{"hits":{"total":{"value":10,"relation":"eq"},"hits":[{"_index":"gesis-22-05-2026-02-01-51","_id":"gesis-ssoar-36061","_version":2,"_seq_no":69443,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Einleitung: Die technische Natur der Gesellschaft - interpretatvie und konstruktivistische Zug\u00e4nge","id":"gesis-ssoar-36061","date":"2008","date_recency":"2008","portal_url":"http:\/\/www.ssoar.info\/ssoar\/handle\/document\/36061","type":"publication","person":["Kalthoff, Herbert","Flick, Uwe","Schimank, Uwe","Weyer, Johannes"],"person_sort":"KalthoffFlickSchimank","source":"In: Die Natur der Gesellschaft: Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2, Campus Verl., Frankfurt am Main, 2008, 687-688","links":[{"label":"URN","link":"http:\/\/nbn-resolving.de\/urn:nbn:de:0168-ssoar-360614"}],"subtype":"in_proceedings","publisher":"Campus Verl.","document_type":"Sammelwerksbeitrag","institutions":["DGS"],"coreAuthor":["Kalthoff, Herbert","Flick, Uwe","Schimank, Uwe","Weyer, Johannes"],"coreEditor":["Rehberg, Karl-Siegbert"],"coreSjahr":"2008","corePublisher":"Campus Verl.","coreSatit":"Die Natur der Gesellschaft: Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Soziologie in Kassel 2006. Teilbd. 1 u. 2","coreIsbn":"978-3-593-38440-5","publishLocation_str_mv":"Frankfurt am Main","coreLanguage":"de","urn":"urn:nbn:de:0168-ssoar-360614","data_source":"GESIS-SSOAR","index_source":"GESIS-SSOAR","database":"SSOAR - Social Science Open Access Repository","link_count":0,"gesis_own":1,"fulltext":1,"metadata_quality":10,"full_text":" Einleitung: Die technische Natur der Gesellschaft interpretative und konstruktivistische Zug\u00e4nge Herbert Kalthoff, Uwe Flick, Uwe Schimank und Johannes Weyer Die Plenarveranstaltung diskutierte das Thema \u00bbDie technische Natur der Gesellschaft - interpretative und konstruktivistische Zug\u00e4nge\"; sie wurde von drei DGSund Gesellschaft. Wurde zun\u00e4chst die Natur immer tein-Aktion-Ansatz). Insbesondere die neuere Technikfoder rekonfigurieren. technische Dinge Einfluss auf soziale Lebenswelten dieser schafts- und Technikforschung\" und \u00bbMethoden der quIn der Soziologie ist die Auffassung relativ weit vei. Als Juroren wirkten Thomas Alkemeyer (Oldenburg) un(Berlin), denen an dieser Stelle herzlich gedankt sSektionen veranstaltet, und zwar den Sektionen \u00bbSozgetragen, dass technische Dinge einige Felder geradezu auf: Man denke etwa an die gunserer sozialen Welt geworden. Diese These, dass dActor Network Theorysozialen Lebenswelten eine ganz eigene, konstitutivherauskristallisiert (wie etwa die sozialkonstruktiJahren in der deutschen und internationalen Soziolomitspielenstehen ist, ist in der Soziologie - und dies ist nieigene Beschaffenheit und Logik verf\u00fcgt, soziologisbedienungsfreundlich, smart. Technik immer nat\u00fcrlicher, das hei\u00dft eingebettet, uten. In der Debatte um den Stellenwert der Technik dungen an \u00bbintelligente\" technische Wesen die Grenzkommen humanoider Roboter sowie der schrittweisen Dmit der technischen Optimierung und Perfektionierunan Transportsysteme. Finanzm\u00e4rkte oder an Kommunikationstechnologien, aniologische Theorien\", \u00bbWissen- Common sense Hinzu kommt eine weitere Beobachtung: Seit einigen Aber gerade die Frage, wie eine Mitspielerin wie di alitativen Sozialforschung\". ; sie sind, mit anderen Worten, Mitglieder d Werner Rammert formulieren. Hiermit wird zugleich dem Umstand RechTechnology matterse Rolle spielt, dr\u00e4ngt sich f\u00fcr , eine akteurtheoretische Technikforschung oder derie Technik in verschiedenen lobal vernetzte Welt der - so l\u00e4sst sich dieses allgemeine Verst\u00e4ndnis, cht \u00fcberraschend - h\u00f6chst umstrit- nehmen, diese kodeterminieren vistische Technikforschung, die erbreitet, dass Technik oder haben sich in den vergangenen ch zu konzipieren und zu ver- orschung hat das Verst\u00e4ndnis e Technik, die \u00fcber eine ganz nsichtbar, menschen\u00e4hnlich, gie unterschiedliche Ans\u00e4tze en zwischen Natur, Technik g des Menschen, dem Auf- chnischer, so wird nun die die Intensivmedizin oder elegation von Entschei- Jahren verschieben sich Technik-nung 688 PLENUM : D IE TECHNISCHE N ATUR DER G ESELLSCHAFT gesch\u00e4rft, Technik als soziale Handlung zu verstehen. In diesem Sinne ist Technik durch das Wissen menschlicher Akteure figuriert, rahmt aber auch deren soziale Praxis - \u009bstellt\u008b sie also im Sinne Martin Heideggers. Es ist hier nicht der Ort, diese Debatte detailliert nachzuzeichnen. Eine wichtige Differenz dieser Ans\u00e4tze ist jedoch die Frage, wie der Grad der Autonomie technischer Dinge und Entwicklungen bestimmt wird. Werden das Soziale und technische Dinge symmetrisiert wie in der Actor Network Theory, mit der Konsequenz, dass eine flache Akteursontologie zur\u00fcckbleibt? Oder bleiben die menschlichen Akteure und Institutionen die Gestalter und Interpreten technischer Dinge, die ihre Welt kodeterminieren? Mit anderen Worten: Bleibt man der Idee treu, dass die Soziologie das Soziale nur durch das Soziale erkl\u00e4ren kann - oder ver\u00e4ndert man den Ausgangspunkt der soziologischen Forschung? Jenseits dieser allgemeinen, grunds\u00e4tzlichen Aspekte dr\u00e4ngen sich spezifischere Fragen in den Vordergrund. Wenn man beispielsweise davon ausgeht, dass Technik zwischen Akteuren oder Akteursgruppen vermittelt, dann ist diese vermittelnde Rolle der Technik zu spezifizieren. Wie und durch welche Mechanismen gelingt es Technik, diese Vermittlung wahrzunehmen? Wenn man ferner davon ausgeht, dass der Technik eine Kraft innewohnt, die den Alltag transformiert, dann ist diese ebenfalls empirisch und theoretisch zu bestimmen. Beide Aspekte beziehen sich auf die Performativit\u00e4t der dinglichen und sozialen Welt, sowie auf die Medien, in denen das Soziale und das Dingliche dargestellt werden. Schlie\u00dflich: Wenn die Diagnose stimmt, dass sich die Grenze zwischen Technik und Gesellschaft verschiebt, dann dr\u00e4ngen sich folgende Fragen auf: Kann die Soziologie die gegenw\u00e4rtige und zuk\u00fcnftige Gesellschaft noch mit den Kategorien beschreiben und erfassen, mit denen sie die Gesellschaft der Vergangenheit analysiert hat? Welche theoretischen und empirischen Herausforderungen ergeben sich aus der Grenzverschiebung von Natur, Technik und Gesellschaft? Die Vortr\u00e4ge, die im Rahmen dieses Plenums gehalten wurden, setzen sich mit diesen Fragen auseinander. "},"system_type":"EXP","doc_rank":1,"rid":29029839},{"_index":"gesis-22-05-2026-02-01-51","_id":"gesis-bib-31489","_version":1,"_seq_no":4841,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"coreAuthor":["Fuchs, Peter"],"coredoctypelitadd":["Monographie"],"coreJournalTitle":"Zeitschrift f\u00fcr Soziologie","coreLanguage":["Deutsch (DE)"],"database":"GESIS - Bibliothek","data_source":"GESIS-BIB","document_type":"Zeitschriftenaufsatz","fulltext":0,"gesis_own":1,"library_location":["K\u00f6ln Zeitschriftenaufsatz"],"person":["Fuchs, Peter"],"person_sort":"Fuchs","publisher":"GESIS","source":"In: Zeitschrift f\u00fcr Soziologie, Jg. 15, 1986, Nr. 6, S. 393.. ISSN 0340-1804","subtype":"journal_article","title":"Die Weltflucht der M\u00f6nche. Anmerkungen zur Funktion des monastisch-aszetischen Schweigens","topic":["Zeitschriftenartikel"],"type":"gesis_bib","id":"gesis-bib-31489","index_source":"GESIS-BIB"},"system_type":"BASE","doc_rank":2,"rid":29029839},{"_index":"gesis-22-05-2026-02-01-51","_id":"gesis-solis-00625227","_version":1,"_seq_no":88346,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Wissenschaftstheoretische Positionen : wie verh\u00e4lt sich die Soziologie zu ihrem Gegenstand?","id":"gesis-solis-00625227","date":"2014","date_recency":"2014","portal_url":"http:\/\/sowiport.gesis.org\/search\/id\/gesis-solis-00625227","type":"publication","person":["Kneer, Georg"],"person_sort":"Kneer","source":"In: Handbuch der Soziologie, J\u00f6rn Lamla ; Hartmut Rosa ; David Strecker , Konstanz, UVK Verl.-Ges., 2014, S. 45-60","links":[],"subtype":"in_proceedings","publisher":"GESIS","database":"SOLIS - Sozialwissenschaftliches Literaturinformationssystem","document_type":"Sammelwerksbeitrag","coreAuthor":["Kneer, Georg"],"coreSjahr":"2014","coreSverl":"UVK Verl.