild Bereswill, Gudrun Ehlert Diskurs sein. Das Beispiel verdeutlicht aber eine generelle Argumentationslinie: Der Wandel der Geschlechterordnung wird immer wieder herangezogen, 2.1 Die Identit\u00e4tskrise der Jungen Eine Diagnose der f\u00fcr Jungen belasten den gegenw\u00e4rtigen gesellschaftlichen Situation betrifft den Wandel von Fami lienbeziehungen. Beklagt werden die Abwesenheit von V\u00e4tern in Familien mi t alleinerziehenden M\u00fcttern sowie der Wandel von familialen Beziehungen generell (Aigner 2011). So erkl\u00e4rt Frank Dammasch die St\u00f6rung der Leistungsf\u00e4higkeit und der psychosozialen Gesundheit von Jungen, insbesondere im Hinblick auf die steigende Zahl von 98 heteronormativ festgeschrieben. M\u00e4 nnlichkeit oder Geschlechtsidentit\u00e4t ist aus dieser Sicht letztlich das Ergebnis einer unilinearen gl eichgeschlechtlichen Identifikation zwischen Jungen und M\u00e4 nnern. Zugespitzt gesagt, kann M\u00e4nnlichkeit nur durch den Mann in den Jungen gelangen, Geschlechtsidentit\u00e4t beruht auf einer gleichgeschlechtlichen Spieg elung, die durch Geschlechterdifferenz flankiert wird. Dieses Modell bl endet die konflikthaften, umwegigen und ungleichzeitigen Prozesse de r Aneignung von Geschlech terdifferenz aus, wie sie in der psychoanalytischen Geschlecht ertheorie ausf\u00fchrlich diskutiert worden sind (vgl. Benjamin 1993; Connell 1994; Fast 1991; Liebsch 1994; Rendtorff 2003; Rohde-Dachser 1991). M\u00e4nnlichkeit wird stattdessen auf einen st\u00f6ranf\u00e4lligen Iden tit\u00e4tsaspekt reduziert und gl eichzeitig als normative Tatsache unterstellt. In der Folge wird M\u00e4nnlichkeit nicht als gesellschaftliche Konstruktion reflektiert. \"M\u00e4nnliche Sozialisation ist au f die aktive Aneignung der Strukturen einer erwachsenen M\u00e4nnlichkeit ausgerichtet, die in hohem Ma\u00dfe von dem fehlenden M\u00e4nner in Einrichtungen der \u00f6ffentlichen Erzieh ung und Bildung (vgl. Aigner\/Poscheschnik 2011; Rohrmann 2008; B\u00f6hnisch 2013). Aus dieser Sicht ist evident, \"dass der Mangel an reifen m\u00e4 nnlichen Vorbild ern innerhalb und au\u00dferhalb der Familie bei alleiniger Wertsch\u00e4tzung weiblicher Interaktionsmuster in den sozialen und p\u00e4dagogischen Institutionen die reife Geschlechtsidentit\u00e4tsentwicklung des [sic ] Jungen behindert und sie zunehmend zu St\u00f6rern werden l\u00e4sst\" (Dammasch 2011: 69). Dammasch kn\u00fcpft mit dieser Einsch\u00e4tz ung an psychoan alytische Theorieauffassungen an. Eine \"reife Geschlechtsiden tit\u00e4t\" entwickelt sich demnach auf der Basis von Identifikationen des Kindes mit weiblichen und m\u00e4nnlichen Bezugspersonen, insbesondere im triangulierenden Wechselspiel von Dyade und Triade mit der Mutter und dem Vater. Diese Dynamik sei aufgrund der Abwesenheit von \"reifen\" M\u00e4nnern un d der Dominanz von Weiblichkeit grundlegend gef\u00e4hrdet. Die Konsequenz aus dieser Situation sei die Herausbildung einer m\u00e4 nnlich konnotierten Devianz. Damit wird die aus psychoanalytischer Sicht entscheidende Triangulierung zwischen einem Kind, seiner Mutter und einer weiteren Bezugsperson fraglos ligte Gruppe unter den ges ellschaftlichen Entwicklungen leiden. Verantwortlich wird daf\u00fcr immer wieder die Dominanz von Weiblichkeit gemacht. Die \u00dcberlegungen von Dammasch steh en exemplarisch f\u00fcr das breit vertretene Motiv der fehlenden oder abwesenden V\u00e4ter in der Familie und der rungen wie \"M\u00e4dchen lernen ..., Frauen sind ..., T\u00f6chter werden ...\" die gesellschaftliche Lage von Fr auen und M\u00e4dchen verd eutlichen sollten (Hagemann-White 2004: 151). Nun sind es offenbar 'die Jungen', die als benachteiSozialisation im Kontext des Krisendiskurses \u00fcber Jungen Die schablonenhafte Kons truktion einer Opferpositio n von Jungen erinnert an die Anf\u00e4nge der feministischen Sozialisationsforschung, in der Formulie99 schof-K\u00f6hler 2006; 2008; Str\u00fcber 2008; Brock 2012). Grundlegende Argumente f\u00fcr die Ber\u00fccksichtigung angeborener Anlagen liefert Doris BischofK\u00f6hler, wenn sie betont, das unterschi edliche Verhalten von Eltern im Umgang mit M\u00e4dchen und Jungen sei auch eine Reaktion auf deren geschlechtstypische Verhaltensweisen. \"Um einen Jungen zu beruhigen, muss man mit ihm anders umgehen als mit einem M\u00e4 dchen. Sozialisation ist keine einsinnig kausale Einflussnahme, sondern ein inte raktiver Prozess, bei dem geschlechtstypische Verhaltensvorgaben und Re aktionsbereitschaften der Kinder die Richtung mitbestimmen\" (2008: 22). Bi schof-K\u00f6hler proklamiert den Determinismus von Geschlechterunterschieden : Nach ihrer \u00dcberzeugung sind die Einfluss, die sozialisationstheoretische Fragen mit Hilfe von neurowissenschaftlichen und evolutionsbiologisch en Ans\u00e4tzen beantwortet, indem Belege f\u00fcr die Evidenz angeborener Geschlechtsunterschiede formuliert werden (Bitiert In\u00e9s Brock (2012: 6ff.) unter Bezug auf bindungs- und rollentheoretische Ans\u00e4tze mit einem Geschlechtsrollenmodell, bei dem Mutter und Vater sowie weibliche und m\u00e4nnliche Professionelle als grundverschiedene Vorbilder gezeichnet werden. Auch Klaus Hurrelmann, dessen Sozialisationstheorie sich am Modell der Entwicklungsaufgaben von Havighurst orientiert, betont in einem Streitgespr\u00e4ch mit Hannelore Faulstich-Wieland, es ginge \"um die Frage des Rollenvorbilds, das den Jungen fehlt. Wenn ich als Sch\u00fc ler nur mit Frauen zu tun habe, wei\u00df ich nicht, wie ein Mann m it bestimmten Situationen umgeht\" (Spiewak\/Otto 2010: 4). Das lerntheoretische Ko nzept, das hier vertreten wird, reduziert Geschlechtersozialisation auf Lernen am Modell. Das Modell wird gleichzeitig naturalisiert. von gesellschaftlichen u nd subjektiven Konstellati onen zu thematisieren, bleibt die Analyse auf entwicklungsps ychologische oder rollentheoretische Aspekte der Herausbildung von Geschlechtsidentit\u00e4t beschr\u00e4nkt. So argumenMechthild Bereswill, Gudrun Ehlert Ideal der hegemonialen M\u00e4nnlichkeit gepr\u00e4gt sind. Das, was in einer Gesellschaft in einer bestimmten Epoche al s m\u00e4nnlich gilt, bestimmt den Rahmen der m\u00e4nnlichen Sozialisation\" (Meuser 2013: 35). Statt Geschlechtersozialisation im Anschl uss an solche the oretischen \u00dcberlegungen zu M\u00e4nnlichkeit als komplexes und widerspr\u00fcchliches Wechselspiel 2.2 Die Reproduktion des Unterschieds Mit der rollenf\u00f6rmigen Unterscheidung von Frauen und M\u00e4nnern steht Hurrelmann nicht allein. Die Behauptung, Frauen und M\u00e4nner oder M\u00e4dchen und Jungen seien grunds\u00e4tzlich ve rschieden, bildet eine we sentliche Basis f\u00fcr die Debatte \u00fcber die Benachteiligung, Gef\u00e4hrdung und St\u00f6rung von Jungen. Diese Polarisierung wird einerseits entwicklu ngs-, kognitions- od er lerntheoretisch begr\u00fcndet. Andererseits gewinnt eine Produktion von Geschlechterwissen an 100 und p\u00e4dagogisches Handeln ber\u00fccksichtigt werden sollte. Hier gelangt auch die Hirnforschung ins Spiel, deren Deutungshoheit in den Fachdebatten zu Bildu ng und Erziehung in den le tzten Jahren deutlich zugenommen hat. So betont Daniel Str\u00fcber die Gleichzeitigkeit von nat\u00fcrlichen Unterschieden und der Modellierbarkeit von Gehirnen. \"M\u00e4nnliche und weibliche Gehirne unterscheiden sich zwar in vielen Aspekten, aber die Plastizit\u00e4t und damit Lernf\u00e4higkeit ist davon nich t betroffen. Plastizit\u00e4t bildet auch die hirnbiologische Voraussetz ung daf\u00fcr, bestehende Geschlechtsunterschiede hinsichtlich kognitiver und anderer F\u00e4higke iten gro\u00dfenteils ausgleichen zu k\u00f6nnen. Entsprechend sollte die Ke nntnis dieser Geschlechtsunterschiede in der P\u00e4dagogik als Anreiz dienen, Jungen un d M\u00e4dchen gezielt in den Bereichen zu f\u00f6rdern, die ihnen schwer fallen\" (Str\u00fcb er 2008: 45f.). Vor diesem Hintergrund schlie\u00dft Str\u00fcber weiter, dass \"weibliche\" und \"m\u00e4nnliche Gehirne\" mit unterschiedlichen Lernf\u00e4higkeiten und Motivationsstrukturen ausgestattet seien, und stellt die Frage, \"ob der Le rnkontext mittlerweile vielleicht zu einseitig auf weibliche F\u00e4higk eiten und Arbeitsweisen au sgerichtet ist, so dass das m\u00e4nnliche Gehirn nicht genug Anreize wahrnimmt, um seine F\u00e4higkeiten einzusetzen\" (ebd.: 46). Hier schlie\u00dft sich der Kreis erneut, wenn die unterstellte Krise der Jungen mit einer angeblich einseitigen F\u00f6rderung von M\u00e4dchen und mit biologistischen Beweisf\u00fchrungen begr\u00fcndet wird. Gegen\u00fcber f\u00fcr das Erlernen einer offe nsiven Emotionsregulation fehlten. Beide Autorinnen argumentieren mit ange borenen Unterschieden, die es im Erziehungsprozess zu ber\u00fccksichtigen und gezielt zu st\u00e4rken oder auszugleichen gilt. Geschlecht ist demnach ein gegebener Unterschied , der nicht mehr als Ergebnis sozialen Handelns analysiert, sondern als Ausgangspunkt f\u00fcr soziales Handeln anerkannt und entsprechend als Basis f\u00fcr Bindungsangebote in erster Linie von M\u00e4nnern besetzt sein werden, w\u00e4hrend Frauen in gr\u00f6\u00dferer Zahl etwa in Aufgabenbereichen mit st \u00e4rkerer Personorientiertheit zu finden sind\" (ebd.). Dass M\u00e4dchen und Jungen mit nat\u00fcrlichen und unterschiedlichen Dispositionen ausgestattet seien, vertritt auch In\u00e9s Brock. Sie zieht Untersuchungen heran, nach denen M\u00e4dchen und Jungen schon vor der Geburt \"ungleiche Startbedingungen\" (2012: 7) aufwiesen und M\u00e4dchen dabei zun\u00e4chst \"angeborene Entwicklungsvorteile\" (ebd.) h\u00e4tten, die aus ihrer Sicht aber auch dazu f\u00fchren k\u00f6nnen, dass M\u00e4dchen zu kurz k\u00e4men, beispielsweise weil ihnen die V\u00e4ter als \"anlagebedingten Dispositionen\" (2008: 31) aus und naturalisiert aus dieser Sicht Geschlechterhierarchien: \"Das hat beispielsweise zur Folge, dass Positionen, die ein besonderes Ma\u00df an Wettbewerbsorientiertheit voraussetzen, eben Sozialisation im Kontext des Krisendiskurses \u00fcber Jungen (zwei) Geschlechter \"von Natur aus an ders\", so der Titel ihrer Buchver\u00f6ffentlichung zur \"Psychologie der Geschlechtsunterschiede\" (2006). Sie geht von 101 Einfluss von Weiblichkeit hypostasiert u nd diese gleichzeitig abgewertet wird. empirisch bislang wenig untersucht ist und anhand vorhandener Studien nicht belegt werden kann (Brandes 2011; Bundesjugendkuratorium 2009; Forster 2007). Das r\u00e4umen selbst die ein, die die Dominanz von Frauen gleichzeitig problematisieren und bek\u00e4mpfen (Aigner\/Poscheschnik 2011; Rohrmann 2008; Quenzel\/Hurrelmann 2010). Empirische Evidenz scheint aber f\u00fcr die weit reichende \"Ontologisierung von Geschlechterverh\u00e4ltnissen\" (Forster 2007: 63) nicht erforderlich zu sein. Im Vordergrund steht vielmehr die Unterstellung von Geschlechteru nterschieden als unhinter gehbare Tatsache. \"In der Feminisierungsdebatte wird die Geschl echterordnung durch eine Trennung von Weiblichkeit und M\u00e4nnlichkeit, denen jeweils eindeutig unterscheidbare Attribute zugeordnet werden k\u00f6nnen, stabilisiert\" (ebd.: 61). Umgekehrt gesagt, wird die Ersch\u00fctterung dieser Ordnung als so bedrohlich erlebt, dass der gen und M\u00e4dchen w\u00fcrden bevorzugt behandelt. Bemerkenswert ist, dass die starke These zum Zusammenhang von Geschlechtsidentit\u00e4t und institutionellen Sozialisations- und Bildungsprozessen grundlegend unterscheiden, sind Institutionen, in denen Frauen als Professionelle die Mehrheit darstellen, f\u00fcr eines der beiden Geschlechter nicht hinreichend ausger\u00fcstet - die 'Feminisierung der P\u00e4dagogik' gehe zu Lasten der Juntag bestimmen (2008: 3). Diese Argumentationsfigur zielt auf die kontraproduktiven Wirkungen einer durch dopp elte Differenz gekennzeichneten Bildungssituation: Weil M\u00e4dchen und Jungen sowie Frauen und M\u00e4nner sich rats gemeinsam ist, dass die mit der geschlechtlichen Arbeitsteilung einhergehende Abwertung von Weiblichkeit unrefle ktiert mitl\u00e4uft und den Frauen damit implizit die Verantwortung f\u00fcr Fehl entwicklungen zugeschrieben wird. Klaus Hurrelmann und Gudrun Quenzel beklagen die gleiche Struktureigent\u00fcmlichkeit f\u00fcr die Schule, wenn si e schreiben, dort w\u00fcrden \"bei der weiblichen \u00dcbermacht zwangsl\u00e4ufig typisch weibliche Muster\" den SchulallJungen, solche Berufe zu ergreifen, m ithilfe der Anhebung von professionellen Standards und Verg\u00fctungen (BMFSFJ 2013: 18). Dem blumigen Bild von Rohrmann und dem geschlechterpolitischen Interventionsvorschlag des BeiMechthild Bereswill, Gudrun Ehlert 2.3 Die Abwertung von Weiblichkeit Die Einsch\u00e4tzung, Jungen seien im Erzieh ungs- und Bildungsprozess benachteiligt, weil in der Familie die M\u00fctter un d in den Institutionen die Frauen dominieren, wird breit geteilt (vgl. Aigner\/Poscheschnik 2011; Matzner\/Tischner 2008; Rohrmann 2008; kritisch: Brandes 2011). Tim Rohrmann schreibt beispielsweise \"den 'G\u00e4rten der Frauen' fehlt das 'm\u00e4nnliche Element'\" (Rohrmann 2008: 157) und ironisiert damit di e strukturelle Tatsache, dass T\u00e4tigkeiten, die kulturell mit einem \"m\u00fctterlich-s orgenden Moment\" assoziiert werden (Rendtorff 2003: 166), gegenw\u00e4rtig mehrheitlich von Frauen ausge\u00fcbt und schlecht bezahlt werden. So empfiehlt der \"Bericht de s Beirats Jungenpolitik\" aus dem Jahr 2013 auch nicht von ungef\u00e4hr die Erh\u00f6hung des Anreizes f\u00fcr 102 gen, Begriffsbildungen und Schlussfolger ungen kommen fast ohne Bez\u00fcge zu Ans\u00e4tzen der Geschlechterforschung, insbesondere der M\u00e4nnlichkeitsforschung aus und f\u00fchren gl eichzeitig zu weit reichende n Aussagen \u00fcber die Evidenz von Geschlechterunterschieden. Ein unterkomplexes Modell von Geschlechtsidentit\u00e4t wird mit biologistis chen Setzungen begr\u00fcndet. Geschlechtersozialisation ist zu einer bruchlosen Entsprechun g von gesellschaftlicher Ordnung und gef\u00e4hrdeter Identit\u00e4t verflac ht und wird als Prozess verstanden, der auf nat\u00fcrliche Unterschiede aufse tzt und diese allenfalls ausgleichen kann. Ebenso unterkomplex f\u00e4llt die Auseinan dersetzung mit gesellschaftlichen Unzeichnet durch offene und subtile Feinds eligkeiten gegen\u00fcber feministischen Wissenschaftstraditionen und gegen\u00fcber Weiblichkeit. Theoretische Verortuntensmuster von M\u00e4dchen dazu f\u00fchren, dass diese sich dem gesellschaftlichen Umbruch von der Industrie- zur Diens tleistungsgesellschaft anzupassen und deutlich mehr Leistungsberei tschaft zu zeigen in der Lage seien, wohingegen Jungen sich strukturkonservativ an veralteten Rollenbildern orientierten und ihre Leistungsf\u00e4higkeiten gleichzeitig \u00fcbersch\u00e4tzten (Hurrelmann\/Quenzel 2008: 2). Als Beleg f\u00fcr die sozialisationstheoretische These zum Wandel der Sozialstruktur werden zahlreiche Befunde de r internationalen Jugend- und der Schulforschung angef\u00fchrt, um zu zeigen, dass wir es mit dem seltenen Fall der Umkehr eines Stratifikationsmusters zu tun h\u00e4tten (Quenzel\/Hurrelmann 2010: 61). F\u00fcr Hurrelmann ist damit eine d\u00fcstere Zukunft verbunden, wenn er prognostiziert, in drei\u00dfig Jahren seien \"alle gehobenen Berufe mehrheitlich in Frauenhand\" (Spiewak\/Otto 2010: 2) . Die phantasierte Umkehrung von Geschlechterhierarchien verweist auf die Tiefenstruktur der Debatte zur Krise der Jungen. chen gegenw\u00e4rtig bereits benachteiligt si nd und langfristig gesellschaftlich abgeh\u00e4ngt werden. Die behauptete Umstrukturierung im Ge schlechterverh\u00e4ltnis wird als Folge einer Entwicklung eingesch\u00e4tzt, in deren Verlauf 'typisch' weibliche Verhaldie gegenw\u00e4rtige Situation im Bildungs system Ausdruck einer gesellschaftlichen Ver\u00e4nderung sei, in deren Verlauf sich ein soziales Stratifikationsmuster umgekehrt habe. Anders gesagt, nehmen sie an, dass Jungen gegen\u00fcber M\u00e4dSozialisation im Kontext des Krisendiskurses \u00fcber Jungen Wie bedrohlich der gesellschaftliche Wa ndel erlebt wird, wird im Ansatz von Quenzel und Hurrelmann (2010) deutlich, wenn sie davon ausgehen, dass 3 Komplexit\u00e4t und Offenheit Die untersuchte geschlechtertheoretische Diskurskonstellation ist gekenn103 dualistisch auseinanderfallen zu lassen\" (Dausien 2006: 27). seinen gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen und die Gesellschaft in ihrer Dimension als historische Konfiguration sozi aler Subjektverh\u00e4ltnisse zu begreifen, ohne das eine in das jeweils andere aufgehen, aber auch ohne die beiden Seiten Sozialisationskonzepte einen wesentlichen Anteil an der Naturalisierung und Tradierung von Geschlechterannahmen haben, ist eine geschlechtertheoretisch fundierte Sozialisationsforschung ein unve rzichtbares Instrument der Aufdeckung von biologistischen Unterstellungen (vgl. Rendtorff 2003: 163). Wie kann Geschlechtersozialisation theoretisch erfasst und empirisch untersucht werden, ohne dass normative, essentialisierende oder deterministische Annahmen den Blick lenken? Auf diese Frage gibt es keine einheitliche Antwort. Es zeigen sich aber Konturen einer an Komplexit\u00e4t und Offenheit orientierten Sozialisationstheorie (vgl. Ha gemann-White 2006: 76), die durch das ausdifferenzierte Wissen der Geschlechterforschung immer weiter transformiert wird, statt ein einheitliches Modell zu bieten. \"Dazu geh\u00f6rt begriffliche \u00dcbersetzungsarbeit, die notwendig ist, um unterschiedliche Sichtweisen in ein Erg\u00e4nzungsverh\u00e4ltnis zueinander zu \u00fcb erf\u00fchren, ohne dabei die Bruchstellen unkenntlich zu machen, di e jeder Ebenenwechsel m it sich bringt\" (BeckerSchmidt 2006: 304f.). Beziehen wir di ese \u00dcberlegungen auf die im ersten Abschnitt dieses Beitrags skizzierten Theori eans\u00e4tze zu Geschlecht, ergibt sich daraus die ambitionierte Aufgabe, str ukturtheoretische, Interaktions- und diskurstheoretische sowie subjekttheoretis che Ans\u00e4tze nicht gegeneinander auszuspielen, sondern auf ihre wechselseitigen \u00dcbers etzungs- und Vermittlungspotenziale hin zu untersuchen. Eine solche \u00dcbersetzungsleistung, die ansteht, betrifft ganz besonders die fehlende Ausbuchstabierung einer \"a ngemessenen Subjekttheorie\" (Dausien 2006: 21), dies haben sowohl Andr ea Maihofer (2002) als auch Bettina Dausien ausf\u00fchrlich diskutiert. \"Es geht um die Herausforderung, das Subjekt in Geschlechtersozialisation: Die offen ge haltenen, auf Komplexit\u00e4t abzielenden Theorietraditionen der Geschlechterforschung werden zwar nicht vollst\u00e4ndig verworfen, setzen aber bestenfalls n achrangige Impulse, wenn das Soziale des Geschlechts ins Spiel kommt. Geschlechtertheoretische Ans\u00e4tze zu So zialisation sind vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen keinesfalls \u00fcberholt. Ganz im Gegenteil, solange Mechthild Bereswill, Gudrun Ehlert gleichheitsverh\u00e4ltnissen und mit der Arbeitsteilung der Geschlechter in Institutionen aus. Sozialisation changiert in diesem Argumentationsgang lediglich zwischen der normativen Optimierung von individueller Entwicklung und deren Gef\u00e4hrdung durch den Wandel der Geschlechterordnung. Zu betonen ist der weit reichende Einfluss von neurowissenschaftlichen und evolutionsbiologischen Konstruktionen von Weiblichkeit und M\u00e4nnlichkeit als Beleg f\u00fcr die Evidenz von Unte rschieden, die als 'Anlagen' festgeschrieben werden. Hier greift eine Verschiebung in der Wissensordnung zu 104 Denkhorizont immer wieder \u00f6ffnen. sellschaft gegenw\u00e4rtig denken. In diesem Sinn pl\u00e4dieren wir f\u00fcr ein fortlaufendes Wechselspiel zwischen einer rekons truktiv angelegten, empirisch begr\u00fcndeten Theoriebildung und gesellschaftstheoretischen Fragen, die den eigenen nissen. Damit greift auch eine unmitt elbare Verkn\u00fcpfung von sozialem Handeln mit der subjektiven Bedeutung von Geschlechterdifferenz zu kurz (vgl. Bereswill 2014: 195ff.). Begreifen wir Geschlechtersozialisati on als einen vielfach gebrochenen, durch Ungleichzeitigkeiten und Konflikte gekennzeichneten Prozess der Vergesellschaftung, so verweist dies auf die metatheoretische Frage, wie wir Geden keine Handlungseinheit, auch wenn dies in Prozessen des 'doing gender' so erscheint. Sozialisation ist vielmehr ein ungleichzeitiger, unabgeschlossener Prozess der Herausbildung eines Subjekts in konkreten Geschlechterverh\u00e4ltDie subjektiven Identifizierungen von Menschen gehen nicht in der klassifizierenden Wirkmacht des kulturellen Symbolsystems auf. Frauen repr\u00e4sentieren keine bruchlose Version von Weiblichkeit, M\u00e4nnlichkeit und M\u00e4nner bilSozialisation im Kontext des Krisendiskurses \u00fcber Jungen Wie kann dieses Kunstst\u00fcck gelingen? Im fortlaufenden Dialog \u00fcber die Reichweite und die Grenzen unserer jew eiligen Konzepte, aber auch, indem wir uns dazu durchringen, Subjektivit\u00e4 t als eine komplexe Dynamik weiter auszubuchstabieren. Ziel kann dabei eine Auffassung des Subjekts sein, die auf normative Pr\u00e4missen verzichtet und die Herausbildung einer strukturierten Subjektivit\u00e4t nicht an Leistung oder St \u00f6rung misst. Subjektivit\u00e4t w\u00e4re vielmehr als ein lebenslanger biographischer Pro zess zu rekonstruieren, in dessen Mittelpunkt die Verarbeitung von unbewu ssten wie bewussten Konflikterfahrungen von Menschen steht. Identit\u00e4t wird demnach immer neu ausbalanciert, sie bildet keine abgeschlossene Einheit und kann kein normatives, durch Reife gekennzeichnetes Entwicklungsziel sein. In diesem Sinne begreifen wir Geschlecht als eine Konfliktkategorie und betonen damit die spannungsreiche und br\u00fcchige intrasubjektive Aneignung und Verarbeitung von intersubjektiven Repr\u00e4sentanzen und kulturellen Repr\u00e4sentationen der Geschlechterdifferenz. Literatur Aigner, Josef Christian (2011): 'Public Fathers'. Zur Bedeutung und Problematik der Mann-Kind-Beziehung in der \u00f6ffentlichen Erziehung. In: psychosozial 34. Jg., Heft IV (Nr. 126), S. 13-20. Aigner, Josef Christian \/ Poscheschnik, Gerald (2011): Kinder brauchen M\u00e4nner! Wozu eigentlich? Editorial. In: psychosozial 34. Jg., Heft IV (Nr. 126), S. 5 - 11. Becker-Schmidt, Regina (1985): Probleme einer feministischen Theorie und Empirie in den Sozialwissenschaften. 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Sch\u00e4ffer 2012: 142). 3 Die Verwendung des deutschsprachigen Begriffs Geschlecht soll an den urspr\u00fcnglichen radikalen Impetus feministischer Gesellschaftskritik erinnern und gleichzeitig die Karriere des Begriffs gender vom kritischen Konzept zum mainstreamlabel hinterfragen (vgl. Knapp 2008: 301). weise in Bundeswehr, Kirche, Parteien, Sportvereinen oder Bildungsinstitutionen wie der ten; zum anderen gibt es aber auch in gr\u00f6\u00dferen organisationalen Kontexten wie beispielszessen (Wetterer 2003) und zu einem neuen neoliberalen Geschlechtervertrag (McRobbie 2010). Angelika Wetterer merkt hinsichtlich der Fragen nach der im Studium und durch gesellschaftliche Ge schlechterdiskurse gepr\u00e4gt sind. Als Referenzrahmen f\u00fcr die Analyse der sprachlichen Artikulationen der Studierenden fungieren \u00dcberlegungen zu rhetorischen Modernisierungspround zum anderen gesellschaftliche Transformationsprozesse und Diskurse in den Blick. Auch wenn davon auszugehen ist, dass das Studium f\u00fcr die Studierenden einen \"konjunktiven Erfahrungsraum\" Gruppendiskussionen Eine qualitativ-rekonstruktive Analyse studentischer gesellschaftlicher Diskurse. Die (De-)Thematisierung von Geschlechterhierarchien im Verh\u00e4ltnis akademischer Sozialisationsprozesse und 1 Sabine Klinger 1 Einleitung Den Ausgangspunkt dieses Beitrags bildet die Frag e nach den Thematisierungsweisen von Geschlecht und Geschlechterfragen bei Studierenden der Erziehungswissenschaft. Dabei geraten zum einen die akademische Sozialisation 2 (Bohnsack 2006: 280f.; Mannheim 1980) darstellt, bleibt die Frage o ffen, inwieweit dieser den sozialisatorischen Horizont f\u00fcr das Reden \u00fcber Geschlecht bildet und inwiefern er gleichzeitig von gesellschaftlichen Transfor mationen und Modernisierungsprozessen \u00fcberlagert wird. Diese \u00dcberlegungen basieren auf einer empirischen Studie zu den Fragen, wie Studierende der Erziehungswissenschaft Geschlecht 3 thematisieren und wie diese Thematisierungen durch gemeinsame Erfahrungen 1 Ich m\u00f6chte den Herausgeber_innen recht herzlich f\u00fcr ihre produktiven Anregungen und Kommentare danken. 2 Konjunktive Erfahrungsr\u00e4ume entstehen in verschiedenen Dimensionen: zum einen in konkreten Gruppen, wie Peergroups von Jugendlichen oder Studierenden oder in Nachbarschaf- zu diskutieren, welche Herausforderunge n sich daraus f\u00fcr diese Debatte ergeben (Kapitel 5). tit\u00e4t (Maihofer 2002), noch Fragen nach geschlechtsgebundener Sozialisation (Dausien 1996), fo kussiert werden, ist es Ziel dieses Artikels, die Sozialisationsdebatte auf Basis der empirischen Befunde weiter anzuregen und die Frage durch Widerspr\u00fcche, Br\u00fcche und U ngleichzeitigkeiten gekennzeichnet sei (vgl. 2003: 288). Sie beschreibt ein Nebeneinander von Gleichheit und Ungleichheit und die Diskrepanz zwischen den \u00dcberzeugungen und dem Handeln der Individuen. Angela McRobbie (2010) konstatiert, dass junge Frauen heute mit \"neuen Gender-Diskursen\" konfrontiert seien und ihnen ein \"neuer Geschlechtervertrag\" angeboten werde. Im Folgenden wird als Einstieg di e im Zentrum stehende qualitativ-rekonstruktive Analyse studentischer Gruppe ndiskussionen dargestellt (Kapitel 2), auf deren Basis vier Thematisierungswe isen von Geschlecht und Geschlechterfragen (3.1 Numerische Feminisierung des Studiums, 3.2 Geschlecht als curriculares Querschnittsthema, 3.3 Gesc hlechtergerechte Spr ache, 3.4 Gleichberechtigung und Emanzipation) rekonstr uierbar sind. Hierbei wird die Frage diskutiert, inwiefern nebe n dem Studium auch gesellschaftliche Transformations- und Modernisierungsprozesse als wichtiger konjunktiver Erfahrungsraum fungieren. In der anschlie\u00dfenden Verkn\u00fcpfung mit den theoretischen Referenzpunkten (Kapitel 4) l\u00e4sst sich nachzeichnen, dass bei der studentischen Auseinandersetzung mit Geschlecht und Geschlechterfragen auf den von Angela McRobbie konstatierten \"n euen Geschlechtervertrag\" (2010) sowie die \"rhetorische Modernisierung\" (Wette rer 2003) Bezug genommen wird und diese als Orientierungsrahmen rekonstruiert werden. Auch wenn mit diesem Beitrag weder klassische Sozialisationsfragen, wie z.B. die Genese von IdenSabine Klinger Modernisierung und der Relevanz des Ge schlechterverh\u00e4ltnisses in der heutigen westlichen Gesellschaft an, dass die gegenw\u00e4rtige Situation vor allem 2 Eine qualitativ-rekonstruktive Analyse studentischer Gruppendiskussionen Das im Folgenden dargestellte empirische Material basiert auf vier Gruppendiskussionen, an denen sich 14 Studierende (zwei m\u00e4nnlich, zw\u00f6lf weiblich; sieben Bachelor- und sieben Diplomst udierende) aus zwei deutschsprachigen Universit\u00e4ten beteiligt haben. Die Teilnah me von Bachelor- und Diplomstudierenden ber\u00fccksichtigt den Wandel des europ\u00e4ischen und deutschen Hochschulsystems, das zum Zeitpunkt der Er hebung vom Bologna-Prozess und den damit verbundenen Ver\u00e4nderungen der universit\u00e4ren Hochschulausbildung auf das Bachelor-Master-System gepr\u00e4gt war. Die Teilnehmer_innen befanden 112 Handlungspraxis wird internalisiert und inkorporiert, \"d.h. in das Wie, in den modus operandi der k\u00f6rperlichen und auch sprachlichen Praktiken eingeschrieben\" (Bohnsack 2001a: 331). Im Auswertungsprozess lassen sich auf Basis dieser methodologischen \u00dcberlegungen kollektive Orientierungen bzw. kollektives Wissen durch die Klinger 2014: 157ff.). Die dokumentarische Methode beruht auf den metatheoretischen Grundlagen der praxeologischen Wissenssoziologie und steht in der Tradition der Wissenssoziologie Karl Mannheims. Das Int erpretationsverfahren der dokumentarischen Methode erm\u00f6glicht nicht nur ei nen Zugang zu reflexiven und theoretischen Wissensbest\u00e4nden, sondern auch zu einem impliziten, handlungsleitenden Wissen (vgl. Bohnsack 2008). Die Unterscheidung zwischen kommunikativem (oder immanentem) und konjunktivem (oder dokumentarischem) Sinngehalt ist hierbei zentral, da sie Zugang zu beiden Wissenseben en er\u00f6ffnet (vgl. Kubisch 2008: 75). W\u00e4hrend es sich beim kommunikativen Wissen um ein \u00f6ffentliches und reflexiv zug\u00e4ngliches Wi ssen handelt, basiert das konjunktive Wissen auf der gemeinsam gelebten milieu spezifischen Praxis der Akteur_innen. Dort, wo Menschen eine bestimmt e Sozialisationsgeschichte und Handlungspraxis teilen und sich unmittelbar verstehen, spricht Mannheim von \"konjunktiven Erfahrungsr\u00e4umen\" (vgl. ebd.). Die konjunktiven Erfahrungen stellen ein verbindendes Element zwischen den einzelnen Personen dar, wodurch sich kollektive Erfahrungsaufschichtungen bilden (vgl. Sch\u00e4ffer 2012: 142). Aus Sicht der dokumentarischen Method e ist davon auszugehen, dass Individuen oder Gruppen immer an mehreren verschiedenen konjunktiven Erfahrungsr\u00e4umen teilhaben. Dies e k\u00f6nnen beispielsweise geschlechts- oder generationsspezifisch gepr\u00e4gt sein und sich au\u00dferdem wechselseitig \u00fcberlagern (vgl. Bohnsack 2001b; Kubisch 2005: 75). Gemeinsame Erfahrungen sind hier nicht auf das Kognitive zu reduzieren, sondern basier en auf dem gemeinsamen Handeln und Erleben der Personen. Diese gemeinsam erlebte und gelebte t\u00e4ten gibt es ein Zentrum f\u00fcr die Erfors chung der Geschlechterverh\u00e4ltnisse und f\u00fcr feministische Wissenschaft, die entsprechende Studienprogramme offerieren (siehe Klinger 2014: 132). Da die Gruppendiskussionsteilnehmer_innen in der Regel \u00fcber eine gemeinsame Erfahr ungsbasis verf\u00fcgen (vgl. Przyborski\/ Wohlrab-Sahr 2009: 113) und die Grup pe der Studierenden der Erziehungswissenschaft repr\u00e4sentieren, entspricht die Zusammensetzung der Gruppen dem Prinzip der \"Realgruppen\" (ebd.). Die vier Gruppendiskussionen wurden mit den Bezeichnungen 'Holz', 'Feuer', 'Wasser', 'Metall' versehen und nach der dokumentarischen Methode (Bohnsack 2008: 134ff.) ausgewertet (siehe Die (De-)Thematisierung von Geschlechterhierarchien sich zum Zeitpunkt der Gruppendiskussi onen zwischen dem zweiten und dreizehnten Semester ihres Studiums. Die Gruppenzusammenstellung erfolgte hinsichtlich des Studiengangs (Bachelor- bz w. Diplomstudiengang) homogen. An beiden Universit\u00e4ten haben sich je eine geschlechterheterogene Gruppe und eine -homogene (Frauen-)Gruppe zusammengefunden. An jeder der Universi113 konjunktiven Erfahrungsraumes des Stud iums. Dieser wird von allen Gruppen als 'numerisch feminisiert' wahrgenommen. sierung' von der eher passiven 'Nicht- Thematisierung' von Geschlecht. Bei letzterer bleibt die Hintergrunderwartung der Geschlechtsdarstellung latent, sie wird nicht problematisiert. Neutralisie rung und Neutralisierungsstrategien beziehen sich hingegen erkennbar auf die Normalit\u00e4tserwartung der Geschlechtszuordnung und versuchen, ihr mehr oder weniger aktiv und absichtsvoll entgegenzuwirken (vgl. ebd.). Diese \u00dcberlegungen von Angelika Wetterer decken sich zum Teil mit den Befunden der hier dargestellten Studie. Anhand der am empirischen Material vorgestellten Thematisierungsweisen wi rd zum einen deutlich, dass die Hintergrunderwartung der Geschlechtsdars tellung und -zuordnung zumeist latent bleibt und nicht zum Gegenstand der Diskussion gemacht wird. Zum anderen dokumentiert sich die Begrenztheit der akademischen Sozialisation und des die interpretative Generierung von Orie ntierungsrahmen vor dem Hintergrund kollektiver Erlebnisschichtung, welche zugleich die Voraussetzung und das Produkt einer gemeinsamen Praxis bildet (vgl. Bohnsack 2001b: 231ff.). Mit dem Begriff der Thematisierung kn\u00fcpfe ich an dieser Stelle an die \u00dcberlegungen von Angelika Wetterer an (Wetterer 2002: 149). Bezugnehmend auf das Konzept des undoing gender unterscheidet sie aktive Strategien der 'Neutralisen zumindest phasenweise ohne Eingriffe der Forscher_innen miteinander sprechen (k\u00f6nnen) (vgl. Bohnsack 2010: 106). Zudem gibt die Diskursorganisation (vgl. Przyborski 2004) Aufschluss dar\u00fcber, ob und wie Studierende Geschlecht thematisieren (siehe Klinger 2014: 157ff.). Sabine Klinger wechselseitige Bezugnahme der Teilnehmer_innen rekonstruieren. Das unmittelbare Verstehen innerhalb einer Grupp e wird m\u00f6glich, indem sich gemeinsam geteiltes, atheoretisches Wissen in einem \"konjunktiven Erfahrungsraum\" (Bohnsack 2006: 280f.; Mannheim 1980) konstituiert. Dazu muss eine gewisse Selbstl\u00e4ufigkeit der Diskussion gegeben sein und die Teilnehmer_innen m\u00fcs3 Thematisierungsweisen von Geschlecht und Geschlechterfragen Im Folgenden werden unterschiedliche Thematisierungsweisen von Geschlecht anhand von vier Gruppendiskussionsausz\u00fc gen dargestellt. Dabei handelt es sich nicht um die in der dokum entarischen Methode \u00fcblichen, abschlie\u00dfenden sinngenetischen bzw. soziogenetischen Typenbildungen, sondern um 114 piert (vgl. Rieske 2011: 50). Dies ist jedoch eine verk\u00fcrzte Darstellung und Verwendung der Feminisierungsthese (vgl. ebd. 2011: 50). 5 Die Transkription orientiert sich an den Regeln von Talk in Qualitative Social Research. typischerweise dieses Studium w\u00e4hlen, sondern eine Ausnahme darstellen. Um das Auff\u00e4llige an der Geschlechterver teilung hervorzuheben, unterstreicht Tomke zudem das ungleiche Verh\u00e4ltnis von Professoren und den Studenten. Frauen und ein Mann, beteilig ten, wird die \u00dcberrepr\u00e4sentation von Frauen hervorgehoben und das Studiu m der Erziehungswissenschaft als \"typischer Frauenstudiengang\" bezeichnet. Die (De-)Thematisierung von Geschlechterhierarchien 3.1 Numerische Feminisierung des Studiums Die statistische Repr\u00e4sentation von Fr auen und M\u00e4nnern spielt in jeder der Gruppendiskussionen eine wichtige Ro lle. Dabei werden kollektive Wissensbest\u00e4nde und gemeinsame Erfahrungsstru kturen zur Artikulation gebracht, die auf der Basis von existenziellen, erlebnism\u00e4\u00dfigen Gemeinsamkeiten in konjunktiven Erfahrungsr\u00e4umen gebildet werden (vgl. Przyborski\/Wohlrab-Sahr 2009: 105). Diese Diskussion um di e zahlenm\u00e4\u00dfige Repr\u00e4sentanz der Geschlechter wirft die Frage nach der Feminisierungsthese 4 des Faches und des Studiums auf. In der Gruppe Holz, an der sich sechs Bachelorstudierende, f\u00fcnf Tomke: [...] es ist auff\u00e4llig, dass wir einen unglaublichen Frauen\u00fcberschuss haben. Mika: \u014a \u014a \u014a \u014a Erziehungswissenschaften sind ja eindeutig eher so ein typischer Frauenstudiengang. (Gruppe Holz, Beginn: Zeile 937)5 Mit dem \"unglaublichen Frauen\u00fcberschuss \" betont Tomke die numerische Feminisierung des Faches. Dies elaboriert sie an dem Beispiel, dass M\u00e4nner nicht 4 Aktuell wird die Feminisierungsdebatte insbesondere im Rahmen des Bildungswesens und der Schule gef\u00fchrt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass diese Diskussion auch auf das Studium der Erziehungswissenschaft \u00fcbertragen werden kann. Im Bildungswesen und in der Schule wird die These von der Feminisierung als Ursache f\u00fcr Jungenbenachteiligung rezi115 [...] und dann fand ich das eigentlich ir gendwie spannend [...]\" (Zeile 463). F\u00fcr sie stellt das Studium demnach eine n wichtigen Ort f\u00fcr die Auseinanderschaftlicher Strukturen mit sich bri ngt (vgl. Rieske 2011: 50ff.). Die Thematisierung der statistischen Repr\u00e4sentation von Frauen und M\u00e4nnern im Studiengang und -fach und die numerische Femi nisierung des Studiums basieren auf dem gemeinsamen Erleben der Teilnehme r_innen und bilden somit ihren Orientierungsrahmen. Im Gegensatz dazu stellt die Thematisierung von Geschlecht als Querschnitts thema im Curriculum kein verbindendes Element zwischen den einzelnen Personen da r, wie im Folgenden dargestellt wird. Sabine Klinger Indem sie ausf\u00fchrt, dass \"wir alle\" mehrere Professoren nennen k\u00f6nnten, generalisiert sie ihre pers\u00f6nliche Erfahru ng und verleiht ihr damit mehr Gewicht. Mika validiert Tomkes pers\u00f6nliche Einsch\u00e4tzung und Erfahrung. Indem Tomke Erziehungswissenschaft als \"typische[n] Frauenstudiengang\" bezeichnet, bringt sie das Ungleichgewicht bei der Verteilung von Studentinnen und Studenten zum Ausdruck. Damit konkludiert sie gleichsam diese Passage. Hier dokumentiert sich, dass der Studienga ng Erziehungswissenschaft als numerisch feminisiert erlebt wird. Die Femini sierungsthese, auf die hier Bezug genommen wird, umfasst drei Dimensionen (Francis\/Skelton 2005): (1) eine numerische Feminisierung (d.h. ein erh\u00f6 hter Frauenanteil), (2) eine kulturelle Feminisierung (d.h. als 'weiblich' klas sifizierte F\u00e4higkeiten, Interessen und Verhaltensweisen werden in einer Fachkultur h\u00f6her gesch\u00e4tzt und st\u00e4rker gef\u00f6rdert) sowie (3) eine politische Feminisie rung (d.h. feministische Positionen, Ansichten und P\u00e4dagogiken werden verbre itet) (vgl. Rieske 2011: 50). Auch wenn sich der h\u00f6here Frauenanteil in der Erfahrung der Studierenden als relevant erweist, bleibt hervorzuheben, dass gleichzeitig eine vertikale Segregation im Studium (Vergleich zwischen An zahl der Studentinnen und Professorinnen) existiert und damit bestehende Ge schlechterhierarchien trotz des Frauen\u00fcberschusses reproduziert und tradiert we rden. Somit zeigt sich, dass ein rein numerischer Anteil an der Teilhabe keine automatische Ver\u00e4nderung gesell3.2 Geschlecht und Geschlechterfragen als curriculares Querschnittsthema In der Gruppe Holz wird von einer Teil nehmerin Kritik an den androzentrischen Inhalten einer Lehrveranstaltung ge\u00fcbt und bem\u00e4ngelt, dass geschlechterreflektierende Inhalte nicht als Quersc hnittsthema im Curriculum vertreten sind. Diese Kritik wird von ihren Ko mmiliton_innen nich t aufgegriffen und bleibt ein Einzelbeitrag und ein individu elles Thema. \u00c4hnliches l\u00e4sst sich in der Gruppe Wasser rekonstruieren: Hier beschreibt eine Teilnehmerin ihre anf\u00e4ngliche Auseinandersetz ung mit Geschlechterfragen. Sie f\u00fchrt aus: \"[I]ch habe ein Seminar durch Zufall belegt, was mit Geschlecht und Erziehung war, 116 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler oder so. und im Studium dargestellt. Diese Form der Thematisierung wird teils positiv bewertet und teils als nicht notwendig oder \u00fcbertrieben bezeichnet. Mit Ausnahme der Gruppe Metall dominiert di e Verwendung des generischen Maskulinums; geschlechtergerechte Paarbildungen oder andere Formen geschlechtergerechter Sprache sind die Ausnahme. Am Ende einer Passage zur Relevanz von geschlechtergerechter Sprache im Studium konkludiert eine Gruppendiskussionsteilnehmerin aus der Gruppe Holz (Zeilen: 1197-1201): Gruppen wurde sie auf Nachfrage der Inte rviewerin diskutiert. In den Gruppen Metall und Wasser wird geschlechtergerechte Sprache als eine Form der Auseinandersetzung mit Geschlecht und Geschlechterfragen an der Universit\u00e4t Wissen (vgl. Przyborski\/Wohlrab-Sahr 2009: 105) hinsichtlich der curricularen (Gruppe Wasser) bzw. kritischen (G ruppe Holz) Auseinandersetzung mit Geschlecht und Geschlechterfragen geteilt wird. Die Diskussionen sind keineswegs von feministischen Ansichten und P\u00e4dagogiken gepr\u00e4gt. Daher l\u00e4sst sich in den Gruppendiskussionen die (g esellschafts-)kritische Auseinandersetzung mit Geschlecht und Geschlechterfragen nicht als kollektives Orientierungsmuster rekonstruieren, stattdessen ist der gemeinsame Erfahrungsraum vor allem von der numerischen Feminisierung gepr\u00e4gt. Aspekte der politischen Feminisierung dokumentieren sich nicht, wie in der nachstehenden Diskussionspassage zur geschlechtergerechten Sprache deutlich wird. Die (De-)Thematisierung von Geschlechterhierarchien setzung mit Geschlecht dar und sie greif t auf ihre studiumsbezogenen Erfahrungen zur\u00fcck. Bei diesen zwei Beispiel en kommt es zu keiner wechselseitigen Bezugnahme der Gruppendiskussionst eilnehmer_innen, was darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass es innerhalb des konjunktiv en Erfahrungsraums des Studiums zu keinen gemeinsamen Erfahrungen gekommen ist und damit kein kollektives 3.3 Geschlechtergerechte Sprache Bei der Thematisierung der geschlechterge rechten Sprach- un d Sprechpraxis der Studierenden dokumentiert sich kein e gemeinsame Praxis, sondern vor allem kommunikativ-generalisierendes (theoretisches) Wissen. In zwei Gruppen (Metall und Wasser) wird geschlechter gerechte Sprache von den Gruppendiskussionsteilnehmer_innen initiativ angesprochen; bei den anderen beiden Luan: Ich denke auch manchmal, also ich meine wir sind ja in der privilegierten Situation, dass f\u00fcr uns schon einige weibliche Wesen was erreicht haben, und gar nicht mehr so klar, es gibt diese Benachteiligung, aber ich finde so im Unialltag, habe ich da nicht das Gef\u00fchl ich m\u00fcsse jetzt unbedingt, beweisen, dass Frauen und M\u00e4nner, und Luan hebt ihre Orientierung hervor, da ss Frauen 'heute' \"in der privilegierten Situation\" seien, \"dass f\u00fcr uns schon einige weibliche Wesen was erreicht haben\". 'Fr\u00fcher' bildet hier den unausgesprochen negativen Orientierungshori117 xis eine erneute Neutralisierung und Ve rdeckung von sozialen Ungleichheiten und deren Wirkmechanismen statt. Zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt greift Loris das Thema nochmals auf und erweitert die Diskussion zur geschlechtergerechten Sprache um die Variante des gender gaps. Dieser stellt f\u00fcr die Teilneh mer_innen jedoch kein geteiltes Wissen dar und kann somit auch nicht als kollektive Orientierung der Gruppe fungieren: mentationsbasis bei der Diskussion zu geschlechtergerechter Sprache dar. Die Studierenden scheinen davon auszugehen, dass ein rein numerischer Vorsprung von Frauen ausreichend sei, um eine Ver\u00e4nderung gesellschaftlicher Strukturen zu initiieren, und dass sich di e ,,Idee der Gleichheit'' (Koppetsch\/ Burkart 1999: 193) und der Gleichberechtigung selbstwirksam erf\u00fclle. In Bezug auf Geschlecht und Geschlechterfragen findet durch diese HandlungspraSabine Klinger zont. Darin wird die Vorstellung eines modernisierten Geschlechterverh\u00e4ltnisses als Orientierungsrahmen deutlich. Im \"Unialltag\" habe Luan \"nicht das Gef\u00fchl, ich [Luan] m\u00fcsse jetzt unbedingt beweisen, dass Frauen und M\u00e4nner und Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, oder so\" be nachteiligt werden. In dieser Logik m\u00fcssen Frauen im universit\u00e4ren Alltag, der als numerisch feminisiert wahrgenommen wird, nicht durch eine geschlechtergerechte Schreib- und Sprechpraxis hervorgehoben werden. Daher stellt das als numerisch feminisiert rekonstruierte Studium der Erziehungswissenschaft die im Hintergrund wirksame ArguLoris: Also so ,Sch\u00fcler', und dann Bindestrich unten, und dann ,innen'. Luan: \u014a \u014a Echt? Hab ich ja noch nie gesehen. Luan: \u014a \u014a \u014a \u014a \u014a \u014a \u014a 118 rechte Sprache und ihre Schreibweise n als m\u00fchevoll degradiert und als von au\u00dfen herangetragen e Reglements zur\u00fcckgewiese n. Die kritische Auseinandersetzung mit der Zweigeschlechtlichk eit und der M\u00f6glichkeit weiterer Geschlechtsidentit\u00e4ten wird als 'zu anstre ngend' empfunden. Hier l\u00e4sst sich rekonstruieren, dass die Gruppe die Verwendung des gender gaps und der geschlechtergerechten Sprache als kollektive Orien tierung ablehnt. Interessant ist an dieser Stelle, dass \"das dritte Geschlecht\" bzw. die M\u00f6glichkeit, dass es Personen gibt, die nicht wissen (wollen), \"ob sie m\u00e4nnlich oder weiblich sind\", nicht diskutiert wird . Dies verweist darauf, dass das kulturelle System der Zweigeschlechtlichk eit und seine symbolische Ordnung hier als fundamentale Orientierungs- und Ordnungsrahmen gelten (MicusLoos 2013: 180). Gleichzeitig wird auf eine (kritisch e) Auseinandersetzung mit der geschlechtlichen Norm der Zweig eschlechtlichkeit und der Heteronoreingeschlossen sind (lacht).\" Demnach gibt es laut Luan nicht nur M\u00e4nner und Frauen, die ein- oder ausgeschlossen werden, sondern auch \"das dritte Geschlecht\". Die vage und zaghaft wirkend e Formulierung \"also ich habe geh\u00f6rt\" verleiht der Aussage den Charakter eines Ger\u00fcchts und wirkt wie Halbwissen, zudem erscheint ihr Erkl\u00e4rungsversuch au fgrund ihres Lachens etwas unsicher bzw. verliert den Charakter der Ernsth aftigkeit. Loris bringt durch ihren Beitrag einen neuen Aspekt in die Diskussion ein, n\u00e4mlich dass es mehr als zwei Geschlechter und Geschlechtsidentit\u00e4ten ge be und auch diese durch die Sprache ein- bzw. ausgeschlossen werden k\u00f6nnten. Dies stellt f\u00fcr die Gruppendiskussionsteilnehmer_innen je doch kein geteiltes Wissen und somit auch keine kollektive Orientierung dar, wie sich an den Reaktionen von Robyn, Tomke und Luan erkennen l\u00e4sst. In Robyns Beitrag (\"Oh mein Gott, das ist ja total korrekt\") steckt eine implizite Ablehnung. \"Das\" kann sich zum einen auf den gender gap beziehen, aber zum anderen auch auf die Ausein andersetzung mit einem \"dritte[n] Geschlecht\". Tomke fasst leise zusammen: \"Vom Gender- zum Diversitymanagement\", also von Gender, der Zweigeschlechtlichkeit, zur Vielfalt. Die Ablehnung dieser Orientierung wird auch du rch ein \"Raunen\" h\u00f6rbar, das durch die Gruppe geht. Abschlie\u00dfend konkludier t Luan: \"Das finde ich dann anstrengend.\" Robyns Einw\u00fcrfe bringen ihre Ablehnung hinsichtlich einer Diskussion zu Geschlechterfragen zum Ausdruck und zudem werden die geschlechterge\"Echt? Hab ich ja noch nie gesehen\"; \"Ehrlich?\" wird deutlich, dass Loris als Einzige diese Schreibweise kennt. Auf Luans Frage nach der Sinnhaftigkeit des gender gaps erl\u00e4utert Loris, dass damit \"alle [...] eingeschlossen sind, die nicht wissen, oder die\". Luan erg\u00e4nzt Loris: \"Ob sie m\u00e4nnlich oder weiblich sind\", Loris ratifiziert Luans Fertigstellung , und Luan gibt ihrerseits an, dass sie verstanden habe. Luan elaboriert noch weiter: \"Damit die dann auch noch Die (De-)Thematisierung von Geschlechterhierarchien Mit dem gender gap beschreibt Loris keine Handlungspraxis, sondern ein theoretisches Wissen. Aus den folgenden Nachfragen und Kommentaren: \"Ja?\"; 119 doch allen offen. Nikita: Ja (Gruppe Feuer, Beginn Zeile: 529) Banales wo man denkt: Das nervt jetzt langsam mal. So. Also so kommt es mir jetzt gerade vor. Nikita: Ja ich hab immer das Gef\u00fchl, dass es von denen, die das so fordern, im Prinzip auch so ein Punkt @Emanzipation ist@, dass (noch) die Frau genannt werden muss, unbedingt die weibliche Form, aber wie gesagt, f\u00fcr mich spielt das irgendwie keine Rolle, [...] Alex: Also mir w\u00fcrde das auch so gehen, wenn ich in so einer Arbeit irgendwas von Therapeuten und P\u00e4dagogen lese, dass mir aus meiner Alltagserfahrung klar ist, da gibt es m\u00e4nnliche und weibliche, [...] [und] es steht ja letztlich ist uns eigentlich klar, warum das ist, aber im Prinzip ist uns auch schon klar, das haben wir schon hinter uns, das Thema. M\u00fcssen wir das jetzt noch mal diskutieren und noch mal feststellen. [...] Also es ist so (w\u00e4re) schon was es wird Stillschweigen dar\u00fcber bewahrt (siehe Wetterer 2002: 290). Hingegen wird die Orientierung an Gleichberechtigung und Emanzipation ausdr\u00fccklich verbalisiert, was auch in der n\u00e4chsten Passage der Gruppe Feuer zu beobachten ist. Sabine Klinger mativit\u00e4t verzichtet 6. Auch Geschlechterhierarchien und -differenzen und deren kulturelle sowie soziale Machtwirkungen werden erneut nicht reflektiert, 3.4 Gleichberechtigung und Emanzipation Der folgende Auszug aus der Gruppe Feuer, die sich aus zwei Bachelorstudentinnen zusammensetzt, zeigt durch die verbalen Beteuerungen von Gleichberechtigung und Emanzipation eine Thematisierungsweise von Geschlecht, die frei von jeglicher feministischer Kritik ist. Im nachstehenden Auszug wird deutlich, dass die Erfolge des Feminismus zwar anerkannt werden und zu einem Teil des Alltagsverst\u00e4ndnisses geworden sind, zugleich wird die Hervorhebung von Geschlechterfragen aber abgelehnt: Alex: Also ich vermute das auch, also dass da von uns, also in unserem Alter niemand das f\u00fcr wirklich so bedeutend h\u00e4lt; also es gibt sicherlich welche, aber dass es eher die die Minderheit ist, die sich daf\u00fcr einsetzen w\u00fcrden. [...] Es Alex validiert die Orientierung, dass geschlechtergerechte Sprache nicht wichtig sei, und grenzt ihren Geltungsbereich auf eine bestimmte Altersgruppe bzw. Generation ein. Mit dem Verweis auf da s \"Alter\" wird implizit auf einen Generationenwechsel hingedeutet. Die Ausf\u00fchrungen zur Sprache sind in einem 6 Dies steht im Gegensatz zur aktuellen Diskussion der Geschlechterforschung, welche queertheoretische Perspektiven in den Blick nimmt. Es werden Machtmechanismen untersucht, die Identit\u00e4ten zuordnen, anordnen und kontrollieren, und Prozesse der Identifizierung als fragw\u00fcrdige Voraussetzungen von Identit\u00e4t verstanden (vgl. Castro Varela 2011). 120 an inkorporiertem Wissen von Geschl echterdifferenz und -hierarchie orientiert, und (b) einer (explizit gemachten) Vorstellung von Toleranz, Egalit\u00e4t und Individualit\u00e4t, die sich an einem kom munikativen (\u00f6ffentlichen) Wissen(-sdiskurs) orientiert (vgl. Klinger 2014: 267). heute kritische Auseinandersetzungen und Reflexionen nicht mehr notwendig seien. In der Diskussion kommt es zu einer Vermischung von (a) 'Alltagswissen' oder vortheoretischem Wissen, das sich (implizit) an Vorstellungen bzw. Selbstbestimmung, Autonomie und Gleichberechtigung zentrale Bestandteile des Alltagswissens junger Frauen sind. In Abgrenzung zu \"fr\u00fcher\" wird betont, dass heutzutage Frauen und M\u00e4nnern alle Wege offen st\u00fcnden. Mit dieser Argumentationsfigur kommt es zwar zu einer Thematisierung von Geschlecht und Geschlechterfragen, durch den historischen Vergleich implizieren die Studierenden jedoch, dass sich bereits Ver\u00e4nderungen vollzogen haben und daher Gelingen und Scheitern kommt. Mit de m Vergleich der aktuellen Situation mit 'fr\u00fcher' versuchen die Stud ent_innen aller Gruppendis kussionen deutlich zu machen, dass sich Frauen heute emanzipiert und gleichberechtigt f\u00fchlen und Die (De-)Thematisierung von Geschlechterhierarchien vergleichenden Bedeutungsrahmen eingebett et, der die 'heute' erreichte Gleichberechtigung (\"das haben wi r schon hinter uns das Thema\") der ,fr\u00fcheren' Benachteiligung von Frauen gege n\u00fcberstellt. F\u00fcr eine 'j\u00fcngere' Generation, zu der sich auch die Teilnehmer_innen z\u00e4hlen, sei die geschlechtergerechte Sprache nicht relevant, nur \"die Minderheit\" setze sich daf\u00fcr ein. Die Gleichberechtigung und Emanzipation gilt - zumindest in der Arbeitswelt - als erreicht, und deshalb erscheint die kontinuierlic he Forderung danach als \"banal\" und als etwas, das \"jetzt langsam mal nervt\". Die Studentinnen machen deutlich, dass sie sich bereits emanzipiert und gleichberechtigt f\u00fchlen. Und mit der Argumentationsfigur, sich vom generische n Maskulinum angesprochen zu f\u00fchlen, validieren sie die Emanzipation u nd Gleichberechtigung von Frauen. Es kommt zu einer verbalen Beteuerung von Gleichheit und Gleichberechtigung. Indem die Teilnehmer_innen das generisc he Maskulinum als 'richtige und normale' Sprache darstellen, betonen sie, dass die geschlechtergerechte Sprache eine formale Anforderung sei, die es in einem bestimmten universit\u00e4r-akademischen Rahmen zu erf\u00fcllen gelte. F\u00fcr Alex und Nikita sind Emanzipatio n und Gleichberechtig ung heute bereits erreicht, weshalb sie dieses Thema f\u00fcr die j\u00fcngere (Frauen-)Generation als abgeschlossen betrachten. Die erre ichte Gleichberechtigung identifizieren Nikita und Alex in der scheinbar frei en Teilhabe beider Geschlechter am Arbeitsmarkt, dieser \"steht ja letztlich do ch allen offen\". In dieser Betrachtungsweise scheinen Probleme, Benachteilig ung und hinderliche gesellschaftliche Strukturen nicht der Rede wert, wodurch es zu einer Individualisierung von 121 scher Politik oder durch einen medialen Diskurs, in dem Jungen als Bildungsverlierer darstellt werden (vgl. Fegter 2012), - eine kritisch-reflexive studentische Thematisierung von Geschlecht und Geschlechterfragen erschweren, weshalb es zur Praxis der (De-)The matisierung von Geschlechterhierarchien kommt. Zur Explikation dieses nicht studiumsbezogenen Erfahrungsraums, der vor allem von gesellschaftlichen Dis kursen gepr\u00e4gt ist, werden im Anschluss die \u00dcberlegungen von Angelik a Wetterer zur \"rhetorischen Modernisierung\" (2003) und der von Angela McRobbie postulierte \"neue Geschlechtervertrag\" (2010) aufgegriffen. Dabei wi rd deutlich, wie sich die Studierenden zu verschiedenen Aspekten dieser Gese llschaftsdiagnosen verhalten und dass ihre sprachliche Praxis nicht auf eine gemeinsam erlebte und gelebte Handlungspraxis innerhalb ihres Studiums verweist. teilhaben. Meine These lautet deshalb, dass konjunktive Erfahrungen, basierend auf aktuellen gesells chaftlichen Diskursen - z.B. durch die Zurschaustellungen des Nicht-mehr-n\u00f6tig-Habens bzw. des 'Zu-weit-Gehens' feministiwird darauf verwiesen, dass bei der Th ematisierung von Geschlechterfragen gleichzeitig eine reflexiv e Auseinandersetzung mit Geschlechterhierarchien und -ordnungen nich t stattfindet. Bei der (De-)Thematisierung wird keine feministische Gesellschaftskritik artikulier t und somit auf kritische Reflexionen verzichtet. Auf diese Weise werden ge schlechtsbezogene Ungleichheit, Hierarchie und Benachteiligung verd eckt (vgl. Bitzan 2002: 30). Diese Form der (De-)Thematisierung ist zum einen Ausdruck davon, dass die Thematisierung von Geschlechterhi erarchien und der feministische Impetus keinen Orientierungsrah men f\u00fcr Studierende darstellen. Vielmehr wird die Orientierung an einer \"Art rhetorische [r] Gleichheit\" (McRobbie 2010: 18) bei gleichzeitiger Reproduktion hierarchischer Geschlechterverh\u00e4ltnisse (Koppetsch\/Burkhart 1999) erkennbar. Gese llschaftliche Transformationsprozesse wie die Ent\u00f6ffentlichung geschlechtshierar chischer Widerspr \u00fcche und Individualisierung gesellschaftlicher Konflikte, die ihre L\u00f6sung zu einer Privataufgabe machen (vgl. Bitzan 2000: 340), bilden die Grundlage f\u00fcr dieses kommunikativ-generalisierte Wissen. Daraus folgend kann zum anderen davon ausgegangen werden, dass die (De-)Thematisierung ein Resultat von konkurrierenden und sich \u00fcberlagernden Erfahrungsr\u00e4umen ist, an denen die Studierenden Sabine Klinger 4 Die (De-)Thematisierung von Geschlechterhierarchien im Kontext der rhetorischen Modernisierung und des neuen Geschlechtervertrags Neben der von Angelika Wetterer angef\u00fchrten Nicht-Thematisierung und Neutralisierung von Geschlechterdarstellung en (Wetterer 2002: 149) l\u00e4sst sich f\u00fcr die studentische Auseinandersetz ung mit Geschlecht ein weiteres Ph\u00e4nomen beschreiben, das hier als (De-)Thematisierung bezeichnet wird. Damit 122 Gesellschaft teilzuhaben (vgl. ebd.: 37). Die damit (performativ) hervorgebrachten Frauen(bilder) zeigen die erreicht en Erfolge in der Gleichstellung der Geschlechter und legen nahe, dass femini stische Interventionen und Kritik an (patriarchalen) Herrschaftsverh\u00e4ltnissen nicht mehr notwendig seien (vgl. Klinger 2014: 323). Im Gegenzug z ur \u00f6ffentlichen Sichtbarkeit wird von Frauen allerdings (implizit) erwartet, au f feministische Politik und Positionen zu verzichten (vgl. McRobbie 2010: 37). Angela McRobbie konstatiert eine Zurschaustellung des Nicht-mehr-n\u00f6tig-H abens oder gar des Sch\u00e4dlich-Seins bzw. des Zu-weit-Gehens feministischer Politik. Zwar werden in dieser Vorgehensweise die Erfolge des Feminismus anerkannt - dies ist auch ein zentraler Unterschied zu traditionellen Backlash-D ebatten -, doch feministische Gesellschaftskritik wird als unzeitgem\u00e4\u00df abge tan. Den Verzicht auf feministische Inhalte und Forderungen nennt Angela McRobbie in Anlehnung an Stuart Hall \"Politik der Desartikulation\" (ebd.: 47 ff.). Diese \u00dcberlegungen verbinden sich (Wetterer 2013: 247). Um die Frage der Thematisierung von Geschlecht im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Transformationsprozesse n zu diskutieren, werden auch die \u00dcberlegungen von Angela McRobbie herangezogen. Sie konstatiert in ihrer Studie \"Top Girls - Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes\" (2010), dass gegenw\u00e4rtig jung en und gut ausgebildeten Frauen aus westlichen L\u00e4ndern von Seiten neoliber aler Regierungsformen und Popkulturen ein \"neuer Geschlechtervertrag\" (McRobbie 2010: 57) und \"eine Art rhetorische Gleichheit\" (ebd.: 18) angebote n w\u00fcrden. Ihnen wird ,offeriert', an der \u00d6ffentlichkeit teilzuhaben, am Arbeitsmarkt erfolgreich zu partizipieren, sich weiterzubilden, selbstbestimmt einen oder auch keinen Kinderwunsch zu artikulieren und genug Geld zu verdienen, um an einer an Konsum orientierten Die (De-)Thematisierung von Geschlechterhierarchien Angelika Wetterer beschreibt mit dem Begriff der \"rhetorischen Modernisierung\" eine Neuerung, \"die sich im Diskurs und der Sprache, kaum jedoch in der Praxis zeigt\" (Wetterer 2006: 12 ). Dieser Widerspruch wird von den Individuen mit der De-Thematisierung de r Ungleichheit aufgel\u00f6st, welche dadurch jedoch nicht aus der Welt gesc hafft, sondern vielmehr vor Kritik gesch\u00fctzt wird. Die hierarchische Struktur der Geschlechterun terscheidung wird aus dem individuellen Erfahrungs- und Sprachrepertoire ausgeschlossen und damit unsichtbar gemacht (vgl. Wetterer 2003: 290). In Anle hnung an Cornelia Koppetsch und G\u00fcnter Burkart (1999) nennt Angelika Wetterer die Mechanismen, auf die dabei zur\u00fcckgegriffen wird, di e \"Logik der Diskurse\" (ebd.: 298). Dabei wird die Ungleichheit als \"Folge einer freien und bewusst getroffenen Wahl\" (ebd.) verstanden, f\u00fcr welche die Akteur_innen selbst verantwortlich seien; strukturell angelegte Probleme werden so personalisiert und individualisiert. Die paradoxe Situation besteht somit darin, dass, w\u00e4hrend in der Diskurslogik eine Gleichheitsrhetorik vorherrscht, in der Praxis soziale Ungleichheiten fortbestehen k\u00f6nnen. Angelika Wetterer spricht in diesem Zusammenhang davon, dass Gleichberechtigung als \"Regulativ des Redens\" fungiert 123 (1) das Problem der Re-Naturalisierun g und Reifizierung auf methodologischer Ebene, (2) die theoretische Kons truktion und \u00dcberfokussierung der Geschlechterdifferenz und (3) die Annahme einer eindeutigen, stabilen geschlechtlichen Iden tit\u00e4t (vgl. Dausien 2006: 25). gen durch eine sozialisationstheoretische Perspektive zu erg\u00e4nzen. Gleichzeitig werden dadurch die Sozialisationsdeba tten um eine st\u00e4rkere Gewichtung gesellschaftlicher Diskurse und Tran sformationsprozesse erweitert. schlecht und Geschlechterhierarchien vor dem Hintergrund sich transformierender sozialer Bedingungen und neuer neoliberaler Diskurse und Strukturen auf den Grund gehen zu k\u00f6nnen, ist es zielf\u00fchrend, die bisherigen \u00dcberlegunder bisher erreichten Gleichberech tigung geworden (vgl. McRobbie 2010: 113). In den vier gef\u00fchrten Gruppendisku ssionen mit Studierenden der Erziehungswissenschaft basieren die sprach lichen Praktiken der Studierenden vor allem auf einem konjunktiven Erfahrun gsraum, der vom gegenw\u00e4rtigen Zeitgeist, den gesellschaftspolitischen Situa tionen und Diskursen gepr\u00e4gt ist. Dieser scheint den studiumsbezogenen und wissenschaftlichen Erfahrungsraum, in dem die akademische Sozialisation erfolgt, zu \u00fcberlagern und zu dominieren. Um weiterf\u00fchrend der Frage nach der (De-)Thematisierung von GeSabine Klinger mit den von Susanne Maurer \"Verhei\u00dfung en des Neoliberalismus\" (Maurer 2006: 241) genannten Strukturen. Sie th ematisieren das Aufgreifen und die Funktionalisierung emanzipatorischer, femi nistischer Anliegen, die diese auf die Frage nach Erwerbst\u00e4tigkeit und Wettbewerbsf\u00e4higkeit reduzieren: So sind die hohen Erfolgsquoten bei der Erlangung von Qualifikationen zum Ma\u00dfstab 5 Gesellschaftliche Diskurse und ihre Bedeutung f\u00fcr die Sozialisationsdebatte Bereits Anfang der 1970er Jahre b ildeten sozialisationsth eoretische \u00dcberlegungen den politisch-progra mmatischen Rahmen, um Frauen- und Geschlechterfragen kritisch zu diskutieren. Hieraus entwickelte sich auf Basis empirischer und theoretischer Differenzierun g das Konzept der geschlechtsbezogenen Sozialisation, das in weiterer Folge bre it diskutiert und rezipiert wurde (vgl. Dausien 2006: 22f.). Dies diff erenzierte zwischen 'weiblich' und ,m\u00e4nnlich' mit dem Ziel, die Polarisierung der Geschlechter abzubauen. Gleichzeitig entstand die Kritik, dieser Ansatz w\u00fcrd e die unterschiedliche Bewertung der Geschlechter intensivieren und reproduzier en, statt diese aufzul\u00f6sen (vgl. Breitenbach\/Hagemann-White 1994: 256). Bettina Dausien fasst die Kritik an der geschlechtsbezogenen Sozialisation mit folgenden drei Punkten zusammen: 124 Die (De-)Thematisierung von Geschlechterhierarchien Auch wenn die Kritik an der gesc hlechtsbezogenen Sozialisation mit theoretischen Perspektiven wie der Interse ktionalit\u00e4t oder der Interdependenz sowie den Queer Studies - zumindest teilweise - entkr\u00e4ftet wird, ger\u00e4t eine andere zentrale Problemstellung (fast) v\u00f6llig aus dem Blick (vgl. Maihofer 2002: 15). Laut Andrea Maihofer werde folge nde wichtige subjektorientierte Frage entweder gar nicht mehr oder nur mehr in sehr reduzierter Form gestellt: Wie wird in \"diesen konkreten Gesellschaftsverh\u00e4ltnissen unter Bedingungen eines hegemonialen Diskurses qualitativer, heterosexueller Geschlechterdifferenz aus einem kleinen Wesen eine erwachsene 'Frau' (und) oder ein erwachsener 'Mann' [...] und wie [...] modifiziert [sic h] dies im Laufe des Lebens\" (2002: 16). Diese Frage nach dem \"Subjekt und seiner Geschichte\" (Dausien 2006: 17), also nach dem 'Gewordensein' von Geschlecht, hat die Art und Weise im Blick, wie in dieser Gesellschaft Individuen - die sich als Frau oder Mann ,geworden' und ,seiend' empfinden - ex istieren, sich ver\u00e4ndern, handeln und denken (vgl. Maihofer 1995: 108). Vor diesem Hintergrund wird f\u00fcr die Sozialisationsdebatte vor allem die Frage nach der Formation der Subjekte durch gesellschaftliche Diskurse relevant. Somit er\u00f6ffnet sich auch die Perspektive auf das Zusammenwirken unterschiedlicher gesellschaftlich er Diskurse, mittels derer zentrale gesellschaftliche Normen transportiert werden und an denen sich die Individuen in ihren Lebens- und Existenzweisen orientiere n bzw. orientieren m\u00fcssen. Auch die oben dargestellten empirisc hen Befunde verdeutlichen, dass die Ber\u00fccksichtigung der Diskurslogiken sowie miteinan der konkurrierende und sich \u00fcberlagernde konjunktive und kommunikative Erfahrungsr\u00e4ume eine wichtige Rolle spielen, um die Bedingungen der M\u00f6glichkeiten von Subjektbildung genauer in den Blick zu nehmen. Insbesondere weil die soziokulturellen und diskursiven Rahmungen von Sozialisation bislang wenig Beachtung fanden (G\u00f6tsch 2014: 45), pl\u00e4diere ich daf\u00fcr, dass die Analyse der gesellschaftlich en Diskurse und deren Einfluss auf Wahrnehmungs-, Handlungs- und Bewertung sprozesse f\u00fcr die Sozialisationsfragen st\u00e4rkere Ber\u00fccksichtigung find en. F\u00fcr eine kritisch reformulierte (geschlechtsbezogene) erziehungswissens chaftliche Sozialisationsforschung bedeutet dies, die gegenw\u00e4r tigen gesellschaftlichen Di skurse und gesellschaftlichen Transformationsprozes se st\u00e4rker in der the oretischen Konzeption wie auch der empirischen Forschung aufzugre ifen. Dies bedenkend, kann in Zeiten neoliberaler Vereinnahmungen und Verk \u00fcrzungen auch die Frage nach dem sozialisatorischen Horizont der (De- )Thematisierung von Geschlecht neu verhandelt werden. 125 Gesemann, Iris \/ Nohl, Arnd-Michael (Hrsg.): Die dokumentarische Methode und ihre Forschungspraxis. 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M\u00fcnster: Westf\u00e4lisches Dampfboot, 128 onen mit Jugendlichen gezeigt werden, wie die Re-Produktion heteronormativen Wissens als sozialisierte und sozialisierende Praxen verstanden werden Geschlecht und Sexualit\u00e4t, mit denen Ind ividuen und Kollek tive in sozialisatorischen Prozessen konfrontiert sind bzw. die sie in sozialisatorischen Prozessen re-produzieren. Obwohl Sozialisation inzwischen als relativ variabel konzipiert wird (vgl. Bilden\/Dausien 20 06; Grundmann 2006; Hurrelmann et al. 2008), erscheint sie - insbesondere in Verbindung mit Heteronormativit\u00e4t - als frei von Widerspr\u00fcchen. Im Folgenden soll am Beispiel von Gruppendiskussinisse, \"von Chancen und Zw\u00e4ngen, von Erm\u00e4chtigungen und Verunsicherungen\" (ebd.: 283). Diese paradoxen Gl eichzeitigkeiten sieht sie als Ph\u00e4nomen von historischen Umbruchphasen an, in denen \"sich Altes, Neues und Zuk\u00fcnftiges noch unentschieden und uneindeutig auf komplexe Weise mischen\" (ebd.: 297f.). Es handelt sich dabei sowo hl um verschiedene widerspr\u00fcchliche Prozesse als auch um Erscheinungen, di e in sich selbst widerspr\u00fcchlich sind. Beispielhaft f\u00fchrt Andrea Maihofer (ebd .: 301) hierf\u00fcr die \"Relativierung von Geschlechterdifferenzen einerseits und deren Re-Markierung andererseits\" an. Zugleich verweist sie a uf die zweischneidige Bedeutung moderner Paradigmen, wie der M\u00f6glichkeit der freien Wahl, die zun\u00e4chst mit Freiheit, Individualit\u00e4t und Vielfalt verbunden scheint, aber zugleich Fremdbestimmung und Ungleichheit bedeuten kann. Ein weitere r Widerspruch zeigt sich darin, dass die Welt als sich stark ver\u00e4ndernd wahr genommen wird, aber das Soziale, folglich auch die Geschlechterve rh\u00e4ltnisse in besonderer Weise naturalisiert und ontologisiert werden. Angesprochen werden damit Paradoxien u.a. bez\u00fcglich Vor dem Hintergrund gegenw\u00e4rtiger ge sellschaftlicher Transformationsprozesse verweist Andrea Maihofer (2007: 281ff.) auf die Komplexit\u00e4t sowie paradoxe Gleichzeitigkeit von Wandel und Persistenz der Geschlechterverh\u00e4ltParadoxien heteronormativer Sozialisation Monika G\u00f6tsch die Etikettierung als 'Andere', d.h. \u00fcber da s Wissen, was richtig und falsch ist, was (partiell und\/oder auf bestimmte Weise) dazugeh\u00f6rt oder nicht (Hark 2003: 136f.). So auch da s Wissen \u00fcber die soziale (heteronormative) Welt, die als 'objektiv' vorgegeben wahrgenommen wird - was Bourdieu als \"Doxa\" (2009: 325) bezeichnet. Heteronormative s Wissen zeigt, dass und wie Individuen sowie Kollektive die Welt sinnhaft re-produzieren und systematisieren. Referenzen hierf\u00fcr sind allt\u00e4gliche Ak tualisierungen und Repr\u00e4sentationen von Geschlecht und Sexu alit\u00e4t, von vergeschlechtlich ten und (hetero)sexualisierten Strukturen sowie von Geschlec hterdifferenz (Hirschauer 1996: 249; G\u00f6tsch 2014: 58f.). Heteronormativit\u00e4t reguliert Geschlecht und Sexualit\u00e4t einerseits sowie entsprechende Verhaltens-, Denk- und Wahrnehmungsweisen andererseits. In sp\u00e4tmodernen Gesellschaften geschieht dies jedoch nicht mehr \u00fcber Verbote und Repression, sondern \u00fcber Ein- und Ausschl\u00fcsse, \u00fcber Normalisierung und Entsprechend bedeutet heteronormatives Wissen, was wir im Hinblick auf Geschlecht und Sexualit\u00e4t bzw. Vergesch lechtlichungen und (Hetero)Sexualisierungen f\u00fcr wirklich halten, was normiert und normalisiert (Hark 2009: 31; Wagenknecht 2007: 17). Es ist ein Wissen, das wir als 'Wirklichkeit' selbstverst\u00e4ndlich wissen, das keiner Erkl\u00e4rung bedarf und scheinbar von allen Individuen 'nat\u00fcrlich' geteilt wird (Berger\/Luckmann 2004: 26ff.; Hark\/Genschel schlechtlich-sexuell werden - dieses Wi ssen ist folglich produktiv. Prozesse und Effekte von Sozialisation rufen de mnach Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualit\u00e4t als Norm sowie Hierarchis ierungen, Naturalisierungen und Normalisierungen hervor und werden durch si e hervorgerufen. 