-Ges.","coreSatit":"Handbuch der Soziologie","coreSseries":["UTB : Soziologie"],"corePagerange":"45-60","coreIsbn":"978-3-8252-8601-9","coredoctypelitadd":["Aufsatz"],"coreLanguage":["Deutsch (DE)"],"coreSort":"Konstanz","data_source":"GESIS-Literaturpool","link_count":0,"gesis_own":1,"fulltext":0,"index_source":"OUTCITE","literature_collection":"GESIS-Literaturpool"},"system_type":"EXP","doc_rank":3,"rid":29029839},{"_index":"gesis-22-05-2026-02-01-51","_id":"gesis-ssoar-42754","_version":3,"_seq_no":95258,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Anschluss, Kondensation und Aggregation in\nKommunikationsprozessen","id":"gesis-ssoar-42754","date":"2010","date_recency":"2010","abstract":"\"Der Begriff der Kommunikation ist und bleibt ein 'schwieriger' Begriff. Trotz des Vorliegens zahlreicher Definitionen in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen gestaltet sich der forschende Umgang mit dem Ph\u00e4nomen der Kommunikation weiterhin als ein m\u00fchsames Unterfangen. Was ist \u00fcberhaupt Kommunikation? Und wer oder was kann kommunizieren (Mensch\/Maschine)? Gerade die Entwicklung eines allgemeinen Begriffes von Kommunikation sowie die Aufschl\u00fcsselung von Kommunikationsprozessen in ihre Letztelemente, d.h. die diskreten Kommunikationsereignisse, und die Erkl\u00e4rung ihres Zustandekommens bereiten immer wieder Schwierigkeiten. In diesem 'schwebenden Zustand' haben auch die pattern-, ordnungs- und strukturbildenden Leistungen der Kommunikation bislang eine nur ungen\u00fcgende Bestimmung erfahren. Oft wird, mitunter auch vage, von 'Informations\u00fcbertragung', 'Verstehen', 'Koordination' oder 'Vermittlung' gesprochen, wenn es darum geht, Leistungen der Kommunikation zu beschreiben. Doch wie sind 'Verst\u00e4ndigung', 'Vermittlung' oder 'Koordination' in weitl\u00e4ufigen Sozialsystemen erst m\u00f6glich? Welche Rolle spielt die Aggregation von einzelnen Kommunikationsereignissen in diesem Zusammenhang? Wie verdichten sich Kommunikationen? Welche Formen k\u00f6nnen Aggregationen annehmen? Diesen Fragen soll im Folgenden gleichsam aus einer soziologischen wie sozionischen Forschungsperspektive nachgegangen werden.\" (Autorenreferat)","portal_url":"http:\/\/www.ssoar.info\/ssoar\/handle\/document\/42754","type":"publication","topic":["Kommunikation","Begriff","Kommunikationstheorie","Sozionik","computervermittelte Kommunikation","Internet","Interaktion","Akteur","Aggregation"],"person":["Hartig-Perschke, Rasco"],"person_sort":"Hartig-Perschke","links":[{"label":"URN","link":"http:\/\/nbn-resolving.de\/urn:nbn:de:0168-ssoar-427546"}],"document_type":"Forschungsbericht","coreAuthor":["Hartig-Perschke, Rasco"],"coreSjahr":"2010","coreZsband":"16","coreLanguage":"de","urn":"urn:nbn:de:0168-ssoar-427546","data_source":"GESIS-SSOAR","index_source":"GESIS-SSOAR","database":"SSOAR - Social Science Open Access Repository","link_count":0,"gesis_own":1,"fulltext":1,"metadata_quality":10,"full_text":" Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen (Stand: 16. Februar 2004) 1 Rasco Hartig-Perschke Technische Universit\u00e4t Hamburg-Harburg Institut f\u00fcr Technik und Gesellschaft perschke@tu-harburg.de 1 Perschke, WP 1 2004, Version: 16.02.2004. VORWORT ....................................................................... ...............................5 1. EINLEITUNG........................................................................ .............................9 2. DISKRETE KOMMUNIKATIONSEREIGNISSE UND KOMMUNIKATIONSPROZESSE..................................................................25 3. MODELLIERUNG VON AGGREGATIONEN..............................................38 4. SCHLUSSBETRACHTUNG........................................................................ ....93 LITERATUR ....................................................................... .............................95 Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 5 VORWORT Miriam Barnat, Rasco Hartig-Perschke Die vorliegende Publikation erscheint in der Reihe \"Beitr\u00e4ge zur kommunikationsorientierten Modellierung\". Diese Reihe steht im Zusammenhang mit dem interdisziplin\u00e4ren Sozionik-Projekt \"Communication-Oriented Modeling (COM). geht es im Kontext der Sozionik darum, Vobietet die Sozionik Synergieeffekte f\u00fcr beide Disziplinen. F\u00fcr die VKI-Forschung Als Forschungsfeld zwischen Soziologie und Verteilter K\u00fcnstlicher Intelligenz (VKI) rbilder aus der sozial en Welt aufzugreifen, um daraus intelligente Computertechnologien zu entwickeln. F\u00fcr die Soziologie ent-steht durch die Zusammenarbeit mit der Informatik Innovationspotenzial f\u00fcr die Ausarbeitung und Pr\u00e4zisierung von soziologischen Begriffen und Theorien (vgl. hierzu Malsch 1998, Fischer et al. 2004). Im Fokus des COM-Projektes standen das Problem der Gestaltung komplexer, offener und hochskalierender Multiagentensysteme (MAS) und die Frage nach den M\u00f6glichkeiten der Beschreibung und Erkl\u00e4rung des Verlaufs von komplexen Kommunikationsprozessen. Die soziologisch e Aufgabe bestand darin, Mechanismen der Komplexit\u00e4tsreduktion und Konfliktbearbeitung, die f\u00fcr das Zusammenwirken einer Vielzahl von Agenten unerl\u00e4sslich sind zu identifizieren, zu beschreiben und zu formalisieren. Ausgangspunkt der Modellierungsarbeiten bildeten kommunikations-theoretische Konzepte und Begrifflichkeiten, die sich vor allem aus Pragmatismus und Systemtheorie spei sten. Diese Konzepte und Begriffe wurden schlie\u00dflich zu einer eigenst\u00e4ndigen soziologischen Kommunikationstheorie weiterentwickelt und verdich-tet: der Theorie der kommunikationsorientierten Modellierung (vgl. Malsch 2005). Die aus dem COM-Projekt hervorgegangenen Reports sind Bestandteile einer Expedition an die R\u00e4nder der Theorie und damit Grundlage f\u00fcr weiterf\u00fchrende \u00dcberlegungen, sowohl inhaltlic her als auch methodischer Ar t. Auf Basis der wesentlichen Konzepte des COM wurden sowohl kommunikationssoziologische Analysen durchgef\u00fchrt (vgl. Albrecht et al. 2005, Perschke und L\u00fcbcke 2005), als auch ein Simulationstool entwickelt, welches es erm\u00f6glicht, den Verlauf von hochskalierten Kommunikationsprozessen nachzubilden und zu simulieren (vgl. f\u00fcr eine typische Simulationsstudie Malsch et al. 2007). Untersucht wurde, wie h\u00f6herstufige soziale Ph\u00e4nomene auf der Basis von Kommunikationsanschl\u00fcssen bzw. Anschlussfolgen 6 Rasco Hertig-Perschke und -netzen emergieren, wie si ch Prozessmuster zu sozial en Strukturen verdichten und wie sich Kommunikationszusammenh\u00e4nge bzw. soziale Systeme ausdifferenzieren und\/oder aufl\u00f6sen. Die Theorie und Methode der kommunikationsorientierten Modellierung l\u00e4sst sich durch drei grundlegende Prinzipien beschreiben: 1. Kommunikation wird als Ereignis und Prozess sozialer Organisation in den Mittelpunkt gestellt (communication first). 2. H\u00f6herstufige Ph\u00e4nomene sind ausgehend von elementaren Einheiten und deren Zusammenwirken zu beschreiben (\"bottom up\"). 3. Die Zeit wird explizit als entscheidender Faktor im Rahmen von Modellie-rungsarbeiten ber\u00fccksichtigt. Die Theorie der kommunikationsorientierten Modellierung ist somit Ausdruck und Bestandteil der \"kommunikativen Wende\" (Kr\u00e4mer 2001) der Soziologie. \u00c4hnlich wie die soziologische Systemth eorie l\u00f6st sich auch die COM-Theorie unmittelbar von der in der Soziologie traditionell vorherrschenden Fokussierung auf den individuellen Akteur und seine Handlungsentscheidung, um sich verst\u00e4rkt dem zu widmen, was zwischen Akteuren geschieht: die Wechselwirkungen der Interaktion bzw. Kommunikation. In Bezug auf die Sozionik stellt dieses kommunikationsorientierte Modellieren eine Innovation dar, bricht sie doch mit der \u00fcblicherweise in der VKI vorherrschenden Agentenfixierung (vgl. zu dieser Wei\u00df 2002, Woolridge et al. 2002). Das empirische Bezugsfeld des COM ist das Feld der Online-Kommunikation. Hier zeigt sich deutlich der Mehrwert einer kommunikationssoziologischen Perspektive (vgl. Malsch\/Schlieder 2004): die Menge an Informationen \u00fcbersteigt bei weitem die Informationen \u00fcber die an der Kommunikation beteiligten Akteure, die zudem nicht verl\u00e4sslich sind. Eine kommunikationsorientierte Interpretation von Foren, Weblogs ferenzstrukturen zwischen den Mitteilun-und Newsgroups z.B. fokussiert auf die Re gen und sucht hier nach Mustern. In der Konfrontation von theoretischen und empirischen Anforderungen an eine sozionische Kommunikationstheorie ergeben sich unterschiedliche Fragen, die in den verschiedenen Beitr\u00e4gen der Reihe aufgegri ffen werden: Zun\u00e4chst ist zu kl\u00e4ren, mit Hilfe welcher Begrifflichkeiten sich Kommunikationsanschl\u00fcsse ad\u00e4quat modellieren lassen (vgl. hierzu den Research Report RR12, Steffen Albrecht) und wie sich Einzelereignisse zu l\u00e4ngeren Sequenzen \"f\u00fcgen\": \"Musterbildung\" lautet hier das Stichwort (vgl. zur Episodenbildung RR 13, Rasco Hartig-Perschke). Ebenso gilt es zu diskutieren, welche Rolle Zeit als Strukturierungs- und Gestaltungsmoment f\u00fcr Kommunikation spielt (RR 14, Steffen Albrecht). Bez\u00fcglich kommunikativ- Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 7 emergenter Ph\u00e4nomene ist von Interesse, wie in der Kommunikation Erwartungssicherheit geschaffen wird (RR 15, Marco Schmitt) und wie sich einzelne Ereignisse zu Diskursen verdichten (RR 16, Rasco Hartig-Perschke). F\u00fcr eine Kommunikationstheorie unerl\u00e4sslich sind auch Modellierungen von reflexiver Kommunikation (Beobachtungs- und Reflexionskommunikation in COM, RR 17, Marco Schmitt; Reflexive Kommunikation, RR 18, Miriam Barnat). Schlie\u00dflich ist auch auszuloten, welche neuen Einfl\u00fcsse f\u00fcr die Kommunikationsprozessanalyse sich aus der aktuellen ben (Vergleich der theoretischen Positionen Andrew Abbotts mit COM, RR 19, Jan amerikanischen Debatte zur Netzwerktheorie bzw. zur relationalen Soziologie ergeFleck). Literatur: Albrecht, S. et al. (2005): \"Hier entsteht eine neue Internetpr\u00e4senz\" - Weblogs im Bundestagswahlkampf 2005. In: Schmidt, J.; Sch\u00f6nberger, K. und C. Stegbauer (Hg.): Erkundungen des Bloggens. Sozialwissenschaftliche Ans\u00e4tze und Perspektiven der Weblogforschung. Sonderausgabe von kommunikation@gesellschaft, Jg. 6. OnlinePublikation: www.kommunikation-gesellschaft.de (Stand: 04. M\u00e4rz 2008). Fischer, K., M. Florian and T. Malsch, Hg. (2004): Socionics: Its Contributions to the Scalability of Complex Social Systems. LNCS\/LNAI Lecture Notes in Computer Science, Lecture Notes in Artificial Intelligence. Berlin: Springer Verlag. Kr\u00e4mer, Sybille (2001): Sprache, Spr echakt Kommunikation. Sprachtheoretische Positionen im 20. Jahrhundert. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2001. Malsch, T., Hg. (1998): Sozionik. Soziologische Ansichten \u00fcber k\u00fcnstliche Sozialit\u00e4t. Berlin: Edition Sigma. Malsch, T.; Schlieder, C. (2004): Co mmunication without Agents? From AgentOriented to Communication-Oriented Modeling. In: Regulated Agent-Based Social Systems: First International Workshop, RASTA 2002, Bologna, Italy, July 16, 2002, Revised Selected and Invited Papers. Berlin: Springer. S. 113-133. Malsch, T. (2005): Kommunikationsanschl\u00fcsse. Zur soziologischen Differenz realer und k\u00fcnstlicher Sozialit\u00e4t. Wiesbaden: VS-Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften\/GWV Fachverlage GmbH. 8 Rasco Hertig-Perschke Malsch, T.; Schlieder, C.; Kiefer, P.; L\u00fcbcke , M.; Perschke, R.; Schmitt, M.; Stein, K. (2007): Communication Between Process and Structure: Modelling and Simulating Message-Reference-Networks with COM\/TE. The Journal of Artificial Societies and Social Simulation. Vol. 10 (1). http:\/\/jasss.soc. surrey.ac.uk\/10\/1\/9. html (Stand: 04. M\u00e4rz 2008). Perschke, R. und M. L\u00fcbcke (2005): Zukunft Weblog?! - Lesen, Schreiben und die Materialit\u00e4t der Kommunikation. Anmerkungen zu einem neuen Typus der OnlineKommunikation aus kommunikationstheoretischer Sicht. In: Schmidt, J.; Sch\u00f6nber-ger, K. und C. Stegbauer (Hg.): Erkundungen des Bloggens. Sozialwissenschaftliche Ans\u00e4tze und Perspektiven der Weblogforschung. Sonderausgabe von kommunikation@gesellschaft, Jg. 6. Online-Publikation: www.kommunikation-gesellschaft.de (Stand: 04. M\u00e4rz 2008). Wei\u00df, Gerhard (2002): Agent orientation in software engineering. In: Knowledge Engineering Review, 16.4. S. 349-373. Woolridge, M. (2000): Reasoning about Rational Agents (Intelligent Robotics and Autonomous Agents). Cambridge: MIT Press. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 9 Zusammenfassung. Der Begriff der Kommunikation ist und bleibt ein \"schwieriger\" Begriff. Trotz des Vorliegens zahlreicher Definitionen in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen gestaltet sich der forschende Umgang mit dem Ph\u00e4nomen der Kommunikation weiterhin als ein m\u00fchsames Unterfangen. Was ist \u00fcberhaupt Kommunikation? Und wer oder was kann kommunizieren (Mensch\/Maschine)? Gerade die Entwicklung eines allgemeinen Begriffes von Kommunikation sowie die Aufschl\u00fcsselung von Kommunikationsprozessen in ihre Letztelemente, d.h. die diskreten mer wieder Schwierigkeiten. In diesem \"schwebenden Zustand\" haben auch die Kommunikationsereignisse, und die Erkl\u00e4rung ihres Zustandekommens bereiten impattern-, ordnungs- und strukturbildenden Leistungen der Kommunikation bislang eine nur ungen\u00fcgende Bestimmung erfahren. Oft wird, mitunter auch vage, von \"Informations\u00fcbertragung\", \"Verstehen\", \"Koordination\" oder \"Vermittlung\" gesprochen, wenn es darum geht, Leistungen der Kommunikation zu beschreiben. Doch wie sind \"Verst\u00e4ndigung\", \"Vermittlung \" oder \"Koordination\" in weitl\u00e4ufigen Sozialsystemen erst m\u00f6glich? Welche Ro lle spielt die Aggregation von einzelnen im Folgenden gleichsam aus einer soziologKommunikationsereignissen in diesem Zusammenhang? Wie verdichten sich Kom-munikationen? Welche Formen k\u00f6nnen Aggregationen annehmen? Diesen Fragen soll ischen wie sozionischen Forschungsperspektive nachgegangen werden. 1. EINLEITUNG 1.1 Kommunikation - Ein \"schwieriger\" Begriff? \"Der Zweck der menschlichen Kommunikation ist, uns den bedeutungslosen Kontext vergessen zu lassen, in dem wir vollst\u00e4ndig einsam und inccommunicado sind, n\u00e4mlich jene Welt, in der wir in Einzelhaft und zum Tode verurteilt sitzen: die Welt der <>\" (Flusser 1996, S. 10) - diese nachdr\u00fccklichen Zeilen formulierte der bekannte Kommunikationsphilosoph Vil\u00e9m Flusser vor noch gar nicht allzu langer Zeit in seiner \"Kommunikologie\". Den Unterschied zwischen Natur und Kultur aufgreifend argumentierte Flusser, dass Kommunikation vor allem eines ist: k\u00fcnstlichen Charakters. Die Welt der Sprache und der Schrift mit ihren Codes und den in ihnen enthaltenen Symbolen einschlie\u00dflich der dazugeh\u00f6rigen Bedeutungen umgibt uns als 10 Rasco Hertig-Perschke eine \"Art zweiter Natur\" (ebd., S. 10), die es uns erst erm\u00f6glicht, dem Leben in uns und um uns herum Bedeutung beizumessen. Folgen wir Flusser, so m\u00fcssen wir festhalten, dass wir gar nicht anders k\u00f6nnen, als zu kommunizieren - wir sind gezwungen, mit anderen Menschen kommunikativ in Kontakt zu treten, uns gleichsam zu verst\u00e4ndigen, da es f\u00fcr den Einzelnen nicht nur schier unm\u00f6glich, sondern ebenso unertr\u00e4glich w\u00e4re, das Leben alleine meistern zu m\u00fcssen. Ein so wichtiger Vorgang wie der der Kommunikation bedarf also - und auch dieses kann hier mit Nachdruck festgehalten werden 2 - einer wissenschaftlichen Erkl\u00e4rung, und so nimmt es nicht Wunder, dass bis zum heutigen Tage eine Vielzahl von unterschiedlichsten B\u00fcchern, Texten und Beitr\u00e4gen erschienen sind, um die Frage zu beantworten, was Kommunikation ist, worauf sie beruht, warum sie m\u00f6glich ist, welche Formen sie annimmt usw.? Es ist allerdings auch die Vielfalt der gegebenen Antworten, die weiterhin den Eindruck entstehen l\u00e4sst, gerade die Kommunikationswissenschaft und die Soziologie h\u00e4tten es ihrerseits vers\u00e4umt, im Rahmen des M\u00f6glichen einheitliche, allgemein verbindliche und tragf\u00e4hige Definitionen zu schaffen. Ein Grund f\u00fcr die angesprochene Heterogenit\u00e4t d\u00fcrfte sicher in dem schon erw\u00e4hnten Umstand zu sehen sein, dass Kommunikation in ihren unterschiedlichen Formen Untersuchungsgegenstand einer gro\u00dfen Zahl von Disziplinen ist. Im Wesentlichen lassen sich drei Perspektiven auf Kommunikation unterscheiden: die naturwissenschaftliche, die sp rachwissen-schaftliche und die sozialwissenschaftliche Perspektive (vgl. hierzu auch Krallmann\/Ziemann 2001, S. 7 ff.). Im Laufe der Zeit haben Theorien und Modelle ebenso wie Begrifflichkeiten 3 au\u00dferdem eine \u00dcbertra2 Eine Ansicht, die sich zun\u00e4chst kaum, dann aber mit aller Kraft durchzusetzen vermochte. Kommunikationen sind allgegenw\u00e4rtig, sie k\u00f6nnen nahezu problemlos von jedermann ini-tiiert werden (die M\u00f6gl ichkeiten hierzu haben sich mit der Erschlie\u00dfung des World Wide Webs als Kommunikationsraum noch einmal betr\u00e4chtli ch erweitert) - Kommunikation scheint auf den ersten Blick also immer schon zu funktionieren. Nur: Was bleibt dann noch zu kl\u00e4ren? Klaus Merten hierzu: \"Das hatte zun\u00e4chst zur Folge, da\u00df Kommunikation als Erkenntnisgegenstand lange Zeit \u00fcberhaupt nicht zuge lassen wurde, weil man unterstellte, da\u00df das, was allt\u00e4glich is t und scheinbar problemlos funktioniert, auch problemlos erkl\u00e4rt werden kann, also wissenschaftlicher Analyse nicht lohnt. Das Problem liegt jedoch genau umgekehrt: Gera de weil Kommunikation so einfach und \u00f6konomisch einzusetzen ist, bleibt verdeckt, da\u00df deren Analyse ungemeine Schwierigkeiten mit sich bringt\" (Merten 1999, S. 15). 3 Vgl. zum Ph\u00e4nomen der \"Metaphernmigra tion\" auch Malsch, Florian, Jonas und SchulzSchaeffer 1998 sowie Malsch 1998. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 11 gung aus ihrem Ursprungskontext in andere Wissenschaftsbereiche erfahren 4, so dass sich der Eindruck der Un\u00fcbersic htlichkeit weiter versch\u00e4rfen muss 5. Im Falle der Soziologie kommt hinzu, dass es bislang - von Ausnahmen abgesehen - vers\u00e4umt wurde, den Prozess der Kommunikation gerade auf der Ebene der diskreten Kommunikationsereignisse einer detaillierten Betrachtung zu unterziehen, um gleichzeitig die hierbei gewonnenen Arbeitsergebnisse mit Blick auf einen allgemeinen Kommunikationsbegriff hin zu verdichten, der es erlauben w\u00fcrde, unterschiedliche Formen der Kommunikation, von der face-to-face-Interaktion \u00fcber schriftliche \u00c4u\u00dferungen bis hin zur Kommunikation im Netz in Vollzug, Form und Bestand n\u00e4her beschreiben zu k\u00f6nnen. Ge rade raumzeitlich \u00fcbergreifende, dynamische Kommunikationen verlangen nach neuen Mitteln der Beschreibung und Erkl\u00e4rung, und so d\u00fcrfte sich in Zukunft genau in diesem Punkt die heuristische und analytische Brauchbarkeit von Kommunikationsbegriffen und -theorien erweisen. F\u00fcr die soziale Welt zunehmend von Bedeutung ist als besondere Form der raumzeitlich \u00fcbergreifenden Kommunikation seit neuerem auch die \"Computer Medi-ated Communication\" (CMC) geworden. Zur CMC z\u00e4hlen nicht nur das Versenden und Empfangen von E-Mails zu gesch\u00e4ftliche n und privaten Zwecken, sondern auch das Lesen von und Schreiben in Diskussions- oder Mailinglisten, das In-KontaktTreten \u00fcber so genannte Newsgroups, die direkte Kommunikation via IRC (\"Internet Relay Chat\") und MUD (\"Multi User Dungeon\") 6 oder auch das Navigieren im WWW (World Wide Web), besser bekannt als \"Surfen\". 4 So spielt z.B. in den Sozialwissenschaften trotz aller bestehenden Unzul\u00e4nglichkeiten das \"Schema eines allgemeinen Kommunikationssystems\" von Shannon und Weaver immer wieder eine Rolle, wenn es darum geht, ein erstes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Ablauf und die Gerichtetheit von Kommunikation zu schaffen (vgl. hierzu z.B. Burkart\/H\u00f6mberg 1992, Krallmann\/Ziemann 2001sowie Burkart 2003). 5 Krallmann und Ziemann sehen in dieser Pl uralit\u00e4t von Paradigmen ein wichtiges Charakteristikum der Kommunikationswissenschaft, da es unterschiedliche Paradigmen der Kommunikationswissenschaft erst m\u00f6glich machen w\u00fcrden, Kommunikationsprozesse in ihren Mikro- und Makro-Dimensionen a ngemessen erfassen zu k\u00f6nnen (vgl. Krallmann\/Ziemann 2001, S. 18). Ob diese Plural it\u00e4t tats\u00e4chlich als forschungs-, und vor allem probleml\u00f6sungsf\u00f6rdernd eingesch\u00e4tzt werden sollte, sei hier zun\u00e4chst dahingestellt. 6 Im Falle des \"Internet Rela y Chats\" handelt es sich um Gespr\u00e4chsforen, die \u00fcber einzelne Kan\u00e4le organisiert sind. Us erInnen k\u00f6nnen, nach dem sie Zugang zu einem Kanal (bekommen) haben, die auf diesem Kanal ab laufende Kommunikation auf dem eigenen Bildschirm mitverfolgen, selbst neue Nachrichten \"posten\" und sich ebenso auch direkt an einzelne TeilnehmerInnen wenden (vgl. hierzu Maier, Wildberger 1995, S. 57). 12 Rasco Hertig-Perschke Es sind gerade diese Formen der Kommunikation, die neue Anforderungen an die soziologische Kommunikationstheorie stellen. Hat man es bei der Kommunikation unter Anwesenden immer sichtbar mit handelnden Personen zu tun, und lassen sich im Falle der \"\u00fcblichen\" Distanzkommunikation (z.B. Telefon oder Brief) noch Orientierung erm\u00f6glichende bzw. handlungsleitende Zurechnungen von Nachrichten auf Personen einigerma\u00dfen problemlos und verl\u00e4sslich bewerkstelligen, so stellt sich gleiche Situation mit Blick auf das World Wide Web um ein Vielfaches komplizierter dar (vgl. auch Malsch, 1, S. 1 ff.). Was auf unseren Computermonitoren zu sehen ist, sind ausschlie\u00dflich Mitteilungen und Nachrich ten. Hinweise auf ihre Absender bieten oft nur Mailadresse oder Nickname. Zwar ist und bleibt es uns unbenommen, uns die Autorin\/den Autor hinter der Nachricht vorzustellen, doch bereits hier sto\u00dfen wir auf erste Probleme. Wie k\u00f6nnen wir letztlich sicher gehen, dass wir es bei Nachrichten aus ein und derselben Quelle auch immer mit ein und demselben Autor bzw. ein und derselben Autorin zu tun haben? Wurden Nachrichten vielleicht nicht auch von einem \"intelligenten Softwareprogramm\", einem so genannten Agenten generiert; eines, das uns mit Neuigkeiten versorgt oder uns als \"operator\" im IRC unseren Platz zuweist (vgl. zu Letzterem u.a. auch Hinner 1998, S. 65 ff.)? Und inwiefern sind Nachrichten im Netz \u00fcberhaupt noch adressi ert, inwiefern \"streben\" sie danach, adressiert zu sein (so richten sich Messages in einem Chat oder einer Newsgroup in der Regel an alle Kommunikations-teilnehmerInnen, f\u00fcr die diese Nachricht einsehbar ist)? Und wie ist mit der Tatsache umzugehen, dass sich KommunikationsteilnehmerInnen immer wieder aus den im Web ablaufenden Kommunikationsprozessen \"verabschieden\", ihre \u00c4u\u00dferungen aber weiterhin Bestand haben, somit Anschl\u00fcsse m\u00f6glich machen und diese eventuell sogar aus sich selbst heraus erwirken k\u00f6nnen (vgl. Malsch und Schlieder in print, S. 3 f.)? Diese neue, un\u00fcbersichtliche Lage d\u00fcrfte auch die soziologische Kommunikationstheorie, zumindest aber die Soziologie des Internets, in naher Zukunft dazu zwingen, im Rahmen des Versuchs der Rekonstruktion von Kommunikationsprozes-sen neue Wege zu gehen. Insbesondere hochskalierte Kommunikationsprozesse im Web bed\u00fcrfen eines neuen kommunikationstheoretisch-deskriptiven Vokabulars, um sie angemessen erfassen und in ihrem Ablauf und ihrer Struktur beschreiben zu k\u00f6n-nen. Bei den verschiedenen KommunikationsteilnehmerInnen anzusetzen, um Kommunikationen in ihrem Ablauf, in ihrer Ereignishaftigkeit, in ihrer Funktion und MUDs hingegen sind Online-Spiele, in deren Rahmen die MitspielerInnen einen \"Character\" \u00fcbernehmen, der mit anderen Figuren in Verbindung treten kann (vgl. ebd., S. 59 f.). Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 13 bez\u00fcglich ihrer Wirkungen erfassen zu k\u00f6nne n, erscheint nur einseitig erfolgversprechend. Statt dessen gilt es, gerade vor dem Hintergrund der skizzierten Gegebenheiten und der sich weiterhin ver\u00e4ndernden Problemlage, einzelne Kommunikationsereignisse direkt in den Blick zu nehmen und sich unmittelbar an der sichtbaren Seite der Kommunikation, den Mitteilungszeichen, abzuarbeiten, um N\u00e4heres \u00fcber Prozesse der Kommunikation in Erfahrung bringen zu k\u00f6nnen (vgl. Malsch, 5, S. 1 ff.). Die in den vorhergehenden Abs\u00e4tzen angerissenen Fragen und Probleme, so die These des vorliegenden Beitrages, sind im Be sonderen auch f\u00fcr di e sich seit 1999 in der Bundesrepublik etablierende Forschungsrichtung der Sozionik von einiger Bedeutung. Als Forschungsfeld zwischen Soziologie und Verteilter K\u00fcnstlicher Intelligenz (VKI) besch\u00e4ftigt sich die Sozionik vor allem mit Fragen der computergest\u00fctzten Simulation gesellschaftlicher Ph\u00e4nomene und Strukturen, der Modellierung und Verfeinerung soziologischer Theorie und begleitet vorbereitend sowie kritisch die Entwicklung und fortlaufende Verbesserung k\u00fcnstlicher Sozialsysteme, welche von autonomen Software-Agenten \"bev\u00f6lkert\" werden. Im Mittelpunkt der Multiagentenforschung steht insbesondere die Frage, wie es gelingen kann, Softwareagenten ein H\u00f6chstma\u00df an Autonomie in ihrem Handeln zu gew\u00e4hren, ihnen gleicherma\u00dfen aber auch die F\u00e4higkeit zu geben, sich im Hinblick auf die L\u00f6sung von Problemen, die \u00fcber die Probleml\u00f6sungskapazit\u00e4ten einzelner Agenten hinaus gehen, verst\u00e4ndigen, abstimmen und unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Diese Software-Agenten werden zur Zeit noch oft genug als autonome Entit\u00e4ten konzipiert, die ihr Handeln an eigenen Absichten (BDI-Architektur) und Repr\u00e4sentationen ihrer Umwelt orientieren und sich zu Zwecken der Handlungskoordination einer bestimmten Anzahl m\u00f6glicher Sprechakte bedienen, welche Bestandteil einer vordefinierten Agentensprache sind (vgl. Malsch, 6, S. 11). Diese Sprachen orientieren sich in \"lockerer Interpretation\" dementspre-chend auch an den Vorgaben der Spre chakttheorie, wie sie im Bereich der Sprachphilosophie z.B. von John L. Austin und John R. Searle entwickelt wurde. Somit gilt f\u00fcr die Agentenkommunikation in der Regel bislang: \"(...) agent communi-cation is conzeptualized as an illocutionary act of a speaker (sender) who sends a message aiming at influenci ng the addressee's (receivers ) intentions and actions\" (Malsch und Schlieder in print, S. 2 f.). Die wesentlichen Schwierigkeiten dieser Architektur liegen, denken wir z.B. kurz an die eingangs beschriebenen neuen For-men der Internet-Kommunikation zur\u00fcck, darin, dass sie bisher in nur ungen\u00fcgender Form mit Blick auf die Erweiterung der Kommunikationsm\u00f6glichkeiten von Agenten Mitteilungen und Nachrichten erlauben kann , die unabh\u00e4ngig von einer dialogischen Kommunikationssituation allgemein sichtbar im Modus des \"To Whom It May Concerns\" publiziert werden, um so Koordinationsprozesse zu verbessern. Zwar gibt es 14 Rasco Hertig-Perschke Ans\u00e4tze und L\u00f6sungen, die in eine entsprechende Richtung weisen (vgl. so z.B. den \"Communication Based Social System Mirror\" von Kai F. Lorentzen und Matthias Nickles (2002), der zu den so genannten \"Blackboard-Architekturen\" gez\u00e4hlt werden kann, oder auch die \u00dcberlegungen Frank Schweitzers und J\u00f6rg Zimmermanns (2001) zu Agentenkommunikation und Selbst-Organisation in komplexen Systemen), sich in ihren Grundlagen aber kaum an den (neuen) Charakteristika der in menschlichen Gesellschaften ablaufenden Prozesse der (Online-Massen-)Kommunikation orientiegrundlegendes Verstehen von zugkr\u00e4ftigen Kommunikationsprozessen in modernen ren. Eine zweite These dieses Beitrages muss dementsprechend lauten: Erst ein Gegenwartsgesellschaften (und hierzu ist die Online-Kommunikation eindeutig zu z\u00e4hlen) kann helfen, \u00fcber eine anschlie\u00dfende praktische Verwertung der gewonnenen Erkenntnisse auch die Kommunikationsm\u00f6glichkeiten in k\u00fcnstlichen Sozialsystemen zu verbessern. Mit Blick auf das \"Agent-Oriented Modeling\" (AOM) ist anzumerken, dass m\u00f6gliche weitl\u00e4ufige und verstreute Referenzen in der Agentenkommunikation noch keine besondere Rolle spielen. Der Austausch von Nachrichten wird in der Regel anhand des Modells der Interaktionsdyade konzipiert. Schlie\u00dflich kommt, die Modellierung von hochskalierten Kommunika tionsprozessen ins Auge fassend, hinzu, dass BDI-Architekturen derzeit keine Chancen bieten, Kommunikationen zu simulieren, in denen nicht bekannt ist, welche Absichten die einzelnen KommunikationsteilnehmerInnen mit ihren Kommunikationen verbinden. Laufen Kommunikationen vor allem themen- oder problemorientiert ab, so kann aus den einzelnen \u00c4u\u00dferungen (utterances) der kommunizierenden Akteure in der Regel nur selten eindeutig auf die Intentionen der am Prozess beteiligten Akteure geschlossen werden - sollten sich solche Intentione n in diesen Zusammenh\u00e4ngen \u00fcberhaupt unmittelbar feststellen lassen k\u00f6nnen. Sie k\u00f6nnen somit nicht mitmodelliert werden, sofern nicht die Entscheidung f\u00fcr ein \"generalisiertes Akteurmodell\" getroffen wird. Selbst wenn Daten zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden, d\u00fcrfte eine Simulation auf Basis des \"Agent-Oriented Modeling\" an (noch) nicht zu \u00fcberwindende Grenzen sto\u00dfen, da technische Restriktionen es nicht erlauben w\u00fcrden, ohne Weiteres eine beliebig gro\u00dfe Anzahl von Agenten zu einem Multiagentensystem zusammenzufassen und simultan vollkommen autonom handeln und kommunizieren zu lassen, und ihnen so die Chance zu geben, mit einer m\u00f6glichst gro\u00dfen Zahl von anderen Agenten \"durch die Bank hinweg\" in Kontakt treten zu k\u00f6nnen. Es bleibt, in Anlehnung an Ausf\u00fchrungen von Thomas Malsch und Christoph Schlieder, erneut folgender Vorschlag zu machen: \"Agent-Oriented Modeling\" in der VKI ist in Zukunft durch soziologisch vorzubereitendes \"Communication-Oriented Modeling\" (COM) zu unterst\u00fctzen und zu erg\u00e4nzen (vgl. zur skizzierten Problemlage ausf\u00fchrlich Malsch und Schlieder in print, S. 2 ff.). Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 15 Kommen wir noch einmal kurz auf das Thema \"menschliche Kommunikation im Web\" zu sprechen, so ergeben sich aber dennoch aufgrund des mittlerweile erreichten Standes in der softwaretechnischen Entwicklung von autonomen Agentenprogrammen weitere Fragen, die auch die soziologische Kommunikationstheorie \u00fcber kurz oder lang betreffen d\u00fcrften. Wie muss nicht nur die Internetkommunikation zwischen raumzeitlich verteilten Akteuren in Zukunft begrifflich gefasst werden, sondern wie ist des Weiteren mit der Tatsache umzugehen, dass KommunikationsteilnehmerInnen bei ihren Streifz\u00fcgen im Web immer h\u00e4ufiger mit Agenten in Kontakt treten werden (\"Hybridit\u00e4t\" von Systemen und \"Semantic Web\" lauten hier die Stichworte)? Und, vor dem Hintergrund dieser Entwicklung aus soziologischer wie sozionischer Perspektive gefragt: W\u00e4re es vielleicht nicht an der Zeit, auf einen Kommunikationsbegriff hinzuarbeiten, der es uns erm\u00f6glicht, gleicherma\u00dfen die Kommunikation zwischen in der Interaktion Anwesenden, die Kommunikation in sozialen Systemen, zwischen Mensch un d Softwareprogramm\/Maschine sowie zwischen Agent und Agent zumindest in ihren Grundz\u00fcgen einheitlich erfassen zu k\u00f6nnen? 1.2 Die Kondensation\/Aggregation disk reter Kommunikationsereignisse als Forschungsfrage der Soziologie und des \"COM\" Ziel der vorliegenden Gedankenskizze ist es, bestimmte, von gesellschaftlicher Kommunikation fortlaufend erbrachte Muster-, Ordnungs- und Strukturbildungsleis-tungen einer genaueren Betrachtung zu unterziehen, um hieraus R\u00fcckschl\u00fcsse f\u00fcr die detaillierte und formalisierte Beschreibu ng von Kommunikationsereignissen und prozessen gewinnen zu k\u00f6nnen. Es sind gerade die verschiedenen Formen bzw. Arten der Kondensation und\/oder Aggregation 7, die in hochskalierten und un\u00fcbersichtlichen 7 Beide Begriffe sollen im hier zu beha ndelnden thematischen Zusammenhang gem\u00e4\u00df der explorativen Ausrichtung des Textes zun\u00e4chst in allgemeinster Form verstanden werden. Die \"Kondensation\" ist dementsprechend als eine \"Verdichtung\" des Mitteilungsgeschehens\/von Mitteilungen zu verstehen, w\u00e4hre nd wir \"Aggregationen\" als Vereinigungen von einzelnen Mitteilungen\/Mitteilungsgehalten zu einem gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang, aber auch als Zusammenf\u00fchrung von Mitteilungsgehalten in neuen Mitteilungen oder in spezifischen Mitteilungszeichen auffassen wollen. In der Mathematik bezeichnet der Begriff der \"Aggregation\" mehrgliedrige Ausdr\u00fccke, deren einzelne Glieder durch das Additi-ons- und das Subtraktionszeichen miteinander verkn\u00fcpft sind; in der Elektrotechnik einen Maschinensatz, der aus zusammenwirkenden Einzelmaschinen besteht (vgl. zur Wortbe- 16 Rasco Hertig-Perschke Kommunikations- und Diskussionsprozessen \u00fcber eine h\u00f6here soziale Sichtbarkeit 8 verf\u00fcgen und h\u00f6here Wahrscheinlichkeiten des Anschlusses nachfolgender Kommunikationen bzw. Mitteilungen an die von ihnen kolportierten Inhalte \"f\u00fcr sich verbuchen\" k\u00f6nnen, mithin also der Zukunft der Inzeption zugewandt helfen, Anschl\u00fcsse im Kommunikationsprozess z\u00fcgig folgen zu lassen, um den Fortgang der Kommunikation zu sichern. Hier wird bereits deutlich, dass Kommunikationsverl\u00e4ufe wie Diskussionen und Diskurse durch eine hohe Dynamik, durch eine in vielen F\u00e4llen immer wieder neu entstehende Differenz zw ischen ihrem statisch en und dynamischen Sein gekennzeichnet und getragen we rden. Hierzu jedoch sp\u00e4ter mehr. Des Weiteren wird im Verlauf der nachfolgenden Ausf\u00fchrungen zu zeigen sein, wie auf der Basis empirisch und theoriegeleitet gewonnener Einsichten eine Modellierung von Aggregationen in Kommunikationsprozessen, gerade mit Blick auf die bisher ihm Rahmen des \"Communication-Oriented Modeling\" gewonnenen Ergebnisse, m\u00f6glich wird bzw. ist. Zielsetzung und Arbeitsvorhaben sind somit nicht nur Ausdruck eines ausschlie\u00dflich soziologischen Erkenntnisinteresses, sondern lassen sich, wie schon angedeutet, unmittelbar im Forschungsfeld der Sozionik verorten. Im Zentrum der Untersuchungen steht die Frage, wie es, vom diskreten Kommunikationsereignis ausgehend, im Verlauf von Kommunikationen zu einer relativ dauerhaften Verkn\u00fcpfung von Nachrichten und Mitteilungszeich en zu \u00fcbergeordnet-wirkungsm\u00e4chtigen Aggregationen von Kommunikationen bzw. zu einer Verdichtung von Kommunikationsinhalten (auch in einzelnen Nachrichten) kommen kann und welche M\u00f6glichkeiten bestehen, diese spezifische Leistung der Kommunikation m\u00f6glichst detailliert zu beschreiben und zu visualisieren\/modellieren. Die Ausarbeitung verfolgt ein doppeltes Ziel, welches f\u00fcr das Forschungsfeld der Sozionik als typisch angesehen werden kann. Die Erkenntnisse soziologischer Kommunikationstheorie nutzend sollen Kom-munikationsereignisse, -prozesse und -strukturen visualisiert und modelliert werden, deutung beider Fremdw\u00f6rter DUDEN 1997, S. 38 und S. 433). Ob und inwiefern sich die beiden Begriffe mit Blick auf zu beschreibende und zu erkl\u00e4rende Kommunikationsprozesse grunds\u00e4tzlich trennscharf verwenden lassen, wird noch zu pr\u00fcfen sein. In der Soziologie wird der Begriff \"soziale s Aggregat\" h\u00e4ufig genutzt, um \"relativ strukturlose Anh\u00e4ufungen, Mengen, Massen oder Gesamtheiten v. Individuen\" zu bezeichnen, \"zw. denen trotz (vor\u00fcbergehender) r\u00e4umliche r N\u00e4he keine oder nur in beschr\u00e4nktem Ma\u00dfe soziale Kontakte bestehen (...)\". Dar\u00fcber hinaus bedeutet Aggregation als Verfahren die zusammengefasste Betrachtung von Einheiten mit einem oder mehreren identischen Merkmalen (Hartfiel, Hillmann 1982, S. 11). 8 Vgl. zum Konzept der \"sozialen Sichtbarkeit\" von Mitteilungszeichen\/Nachrichten: Malsch und Schlieder in print, S. 9 ff. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 17 um mit Hilfe der Modellierung und im Zuge der in ihrem Zusammenhang n\u00f6tigen Komprimierungen und Reduktionen Ungenauigkeiten einzelner theoretischer Aussagen und Inkonsistenzen des theoretischen Gesamtzusammenhanges aufdecken zu k\u00f6nnen (vgl. z.B. von L\u00fcde, Moldt und Valk 2003, S. 3). Als ein weiterer Arbeitsschritt der sozionischen Forschung w\u00e4ren dann computergest\u00fctzte Simulationsl\u00e4ufe (vgl. so z.B. Papendick und Wellner 2002; Kron und Dittrich 2002 sowie Malsch und Schlieder in print) zu nennen, die ebenfalls - aber nicht nur - der Kritik und Reifizierung von Theorie dienen. Visualisierungen und Modellierungen soziologisch-theoretischer Aussagen, wie si e auch in diesem Text enthalten sind, haben die Funktion, Simulationsl\u00e4ufe vorzubereiten und Modelle m\u00f6glicher Abl\u00e4ufe bereitzustellen. Schlie\u00dflich k\u00f6nnen sozionische Forschungsergebnisse auch wertvolle Anregungen f\u00fcr die Entwicklung informatischer Anwendungen bieten. In diesem Zusammenhang w\u00e4re u.a. auf die Problematik des verteilten Problemsl\u00f6sens in der VKI sowie auf die hinzuweisenEntwicklung intelligenter Software-Agenten und hochskalierter Multiagentensysteme 9. Zur Bedeutung, und in diesem Sinne vor allem zur Frage des \"Warums?\" der Modellbildung in der Soziologie, sind an di eser Stelle kurz noch einige Worte zu verlieren, steht die Modellierung doch fortlaufend in der Kritik, in ihrem reduktionistisch ausgerichteten Vo rgehen zu \u00fcbersehen, dass sich soziale Ph\u00e4nomene, Dynamiken und Strukturen aufgrund ihrer immensen Komplexit\u00e4t nur in \"nat\u00fcrlichsprachlicher\" Weise, als Text, sozialwi ssenschaftlich angemessen darstellen und analysieren lie\u00dfen. Folgendes ist, anders gefasst, eigentlich entscheidend: gerade in der Auseinandersetzung mit diesen Texten entfaltet die Modellierung 10 eine besondeFormalisierung lassen sich, wie bereits re Kraft. Mit Hilfe von Modellierung und 9 Siehe hierzu, gerade zur Modellierung, de n von Thomas Malsch herausgegebenen Sammelband \"Sozionik. Ansichten \u00fcb er k\u00fcnstliche So zialit\u00e4t\" (1998). 10 Modelle sind \"(...) abstrakte Darstell ungen von Ausschnitten der Realit\u00e4t\" (Ferber 2001, S. 163). Werden im Folgenden Modelle einzelner Kommunikationsprozesse entwickelt, so ist vor allem eines zu beachten: die Realit\u00e4tsad\u00e4quanz der M odellierung. Worum es erkundend gehen muss ist, trotz vorzunehmender Abstraktionen die \"Wesensz\u00fcge\" des interessierenden Gegenstandes\/Gegenstandsbereiches in Orientierung an seinen immanenten Eigenschaften weiterhin richtig abzubilden. Eine umsichtige Vorgehensweise setzt deshalb voraus, mit informalen Modellierungen, insbesondere auch grafischen Visualisierungen zu beginnen, um sich interessierenden Gegenst\u00e4nden bzw. Sachverhalten n\u00e4hern zu k\u00f6nnen. Auf Basis so lcher Modellierungsvorschl\u00e4ge ist schlie\u00dflich zu pr\u00fcfen, inwiefern zu gegebenen Zwecken weitere Modellierungen und dann auch vor allem Formalisierungen (z.B. zu Zwecken der Computersimulation) realisiert werden k\u00f6nnen. 18 Rasco Hertig-Perschke erl\u00e4utert, Inkonsistenzen soziologischer Theorie aufdecken (Beispiele hierf\u00fcr bieten u.a. die Analysen von von L\u00fcde u.a., 2003), mit dem Ziel, begrifflich-analytische Instrumente zu pr\u00e4zisieren und den soziologischen Blick zu sch\u00e4rfen. Ferner besitzt die Modellbildung auch f\u00fcr die empirische Sozialforschung grunds\u00e4tzliche Bedeutung, erm\u00f6glicht sie doch eine weiterf\u00fchrende Auseinandersetzung mit empirisch gewonnenen Daten. In Anlehnung an Klaus Troitzsch lassen sich Modelle so als Ergebnis der Beobachtung von Realit\u00e4tsausschnitten verstehen (vgl. M\u00fcller-Benedict 2003, S. 21 ff.). Da Modelle sowohl der unmittelbaren Realit\u00e4tsbeschreibung wie auch der formalisierend-mikroperspektivistischen Theoriepr\u00fcfung und -bildung dienen k\u00f6nnen, h\u00e4lt Volker M\u00fcller-Benedict in seinem gerade erst k\u00fcrzlich erschienenen Aufsatz \"Modellierung in der Soziologie\" auch folgerichtig fest: \"Modelle stehen demnach irgendwo zwischen Theorie und Empirie\" (ebd., S. 22). Und, so w\u00e4re immer hinzuzuf\u00fcgen: \"Leisten einen wichtigen Beitrag zur Erweiterung und Verbesserung des methodischen 'Werkzeugkastens' der Soziologie\". Nach wie vor stellt sich im hier inte ressierenden Zusammenhang die Frage, worum es sich bei \"Aggregationen\"\/Kondensationen\" von diskreten Kommunikationsereignissen bzw. kommunikativen Gehalten handeln k\u00f6nnte, blieb eine n\u00e4here Bestimmung des Begriffs bzw. seines Inhaltes bislang doch aus. Als einfaches Beispiel f\u00fcr eine Aggregation von Kommunikationsinhalten l\u00e4sst sich zun\u00e4chst die simultan-verkn\u00fcpfende bzw. rekursiv-verkn\u00fcpfende Rezeption verschiedener Mitteilungszeichen nennen, die im Falle eines erfolgenden kommunikativen Anschlusses in einer neuen Inzeption, d.h. in der Produktion einer Anschlussmitteilung m\u00fcndet. Eine zusammenfassende Rezeption von Mitteilungen l\u00e4sst sich schon oft genug f\u00fcr dialogisch strukturierte Kommunikationen annehmen, vorausgesetzt, eine Kommunikationssequenz ist in ihrem Verlauf in der Zeit bereits fortgeschritten. Im Anschluss an die vorhergehende \u00c4u\u00dferung alters kann ego jetzt rezipieren und inzipieren, ohne nur auf den Inhalt der unmittelbar vorausgehenden Nachricht Bezug nehmen zu m\u00fcssen. Vielmehr besteht die M\u00f6glichkeit, aus dem im Interaktionsverlauf bisher Gesagten eigene thematische La gen, Verweisungszusammenh\u00e4nge oder Informationsgehalte herauszupr\u00e4parieren bzw. abzuleiten. Und des Weiteren darf nicht vergessen werden, dass beide Interaktionspartner, d.h. genauer - ihre Kommunikati-onen -, generell in weitere Zusammenh\u00e4nge eingebunden bleiben (wir folgen Niklas Luhmann und sehen im sozialen System der Weltgesellschaft den schlie\u00dflich umfassendsten existierenden kommunikativen Zusammenhang), deren Ereignisse und Ergebnisse als Infrastruktur den Dialog speisen. Dementsp rechend l\u00e4sst sich Aggregation zun\u00e4chst also als spezifische Leistung an der Kommunikation beteiligter Bewusstseinssysteme beschreiben, erm\u00f6glicht durch strukturelle Kopplung und Inter- Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 19 penetration (Sprache), begrenzt durch Wahrnehmungskapazit\u00e4ten (Reichweite der eigenen Perspektive auf Kommunikation) und Erinnerungsverm\u00f6gen. Dialoge zwischen Anwesenden als Ausgangspunkt nehmend lassen sich weitere Aggregationen von Kommunikationsereignissen bzw. Inhalten entdecken, deren Existenz, einfach formuliert, darin begr\u00fcndet liegt, dass es unterschiedliche Arten von Kommunikation gibt, nicht nur im Hinblick auf ihren Verlauf (Schlie\u00dft sich Aussage an Aussage an; gibt es l\u00e4nger andauernde Unterbrechungen? Spalten sich Kommunikationszusammenh\u00e4nge in parallel verlaufende Sequenzen auf?), sondern gerade auch im Hinblick auf ihren Endzustand. Es handelt sich hierbei um Aggregationen, die nicht notwendigerweise in der Individualrezeption zustande kommen bzw. als Ergebnisse von Individualrezeptionen zu verstehen sind. Kurz und b\u00fcndig, mit R\u00fcckbezug zum schon angedeuteten Sinngehalt formuliert: Kommunikationen k\u00f6nnen (noch) ergebnisoffen sein oder bereits zu einem Ergebnis (auch ein Abbruch der Kommunikation kann als ein Ergebnis gelesen werden; sp\u00e4tere Wiederaufnahme des Prozesses nicht ausgeschlossen, dann aber unter anderen Voraussetzungen) gef\u00fchrt haben. Ist Letzteres der Fall, so interessieren im Rahmen eines neuerlichen kommunikativen Anschlusses kaum noch die einzelnen Mitteilungen bzw. ihre Inhalte, welche im Laufe des Kommunikationsprozesses f\u00fcr seinen Fortgang bisher eine wichtige Rolle gespielt haben. Angeschlossen wird an das bereits vorliegende Kommunikationsergebnis; ein erneutes Rezipieren, Thematisie ren, \"ins soziale Ged\u00e4chtnis\"-Rufen oder gar Reflektieren einzelner vergangener Kommunikationsereignisse w\u00fcrde den neuen Prozess nur unn\u00f6tig mit zus\u00e4tzlichem Ballast anreichern, der den Zeitaufwand f\u00fcr Kommunikation erh\u00f6ht, mithin also die Bedeutung des Kommunikationsergebnisses wiederum schm\u00e4lert und die Kommunikation verlangsamt. Das \"Mitschleppen\" eines Zuviels an bereits Mitgeteiltem bindet, bezieht man die an Kommunikationen struktu-rell gekoppelten Bewusstseinssysteme in die Betrachtung mit ein, zu schnell Kapazit\u00e4ten der Wahrnehmung, die infolge der Besch\u00e4ftigung mit Redundantem nicht mehr anderweitig zu r Verf\u00fcgung stehen 11. Als ein Beispiel f\u00fcr Kommunikationsprozesse die in einem Ergebnis enden, lassen sich u.a. Verhandlungen nennen. Was hier 11 Wer schon einmal an einer Online-Diskussion teilgenommen hat, wei\u00df wovon hier die Rede ist. Ist das direkte Zitieren einzelner Aussagen aus vorangegangenen Messages oftmals noch hilfreich, um dem Leser der eigenen Nachricht ein schnelleres Verst\u00e4ndnis der anschlie\u00dfenden \u00c4u\u00dferungen zu erm\u00f6glichen, f\u00fchrt ein Zuviel des Zitierens hier hingegen zu einer unn\u00f6tigen Bindung von Rezeptionskapazit\u00e4ten, da der Rezipient, sofern dieser die Diskussion am Monitor schon verfolgt hat, bereits Gelesenes zumindest erneut \"scannen\" muss, um den f\u00fcr ihn passenden \"Einstieg\" zu finden. 