'Wissen' definieren Berger und Luckmann (2004: 1) \"als die Gewi\u00dfheit, da\u00df Ph\u00e4nomene wirklich sind und bestimmbare Eigenschaften haben\" (Berger\/Luckmann 2004: 1). theoretischen Grundlage bez\u00fcglic h Heteronormativit\u00e4t und Sozialisation die empirischen Ergebnisse interpretiert werden. Monika G\u00f6tsch kann und welche Paradoxien - in Anschluss an Andrea Maihofers \u00dcberlegungen - dieses Wissen offenbart. Zuvor wird zun\u00e4chst aufgezeigt, auf welcher 1 Heteronormatives Wissen Heteronormativit\u00e4t bzw. die Interdependenz von Sexualit\u00e4t und Zweigeschlechtlichkeit wird hier als histor isch-kulturelle Wissensformation verstanden, die Gesellschaft und Individuen in Machtverh\u00e4ltnissen strukturiert (Wagenknecht 2007: 16ff.; De gele 2004: 51ff.). Geschlecht und Sexualit\u00e4t werden demnach in ihrer wechselseitigen Bezo genheit 'gewusst' und in sozialisatorischen Praxen re-produziert. Es ist ein (i mplizites und explizites) Wissen \u00fcber gesellschaftliche Strukturen, \u00fcber Kollek tivit\u00e4ten, Identit\u00e4ten, Handlungs- und Verhaltensweisen, \u00fcber Orte und K\u00f6rper, die erst durch dieses Wissen ge130 Heteronormativit\u00e4t in der Interdepend enz subjektiv-identit\u00e4rer und gesellschaftlich-historischer Dimensionen re-p roduziert. Dies kn\u00fcpft an das Konzept der Heterosexualit\u00e4t l\u00e4sst auch die angenommene Dichotomie von Geschlecht zur selbstverst\u00e4ndlichen Natur werden un d vice versa. Die scheinbar von Natur aus Gegens\u00e4tzlichen, Frau und Mann, erg\u00e4nzen sich ideal als heterosexuelles Paar und das heterosexuelle Paar best \u00e4tigt wiederum die vorgeblich naturgegebene bipolare und hierarchische Zw eigeschlechtlichkeit. Entsprechend erfolgt die Ausgrenzung, Abwertung und\/ oder Hervorhebung nicht-heterosexueller Begehrensformen und uneindeutig er Geschlechtlichkeiten (Degele 2004: 51ff.; Ziegler 2008: 13ff.; Hark 20 09: 29; Hark\/Genschel 2003: 140). \"Heteronormativit\u00e4t geriert sich somit als selb stverst\u00e4ndlich gegebene, biologisch begr\u00fcndete und moralisch \u00fcbe rh\u00f6hte Regel, die alles, was 'anders' ist, als erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig, naturwidrig und verwerflich konstruiert, um in der Abgrenzung von diesen Anderen die Normalit \u00e4t des Doppelgebots von Geschlechterdifferenz und Heterosexualit\u00e4t zu bes t\u00e4tigen\" (Kra\u00df 2009: 10). Ausgegrenzte und als anders etikettierte Sexualit\u00e4ten u nd Geschlechtlichkeiten sind demnach f\u00fcr Heteronormativit\u00e4t konstitu tiv (Butler 1997: 259f.). Dar\u00fcber hinaus reguliert Heteronormativit\u00e4t auch Vorstellungen \u00fcber die Organisation des Sozialen, \u00fcber richtige und falsche Beziehu ngen, \u00fcber (un)angemessene Arbeitsaufgaben und die Verteilung von Ressour cen: \"Heteronormativit\u00e4t ist s\u00e4mtlichen gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen eingeschr ieben; auch Rassis mus und Klassenverh\u00e4ltnisse sind heteronormativ gepr \u00e4gt\" (Wagenknecht 2007: 17). Folglich bestimmt Heteronormativit\u00e4t i mmer auch \u00fcber das Selbstverh\u00e4ltnis der Subjekte, sie ist Orientierungsrahmen f\u00fcr 'normale' wie f\u00fcr 'abweichende' Identit\u00e4ten (Fritzsche\/Hartmann 2007: 135). tr\u00e4gt\" (Degele 2004: 52). Zugleich reduziert Heteronormativit\u00e4t Komplexit\u00e4ten, so dass Geschlecht und Sexualit\u00e4 t f\u00fcr alle auf einfache, bipolare Weise erkennbar und deutbar werden (Degele 2004: 52f.). Die 'nat\u00fcrliche Tatsache' Paradoxien heteronormativer Sozialisation 2009: 29; Engel 2008: 43; Berger\/Lu ckmann 2004: 28). He teronormativit\u00e4t ist folglich \"ein bin\u00e4res, zweigeschlechtlich und heterosexuell organisiertes und organisierendes Wahrnehmungs-, Handlungs- und Denkschema, das als grundlegende gesellschaftliche Institu tion durch Naturalisierung von Heterosexualit\u00e4t und Zweigeschlechtlichkeit zu deren Verselbstverst\u00e4ndlichung bei2 Sozialisierende und sozialisierte Praxen In der Geschlechter- wie in der Sozialisati onsforschung steht seit l\u00e4ngerem die Annahme einer determinierenden Sozia lisation und die dam it verbundene Idee der Ausbildung einer stabilen und koh\u00e4renten sexuellen und geschlechtsspezifischen Identit\u00e4t in der Kritik (Bilden 1991: 279ff.; Zinnecker 2000: 272ff.). Im Anschluss daran wird Sozialisation hier als relativ variable verstanden, die 131 153). So gedacht verf\u00fcgt Sozialisation ni cht nur \u00fcber verfestigendes, best\u00e4ndiges, sondern auch \u00fcber konflikthaftes, fra giles Potential. Heteronormativit\u00e4ten Bed\u00fcrfnissen, in und durch den Austausch von Erfahrungen, Wissensbest\u00e4nden und Handlungspraxen werden kollektive sozialisatorische Lebenspraxen hervorgebracht. Sozialisation findet folg lich insbesondere in sozialen Bezugsgruppen statt, die zugleich Effekte von Sozialisation in Verbindung mit gesellschaftlichen und milieuspezifischen No rmen (der Beziehungs(un)m\u00f6glichkeiten) sowie von individuellen Bedingungen sind (Grundmann 2006: 44; 98; Grundmann 2006: 51). Bez\u00fcglich Hete ronormativit\u00e4t wird dann einerseits erkl\u00e4rbar, wie und dass Individuen zwar zu einer geschlechtlich-sexuellen Vereindeutigung ihrer K\u00f6rperpraxen und Le bensweisen und damit zur Ausbildung einer koh\u00e4renten Identit\u00e4t g ezwungen zu sein scheinen , aber diese dennoch relativ variabel gestalten k\u00f6nnen . Andererseits l\u00e4sst sich erfassen, dass und wie sich Individuen heteronorm ativen Anforderungen widersetzen, dies aber dennoch nur in Referenz auf die vorherrschenden Normen und Normalisierungen heterosexueller Zweigeschlechtlichkeit r ealisieren k\u00f6nnen (Maihofer 2002: 13ff.). Deutlich werden somit Paradoxi en, die Sozialisation wie auch Heteronormativit\u00e4t bzw. heteronormativer Sozialis ation inh\u00e4rent sind. Erst ein Konzept von Sozialisation, das die relativ e Variabilit\u00e4t und gleichzeitig relative Stabilit\u00e4t ber\u00fccksichtigt, die in und durc h sozialisatorische Praxen hervorgerufen werden, l\u00e4sst es zu, die Re-Produktio n heteronormativen Wissens in seinen Widerspr\u00fcchlichkeiten zu erfassen. Sozialisierte und sozialisierende Praxen offenbaren und habitualisieren sich in relativ regelm\u00e4\u00dfig en, sich wiederholenden In teraktionen zwischen Individuen bzw. in Interaktionen zwischen Individuen und ihrer (sozialen wie materiellen) Umwelt. In und durch Aushandlungen von Normen, Regeln und Monika G\u00f6tsch von lebenslanger Sozialisation als sozial er interaktiver Praxis an, wie es Matthias Grundmann (2006) entworfen ha t. Nach Grundmann bedingen sich Identit\u00e4ten und Kollektivit\u00e4ten sowie Handlungen und Strukturen gegenseitig - oder geschlechtertheoretisch gewendet: Heteronormative Strukturen und Normalisierungen wirken auf Individue n wie Identit\u00e4ten ein, w\u00e4hrend gleichzeitig Individuen und Iden tit\u00e4ten heteronormative Verh\u00e4ltnisse (mit)gestalten - egal ob affirmativ oder subversiv. Heteronormative Sozialisation stellt Vergemeinschaftungen und Beziehungen eben so her wie individuelle (auch widerst\u00e4ndige) Handlungsweisen und Halt ungen, die entsprechende Kollektivit\u00e4t erst erm\u00f6glichen und zugleich (soz iale) Identit\u00e4ten hervo rrufen (Grundmann 1999: 55ff.). Sozialisation wird damit als Prozess und Effekt zugleich gedacht, als sozialisierende und sozialisierte Praxen (G\u00f6tsch 2014: 36ff .). Der Verweis auf sozialisierende und sozialisierte Praxen erm\u00f6glicht es, Sozialisation als relativ br\u00fcchig und ergebnisoffen - ergo relativ stabil und ergebnissicher - zu charakterisieren, als die Interdependenz von Prozessen und Effekten, die Strukturen stabilisieren und soziale Integratio n bef\u00f6rdern, aber auch die Eigensinnigkeit gegen\u00fcber vorgegebenen Normen zulassen (Grundmann 1999: 28; 132 Eindeutigkeiten, wie sie beispielsweis e durch das (angenommen geschlechtsspezifische) k\u00f6rperliche Auftreten v on Personen in sozialisatorischen Interaktionen sichtbar werden. Heteronormativ it\u00e4t ist demnach auch sozialisiertes und sozialisierendes K\u00f6rperwissen, ein \"Wi ssen vom K\u00f6rper, im K\u00f6rper und am K\u00f6rper\" (Hirschauer 2008: 83). K\u00f6rperwi ssen bezieht sich demnach auf unbewusste und bewusste Aspekte. Eng damit verkn\u00fcpft ist Sprache, die es erst erm\u00f6glicht, K\u00f6rper, Geschlecht und Se xualit\u00e4t im wiederholenden Benennen zu re-produzieren (Butler 1997: 139 f.). Sprache als Medium der gegenseitigen Verst\u00e4ndigung, der Legitimierungen und Plausibilisierungen, des gemeinsam geteilten Sinnwissens und der kollektiv en Geschichte (Berger\/Luckmann 2004: 39ff.) hat eine wichtig e sozialisatorische Funktio n. Dies zeigt sich u.a. in spezifischen sozialisierten und sozi alisierenden Praxen des Erz\u00e4hlens - wie sie in den hier er\u00f6rterten empiri schen Ergebnissen deutlich werden. riert werden und zugleich sozialisatorische Praxen hervorrufen (Bourdieu 2005: 114ff.). Die Inkorporiertheit und Materialit\u00e4t heteronormativen Wissens zeigt sich u.a. in einer spezifischen Bildf\u00f6rmigkeit: \"M\u00e4chtige Visualisierungen sorgen f\u00fcr eine st\u00e4ndige Augenf\u00e4lligkeit der Realit\u00e4t. Und \u00fcber das, was sich zeigt, braucht man nicht zu spre chen\" (Hirschauer1996 : 247). Damit verweist Stefan Hirschauer auf die scheinbar offensichtlichen heteronormativen sich \u00fcber davon abweichende 'andere', nicht-heteronormative (Beziehungs-) Praxen realisieren (G\u00f6tsch 2014: 187ff.). Die daraus angenommene gleiche soziale Lage, die so erlebt wie auch von au\u00dfen zugeschrieben wird, schafft (kollektive) Identit\u00e4ten, die diese Anna hme wiederum hervorbringen. Dies betrifft auch das heteronormative Selbstverh\u00e4ltnis als Frau oder Mann, das sich durch Prozesse und Effekt e der \"Vereinheitlichung\" und \"Vereigenschaftlichung\" (Maihofer 2002: 25) ma terialisiert und als Realit\u00e4t erlebt wird. Entsprechend wird heterono rmatives Wissen sozialisierend und sozialisiert inkorporiert. Sozialisation ist folglich immer auch eine soziale K\u00f6rperpraxis. Der K\u00f6rper verk\u00f6rpert das Soziale, indem Handlungsschemata und Strukturen durch sich regelm\u00e4\u00dfig wiederholende Praxen wie Regeln und Rituale inkorpogemeinsame Verstehen der sozialen B eziehungen, mithin f\u00fcr die Entstehung gemeinsamer \u00dcberzeugungen konstitu tiv\" (Grundmann 2006: 41). Entsprechend l\u00e4sst sich zeigen, dass und wie heteronormative (Beziehungs-)Praxen Maihofers (2002: 25) Verweis an, dass \"Individuen [...] nicht nur (unentwegt) zu Geschlechtern [gemacht] werden: sie 's ind' es dann auch bzw. existieren als solche\". Sozialisierende und sozialisierte (interaktive) Praxen \"sind f\u00fcr das Paradoxien heteronormativer Sozialisation werden dann bedingt als situative Kons truktionen gefasst und zugleich als sozialisatorische (materialisierende) Effekte begriffen. Das schlie\u00dft an Andrea 133 standen. Erz\u00e4hlungen halten demnach si nnhafte und ordnende Erkl\u00e4rungs- und Erkenntnismuster f\u00fcr das Verstehen de r (heteronormativen) Welt bereit, die u.a. im R\u00fcckgriff auf Analogien und Metaphern Zusammenh\u00e4nge herstellen und Kausalit\u00e4ten begr\u00fcnden (Fludernik 2 010: 9f.; Kabasci 2009). Anders als bei Sch\u00fctze (1987: 14) wi rd nicht die Rekapitulation biografischer Erfahrung als Erz\u00e4hlung definiert, vielmehr habe n die Erz\u00e4hlungen hier einen symbolischen Charakter: Sie dienen den Jugend lichen als Relevanzrahmen, um eigene Erfahrungen bzw. die der anderen einzuordnen, zu bewerten und zu legitimieren. Das Erz\u00e4hlen ist zugleich Aust ausch und R\u00fcckversicherung des kollektiven heteronormativen Wissens, in Form von 'Mythen' wird die soziale Welt verst\u00e4ndlich gemacht. \"So beinhalten und vermitteln Mythen unter anderem ein Verst\u00e4ndnis von Macht und Moral so wie Schemata zur Klassifikation und Bewertung von Anderen. Solche Konzepte haben gro\u00dfes Wirkungspotenzial, sie liegen den Handlungen von Menschen [...] zugrunde - in diesem Sinne bilden Mythen einen integralen Bes tandteil der Wirklichkeit\" (Mader 2008: 15). Mythen verstanden als tradierte Erz\u00e4 hlungen (ebd.: 15ff.) legen in ihren dokumentarische Methode s. Nohl 2012: 20ff.), sondern in Anschluss an die Narratologie (vgl. Fludernik 2010) we iter gefasst, n\u00e4mlich als narrative Interaktionsprozesse, d.h. als spezifische soziale und sozialisatorische Praxen verduktiven, komparativen Analyse der Gr uppendiskussionen und Interviews mit dem Ziel einer sinngenetischen Typenb ildung (Nohl 2012: 51ff.; Kelle\/Kluge 2010: 86) konnten s ieben zentrale Erz\u00e4hlungen (s.u.) rekonstruiert werden. Die Jugendlichen verdichten dabei heteronorm ative Orientierungsmuster in ihrer Wiederholung zu mythenhaften Erz\u00e4hlungen. Erz\u00e4hlungen werden hier nicht in Abgrenzung zu anderen Textsorten im Sinne Sch\u00fctzes (1987: 146ff.; f\u00fcr die Monika G\u00f6tsch 3 Erz\u00e4hlte Paradoxien - paradoxe Erz\u00e4hlungen Die hier vorgestellten Erz\u00e4h lungen \u00fcber Heteronorm ativit\u00e4t stammen von insgesamt 51 Jugendlichen im Alter von 12-20 Jahren, die in 14 altershomogenen, geschlechtshetero- und homogene n Gruppendiskussionen sowie 11 biografisch-orientierten Einzelinterviews e rhoben und mit der dokumentarischen Methode (Bohnsack 2007: 31ff.; ebd. 129ff.) ausgewertet wurden. Alle Jugendlichen besuchten zum Erhebungszeitpunkt die gleiche Real- bzw. Berufsschule einer Kleinstadt im l\u00e4ndlichen Raum. Die folgenden Zitate sind Zitate der Jugendlichen und sollen hier das Erl\u00e4 uterte auf der Deutungsebene der Jugendlichen illustrieren. Ein Orientierungsmu ster der Jugendlichen ist dabei die Unterscheidung - in Selbst- und Fr emdpositionierungen - von M\u00e4dchen und Jungen. Wenn im Folgenden von M\u00e4dchen und Jungen die Rede ist, dann um diese erz\u00e4hlten Identit\u00e4tskonstruktione n der Jugendlichen darzustellen. Es zeigt sich, dass die Jugendlichen alters- und geschlechtsunabh\u00e4ngig immer wieder auf gleiche Thematisierunge n und Erz\u00e4hlfiguren zur\u00fcckgreifen, um die geschlechtlich-sexuelle Welt zu erkl\u00e4ren. Auf der Grundlage einer in134 nen. Demnach werden Geschlechterstereotype 'heute' im Gegensatz zu 'fr\u00fcher' obsolet, wenn Frauen in modernen Gesellschaften ihr Leben selbstst\u00e4ndig gestalten, erwerbst\u00e4tig sind und sich f\u00fcr Technik interessieren, w\u00e4hrend M\u00e4nner zugleich F\u00fcrsorgeberufe aus\u00fcben un d nicht entlohnte Versorgearbeiten in der Familie \u00fcbernehmen. Durch ges ellschaftlichen Wandel und Emanzipation verweisen. Aber das Verschweigen dient nicht immer dazu, Erz\u00e4hlungen und Benennungen 'glatt zu b\u00fcgeln', vielmehr widersprechen sich die verschiedenen Erz\u00e4hlungen bzw. sind in sich wi derspr\u00fcchlich und offenbaren damit Paradoxien sozialisierender und sozialisierter Praxen. Wie und wo diese Widerspr\u00fcchlichkeiten bez\u00fcglich heteronormativ en Wissens in Erz\u00e4hlungen von Jugendlichen zum Vorschein kommen, wird im Folgenden gezeigt. Die sieben zentralen Erz\u00e4hlungen der Jugendlichen handeln: 1) \"Von der Sexualit\u00e4t 'Fr\u00fcher' und 'Heutzutage'\", 2) \"Vom Reif-Werden und (Un)ReifSein\", 3) \"Vom optimierbaren K\u00f6rper\", 4) \"Von Geschlechterbeziehungen zwischen N\u00e4he und Distanz\", 5) \"Von ernsthafter Liebe und 'Sex' mit Spa\u00df\", 6) \"Von Prinzessinnen un d Rittern\", 7) \"Von der 'Schlampe'\" (G\u00f6tsch 2014: 113ff.). Im Folgenden werden bezugnehm end auf diese Erz\u00e4hlungen, wie bereits angek\u00fcndigt, insbesondere die Para doxien in und zwischen diesen Erz\u00e4hlungen herausgearbeitet. Als Orientierung hierf\u00fcr dienten neben den theoretischen \u00dcberlegungen von Andrea Maihofer (2007) auch die Anregungen Dominique Schirmers (2005: 108) f\u00fcr die empirische Analyse von Heteronormativit\u00e4t. Sie zeigt auf, dass Widerspr\u00fcc hlichkeiten f\u00fcr die Erkl\u00e4rung der (heteronormativen) Welt konstitutiv sind und durch die Interpretation von Widerspr\u00fcchen entsprechende Orientierungsmuster aufgedeckt werden k\u00f6nnen. Paradoxien heteronormativer Sozialisation Wiederholungen Sagbares offen bzw. verbergen Nicht-Sagbares. Dies scheint zun\u00e4chst auf eine koh\u00e4rente Logik des erz\u00e4hlten heteronormativen Wissens zu 4 Zwischen Pluralisierung und Differenz Die Jugendlichen beschreiben in der Erz\u00e4hlung Von der Sexualit\u00e4t 'Fr\u00fcher' und 'Heutzutage' 'moderne', pluralisierte Gesellschaften als gepr\u00e4gt von individuell w\u00e4hl- und gestaltbaren sexuell- geschlechtlichen Vielf\u00e4ltigkeiten. Andererseits stellen sie - im Widerspruch dazu - in der Erz\u00e4hlung Von Geschlechterbeziehungen zwischen N\u00e4he und Distanz dar, wie geschlechtlich-sexuelle Differenzen in Bezi ehungen N\u00e4he und Distanz re gulieren. Implizit wird dem die Naturhaftigkeit und damit die Unentrinnbarkeit von bipolarer Sexualit\u00e4t, Geschlecht und Geschlechtlichkeit unterlegt. Die Erz\u00e4hlung Von der Sexualit\u00e4t 'Fr\u00fcher' und 'Heutzutage' dient den Jugendlichen als Orientierungsrahmen, um Sexualit\u00e4t und Geschlechterbeziehungen in ihrer 'modern en', vielf\u00e4ltigen Auspr\u00e4gung im Vergleich zu herk\u00f6mmlichen, differenzorientierten und restriktiven Vorstellungen einzuord135 erm\u00f6glichen, ist es notwendig, dass sich der homosexuelle Junge als homosexuell zu erkennen gibt, da das M\u00e4dchen sonst die N\u00e4he (hetero)sexuell statt freund_innenschaftlich deuten w\u00fcrde. Implizit geschieht hier eine Normalisierung von Heterosexualit\u00e4t, weil N\u00e4he zwis chen M\u00e4dchen und Jungen zun\u00e4chst immer heterosexuell gedeutet wird und daher nur zwischen einander nicht potentiell Begehrenden m\u00f6glich ist. Das 'andere' Begehren, das homosexuelle zu werden: \"F\u00fcr die ist es selbstvers t\u00e4ndlich und nicht in irgendeiner Weise erotisch oder intim, sondern einfach nur freundschaftlich\". Da schwule Jungen in \u00e4hnlicher Weise 'gleich' f\u00fchlen und handeln wie heterosexuelle M\u00e4dchen, ist auch zwischen ihnen eine gro\u00dfe N\u00e4he m\u00f6glich: \"Also bei einem M\u00e4dchen und einem schwulen Freund, der denkt dann auch ein St\u00fcck weit [gleich] und dann kann man sich auch \u00fcber Jungs mit ihm unterhalten\". Um diese N\u00e4he zu sind die Verwirklichung individueller Bed\u00fcrfnisse, Gleichberechtigung, Spa\u00df und Gl\u00fcck. \"Jeder kann seine eige nen Entscheidungen treffen, wie er das macht. Einer mag's so, der andere so\". Pluralisierung und freie Wahl wird in der Erz\u00e4hlung Von Geschlechterbeziehungen zwischen N\u00e4he und Distanz nicht thematisiert, vielmehr geht es im Gegensatz dazu um klare Regeln b ez\u00fcglich der M\u00f6glichkeiten freund_innenschaftlicher N\u00e4he und der Notwendigk eit von Distanz zu potenziellen Sexualpartner_innen. Daf\u00fcr bedarf es einer ei ndeutigen Kategorisierung entlang geschlechtlich-sexueller Differenzen. Um die jeweiligen Spezifika freund_innenschaftlicher Beziehungen darzustellen, f\u00fchren die Jugendlichen sechs Kategorien an und unterscheiden zwischen lesbischen M\u00e4dchen, schwulen Jungen, heterosexuellen m\u00e4nnlichen M\u00e4dc hen, heterosexuellen weiblichen M\u00e4dchen, heterosexuellen weiblich-sozialisierten Jungen und heterosexuellen m\u00e4nnlichen Jungen. Eine besondere Form freund_i nnenschaftlicher Intimit\u00e4t ist demnach zwischen heterosexuellen (w eiblichen) M\u00e4dchen m\u00f6glich, weil sie \"dieselben Probleme\" haben und auf die gleiche Weise \"weiblich denken\". Dar\u00fcber hinaus ist ein Spezifikum dieser Freund_innenschaften, dass sich heterosexuelle Freundinnen k\u00f6rperlich sehr nahe kommen k\u00f6nnen, ohne sexuell chend ihre_r F\u00e4higkeiten und Bed\u00fcrfnissen leben kann, so \"dass Frauen so und so sind, und dass M\u00e4nner so und so sind, und dass jeder verschieden ist\" Monika G\u00f6tsch gibt es nun keine klar zugewiesenen Geschlechterrollen, keine geschlechtsspezifischen Aufgabenbereiche mehr, vielmehr ist es nun so, dass jede_r entspre1 und sein kann. Empathie, Beziehungsorien tierung und Ration alit\u00e4t werden nicht mehr geschlechtsspezifisch konnotiert , sondern: \"es kommt auf den Typ Mensch drauf an, wie er ist, wie er sich verh\u00e4lt, wie er lebt\". Dies gilt 'heute' auch f\u00fcr sexuelle Pr\u00e4ferenzen und Orientierungen, die ebenso selbstbestimmt w\u00e4hlbar erscheinen: \"Jeder hat seine Vorlieben, jeder muss wissen was er will, manche stehen auf M\u00e4nner, manche auf Frauen, manche stehen auf beides, wie auch immer\". Ma\u00dfstab f\u00fcr gelungene sexuelle Interaktionen und Beziehungen 1 Dies und die folgenden Zitate sind Zitate der Jugendlichen. Um den Lesefluss nicht zu st\u00f6ren, werden sie ohne Quellenangabe dargestellt. 136 satz dazu Freund_innenschaften wie sexuelle Beziehungen in jeder Form und mit allen auf jede erdenkliche Weise m\u00f6glich sein. auch so Quatsch machen mit den Jungs, und wenn sie dann mal mit Wasser bespritzt werden, dann finden sie es zu m Beispiel nicht so schlimm und lachen halt\". Deutlich wird in dieser Erz\u00e4hlung, da ss die Einordnung als 'gleich' versus 'ungleich' eindeutige geschlechtlich-sexu elle Unterscheidungen braucht, womit heteronormative Kategorien (weiblich vers us m\u00e4nnlich, Frau versus Mann sowie homosexuell versus heterosexuell) in besonderer Weise relevant gemacht werden. In der Logik der Erz\u00e4hlung Von 'Fr\u00fcher' und 'Heutzutage' , in der diese Relevanzen als tradiert zur\u00fcckgewiesen werden, m\u00fcssten im GegenM\u00e4dchen, die die gleichen Interessen ha ben und die \"man [...] auf den ersten Blick besser verstanden\" hat. Entsprechend diskutiert das eine Gruppe: \"Es gibt ja auch manche M\u00e4dchen, die sind so ja m\u00e4nnlich. Und sie k\u00f6nnen dann bedingt m\u00f6glich: \"Jungs d\u00fcrfen nicht m it Jungs k\u00fcssen\", weil sie anders als die M\u00e4dchen sonst Gefahr laufen, als schwul kategorisiert zu werden. Der Hinweis auf diese Gefahr zeigt erneut auf, dass in der Logik dieser Erz\u00e4hlung Sexualit\u00e4ten und das geschlechtliche Handeln ein deutigen Regeln folgen, sie sind nicht selbstbestimmt w\u00e4hlbar. F\u00fcr J ungen sind zudem Freund_innenschaften zu homosexuellen M\u00e4dchen m\u00f6glich - ebenso zu heterosexuellen m\u00e4nnlichen M\u00e4dchen zu weiblich-sozialisierten Jungen zwar eine 'geistige' N\u00e4he auf der Ebene des gegenseitigen Verstehens m\u00f6glich, dennoch muss zu ihnen als potentielle Sexualpartner auch eine gewissen Distanz gewahrt werden. In \u00e4hnlicher Weise wie zwischen heterosexuellen M\u00e4dchen wird auch die freund_innenschaftliche N\u00e4he zwischen heterosexuellen Jungen beschrieben: \"Wir denken halt gleich [wir] M\u00e4nner\". Aber k\u00f6rperliche N\u00e4he ist f\u00fcr sie nur Paradoxien heteronormativer Sozialisation Begehren, muss explizit gemacht werden, um dann auch 'andere' Formen der N\u00e4he (und Distanz) zulassen zu k\u00f6nnen. Entsprechend ist f\u00fcr heterosexuelle 5 Zwischen Gleichstellung und Hierarchisierung Von ernsthafter Liebe und 'Sex' mit Spa\u00df ist u.a. eine Erz\u00e4hlung \u00fcber die Gleichstellung und Gleichberechtigung von Geschlechtern und Sexualit\u00e4ten folglich werden sexuelle Interaktionen zur Aushandlungssache (vgl. Schmitt 1998: 11 f.). Im Widerspruch dazu beschreiben Von der 'Schlampe' und Von Prinzessinnen und Rittern , wie und dass heterosexuelle M\u00e4dchen und heterosexuelle Jungen als gr unds\u00e4tzlich Verschiedene in ei ner Hierarchie verortet sind. Die Erz\u00e4hlung Von ernsthafter Liebe und 'Sex' mit Spa\u00df unterscheidet zwischen Liebe, die von Ernsthaftigkeit gepr\u00e4gt ist, w\u00e4hrend sexuelle Aktivit\u00e4ten 137 auf seine eigene sexuelle Befriedigung abzielen. M\u00e4dchen scheinen dem Gl\u00fcck keit und Zeit bei sexuellen Interaktionen. Zugleich wird den Jungen zugeschrieben, dass sie (hetero)sexuelle Beziehungen initiieren m\u00fcssen. Wenn die M\u00e4dchen Gl\u00fcck haben, ist ihr Sexualpartner, von dem sie ausgew\u00e4hlt wurden, empathisch, \"voll f\u00fcrsorglich\" und ein \"ganz sensibler Mann\", dann wird er ihre W\u00fcnsche wahrnehmen und darauf eingehen. Haben sie kein Gl\u00fcck und ihr Sexualpartner ist ein \"Macho\", \"lieblos\", \"rabiat\" und \"sehr grob\", wird er nur chen\" zu garantieren, dass diese von de n Erfahrungen der Jungen profitieren und vor Promiskuit\u00e4t gesch\u00fctzt werden: \"Wenn es keine Schlampen mehr geben w\u00fcrde, dann w\u00fcrde man die guten M\u00e4dchen gar nicht mehr sch\u00e4tzen\". Die Erz\u00e4hlung Von Prinzessinnen und Rittern zeigt auf, dass und wie heterosexuelle M\u00e4dchen auf 'ritterliche', d.h. r\u00fccksichtsvolle Jung en angewiesen sind, damit ihre vorgeblich naturgegeben en, (hetero)sexuellen Bed\u00fcrfnisse befriedigt werden. Diese vorgeblichen Bed\u00fcrfnisse der M\u00e4dchen sind Z\u00e4rtlichgro\u00dfe Liebe zu finden und in diese Bezieh ung die heterosexu ellen Erfahrungen einzubringen. M\u00e4dchen sollten dagegen nicht erfahrene r sein als die Jungen, weil das f\u00fcr diese eine Abwertung bedeuten w\u00fcrde. Wenn M\u00e4dchen als 'Schlampen' diffamiert werden, haben sie keine Chance mehr, einen festen Partner zu finden. Das bedeutet, 'Schla mpen' haben die Funktion, den Jungen heterosexuelle Erfahrungen zu erm\u00f6glichen und zugleich den \"guten M\u00e4dMonika G\u00f6tsch (ohne Liebe) darauf abzielen, Spa\u00df zu haben. Egal in welchem Beziehungsarrangement sexuelle Interaktio nen stattfinden, m\u00fcssen diese zwischen den Sexualpartner_innen gleichberechtigt ausgehandelt werden. Bez\u00fcglich Sexualit\u00e4t ist demnach \"nichts unm\u00f6glich\", weil jede _r individuelle Vorlieben hat, jede_r \"mag es ja anders\". Ziel einer (hetero)s exuellen Begegnung ist, \"dass beide Beteiligte ihre sexuellen Bed\u00fcrfnisse, dass die sexuellen Bed\u00fcrfnisse befriedigt werden\", d.h. dabei ihren Spa\u00df haben. Damit keine_r benachteiligt wird und die jeweiligen Grenzen gewahrt sowie die jeweiligen W\u00fcnsche erf\u00fcllt werden, m\u00fcssen sich die Sexualpartner_innen zu n\u00e4chst \u00fcber die sexuelle Interaktion verst\u00e4ndigen: \"dann kann man halt dar\u00fcber reden und dann zusammen zu einem Schluss kommen\", oder: \"das muss [man] halt schon klar sagen, was Sex f\u00fcr einen ist und das auch vorher\". Schlie\u00dflich m\u00fcssen dann beide einvernehmlich ihr Einverst\u00e4ndnis geben, wie die Partner_innen sexuell aktiv werden. Die Erz\u00e4hlung Von der 'Schlampe' handelt von der unterschiedlichen Bewertung promiskuitiven heterosexuellen Verhaltens von M\u00e4dc hen und Jungen. W\u00e4hrend heterosexuelle Jungen dadurch au fgewertet werden, bedeutet es f\u00fcr heterosexuelle M\u00e4dchen eine massive Abwertung. Jungen k\u00f6nnen deshalb keine Schlampen sein, weil sie viele unte rschiedliche heterosexuelle Erfahrungen machen m\u00fcssen: \"Jungs probieren halt mehr aus\" und \"die Jungs haben dann schon mehr Rechte irgendwie mal mit einer anderen was zu machen\". Jungen brauchen diese Erfahrungen, um \u00fcber das Ausprobieren schlie\u00dflich die 138 dass man einfach Leute sieht, die sagen: ja soll doch jeder machen was er will, oder soll doch jeder schlafen mit we m er will. Und dass man einfach, wenn man eine bestimmte Reife erlangt hat, einfach sagen kann, he Moment, das ist eigentlich ganz sinnvoll, so lche [homosexuellen] Leute nicht anders zu behandeln, sondern einfach normal zu behand eln\". Implizit liegt dem die Annahme volle (sexuelle) Beziehungen einzugehen und Toleranz gegen\u00fcber nicht-heterosexuellen Lebensweisen auszubilden. Vor allem di ese Toleranz muss aktiv gelernt werden: \"Es ist ja oft so, dass man sich Sachen bei anderen abschaut, von 'Reife' werden hierbei sowohl alters- wie auch milieuspezifisch definiert - also auf vorgeblich naturgegebene wie auf soziale Bedingungen bezogen. Reifeentwicklung bedeutet in der Fortsc hrittslogik der Jugendlichen, ein ganz und gar zivilisierte_r und moderne_r Mensch zu werden. Je nach sozialer und ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit wird ein unterschiedlicher Reifegrad erreicht, zugleich bedingt das Alter (Un)Reife: \"Eine Zw\u00f6lfj\u00e4hrige ist doch total unreif\". Vollkommene Reife bedeutet demnach, (heterosexuelles) Begehren auszubilden (\"die Reife erlangt man ja mit der Zeit einfach selber, dass man den bestimmten Stellenwert f\u00fcr Sex sag ich mal einfach festigt\"), verantwortungswird Vom optimierbaren K\u00f6rper erz\u00e4hlt, der einerseits (geschlechtliche) Natur, andererseits in jeglicher Hinsicht entsprechend sozialer Notwendigkeiten ver\u00e4nderlich ist. Die Erz\u00e4hlung vom Reif-Werden und (Un)Reif-Sein setzt sich mit der Jugendphase auseinander, die als spezifische Phase der 'Reifeentwicklung' bez\u00fcglich Sexualit\u00e4t und Geschlecht erz\u00e4hlt wird. M\u00f6glichkeiten und Grenzen Hierarchie verortet wird, kann dann aber sexuelle Interaktionen nicht mehr selbstbestimmt aushandeln, vor allem da nn nicht, wenn unbedingte Passivit\u00e4t (von heterosexuellen M\u00e4dchen) und unbedingte Aktivit\u00e4t (von heterosexuellen Jungen) zur Norm erhoben werden. z\u00e4hlt. Die Jugendlichen erz\u00e4hlen (Hetero)Sexu alit\u00e4t zun\u00e4chst als Aushandlungssache zwischen gleichberechtigten und individuellen Partner_innen einerseits, und andererseits beschreiben sie in weiteren Erz\u00e4hlungen, im Widerspruch dazu, M\u00e4dchen als passiv und Jungen als aktiv, was durch entsprechende Beund Entwertungen gest\u00fctzt wird. Wer so eindeutig unterschieden und in einer Paradoxien heteronormativer Sozialisation oder Ungl\u00fcck schicksalhaft ausgeliefert zu sein, die M\u00f6glichkeit, ihre Bed\u00fcrfnisse einzufordern oder den Sexualpartner aktiv auszuw\u00e4hlen, wird nicht er6 Zwischen Sozialit\u00e4t und Naturalisierung Die Jugendlichen erz\u00e4hlen Vom Reif-Werden und (Un)Reif-Sein als jugendspezifische Reifeentwicklung, die sie ambivalent sowohl sozialisatorischen wie biologischen Wirkungen zuschreiben. In \u00e4hnlich widerspr\u00fcchlicher Weise 139 mit zu gro\u00dfen Nasen oder auch die (hetero )sexy Inszenierung - es sind immer notwendige heteronormative Optimierunge n. Zugleich und widerspr\u00fcchlich dazu wird der M\u00e4dchenk\u00f6rper als unve r\u00e4nderliche Natur konzipiert, dem die M\u00e4dchen von Natur aus un entrinnbar, schi cksalhaft ausgeliefert sind: \"wir werden schwanger, wir kriegen unsere Tage\". Zudem hat die Natur den M\u00e4dchenk\u00f6rper zu einem gef\u00e4hrdeten ge macht: M\u00e4dchen sind sexualisierter Gewalt ausgeliefert und zu schwach, sich k\u00f6rperlich dagegen wehren zu k\u00f6nnen. In diesen beiden Erz\u00e4hlungen wird offensichtlich, dass und wie sexuellgeschlechtliche Ph\u00e4nomene, insbesondere der K\u00f6rper, in ambivalenter Weise sowohl der Natur wie der Kultur zugeschrieben werden und damit als (un)ver\u00e4nderlich bestimmt werden. Ver\u00e4nderlichkeit suggeriert die Kontingenz von werden. Ziel ist die (gesch lechtliche) Vereindeutigung, die Koh\u00e4renz von Innen und Au\u00dfen, die nicht selbstverst\u00e4nd lich naturgegeben scheint. Das betrifft sowohl Trans*Personen wie auch Frauen mit zu kleinen Br\u00fcsten, Menschen und betrifft auch die eigentliche, konstante Geschlechtlichkeit. Das K\u00f6rper\u00e4u\u00dfere, das sichtbare K\u00f6rpergeschlecht wi rd hingegen aufgru nd seiner Ver\u00e4nderungsm\u00f6glichkeiten nicht mehr als zuve rl\u00e4ssig dargestellt. Geschlecht wird damit zun\u00e4chst nicht \u00fcber den sichtbaren K\u00f6rper naturalisiert, sondern \u00fcber das Innere, \"das Selbst\", \"das Eigentliche\" einer Person. Zur (u.a. geschlechtlichen) \"Selbstfindung\" muss die K\u00f6rperh\u00fclle demnach dem Inneren angepasst fert scheinen. Zun\u00e4chst wird der K\u00f6rp er als ver\u00e4nderliche H\u00fclle (durch Sch\u00f6nheits-OPs, 'Geschlechtsumwandlung' und K\u00f6rperinszenierungen) mit einem unver\u00e4nderlichen 'Innen' konzipiert. Dieses Innere meint Gef\u00fchl und Psyche hab's immer versucht, aber es hat nich t hingehauen\"), gelingt dies Jungen problemlos, indem sie \"halt \u00f6fter in den Spiegel\" schauen. Es sind dann auch die M\u00e4dchen, die Gefahr laufen, sich zu fr\u00fch zu heterosexuellen Aktivit\u00e4ten dr\u00e4ngen zu lassen. Sie \"sind so naiv no ch ein bisschen [...] das denkt man, der Junge liebt dich wirklich \u00fcber alles und dann ist es sp\u00e4ter doch nicht so und er will dich nur ins Bett kriegen\". Jungen hingegen initiieren zu fr\u00fch nicht ernsthafte (hetero)sexuelle Aktivit\u00e4ten. Selbst in ihrer Unreife werden sie zu einem sich idealiter erg\u00e4nzenden heterosexuellen Paar: das passive, zu fr\u00fch verf\u00fchrte M\u00e4dchen und der aktive, zu fr\u00fch verf\u00fchrende Junge. Vom optimierbaren K\u00f6rper erz\u00e4hlt \u00fcber die M\u00f6glichkeiten der Optimierbarkeit und die Optimierungs notwendigkeiten des K\u00f6rpers einerseits, andererseits \u00fcber das K\u00f6rperschicksal der M\u00e4dchen, dem sie naturgegeben ausgelieMonika G\u00f6tsch einer naturgegebenen Hete rosexualit\u00e4t zugrunde, die einfach da ist, die ganz selbstverst\u00e4ndlich zu dieser Toleran z erm\u00e4chtigt, w\u00e4hrend Homosexualit\u00e4t auf diese Toleranz angewiesen ist. Into leranz gegen\u00fcber Homosexualit\u00e4t bzw. Homophobie wird zugleich als Ze ichen von Unreife gedeutet. In der Erz\u00e4hlung \u00fcber das Reif-Werden und das (Un)Reif-Sein wird deutlich, dass M\u00e4dchen anders als Jungen in besonderer Weise von Unreife betroffen sind. F\u00fcr M\u00e4dchen wie Jungen geh\u00f6 rt die (hetero)sexy Inszenierung zur Reifeentwicklung. W\u00e4hrend die M\u00e4dchen dabei aber zun\u00e4chst scheitern (\"ich 140 als insbesondere normale heterosexuelle M\u00e4dchen und Jungen (beispielsweise in der Peergroup) positionieren zu k\u00f6nnen. Und: Sie k\u00f6nnen pluralisierte und zugleich heteronormative Subjekte 'sein'. dene Forderung, Geschlecht und Sexualit\u00e4t als sozial hergestellt und als in ihren Vielf\u00e4ltigkeiten gleichwertig zu begr eifen, produktiv vereinnahmt und umgedeutet zu werden, ohne Heteronormativ it\u00e4t als Normalisierungsdirektiv aufzugeben. Sozialisation in ihre r Verschr\u00e4nkung identit\u00e4rer und soziokultureller Dimensionen erm\u00f6glicht es, komplexe und widerspr\u00fcchliche (heteronormative) Identit\u00e4ten in Abgrenz ung zu 'Anderen' und in der Normalisierung des Eigenen herzustellen und di ese Identit\u00e4ten kontextspezif isch ad\u00e4quat zu aktualisieren. F\u00fcr die Jugendlichen hat dies die Funktion, sich je nach Anforderung eher als 'modernes', tolerantes Subjekt (so beispielsweise in der Schule) oder Da ist andererseits Erwerbs- und Versorgearbeit meist geschlechtsspezifisch segregiert, M\u00e4nner verdienen mehr als Fr auen, und zugleich wird die M\u00f6glichkeit der freien, geschlechtsunabh\u00e4ngigen Wahl suggeriert und teilweise auch gelebt. Da wird Homose xualit\u00e4t in \u00f6ffentlich en Foren normalisiert und zugleich wird 'normale' Sexualit\u00e4t mit Heterosexualit\u00e4t gleichgesetzt. Wie sollte da heteronormative Sozialisation nicht paradox sein? \u00c4hnlich wie Luc Boltanski und \u00c8ve Chiapello (2006) dies f\u00fcr den 'neuen' Kapitalismus konstatieren, scheint auch di e feministische Kritik an der Naturalisierung von Geschlechterhierarchie und -differenz sowie die damit verbunter)Beziehungen zum Vorschein kommen. Da ist einerseits das Reden \u00fcber Gleichstellung, das Negieren der Releva nz von Geschlecht und zugleich das Bestehen auf (naturgegebenen oder sozialisierten) Geschlechterdifferenzen. heteronormativen Wissens, die in sich widerspr\u00fcchlich-komplex sind. Die Jugendlichen re-produzieren damit mutma\u00df lich Gleichzeitigkeiten, wie sie in gesellschaftlichen Diskursen und f\u00fcr sie in gelebten (sexuellen) (Geschlechgr\u00f6\u00dferer Optimierungsanstrengungen, um heteronormativ 'richtig' zu sein. Paradoxien heteronormativer Sozialisation Geschlechtlichkeit, Sexualit\u00e4t und K\u00f6rper - aber der M\u00e4dchenk\u00f6rper erscheint naturgegebener als der Jungenk\u00f6rper und dennoch bedarf der M\u00e4dchenk\u00f6rper 7 Sozialisatorische Paradoxien paradoxe Heteronormativit\u00e4t Referenzrahmen ist f\u00fcr die Jugendlich en die bipolare Ge schlechtlichkeit von Frauen und M\u00e4nnern, sowie daraus logi sch folgend die Normalit\u00e4t der Heterosexualit\u00e4t. Auch wenn sie K\u00f6rper, Ge schlechtlichkeiten und Sexualit\u00e4ten in Teilen pluralisiert und ver\u00e4nderlich denken , so geschieht dies immer in Bezug zu heteronormativen Grundannahmen. Die Jugendlichen ak tualisieren Heteronormativit\u00e4t und variieren bzw. modifizieren sie zugleich. Das verweist auf eine sozialisatorische Bewegung bzw. sozialisierte und sozialisierende Praxen 141 lit\u00e4t und Macht. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften, S. 135-140. G\u00f6tsch, Monika (2014): Sozialisation heteronormativen Wissens. Wie Jugendliche Sexualit\u00e4t und Geschlecht erz\u00e4hlen. Opladen: BudrichUniPress Ltd. zialisation und Geschlecht. Theoretische und methodologische Ans\u00e4tze. Opladen: Barbara Budrich, S. 7-15. Bohnsack, Ralf (2007): Rekonstruktive Sozialforschung. Einf\u00fchrung in qualitative Methoden. Opladen: Leske und Budrich. Bourdieu, Pierre (2009\/1979): Entwurf einer Theorie der Praxis. 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Was sind M\u00e4n143 Monika G\u00f6tsch Sch\u00fctze, Fritz (1987): Das narrative Interview in Interaktionsfeldstudien: erz\u00e4hltheoretische Grundlagen. Kurseinheit 1. Hagen: Fernuniversit\u00e4t Hagen. Wagenknecht, Peter (2007): Was ist Heteronormativit\u00e4t? Zu Geschichte und Gehalt des Begriffs. In: Hartmann, Jutta et al. (Hrsg.): Heteronormativit\u00e4t. A.a.O., S. 17-34. Ziegler, Meinrad (2008): Einleitung: Heteronormativit\u00e4t und die Verfl\u00fcssigung des Selbstverst\u00e4ndlichen - theoretische Kontexte. In: Bartel, Rainer (Hrsg.): Heteronormativit\u00e4t und Homosexualit\u00e4ten. A.a.O., S. 13-24. Zinnecker, J\u00fcrgen (2000): Selbstsozialisation. Essay \u00fcber ein aktuelles Konzept. In: Zeitschrift f\u00fcr Soziologie der Erziehung und Sozialisation (3\/2000), S. 272-290. 144 Offener Teil spruch genommen. Geschlechtsbezogene Ungleichheiten in der Nutzung des Elterngeldes Kinderbetreuung: Drei von vier V\u00e4tern (77 Prozent) erhielten das Elterngeld f\u00fcr maximal zwei Monate, lediglich knapp sieben Prozent haben das Elterngeld f\u00fcr zw\u00f6lf Monate in Anschlechtern, in der es \u00fcberwiegend Frau en sind, die f\u00fcr di e fr\u00fche Betreuung und Versorgung ihrer Kinder zust\u00e4ndig sind. An dieser Zust\u00e4ndigkeit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in der BRD trotz Ver\u00e4nderungen in geschlechtsbezogenen Zuweisungs- und Ungleichheitsmustern und in den Leitbildern f\u00fcr Geschlechterbezieh ungen in Familien wenig ver\u00e4ndert. So engagieren sich viele M\u00e4nner zwar sehr viel st\u00e4r ker als noch ihre V\u00e4ter im Bereich von Kinderbetreuung und -erziehung schlechtsunterscheidung vgl. z.B. Kelle 2006). Als strukturierende Rahmenbedingung f\u00fcr Sozialisationsprozesse in der Familie fungiert zudem eine gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen den Gevon Jungen und jungen M\u00e4nnern Elternschaft f\u00fcr Entwicklungsm\u00f6glichkeiten Neue Konstellationen f\u00fcr M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfe Potentiale einer in der Paarbeziehung geteilten Karin Flaake 1 Sozialisation und Geschlecht in Familien Vorbemerkungen Sozialisationsprozesse in Familien sind - so die Perspektive psychoanalytischsozialwissenschaftlicher Ans\u00e4tze - von Anbe ginn an auch von geschlechtsbezogenen Gehalten gepr\u00e4gt: Phantasien, die mit dem Geschlecht des Kindes verkn\u00fcpft sind, gehen schon vorgeburtlich in Erwartungshaltungen der Eltern ein und strukturieren dann - oft entgegen bewusster Intentionen - fr\u00fche Beziehungsmuster (vgl. zusammenfassend Re ndtorff 2003: 56ff.). Sobald Kinder \u00fcber die sozialen Kategorien der Geschl echterdifferenzierung und der eigenen Geschlechtszugeh\u00f6rigkeit verf\u00fcgen, spielen zudem doing gender -Prozesse das Sich-Pr\u00e4sentieren als M\u00e4dchen oder Junge gem\u00e4\u00df kulturell vorherrschenden Geschlechterbildern - eine Rolle (zur Bedeutung der Praktiken der Ge1, Studien zur geschlechtsbezogenen Zeitverwendung zeigen jedoch, dass Frauen we iterhin den \u00fcberwiegenden Anteil der 1 Ein Indikator f\u00fcr solche Tendenzen ist die von V\u00e4tern in Anspruch genommene M\u00f6glichkeit, nach der Geburt eines Kindes die Erwerbst\u00e4tigkeit zu unterbrechen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben 27,3 Prozent der V\u00e4ter der 2011 geborenen Kinder Elterngeld bezogen. Es zeigen sich allerdings auch Grenzen der Beteiligung von V\u00e4tern an der fr\u00fchen jedoch verk\u00fcrzt: 78,3 Prozent erhielten das Elterngeld f\u00fcr maximal zwei Monate. 2 Zu den psychisch strukturierenden Funktionen von Vater und Mutter und den darin enthaltenen kulturtypischen Elementen vgl. Rendtorff 2003: 99f. - weiterhin wesentlich als Terrain von Frauen gesehen werden und entsprechend in die gesellschaftliche Geringerb ewertung des den Frauen Zugewiesenen und als weiblich Konnotierten eingeb unden sind (vgl. z.B. Br\u00fcckner 2015; Fle\u00dfner 2013). Im Folgenden geht es auf der Basis einer empirischen Studie um die auf die Sozialisation von Jungen und jungen M\u00e4nnern bezogenen Potentiale einer Familienform, in der sich M\u00fctter und V \u00e4ter von Anbeginn an die Verantwortung und Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr Familienaufgaben - die Betreuung und Versorgung der Kinder sowie die Hausarbeiten - ge teilt haben und die Frauen kontinuierlich erwerbst\u00e4tig waren. In einer solchen Konstellation haben Jungen die ersten deau 2013: 187). Damit ist die innerpsy chische Basis daf\u00fcr gegeben, dass F\u00fcrsorge, liebevolle Bezoge nheit und Verantwortung f\u00fcr familiale Alltagsaufgaben - in geschlechtertheoretischen Analysen unter dem Begriff \"care\" gefasst ebenso wie M\u00e4dchen, W\u00fcnsche nach emotionaler und k\u00f6rperlicher N\u00e4he und Geborgenheit - auch gest\u00fctzt durch ges ellschaftliche Mutterbilder - an die Mutter, eine Frau, binden und bei geli ngenden Interaktionen Entsprechendes wesentlich mit ihr erleben, w\u00e4hrend V\u00e4ter eher f\u00fcr Abgrenzung und Distanzierung, f\u00fcr aktive Weltaneignung und Autonomie stehen. menfassend Rusconi\/Wimbauer 2013; Wi ppermann 2014). Es ist naheliegend, dass eine solche Konstellation Auswirkungen auf Sozialisationsprozesse hat. So weist die Soziologin und Psychoanalytik erin Ilka Quindeau - Analysen der US-amerikanischen Sozialwissenschaftlerin und Psychoanalytikerin Nancy Chodorow aus den 1980er Jahren (Chodorow 1985) differenzierend aufgreifend (Quindeau 2013) - darauf hin, dass Kinder beiderlei Geschlechts, Jungen Karin Flaake Familienarbeiten \u00fcbernehmen und insbesondere in de n ersten Lebensmonaten und -jahren die zentralen Bezugspersonen f\u00fcr ihre Kinder sind (vgl. zusam2 F\u00fcr Jungen ist damit - unter Bedingungen einer gesellschaf tlichen Differenzierung der Geschlechter, die st\u00e4rker auf Entgegensetzung als auf \u00c4hnlichkeit basiert - eine spezifische Anforderung verbund en: Um im gesellschaftlich en Sinn m\u00e4nnlich zu werden, um sich einer sozial akzeptierten M\u00e4nnlichkeit zu versichern, m\u00fcssen im Verlauf des Heranwachsens, insbesondere in der Adoleszenz, weiblich konnotierte Anteile aus dem Selbstverst\u00e4ndnis und der Selbstdarstellung ausgeschlossen werden. Fr\u00fche Identifizierun gen mit als m\u00fctterlich und damit weiblich konnotierten Anteilen konf ligieren mit einem positiv besetzten Selbstbild als Junge und Mann, \"andersgeschlechtliche Identifizierungen [fallen] bei der Ausbildung der Geschlechtsidentit\u00e4t [...] der Verdr\u00e4ngung anheim\" (Quinzeigen sich durch einen Vergleich mit den Frauen: 95 Prozent der M\u00fctter bezogen Elterngeld, in neun von zehn F\u00e4llen f\u00fcr zw\u00f6lf Monate. Verdeutlicht werden diese Ungleichheiten auch, wenn man die Zahl der das Elterngeld nicht in Anspruch nehmenden V\u00e4ter benennt: Es sind 72,7 Prozent (Statistisches Bundesamt 2013). 2012 hat sich der Anteil der V\u00e4ter, die Elterngeld bezogen, etwas erh\u00f6ht (auf 29,3 Prozent), die durchschnittliche Bezugsdauer hat sich 148 mente der Prozesse, die einer Verfl\u00fcssig ung tradierter Geschlechterkonstruktionen zutr\u00e4glich sein k\u00f6nnen. integriert werden k\u00f6nnen. Zentrale Be deutung f\u00fcr entsprechende Entwicklungen von Jungen und jungen M\u00e4nnern ha ben dabei die Verhaltensm\u00f6glichkeiten der Eltern: Inwieweit ist es ihnen in der Beziehung zu ihren S\u00f6hnen m\u00f6glich, sich auf eine Weise zu verhalten, die zu einer Verfl\u00fcssigung tradierter Geschlechterkonstruktionen beitragen kann? Im Zentrum der folgenden \u00dcberlegungen stehen dabei insbesondere die innerpsychischen Herausforderungen, die f\u00fcr V\u00e4ter und M\u00fctter mit einem Konzept von parit\u00e4tischer Elternschaft verbunden sind: jene Prozesse, \u00fcber die sich trotz ver\u00e4nderter Familienkonstellation eine Weitergabe tradierter Orientierungen vollziehen kann, sowie Elevoll-versorgender Zuwendung des Vater s - F\u00fcrsorglichkeit, liebevolle Bezogenheit und Verantwortung f\u00fcr familiale Alltagsaufgaben auch als Elemente einer positiv besetzten M\u00e4nnlichkeit gesehen und in eigene Identit\u00e4tsentw\u00fcrfe der Mutter, sondern auch mit einem Mann, dem Vater erfahren. Es geht um die Frage, inwieweit diese ver\u00e4nderten Rahm enbedingungen in der Familie f\u00fcr die S\u00f6hne Geschlechterbilder erm\u00f6glichen, in denen - \u00fcber die Erfahrung liebeNeue Konstellationen f\u00fcr M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfe oft pr\u00e4genden Beziehungserfahrungen m it Personen beiderlei Geschlechts gemacht, sie haben k\u00f6rperliche und emotionale N\u00e4he nicht nur mit einer Frau, 2 Zur Studie Die folgenden Analysen sind Teil einer umfassenderen Studie zu Familiendynamiken und Sozialisationsprozessen in Familien mit einer in der Paarbeziehung geteilten Elternschaft (zu Dynamike n in der Paarbezieh ung und Entwicklungsm\u00f6glichkeiten der T\u00f6chter vgl. die ausf\u00fchrliche Darstellung der Ergebnisse in Flaake 2014). In die Untersuchung einbe zogen sind zw\u00f6lf Familien, in denen sich die Eltern von Anbeginn an die Verantwortung f\u00fcr die Betreuung, Versorgung und Erziehung der Kinder sowie die Hausar beiten geteilt haben. Den Frauen hat diese Aufgabenteilung mit dem Partner eine kontinuierliche Erwerbst\u00e4tigkeit erm\u00f6glicht. Es sind heterosexuell lebende Familien aus einem st\u00e4dtisch orientierten westdeutschen Mittelschichtmilie u mit hohem Ausbildungsniveau und ohne Einwanderungsgeschichte, zudem Familien, in denen eine ausreichende finanzielle Basis f\u00fcr die Realisierung partnerschaftlicher Elternschaftsvorstellungen und die M\u00f6glichkeit zu Teilzeitarb eit oder flexiblen Arbeitszeitgestaltungen gegeben ist. 3 Befragt wurden M\u00fctter und V\u00e4ter sowie deren S\u00f6hne und 3 Bezogen auf die V\u00e4ter wurde als Kriterium f\u00fcr die Auswahl der Familien festgelegt, dass sie sich - nach eigenen Angaben und denen der Partnerin - schon fr\u00fchzeitig mindestens ebenso 149 Selbstst\u00e4ndige im Familienunternehmen. unterschiedliche Umgehensweisen mit diesen Herausforderungen. schen Bereich, leitende Funktionen in privatwirtschaftlichen Unternehmen und Arbeiten als schaft bem\u00fchen. Es lassen sich jedoch Aussagen \u00fcber m\u00f6gliche Problemkonstellationen machen, auf die Frauen und M\u00e4nner treffen, wenn sie in ihrer Familie andere als die gesellschaftlich vorherrschenden Formen geschlechtsbezogener Aufgabenverteilung en leben wollen. Deutlich werden k\u00f6nnen die Herausforderungen, die f\u00fcr Frauen und f\u00fc r M\u00e4nner mit einer Verfl\u00fcssigung traditioneller geschlechtsbezogener Zuweisungen verbunden sein k\u00f6nnen, sowie die es durch ein genaues textanalytisches Vorgehen zu best\u00e4tigen oder aber zu modifizieren bzw. abzulehnen galt (zur Methode vgl. Flaake 2014; Frommer 2007; Klein 2000). Auf dieser Basis wurd e f\u00fcr jede Familie eine ausf\u00fchrliche Fallstudie erarbeitet, in der es sowohl um die Dynamiken in der Paarbeziehung als auch um die Interaktionsmuster zwischen den V\u00e4tern bzw. M\u00fcttern und ihren S\u00f6hnen bzw. T\u00f6chtern geht. Die Fokussierung auf Familien aus einem nicht migrantisch gepr\u00e4gten Mittelschichtmilieu l\u00e4sst keine Aussagen \u00fcb er allgemeinere Orientierungsmuster von Paaren in der BRD zu, die sich um eine in ihrer Beziehung geteilte ElternIdentit\u00e4ten neu konstellieren bzw. schon konstelliert haben. Die Familienmitglieder wurden getrennt voneinander auf der Grundlage eines flexibel zu handhabenden Leitfadens befragt, in dem le diglich zentrale Themenbereiche aufgef\u00fchrt waren. Zur Auswertung der Int erviews diente eine Verbindung von psychoanalytisch orientiertem mit einem textanalytischen Vorgehen. In einem ersten Schritt wurden nach einem psyc hoanalytisch orien tierten Verfahren zentrale Muster und Themen der Interviews und der Familien herausgearbeitet. Dabei waren neben den manifesten Geha lten der Interviews auch Irritationen, die sich an Besonderheiten des Textes festmachen lie\u00dfen, und die Dynamiken in der Interpretationsgruppe Mittel zum Verstehen. Auf diese Weise war es m\u00f6glich, auch latente, nicht bewusste Gehalte herauszuarbeiten. In einem zweiten Schritt wurden diese Muster und Themen als Vermutungen benutzt, Karin Flaake T\u00f6chter, die zwischen 13 und 27 Jahre alt und damit in einer lebensgeschichtlichen Phase waren, in der sich Geschlechterbilder und geschlechtsbezogene umfassend wie die M\u00fctter an der Kinderbetreuung und -erziehung sowie der Hausarbeit beteiligt haben. An Berufen der M\u00fctter und V\u00e4ter sind vertreten: T\u00e4tigkeiten als Lehrende an Schulen oder in anderen Ausbildungsbereichen, z.B. der Erwachsenenbildung, andere T\u00e4tigkeiten im \u00f6ffentlichen Dienst, meist in h\u00f6heren Positionen, T\u00e4tigkeiten im sozialp\u00e4dagogi150 \"Dass das K\u00f6rperliche dann doch so zwischen den M\u00e4nnern ziemlich selten Menschen\", der \"sehr sparsam\" mit Umarmungen und anderen Gesten der Zuneigung ist. \"Mein Vater redet nicht viel. Er ist nicht so aufgeschlossen und zeigt nicht so seine Gef\u00fchle. Dadurch haben wir nie \u00fcber das, was uns bewegt, gesprochen\", schildert er eine emotionale Distanz, die sich trotz der umfassenden Pr\u00e4senz des Vaters von Anbeginn an und zahlreicher von beiden als befriedigend erlebter gemeinsamer Alltagsunternehmungen herausgebildet hat. sch\u00f6n.\" Zugleich werden in den meisten de r untersuchten Vater-Sohn-Beziehungen jedoch Begrenzungen deutlich, wenn es um eine z\u00e4rtlich-liebevolle k\u00f6rperliche N\u00e4he und ein Sich-weich-und-ver letzlich-Zeigen geht, Begrenzungen, die sowohl einige S\u00f6hne als auch V\u00e4ter mit Bedauern schildern. So beschreibt ein 22-j\u00e4hriger junger Mann seinen Vater als \"unnahbar\", als \"verschlossenen so intensive Beziehung ergeben. \"Dadurch dass er sehr viel zu Hause ist, k\u00f6nnen wir viel zusammen machen. Sonst w\u00e4 re das Verh\u00e4ltnis ganz anders. Ich glaube, dann w\u00fcrde ich mich gar nich t an meinen Vater wenden mit irgendwelchen Fragen\", berichtet ein 18-j\u00e4 hriger junger Mann, und \u00e4hnlich ein 20-j\u00e4hriger: \"Sonst h\u00e4tte ich 'ne gr\u00f6\u00dfere Distanz zu meinem Vater. Wenn er voll gearbeitet h\u00e4tte, w\u00e4r das 'ne sehr abwesende Rolle gewesen. So war es toll.\" In einigen Interviews wird deu tlich, dass die Voraussetzung f\u00fcr eine liebevolle, vertraute Beziehung zum Vater der Zeitfaktor ist: Ohne die M\u00f6glichkeit, viel Zeit mit dem Vater zu verbringen, h\u00e4tte sich - so wird betont - keine milien mit vollzeitiger Erwerbst\u00e4tigkeit des Vaters und Zust\u00e4ndigkeit der Mutter f\u00fcr Familienarbeiten vgl. Flaake 2005). Ein 22-j\u00e4hriger junger Mann schildert die gute Beziehung zu seinem Va ter vor dem Hintergrund der Erfahrungen in den Familien seiner Freunde, in denen die V\u00e4ter weniger anwesend sein k\u00f6nnen: \"Die haben nicht so 'n unsichtbares Band zum Vater, so dass man immer wieder nach Haus e kommt. Und sich nicht so lange hinsetzt und so lange redet, \u00fcber alles, \u00fcber Gott und die Welt. Da h\u00e4tte ich nicht so 'n gutes Verh\u00e4ltnis zu meinem Vater, und man w\u00fcrde sich nicht so sch\u00e4tzen.\" \u00c4hnlich \u00e4u\u00dfert sich der 24-j\u00e4hrige Bruder: \"Er [der Vater, K.F.] war immer da. Das war S\u00f6hnen, eine Vertrautheit miteinander, di e sich in Familien, in denen die V\u00e4ter durch eine vollzeitige Erwerbst\u00e4tigkeit in geringerem Ma\u00dfe f\u00fcr ihre Kinder pr\u00e4sent sind, nur schwer entwickeln kann (zu Vater-Sohn-Beziehungen in FaNeue Konstellationen f\u00fcr M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfe 3 Vater-Sohn-Beziehungen und innerpsychische Herausforderungen f\u00fcr V\u00e4ter: Weitergabe eigener erlebter Begrenzungen und Ver\u00e4nderungsm\u00f6glichkeiten In den in die Untersuchung einbezogenen Vater-Sohn-Beziehungen zeigen sich Erweiterungen tradierter Geschlec hterbilder neben Beharrungstendenzen. So schafft die zeitlich umfassende und kontinuierliche Anwesenheit des Vaters in der Familie neue Formen der N\u00e4he und Verbundenheit zwischen V\u00e4tern und 151 nung mit eigenen fr\u00fcheren Erlebensweisen, mit eigenen fr\u00fcheren W\u00fcnschen und \u00c4ngsten und deren Umgestaltung in der Auseinandersetzung mit der sozialen Umgebung. Diese Prozesse der Um gestaltung sind auch wesentlich von gesellschaftlichen Geschlechterbilde rn gepr\u00e4gt, f\u00fcr heranwachsende Jungen als akzeptabel bzw. unerw\u00fcnscht Erlebtes h\u00e4ngt eng mit gesellschaftlichen M\u00e4nnlichkeitskonstruktionen zusammen. Durch die Begegnung mit ihren S\u00f6hnen werden in V\u00e4tern sowohl eigene fr\u00fchere W\u00fcnsche als auch deren Verarbeitungsformen in sozialen Beziehungen aktualisiert, verdr\u00e4ngte, unbewusst \"So auf keinen Fall\", habe er sich nach der Geburt des Kindes gesagt, ist dann jedoch mit den Grenzen seiner inneren M\u00f6glichkeiten konfrontiert worden. Deutlich werden Facetten jener Prozesse, \u00fcber die sich - trotz anderer Intentionen - die Weitergabe eigener erlebter Beschr\u00e4nkungen an die Kinder, aber auch die Ver\u00e4nderung erlebter Mu ster vollziehen kann. Die intensive Beziehung zu Kindern und Jugendlichen bedeutet immer auch die Wiederbegegbisschen verhalten\", verbindet ein Vater seine k\u00f6rperliche Distanz zum Sohn mit eigenen Erfahrungen: \"Ich hab k\u00f6rp erliche Ber\u00fchrung mit meinem Vater \u00fcberhaupt nicht erlebt.\" Er wollte es mit seinem Sohn ganz anders machen: Junge weint nicht, ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich getr\u00f6stet worden bin\", sind typische Schilderungen von V\u00e4tern \u00fcber ihre Beziehung zum eigenen Vater. \"Von daher war dieses Sven in den Arm nehmen immer so 'n M\u00e4nnlichkeit zu versichern. Gro\u00dfe Be deutung haben m\u00e4nnlich konnotierte Bereiche wie Fu\u00dfball und abenteuer- und risikoreiche Unternehmungen, zudem spielerisch-aggressive Wettk\u00e4mpfe, in de nen V\u00e4ter und S\u00f6hne ihre Kr\u00e4fte miteinander messen. In diesen Aktivit\u00e4ten sind liebevolle Seiten enthalten, jedoch auf eine spezifische Weise: N\u00e4he und Verbundenheit werden begrenzt durch ihre Einbindung in Gegenteiliges, in oft konkurrenzorientierte, aggressive und damit Abgrenzung schaffende Verhaltens muster. So ist es auch in Vater-SohnBeziehungen, in denen die V\u00e4ter ihre kleinen S\u00f6hne schon fr\u00fch betreut und versorgt haben, nicht leicht, zu eine m ver\u00e4nderten Verst\u00e4ndnis von M\u00e4nnlichkeit zu finden, in dem auch eine z\u00e4rtlich-liebevolle k\u00f6rperliche N\u00e4he untereinander und das Zeigen weicher, verletzlicher Seiten Raum haben. In zahlreichen Interviews mit V\u00e4tern wird eine Weitergabe von Begrenzungen in Vater-Sohn-Beziehungen \u00fcber die Generationen hinw eg deutlich. Nahezu alle V\u00e4ter beschreiben, dass sie ihren eigenen Vater als wenig liebe- und verst\u00e4ndnisvoll erlebt und das als Ma ngel empfunden haben. \"Liebevolle Gesten gab es so gut wie keine, da war ni e so 'ne Zuneigung da\"; \"Ich h\u00e4tte mir mehr Vaterliebe und Anerkennung gew\u00fcnscht\"; \"Dass man sich auch umarmen darf, das hab ich bei meinem Vater nie kennengelernt, da hie\u00df es, ein Karin Flaake vorkommt\", kennzeic hnet ein Vater die Beziehung zwischen sich und seinen S\u00f6hnen, \"Bemitleiden oder Bet\u00fcddeln, da s war nicht so mein Ding\", erg\u00e4nzt er selbstkritisch. In vielen der untersuchten Vater-So hn-Beziehungen sind Aktivit\u00e4ten wichtig, in denen der Wunsch zum Ausdruck kommt, sich einer gemeinsamen 152 nie auseinandergesetzt hat\" (King 2013: 41). verhindert werden, vor allem dann, wenn er sich mit seinen eigenen Entbehrungen emotional schreibt dieser Vater seine eigenen Grenzen, die auch damit zusammenhingen, dass er durch die Begegnung mit der Abh\u00e4ngigkeit und Hilflosigkeit des Neugeborenen eine f\u00fcr ihn schwer ertr\u00e4gliche \"Entbehrung\" sp\u00fcrte, wohl eine Erinnerung an eigene fr\u00fchere Erlebenswe isen, der er durch eine Distanzierung von entsprechenden Gef\u00fchlen des Sohnes zu begegnen suchte. Er hatte so 'ne Art, sich sehr zur\u00fcckzuziehen, wenn es ihm schlecht ging, wenn er Probleme hatte. Er hat wenig komm uniziert, hat das mehr so mit sich ausgemacht, schon als Kind.\" \"Ich konnte ihm das nicht anders zeigen\", betionen, die Ausdruck von Verletzlichkeit, Schmerz und Schw\u00e4che waren, immer weniger zeigen konnte und ihm so der innere Bezug zu solchen Gef\u00fchlen verloren zu gehen drohte: \"Er hat sich immer versteckt, wenn er geweint hat. bild ausgeschlossen wurden. aber auch zu Prozessen eigener Ve r\u00e4nderung nutzen, zu einer Erweiterung emotionaler M\u00f6glichkeiten in der Beziehung zum Sohn, die langfristig auch M\u00e4nnlichkeitsbilder erweitert. Einige V\u00e4ter haben die durch die B eziehung zum Sohn angesto\u00dfenen Verunsicherungen aufgel\u00f6st, indem sie aus der \u00fcberlegenen Position des erwachsenen Mannes am Sohn wiederholt haben, was sie selbst fr\u00fcher erlebt hatten. Im kleinen Sohn sind all jene Verha ltensweisen und W\u00fcnsche erneut abgewehrt worden, die in der eigenen Kindhe it als wenig akzeptabel erlebt und in Prozessen des Aufwachsens als Junge und Mann zunehmend aus dem SelbstNeue Konstellationen f\u00fcr M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfe gemachte Bed\u00fcrfnisse kehren wieder und m\u00fcssen erneut verarbeitet werden. Diese erneute Verarbeitung kann auf un terschiedliche Weise geschehen: Im kleinen Sohn k\u00f6nnen noch einmal all jene Gef\u00fchls\u00e4u\u00dferungen und W\u00fcnsche abgewehrt werden, die V\u00e4ter selbst fr\u00fcher als wenig akzeptabel erfahren haben, V\u00e4ter k\u00f6nnen die Wiederbegegnung mit verdr\u00e4ngten fr\u00fcheren Strebungen 4 So berichtet ein Vater selbstkritisch, dass es ihm nicht m\u00f6glich war, einf\u00fchlsam mit f\u00fcr den Sohn Schmerzlichem umzugehen, seine Angebote an ihn zielten darauf, H ilflosigkeit, Abh\u00e4ngigkeit und Leid in ihr Gegenteil zu verkehren: in die einseitige Betonung von Autonomie und ein Bem\u00fchen um Unabh\u00e4ngigkeit und St\u00e4rke. \"Ich habe Dinge unbeachtet gelassen. Also gar nicht gekuckt, was mach t der eigentlich, sonde rn mir gesagt, der kommt schon klar\", schildert dieser Vater seine Tendenzen, die trost- und liebesbed\u00fcrftigen Seiten des Sohnes, seine W\u00fcnsche nach z\u00e4rtlichem Austausch \u00fcbersehen und mit ihm einseitig stark be wegungsorientierte, oft mit dem Risiko von Verletzungen verbundene Aktivit\u00e4ten - \"Toben und Tollen, wilde Sachen, auch Gef\u00e4hrliches, das konnte nicht wild und toll genug sein\" - geteilt zu haben. Beschrieben werden Entwicklungen des Sohnes, durch die er Emo4 Vera King beschreibt die diesem Muster zugrunde liegenden Prozesse anschaulich: Kinder r\u00fchren \"an kritische Punkte der eigenen Entwicklungsgeschichte [...]. Der Vater [kann] auf schmerzliche Weise mit der Erfahrung konfrontiert sein, dass das, was sein Kind von ihm m\u00f6chte, er selbst nicht bekommen hat. Die Absicht, [...] gegen\u00fcber dem kleinen Sohn v\u00e4terlich zu sein, kann dadurch von auftauchenden Mangelgef\u00fchlen [...] \u00fcberw\u00e4ltigt und [...] 153 keit\" seiner S\u00f6hne ber\u00fchren lassen und dadurch emotionale \"Verkrampfungen\" - gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfige Blockaden - l\u00f6sen konnte: \"Die Kinder mit ihrer Lebendigkeit und ihrer Energie, das habe ich be i beiden als so bereichernd erlebt, es hat viele Verkrampfungen bei mir gel\u00f6st .\" Gegen\u00fcber sein en S\u00f6hnen konnte sich dieser Vater auch mit weichen, verletzlichen Seiten zeigen, z.B. bei einer schweren Erkrankung seiner Mutter, eine Qualit\u00e4t der Beziehung, die die S\u00f6hne sch\u00e4tzen und die auch ihr M\u00e4nnlichk eitsbild ver\u00e4ndert hat. So berichtet meinen eigenen Lebensthemen und fam ili\u00e4ren Belastungen auseinanderzusetzen und Dinge ganz bewusst anders zu ge stalten, als ich sie erlebt habe.\" M\u00f6glich wurde diese \"pers\u00f6nliche Entwicklung\", weil er sich von der \"Lebendignale \u00d6ffnung und damit f\u00fcr eine partie lle Korrektur der Auswirkungen eigener fr\u00fcherer Sozialisationserfahrungen (vgl. Schon 2002: 29). So schildert ein Vater, dass er sich durch die intensive B eziehung zu den S\u00f6hnen mit seinen eigenen fr\u00fcheren Erfahrungen als Kind auseinandersetzen konnte, ein f\u00fcr ihn wesentlicher Aspekt seiner pers\u00f6nlichen Weiterentwicklung, der es ihm erm\u00f6glicht hat, sich den S\u00f6hnen gegen\u00fcber anders zu verhalten, als er es selbst erlebt hat: \"Das war wichtig f\u00fcr meine pers \u00f6nliche Entwicklung. Wenn man kleine Kinder ernst nimmt, kommen viele eigene Familiendinge wieder hoch, die eigene Familiengeschichte. Es hat mich bereichert in der F\u00e4higkeit, mich mit Sohn f\u00fcr eigene Weiterentwicklungen zu nutzen. Eigene, im Verlauf des Heranwachsens verdr\u00e4ngte Strebungen wurden nicht im kleinen Sohn erneut abgewehrt, sondern waren Ausl\u00f6ser f\u00fcr eigene Ver\u00e4nderungen, f\u00fcr eine emotioSohn umzusetzen in eigene Ver\u00e4nderu ngen und damit auch Wandlungen in der Beziehung zum Sohn. Diese V\u00e4ter hatte n keine bessere Beziehung zu ihrem Vater erlebt als die \u00fcbrigen, es war ihnen aber m\u00f6glich, die Beziehung zum zu \"nichts\" werden zu lassen - und sie durch nach au\u00dfen gewandtes Agieren zu \u00fcbergehen - \"weiter\" zu 'rennen' -, wohl ein Muster, das in der Kindheit des Vaters auch f\u00fcr ihn selbst pr\u00e4gend wa r und das er an seinen Sohn weitergibt. Fr\u00fcher als schmerzlich Erlebtes wi rd auf diese Weise im Sohn erneut abgewehrt, eine damals entwickelte Bew\u00e4ltig ungsstrategie damit erneut stabilisiert. Einigen V\u00e4tern ist es von Anbeginn an m\u00f6glich gewesen, eine k\u00f6rperlich nahe und emotional offene Beziehung zu m Sohn herzustellen, anderen gelang es, das Bedauern \u00fcber den Mangel an emotionaler und k\u00f6rperlicher N\u00e4he zum gerannt und mit dem Kopf voll vor die Schaukel. Er war ganz erschrocken und hat mich angeguckt, so fragend' was ist jetzt passiert? Ich hab dann gesagt, toll, nichts passiert, weiter. Und da ist er weiter gerannt, hat nicht geweint und so, obwohl er hinterher 'ne dicke Beule am Kopf hatte.\" Mit \"Toll, nichts passiert, weiter\" auf die Frage des kleinen Sohnes \"Was ist [...] passiert?\" wird die Botschaft vermittelt, dass es am besten sei, Schmerzen zu ignorieren - sie Karin Flaake Ein anderer Vater schildert \u00e4hnliche Verhaltensmuster gegen\u00fcber seinem Sohn: \"Da ist der Tim mal bei uns im Garten mit anderen Kindern wild rum154 nalit\u00e4t und aktiv nach au\u00dfen Gewandtes Repr\u00e4sentierenden. Dem liegt ein Zusammenspiel der Orientierungs- und Ve rhaltensmuster in der Paarbeziehung zugrunde, das Ausdruck gesellschaftlicher Geschlechterkonstruktionen ist. Der f\u00fcr die Mehrzahl der befragten V\u00e4ter kennzeichnenden Hemmung, wenn es um emotionale Offenheit und eine z\u00e4rtliche k\u00f6rperliche N\u00e4he zum kleinen Sohn geht, entspricht auf Seiten der in die Untersuchung einbezogenen so Kumpel, freundschaftsm\u00e4\u00dfig. Mit me iner Mutter umarme ich mich \u00f6fter und wenn ich ein Problem hab geh ich eher zu ihr.\" So hat sich ein Element tradierter geschlechtsbezogener Zuordnunge n auch in Familien erhalten, in denen eine Verfl\u00fcssigung solcher Zuordnung en angestrebt wird: die Frauen als die f\u00fcr F\u00fcrsorge im Sinne von Trost, W\u00e4rme, Geborgenheit und k\u00f6rperliche N\u00e4he Zust\u00e4ndigen, die M\u00e4nner als die prim\u00e4r Abgrenzung, Autonomie, Ratiogesellschaftlich nahegelegten Mutterbildern des Vaters verbindet er mit einem ver\u00e4nderten, f\u00fcr ihn positiven M\u00e4nnlichkeitsbild: \"Das hat meine Beziehung zu ihm verst\u00e4rkt, weil ich ihn als Mann wahrgenommen hab, der diese emotionale Seite leben kann und sich daf\u00fcr nicht sch\u00e4mt, und das fand ich toll.\" Er beschreibt auch sich als Person, die sich um eine solche Verbindung von emotionaler Offenheit und Mannsein bem\u00fcht. gegeben hat, auch \u00fcber diese ganz emotionalen Themen zu reden. Er ist da emotional sehr ber\u00fchrt gewesen, hat auch die Schmerzen zugelassen. Ich konnte seine Verletzlichkeit sehen un d auch meine Verletzlichkeit, meine \u00c4ngste zeigen. Er hat mich nah an si ch rankommen lassen, wir sind uns emotional genauso nahe gekommen wie ich mit meiner Mutter. Ich hab mich ihm da sehr verbunden gef\u00fchlt.\" Die Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die emotionale Offenheit Neue Konstellationen f\u00fcr M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfe der \u00e4ltere, 22 Jahre alte Sohn: \"Wir haben uns da noch mal sehr intensiv kennengelernt \u00fcber die Geschichte mit seiner Mutter. Weil er mir die M\u00f6glichkeit 4 Mutter-Sohn-Beziehungen und innerpsychische Herausforderungen f\u00fcr M\u00fctter: Auseinandersetzung mit Die Mutter-Sohn-Beziehung hat in den meisten der in die Untersuchung einbezogenen Familien - sowohl nach den Schilderungen der S\u00f6hne als auch denen der M\u00fctter und V\u00e4ter - eine andere Qualit\u00e4t als die Vater-Sohn-Beziehung: Trost, W\u00e4rme, Geborgenheit und liebevolle k\u00f6rperliche N\u00e4he gab es in der Kindheit der S\u00f6hne sehr viel st\u00e4rker in der Beziehung zur Mutter, auch derzeit verbinden die S\u00f6hne solch e Beziehungsqualit\u00e4ten st\u00e4rker mit ihrer Mutter als mit dem Vater. Ein 13-J\u00e4hriger beschreibt den Unterschied zwischen der Liebe zum Vater und zur Mutter so: \"Ich hab meinen Vater auf jeden Fall sehr lieb, aber das ist was anderes als bei meiner Mutter. Mit meinem Vater, das ist mehr 155 (vgl. He\u00df 2010: 261ff.; Kortendiek 2010). deutsamkeit, Resonanzbereitschaft, wenn es um \u00c4u\u00dferungen von Bed\u00fcrftigkeit des Kindes geht, und Versagens\u00e4ngst en hat die Basis geschaffen f\u00fcr gro\u00dfe kann nicht schlafen, ich bin dann hellwach und kriege so ein Schreck-wasmuss-ich-machen-Gef\u00fchl\", beschreibt s ie ihre Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr Signale des Kindes, zu dem sie eine \"sehr innige Beziehung\" schildert. Sie scheint schon auf seine Rufe zu warten: Sie \"kann nicht schlafen\" und ist \"hellwach\". Zugleich ist dieses Warten mit Unsicherheit und Angst verbunden: \"Schreck, was muss ich machen?\", fragt sie sich, wohl in der Bef\u00fcrchtung, auf Signale des Kindes - vielleicht im Sinne des Bildes von einer einf\u00fchlsamen Mutter, die die \u00c4u\u00dferungen ihres Kindes unmittelbar zu verstehen in der Lage ist - nicht angemessen reagieren zu k\u00f6nnen. Diese Verbindung von Gef\u00fchlen eigener Beinneren Bindungen an Vorstellungen von einer guten Mutter, Versagens\u00e4ngsten und zugleich Gef\u00fchlen, besonders wichtig f\u00fcr das Kind, einen kleinen Sohn, zu sein, besonders deutlich. Obwohl es eine Vereinbarung in der Paarbeziehung gibt, dass beide Elternteile gl eicherma\u00dfen zust\u00e4ndig sind, wenn der Sohn nachts aufwacht und schreit, ist es doch die Mutter, die schneller reagiert und ihrem Partner damit die M\u00f6glichkeit nimmt, selbst aktiv zu werden. \"Ich Kehrseite des narzisstischen Gewinns - des Gef\u00fchls einzigartiger Bedeutsamkeit - immer auch die Gefahr von Versagens\u00e4ngsten und Schuldgef\u00fchlen enth\u00e4lt. In den Schilderungen einer der Befragten wird das Zusammenspiel von f\u00fcr ihr Kind zu erleben. \"Ich f\u00fchlte mi ch so was von uner setzlich\", beschreibt eine der Befragten ihre Gef\u00fchle beim S tillen, zu dem sie sich, trotz Brustentz\u00fcndung, gezwungen hat. \"Ich wollte das unbedingt packen, ich wollte das Kind stillen\", schildert sie den Druck, un ter dem sie sich gef\u00fchlt hat. Nahegelegt wird die Vorstellung von einer einzigartigen Bedeutung der Mutter - z.B. der m\u00fctterlichen Milch als Nahrung - f\u00fcr das Kind, eine Vorstellung, die als Karin Flaake M\u00fctter eine gro\u00dfe Bereitschaft, sich auf die emotionale Befindlichkeit ihrer Kinder einzulassen und sich umfassend f\u00fc r sie verantwortlich zu f\u00fchlen. Deutlich wird die gro\u00dfe Bedeutung normati ver Bilder von einer 'guten Mutter' 5, die f\u00fcr Frauen eine Verf\u00fchrung schaffen k\u00f6 nnen, sich insbesondere in der fr\u00fchen Beziehung zum Kind in einer herausgehob enen Position zu erleben, eine Haltung, die verhindern kann, dass dem Part ner Raum f\u00fcr eine gleichgewichtige und eigenst\u00e4ndige Gestaltung der Bezie hung zum Kind gelassen wird. So k\u00f6nnen in normative Bilder einer 'gut en Mutter' eingebettete gesellschaftliche Stilldiskurse (vgl. Freudenschu\u00df 2012) be i Frauen zu einer - urspr\u00fcnglichen Planungen zuwiderlaufenden - Haltung beitragen, sich insbesondere in den ersten Lebensmonaten als einzigartige, dem Partner \u00fcberlegene Bezugsperson 5 Die normative Wirkung von Bildern einer \"guten Mutter\" - die Vorstellung, dass die Mutter insbesondere in den ersten Lebensmonaten und -jahren die beste Bezugsperson f\u00fcr ihr Kind ist und sie ganz f\u00fcr es da sein sollte - sowie die damit immer auch verbundenen Versagens\u00e4ngste und Schuldgef\u00fchle sind in Westdeutschland st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt als in Ostdeutschland 156 d\u00e4re Bedeutung f\u00fcr den Sohn auf eine Weise zu ve rarbeiten, durch die die Eigenst\u00e4ndigkeit und Intensit\u00e4t dieser B eziehung nicht beeint r\u00e4chtigt wurde. Auch in einer anderen Familie wird deutlich, dass der Offenheit des Vaters f\u00fcr eine innige Beziehung zu seinen S\u00f6 hnen eine Bereitschaft seitens der Partgeheult\", der Sohn konnte dem Vater seine Z\u00e4rtlichkeit zeigen : Er 'nahm' ihn \"in den Arm\". Diese innige Vater-Sohn -Beziehung konnte sich entwickeln, weil es der Mutter m\u00f6glich war, ihren Schmerz \u00fcber die zeitweise nur sekunbem\u00fchungen des Sohnes, \u00fcber die auch berichtet wird - eine Ebene zwischen beiden, durch die es m\u00f6glich ist, dass der Vater gegen\u00fcber seinem Sohn Fehler eingestehen und der Sohn diese Haltung des Vaters annehmen kann: Er 'verzieh' ihm \"sofort\" und gab zu, dass auch sein Verhalten problematisch \"doof\" - war. Beide, Vater und Sohn, ze igten sich einander \"ganz offen\", der Vater war \"ganz anger\u00fchrt\" vom Verst\u00e4ndnis seines Sohnes, er \"h\u00e4tte [...] fast ist einfach die erste Reaktion, und das tu t dann schon weh\", beschreibt eine der Befragten ihre Gef\u00fchle, als sie die st arke Bindung des Sohnes an den Vater bemerkt. Die Schilderungen des Vaters zeigen die gro\u00dfe Zuneigung, k\u00f6rperliche Z\u00e4rtlichkeit und emotionale Offenh eit in der Beziehung zum jetzt 13-j\u00e4hrigen Sohn: \"Ich war schlecht gelaunt und hab mich Lars gegen\u00fcber aufgebaut, ich wollte durchsetzen, dass er den M\u00fcll sofo rt runterbringt. Das ging zu weit, was ich da getrieben hab, das ging nicht. Dann bin ich zu ihm hoch gegangen und hab mich bei ihm entschuldigt. Er hat mir sofort verziehen. Er hat mich sofort in den Arm genommen und gesagt, war ja vielleicht auch doof, dass ich das nicht gemacht habe. Da war ich ganz anger\u00fchrt, dass er mich so nehmen kann, obwohl ich da so 'n Zampano gemacht hab. Er war ganz offen in dem Moment, h\u00e4tte ich fast geheult.