20 Rasco Hertig-Perschke mit Blick auf die Interaktionssequenz z\u00e4hlt, ist letztlich die Einigung am Ende des Prozesses. Anschlusswahrscheinlichkeiten einzelner Ereignisse, die zum Ergebnis gef\u00fchrt haben, treten dahinter zur\u00fcck. Was auch immer folgt muss dann, sofern nicht das Zustandekommen des Verhandlungsergebnisses an sich in Frage gestellt wird (reflexive Kommunikation), auf das Ergebnis Bezug nehmen, will es seinerseits verbessert anschlussf\u00e4hig sein. Hierf\u00fcr sorgen vor allen Dingen auch die verschiedenen, in Interaktions-, Organisations- und Funktionssystemen sowie im gesellschaftlichen Gesamtsystem greifenden und die einzelnen Kommunikationsprozesse begleitenden Regelm\u00e4\u00dfigkeiten und Regeln, die auch im Falle von Verhandlungen Anschl\u00fcsse konditionieren (vgl. zur Frage von Regeln und Regelm\u00e4\u00dfigkeiten, insbesondere mit Blick auf die Entwicklung k\u00fcnstlicher Sozial systeme Schulz-Schaeffe r 2003, S. 1 ff.). Da die Episodenbildung in Kommunikationsprozessen ein voraussetzungsreiches und spezifisch-komplexes Thema ist, welches im Besonderen auch temporaltheoretische Fragestellungen ber\u00fchrt, k\u00f6nnen im Folgenden lediglich grunds\u00e4tzliche Anmerkungen zur Episodenbildung gemacht werden. Das Zustandekommen von \"Ergebnissen\" als eine Form der Aggregation wird aber gl eichsam Thema sein. Weitere Fragen zur Episodenbildung sind in einem anderen Zu sammenhang gesondert zu verhandeln (vgl. Perschke, WP 2 2004, Version: 16.02.2004). Als ein vorerst letztes Beispiel f\u00fcr die Aggregation von Kommunikationen bzw. Aggregation in Kommunikationen seien Diskurse genannt. Diskurse lassen sich, an dieser Stelle den \u00dcberlegungen Michel Foucaults folgend, kommunikationstheoretisch prononciert als \"geregelte Verkn\u00fcpfungen oder Formationen von Aussagen (\u00e9nonce)\" betrachten, die in ihrem prozessualen Ablauf der \"Konstruktion von Wirklichkeitsdeutungen\" dienen (Knoblauch 2001, S. 211). Entscheidend ist, dass Diskurse nicht einfach nur aus im Rahmen von diskreten Kommunikationsereignissen zustande kommenden Aussagen bestehen, sondern zus\u00e4tzlich \"aus ihrer Mitte heraus\" neue Objekte hervorbringen und in der Verbindung von \u00c4u\u00dferung, Regel und Macht Anschl\u00fcsse konditionieren k\u00f6nnen 12. Ein Diskursteilnehmer\/eine Diskursteilnehmerin kann f\u00fcr sich entscheiden, eine Mitteilung im Rahmen des Diskurses zu plazieren (die Mitteilung weist sich in Referenz zu an deren Mitteilungen als zum Diskurs geh\u00f6rend aus); der sich im (m\u00f6glichen) weiteren Verlauf der diskursiven Kommunikation je-doch erst ergebende Verweisungszusammenhang von Aussagen macht in der ihm innewohnenden Kraft zur (Re-)Definition (wir haben es hier mit der \u00e4u\u00dferen Form der Machtwirkungen von Kommunikation zu tun) erst deutlich, ob eine neue \u00c4u\u00dfe12 Die \" Materialit\u00e4ten generierende Kraft\" von Diskursen (Bublitz 2003, S. 3 Hervorh. im Original) wird an anderer Stelle noch eingehender zu thematisieren sein. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 21 rung im Kontext tats\u00e4chlich anschlussf\u00e4hig ist und bleibt. Als besondere Formen der Aggregation von nicht selten auch heterogenen Mitteilungen und Beitr\u00e4gen zeichnen sich Diskurse dadurch aus, dass sie sich aus einer gro\u00dfen Zahl verschiedener kommunikativer Aktivit\u00e4ten speisen k\u00f6nnen und wie jeder Prozess der Kommunikation von einem permanenten \"Hin- und Herlaufen\" od er auch \"Durchlaufen\" in ihrem Bestand zugleich ersch\u00fcttert und erhalten werden, so dass eine Unterscheidung von Struktur und Dynamik, die vor allem im Hinblick auf die Erkl\u00e4rung von emergenten OrdnunFunken 1998), f\u00fcr den Diskurs hinf\u00e4llig ist.gen in der Soziologie immer wieder eine Rolle gespielt hat und spielt (vgl. Ellrich und Ein wesentliches Charakteristikum von Diskursen ist, dass sie grunds\u00e4tzlich zwis chen Zust\u00e4nden \"geregelter Ordnung\" und \"ungeregelter Ereignishaftigkeit\" pendeln; und dieses macht ihre Erfassung schwierig, l\u00e4sst eine Bestimmung ihres Fokus oft problematisch erscheinen: \"Diskurse bewegen sich >irgendwo< zwischen geregelter Ordnung und ungeregelter Ereignishaftigkeit. Sie stellen >>Ordnungsgitter zweiten Grades<< zwischen Struktur und Ereignis, zwischen koh\u00e4renter Einheit und einer sy stematisch unbezwingbaren Vervielf\u00e4ltigung multipler Redezusammenh\u00e4nge dar (...)\" (Bublitz 2003, S. 49). Auf den Diskursbeg-riff und die inneren Eigenschaften von Diskursen wird zur\u00fcckzukommen sein. Zu kl\u00e4ren ist im Weiteren, das bis hierhin Er\u00f6rterte noch einmal Revue passieren lassend also, wie es in Kommunikationsprozessen zur Verdichtung thematischer Ge-halte, d.h. zur gesonderten Herausstellung von \"Resultaten\" eines, wie auch immer verlaufenden und sich in seiner Gestalt entwickelnden Kommunikationsprozesses und somit zur Erh\u00f6hung der \"sozialen Visibilit\u00e4t\" von bestimmten Inhalten der Kommunikation kommen kann. In diesem Zusammenhang wird u.a. zu untersuchen sein, in welchem Ma\u00dfe die Kondensation\/Aggregation von Kommunikationsgehalten eine Leistung ist, die in Prim\u00e4rprozessen ab er auch im Rahmen von Beobachtungskommunikation erbracht wird. 1.3 Kommunikationstheoretische Voraussetzungen der Modellierung Modellierung und Simulation empirisch beobachtbarer, allt\u00e4glicher Ph\u00e4nomene wie z.B. der Kommunikation setzen, ebenso wie die Modellierung und Simulation von nur mit wissenschaftlichem Instrumentarium zu erschlie\u00dfenden und sichtbar zu machenden sozialen Strukturen und Dynamiken, den R\u00fcckgriff auf und den R\u00fcckbezug zur (soziologischen) Theorie voraus. Theorien treten in der Soziologie in unterschiedlicher Form auf und stellen ihren Anwender nicht selten vor spezifische Probleme. Gr\u00fcnde hierf\u00fcr sind \u00fcber das Problem der unterschiedlichen Reichweite von Theorien 22 Rasco Hertig-Perschke hinaus auch darin zu sehen, dass bestimmte, im weitesten Sinne als soziologische (Teil-)Theorien ausgewiesene Systeme von zusammengeh\u00f6rigen Aussagen aufgrund ihrer Anlage oftmals weniger der Explikation und Prognose von Entwicklungen und Zust\u00e4nden dienen, daf\u00fcr aber vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten der Klassifikation bereithalten. Auf diese Probleme kann hier indes nicht weiter eingegangen werden. Wir m\u00fcssen uns zun\u00e4chst damit begn\u00fcgen, dass der Begriff der Theorie im allgemeinen Sinne Systeme von untereinander zusamme nh\u00e4ngenden Aussagen bezeichnet. Sobald Theorien konzipiert werden, um soziale Ph\u00e4nomene m\u00f6glichst genau erkl\u00e4ren, und eventuell auch in ihrer Entstehung und ih rem Verlauf vorhersagen zu k\u00f6nnen, wird von Bedeutung, in welchem Ma\u00dfe es erforderlich und auch maximal m\u00f6glich ist, ein vorliegendes System von Aussagen zu spezifi zieren und hinsichtlich seiner logischen Konsistenz zu pr\u00fcfen. Im streng methodologischen Sinne der empirischen Sozialforschung lassen sich n\u00e4mlich, dieses sei hier allerdings am Rande bemerkt, nur jene Systeme von Aussagen als Theorien verstehen, die eine Reihe unabh\u00e4ngiger Aussa-gen (so genannter Axiome) enthalten, aus denen sich schlie\u00dflich weitere Aussagen konkret: Gesetze und Theoreme - in Anwendung zuvor bestimmter Regeln ableiten kommend soll im Rahmen eines kurzen \u00dcberblickes nur von Interesse sein, welche lassen (vgl. Friedrichs 1990, S. 62 ff.). Auf das Thema \"Kommunikation\" zur\u00fcckArten von Kommunikationstheorien die moderne Soziologie und die moderne Kommunikationswissenschaft f\u00fcr jene geneigten ForscherInnen bereit halten, die sich der Aufgabe der Modellierung von Kommunikationsprozessen stellen wollen. Sozialwissenschaftliche Theorien der Individual- und Massenkommunikation lassen sich grob in drei Klassen unterteilen. W\u00e4hrend universalistisch angelegte Ans\u00e4tze (1) darauf zielen, m\u00f6glichst alle Aspekte der menschlichen (und wir m\u00fcssen hinzuf\u00fcgen: in Zukunft eventuell auch der Mensch-\/Maschinen-\/Agenten-) Kommunikation zu erfas-sen und in ihren Aussagen auf nahezu jede kommunikative Verbindung zugeschnitten sind, betonen andere Theorien eher die funktionale Dimension von Kommunikationen Vordergrund (vgl. hierzu Burkart 2003, S. 171 f.). Universell ausgerichtete Kommu-(2) oder stellen ihrerseits bestimmte Bereiche der kommunikativen Realit\u00e4t (3) in den nikationstheorien betreffen in ihrer Anlage vor allem den Prozess der Kommunikation an sich, thematisieren also den Kommuni kationsprozess als