\" Es gibt - jenseits adoleszenter AbgrenzungsNeue Konstellationen f\u00fcr M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfe Bem\u00fchungen, dem Sohn gerecht zu werden, und damit f\u00fcr eine besonders innige Mutter-Sohn-Beziehung, die wiederum nahelegt, dass das Kind sich mit W\u00fcnschen nach Trost, W\u00e4rme, Geborge nheit und z\u00e4rtlich-lieb evoller k\u00f6rperlicher N\u00e4he st\u00e4rker an die Mutter als an den Vater wendet, eine Situation, die von der Befragten als befriedigend un d als Vorteil gegen\u00fcbe r dem Partner und vom Partner einerseits als kr\u00e4nkend, andererseits aber auch als entlastend erlebt wird, weil er sich zun\u00e4chst sehr unsicher in der Beziehung zu seinem Sohn f\u00fchlte. In den Familien, in denen die V\u00e4ter mit ihren S\u00f6hnen eine auch von z\u00e4rtlich-liebevoller k\u00f6rp erlicher N\u00e4he und emotionaler Offenheit getragene Beziehung entwickeln konnten, wird deutlich , dass dem auf Seiten der Frauen eine Relativierung der eigenen Bedeutsamkeit als Mutter entspricht. Diese Relativierung wird von den Frauen einerseits al s erleichternd erlebt - denn insbesondere die fr\u00fche Beziehung zu Kindern is t mit einer Vielzahl widerspr\u00fcchlicher Gef\u00fchle verbunden, zu denen auch Be\u00e4ngstigendes und Verunsicherndes geh\u00f6rt (vgl. z.B. Freiberger 2007) -, ande rerseits aber auch als schmerzlich: \"Da ist Lars [der Sohn, K.F.] vom Fahrrad gefallen, weint: Papaaa, statt Mama. Das 157 t\u00e4tsentw\u00fcrfe integriert werden. In den Interviews mit Paaren, die sich f\u00fcr eine in ihrer Beziehung geteilte Zust\u00e4ndigke it f\u00fcr Familienarbeiten und eine kontinuierliche Erwerbst\u00e4tigkeit der Mutter ents chieden haben, wi rd deutlich, dass Ver\u00e4nderungen geschlechtsbezogener Zuordnungen in den Alltagsarrangelichkeitskonstruktionen sein: Wenn auch M\u00e4nner f\u00fcr ihre Kinder von Anbeginn an als liebevoll-f\u00fcrsorgliche Pers onen und Frauen als in einem Bereich au\u00dferhalb der Familie Engagierte erfahrbar werden, k\u00f6nnen - bezogen auf die S\u00f6hne - Geschlechterbilder m\u00f6glich werden, in denen F\u00fcrsorglichkeit, liebevolle Bezogenheit und Verantwortung f\u00fcr familiale Alltagsaufgaben auch als Elemente einer positiv besetzten M\u00e4nnlichkeit gesehen und in eigene Identiwerbst\u00e4tigkeit - die f\u00fcr Familienarbeiten zentral Zust\u00e4ndige, w\u00e4hrend f\u00fcr Selbstdefinitionen und Identit\u00e4tskonstruktionen von M\u00e4nnern - auch wenn sie sich zunehmend bei Kinderbetreuun g und -erziehung beteiligen - Au\u00dferfamiliales, insbesondere der Bereich der Erwerbsarbeit zentral ist (vgl. z.B. Kortendiek 2010). Ver\u00e4nderte Aufgabenverte ilungen in Familien k\u00f6nnen ein erster Schritt hin zu Umgestaltungen gesellschaftlicher Weiblichkeits- und M\u00e4nnzur\u00fcckgezogen, weil ich wollte, dass das deren Ding ist\". Sie kann die sich entwickelnde Intensit\u00e4t wertsch\u00e4tzen: Die \"innige Beziehung\" zwischen ihrem Partner und den S\u00f6hnen ist f\u00fcr sie \"wund ersch\u00f6n\". Auf dieser Basis entwickelt sich eine Vater-Sohn-Beziehung, die der \u00e4ltere Sohn als ebenso intensiv wie die zur Mutter beschreibt. Karin Flaake nerin entspricht, Abschied von Vorstellungen eigener herausgehobener Bedeutsamkeit zu nehmen. Die Befragte sc hildert als Folge entsprechender Ver\u00e4nderungen in ihren Perspektiven auf E lternschaft ihr Bem\u00fchen, eigenst\u00e4ndige Vater-Sohn-Beziehungen aktiv zu unterst\u00fctzen: \"Jetzt macht ihr was zusammen\", habe sie dann oft gesagt und sich \"absichtlich aus diesen Aktivit\u00e4ten 5 Res\u00fcmee Ein zentrales Element gesellschaftlich er Geschlechterkonstruktionen mit den damit verbundenen Ungleichheiten im Ge schlechterverh\u00e4ltnis bezieht sich auf die Verkn\u00fcpfung f\u00fcrsorgebe zogener Qualit\u00e4ten mit Weiblichkeit und - damit zusammenh\u00e4ngend - die Zuweisung des gesellschaftlich unver zichtbaren, aber im Vergleich zur Erwerbsarbeit deutlich geringer bewerteten Bereichs von 'care', von F\u00fcrsorge und Zuwendung, an Frauen (vgl. z.B. Br\u00fcckner 2015; Fle\u00dfner 2013). In den Einzelnen verank ert wird eine solche Zuweisung wesentlich \u00fcber Prozesse geschlechtsbezo gener Sozialisation in Familien mit prim\u00e4rer Zust\u00e4ndigkeit der M\u00fctter f\u00fcr Fa milienarbeiten: Die E rfahrung k\u00f6rperlicher und emotionaler F\u00fcrsorge vermittelt sich unter diesen Bedingungen wesentlich \u00fcber die Beziehung zu einer Frau, der Mutter; sie ist - auch bei Er158 Wandlungsprozesse der Eltern schaffen - verglichen mit den M\u00f6glichkeiten, die Familien mit Zust\u00e4ndigkeit der M\u00fctter f\u00fcr Familienarbeiten bieten - erweiterte Entwicklungschancen f\u00fcr die S\u00f6hne: Bei allen befragten S\u00f6hnen gibt es in den eigenen Zukunftsvorstellungen eine Offenheit f\u00fcr egalit\u00e4re Geschlechterbeziehungen in der Familie, wenn auch bei einigen zugleich mit einer Sympathie f\u00fcr traditionelle Arrangements: Sie w\u00fcrden sich wese ntlich auf Initiative der Partnerin f\u00fcr eine egalit\u00e4re Aufgab enverteilung entscheiden, weniger jedoch basierend auf eigenen W\u00fcnschen. In allen Vater-Sohn-Beziehungen hat k\u00f6nnen, in denen liebevolle Bezogenhe it und F\u00fcrsorge f\u00fcr andere enthalten sind. Entsprechende Ver\u00e4nderungen sind jedoch f\u00fcr Eltern nicht leicht und f\u00fcr viele nur partiell und schrittweise m\u00f6glich. Aber auch solche vorsichtigen benen Bedeutsamkeit als Mutter, insbes ondere in der fr\u00fchen Beziehung zum Kind, und diese von Anbegi nn an offen zu halten f\u00fcr eine gleichgewichtige Gestaltungsm\u00f6glichkeit des Partners. Solc he Prozesse k\u00f6nnen als schmerzlich erlebt werden - bedeuten sie doch den Abschied von narzisstischen Gratifikationen durch das Gef\u00fchl einzigartigen Wich tigseins - aber auch als Entlastung, denn die wesentlich durch gesellschaftlich nahegelegte normative Bilder einer 'guten Mutter' gepr\u00e4gten Vorstellungen enthalten als Kehrseite zugleich die Gefahr von Versagens\u00e4ngsten und Schuldgef\u00fchlen. Gelingt Paaren das Zusammenspiel von Ver\u00e4nderungen - M\u00e4nnern die Integration als weiblich definierter Anteile in ihr Selbstbild, Frauen die Relativierung von Vorstellungen m\u00fctterlicher Bedeutsamkeit -, ergeben sich f\u00fcr die S\u00f6hne Erfahrungsm\u00f6glichkeiten, die die Basis f\u00fcr M\u00e4nnlichkeitsbilder sein besetztes Selbstbild zu integrieren. F\u00fcr Frauen ist eine in der Paarb eziehung geteilte Elternschaft mit der Herausforderung verbunden, sich zu trennen von Vorstellungen einer herausgehoteilten Elternschaft: ob Verunsicherungen f\u00fcr eigene Ver\u00e4nderungen genutzt werden k\u00f6nnen oder aber durch den R\u00fcckgriff auf traditionelle Muster stillgestellt werden. F\u00fcr M\u00e4nner kann es in der Beziehung zu ihren S\u00f6hnen besonders verunsichernd sein, mit eigenen, in Prozessen des Aufwachsens als Junge aus dem Selbstbild und Selbstbewu sstsein ausgeschlo ssenen und als weiblich definierten Anteilen konfrontiert zu we rden. Das betrifft insb esondere Ge f\u00fchle, die Ausdruck von Bed\u00fcrftigkeit, Verletzlichkeit, Abh\u00e4ngigkeit und Hilflosigkeit sind, aber auch W\u00fcnsche nach z\u00e4rtlich -liebevoller k\u00f6rper licher N\u00e4he unter M\u00e4nnern. Ihren S\u00f6hnen F\u00fcrsorge im Sinne von Trost, W\u00e4rme, Geborgenheit und k\u00f6rperlicher N\u00e4he geben zu k\u00f6nnen, ist f\u00fcr V\u00e4ter mit der Herausforderung verbunden, entsprechende Anteile in sich selbst zuzulassen und in ein positiv Neue Konstellationen f\u00fcr M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfe ments mit Verunsicherungen verbunden sein k\u00f6nnen, denn bisherige Selbstdefinitionen und f\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndnis und Selbstbewusstsein als wichtig Erlebtes verlieren an selbstverst\u00e4ndlicher G\u00fcltigkeit. F\u00fcr M\u00e4nner und f\u00fcr Frauen ist dabei Unterschiedliches verunsichernd; wie mit diesen Verunsicherungen umgegangen werden kann, gestaltet den Verlauf der in der Paarbeziehung ge159 losigkeit in vaterarmen Zeiten. Beitr\u00e4ge zu einem historischen und gesellschaftlichen Schl\u00fcsselthema. Weinheim: Beltz \/ Juventa, S. 33-54. S. 121-138. King, Vera (2013): Symbolische und reale Vaterlosigkeit in Deutschland infolge der NS-Zeit und ihre weiteren Auswirkungen. In: Stambolis, Barbara (Hrsg.): VaterCampus, S. 99-120. Flaake, Karin (2014): Neue M\u00fctter - neue V\u00e4ter. Eine empirische Studie zu ver\u00e4nderten Geschlechterbeziehungen in Familien. Gie\u00dfen: Psychosozial-Verlag. Fle\u00dfner, Heike (2013): Arbeit und F\u00fcrsorglichkeit. Allt\u00e4gliche Geschlechterverh\u00e4ltnisse und ihre Bedeutung f\u00fcr die Soziale Arbeit. In: Sabla, Kim-Patrick \/ Pl\u00f6\u00dfer, Melanie (Hrsg.): Gendertheorien und Theorien Sozialer Arbeit. 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Aus dem (wissenschaftlichen) Blick ger\u00e4t jedoch vielfach das Verh\u00e4ltnis der M\u00fctter zu dieser neuen diskursiven Orientierungsfigur. Diesem soll im Folgenden anhand der Ergebnisse einer Interviewstudie nachgegangen werden. Geburt sowie die sp\u00e4tere Involvierung in die elterliche Sorgearbeit zugenommen haben (vgl. u.a. Otto 2011) und - nicht zuletzt \u00fcber die 'V\u00e4termonate' des Elterngeldes - auch staatlich gef\u00f6rdert werden (vgl. u.a. Ehnis\/Beckmann 2010). Familiale Sorge-Aufgaben, so pr\u00e4sentieren es Politik und Medien, sollen nun zwischen den Eltern aufgeteilt werden un d nicht mehr aussc hlie\u00dflich in den Zust\u00e4ndigkeitsbereich von M\u00fcttern fallen . Bisherige Geschlechtertexte in der Elternschaft scheinen vielfach in Aufl\u00f6s ung begriffen zu se in (vgl. Jurczyk\/ Thiessen 2011: 339), bzw. werden pl\u00f6tzlich zum Aushandlungsgegenstand \u00f6ffentlichen Interesses - festgemacht wird dies immer wieder an der Figur des (Un-)Ordnungen der familialen Sorge? M\u00fctter und die diskursive Figur des 'aktiven Vaters' Rhea Seehaus 1 Einleitung F\u00fcr die Geschlechterverh\u00e4ltnisse der fa milialen Sorgearbeit lassen sich gegenw\u00e4rtig diskursive und praktische Transf ormationsprozesse festhalten. Sowohl wissenschaftliche Studien als auch \u00f6ffen tliche Diskussionen verweisen darauf, dass die v\u00e4terliche Beteiligung am Schwangerschaftsgeschehen und bei der merkung 5. arbeit an (vgl. Gather\/Othmer\/Senghaas-Knobloch 2013: 204). 2 Diese Studien sowie die folgenden beziehen sich in der Regel auf heterosexuelle (verheiratete) Eltern mit eigenen Kindern. Dies bedeutet eine starke Fokussierung auf eine spezielle Familienform, die andere Familienformen nicht in den Blick nimmt. Dies ist jedoch zugleich auch die Familienform, die im Sample der vorliegenden Studie repr\u00e4sentiert ist. Siehe AnMa\u00dfe Anerkennung und Achtung gezollt: Er wird nicht me hr ausschlie\u00dflich wird, in denen sich neue (normative) Elternschafts- und Geschlechterideale abzeichnen. Diese r\u00fccken insbesondere den Vater ins Zentrum der Aufmerksamkeit: Bilder des 'aktiven Vaters' sind in Werbung und Alltag zunehmend vertreten und positiv konnotiert (vgl. u.a. Baader 2006: 117; Thiessen\/Villa 2009: 7). stimmte Art der Lebensf\u00fchrung, die die praktische Sorge f\u00fcr andere Personen umfasst, mit ihren Elementen der Angebundenheit und Emotionalit\u00e4t, zur typisch weiblichen Lebensf\u00fchrung gemacht\" (1993: 274). F\u00fcr Elternschaft l\u00e4sst sich somit eine enge Verkn\u00fcpfung von Generationenund Geschlechterordnung konstatieren, we nngleich mittlerweile immer wieder die Entstehung neuer 'Ordnungen der Sorge' (vgl. Toppe 2010) konstatiert tag (neu) organisier t und ausgehandelt werden: Geb\u00fcrtlichkeit wird damit analog zur Sterblichkeit - zum konstituier enden Element von Sorgearbeit. Wie diese organisiert ist, ob sie vorrangig als familiale Aufgabe gesehen wird oder durch professionelle Dienstleistungen erg\u00e4nzt wird, kann - je nach gesellschaftlicher Verfasstheit - unterschiedlich geregelt werden und l\u00e4sst sich auch nicht von historischen Entwicklungen trennen. Fragen des Sorgens und Entw\u00fcrfe der Frauenrolle scheinen jedoch untrennbar verwoben (vgl. Moser\/Pinhard 2010: 11) - darauf haben nicht zu letzt auch die je weiligen wohlfahrtsstaatlichen Regelungen und hegemonialen Diskurse sowie die interaktiven Praxen 'im Kleinen' einen nicht unerh eblichen Einfluss. Jurczyk und Rerrich merken dazu an: \"Durch gezielte normative Regelungen wie auch 'unter der Hand' wird durch soziale Zuweisungs- und Codierungsprozesse eine beRhea Seehaus 2 Die familiale Sorge um das Kind aktive Vaterschaft als historisch neues Ph\u00e4nomen Sorgearbeit findet in vielf \u00e4ltigen Bereichen des sozialen Lebens statt, der vorliegende Beitrag fokussiert sie im Bereich von Elternschaft. 1 Aus der Geburt eines Kindes resultiert f\u00fcr Eltern die No twendigkeit, Sorgearbeit zu leisten. Aufgrund der leiblichen Angewiesenheit des S\u00e4uglings muss der familiale All2 Allm\u00e4hlich bilden sich gesellschaf tliche Orientierungsmuster f\u00fcr neue Vaterschaftsentw\u00fcrfe heraus und dem aktiven Vater werden in zunehmendem 1 Sorge wird im Sinne von care als interaktive Praxis verstanden, die auf Zeit, kommunikativen Raum und materielle Ressourcen angewiesen ist. Unter dem Begriff care l\u00e4sst sich demnach \"eine Vielfalt von reproduktiven, f\u00fcrsorglichen, betreuenden und pflegenden T\u00e4tigkeiten\" (Gerhard 2010: 221) fassen. Er schlie\u00dft an die in den 1970er und 80er Jahren von feministischen Auseinandersetzungen angesto\u00dfenen Diskussionen zum Thema Haus- und Familien164 sich vielfach nur auf die Ebene der Diskurse und Leitbilder und weniger auf die Ebenen kollektiver Deutungsmuster und individueller Praxen. Die in Familien stattfindenden Entwick lungen lassen sich als Re-Traditionalisierungseffekte bezeichnen (vgl. u.a. die Studien von Reichle 1996; R\u00fcling 2007; Walter\/K\u00fcnzel 2002), di e als \"besonderes Moment der Aktivierung alter Muster mit dem Elternwerden\" (Kersc hgens 2009: 18) beschrieben werden k\u00f6nnen. Elternschaft und die potentie ll stattfindenden, auf die Geschlechterverh\u00e4ltnisse bezogenen Transformationsprozesse werden vielfach ausschlie\u00dflich \u00fcber die vaterschaft sbezogenen Ver\u00e4nd erungen wissenschaftlich in den Blick genommen. Eine \u00e4hnliche Konjun ktur bei der Mutterschaftsforschung l\u00e4sst sich nicht ausmachen. Dabei ver\u00e4 ndert sich, z.B. aufgrund der \"Norm der nach der Geburt. Auch Kassner (2008: 143) weist in seiner Untersuchung darauf hin, dass die Erosion normativer Leitbilder nicht zwangsl\u00e4ufig eine ver\u00e4nderte Vaterschafts- bzw. Familienpraxis bedeutet. Ver\u00e4nderungen bez\u00f6gen wickeln, in denen der 'aktive Vater' (Un-)Ordnungen der familialen Sorge? auf die \"Alimentation des Nachwuchses\" (Jurczyk\/Lange 2009: 14) verpflichtet, sondern die familiale Sorgearbeit soll geteilt werden. V\u00e4ter sollen eine emotional-zugewandte Bindung zum S\u00e4ugling und Kind entwickeln und sich verantwortlich k\u00fcmmern (vgl. u.a. E hnis\/Beckmann 2010: 313ff.). Das \"fathering\" (Meuser 2009: 220) ist in h\u00f6chstem Ma\u00dfe erw\u00fcnscht, betont wird mittlerweile auch die Bedeutung der f\u00fcrsorg lichen V\u00e4ter f\u00fcr die kindliche Entwicklung und Sozialisation (vgl. Reinwand 2012: 431f.). Im Zuge dieser Entwicklungen sind Forschungen zum Thema V aterschaft deutlich expandiert: Gefragt wird beispielsweise nach neuen (diskursiven) M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfen im Kontext von Vaterschaft (u.a. Kassner 2008; Wolde 2007), su bjektiven Vaterschaftskonzepten (u.a. Matzner 2004) sowie Vaterschaft und Erwerbsarbeit (u.a. Ehnis 2009; Possinger 2013). Die Studien zeigen nachdr\u00fccklich, dass die Figur des Vaters als Hauptern\u00e4hrer allm \u00e4hlich br\u00fcchig wird und sich nicht nur neue Familienbilder, sondern auch neue, pluralisierte Vaterschaftsformen ent3 zum Leitbild avancier t. Studien zur Arbeitsteilung (vgl. Kortendiek 2010: 446) zeigen jedoch auch, dass sich, obwohl mit der Figur des aktiven Vaters zugle ich auch egalit\u00e4re Elternschaft zur neuen familialen Norm wird (vgl. Correll 2010: 270) und sich diskursiv die 'Ordnungen der Sorge' ver\u00e4ndern, nicht zwangsl\u00e4ufig entsprechend tragf\u00e4hige Elternschaftsrealit\u00e4ten ausbilden. V ielen Elternpaaren gelingt es offenbar trotz guter Absichten nur unzureichend, den gew\u00fcns chten Weg zum parit\u00e4tischen ElternSein auch erfolgreich zu gehen: D ie pr\u00e4natalen Selbstan spr\u00fcche egalit\u00e4rer Elternschaft sind nach der Geburt offenbar nur sehr schwer tats\u00e4chlich (langfristig) zu realisieren (vgl. R\u00fcling 2010: 4 775). Palz, Werneck und Beham (2006: 15) verweisen darauf, dass der Prozents atz derjenigen V\u00e4ter, die als aktive zu bezeichnen seien, vor der Geburt des Kindes weitaus h\u00f6her lag als drei Jahre 3 Synonym: 'neuer Vater' oder 'engagierter Vater'. 165 w\u00e4hrend andererseits damit auch die Reichweite der Ergebnisse beschr\u00e4nkt ist: Die Figur des 'aktiven Vaters' ist sicherlich nicht f\u00fcr alle Schichten in dieser Weise zentral (vgl. auch Meuser\/Scholz 2012: 37). Dies bringt einerseits eine hohe Vergleichbarkeit der einzelnen Interviewausschnitte mit sich, gro\u00dfe soziale Homogenit\u00e4t auf, es sind \u00fcberwiegend Eltern der 'Mittel- und Oberschicht'. Zeitpunkt des Interviews ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Sorgearbeit zust\u00e4ndig und gingen aus diesem Grund seinerzeit keiner Erwerbsarbeit nach. In drei Familien war mindestens ein Elternteil zum Interviewzeitpunkt gerade erwerbsarbeitslos. In f\u00fcnf Familien hatten die V\u00e4ter ihre Erwerbsarbeitszeit zugunsten der Sorgearbeit eingeschr\u00e4nkt. Das Sample weist eine relativ sechs Jahren, in drei Familien unter neun Jahren. In sechs Familien waren die M\u00fctter zum schlechtsspezifische Zust\u00e4ndigkeiten th ematisiert werden und wie in diesen zugleich m\u00f6gliche Anrufungen und Au fforderungen durch Diskurse, gesellschaftliche Normen und eig ene Vorstellungen sichtbar werden - in aller Widerspr\u00fcchlichkeit, die diese mit sich br ingen. Dabei wird die These vertreten, dass die Figur des aktiven Vaters, die in aktuellen Elternschafts- und Vaterschaftsdiskursen so prominent ist, gerade nicht nur V\u00e4ter anruft, sich als solche lagen von Frauen\" (2010: 191f.) meistens nur \"implizit im Kontext von Familienrhetorik (mit-)verhandelt und diskutiert\" (ebd.) und deshalb im \"erziehungswissenschaftlichen Fachdiskurs fehlen\" (ebd. 192) w\u00fcrden. (vgl. K\u00f6nig 2012: 48), vermutlich auch das Leben von M\u00fcttern. Ob und was dies f\u00fcr die m\u00fctterliche Sorgearbeit bede utet, bleibt in der Regel unerw\u00e4hnt. H\u00fcnig und Peter bemerken dazu, dass explizite \"M\u00fctterbelange und ProblemRhea Seehaus Doppelverdienerfamilie\" (Fraser 2009: 51), die zu einer allgemeinen Erwerbsarbeitszentrierung des Lebens sowohl von M\u00e4nnern als auch von Frauen f\u00fchrt 3 Fragestellung und Methode Vor dem Hintergrund eines abgeschlos senen qualitativen Forschungsprojekts zur elterlichen Sorge um das Kind (Seehaus 2014) 4 wird im Folgenden st\u00e4rker die Perspektive der M\u00fctter ins Zentrum ger\u00fcckt. Ausgangspunkt der Analysen ist die Beobachtung, dass in den Interv iews, obwohl in den meisten Familien die M\u00fctter als die Hauptzust\u00e4ndigen f\u00fcr die Sorgearbeit dargestellt werden, insbesondere von ihnen das Engagement der V\u00e4ter sehr ausf\u00fchrlich thematisiert wird (vgl. Seehaus 2014: 59f.). Im Sinne der thematischen Diskursanalyse (H\u00f6hne 2003) wird das Interview als Ins tanz der Diskursreproduktion verstanden und die Darstellungen der M\u00fctter bzw. Eltern zur innerfamilialen Arbeitsteilung werden als Ausgangspunkt genutzt, um zu untersuchen, wie ge4 Die Studie untersucht anhand von Interviews mit M\u00fcttern, V\u00e4tern und Eltern die Konstruktionslogiken von Elternverantwortung. Fokussiert werden dabei die normativen Rahmungen dieser 'Sorge um das Kind' und ihre Folgen f\u00fcr Geschlechterverh\u00e4ltnisse und Normierung von Elternschaft. Der offene Leitfaden enthielt die Themenkomplexe Familie(nleben), Entwicklung des Kindes, kindermedizinische Vorsorge-Untersuchungen und Elternbildung-\/Elterninformationen. Es wurden 28 Interviews gef\u00fchrt, in 25 Familien waren die Kinder unter 166 Sorge und den aktiven Vater bezogenen \u00c4u\u00dferungen folgen\" (Graefe 2010: 292). Diese zweite, antwortende Seite der Anrufungen ist diejenige, welche im Folgenden betrachtet werden soll. Ich setze deshalb bei den auf die v\u00e4terliche Praxen rekonstruiert werden. Ein solcher Anspruch auf eine egalit\u00e4re Ausgestaltung von Elternschaft wurde auch ni cht erhoben. Aus diesem Grund wird auch im Folgenden keine weitere Differe nzierung des Konzepts 'aktiver Vater' vorgenommen, wie sie Kassner (2008: 144) vorschl\u00e4gt, um zwischen 'tats\u00e4chlich' egalit\u00e4r verteilter Sorgearbeit und deutlich weniger egalit\u00e4ren Verteilungen zu differenzieren. Der 'aktive Vater' wird in dem vorliegenden Beitrag nicht als spezieller Vatertypus in de n Blick genommen, dessen Auspr\u00e4gung, Verbreitung und Differenzierung untersuc ht werden sollen. Stattdessen soll er als diskursive Figur verstanden werden, auf die die InterviewpartnerInnen Bezug nehmen (m\u00fcssen). Damit wird rekonstr uiert, wie \"Diskurse an Subjekte gelangen\" (Correll 2010: 80), und insbesondere auf die M\u00fctter fokussiert. Um dies zu rekonstruieren, greife ic h auf das Konzept der 'Anrufung' (vgl. u.a. Althusser 1977; Bu tler 1997) als sensibilisierendes Konzept der Analyse zur\u00fcck. Anrufu ngen sind spezielle Adressierungen der Individuen als Subjekte, die sich als \"soziale Zuschreibung en\" verstehen lassen, \"die die Aufforderungen zu bestimmten Verhaltens- und (Be-)Handlungsweisen vermitteln\" (Ott\/Wrana 2014: 19). Solch e Adressierungen werden durch institutionalisierte Settings vollzogen oder sind diskursiv in gesellschaftlichen Institutionen, politischen Programmen und sozialen Konstellationen enthalten (vgl. ebd.). Anrufungen k\u00f6nnen demnach als Adress ierungen durch eine spezifische Ordnung verstanden werden, auf die die Individue n reagieren (vgl. Wrana 2006: 136). Konstitutiv f\u00fcr das 'Funktionieren' der Anrufung ist jedoch nicht nur die Adressierung, sondern auch ihre Bean twortung (vgl. Graefe 2010: 292): Die Subjekte m\u00fcssen diese Subjektpositionen selbstst\u00e4ndig unter Ausnutzung ihres Handlungsspielraums ausf\u00fcllen, was bede utet, dass sie sich den Anrufungen nicht einfach 'unterwerfen', sondern sich diese eigensinnig aneignen - den Subjekten ist es durchaus m\u00f6glich, \"dem Ruf nicht in der erwarteten Weise zu wird damit als Ort verstanden, an dem solche Anrufungen ak tualisiert werden. Dies bedeutet zugleich auch, dass nicht die praktische Ausgestaltung der Elternschaft oder m\u00f6gliche Widerspr\u00fcche zwischen elterlichen Planungen und (Un-)Ordnungen der familialen Sorge? zu zeigen, sondern auch M\u00fctter zu speziellen Selbstpositionierungen und Fremdpositionierungen bez\u00fcglich des Vaters herausfordert. Das Interview 5 an und rekonstruiere, \"was in den Redeereignissen des Interviews\" (K\u00f6nig 2008: 4789) geschieht und welche Selbst- und Machtverh\u00e4ltnisse in der \"Logik dieses Geschehens\" (ebd.) konstituiert werden. 5 Diese Szenen wurden aus dem Gesamtmaterial der Studie mithilfe einer thematischen Kodierung markiert. 167 Vaters am Abend zusammenfalle. Nicht die v\u00e4terliche Erwerbszeit, sondern die 'Kinderzeit' macht Probleme. Anhand der folgenden Sequenz soll gezeigt werden, dass jedoch nicht nur die Sorge- und Erwerbsarbeit miteinander konkurrieren k\u00f6nnen, sondern mitunter auch die Freizeit. Zugleich r\u00fcckt damit auch die diskursive Dynamik in den Blick, die im Interview entstehen kann, wenn dem Vater kein sehr gro\u00dfes Engagement bescheinigt wird. Die Interviewerin stellt der Mutter die Frage, ob sie als Paar vor der Geburt des Kindes bestimmte Vorstellungen hatten, wie das Familienleben aussehen k\u00f6nnte. Die Interviewte berichtet ausf\u00fchrlich \u00fcber weniger mit der v\u00e4terlichen Erwerbsarbeit begr\u00fcndet als vielmehr durch die individuellen Zeitrhythmen des Kindes verursacht dargestellt werden, so zum Beispiel, dass die Schlafenszeit des Kindes immer mit dem Heimkommen des nur selten konkurrierende Zeiten enth\u00e4lt und deshalb kaum Erw\u00e4hnung findet (vgl. Seehaus 2014: 97), stellen die M\u00fctter immer wieder besondere Zeitkonkurrenzen der V\u00e4ter heraus, die sich in einer Unzufriedenheit der V\u00e4ter niederschlagen: Diese w\u00fcrden gerne mehr Zeit mit den Kindern verbringen, aufgrund der Konkurrenz zwischen Erwerbs- und Sorgezeit sei dies jedoch nur schwer zu bewerkstelligen. Thematis iert werden vielf\u00e4ltige familiale Praktiken, mit denen versucht werde, dem Vater mehr Zeit mit dem Kind zu erm\u00f6glichen, so zum Beispiel ein sehr fr\u00fcher Arbeits beginn, die Parzellierung von Arbeitszeiten oder die gemeinsam verbrachte Mittagsp ause. Der aktive Vater, um den es in den Darstellungen letztend lich immer geht, wird als 'verhinderter', in seiner Sorgezeit von externen Einfl\u00fcssen eingeschr\u00e4nkter Vater entworfen. Interessanterweise zeigt sich in den Interviewsequenzen, dass diese Zeitkonkurrenzen Rhea Seehaus 4 Neu-Ordnungen der Sorge - empirische Ergebnisse W\u00e4hrend zwar einerseits in den Interv iews die Sorgearbeit best\u00e4ndig feminisiert und zur Hauptau fgabe der Mutter erkl\u00e4rt wird, ist andererseits oftmals das v\u00e4terliche Engagement Gegenstand der Narrationen der M\u00fctter - der 'aktive Vater' wird zur Leitfigur. Die Bezugnahmen auf diese Figur k\u00f6nnen zu zwei Thematisierungsweisen verdichtet we rden, die hier anhand von Interviewsequenzen exemplarisch illu striert werden sollen. 4.1 Verhinderte V\u00e4ter - Zeitkonkurrenzen aktiver V\u00e4ter In einem Teil der auf den Vater bezogenen Interviewsequenzen wird insbesondere das Thema Zeit in den Vordergrund ger\u00fcckt. W\u00e4hrend das Zeitbudget der M\u00fctter offenbar eines ist, das in der Wahrnehmung der InterviewpartnerInnen 168 'Gest\u00e4ndnis' der Mutter \u00fcber dieses Sche itern wird lachend vorgetragen, so als solle die Nichteinhaltung der urspr\u00fcnglic h st\u00e4rker egalit\u00e4re n Vorstellungen abgemildert werden. M\u00f6glicherweise ist dies auch einer Scham der Interviewerin gegen\u00fcber geschuldet, da eingestanden werden muss, dass der Vater zwar auf die aktuellen Adressierungen als aktiver Vater reagiert, jedoch nach kurzer Zeit die Freizeit vor der mit dem Kind verbr achten Zeit priorisiert. Die v\u00e4terliche Sorgezeit wird in dieser Thematisierung - im Gegensatz zur m\u00fctterlichen Zeit - als fragil dargestellt: Sie bleibt Verh andlungssache und letztendlich r\u00fccknehmbar, auch wenn vorab andere Vorstellungen und W\u00fcnsche herrschten. Betrachtet man den weiteren Interviewve rlauf, so ist festzustellen, dass diese von der Mutter vorgenommene Pos itionierung des Vaters als wenig aktiver Vater von ihr nur eine Sequenz sp \u00e4ter deutlich abgeschw \u00e4cht wird, als sie herausstellt, dass er die Subjektposition des aktiven Vaters doch \u00fcbernehme. zeit nicht angetastet wird, h\u00e4tte der Vater, so die Interviewte, seine Freizeit durch Sorgezeit ersetzen wollen. Diese ve rsuchte Priorisier ung konkurrierender Zeiten sei jedoch gescheitert, weil der Vater sie nicht ertragen h\u00e4tte. Das die Hobbies weiterf\u00fchrt und (..) das hat genau drei Wochen @geklappt@ und dann ((Lachen)), dann hat er einfach auch gemerkt, so das=das haltet er irgendwie auch nicht aus. Und dann haben wir uns mal ausgesprochen und dann mhm ich mein, dass, es soll schon das bisherige Leben eigentlich irgendwie weiter gef\u00fchrt werden, also es soll sich net alles \u00e4ndern, nur das, das ist dann einfach eh schon zu viel. (.) Es \u00e4ndert sich sowieso viel ((Lachen)) ja und das war vielleicht das, ja was man sich vorher anders vorgestellt hatte. (Interview Frau Wagner, er hat sich f\u00fcr sich selber eigentlich so (..) glaub ich des so vorgestellt dass er dann viel mehr (.) Zeit mit uns verbringt. Also so am Abend, nach dem Arbeiten und und halt nur, (.) was wei\u00df ich, ausnahmsweise mhm sich mit Freunden trifft oder halt so (Un-)Ordnungen der familialen Sorge? den Wunsch der Eltern, dass die Mutter eine m\u00f6glichst lange Elternzeit nehmen w\u00fcrde. Daraufhin setzt folgende Sequenz ein 6: Fr. W.: F\u00fcr mich war's eigentlich eh klar, weil ich mir gedacht hab, ja wenn ich in Karenz bin, dann bin ich sowieso immer beim Baby und und f\u00fcr f\u00fcr nen Papa eben da war's, (...) bin ich auch erst nachher eigentlich draufkommen, dass er also schon mhm (..) S. 5, Z. 127-139) Zwar wird das Zeitkonzept der Mutter als dasjenige dargestellt, welches nach der Geburt ausschlie\u00dflich als Sorgezeit veranschlagt wird, jedoch werden auch f\u00fcr das Zeitkonzept des Vaters Ver\u00e4nderungen benannt. W\u00e4hrend die ErwerbsFr. W.: Ja, aber Hobbies hat er sehr (.) also bei seinen, (.) also er hat die ganze Zeit nen Hobby gehabt und das hat er jetzt eigentlich momentan ziemlich aufgegeben. Aber auch (.) er hat's (.) ja mhm auch leicht aufgeben. Es war nicht so, dass er gesagt hat: 6 F\u00fcr die Transkription gelten folgende Regeln: (.) = kurze Gespr\u00e4chspause (Anzahl der Punkte zeigt die L\u00e4nge an), fett = laut gesprochen, unterstrichen = betont gesprochen, @ = lachend gesprochen. Alle Daten zu Personen, Orten und Berufsbezeichnungen wurden anonymisiert. 169 berichten, dieselben Erziehungsvorstellu ngen zu verfolgen, abgrenzend davon tivierung hinsichtlich der aktiven Vaterscha ft angezweifelt wird. Diese zweite Thematisierungsweise soll im Folgenden exemplarisch an einem Auszug aus einem Paarinterview beleuchtet werden. In der Sequenz wird der Interviewerin zu Beginn ein gleichberech tigtes Elternpaar pr\u00e4sentiert, das sich dagegen wehrt, M\u00fctter per se als die kompetenteren Elternteile im Bereich der Sorgearbeit zu verstehen, w\u00e4hrend dies im Int erviewverlauf auf interaktiver Ebene in gegenteiliger Weise ausgestaltet wird. Die In terviewstelle ist Teil einer l\u00e4ngeren Passage, in der die Interviewerin die Frage stellt, ob es bei der Erziehung Bereiche gebe, die das Elternpaar miteinander aushandeln m\u00fcsse. Die Eltern die Subjektposition des 'aktiven' und damit auch des 'guten' Vaters ausgef\u00fcllt wird. Anzunehmen ist, dass diese typische Ambivalenz in den m\u00fctterlichen Erz\u00e4hlungen Konfliktpotentiale in der Elternbeziehung andeutet - auch wenn sie nicht explizit angesprochen werden. beit zwischen den Elternteilen verteilt wi rd, vermutlich eine gewisse Wirksamkeit entfalten. Im Kontext de s Interviews scheint es f\u00fc r die Mutter nicht einfach zu gestehen, dass der Vater sich entgeg en seiner urspr\u00fcnglichen Idee weitestgehend aus der Sorgearbeit zur\u00fcckgezogen hat und ihr Arbeitsteilungsmodell einer geschlechterspezifischen Logik fol gt. Stattdessen werden bestimmte Bereiche des v\u00e4terlichen Engagements herausgestellt, um aufzuzeigen, inwiefern Rhea Seehaus \"Okay, jetzt hab ich ein Baby und jetzt (spricht mit etwas weinerlicher, verstellter Stimme) muss ich halt\", sondern \"Es ist so, jetzt hat einfach sie hat jetzt einfach Priorit\u00e4t halt und das ist, (.) das passt da.\" (Interview Frau Wagner, S. 7, Z. 175-181) Der vorherige Entwurf des Vaters als s tark freizeitorientierter Vater, der wenig Zeit f\u00fcr sein Kind hat, wird mit Nachdruck relativiert: Der Vater h\u00e4tte auf ein Hobby verzichtet und das sei ihm nicht schwergefallen. Damit wird ihm in dieser Thematisierung noch nachtr\u00e4g lich die \u00dcbernahme der Subjektposition des aktiven Vaters attestiert. Insofern weist jedoch die Darstellung des v\u00e4terlichen Engagements im Interviewverlauf keinen stringenten Verlauf auf: Mal wird sein (zeitliches) Engagement als eh er gering ausgewiesen, an anderer Stelle wird dies jedoch abgeschw\u00e4cht - so als m\u00fcsste ein Ausgleich geschaffen werden. Dies l\u00e4sst sich auch darauf zur\u00fcckf\u00fchren, dass die derzeitigen Diskurse um aktive Vaterschaft und egalit\u00e4re Elternschaft, in denen die Sorgear4.2 Anzuleitende V\u00e4ter - Inkompetenzen aktiver V\u00e4ter Wie bereits angedeutet, zeigt sich in vielen Interviews mit M\u00fcttern ein doppelter Bezug auf das v\u00e4terliche Engagement. Zwar wird einerseits an die Subjektposition des aktiven Vaters angekn\u00fcpft und diese f\u00fcr den eigenen Partner beansprucht, andererseits erfolgt h\u00e4ufig au ch eine Relationierung des v\u00e4terlichen Engagements mit dem m\u00fctterlichen, bei der letztendlich die v\u00e4terliche Subjek170 werden in der Darstellung erneut Differenzkategorien aktiviert: Den kompetenten sorgenden M\u00fcttern werden die in kompetenten sorgenden V\u00e4tern gegen\u00fcbergestellt. Diese, so die Darstellung, s eien nicht nur wenig bewandert in der t\u00e4glichen Praxis der Kinderbekleidung, sondern w\u00fcrden auch einfache an der Kleidung angebrachte Hinweise nicht er kennen. Umgehend wehrt sich der Vater gegen diese Zuschreibung. plarisch am Beispiel der Ankleidesituation illustriert. V\u00e4ter, so lautet ihre stereotypisierende Einsch\u00e4tzung, z\u00f6gen Kinder eher nach praktischen Gesichtspunkten an. Indem dies generalisierend allen M\u00e4nnern zugeschrieben wird, schwer damit tun, dem Mann Raum f\u00fcr sein Vatersein zu geben\" (Jurczyk\/ Lange 2009: 2) und in dem zugleich di e Sorgearbeit maternalisiert wird. Von dieser Subjektposition grenzt sich die Mutter jedoch scharf ab, indem sie ihr die Position der auf Egalit\u00e4t bedachten Mutter entgegensetzt und diese f\u00fcr sich reklamiert. Darauffolgend beschreibt sie sich jedoch als genaue Beobachterin und Kommentatorin des v\u00e4terlichen Tuns . Mit der Bemerkung, \u00fcber seine Fehler 'l\u00e4chelnd' hinwegzusehen, wird sie in der Thematisierung als Gatekeeperin des v\u00e4terlichen Engagements entworfen, die dem Vater einen gewissen Handlungsspielraum er\u00f6ffnet. Mit der Darste llung dieser Differenz - der Vater ist der Ausgelachte, die Mutter die (Aus-) Lachende - wird das Engagement des Vaters deutlich abgewertet. Auf verbaler Ebene wird jedoch Toleranz hinsichtlich der Unwissenheit des Vaters demonstriert und dies im Anschluss exemja selber nicht, weil hinten kann man ja sehr schlecht was zusammen machen. Also das ist bei den Kleidern aber so. Bei den \u00fcblichen M\u00e4nnerkleidungen macht man halt vorn zu und darum m\u00fcssen auch s\u00e4mtliche Kn\u00f6pfe auch. Wenn da vorn normalerweise eine gro\u00dfe Blume auf dem Rock drauf ist, die ist dann halt hinten, weil vorn die Kn\u00f6pfe sind, ((Interviewerin lacht)) also das schaffen nur M\u00e4nner. (Interview Herr und Frau Terland, S. 14f., Z. 678-688) wenn's zum Beispiel M\u00e4nner schaffen es ja, das ist ein @Ph\u00e4nomen@ ((Lachen)), dass man Kleidung praktisch anzieht sozusagen. Weil's bei den Kindern und Babykleidungen ist ja voll oft so, dass hinten zugebunden wird oder so und das hat man rend des Interviews erneut \u00fcber diese Situ ationen, in denen er als unwissender Vater adressiert wurde, \u00e4rgert, gibt die Mutter dem Gespr\u00e4ch eine neue Richtung. (Un-)Ordnungen der familialen Sorge? erz\u00e4hlt die Mutter, dass ihr Mann in se inem Sorgehandeln bereits h\u00e4ufiger Ma\u00dfregelungen durch andere Frauen ausgesetzt war. Als sich der Vater w\u00e4hFr. T.: Ja Frauen f\u00fchlen sich schon ein bisschen oft auf den Schlips getreten, wenn wenn einfach M\u00e4nner auch (ein Wort unverst\u00e4ndlich: daheim?) den Weg da gehen sozusagen. Es ist, ich bin da anders. Mich st\u00f6rt's wirklich nicht. Im Gegenteil, es ist mir sogar sehr wichtig, ich muss mich da gar nicht so viel zur\u00fccknehmen. Mhm man muss sagen halt einfach manchmal ein bisschen mehr l\u00e4cheln \u00fcber gewisse Dinge, Mit der Redensart 'auf den Schlips treten ' - als Synonym f\u00fcr das Gef\u00fchl vieler Frauen beim v\u00e4terlichen Engagement - wird in der Thematisierung der Mutter das Bild eines Geschlechterverh\u00e4ltnisses aufgerufen, in dem \"M\u00fctter sich 171 Weise mit den Bekleidungsnormen konfron tiert, womit er erneut als unwissender Vater entworfen wird. Mit seiner Antwort opponiert der Vater gegen das die Positionierung der Mutter als Exper tin wird von ihr entschieden, indem sie die Thematik erneut beendet. An dieser Stelle mischt sich jedoch die Interviewerin ein und f\u00fchrt das Thema weiter, indem sie den Vater in ironischer indem sie die Diskussion (vorerst) f\u00fcr erledigt erkl\u00e4rt. Dann f\u00fchrt sie jedoch ihre Meinung zur Geschlechterdifferen z zwischen M\u00fcttern und V\u00e4tern weiter aus und erkl\u00e4rt dies als deutlich wirk samer als 'Bildungsdifferenzen'. Sie restabilisiert die Subjektposition der komp etenten, dem Vater \u00fcberlegenen Mutter, indem sie sich als Beobachterin und zur\u00fcckhaltende Kommentatorin des v\u00e4terlichen Sorgeverhaltens entwirft. Das folgende kurze verbale Ringen um chen anders und da muss man halt einmal, reden wir halt mal dr\u00fcber und und meistens ist es dann eh so, dass man irgendwo einen Weg findet, dass dir irgendwas einleuchtet, oder mir irgendwas einleuchtet. Das hat dann eh gepasst. (Interview Herr und Frau Terland, S. 15, Z. 690-722) Fr. T.: Ja es ist eh herrlich. Und so muss man halt dem Ganzen irgendwie begegnen und manchmal sind halt andere Dinge, die schon ein bisschen, wo man sich dann vielleicht als Mutter denkt, okay ja mhm ja da ist vielleicht der Zugang einfach ein bissAber das ist \u00fcberall und jede und alle V\u00e4ter machen das so. Engagierte V\u00e4ter@ nat\u00fcrlich, die ihre Kinder anziehen und sowas find ich @super@. ((Lachen)) I.: @Aber das sind ja auch Nettigkeiten, irgendwo@. Fr. T.: @Ja, dass die Blume am R\u00fccken ist? Nein, ist ja wurscht@. ((Lachen)) I.: @Deswegen sind ja extra noch mal die Schildchen drin, damit man sich orientieren kann@. Hr. T.: Ja, die schneiden wir raus. ((gemeinsames Lachen)) Fr. T.: Ja von meiner Nichte gibt's ein Kindergartenfoto. Die hat @den Kragen da oben [zeigt auf die Nasenspitze, Anm. R.S.] und die Blumen da hinten und das ist herrlich. Rhea Seehaus Hr. T.: Ja aber es liegt achtzig Prozent ((Fr. T. lacht)) von der Zeit am R\u00fccken und da dr\u00fccken die Kn\u00f6pfe. Fr. T.: @Naja, das l\u00e4uft schon, das Kind. Das l\u00e4uft schon, das Kind@. Hr. T.: Da dr\u00fccken die Kn\u00f6pfe. Fr. T.: @Ist ja ganz egal@. Aber wie gesagt, das hab @ich \u00fcberall entdeckt@, quer durch alle Bildungsschichten. Also das ist ((Lachen)) und da muss man schmunzeln dar\u00fcber, nicht und da darf man halt nicht ((Lachen)) Hr. T.: Ja, wer sagt das, dass das so sein muss, oder? Der Vater weist die Adressierung als inkompetenter Vater zur\u00fcck und verteidigt sein Engagement als st\u00e4rker auf die kindlichen Bed\u00fcrfnisse ausgerichtet. Damit wird die v\u00e4terliche Ankleidungsva riante legitimiert und der L\u00e4cherlichkeit entzogen. Gerade durch den Vorzug der Funktionalit\u00e4t der Ankleideweise gegen\u00fcber der \u00c4sthetik wird zwar die Differenzierung zwischen Mutter und Vater aufrechterhalten, jedoch f\u00fcr de n Vater positiv gewendet: Er k\u00fcmmere sich gerade nicht um den rein modi schen Aspekt, sondern vielmehr um die Befindlichkeiten des Kindes, womit er f\u00fc r sich selbst die Position des sorgenden Vaters reklamiert. Die Mutter widerspricht, wenn auch in humorvoller Weise, der Selbstdarstellung dieser S ubjektposition und f\u00fchrt seine Argumentation ad absurdum - seinen Widerstand 'fegt' sie gewisserma\u00dfen vom Tisch, 172 mit weiterhin Reste der alten Geschlechterasymmetrie in der Elternschaft ab, indem M\u00fctter die Hauptverantwortung und Sorgehoheit beanspruchen und der Vater als unterlegener Neuling behandelt wird. pr\u00e4sentieren. Damit erh\u00f6hen solche Diskurse gerade nicht nur den normativen Druck auf V\u00e4ter, wie es Meuser (2009: 85) konstatiert, sondern, so muss erg\u00e4nzt werden, offenbar au ch auf die M\u00fctter. Die M\u00fctter zeigen sich jedoch eigensinnig und widerspenstig in der Beantwortung der Diskursanrufungen: Zwar weisen sie die V\u00e4ter als engagierte aus, transformieren die Figur des 'aktiven Vaters' jedoch zugleich in die de s 'inkompetenten, anleitungsbed\u00fcrftigen Vaters'. Sie entwerfen sich damit vielf ach als 'Zugangskon trolleurinnen' des Sorgeterritoriums, die \u00fcber die M\u00f6glichkeiten der V\u00e4ter entscheiden, in den famili\u00e4ren Bereichen aktiv zu werden. In den Darstellungen zeichnen sich da(Un-)Ordnungen der familialen Sorge? von der Interviewerin indirekt angedeut ete Frauenb\u00fcndnis und gl\u00e4ttet die PaarDifferenz: Auch wenn das Paar sich au f der interaktiven Eb ene des Interviews in bestimmten Punkten uneinig ist, ist es der Interviewerin offenbar nicht erlaubt, diese Differenzierung fortzuf\u00fchren . In der sich daran anschlie\u00dfenden Darstellung der Mutter festigt diese di e Subjektposition der Gatekeeperin: Zwar wird das Engagement der V\u00e4ter gelobt, die Mutter nimmt sich jedoch heraus, zu entscheiden, ob und wie weit sie das Verhalten des Vaters akzeptiert und mittr\u00e4gt oder ob sie interveniert. Sie stellt sich damit auch als \"Evaluatorin\" (Meuser 2011: 77) de r v\u00e4terlichen Sorgearbeit dar: Dem Vater wird damit gerade kein fraglos anerkannter Platz in der Sorgearbeit zugestanden, w\u00e4hrend sich f\u00fcr die Mutter eine deutliche Verteid igung ihrer 'Hoheitsrechte' und ihrer Deutungsmacht konstatieren l\u00e4sst. 5 Schluss: (Un-)Ordnungen der Sorge Der Beitrag ging von der These aus, dass sich die Figur des aktiven Vaters, die in aktuellen Vaterschafts- und Elternscha ftsdiskursen eine gro\u00dfe Rolle spielt, in spezifischer Weise auch in den Interviews mit Eltern zeigt und gerade nicht nur V\u00e4ter 'anruft', sich als solche zu zeigen, sondern auch M\u00fctter zur Stellungnahme herausfordert. Die H\u00e4ufigkeit der Darstellungen in den Interviews sowie die vehementen Versuche der Intervi ewpartnerinnen, die Interviewerin zu \u00fcberzeugen, zeigen, dass keine Zweifel bei der Interviewerin aufkommen sollen, dass es sich bei dem betreffenden Vater nicht um einen 'aktiven Vater' handeln k\u00f6nnte. Es entsteht somit der Eindruck, dass diese Diskurse nicht nur f\u00fcr die V\u00e4ter Anrufungen zur 'aktiven Vaterschaft' enthalten, sondern letztendlich auch f\u00fcr die M\u00fctte r, sich als Teil eines egalit\u00e4ren Elternpaares zu zeigen und damit auch den Vater ihres Kindes\/ihrer Kinder als aktiven Vater zu 173 struktionspraxen von Mutter- und Vaterschaft praxisanalytisch untersucht. nographisch beobachtet und die jeweiligen institutionellen Anrufungen, aber auch die Konnen als Versuch vers tanden werden, auch weiterhin die 'Regie' in der elterlichen Sorgearbeit f\u00fchren zu k\u00f6nnen und die Sorgehoheit zu behalten, da der 'aktive Vater' zumindest diskursiv zunehmend Raum greift, sich jedoch noch nicht zwangsl\u00e4ufig Ver\u00e4 nderungen in den Elternschaftsrealit\u00e4ten zeigen. ten m\u00fctterlichen Umgangspraktiken mit der diskursiven Figur des aktiven Vaters lassen sich auch als Distinktions- und Exklusionspraktiken verstehen, die sich vermutlich genau in diesem Dilemma der M\u00fctter verorten lassen: Sie k\u00f6ndass diese Balance mehr als schwierig zu halten ist und zugleich von dem neuen \"Helden\" (Pohl 206: 171) - dem gesellschaftlichen, diskursiven Entwurf des aktiven Vaters, der beides vereint - empfindlich gest\u00f6rt wird. Die gezeigbar sind und allerlei zeitliches, finanzielles und inhaltliches Engagement zugunsten der Bildung der Kinder zeigen\" (Thiessen\/Villa 2009: 13). Die Ausbalancierung zwischen dies en unterschiedlichen Adre ssierungen - als 'traditionelle Hausfrau', weil sie ausschlie\u00dflich f\u00fcr da s Kind da sein m\u00f6chte und nicht oder nur sehr wenig erwerbst\u00e4tig ist, und der Rolle als 'Rabenmutter', weil sie genau das Gegenteil tut - muss jede Frau individuell leisten. Anzunehmen ist, ten Kooperationspartner anrufen, jedoch vielfach M\u00fctter auch weiterhin wenn auch manchmal eher subtil - als Hauptverantwortliche f\u00fcr die gute Entwicklung des Kindes adressier en (vgl. Schneider 2002: 12). Rhea Seehaus Dies, so die abschlie\u00dfende These, h\u00e4ngt nicht zuletzt damit zusammen, dass die Diskurse zur egalit\u00e4ren Elternschaft zwar den Vater als gleichgestell7 Studien zur Arbeitsteilung in Familien (vgl. u.a. Corneli\u00dfen 2005: 267; Corneli\u00dfen\/Rusconi\/ Becker 2011: 14) zeigen, dass der dis kursiv vielf\u00e4ltig verhandelten und immer wieder thematisierten Figur des aktiven Vaters - die ja immer wieder als Synonym f\u00fcr eine egalit\u00e4rere Arbeitsverteilung gilt - oftmals auch weiterhin die ungleiche Verteilung der t\u00e4glich gele isteten Sorgearbeit gegen\u00fcbersteht und sich damit offenbar f\u00fcr M\u00fctter in Bezug auf die Sorgearbeit wenig ver\u00e4ndert. Transformationen der Sorge finden derze it offenbar noch eher auf diskursiver Ebene denn auf der Ebene familialer Praxis statt. Zudem ist die Figur des 'aktiven Vaters' sehr positiv aufgeladen und bietet V\u00e4tern auch neue Anerkennungsfelder, w\u00e4hrend f\u00fcr Frauen im Ra hmen der Sorgearbeit das Pendant fehlt. \"Auf der Ebene der Politik, auch und gerade der derzeitigen Familienpolitik und der Arbeitsmarktpolitik, sind 'gu te M\u00fctter' vor allem solche, die einen 'guten Beruf' haben, 'gutes Geld' nach Hause bringen, f\u00fcr 'gute (materielle) Verh\u00e4ltnisse' sorgen. Zugleich sind 'g ute' M\u00fctter im Sinne des kleinkindlichen Bildungswesens oder der Jugendhilfe solche, die f\u00fcr ihre Kinder dauerverf\u00fcg7 Diese pr\u00e4natalen Anrufungen von M\u00fcttern und V\u00e4tern sind auch Thema des von Lotte Rose geleiteten HMWK-Projekts \"Statuspassage Elternschaft. Zur Herstellung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten in den pr\u00e4natalen Praxen von M\u00fcttern und V\u00e4tern\", das derzeit an der FH Frankfurt am Main durchgef\u00fchrt wird. 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Abschlie\u00dfend werden die zusammengetragenen Ergebnisse diskutiert und Ambivalen zen wie Transformationen auf den Ebenen von Familie, Arbeit und Geschlecht ausgelotet (6). Und inwieweit fordern im Speziellen Doppelkarrierepaare aus dem Arbeitskontext Wissenschaft eine Ver\u00e4nderung der Institution Hochschule als Arbeitsort heraus? Zur Beantwortung der genannten Leitfragen werden im Beitrag zun\u00e4chst Traditionen und Transformationen im Kontext von Arbeit und Familie und deren Verwobenheit beleuchtet (2), bevor die Gruppe der Dual Career Couples n\u00e4her in den Blick genommen wird (3). Im Folgenden wird dann eine Interviewstudie mit Doppelkarrierefamilien vorgestellt (4), um im weiteren Verlauf des Beitrags eine Analyse der Ambivalenzen im Arbeitskontext Wissenschaft von Elternschaft und Wissenschaftskarri ere in diesen Sph\u00e4ren konfrontiert und wie bew\u00e4ltigen sie diese? Sind dabei Transformationen erkennbar, die ein Aufbrechen geschlechtsspezifischer Zuschreibungen und Definitionen bef\u00f6rdern? in Dual-Career-Familien Zur Vereinbarkeit von Wissenschaft und Elternschaft Ambivalenzen und transformative Potenziale im Arbeitskontext Wissenschaft: Stefanie Leinfellner 1 Einleitung und \u00dcberblick Dual-Career-Familien gelten als vergleichsweise neue Lebensform, die angesichts globaler Reproduktio nskrisen und sozialer Ungleichheitsverh\u00e4ltnisse im Kontext gesellschaftlicher Transformati onen auf den Ebenen von Familie, Arbeit und Geschlecht betrachtet werden muss. Im folgenden Beitrag wird das Vereinbarkeitsmodell der Dual-Career-Familie, im Speziellen von Doppelkarrierefamilien aus dem Arbeitskontext Wi ssenschaft, in den Blick genommen. Ver\u00e4nderungen wie auch Konflikte auf verschiedenen Ebenen betreffen dort sowohl die Sph\u00e4re der Erwerbsarbeit als auch die von intimen Beziehungen. Mit welchen Ambivalenzen werden Doppelkarrierepaare bei der Vereinbarkeit tenr\u00fcckgangs in den europ\u00e4ischen Wohlfahrtsgesellschaften\" und als Folge \"der Verknappung von verf\u00fcgbaren Humanpotenzialen\" (2013: 36) - einen kraft der M\u00fctter und V\u00e4ter voll auszusch \u00f6pfen gilt. Dies wird im Folgenden auch f\u00fcr den Arbeitskontext Wissenschaft und die Dual-Career-F\u00f6rderung nachgezeichnet. Heike Kahlert erkennt - als Folge \"des nachhaltigen Gebur\u00fcbernimmt. Staatliche und politische Regulie rungen von Arbeits- und Lebensverh\u00e4ltnissen wie auch infrastrukture lle und \u00f6konomische Rahmenbedingungen scheinen weiterhin traditionelle Fam ilienstrukturen und Vereinbarkeitsarrangements zu beg\u00fcnstigen. Ebenso st\u00fctzen kulturelle Muster patriarchale Strukturen im Paar- und Familienleben und damit Prozesse der Vergeschlechtlichung und Ungleichverteilung von Ressourcen. Gegenw\u00e4rtig werden Geschlecht und Familie im Zuge von \u00d6konomisierungs- und Flexibilis ierungspolitik aktueller Gesells chaften zugleich als Ressourcen verhandelt, deren Kapital es im Sinne der zu verwertenden Arbeitsstrebt, eine gleichberechtigte Arbeitsteilung in der Erwerbs- wie der Privatsph\u00e4re zu realisieren. Entgegen eg alit\u00e4r orientierten Ans pr\u00fcchen im Paarverh\u00e4ltnis tendieren jedoch (auch hoc hqualifizierte) Paare ab dem Zeitpunkt der Familiengr\u00fcndung in der Praxis w eiterhin zu traditionellen Geschlechterarrangements (vgl. Abele 2010: 29ff.; Reich le 1996; R\u00fcling 2007); die Rede ist von der sogenannten Traditionalisierungsf alle nach der Geburt eines Kindes. Der Hauptverdiener wird zwar nicht mehr von der Vollzeit-Haus- und -Ehefrau gest\u00fctzt, jedoch oftmals von der in Teilze it erwerbst\u00e4tigen Partnerin, die weiterhin den gr\u00f6\u00dferen Teil der unbezahlten Haushalts- und Care-T\u00e4tigkeiten Stefanie Leinfellner 2 Traditionen und Transformationen im Kontext von Arbeit und Familie Kontexte von Arbeit und Leben unterliege n in der bundesrepublikanischen Gegenwartsgesellschaft zahlreichen Tran sformationen. Globalisierung und Internationalisierung sowie die verst\u00e4rkte Bildungsbeteiligung und Berufsorientierung junger Frauen strukturieren und erweitern die zunehmend entgrenzte Arbeitswelt. Auf der anderen Seite zieh en Individualisierung, (familien-)demographischer Wandel sowie Pluralisieru ng und Diversit\u00e4t von Lebensformen und Lebensmodellen sich wandelnde F unktionen von Familie nach sich und fordern 'Familie' zugleich als Verantwortungs- und Sorgegemeinschaft, als Sozialisationsinstanz (vgl. Nave-Herz 200 4; K\u00f6nig 1972) sowie als \"performative Gemeinschaft\" (Rendtorff 2007: 104) heraus. Gesellschaftliche Transformationen, wie die Erosion der strukturellen Grenzziehungen von Arbeit und Familie, r ei\u00dfen neue Konflikt- und Problemfelder auf und bergen zugleich Potenz iale neu zu verhandelnder Geschlechterverh\u00e4ltnisse - z.B. wenn sich Partneri nnen und Partner nicht mehr zwischen Arbeit oder Familie entscheiden wollen. Vor allem Paare mit gleicherma\u00dfen hohen Ausbildungsqualifikationen und beruflichen Orientierungen sind be180 Akademiker_innenpaare steigt. Metz-G\u00f6c kel und Mitarbeiterinnen stellen dar\u00fcber hinaus die These auf, dass 'traditionelle' Paarkonstellationen, in denen die Partnerinnen \"um den Preis ihrer ei genen beruflichen Karriere die gesamte arbeit weiterhin in den Zust\u00e4ndigkeits bereich der Frau f\u00e4llt, beschreiben Oberndorfer und Rost, die grundlegende Ver\u00e4nderungen in den Verhaltensmustern und M\u00e4nnlichkeitskonstrukten von V\u00e4tern in Frage stellen, eine \"verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre\" (Oberndorfer\/ Rost 2002: 14) und Sorget\u00e4tigkeit und von bezahlter Arbeit wurde jedoch weder g\u00e4nzlich neu bewertet noch neu organisiert. Es zeigt sich eine Gegens\u00e4tzlichkeit zwischen dem, was auf normativer Ebene in Gesellschaft und Politik als Leitbild propagiert wird, und der erl\u00e4uterten Traditionalisierungsfalle, die auf der Mikroebene der Familie von Starrheit gepr\u00e4gt ist. Weil die \u00dcbernahme der Routinen allt\u00e4glicher ReproduktionsWissenschaft und Elternschaft in Dual-Career-Familien transnational in der EU-Politik betriebenen Wandel vom Leitbild der \"modernisierten Versorgerehe\" (Rendtorff 2011 : 41 sowie Peuckert 2008: 240) hin zur Zwei-Verdiener-Familie bzw. Dual-Career-Familie. 1 Dabei habe, so Fraser, die Neue Frauenbewegung mit de r Kritik am Familienlohn \"unwissentlich und unwillentlich dem neuen Geist des Ne oliberalismus eine ganz wesentliche Zutat [ge]liefert\": eine Zutat, \"die dem f lexibilisierten Kapitalismus einen h\u00f6heren Sinn, einen moralischen Vorsprung zubilligt\" (Fraser 2009: 52). Im Kontext des Vereinbarkeitsdiskurses habe sich der \"Traum von der Frauenemanzipation in den Dienst der kapitalistischen Akkumulationsmaschine gestellt\" (ebd.). Denn nach der zweiten Frauenbewe gung stieg zwar de r Frauenanteil in Bildungs- und Arbeitskontexten an, die Verteilung von unbezahlter Hausarbeit 2. Behnke und Meuser (2005: 128) analysieren in ihrer Studie \u00fcber Dual Career Couples in \u00e4hnlicher Form bezogen auf die Berufs- und Karriereorientierung in Paaren eine faktische Vorrangigkeit der Karriere des Mannes parallel zu einer Gleichwertigkeit de r beruflichen Ambitionen beider Partner_innen als lediglich idealisierter Basis der Beziehung. 3 Dual Career Couples Theoretische wie empirische Studi en (Ostermann 2002; Peuckert 2008; Schulte 2002; Solga\/Wimbauer 2005) verw eisen darauf, dass infolge der Individualisierung weiblicher Lebenszusammenh\u00e4nge und der Bildungsbeteiligung sowie der wachsenden Karriereorientierung von Frauen die Anzahl der 1 Darin begr\u00fcndet sieht Kahlert auch die politischen Bestrebungen zur Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt sowie die \"gezielte[n] Anstrengungen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf\" (Kahlert 2013: 36). 2 Angelika Wetterer (2003: 286) verweist in \u00e4hnlicher Form auf eine lediglich \"rhetorische Modernisierung\" der Geschlechterverh\u00e4ltnisse. 181 bauer 2005: 9f.; Schulte 2002: 256). Zu gleich bedingt die oftmals nicht eindeutige Definition von Dual Career , wer zu dieser Gruppe gez\u00e4hlt wird oder nicht. Im Folgenden werden einige Merkmale genannt, die eine Charakterisierung von Dual Career Couples erlauben. Die Gruppe der Dual Career Couples kennzeichnet berufliches \"commitment\" (Behnke\/Meuser 2005), eigenst\u00e4ndige Berufslaufbahnen, eine lebenslang e Karriereorientierung sowie hohe Egalit\u00e4tsanspr\u00fcche in der Partne rschaft (vgl. auch Solg a\/Wimbauer 2005: 9). Als \"Paare auf Augenh\u00f6he\" (Lukoschat\/Walther 2008) haben beide Partner_innen in der Regel gleicherma\u00dfen hohe Ausb ildungsqualifikationen, ohne dass jedoch in beiden F\u00e4llen Vollzeiterwerbst\u00e4ti gkeit gegeben sein muss (vgl. Abele 2010: 22). Nebst Paaren in der Wissenschaft k\u00f6nnen Dual Career Couples ebenfalls Paare \"in anderen anspruch svollen und herausfordernden akademischen Berufen\" sein (Gramespacher\/Funk\/ Roth\u00e4usler 2010: 13). In der spezifischen Personengruppe der Wissenschaftler_innen sind Dual Career Couples jedoch vermehrt anzutreffen, was dem Hinweis von Gramespacher und Funk entspricht, \"dass de r Berufst\u00e4tigkeit [bei Dual Career Couples ] aufgrund inhaltlicher Interessen nachge gangen wird, und dass sie weder ausschlie\u00dflich noch vorrangig \u00f6konomisch begr\u00fcndet ist. [Denn] dieses Merkmal gilt in aller Regel f\u00fcr wissenschaftliche Karri eren\" (2009: 137). Die Ergebnisse von Rusconi und Solga best\u00e4tig en, dass \"die Karrierechancen von (partnerschaftlich gebundenen) Frauen in der Wissen schaft zumeist an die Realisierungschancen von Doppelkarrieren gebunden\" sind (2011: 20). Dual Career Couples setzen sich zum Ziel, (bestenfalls gleichberechtigt) das Karrierebestreben beider Partner_innen im Erwerbsleben erfolgreich mit den Sorgeaufgaben im Kontext des Privatlebens zu vereinbaren. Metz-G\u00f6ckel und Mitarbeiterinnen fassen solche Paarbeziehungen als \"symmetrische[] Paar- und Elternbeziehungen in dem Si nne, dass bei (vergleichbarer) Qualifikation und Berufst\u00e4tigkeit auch die repr oduktiven Arbeiten zwischen den Geschlechtern gleich verteilt\" werden (Metz- G\u00f6ckel et al. 2014: 21). Trotz ihrer Abwendung von geschlechterungleichen Paararrangements sehen sich jedoch auch Dual Career Couples mit den erl\u00e4uterten traditionalisierenden politischen Regulierungen und strukturellen Rahm ungen konfrontiert. Rusconi und Solga identifizieren das Vorhandensein von Kindern (insbesondere unter Dreij\u00e4hrigen) als entscheidenden Einflussfaktor f\u00fc r die Erwerbs- und Karrierekonstellationen bei Paaren sowie f\u00fcr die Realis ierung von Doppelkarrieren, weil es Arbeit neu verhandelt und verteilt wird\" (Metz-G\u00f6ckel et al. 2014: 26), zunehmen. Stefanie Leinfellner Haushalts- und Familienarbeit \u00fcberneh men\", vor allem im Arbeitskontext Wissenschaft abnehmen, w\u00e4hrend Paarbildungen, \"in denen die reproduktive 3 Dennoch geben bislang lediglich Sch\u00e4tzungen Auskunft \u00fcber die H\u00e4ufigkeit dieses Paarmodells in Deutschland (vgl. Abele 2010: 25; Solga\/Wim3 Auch in den Ergebnissen von Behnke und Meuser finden sich \"die am weitesten enttraditionalisierten Paararrangements [...] bei den jungen Wissenschaftlerpaaren\" im Alter von Ende 20 bis Anfang 30 (Behnke\/Meuser 2005: 132). 182 schrieben. Tomke K\u00f6nig verweist ebenfalls auf transformative Potenziale, die der Reproduktionsarbeit innewohnen: \"Neue Mo mente der Geschlechterordnung, die im Umgang mit den Anforderungen der Reproduktionsarbeit entstehen, wirken sich so gesehen langfristig auf den gesamtgesellschaftlichen Umgang mit der Reproduktionsarbeit aus. Die Geschlechterverh\u00e4ltnisse werden als Ausl\u00f6ser oder 'Motor' f\u00fcr eine gesamtgesellsch aftliche Transformation des \u00d6konomischen verstanden\" (2012: 215). Gesellschaftliche Transformationsproz esse hinsichtlich Familie, Arbeit und Geschlecht sowie die von K\u00f6nig a ngesprochene Motorenfunktion sollen im Folgenden in Bezug auf den Arbeitskontext Wissenschaft und auf die im Rahmen einer Interviewstudie befragt en Dual-Career-Familien analysiert und hinterfragt werden. Spagates zwischen Berufswelt und Familie \"das Beste aus zwei Welten\" (Lukoschat\/Walther 2008: 130), auch wenn sie weiterhin Handlungsbedarf feststellen und die Forderung nach konkr eten Ma\u00dfnahmen an Politik und Wirtschaft adressieren. In Fallbeispielen der Autorinnen wird die eigene Familie von den Befragten als positive Ressource f\u00fcr das berufliche Engagement, die eigene Leistungsf\u00e4higkeit und das Beachten von pers\u00f6nlichen Grenzen begleichsweise selten konnten Rusconi und Solga egalit\u00e4re Koordinierungsarrangements ausmachen, im Rahmen derer sie \"f\u00fcr die langfristige Realisierung einer Gleichwertigkeit von Karriere, Pa rtnerschaft und evtl. Elternschaft [...] Einschr\u00e4nkungen der Karrieren beider Partner\" bef\u00fcrchten, weil \"Karrierepotenziale zugunsten der Familie nicht ausgesch\u00f6pft werden\" k\u00f6nnten (ebd.: 25). Lukoschat und Walther (2008) sehen im Gegensatz dazu gerade in der gemeinschaftlichen Bew\u00e4ltigung der Berufs -, Familien- und Reproduktionsarbeit einen sehr entscheidenden Erfolgs- und Zufriedenheitsfaktor von Dual Career Couples . In ihrer Studie \u00fcber die Situation von knapp 1.200 in der Wirtschaft besch\u00e4ftigten Doppelkarrierepaaren nennen die Autorinnen den Mehrwert des ren und Familie in Akademiker_innenpartn erschaften. Sie unterscheiden in ihren Ergebnissen hierarchische, indi vidualistische und egalit\u00e4re Verflechtungsweisen bzw. Koordinierungsarrangements (vgl. Rusconi\/Solga 2011: 25). VerWissenschaft und Elternschaft in Dual-Career-Familien \"auch in Akademikerpartnerschaften eine klassische geschlechtstypische Arbeitsteilung\" forciert (2008: 17). Die Autorinnen analysierten im Rahmen des Projektes \"Gemeinsam Karriere machen\" die Verflechtung von Berufskarrie183 nagement sowie drei Professor_innen, dere n Partner_innen sich (z.T. nach vorheriger Berufslaufbahn in der Wissenschaft) f\u00fcr ein Angestelltenverh\u00e4ltnis in der Wirtschaft bzw. f\u00fcr eine selbstst \u00e4ndige T\u00e4tigkeit entschieden haben. Mit Blick auf den in der Studie und f\u00fcr di e Analysen fokussierten Arbeitskontext Wissenschaft bzw. die universit\u00e4re Karrierelaufbahn haben alle befragten Professor_innen einen Lehrstuhl an einer Universit\u00e4t inne. Die aufgezeichneten Interviews wurden mittels qualitativer Analyseverfahren Wissenschaft und Wirtschaft mit jeweils ein bis drei Kindern. Zum Sample z\u00e4hlen zwei Professor_innenpaare, drei Prof essor_innen mit einer Partnerin\/einem Partner im au\u00dferuniversit\u00e4ren Forschungsbereich bzw. im Forschungsmatungsweisen gesellschaf tlicher Realit\u00e4t\" (Witzel 2000). F\u00fcr die Rekrutierung der Befragten und die Zusammensetzung des Samples waren folgende Kriterien entscheidend: dass die Paare die f\u00fcr die Studie festgelegte Definition von Dual Career f\u00fcr das eigene Lebensmodell best\u00e4tigen (vgl. Definition unter 3.), dass mindestens eine\/r im Dual Career Couple eine wissenschaftliche Karriere im universit\u00e4 ren Kontext verfolgt und auf Professurebene angelangt ist und dass die Paare mit mindestens einem Kind unter 12 Jahren im eigenen Haushalt zusammenle ben. Die Stichprobe umfasst sowohl reine Wissenschaftler_innenpaare als auch gemischte Paarkonstellationen aus Stefanie Leinfellner 4 Datenmaterial und -analysen F\u00fcr die folgenden Analysen wird empirisches Datenmaterial aus einer Interviewstudie herangezogen, f\u00fcr die 14 te ilstrukturierte, problemzentrierte Leitfadeninterviews (vgl. Witzel 1982) m it Dual-Career-Familien aus dem Hochschulraum NRW und angrenzenden Bunde sl\u00e4ndern gef\u00fchrt wurden. Acht Doppelkarrierepaare sowie deren f\u00fcnf- bis zw\u00f6lfj\u00e4hrige Kinder berichten in biographisch angelegten Paar- bzw. Kinderinterviews aus ihrem Berufs- und Familienalltag. 4 \"Die Konstruktionsprinzipien des problemzentrierten Interviews (PZI) zielen [dabei] auf eine m \u00f6glichst unvoreingenommene Erfassung individueller Handlungen sowie subjektiver Wahrnehmungen und Verarbei5 zun\u00e4chst detailliert als Einzelfall und im Anschluss systematisch kontrastierend entlang eines im Fo rschungsprozess in duktiv wie deduktiv erarbeiteten Kategoriensystems analysiert - orientier t an Witzels Hinweis en zur Erhebung und Auswertung der empirischen Date n des PZI \"als induktiv-deduktives Wechselverh\u00e4ltnis\" (Witzel 2000: 2). 4 Die detaillierten, am Lebensverlauf der Befragten orientierten Interviews wurden \u00fcber einen Zeitraum von einer Stunde (Kinderinterviews) bis 2,5 Stunden (Paarinterviews) durchgef\u00fchrt. Sofern die Familien weitere j\u00fcngere Kinder hatten, wurden diese nicht interviewt. 5 Vgl. methodisches Vorgehen der Auswertung des PZI nach Witzel (2000) sowie das der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2010, 2002). 184 vereinbarung\" (Paarinterview [PI] Bayer halten (vgl. Binner et al. 2013: 9). Solche Entwicklungen und Umw\u00e4lzungsprozesse haben nicht nur Auswirkungen auf die Strukturier ung und Finanzierung von Universit\u00e4ten, sondern unmittelb ar auch auf die Beruflichkeit als Wissenschaftler_in (z.B. hinsichtlich Eigenst\u00e4ndigkeit oder Abh\u00e4ngigkeit im wissenschaftlichen Arbeits-, Lehr- und Forschungsalltag) und auf die Vereinbarkeit von Dual Career und Familie. wie z.B. der Entwicklung hin zu marktf\u00f6 rmig organisierten Universit\u00e4ten im Zuge wachsender Transnationalisierun gs- und \u00d6konomisierungsprozesse, in deren Kontext entsprechende Steuerungsinstrumente an Hochschulen Einzug 2010) in einer Zeit der Krisen und so zialen Transformationen legen mitunter eher die Unvereinbarkeit von doppelter Karriere (in der Wissenschaft) und Familie nahe. Geschlecht gilt dabei weiterhin als ungleichheitsf\u00f6rdernder Faktor im Erwerbssystem im Allgemeinen wie im Wissenschaftssystem im Speziellen. Wie im Verlauf des Beitrags noch konkretisiert wird, unterliegt auch das Wissenschaftssystem als Arbeitsort zahlreichen Transformationsprozessen, Wissenschaft und Elternschaft in Dual-Career-Familien 5 Ambivalenzen im Arbeitskontext Wissenschaft \"Doppelte Vergesellschaftung\" (Becker-S chmidt 2003), unterschiedliche Logiken der Sph\u00e4ren Produktion und Reproduktion und eine hohe Rate von Kinderlosigkeit bei Wissenschaftler_innen (vgl. Metz-G\u00f6ckel et al. 2009; Lind 5.1 Transformative Potenziale in der Vereinbarkeitspraxis von Dual-Career-Familien? Obwohl Behnke und Meuser (2005: 128) die Gleichheitsannahme der beruflichen Ambitionen beider Partner als paar spezifische \"illusio\" - als oftmals lediglich idealisierte Basis in Doppelka rrierebeziehungen - entlarven (vgl. 2.), zeigt sich im analysierten Interviewmaterial der Studie vor allem im Feld der Erwerbsarbeit, dass der angestrebten Egalit\u00e4t und Gleichwertigkeit der Paare in einem hohen Ma\u00dfe entsprochen wird. H\u00e4ufig wechselt je nach \"Vertrags6) der Partner_innen, welche Karriere zu welchem Zeitpunkt Vorrang hat. Dabei wird viel Wert darauf gelegt, dass dieser Wechsel gleichrangig un d gleichwertig vollzogen wird. Die interviewten Dual Career Couples wurden zu ihren Berufsbiographien, zu Abstimmungsprozessen auf den jeweils eigenst\u00e4ndigen Karrierewegen, zur Vereinbarkeit von Karriere und Sorgearb eit und zu Strukturen im Familienalltag befragt. Dabei berichten die Wissenschaftler_innenpaare beispielsweise die prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsbedingungen im Arbeitskontext Wissenschaft best\u00e4tigend , dass sie durch ihre jeweils unsicheren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse zur Existenzsicherung der Familie beide Karrieren gleicherma\u00dfen intensiv 6 Alle Namen und Ortsangaben der in der Interviewstudie Befragten wurden anonymisiert. 185 durch das Prinzip \"abwechselnd[er]\" Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fcr Betreuungszeiten und Hausarbeiten gekennzeichnet ist. Be sonderes Potenzial f\u00fcr ein Aufbrechen allem hinsichtlich der Arbeitsteilung - auf der Ebene des eigenen Familiensystems ver\u00e4ndern, indem sie gleichberech tigte Strukturen in der Aufteilung von Zust\u00e4ndigkeiten zu etablieren versuchen. In der Datenanalyse der Kinder- wie auch der Paarinterviews zeigt sich, dass die befragten Dual-Career-Eltern, innerhalb einer reflektierten Perspektiv e auf Geschlecht und auf die Wirkung von Geschlechternormen, best rebt sind, den Nachwuch s weniger in Richtung polarisierender Geschlechterzuweisungen zu beeinflussen. Bezeichnende Aussagen der Kinder best\u00e4tigen, dass die Haltungen und Deutungen der Eltern von ihnen wahrgenommen und nicht selten reproduziert werden. Mit der Vorbildfunktion, die sich etwa Frau Steinbach zuschreibt, korrespondiert auf Seiten ihrer f\u00fcnfj\u00e4hrigen Tochter eine Auffassung von Arbeitsteilung zwischen den Eltern, die - an (Geschlechter-)Gerechtigkeit orientiert tungsbereich verlagert hat\" (PI Riehl, #00:50:13-7#). Im Feld der Familien- und Reproduk tionsarbeit finden sich somit bei den befragten Paaren sowohl traditionelle als auch von traditionellen Zuschreibungen abgewandte Aufgabenzuteilungen f\u00fcr unterschiedlichste T\u00e4tigkeitsbereiche. Die Paare wirken innerhalb dieser Koordinierungsarrange ments als Eltern multiplizierend, weil ihre Kinder innerh alb der Familienstrukturen und -routinen geschlechter(un)spezifische bz w. geschlechter(un)gerechte Arbeitsteilungen wahrnehmen und reproduzieren. Du rch die eigene Vereinbarkeitspraxis m\u00f6chten die befragten Dual-Career-Familien bestehende Familienbilder - vor digkeit - entwickelt sich hingegen erst schrittweise dahingehend, dass reproduktive Arbeiten vermehrt Herrn Riehl zugeschrieben werden: \"Das war wirklich so ein organischer Prozess, dass sich das st\u00e4rker in meinen Verantworz.B. weil sie es ist, die als Erste den Ruf an eine Universit\u00e4t erh\u00e4lt und damit eine langfristige und die Familie finanz iell absichernde Berufsperspektive in Aussicht gestellt bekommt. Das schildert beispielsweise Familie Kemper nach der Erstberufung von Frau Kemper. Herr Steinbach (wie z.B. auch Herr Wiemann), der f\u00fcr die Betreuung und Sorge seines Kindes im ersten Lebensjahr vorrangig verantwortlich ist - und zu gleich f\u00fcr anfallende Hausarbeiten -, nutzt die Elternzeit nach der Geburt der Tochter, um sich beruflich in der Wissenschaft neu zu orientieren. Das Vereinbarkeitsarrangement bei Familie Riehl - mit ihrer Berufung auf einen Lehrstuhl und seiner wachsenden Selbstst\u00e4nWissenschaftssystem transformatives Potenzial abgeleitet werden. Die Strategie, beide Karrieren im Lebensverlauf (mitunter zu unterschiedlichen Zeiten mit wechselnden Schwerpunktsetzungen) gl eichberechtigt zu realisieren, entspricht auf der ideellen Eben e zugleich den Egalit\u00e4tsanspr\u00fcchen der Paare. Bei den befragten Dual-Career-Familien f \u00e4llt h\u00e4ufig an bedeutsamen Schnittpunkten im Lebensverlauf die Entscheidung zugunsten der Karriere der Frau aus, Stefanie Leinfellner verfolgen mussten. Aus dem Datenmaterial k\u00f6nnte also paradoxerweise mit Blick auf Geschlecht aus der doppelt-prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungssituation im 186 dazu zu animieren, weiterzumachen. [...] Ich sage dann: Du hast das Potenzial. Jetzt \u00fcberlege dir, was du gerne machen willst. Es ist schwer und man muss k\u00e4mpfen! Aber du solltest es nicht von vorne herein ausschlie\u00dfen ... die akademische Karriere.\" (PI Kemper, #01:51:20-8#) oder nicht, rufen mich noch regelm\u00e4\u00dfig an und fragen nach. [...] Ich versuche die immer tracht zu ziehen: du immer pendelst! Setz' doch einfach mal ein Jahr aus! Und der hat mich angeguckt, als h\u00e4tte ich sie nicht mehr alle! Und hat gesagt: Das geht doch nicht! Aber dass seine Frau das tut, hat er \u00fcberhaupt nicht reflektiert!\" (PI Steinbach, #02:22:57-0#) Fall [...]: Wieso gehst du jetzt nicht mal in Elternzeit? Ist doch viel einfacher, anstatt dass Paarinterviews wieder. Frau Steinbach (Professorin) zielt in Interaktionen darauf, irritierend 'dazwischen' zu gehen, Verwirrung zu stiften und nachhaltig entgegen traditioneller Geschlechter orientierung zum Umdenken zu bewegen. Sie reflektiert Gespr\u00e4che mit einem anderen Wissenschaftler_innenpaar: gemacht haben. Ich finde das stimmt nicht, dass M\u00e4nner das viel besser k\u00f6nnen - \u00e4h - also arbeiten. Und Frauen viel besser Haushalt. [...] Also wenn man beides gleich viel beibringt, beide gleich viel f\u00f6rdert, dann finde ich, kann man das beides.\" Wissenschaft und Elternschaft in Dual-Career-Familien geschlechtsspezifischer Aufgabenverteilungen in der Haus- und Sorgearbeit kommt ferner Pendelsituationen, Eltern zeiten sowie Zeiten der Nichterwerbst\u00e4tigkeit des Vaters zu. Die Kinder erleben, dass die Arbeit im Haushalt nicht abh\u00e4ngig vom Geschlecht, sondern in Abh\u00e4ngigkeit vom Erwerbsarbeitsvolumen bzw. von der Anwesenheit zu Hause verteilt wird. Die zw\u00f6lfj\u00e4hrige Tochter Bianca der Familie Bayer leitet daraus egalit\u00e4re Anspr\u00fcche bez\u00fcglich der Aufgabenteilung in einer zuk\u00fcnftig en eigenen Partnerschaft ab: \"Also ich werde sp\u00e4ter meinem Freund auf jeden Fall sagen, dass der Haushalt nichts f\u00fcr Frauen ist, das machen alle beide. Ich find das \u00fcberhaupt nicht gut, dass das fr\u00fcher nur Frauen Entlang der sozialen Konstruktion von Geschlecht argumentiert Bianca, dass geschlechterstereotype Aufgabenzuteilunge n nicht in der naturbedingten Geschlechterdifferenz, sondern in der gesc hlechtstypisierenden Sozialisation begr\u00fcndet liegen, da M\u00e4dchen und Jungen unterschiedliche Kompetenzen nahegelegt bekommen. Die befragten Paare m\u00f6chten gegen\u00fcber ihren Kindern wie auch in ihrem beruflichen und privaten sozialen Umfeld mit der Intention, bewusst als Multiplikator_innen neuer Vereinbarkeitsm odelle zu wirken, zu r (positiven) Aussenwirkung des Dual-Career-Modells beitr agen. Der Anspruch und die Selbstwahrnehmung, aktiv transformierend zu wirken, finden sich in zahlreichen \"Ich erinnere mich gut an verschiedene Gespr\u00e4che, wo ich einem anderen Paar, die [ebenfalls] beide Wissenschaftler sind, er eine W3, sie eine W2, gesagt habe, zu dem Mann in dem Frau Kemper hingegen, ebenfalls eine der befragten Professorinnen, sieht sich klar in der Rolle der Multiplikatorin gegen\u00fcber dem wissenschaftlichen Nachwuchs, den sie dazu motivieren m\u00f6chte, trotz mitunter vereinbarkeitsunfreundlicher Rahmenbedingungen eine wissenschaftliche Karrierelaufbahn in Be\"Ich mache es ganz bewusst. [...] Alle meine Diplomand_innen und Doktorand_innen, die mit Kindern konfrontiert wurden oder mit der Entscheidung, bekomme ich jetzt ein Kind 187 geschlechterhierarchische Strukturen auf. Zugleich ist aus dem Datenmaterial abzulesen, dass vorrangig die Interviewpartner innen ihre Aufgabe in der selbst gew\u00e4hlten Funktion als sozialisierend Transformierende sehen. Stefanie Leinfellner Die befragten Wissenschaftlerinnen berichten, dass sie sich im Karriereverlauf als Wissenschaftlerin und Mutter nicht selten gegen stereotype Leitbilder in einem m\u00e4nnlich konnotierten Arbeitsfeld 7 durchsetzen mussten (vgl. Leinfellner 2014: 86). Arbeitsverh\u00e4ltnisse in der Wissenschaft weisen entlang eines \"Male- bzw. Gender-Bias\" (vgl. z.B. Kortendiek et al. 2013: 353) weiterhin 5.2 Dual-Career-F\u00f6rderung im Kontext der \u00d6konomisierung von Hochschulen Wie bereits entlang der Thesen von Fraser (2009) analysiert wurde (vgl. 2.), gilt Vereinbarkeit entgegen der Intentionen der Frau enbewegungen der 70er Jahre heute im Kontext des demographis chen Wandels, des Fachkr\u00e4ftemangels und des internationalen Wettbewerbs um hochqualifizierte Wissenschaftler_innen weniger als emanzipatorische s denn als \u00f6konomisches Projekt (Thon 2014). Auch Heike Kahlert (2013: 48) unterstreicht die rein \u00f6konomische und demographische Funktionalit\u00e4t der Chan cengleichheit, die sich u.a. am Beispiel der Dual-Career-F\u00f6rderung aufzeigen l\u00e4sst: Im Kampf um die 'besten K\u00f6pfe' implementieren Hochschulen ve rst\u00e4rkt Service- und Unterst\u00fctzungsprogramme zur F\u00f6rderung von Dual Career Couples , um sie beispielsweise zum gemeinsamen Ortswechsel zu motivieren (Gramespacher\/Funk\/Roth\u00e4usler 2010). Nicht erstaunlich ist, dass s ich diese Entwicklungen im Zuge des organisational turn ereignen, durch den Hochschulen \"entlang des Leitbildes einer ' entrepreneurial university '\" (Riegraf\/Weber 2013: 68) und mit dem Ziel von Exzellenz- und Effizienzsteigerung ak tuell als miteinander im Wettbewerb stehende Organisationen ad ressiert werden. Es gilt im Rahmen von Berufungsverhandlungen die besten Wissenschaftle r_innen f\u00fcr die eigene Universit\u00e4t zu gewinnen. Um diesem Ziel n\u00e4her zu ko mmen, liegt ein zentraler Schwerpunkt der Beratungsarbeit der Dual Career Services in der Unterst\u00fctzung bei der Stellensuche f\u00fcr die Partnerin\/den Pa rtner der bzw. des zu Berufenden. Die interviewten Familien, von denen einige im Berufsverlauf bei der Synchronisation ihrer Karrieren Hilfestellung von Dual Career Services und \u00e4hnlichen F\u00f6rderprogrammen in Anspruch genommen haben, bewerten in den gef\u00fchrten Interviews die Zielgerichtetheit und Effektivit\u00e4t von Dual-CareerMa\u00dfnahmen mitunter kritisch. Herr Johanson berichtet im Rahmen der Dual7 Wissenschaft als Lebensform ist \"in einem sozialen Kontext [entstanden], in dem eine komplement\u00e4re Arbeitsteilung zwischen M\u00e4nnern und Frauen vorherrschte\" (Metz-G\u00f6ckel et al. 2014: 25). 188 Bestenauslese gegen das in den USA g\u00e4ngige \"Dual Hiring\" (Henderson\/ spacher\/Funk\/Roth\u00e4usler 2010). Zum anderen setzen sie sich mit dem Ziel der 202). Hochschulen unterst\u00fctzen zum einen bei der Stellensuche am neuen Standort bzw. versuchen zum gemeinsamen Ortswechsel zu motivieren (vgl. Gramegilt jedoch nur, wenn Dual Career \"als ein Instrument der Familienf\u00f6rderung einer Organisation\" gewertet wird und damit zugleich \"das kritische Potenzial des komplexen Gender-Begriffs [...] nicht aus dem Blickfeld ger\u00e4t\" (ebd.: Career-F\u00f6rderung, weil Dual Career an Universit\u00e4ten in Deutschland - z.B. in Abh\u00e4ngigkeit von der Implementierung, Verortung und Ausstattung von Dual Career Services - sehr unterschiedlich thematisiert und umgesetzt wird. Woelki und V\u00e4th diskutieren die Ausrichtung und Zielsetzung der Dual Career Services in der Praxis der jeweiligen Hochschulen sowie \"die Zusammenh\u00e4nge zwischen der F\u00f6rderung von Dual Career Couples und erstens der Frauenf\u00f6rderung, zweitens der Familienf\u00f6rderung, sowie drittens der Organisationsentwicklung\" (Woelki\/V\u00e4th 2010: 195). Sie sehen in diesem Zusammenhang transformatives Potenzial im Sinne ei ner \"Selbstreproduk tion von Organisationsstruktur und Organisationskultur [...] [hin] zu breiter angelegten Ver\u00e4nderungsprozessen in Kultur und System de r Wissenschaft\" (ebd.: 206) mit dem Ziel, traditionelle Familienbilder und Geschlechterrollen aufzubrechen. Dies nenpaars Kemper sind deutsche Univer sit\u00e4ten mit der Situation von Doppelkarrierepaaren noch \u00fcberfordert: Professurebene an zwei verschiedenen Universit\u00e4ten) im Rahmen einer Pendelsituation \u00fcber eine Distanz von 250 Kilometern und hat, wie bereits erw\u00e4hnt, eine Tochter im Alter von f\u00fcnf Jahren. Frau Steinbach konnte im Berufungsverfahren erfolgreich eine (befristete) Stelle f\u00fcr ihren Mann heraushandeln, w\u00e4hrend Herr Steinbach zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt beim Ruf an eine andere Universit\u00e4t keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr seine Partnerin erf\u00e4hrt. Akademische Kultur und deutsches Hochschulrec ht erschweren offenbar noch signifikant die Arbeit der Services und damit die Verbesserung der Bedingungen f\u00fcr doppelte Karrieren in der Wissenschaft. Aus der Perspektive des Professor_inWissenschaft und Elternschaft in Dual-Career-Familien Career-F\u00f6rderung der Universit\u00e4t, an di e er berufen wurde, von zuvorkommenden Angeboten f\u00fcr seine Partnerin, die nach der Promotion nach einer attraktiven Stelle suchte. Schwieriger wird es dann, wenn bei einem zu beratenden Paar beide eine wissenschaftliche Karrier elaufbahn verfolgen bzw. beide bereits auf Professurebene angelangt sind. Das interviewte Paar Steinbach realisiert zwei Karrieren in der Wissenschaft (zum Interviewzeitpunkt beide auf \"Es ist nicht im Bewusstsein! [...] Auf zwei Menschen derselben Karrierestufe sind sie [Universit\u00e4ten] nicht vorbereitet. [...] Und auf die Situation, dass die Frau den Ruf erh\u00e4lt und der Mann etwas sucht, sind sie schon gar nicht vorbereitet.\" (PI Kemper, #00:56:30-7#) Die Paare des Samples schildern unterschiedliche Erfahrungen mit der Dual189 geleistet habe, dann gehen meine WiMi-Stellen weg. [...] Und nat\u00fcrlich hei\u00dft W2 eigentlich auch W3, sobald das geht. [...] Und [...] da kann man nat\u00fcrlich immer weiter. Leistung, Leistung.\" (PI Steinbach, #02:25:28-6#) h\u00f6rt ja nicht auf mit der Professur. Im Gegenteil, das erste was man macht, ist festzulegen: Was leiste ich in den n\u00e4chsten drei Jahren, damit ich die Zulage in H\u00f6he von XY kriege? Und danach muss ich wieder neu verhandeln. Und wenn ich nicht gut verhandle und nichts gen, \u00dcbernahme von Verwaltungsaufgabe n oder besondere wissenschaftliche Leistungen reserviert\" (Janson\/Schombur g\/Teichler 2006: 79), was unweigerlich wie gewollt zu einer verst\u00e4rkten Leistungsmessung und -bewertung auf Professurebene f\u00fchrt. Frau Steinbach best\u00e4tigt und kritisiert diese Entwicklungen im Wissenschaftssystem: forderungen und wettbewerbsorientier ten Reglementierungen im wissenschaftlichen Karrierever lauf eine \"Grundlogik [...] des Immer-Weiterkommens\" (PI Steinbach, #02:25:28-6#), die Herr Steinbach als sich \"steigernden Imperativ\" (PI Steinbach, #02:25:29-8#) bezeichnet. Im Generationenvergleich des Arbeitskontextes Wissenschaft stellt Frau Steinbach fest: Stefanie Leinfellner Gilmartin\/Schiebinger 2008) zur Wehr, da 'paarweise' zu berufen hie\u00dfe, mit \"dem Vorurteil der Vetternwirtschaft\" (W inde 2010: 194) konfrontiert zu werden. Frau Lenze erz\u00e4hlt dazu: \"Mich hat es ehrlich gesagt eher gest\u00f6rt, dass es in Verbindung mit Dual Career gebracht wurde. [...] Mir ist durchaus begegnet, dass Leute gesagt haben: Das ist ja \u00fcber Dual Career gelaufen. Nach dem Motto: Wer wei\u00df, ob du diese Stelle h\u00e4ttest, wenn nicht Dual Career.\" (PI Lenze, #01:35:23-2#) Dual Career Services haben mit dem Nepotismusverdacht also ebenso zu k\u00e4mpfen wie die Paare, die im Rahmen von Dual-Career-Programmen erfolgreich bei der Stellenvermittlung unterst\u00fctzt wurden. 5.3 Optimierungszw\u00e4nge und Entgrenzungsdynamiken im Wissenschaftssystem als Arbeitsort In den Interviews berichten die befragten Wissenschaftler_innen von einem enormen Anstieg des Arbeitsaufwa ndes f\u00fcr Drittmitteleinwerbungen und B\u00fcrokratie sowie Gremien- und Vernetzungsa rbeit. Ein Professor_innenpaar des Samples, das Paar Steinbach, analysiert angesichts der stetig wachsenden An\"Das ist etwas, glaube ich zumindest, was sich in unserer Generation stark ver\u00e4ndert hat, was ich in meiner Vorg\u00e4ngergeneration h\u00e4ufig nicht so beobachte.\" (PI Steinbach, #02:25:43-0#) Hand in Hand mit der verst\u00e4rkten Wettbewerbsorientierung an Universit\u00e4ten geht die 2002 eingef\u00fchrte Umstellung au f die W-Besoldung der Professuren in Deutschland. Seitdem wird \"fast ein Viertel der vorgesehenen Durchschnittsgeh\u00e4lter von Professor_innen f\u00fcr leistungsbezogene Zulagen wie Berufszusa\"Eigentlich ist gerade dieses W2, W3, also dieses Besoldungssystem, diese [...] Leistungszulagen und dieses ganze System darauf ausgelegt, auf immer h\u00f6her, weiter, schneller! Es 190 Hand in Hand gehende Ausbeutung junger Wissenschaftler_innen. Das auf Professurebene sowie im Forschungsmanagement t\u00e4tige Wissenschaftler_innenpaar Lenze beschreibt eine Programm atik der \"Verschrottung des wissenschaftlichen Nachwuchses\" (PI Lenze), weil junge Wissenschaftler_innen im Rahmen prek\u00e4rer Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse an Universit\u00e4ten \"in Projekten mitarbeiten, volle Lehrleistungen erbrin gen und ihre wissenschaftliche Weiterqualifizierung oftmals unbezahlt in der Freizeit realisieren\" sollen (Leinfellner 2014: 87f.). schlechtliche Arbeitsteilung vorausgesetzt wi rd, indem diejenigen, die beides machen wollen, \"sich an den Ma\u00dfst\u00e4ben messen (lassen), die diejenigen setzen, die nur eins machen\" (ebd. 2012: 193). Das gilt, wie Paare des Samples berichten, auch f\u00fcr den Arbeitskontex t Wissenschaft. Interviewpartner_innen der Studie kritisieren entlang der \"Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des Marktes Wissenschaft\" (PI Lenze) zugleich eine mit der Effizienz- und Wettbewerbssteigerung heit und gro\u00dfe Ersch\u00f6pfung in ihrem 'Leben zwischen zwei Welten', konfrontiert mit privaten Belastungen in der Familienphase mit S\u00e4ugling sowie hohen zeitlichen Erwerbsarbeitsbelas tungen, Verantwortlichkeiten f\u00fcr den eigenen Lehrstuhl und den eigenen Erwartungen an die wissenschaftliche Karrierelaufbahn, bevor sie (wie ihr Partner) an ihrer Universit\u00e4t eine Teilzeitprofessur aushandelt und so ihre Arbeitszeit bewusst reduziert. Wissenschaft und Elternschaft in Dual-Career-Familien Von der kontinuierlich erfassten Lei stung der Professor_innen h\u00e4ngen sowohl die Berechnungen von deren Leistungszula gen in der W-Besoldung wie auch Sachmittelbudgetierungen und Personalau sstattungen der Fakult\u00e4ten ab. Die befragten Professor_innenpaare sehen sich mit diesen Entwicklungen im Wissenschaftssystem doppelt konfrontiert bzw. m\u00fcssen doppelt mit ihnen 'haushalten'. Becker-Schmidt analysiert in diesem Zusammenhang die \"Subjektivierung von Arbeit\" im Kontext postfordistischer Formen der Arbeitsorganisation mit dem Ziel von \"Leistungsstei gerung durch Selbstkontrolle und Eigenverantwortung\" (Becker-Schmidt 2011: 14) als Vernutzung der \"physischen, psychischen und mentalen Kr\u00e4fte von Mensch en zu Zwecken [...], die sich gegen diese richten\" (ebd.). Nicht mehr zwischen Selbst- und Fremdsteuerung unterscheidend w\u00fcrden abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte oftmals unbemerkt ihre Instrumentalisierung \"unter dem betrieblichen Dr uck von wachsenden Qualifikationsanforderungen, die sich mehr und mehr au f intrinsische Motivationsstrukturen ausweiten, und aus Angst vor En tlassungen oder Karriereknicks\" (ebd.) in die eigene Regie nehmen. Becker-Schmidt fasst dies als \"kapitalistische[n] Raubbau an menschlichen Anlagen\" (ebd.). Frau Steinbach erinnert Unzufrieden8 Tomke K\u00f6nig (2012) berichtet ebenfalls von ersch\u00f6pften Paaren, die an die physischen und psychischen Grenzen ihrer Belastbarkeit sto\u00dfen (vgl. ebenfalls Peuckert 2008: 239), und sieht das Problem der Doppelbelastung darin, dass weiterhin eine ge8 Das Paar Steinbach realisiert f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum ein doppeltes Teilzeit-Professuren-Modell als Koordinierungsarrangement - ein in der deutschen Wissenschaft noch keineswegs g\u00e4ngiges Modell. 191 barkeit von Beruf und Familie als Be dingungen der M\u00f6glichkeiten auf (hochschul-)politischer Ebene ge steckt werden m\u00fcssen, werden die Aushandlungen und konkreten Realisierungen geschlecht er(un)gleicher Arbeitsteilung - wenn auch verwoben mit den vorfindbaren strukturellen Rahmenbedingungen als f\u00f6rderlichen oder aber hemmenden Kontex tfaktoren - im jeweiligen Paarverh\u00e4ltnis festgelegt. Beide Teilbereiche so wie deren Verschr\u00e4nkung wurden anhand ausgew\u00e4hlter Datenm aterialausschnitte analysiert. Die steigende Zahl der Dual Career Couples entwickelt trotz des derzeitigen Mangels an ad\u00e4quaten Vorbildern im eigenen Umfeld kreative Strategien bei der Vereinbarung von wissenschaftlicher Karriere und Familie. Wie am Interviewmaterial aufgezeigt, m\u00f6chten die befragten Dual-Career-Familien rungen im Arbeitskontext Wissenschaf t umgehen und inwieweit diese unter Umst\u00e4nden auch Potenziale f\u00fcr Transformationen auf der Ebene von Familie und Geschlecht bergen. W\u00e4hrend die Rahmungen f\u00fcr eine gelingende Vereinund Anforderungen sind Familie, Arbeit und Geschlecht prozessbedingte Reaktionen und Reproduktione n im gegebenen (histori sch-gesellschaftlichen, \u00f6ffentlichen wie privaten) Raum. Sie strukt urieren sich im dynamischen Gleichgewicht der aktuell gesellschaftlich vorherrschenden (bin\u00e4ren) Geschlechterordnung und bedingen zugleich die Au sdeutungen und das Ausgestalten der eigenen Position im gesellschaftlichen Gef\u00fcge - als Elternteil, Wissenschaftler_in oder Arbeitnehmer_in. Anhand von Interviewanalysen wurde offengelegt, wie die befragten im Wissenschaftssystem Besch\u00e4ftigten mit Umw\u00e4lzungsprozessen und Ver\u00e4ndesondern schreiten fort (vgl. Bilden 2006: 48). Entsprechend ihrem je historisch ver\u00e4nderlichen Charakter, der zugleich Potenzial f\u00fcr Ver\u00e4nderung birgt, und in Abh\u00e4ngigkeit von den jeweils vorfindbaren gesellschaftlichen Kontexten sch\u00e4ftigungsbedingungen auf der Ebene der Professuren und des wissenschaftlichen Nachwuchses betrieben. Diese wi ederum st\u00fctzen die Reproduktion geschlechterorientierter Strukturen und Unvereinbarkeiten bei der Ausbalancierung von (doppelter) Wissenschaftskarrier e und Familie in diesem Arbeitsfeld. Stefanie Leinfellner So wird 'Raubbau' am Arbeitsverm\u00f6gen in der Wissenschaft mit Hilfe institutionalisierter Leistungsbemessungssysteme, Personalstrukturen und Be6 Diskussion Im Beitrag wurden Transformationen in Kontexten von Arbeit und Leben beleuchtet: Entwicklungen und Ver\u00e4nderun gen in der Organisation von Arbeit, von Wissenschaft als Arbeitsort, von wissenschaftlicher Karrierelaufbahn, in der Arbeitsteilung von Familien, in der Abstimmung von Karrierewegen und im Geschlechterverh\u00e4ltnis. Gesellschaftliche Transformationsprozesse wie auch Individualisierungs- und Biographisierungsprozesse stagnieren nicht, 192 beruf(ung) und Familie(nverantwortung) zu denken - mit dem Ziel, das Wissenschaftssystem als Arbeitsort zum Multiplikator f\u00fcr andere Arbeitskontexte zu etablieren. Verletzbarkeiten der mitunter ersch\u00f6pften Dual-Career-Familien abzulesen, da Rahmenbedingungen noch ungen\u00fcgend ge steckt sind. W\u00e4hrend sich im Kontext aktueller gesellschaftlicher Transf ormationsprozesse bekannte Ungleichheitsverh\u00e4ltnisse resistent fortschrei ben, scheinen in den befragten DualCareer-Familien realisierte Symmetrien im Geschlechterverh\u00e4ltnis auf, die dazu anspornen, neue Formen und Wege der Vereinbarkeit von WissenschaftsDual-Career-Familienform herangetrag enen Vorbild- und Multiplikatorenfunktion sowie der Bewusstheit und des Selbstanspruchs der Paare f\u00fcr Transformation sind aus dem analysierten Datenmaterial Verunsicherungen und gesellschaftlicher Ebene. Die 'Br\u00f6sel' m\u00fcssen (nur) konsequent aufgekehrt werden, um die Forderungen der Frauenbewegungen hin zu einer gesamtgesellschaftlichen Transformation einzul\u00f6s en und das transformierende Potenzial der Dual-Career-Familienform als \"Motor\" (vgl. K\u00f6nig 2012) f\u00fcr gesamtgesellschaftliche Ver\u00e4nderungsprozesse auf der Ebene von Geschlecht zu nutzen - und zwar mit dem Ziel, \"mit de r systematischen Abwertung von [...] Sorget\u00e4tigkeiten und der geschlechterorientierten Arbeitsteilung [...] Schluss zu machen\" (Fraser 2009: 49). Hinsichtlich der derzeit vorfindbaren Rahmenbedingungen f\u00fcr die Vereinbarkeit von doppelter Erwerbsarbeit und Familie darf die \"hinter dem neuen Leitbild verborgene Realit\u00e4t [i m] 'desorganisierte[n]' neoliberalen Kapitalismus\" (Fraser 2009: 51f.) jedoch nicht ausgeblendet werden. Trotz der an die schat\/Walther 2008), bewusst. \"Ob man sich jetzt als Vorbild f\u00fchlt? Notgedrungen. Aber sowas kostet einfach Kraf t!\" (PI Steinbach, #02:20:48-1#), so Herr Steinbach im Paarinterview. Transf ormationen in Gang zu setzen, in Interaktionen zu irritieren, 'dazwischen' zu gehen, \u00dcberzeugungst\u00e4ter_in zu sein, hei\u00dft auch gegen geschlechterster eotype Windm\u00fchlen (im Arbeitskontext Wissenschaft) anzuk\u00e4mpfen. Im Sample finden sich durchaus \"egalit\u00e4re Koordinierungsarrangements\", die Rusconi un d Solga (2011) in ihrer Studie nur sehr selten ausmachen konnten (vgl. 3.). Geschlechtsspezifische Zuweisungen (bewusst) aufweichend, sch eint im alltagspraktischen Bild der Dual-CareerFamilie (wenn auch nur langsam) die Trennlinie von \"\u00f6ffentlich\" und \"privat\" zu zerbr\u00f6seln. Sie ist wesentliche G rundlage bin\u00e4rer Geschlechterzuordnungen im Arbeits- und Familienalltag und damit reproduzierter Ungleichheiten auf Wissenschaft und Elternschaft in Dual-Career-Familien Transformationen im Hinblick auf gese llschaftliche Geschlechterverh\u00e4ltnisse in bestehende Systeme wie das Hochsc hulsystem oder das eigene Familiensystem hineintragen. Sie sind sich des ei genen wie des an sie herangetragenen Anspruchs, n\u00e4mlich im sozialen beruflichen wie privaten Umfeld als Multiplikator_innen f\u00fcr gesellschaftliche Transformationen zu wirken (vgl. Luko193 Arbeitsleben. Weinheim: Asanger, S. 99-113. Henderson, Andrea D. \/ Gilmartin, Shannon K. \/ Schiebinger, Londa (2008): Dual Career Academic Couples. What Universities Need to Know. Stanford, CA: Michelle R. Clayman Institute for Gender Research. Janson, Kerstin \/ Schomburg, Harald \/ Teichler, Ulrich (2006): Wissenschaftliche Wege zur Professur oder ins Abseits? http:\/\/gain-network.org\/file_depot\/0-10000000\/ 10000-20000\/16468\/folder\/ 105045\/INCHER+Studie+zum+wissenschaftlichen+ Arbeitsmarkt+FINAL.pdf [Zugriff: 7.1.2015]. Kahlert, Heike (2013): Leitbild Dual-Career-Family - Wissenschaftliche Nachwuchsf\u00f6rderung im Licht unternehmerischen Denkens. 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Zugleich ist aber auch das Sexuelle Bestandteil vieler Erziehungskonstellationen, bedenkt man einmal die grun ds\u00e4tzlich einf\u00fchlende und von Liebe, Empathie, Z\u00e4rtlichkeit, N\u00e4he und Un terst\u00fctzung gepr\u00e4gte Haltung von P\u00e4dagog_innen. Besonders die zuletzt verm ehrt zu beobachtende Tendenz, \u00dcbertretungen ethischer Grenzen \u00fcberwiege nd als Verfehlungen einzelner Personen oder Einrichtungen zu diskutieren, ohne diese in einen gr\u00f6\u00dferen Zusamtigung erwachsenden Lust oder den Auswirkungen von Gewaltwiderfahrnissen auf intime Beziehungen. Zum ande ren kommt normativen Konzepten von Heterosexualit\u00e4t in gewaltf\u00f6rmigen Beziehungskonstellationen - auch zwian der Universit\u00e4t Paderborn (05.\/06. M\u00e4rz 2015) Frauen- und Geschlechterforschung der DGfE \"Erziehung - Gewalt - Sexualit\u00e4t\". Tagungsbericht zur Jahrestagung der Sektion Anne-Dorothee Warmuth P\u00e4dagogischen Erziehungsverh\u00e4ltnissen sind strukturell ung leiche Machtverteilungen inh\u00e4rent - sowohl aufgrund von generationalen Konstellationen als auch in institutionellen p\u00e4da gogischen Kontexten, was stets die Gefahr in sich birgt, gewaltf\u00f6rmige Elemente und Struktur en hervorzubringen, etwa in Form explizit p\u00e4dagogischer Strategien oder durch subtile Arrangements. Die Problematik betrifft daher sowohl die Eb enen der p\u00e4dagogischen Theorien, Institutionen, Praxen und Arrangements als auch das familiale Handeln. Gewalt hat dabei aber auch h\u00e4ufig einen Bezug zum Sexuellen - zum einen in Verbindung zu sexualisiertem Lustgewinn, der aus Dominanz und \u00dcberw\u00e4l- in Bezug auf Fragestellungen, Forschungss trategien und -met hoden, Theorie, Material oder die beteiligten Personen. Auch methodische Entscheidungen sind dabei nicht nur vor dem Hintergrund queer_femi nistischer Methodenkritiken und Impulse zu tre ffen, sondern stehen immer auch im Zusammenhang mit diskursiven oder auch lokalen ins titutionellen Bez\u00fcgen, die durch die eigene Arbeit hergestellt werden. Dar\u00fcber hinaus erfordert das Verh\u00e4ltnis von Theorie und Empirie - so der Call zur Forschungswerkstatt - immer wieder eine grundlegende Reflexion, die sich insbesondere aus der Spannung von Offenheit f\u00fcr aus dem Forschungsmaterial re sultierende Impulse einerseits und Festlegungen durch gegenstandstheoretische Bestimmungen andererseits ergibt. in diesem Jahr erstmalig eine Forschu ngswerkstatt vorgelagert. Dieser lag die Idee zugrunde, denjenigen, die an Forschungsprojekten arbeiten, die M\u00f6glichkeit zu er\u00f6ffnen, sich \u00fcber die besonderen Aspekte der Forschung zu Geschlechterfragen in den Erziehungswissenschaften auszutauschen. So steht eine Forschungspraxis, die die Kategorie Geschlecht ber\u00fccksichtigt oder in den Mittelpunkt stellt, grunds\u00e4tzlich vor spezifischen Herausforderungen - sei es schlechterkonstruktionen nicht seltenT eil von Dominanzpraktiken sind, zur Legitimierung von Gewaltverh\u00e4ltnissen beitragen oder durch Gewalt hergestellt werden; soweit der vom Vorstan d der Sektion formulierte Call. Der Jahrestagung, die am 05. und 06. M\u00e4rz an der Universit\u00e4t Paderborn stattfand und vom Vorstand der Sektion, Barbara Rendtorff, Claudia Mahs (beide Paderborn) und Thomas Viola Rieske (Berlin), veranstaltet wurde, war Anne-Dorothee Warmuth Macht-\u00fcber-andere oder als Definitionsmacht - eine Rolle spielt. Aus einer Geschlechterperspektive zeigt sich in diesem Kontext dar\u00fcber hinaus, dass Ge1 Forschungswerkstatt Die Forschungswerkstatt untergliederte sich aufgrund der im Call skizzierten Themenfelder und Problemstellungen in folgende drei Schwerpunkte, zu denen - jeweils eingeleitet durch einen Inpu t einer Diskutantin - unterschiedliche Beitr\u00e4ge vorgestellt und diskutiert wurden: 1. methodische Entscheidungen, 2. das Verh\u00e4ltnis von Theorie und Empirie, 3. die geschlechtertheoretische Auswe rtung empirischen Materials. Den ersten Themenschwerpunkt leitete Barbara Rendtorff mit der Fragestellung ein, wie Theorie dazu verhelfen kann, Stereotypenbildung im Forschungsprozess zu vermeiden. So gelte es hera uszufinden, was durch die theoretischen 200 und Reifizierung viele der Forschenden besch\u00e4ftigte. In diesem Zusammenhang wurde auch dar\u00fcber diskutiert, an welchen Stellen der Einbezug sozialer geschlechtstypischen Studienwahl durc h die h\u00e4usliche Arbeitsteilung der Eltern nicht best\u00e4tigen l\u00e4sst. Die Forschu ngswerkstatt endete am zweiten Tag mit einem Beitrag von Christiane Bomert (M\u00fcnster) zum Thema Geschlechterverh\u00e4ltnisse im Wandel von Pr ivatheit und \u00d6ffe ntlichkeit am Beispiel neoliberaler Mutterschaft . Insgesamt zeigte sich, dass in den Beitr\u00e4gen und den Fragen zur Anlage der Arbeiten und Forschungsprojekte st \u00e4rker \u00dcberlegungen zur Methodologie denn solche zur Theorie im Vordergrund standen, wobei insbesondere die Frage nach dem Umgang mit bzw. der Vermeidung von Stereotypenbildung zialarbeit , in dem sie u.a. einige Interview ausschnitte aus ihrem Material zur Diskussion stellte. Danach folgte Kerstin Bronner (St. Gallen), die die Konzeption sowie die Ergebnisse eines bereits abgeschlossenen Forschungsprojektes zum Thema Der Beitrag der Eltern zur 'ges chlechtsuntypischen' Studienwahl der Kinder im Hinblick auf di e Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorstellte. Die Studie konnte zeigen, dass sich die Annahme der Verst\u00e4rkung einer \"Erziehung - Gewalt - Sexualit\u00e4t\" (Paderborn 5.\/6. M\u00e4rz 2015) Vorannahmen der Beteiligten jeweils aus dem Blick ger\u00e4t und worin der jeweilige Erkenntnisgewinn liegen k\u00f6nnte. Problematisiert wurde insbesondere eine teilweise Beliebigkeit der in der Geschlechterforschung verwendeten Begriffe - auch in der oftmals wenig re flektierten Bezugnahme auf Autor_innen wie Judith Butler oder der 'inflation\u00e4 ren' Verwendung von Begriffen wie Heterogenit\u00e4t. Auf den Input von Barbara Rendtorff folgten zwei Berichte aus Dissertationsprojekten von Lydia Jenderek (Berlin) und Svenja Garbade (Hildesheim), die im Anschluss ausf\u00fchrlich diskutiert wurden. Zun\u00e4chst stellte Lydia Jenderek ihr Forschungsprojekt zur Konstitution von Geschlechterdiskurs und -praktiken in der Schule mit Fokus auf geschlechterbewusste Lehrkr\u00e4fte vor. Anschlie\u00dfend berichtete Svenja Garbade anhand von Interviewausschnitten mit Erzieher_innen, die sie zuvor \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum in ihrer T\u00e4tigkeit begleitet hatte, aus ihrer Arbeit zu geschlechtsspezifischen Deutungsmustern und ihren strukturellen Resonanzen in der fr\u00fchen Kindheit . Mit der Frage, wie auch Methodologie dazu beitragen kann, Stereotypenbildung zu vermeiden, besch\u00e4ftigte sich der Input von Antj e Langer (Frankfurt) zum zweiten Themenschwerpunkt. Sie leitete ihre Ausf\u00fchrungen mit der These ein, dass auch Methoden zur Gegens tandserzeugung beitragen, wobei das Verh\u00e4ltnis von Reifizierung und Naturalisier ung wie auch Typen- und Stereotypenbildung ma\u00dfgeblich sind. In ihrem Input stellte sie zudem die \u00dcberlegung an, ob es ggf. Methodologien gibt, di e weniger zur Stereotypenbildung beitragen, und fragte abschlie\u00dfend provokativ , aus welchem Grunde letztere eigentlich vermieden werden so llte. Auf diesem Hintergrund wurden dann die anschlie\u00dfend vorgestellten Arbeiten diskutiert: Das war zun\u00e4chst ein Beitrag von Heike Rainer (Hildesheim) zum Thema Genderreflexion als fachlicher Standard in der Sozialen Arbeit - am Beispiel des Handlungsfeldes der Schulso201 Ersten und Zweiten Frauenbewegung. So sei im Engagement gegen sexuellen fenkundig weniger im Fokus stehen. zur kindlichen Sexualit\u00e4t s ich im Zeitverlauf gewandelt haben. Dabei wurde der enge Zusammenhang von Erziehungspraktiken zu Sexualit\u00e4t und Gewalt immer wieder deutlich: von der Befreiu ng der kindlichen Sexualit\u00e4t als Befreiung des Individuums im Si nne eines Beitrags zum pers\u00f6nlichen Gl\u00fcck \u00fcber die Forderung nach der Entgrenzung kind licher und erwachsener Sexualit\u00e4t in den Debatten der 1970er Jahre bis hin zum Perspektivwechsel in den Diskursen der riebildung - besteht. Weiterhin w\u00e4re da nach zu fragen, aus welchen Gr\u00fcnden Probleme im Forschungsprozess eher im Hinblick auf die Methoden auftauchen bzw. dort st\u00e4rker wahrgenommen werden, Fragen zur Theorie jedoch ofwo er hingegen eher zur Reifizierung beitr\u00e4gt sowie den Blick auf andere relevante Momente verstellt. Dementsprech end wurde innerhalb der zwei Tage auch immer wieder \u00fcber einen angemess enen Umgang nicht nur mit den erhobenen Daten, sondern vor allem auch mit den Interviewten gesprochen. So stand u.a. die Frage im Vordergrund, wie Interviewende es vermeiden k\u00f6nnen, durch die Art und Weise der formuliert en Fragen sowie der Lenkung des Gespr\u00e4chsverlaufs Stereotype erst zu erzeugen. Dabei wurde auch \u00fcber die Problematik der Hervorrufung sozial erw \u00fcnschter Antworten durch die befragten Personen diskutiert. Die rege Beteiligung an der Forschungswerkstatt zeigte, dass eine gro\u00dfe Nachfrage nach vergl eichbaren Angeboten sowie ein hoher Diskussions- und Beratungsbedarf \u00fcber den Umgang mit Forschungsgegenst\u00e4nden - insbesondere in Bezug auf die Methodologie, aber auch auf die TheoAnne-Dorothee Warmuth Kategorien wie Geschlechtsidentit\u00e4t, A lter, Sozialisation u.\u00c4. der Befragten bei der Auswertung und Interpretation der Daten legitim und produktiv ist und 2 Jahrestagung Im Anschluss an die Forschungswerkstatt folgte die 16. Jahrestagung der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung, die mit einem einf\u00fchrenden Vortrag von Meike Baader (Hildesheim) zum Thema Erziehung - Gewalt - Sexualit\u00e4t in geschlechterges chichtlicher Perspektive er\u00f6ffnet wurde. Ihren Beitrag, in dem sie anhand verschiedener Theo riestr\u00f6mungen und p\u00e4dagogischer Diskurse die enge Verbindung von Erzieh ung, Gewalt und Sexualit\u00e4t in historischer Perspektive nachzeichnete, leitete sie gleich zu Beginn mit der Feststellung ein: \"Gender matters, class matters, history matters\". Dabei zeigte sie insbesondere anhand einiger historischer Beispiele sowie F\u00e4lle aus der Gegenwart - u.a. durch Bezugnahme auf die Missbrau chsf\u00e4lle an der Odenwaldschule und die Diskussionen um den Politiker von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcn en, Daniel CohnBendit, und dessen \u00c4u\u00dferungen zur kindlichen Erotik -, wie die Vorstellungen 202 aus\u00fcbung legitim, ja sogar geboten erscheinen lie\u00dfen und wie sich dies auch im Hinblick auf die sexuelle Identit\u00e4tsfindu ng von 'Knaben' ni edergeschlagen hat. In einem parallelen Vortrag stellten Fo lke Brodersen und Simon Volpers die Ergebnisse einer empirischen Unte rsuchung zur Orientierungsphase f\u00fcr Titel Sexualisierte Situationen in der p\u00e4 dagogischen Praxis. Bew\u00e4ltigungsweisen und normative Orientierungen von P\u00e4dagogInnen Ergebnisse aus einem Ende 2013 angelaufenen Forschungsprojekt zum Thema \"Berufsbiographische Identit\u00e4tskonstruktionen und Sexualit\u00e4t\" vo rstellten. Aus der Perspektive der Professionsethik befasst sich dieses mit der Frage, wie sich p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte innerhalb berufsbiografische r Erz\u00e4hlungen in ihrer professionellen Identit\u00e4t in Bezug auf die Beziehungen zu Kindern und Jugendlichen im Umgang mit Sexualit\u00e4t entwerfen. Im zweiten Block folgten zwei parallele Vortr\u00e4ge von Jana Johannson (Berlin) sowie von Folke Bordersen und Simon Volpers (G\u00f6ttingen). Jana Johannson untersuchte unter dem Titel Der K\u00f6rper als Kriegsschauplatz von Erziehung - Ein historischer Diskurs anhand von Erziehungsratgebern aus der 'Schwarzen P\u00e4dagogik' des 18. und 19. Jahrhunderts sowie anhand des Films \"Das wei\u00dfe Band\" von Michael Haneke (2009) und den dort gezeigten Erziehungspraktiken, wie gesellschaftliche Vorstellungen von Erziehung Gewaltnach denen nun Jungen auch als Opfer in den Fokus r\u00fcckten. An den Einf\u00fchrungsvortrag schloss zun\u00e4chst ein Beitrag von Martin Grosse, Johanna Hess und Alexandra Retkowski (Kassel) an, die unter dem der Missbrauchsskandale in Zusammenhang mit (oder sogar als Folge) der Infragestellung von M\u00e4nnlichk eit (durch Umbr\u00fcche im Geschlechterverh\u00e4ltnis) und den daran anschlie\u00dfenden Benachteiligungsdiskursen zu betrachten sei, \"Erziehung - Gewalt - Sexualit\u00e4t\" (Paderborn 5.\/6. M\u00e4rz 2015) Missbrauch innerhalb der Ersten Frauen bewegung prim\u00e4r mit dem Mitleidsgef\u00fchl in einer christlich-religi\u00f6sen Pers pektive im Sinne von Charit\u00e9 argumentiert worden - dies habe zugleich die Organisation Sozialer Arbeit beeinflusst -, was zur Vorstellung von de r Vulnerabilit\u00e4t des Kindes ab dem Ende des 19. Jahrhunderts beigetragen habe. Im Kontext der Zweiten Frauenbewegung habe sich die Argumentation hingegen auf die rechtliche Ebene verlagert, wobei vor allem das Recht auf ein \"Nein\" des Kindes stark gemacht worden sei. Angelehnt an die Debatten um de n sexuellen Missbrauch von Jungen an reformp\u00e4dagogischen Einrich tungen oder in kirch lichen Institutionen, infolgedessen die Reformp\u00e4dagogik wie auch der Z\u00f6libat mittlerweile verst\u00e4rkt am Pranger st\u00fcnden bzw. infrage gestellt w \u00fcrden, wurde zum Ende des Vortrags die in den \u00f6ffentlichen Debatten h\u00e4ufig vorkommende Parallelisierung von Homosexualit\u00e4t und P\u00e4dophilie problematisie rt. Dabei wurde in der anschlie\u00dfenden Diskussion kritisiert, dass im \u00f6ffentlichen wie im wissenschaftlichen Diskurs das Augenmerk h\u00e4ufig ausschlie\u00dflich auf Jungen als Missbrauchsopfer gerichtet sei, wohingegen der Missbrauch von M\u00e4dchen aus dem Blick gerate. In diesem Kontext wurde auch die Frage diskutiert, ob das Aufdecken 203 den Schilderungen der Betroffenen der fehlende Schutz durch die eigenen M\u00fctter in der Phase des sexuellen Missbrauchs r\u00fcckwirkend als schlimmer dargestellt wird als die eigentliche Tat. D ies f\u00fchrte sie darauf zur\u00fcck, dass die Tat als solche zwar abgeschlossen sei, der Wunsch nach Anerkennung durch die M\u00fctter jedoch weiterbestehe. In ihrem parallel stattfindenden Beitrag Erziehung und sexuelle Gewalt Handlungsorientierungen von P\u00e4dago gInnen im schulischen Kontext stellte Sandra Glammeier erste Zwischenerge bnisse des Paderborner BMBF-Projektes \"Sexualisierte \u00dcbergriffe und Schule - Pr\u00e4vention und Intervention\" und ihrer daran anschlie\u00dfenden qualitativen Studie zu den Handlungsorientierungen und Deutungsmustern von Lehrkr\u00e4ften im Kontext von sexueller Gewalt vor. Der Vortrag zeigte als ein Muster in den Orientierungen der befragten Lehrkr\u00e4fte eine zweifelnde Haltung gegen\u00fcber den Aussagen von (weiblichen) auf zehn narrativen Interviews mit Frauen der Jahrg\u00e4nge 1941 bis 1976 basierte. Sie verdeutlichte, wie die trauma tisch-biografischen Erlebnisse Folgen bis in die Beziehungsgestaltung zu de n eigenen Kindern zeitigen. Die Interviews konnten dabei zeigen, dass sich die Sprachlosigkeit der M\u00fctter in der n\u00e4chsten Generation wiederholt und di e Kinder Teil einer Beziehungsproblematik werden, die sie selbst kaum \u00fcberwinden k\u00f6nnen. Noll berichtete, dass in zende, Walburga Hoff (M\u00fcnster), Sabine Toppe und Thomas Viola Rieske (beide Berlin), der seine Vorstandsarbeit auch in der n\u00e4chsten Amtszeit fortsetzen wird, ersetzt wurde. Der zweite Veranstaltungstag begann mit zwei Parallelvortr\u00e4gen von Milena Noll (Frankfurt) und Sandra Glammeier (Paderborn). Milena Noll, die unter dem Titel Sexualisierte Gewalt und Erziehung die Ergebnisse einer von ihr durchgef\u00fchrten Studie vorstellte, befasste sich mit der Frage, welche Auswirkungen das Erleben von sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend von M\u00fcttern langfristig auf die Erziehung der eigenen Kinder hat, wobei ihre Auswertung handlungsprozesse in solchen von ihnen als \"nicht intendierte Beziehungsarrangements\" bewerteten Einf\u00fchrungswoc hen von Gewalt und Macht gekennzeichnet sind, die sich u.a. in der \u00dcber schreitung k\u00f6rperlich er Integrit\u00e4t bspw. durch entsprechend praktizierte \u00dcbungen sowie in der best\u00e4ndigen Aktualisierung heteronormativer Vorstellungen un d stereotyper Rollen- wie Handlungsvorschriften ausdr\u00fcckten. Der erste Tagungstag endete mit der M itgliederversammlung der Sektion, bei der der bisherige Vorstand um Barbara Rendtorff, Claudia Mahs und Thomas Viola Rieske verabschiedet und durch Eva Breitenbach (Bochum) als VorsitAnne-Dorothee Warmuth Erstsemesterstudierende an der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen vor, die im Wintersemester 2013\/14 durchgef\u00fchrt wurde. Unter dem Titel Rosa Hemden tragen nur Homos stellten sie die Frage, wie die Au shandlung von (Hetero-)Sexualit\u00e4t innerhalb entsprechender A rrangements eine Rolle spie lt bzw. auf welche Weise sie wirksam wird. Dabei konnten sie aufzeigen, inwiefern entsprechende Aus204 auch der stetige Vergleich von Jungen\/ M\u00e4dchen und M\u00e4nnern\/Frauen und der damit verbundene Fokus auf unterschiedliche Privilegien bei, die andere geschlechtliche Existenzweisen ausschlie\u00dfen. Angelehnt an die \u00dcberlegungen von Edgar Forster schlug Rieske stattd essen vor, M\u00e4nnlichkeit eher als Kette von Bedeutungen zu betrachten, um au ch als 'unm\u00e4nnlich' markierte M\u00e4nnlichkeiten in den Blick zu nehmen. Zeitgleich untersuchte Mart Busche in dem Beitrag Jugendliche Gewaltdistanz: geschlechtlich-sexuelle As pekte in p\u00e4dagogischen Settings , wie Jugendliche im Alter von 14-16 Jahren ih re eigene Gewaltdistanz beschreiben und inwiefern dabei ein R\u00fcckgriff auf gesellschaftliche Ressourcen erfolgt. Mit Fokus auf p\u00e4dagogische Orte, Handl ungen und Beziehun gen widmete sich der Beitrag insbesondere der Frage nach von den Jugendlichen als unterst\u00fctaber nicht nur f\u00fcr Betroffene sexuelle n Missbrauchs als h\u00f6chst problematisch zu werten ist. Rieske zeigte auf, da ss vor allem eine starke Orientierung an einer als bearbeitungsbed\u00fcrftig angese henen hegemonialen M\u00e4nnlichkeit in Jungenarbeit und Wissenschaft nicht nur zu einer Reproduktion dieser hegemonialen M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfe beitr \u00e4gt, sondern auch die Verleugnung m\u00e4nnlicher Betroffenheit von (sexualisierter) Gewalt verst\u00e4rkt. Dazu tragen bed\u00fcrftigkeit von Jungen selten in den Blick gerate und daher meist nicht Bestandteil entsprechender Leitlinien sei. Dabei wurde von Situationen in der Jungenarbeit berichtet, in denen die Beteiligten von den P\u00e4dagog_innen - mit dem Ziel, mehr k\u00f6rperliche N\u00e4he zwischen Jungen zu erm\u00f6glichen und bestehende Distanzverh\u00e4ltnisse abzubauen - te ils zu engem, die eigene k\u00f6rperliche Integrit\u00e4t verletzendem K\u00f6rperkontakt gen\u00f6tigt wurden, der insbesondere, Glauben zu schenken, mit einer Orientierung am Selbstschutz einhergehen kann, die das Handeln zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt behindern kann. Sie wies au f die Notwendigkeit hin, den Zusammenhang zwischen nicht-intentionalen Aspekten von Erziehung und dem Geschlechterverh\u00e4ltnis noch n\u00e4her zu untersuchen. Unter dem Titel Junge Opfer? Zur (These der) Verleugnung m\u00e4nnlicher Betroffenheit von sexualisierter Gewalt im p\u00e4dag ogischen Feld zeigte Thomas Viola Rieske im zweiten Vortragsbloc k zun\u00e4chst ein besonderes Konfliktpotenzial in Bezug auf den sexuellen Missbrauch von Jungen und M\u00e4nnern auf, das vor allem in der Schwierigkeit bestehe, sich zu 'outen': So sei sexualisierte Gewalt grunds\u00e4tzlich mit der Hierarchisierung von M\u00e4nnlichkeit verwoben, da m\u00e4nnliche Betroffene sexualisierter Gewalt von M\u00e4nnern teilweise als 'unm\u00e4nnlich' und 'schwul' konst ruiert werden. Dies spiegelt sich Rieske zufolge teilweise auch in einem mangelnden Be wusstsein f\u00fcr m\u00e4nnliche Betroffenheit von sexualisierter Gewalt im Bereich der Jungenarbeit wider, wo die Schutz\"Erziehung - Gewalt - Sexualit\u00e4t\" (Paderborn 5.\/6. M\u00e4rz 2015) Betroffenen auf. Glammeier verdeutlichte, dass z.B. die Angst, selbst sexueller \u00dcbergriffe beschuldigt zu werden oder bef\u00fcrchteten Falschbeschuldigungen 205 Workshopteilnehmenden, das Thema im Rahmen einer Blockveranstaltung zu bearbeiten und Selbstreflexionen zu theoretisieren. sexualisierter Gewalt im Rahmen eine r p\u00e4dagogischen Au sbildung unerl\u00e4sslich ist, der universit\u00e4re Rahmen dies aber zum Teil durch Elemente wie Benotung oder Gruppengr\u00f6\u00dfe auch behindert. Hilfreich ist es laut manchen quat behandelt werden k\u00f6nnen, zum anderen widmete sie sich der Frage, welche Beziehungsgestaltung zwischen Lehrenden und Studierenden Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass sowohl eine fach liche wie pers\u00f6nliche Reflexion und Bildung erm\u00f6glicht werden als auch bzw. zugleich der Reflexionsraum der Hochschule in seiner spezifischen Konste llation bestehen bleibt. Im Workshop wurde deutlich, dass eine Bef\u00e4higung zur Pr\u00e4vention von und Intervention bei des Themenspektrums sexueller Gewalt und zur Thematisierung von p\u00e4dagogischen Beziehungen als Machtverh\u00e4ltnissen geschaffen werden kann. Zum einen fragte Breitenbach danach, wie entsprechende Themen in der Lehre ad\u00e4einer P\u00e4dophilieangst manifestiere, hob Wi nter dabei deutlich den Mangel einer der Mutterliebe vergleichbaren Vorlage seitens der V\u00e4ter hervor. Der von Eva Breitenbach als Workshop konzipierte Beitrag zum Thema (Kindliche) Sexualit\u00e4t und sexualisierte Gewalt als Gegenstand der Hochschullehre befasste sich schlie\u00dflich mit de r \u00dcberlegung, wie an Hochschulen ein angemessener Rahmen zur theoretischen wie praxisbezogenen Bearbeitung sondere mit T\u00f6chtern - berichteten. Die Ausschnitte zeigten, dass entsprechende Situationen auf Seiten der V\u00e4ter zum Teil enorme Unsicherheiten hervorrufen, wobei vor allem im Umgang m it T\u00f6chtern eine permanente P\u00e4dophilieangst allgegenw\u00e4rtig ist. Aus einer ps ychoanalytischen Pe rspektive und angelehnt an Rolf Pohls (2004) \u00dcberlegungen zum \"M\u00e4nnlichkeitsdilemma\" Anne-Dorothee Warmuth zend wahrgenommenen gesc hlechtlichen und sexuellen Dimensionen, woraufhin \u00dcberlegungen zu R\u00fcckschl\u00fcssen f\u00fc r p\u00e4dagogisches Handeln und die Professionsethik angestellt wurden. Die Tagung endete mit zwei Parallelv ortr\u00e4gen von Seba stian Winter (Bielefeld) und Eva Breitenbach (Bochum). Unter dem Titel \"Angst vor dem Kind?\" V\u00e4terliches Erleben von Intimit\u00e4 t und N\u00e4he bei der Kleinkindpflege stellte Winter Interviewausschnitte mit V \u00e4tern vor, in denen diese von Momenten k\u00f6rperlicher N\u00e4he mit ihren Kindern und von Pflegesituationen - insbe1 stellte Winter heraus, dass aktives Vate rsein eine Herausforderung f\u00fcr die zuvor einverleibte Hexis darste lle, die sich mit ihrer libido dominandi nicht ohne Konflikte zu einer v\u00e4terlich z\u00e4rtlichen Leiblichkeit umformen lasse. F\u00fcr M\u00e4nner sei es daher in der Regel unproblematischer bzw. tendenziell besser mit der Hexis zu vereinbaren, mit ihren Kindern drau\u00dfen zu toben, als sie zu tr\u00f6sten oder mit ihnen Z\u00e4rtlichkeiten auszutau schen. Vor dem Hintergrund einer h\u00e4ufigen Angst vor den eigenen inneren Regungen, die sich dann nicht selten in 1 Pohl, Rolf (2004): Feindbild Frau. M\u00e4nnliche Sexualit\u00e4t, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen. Hannover: Offizin Verlag. 206 wesen. zentrale Rolle spielt, zweitens das Thema des sexuellen Missbrauchs auf institutioneller wie auch familialer Ebene und (a) dessen Einfluss auf Erziehungspraktiken und professionsethische V orstellungen sowie (b) entsprechende Thematisierungsm\u00f6glichkeiten in p\u00e4dagogischen Kontexten, und drittens die Gewaltf\u00f6rmigkeit heterosexueller, zweige schlechtlicher Normierungsprozesse im Hinblick auf die individuelle sexuelle Identit\u00e4t. Auch wenn in den Beitr\u00e4gen und den sich anschlie\u00dfenden Disku ssionen immer wieder auf die Kategorie Geschlecht verwiesen wurde, w\u00e4re ei ne st\u00e4rker geschlechtertheoretisch ausgerichtete Perspektive an einigen Stellen jedoch durchaus w\u00fcnschenswert ge\"Erziehung - Gewalt - Sexualit\u00e4t\" (Paderborn 5.\/6. M\u00e4rz 2015) Die Tagung endete mit einem gemeinsamen Ausklang, bei dem einige Punkte nochmals aufgegriffen und in Ei nzelgespr\u00e4chen vertieft wurden. Die Tagung zeigte, dass es einen gro\u00dfen Forschungs- und Diskussionsbedarf bez\u00fcglich des Spannungsverh\u00e4ltnisses und der stetigen \u00dcberlagerung von Erziehung, Gewalt und Sexualit\u00e4t gibt, wobei besonders folgende drei Themenstr\u00e4nge in den Beitr\u00e4gen wiederholt aufgegriffen wurden: Erstens die \u00dcberlagerung von Erziehungspraktiken mit - un d dies insbesondere in historischer Perspektive - der Aus\u00fcbung von Gewalt, bei der auch Sexualit\u00e4t h\u00e4ufig eine 207 Verzeichnis der Autor_innen Bereswill, Mechthild, Dr. phil. habil., Professorin f\u00fcr Soziologie sozialer Differenzierung und Soziokultur an de r Universit\u00e4t Kassel; Arbeitsschwerpunkte: Geschlechterforschung, soziale Probleme und soziale Kontrolle, soziale Ungleichheit, qualitative Methodologien. Dausien, Bettina, Dr. phil. habil. , Professorin f\u00fcr P\u00e4dagogik der Lebensalter am Institut f\u00fcr Bildungswissenschaft der Universit\u00e4t Wien. Arbeitsschwerpunkte: Bildung im Lebenslauf, Biographie- und Geschlechterforschung, interpretativ e Sozialforschung. Ehlert, Gudrun, Prof. Dr. phil. , Einzelhandelskauffrau, Dipl.-Sozialarbeiterin\/Sozialp\u00e4dagogin (FH) , Dipl.-Sozialwissenschaftlerin, Professorin f\u00fcr Sozialarbeitswissenschaft an der Fakult\u00e4t Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida. Arbeitsschwerpunkte: Professionsforschung, Geschlechterforschung und Soziale Arbeit, Soziale Ungleichheit und Intersektionalit\u00e4t. Flaake, Karin, Dr. rer. pol. habil., pensionierte Professorin f\u00fcr Soziologie mit dem Schwerpunkt Frauen- und Geschlec hterforschung an der Carl von Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg. Arbeitssc hwerpunkte: Geschlecht und Sozialisation, Sozialpsychologie der Ge schlechterverh\u00e4ltnisse, Arbeit mit psychoanalytisch-hermeneutischen Methoden der Textinterpretation. G\u00f6tsch, Monika, Dr. phil., Koordinatorin des Promotionskollegs \"Leben im transformierten Sozialstaat (TransSoz)\" an der TH K\u00f6ln. Arbeitsschwerpunkte: heteronormative Geschlechterv erh\u00e4ltnisse, Trans*Geschlechtlichkeiten, Sexualit\u00e4t, Sozialisation, Wissens- und Wissenschaftssoziologie, qualitative Sozialforschung. Hartmann, Jutta, Dr. phil., Professorin f\u00fcr Allgemei ne P\u00e4dagogik und Soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochsc hule Berlin. Arbeitsschwerpunkte: Kritische Bildungstheorie, Gender & Queer Studies, P\u00e4dagogik vielf\u00e4ltiger Lebensweisen. Klinger, Sabine, Dr.in phil., MA of arts, Universit\u00e4ts-Assistentin am Institut f\u00fcr Erziehungs- und Bil dungswissenschaft im Arbeitsbereich Sozialp\u00e4dagogik an der Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz. Arbeitsschwerpunkte: Geschlechterforschung, Sozialp\u00e4dagogik, Bildung, qualitative Sozialforschung. Leinfellner, Stefanie, Dipl. P\u00e4d., Promovendin am Institut f\u00fcr Erziehungswissenschaft der Universit\u00e4t Paderborn. Arbeitsschwerpunkte: Geschlechter-, Familien- und Hochschulforschung, Wissen schaftskarrieren, Dual Career, gesellschaftlicher Wandel und Struk tur sozialer Ung leichheiten, qualitative Methoden. rungsprozesse von Geschlecht in der Sozialisation von Kindern und JuVerzeichnis der Autor_innen Rendtorff, Barbara, Dr., Professorin f\u00fcr Schulp\u00e4dagogik und Geschlechterforschung an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Kulturwissenschaften , Universit\u00e4t Paderborn. Arbeitsschwerpunkte: Theorie der Ge schlechterverh\u00e4ltnisse, Tradierung von Geschlechterbildern im Kontext von Schule und dem Aufwachsen von Kindern. Seehaus, Rhea, Dr. phil., wiss. Mitarbeiterin am Gender- und Frauenforschungszentrum an der Fr ankfurt University of Ap plied Sciences. Arbeitsschwerpunkte: pr\u00e4- und postnatale Elternschaft, Sorge\/Elternverantwortung, Kindheitsforschung , erziehungswissenschaf tliche Essensforschung, ethnografische Methoden. Thon, Christine, Dr. phil., Juniorprofessur f\u00fcr Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Geschlechterforschung an der Europa-Universit\u00e4t Flensburg. Arbeitsschwerpunkte: Bildung und Geschlecht im Kontext gesellschaftlicher Transformationsprozesse, erziehungswissenschaftliche Subjektkonzeptionen, qualitativ-rekonstruktive Forschungsmethoden. Walgenbach, Katharina, Dr. p\u00e4d., Gastprofessorin an der Humboldt Universit\u00e4t zu Berlin. Institut f\u00fcr Erziehungswi ssenschaft, Abt. Allgemeine Erziehungswissenschaft\/Zentrum f\u00fcr transdisziplin\u00e4re Geschlechterstudien. Arbeitsschwerpunkte: Geschlechterfors chung, Intersektionalit\u00e4t in Erziehungs- und Bild ungsprozessen, So zialisationsforschung. Warmuth, Anne-Dorothee, M.A. M. Ed., wissenschaftliche Mitarbeiterin in der AG Schulp\u00e4dagogik mit dem Schwerpu nkt Geschlechterforschung und im Zentrum f\u00fcr Geschlechterstudien\/Gender Studies an der Universit\u00e4t Paderborn. Arbeitsschwerpunkte: Geschlechterverh\u00e4ltnisse und Schule, Tradiegendlichen, Narrative von M\u00fc tterlichkeit und V\u00e4terlichkeit. 210 prozessen schung in der DGfE, Band 4 n\u00e4ren Perspektiven. aus unterschiedlichen diszipliTransformations- Frauen- und Geschlechterforinfo@budrich.de chen diese Entwicklungstrends dieses Sammelbandes untersuund Privatsph\u00e4re. Die Beitr\u00e4ge von \u00d6konomie, Staat, Familie eine neoliberale Neuordnung trends verweisen dabei auf Die derzeitigen EntwicklungsGeschlechterverh\u00e4ltnisse. beein?ussen substanziell die 51379 Leverkusen-Opladen Tel +49 (0)2171.344.594 Fax +49 (0)2171.344.693 Transformationsprozesse Stau?enbergstr. 7 ISBN 978-3-8474-0619-8 tische und gesellschaftliche bestellen oder direkt bei: Barbara Budrich Publishers Geschlecht im Wandel Katharina Walgenbach Anna Stach (Hrsg.) Geschlecht in gesellschaftlichen Schriftenreihe der Sektion 2015. 225 S. Kt. 29,90 \u0080 (D), 30,80 \u0080 (A) Aktuelle \u00f6konomische, poli- Jetzt in Ihrer Buchhandlung Verlag Barbara Budrich www.budrich-verlag.de ISBN 978-3-8474-0677-8 2015. 292 S. Kt. 34,90 \u0080 (D) und Trans*Jugendlicher lesbischer, schwuler, bisexueller Di?erenzerfahrungen info@budrich.de Rekonstruktion schulischer miriam.maydell@budrich.de Lektorat und Herstellung D-51379 Leverkusen-Opladen Tel +49 (0)2171.344.594 Fax +49 (0)2171.344.693 juergen.budde@uni-?ensburg.de Ansprechpartnerin im Verlag Miriam von Maydell des Lehrens und Lernens Professur f\u00fcr Theorie der Bildung, Universit\u00e4t Flensburg, Sammelb\u00e4nde. Sprechen Sie uns an: Reihenherausgeber: Prof. Dr. J\u00fcrgen Budde oretische Monographien und unterrichts- sowie bildungstheDie Reihe versammelt schul-, Handlungsfeldern ausgerichtet. Praxis der Akteur*innen in ihren rekonstruktiv auf die soziale dologische Zugri? ist qualitativBildungsprozessen. Der methosozialer Di?erenzkategorien in nungen und Konstruktionen ten von p\u00e4dagogischen OrdStudien zu Di?erenz, Bildung und Kultur Im Zentrum der Reihe stehen Fragen nach AusdrucksgestalBereits erschienen: Band 1 Bettina Kleiner subjekt bildung heteronormativit\u00e4t Verlag Barbara Budrich Stau?enbergstr. 7 www.budrich-verlag.de ","related_references":[{"view":"Bereswill, M. (2007). Sich auf eine Seite schlagen, Die Abwehr von Verletzungsoffenheit als gewalt- same Stabilisierung von M\u00e4nnlichkeit. M\u00fcnster: Westf\u00e4lisches Dampfboot. Dimensionen der Kategorie Geschlecht: Der Fall M\u00e4nnlichkeit. M\u00fcnster: Westf\u00e4lisches Dampfboot, pp. 101-118.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Althusser, L., L., F. (1977). Ideologie und ideologische Staatsapparate. Anmerkungen f\u00fcr eine Untersuchung\u00ab, in: Althusser, Ideologie und ideologische Staatsapparate. Aufs\u00e4tze zur marxistischen Theorie. 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PI Steinbach. die Herr Steinbach als sich \"steigernden Imperativ\" (PI Steinbach, 2(25).","pdf_url":""},{"view":"Abele, A. (2010). Doppelkarrierepaare. Entstehung und Relevanz der Thematik. Opladen: Barbara Budrich. Dual Career Couples an Hochschulen. Opladen, pp. 21-35.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Becker-Schmidt, R. (2011). Verwahrloste F\u00fcrsorge\u00ab -ein Krisenherd gesell- schaftlicher Reproduktion. Opladen: Barbara Budrich. Gender. Zeitschrift f\u00fcr Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, 3(11), pp. 9-23.","pdf_url":""},{"view":"Becker-Schmidt, R. (2003). Umbr\u00fcche in Arbeitsbiographien von Frauen: Regio- nale Konstellationen und globale Entwicklungen. M\u00fcnster: Forum Frauenforschung Band. Achsen der Differenz. Gesellschaftstheorie und feministi- sche Kritik II. M\u00fcnster: Westf\u00e4lisches Dampfboot, 16 pp. 101-132.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Behnke, C. M., M. (2005). Vereinbarkeitsmanagement. 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Frankfurt a.M.\/New York: Leske und Budrich. Christine (2003), Geld und Liebe. Zur symbolischen Bedeutung von Geld in Paarbeziehungen.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Solga, H., Wimbauer, C. (2005). Wenn zwei das Gleiche tun ... -Ideal und Realit\u00e4t sozialer (Un-)Gleichheit in Dual Career Couples. Opladen: Verlag Barbara Budrich Discussion Papers der Abteilung \"Ausbildung und Arbeitsmarkt. Leverkusen-Opladen: Barbara Budrich Verlag. \"Wenn zwei das Gleiche tun ...\": Ideal und Realtit\u00e4t sozialer (Un-)Gleichheit in Dual Careeer Couples, pp. 9-25.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Thon, C. (2015). Geschlechterkritische Wissensproduktion und geschlechterpo- litische Intervention im Widerspruch: eine Rekonstruktion am Beispiel der \"Ver- einbarkeitsproblematik\". Wissen, Intervention. Weinheim: Beltz Juventa. Erkenntnis, pp. 168-181.","pdf_url":""},{"view":"Winde, M. (2010). Brain Gain durch Dual Career Couples. Fazit eines F\u00f6rderpro- gramms f\u00fcr Doppelkarrierepaare. Opladen: Verlag Barbara Budrich www.instrumentenkasten.dfg.de. Dual Career Couples an Hochschulen. Zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik, pp. 185-194.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"., V\u00e4th, A. (2010). Gibt es ein Patentrezept f\u00fcr eine erfolgreiche Doppel- karrieref\u00f6rderung? Eine Refl exion aus der Gleichstellungsarbeit. Opladen: Barbara Budrich. Dual Career Couples an Hochschulen. A.a.O, pp. 195-211.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Butler, J., Cudak, K. B., W. D. (2006). Ha\u00df spricht. Zur Politik des Performativen, aus dem Englischen v. Kathrina Menke u. Frankfurt am Main: Kunst des Handelns. Zur Anrufung siehe zudem Louis Althusser (1977): Ideologie und ideologi- sche Staatsapparate. Aufs\u00e4tze zur marxistischen Theorie, pp. 153-170.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Thon, C., Villa, P. I. (2008). Frauenbewegung im Wandel der Generationen. Eine Studie \u00fcber Ge- schlech terkonstruktionen in biographischen Erz\u00e4hlungen. Bielefeld: transcript Thon. Eine Studie \u00fcber Geschlechterkonstruktionen in biographischen Erz\u00e4hlungen, pp. 266-285.<\/a> <\/span>PDF<\/a>","pdf_url":"https:\/\/www.ssoar.info\/ssoar\/bitstream\/document\/67891\/1\/ssoar-2008-thon-Frauenbewegung_im_Wandel_der_Generationen.pdf"},{"view":"Th\u00fcrmer-Rohr, C. (1983). Aus der T\u00e4uschung in die Ent-T\u00e4uschung. Zur Mitt\u00e4- terschaft von Frauen. Zur Mitt\u00e4terschaft von Frauen, in: beitr\u00e4ge zur feministischen theorie und praxis, 8(6), pp. 11-25.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Walgenbach, K., A. (2015). Soziale Arbeit in gesellschaftlichen Transfor- mationsprozessen. Berlin und Toronto: Verlag Barbara Budrich. Vortrag anl\u00e4sslich der Tagung \"Geschlecht in gesellschaftlichen Transformationsprozessen\" der DGFE, Sektion Frauen-und Geschlechter- forschung vom 02.-04.10.2013 in Wupptertal, pp. 21-50.<\/a> <\/span>PDF<\/a>","pdf_url":"https:\/\/link.springer.com\/content\/pdf\/10.1007%2Fs11614-014-0144-4.pdf"},{"view":"Sauer, B. (2001). Die Asche des Souver\u00e4ns. Staat und Demokratie in der Ge- schlechterdebatte, Frankfurt a.M., New York: Campus. -(2003): Den Staat ver\/handeln. Zum Zusammenhang von Staat, Demokratie und Herrschaft. Frankfurt a.M.\/New York (Campus: Frankfurt a.M.\/New York. -(2012): Intersektionalit\u00e4t und Staat. 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Es zeigt sich, da\u00df insbesondere im Rahmen (de)konstruktivistischer Geschlechtertheorien eine breite Tabuisierung sozialisationstheoretischer Fragestellungen stattgefunden hat. Zweifellos war die Kritik an herk\u00f6mmlichen Sozialisationstheorien in vielen Punkten berechtigt. Andererseits hat diese Tabuisierung, wie ich zeigen werde, aber auch zu einer Reihe problematischer Forschungssperren gef\u00fchrt, die sich gerade f\u00fcr die Analyse des aktuellen gesellschaftlichen Wandels f\u00fcr die Frauen- und Geschlechterforschung zunehmend als unproduktiv erweisen. Abschlie\u00dfend werde ich einige zentrale Punkte angeben, in welche Richtung eine 'Reformulierung geschlechtsspezifischer Sozialisationstheorien' gehen m\u00fc\u00dfte.\" (Autorenreferat)","\"The article addresses the question, why within women's studies in Germany lately can one only find scattered studies devoted to gender specific socialization? 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Um zu einer Revitalisierung der Debatte \u00fcber Sozialisation in der Geschlechterforschung beizutragen, betrachten die AutorInnen diese Frage sowohl hinsichtlich der Transformationen der theoretischen Debatte als auch in Bezug auf den Wandel der gesellschaftlichen Geschlechterverh\u00e4ltnisse. In den Anf\u00e4ngen der Frauenforschung erwies sich das Konzept der \"geschlechtsspezifischen Sozialisation\" als Motor f\u00fcr empirische Erkundungen von Ungleichheitsverh\u00e4ltnissen und als theoretisch nach vielen Seiten hin anschlussf\u00e4hig. Schon bald kam es allerdings zur Kritik an der Annahme einer \"weiblichen Sozialisation\" in der Geschlechterforschung, die zum einen auf Grundannahmen der Sozialisationsforschung selbst zielte, zum anderen durch sozialkonstruktivistisch, ethnomethodologische und dekonstruktivistische Theoriedebatten in der Geschlechterforschung herausgefordert wurde. Seither hat es den Anschein, als lasse die Hinterfragung theoretischer Konzepte der Sozialisationsforschung auch insgesamt die Frage obsolet werden, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene handlungsf\u00e4hige Subjekte in einer zweigeschlechtlich organisierten Gesellschaft werden. Das Jahrbuch stellt die Frage nach der Transformation von Sozialisation und Geschlecht in einer doppelten Weise. Zum einen geht es um Transformationen der Debatten zw. der theoretischen Perspektiven zu Geschlecht und Sozialisation. In entsprechenden Beitr\u00e4gen geht es um die Frage, welche Theorieperspektiven die bisher kritisierten Dilemmata und Desiderate der Sozialisationsforschung transformieren k\u00f6nnen. Mit Blick auf exemplarische empirische Studien wird ausgelotet, wie erziehungswissenschaftliche Sozialisationsforschung zu Geschlecht heute konzipiert werden kann, um Prozesse der Vergeschlechtlichung und Ungleichheitsverh\u00e4ltnisse zu erfassen. Zum anderen geht es um aktuelle Transformationsprozesse gesellschaftlicher Geschlechterverh\u00e4ltnisse, die sich etwa in Debatten um eine Ver\u00e4nderung ehemals geschlechtsspezifischer Zust\u00e4ndigkeiten in Familien oder Bildungsinstitutionen zeigen, in denen es aber auch zur Dethematisierung von Geschlechterungleichheiten bei gleichzeitiger Reproduktion hierarchischer Geschlechterverh\u00e4ltnisse und zweigeschlechtlicher Normen kommt."],"type":"publication","topic":["Geschlechtsrolle","gender role","Geschlechterforschung","gender studies","Geschlechterverh\u00e4ltnis","gender relations","gender","Sozialisation","socialization","Theorie","theory","Heterosexualit\u00e4t","heterosexuality","Normativit\u00e4t","normativity","M\u00e4nnlichkeit","masculinity","Elternschaft","parenthood","Mutterschaft","motherhood","Vaterschaft","fatherhood","Familienarbeit","family work","Arbeitsteilung","division of labor","Dual Career Couple","dual career couple","Wissenschaftlerin","female scientist","Wissenschaftler","scientist","gender-specific socialization"],"person":["Dausien, Bettina","Thon, Christine","Walgenbach, Katharina"],"person_sort":"DausienThonWalgenbach","links":[{"label":"URN","link":"http:\/\/nbn-resolving.de\/urn:nbn:de:0168-ssoar-65638-2"}],"subtype":"journal_article","document_type":"Sammelwerk","coreDoctypeLit":["Sammelwerk"],"coreAuthor":["Dausien, Bettina","Thon, Christine","Walgenbach, Katharina"],"coreEditor":["Dausien, Bettina","Thon, Christine","Walgenbach, Katharina"],"coreZsband":"11","corePagerange":"210 S.","coredoctypelitadd":["collection"],"urn":["urn:nbn:de:0168-ssoar-65638-2"],"data_source":"GESIS-CEWS","index_source":"GESIS-CEWS","link_count":0,"gesis_own":1,"fulltext":1,"thematic_collection":"Geschlecht und Wissenschaft","thematic_collection_en":"Gender and science"},"system_type":"BASE","doc_rank":3,"rid":28959639},{"_index":"gesis-21-05-2026-02-00-54","_id":"cews-2-669009","_version":1,"_seq_no":46743,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Geschlechterdifferenzen - Geschlechterdifferenzierungen : ein \u00dcberblick \u00fcber gesellschaftliche Entwicklungen und theoretische Positionen","id":"cews-2-669009","date":"2008","date_recency":"2008","abstract":["Das Studienbuch zeigt wesentliche Befunde und Positionen aus der Frauen- und Geschlechterforschung auf. Es beschreibt zun\u00e4chst die Bandbreite der empirischen Ph\u00e4nomene und des sozialen Wandels mit Blick auf Geschlecht am Beispiel des zentralen gesellschaftlichen Teilbereichs Erwerbsarbeit und Hausarbeit. Anschlie\u00dfend daran werden verschiedene theoretische Positionen skizziert. Einzelne Beitr\u00e4ge stellen jeweils eine theoretische Perspektive der Analyse von Geschlecht vor. Dabei nehmen sie sowohl Bezug auf aktuelle Diskussionslinien als auch auf Traditionen der Geschlechterforschung und auf die jeweils damit verbundenen Ans\u00e4tze der allgemeinen soziologischen Theorie. Untersuchungsleitende Fragen sind: Hat in der jeweils dargestellten Perspektive bzw. im vorgestellten theoretischen Rahmen die 'Kategorie Geschlecht' an Bedeutung verloren oder nicht? Wie wird die Spannung zwischen Omnipr\u00e4senz\/ -relevanz und Irrelevanz und zwischen Gleichheit und Differenz thematisiert? Wie werden die Orte und Formen der (Re)Produktion von Geschlecht beschrieben? (IAB) Inhaltsverzeichnis: Sylvia Marlene Wilz: Geschlechterdifferenzen - Geschlechterdifferenzierungen (7-17); Elisabeth Beck-Gernsheim: Vom 'Dasein f\u00fcr andere' zum Anspruch auf ein St\u00fcck 'eigenes Leben': Individualisierungsprozesse im weiblichen Lebenszusammenhang (19-61); Karin Jurczyk: Geschlechterverh\u00e4ltnisse in Familie und Erwerb: widerspr\u00fcchliche Modernisierungen (63-103); Juliane Achatz: Die Integration von Frauen in Arbeitsm\u00e4rkten und Organisationen (105-138); Brigitte Aulenbacher: Geschlecht als Strukturkategorie: \u00fcber den inneren Zusammenhang von moderner Gesellschaft und Geschlechterverh\u00e4ltnis (139-166); Regine Gildemeister: Soziale Konstruktion von Geschlecht: 'Doing gender' (167-198); Paula-Irene Villa: Post-Ismen: Geschlecht in Postmoderne und (De)Konstruktion (199-229); Bettina Heintz: Ohne Ansehen der Person? De-Institutionalisierungsprozesse und geschlechtliche Differenzierung (231-251); Veronika Tacke: Neutralisierung, Aktualisierung, Invisibilisierung. 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Dabei werden in einem ersten Schritt die praktischen und kognitiven T\u00e4tigkeiten des Kindes betrachtet, die dazu f\u00fchren, da\u00df aus der sozialen Umwelt deren geschlechtsspezifische Funktionsprinzipien entsprechend seiner Handlungs- und kognitiven F\u00e4higkeiten angeeignet werden. Weitere Ausf\u00fchrungen betreffen die Entwicklung von Geschlechtsrollen und das Verh\u00e4ltnis zu K\u00f6rper und Sexualit\u00e4t. Auch in diesen Bereichen sind gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse und die damit einhergehende Dominanz des M\u00e4nnlichen konstituierend f\u00fcr unterschiedliche Verhaltensweisen. Teilweise liegen hierin auch die Ursachen f\u00fcr Pathologien. Geschlechtsspezifische Sozialisationsprozesse finden nicht nur in der Kindheit oder Jugendzeit statt, sondern sie erstrecken sich \u00fcber die ganze Lebenszeit. 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In drei Themenfeldern werden theoretische, empirische und methodische Ans\u00e4tze zum Forschungsfeld entwickelt, die in ihrer Verbindung die innovative Spannung und Dynamik des Buches ausmachen. Inwiefern nehmen Diskurse der Frauenforschung und Frauenbewegungen die sich ver\u00e4ndernden globalen staatlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und ihre eigene 'Verallt\u00e4glichung' wahr? Was bedeuten 'Modernisierungen des Staates' f\u00fcr die Geschlechterverh\u00e4ltnisse? Wie weit ist die beharrliche Erm\u00e4chtigung von Frauen in Organisationen und Professionen fortgeschritten? Wie k\u00f6nnen Frauen als eigensinnige und eigeninteressierte Akteurinnen und Subjekte sozialen Wandels sichtbar gemacht werden?\" (Autorenreferat). Inhaltsverzeichnis: Sigrid Metz-G\u00f6ckel, Ursula M\u00fcller: Eine Kultur der Anerkennung und Kritik - Das Graduiertenkolleg 'Geschlechterverh\u00e4ltnis und sozialer Wandel. Handlungsspielr\u00e4ume und Definitionsmacht von Frauen' als Lehr-Lern-Erfahrung (7-28); Ilse Lenz: Neue Frauenbewegung, Feminismus und Geschlechterforschung (35-66); Anja Szypulski: Diskurs f\u00fcr und wider die Lust. Rezeptionen sexualwissenschaftlicher Auseinandersetzungen in der Frauenbewegung (67-76); Beate Kortendiek: Sonntags nie? Zur Verallt\u00e4glichung von Frauenbewegungen in Selbsthilfeprojekten (77-85); Ruth Becker: Bewegtes Wohnen: Zur Verr\u00e4umlichung und Verallt\u00e4glichung von Frauenbewegung in Frauenwohnprojekten (87-117); Yvonne P. Doderer: Neue Frauenbewegung im Spannungsfeld von Subversion, Raumaneignung und Mainstreaming (119-132); Ute L. Fischer, Birgit Riegraf, Hildegard Theobald: Staatstransformation der Nachkriegsz eit: Wege zu einen 'frauenfreundlichen' Staat? (135-167); Christiane Bauhardt: Universalismus und Differenz in Frankreich: 'Ethnizit\u00e4t' und 'Geschlecht' in der politischen Debatte um die Geschlechterparit\u00e4t (parite) (169-192); Steffani Engler, Sigrid Metz-G\u00f6ckel, Karin Zimmermann: AkteurInnen in der Welt der Wissenschaft (193-219); Ellen Kuhlmann, Edelgard Kutzner, Ursula M\u00fcller, Birgit Riegraf, Sylvia Wilz: Organistationen und Professionen als Produktionsst\u00e4tten der Geschlechter(a)symmetrie (221-249); Renate Schulz-Zander: Geschlechter und neue Medien in der Schule (251-267); Hiltrud Westram: Schule und das neue Medium Internet - nicht ohne Sch\u00fclerinnen und Lehrerinnen! (269-285); Gabriele Wagner: Subjektkonstitution und Eigensinn - biographisches Handeln zwischen kreativer Grenz\u00fcberschreitung und sozialer Strukturierung: Eine Einf\u00fchrung (289-297); Ulrike H\u00e4nsch: Lesbische Lebensentw\u00fcrfe zwischen Gleichheitsversprechen und Unlebbarkeit - ein biographisches Beispiel (299-304); Sabine Brendel: Die \u00dcberschreitung zugewiesener R\u00e4ume - auch ohne Bildungsaufstieg? (305-312); Bettina Fritzsche: Fan-kultureller Eigensinn zwischen Kindheit und Jugend (313-318); Eszter Belinski, Claudia Nagode: 'Seiltanzen zwischen Differenz und Gleichheit' - Frauen in verschiedenen Berufsfeldern (319-333); Mechtild Oechsle: Handlungsspielr\u00e4ume von Frauen - ein abschlie\u00dfender Kommentar (335-342)."],"type":"publication","topic":["Geschlechterverh\u00e4ltnis","Feminismus","Frauenforschung","Frauenbewegung","historische Entwicklung","interdisziplin\u00e4re Forschung","Modernisierung","Globalisierung","Beruf","Lebenssituation","Sexualit\u00e4t","Geschlechterforschung"],"classification":["Frauen- und Geschlechterforschung","Soziologie von Gesamtgesellschaften","Allgemeine Soziologie, Makrosoziologie, spezielle Theorien und Schulen, Entwicklung und Geschichte der Soziologie"],"person":["Fritzsche, Bettina","Sch\u00e4fer, Eva","Nagode, Claudia"],"person_sort":"FritzscheSch\u00e4ferNagode","links":[],"subtype":"journal_article","database":"GESIS-SOLIS","document_type":"Sammelwerk","coreDoctypeLit":["Sammelwerk"],"coreAuthor":["Fritzsche, Bettina","Sch\u00e4fer, Eva","Nagode, Claudia"],"coreEditor":["Fritzsche, Bettina","Sch\u00e4fer, Eva","Nagode, Claudia"],"corePublisher":"Leske u. 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Statt eines Denkens von Geschlecht in bipolaren psychologischen Eigenschaften vertritt die Verfasserin eine sozialkonstruktivistische Sichtweise, die materialistisch (Geschlechterverh\u00e4ltnis, Arbeitsteilung, Macht) und kultur- und symboltheoretisch (Kultur als Einheit von materieller und symbolischer Produktion in sozialen Praktiken) fundiert ist: \"Zentral ist die Annahme, da\u00df wir unsere Wirklichkeit andauernd in sozialen Praktiken produzieren.\" Referiert und kommentiert werden Forschungsergebnisse zu folgenden Themen: Geschlechtsunterschiede, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Verk\u00f6rperung von M\u00e4nnlichkeit\/Weiblichkeit, emotionale Sozialisation, Theorien weiblicher und m\u00e4nnlicher Entwicklung. Abschlie\u00dfend werden gegenw\u00e4rtige Ver\u00e4nderungstendenzen des Geschlechterverh\u00e4ltnisses und ihre Konsequenzen f\u00fcr die individuelle Lebensgestaltung diskutiert. 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Heute werden grundlegende methodologische Debatten zur theoretischen und methodischen Erfassung von Geschlecht zum einen in Auseinandersetzung mit sozialkonstruktivistischen und poststrukturalistischen Ans\u00e4tzen und zum zweiten mit Bezug zu Konzepten der Intersektionalit\u00e4t, Queer-Theory und Transnationalit\u00e4t gef\u00fchrt. Der Band versammelt Beitr\u00e4ge, die zeigen und diskutieren, wie die Kategorie Geschlecht als gesellschaftliche Konstruktion in ihrer Verwobenheit mit anderen Differenzkategorien theoretisch unterschiedlich erfasst und methodisch konkret untersucht wird. Alle Ans\u00e4tze leisten einen Beitrag zur fortlaufenden methodologischen Verst\u00e4ndigung \u00fcber die Komplexit\u00e4t von Geschlecht.\" (Verlagsangabe). Inhaltsverzeichnis: Mechthild Bereswill, Katharina Liebsch: Einleitung (7-15); Carol Hagemann-White: Feministische Aktionsforschung zwischen Empowerment und Anrufung staatlicher Intervention bei Gewalt gegen Frauen (16-41); Peter Rieker: Sozialisation und Geschlecht - Theoretische Herausforderung und Perspektiven der empirischen Forschung (42-60); Anke Neuber: Identifizierung und Intersubjektivit\u00e4t in adoleszenten Abh\u00e4ngigkeits- und Autonomiekonflikten. Ergebnisse und Grenzen von Genusgruppenvergleichen (61-79); Karen Wagels: \u00dcber ein Denken von Zweigeschlechtlichkeit hinaus - Struktur und Dynamik von Geschlecht aus der Perspektive von Grounded Theory (80-97); Lena Inowlocki: Narrationsanalyse eines Interviews mit einem Ehepaar (98-114); Ulrike Manz: Praktiken und Geschlecht. Methodologische \u00dcberlegungen zur Produktivit\u00e4t des practice turn (115-133); Susanne Gerner: Das Szenische Verstehen als Methode einer psychoanalytisch interessierten Geschlechterforschung (134-152); Beate Hofstadler: Eindeutigkeit und Uneindeutigkeit von Geschlecht. Psychoanalytische Rezeptionsanalyse als Methode zur Erforschung der intersubjektiven Konstruktion von Geschlecht (153-171); Roswitha Breckner: Geschlechter Un\/Ordnung im Bild. Visuelle Segmentanalyse als Zugang zur leiblichen Performativit\u00e4t bildlicher Darstellungen(172-195); Folkert Degenring: Geschlecht beschreiben: Dekonstruktivistische Perspektiven in der Literaturwissenschaft am Beispiel von Stephenie Meyers Twilight (196-213); Vera King, Elvin Subow: Reflexivit\u00e4t und Rekonstruktion. Methodologische \u00dcberlegungen sowie ein Erfahrungsbericht zu Bedingungen des Verstehens im Kontext qualitativer intersektionaler Forschung (214-241); Gudrun-Axeli Knapp: \u00dcber Kreuzungen: Zu Produktivit\u00e4t und Grenzen von \"Intersektionalit\u00e4t\" als \"Sensitizing Concept\" (242-262); Martina Althoff: Zugeh\u00f6rigkeiten und Verletzbarkeiten. Methodologische \u00dcberlegungen zur intersektionalen Analyse sozialer Ungleichheit und Kriminalit\u00e4t (263-282); Simone Scherger: Diesseits und jenseits von Geschlecht als Sozialkategorie. 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