Prozess des zeichenvermittelten \"Austausches\" und beinhalten Aussagen \u00fcber das Wesen und die Temporalit\u00e4t von Kommunikationsereignissen sowie deren Verkn\u00fcpfung. Von einem funktionalen Impetus gepr\u00e4gte Theorien stellen in erster Line die Frage nach dem Verwendungszweck von Kommunikation (u.a. Sprechakttheorie, Theorie des kommunikativen Handelns; sie stehen damit neueren systemtheoretischen Ans\u00e4tzen diametral gegen\u00fcber, die eine \"immanente Echeletie\" der Kommunikation ausschlie- Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 23 \u00dfen; vgl. Luhmann 2000, S. 54), der sich aus den Intentionen der am Kommunikationsprozess beteiligten Individuen, Gruppen oder Organisationen ergibt. Ausschlie\u00dflich auf bestimmte Realit\u00e4tsbereic he zugeschnittene Theorien verf\u00fcgen nur \u00fcber eine begrenzte Reichweite, ihre Aussagen beziehen sich nur auf ihren Gegens-tandsbereich. Dieses gilt z.B. f\u00fcr Theorien der massenmedial vermittelten Kommunikation, der interpersonalen Kommunikation usw. (Theorien der Familien-, Unternehmens- oder massenmedial vermittelten Kommunikation; vgl. hierzu Burkart 2003, S. 171 f.; \u00dcberschneidungen hins ichtlich der Zuordnung der verschiedenen theoretischen Ans\u00e4tze zu den drei Gruppen sind nicht auszuschlie\u00dfen). Auch mit Blick auf die in folgenden Abschnitten durchzuf\u00fchrende Modellierung\/Visualisierung stellt sich zwangsl\u00e4ufig die Frage, welche kommunikationstheoretischen Erkenntnisse den Ausgangspunkt weiterf\u00fchrender \u00dcberlegungen bilden sollen. Die Beantwortung einer solchen Frage zwingt aus unserer eher am System der Kommunikation an sich und weniger an den kommunizierenden Individuen orientierten Beobachterperspektive zun\u00e4chst dazu, sich noch einmal zu vergegenw\u00e4rtigen, welchem grundlegenden Wandel Kommunikation in Zeiten einer st\u00e4ndig steigenden Popularit\u00e4t neuartiger Medien der Verst\u00e4ndigung, Vermittlung und Verbreitung ausgesetzt ist. Unter 1.1 wurde schon darauf hingewiesen, dass gerade die \"Computer Mediated Communication\" (CMC) zu einer immer wichtigeren Form der Kommunikation avan ciert. Viele Internet-TeilnehmerInnen nutzen bereits vollkommen selbstvers t\u00e4ndlich E-Mail, WWW, Mailinglisten, Newsgroups oder auch IRC, um sich Informationen zu beschaffen oder um mit anderen Personen zu unterschiedlichsten Zwecken in Kontakt zu treten. Vor allem jene Kommunikationsprozesse, die eine Vielzahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern zulassen, weisen Merkmale auf, die sie von anderen Prozessen des kommunikativen Austausches, der kommunikativen Verst\u00e4ndigung oder auch der durch Kommunikation herbeigef\u00fchrten Koordination unterscheiden. Die wichtigste Feststellung lautet: je gr\u00f6\u00dfer der interessierende Zusammenhang, d.h. je gr\u00f6\u00dfer die Anzahl der \u00fcbermittelten und f\u00fcr alle TeilnehmerInnen einsehbaren Nachrichten und je gr\u00f6\u00dfer die Zahl der TeilnehmerInnen, desto unwahrscheinlicher wird ein jeweiliges pers\u00f6nliches Bekanntsein mit den UrheberInnen dieser Nachrichten sein, und desto geringer muss folglich auch die Bedeutung dieses m\u00f6glichen pers\u00f6nlichen Bekanntseins mit den AbsenderInnen der einzelne n Mitteilungen werden. Wer auf der Suche nach Informationen eine Anfrage \"postet\", f\u00fcr den bleibt es im ersten Moment ohne Belang, wer bereit ist, ihm Informationen zu liefern und von welchen Ort sie zu erhalten sind, solange das bestehende Informationsbed\u00fcrfnis befriedigt wird. Vereinigen sich nicht nur einige wenige Antworten auf eine Anfrage, sondern eine Vielzahl unterschiedli- 24 Rasco Hertig-Perschke cher Hinweise zu einem Kommunikationsnetz, so ergibt sich das Bild eines von Weitem seltsam unstrukturiert und zuf\u00e4llig, von Nahem dennoch koh\u00e4renten erscheinenden Verweisungszusammenhanges von Kommunikationsereignissen, die es verm\u00f6gen, ihre Entstehungsbedingungen und -kontexte zu \u00fcberdecken und unter ihrer Verweisungsoberfl\u00e4che geschickt zu \"begraben\". Eine Entwicklung, mit der sich nicht nur Medienforschung und Internetsoziologie auseinander zu setzen haben, sondern auch das \"Communication-Oriented Modeling\" (vgl. Malsch und Schlieder in print; Albrecht, L\u00fcbcke, Malsch und Schlieder in print sowie Malsch). Werden aus einzelnen Kommunikationserei gnissen hervorgehende Mitteil ungen nicht mehr direkt an einen Adressaten gerichtet, sondern im Sinne des \"To Whom It May Concern\" publiziert, ergeben sich Bedingungen der Annahme und Ablehnung von Selektionsvorschl\u00e4gen kaum noch aus der individuellen oder wie auch immer systemisch vermittelten Beziehung zu einzelnen KommunikationspartnerInnen (Freundschaft, Macht, Rolle, Austausch etc.), sondern vielmehr aufgrund der thematischen Signifi-kanzen und meinungsbasierten Relevanzen, die dem Inhalt\/den Zeichen der zirkulierenden Nachrichten beigegeben und beigemessen werden. Forschungsarbeit ist n\u00f6tig. Wie ist der Prozess der Kommunikation unter diesen Bedingungen zu verstehen? Was ist ein diskretes Kommunikationsereignis? Welchen Stellenwert besitzen Mitteilungen und die mit ihnen in enger Ve rbindung stehenden kognitiven und in bestimmten F\u00e4llen auch von der Kommunikation erbrachten Leistungen des Signifizierens und Relevanzierens? Und in welchen F\u00e4llen ist die Annahme von Selektionsvorschl\u00e4gen (h\u00f6chst) wahrschein lich und in welchen nicht? Dieses sind Fragen, zu deren Beantwortung es neuer, empirisch und theoretisch fundierter \u00dcber-legungen bedarf. Im Rahmen des \"Communication-Oriented Modeling\" hat sich die Allgemeine Theorie sozialer Systeme v on Niklas Luhmann bislang als sinnvoller Ausgangspunkt erwiesen, um das Ph\u00e4nomen des \"Sich-auf-sich-Selbst\"-Beziehens von Kommunikationen (Autopoiesis) darstellend und modellierend erfassen sowie erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Grundz\u00fcge einer neuen abstrakt-universellen Theorie der Kom-munikation in Anlehnung an die Systemtheorie Luhmanns und im Anschluss an bislang in einem sozionischen Teilprojekt gewonnener Forschungsergebnisse liegen bereits in schriftlicher Form vor (vgl. Malsch und Schlieder in print; Albrecht, L\u00fcbcke, Malsch und Schlieder in print sowie Malsch). Wesentliche Begrifflichkeiten und Annahmen dieses theoretischen Ansatzes sollen im Folgenden kurz vorgestellt und besprochen werden. Sie bilden das Ger\u00fcst aller Modellierungen, die im dritten Ab-schnitt breiten Raum einnehmen werden. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 25 2. DISKRETE KOMMUNIKATIONSEREIGNISSE UND KOMMUNIKATIONSPROZESSE 2.1 Die Ereignishaftigkeit der Kommunikation Entscheiden wir uns dazu, Kommunikationsprozesse aus der Perspektive der allgemeinen Theorie sozialer Systeme von Niklas Luhmann rekonstruieren und beschreiben zu wollen, so bedeutet dieses nichts anderes, als einer unserem Alltagswissen bereits als selbstverst\u00e4ndlich anhe im gegebenen Gewissheit \u00fcber das Wesen der Kommunikation den Laufpass geben zu m\u00fcssen. \"Es sind nicht Menschen, die kommunizieren!\", lautet die beunruhigende Feststellung: \"Es ist die Kommunikation, die kommuniziert!\" 13. Mit der systemtheoretisch getragenen (Halb-)Suspendierung des Individuums kann auch die Gesellschaft, k\u00f6nnen genauer die gesellschaftlichen Kommunikationssysteme (Interaktions-, Organisations- und Funktionssysteme) aus nichts anderem mehr bestehen, als aus Kommunikationen. Operieren wir im Zuge der Beobachtung kommunikativer Prozesse mit der zentralen beobachtungsleitenden Basisunterscheidung der Systemtheorie, der Unterscheidung zwischen System und Umwelt, so m\u00fcssen wir das Bewusstsein des Menschen unweigerlich zur Umwelt der Kommunikation z\u00e4hlen (und gleicherma\u00dfen bleiben auch unterschiedliche Kommuni-kationssysteme f\u00fcreinander Umwelt). Zwar sind Kommunikation und Bewusstsein strukturell aneinander gekoppelt; der Versuch, das Ph\u00e4nomen der Kommunikation von Seiten des Bewusstseins her aufz\u00e4umen zu wollen, muss jedoch scheitern, sobald wir als au\u00dfenstehende Beobachter die Entstehung und Entwicklung von Kommunikationsprozessen bzw. -systemen erkl\u00e4ren wollen, da Bewusstseinssysteme f\u00fcr ihre Beobachter immer undurchsichtig bleiben (m\u00fcssen) - sie sind \"black boxes\". Mit dieser folgenschweren Theorieentscheidu ng mindert sich auch der Nutzen der 13 Luhmann zufolge k\u00f6nnen Begriffe wie \"Subj ekt\" oder \"Individuum\" in der Soziologie nur noch ein Dasein als \"Leerfo rmeln\" fristen, da sie den \"hochkomplexen Tatbestand\" des menschlichen Bewusstseins zwar bezeichnen, es aber nicht Aufgabe der Soziologie sein kann, diesen n\u00e4her zu beschreiben: \"L etztlich seien es doch immer Menschen, Individuen, Subjekte, die handeln bzw. ko mmunizieren. Demgegen\u00fcber m\u00f6chte ich behaupten, da\u00df nur die Kommunikation kommunizieren kann und da\u00df erst in einem solchen Netzwerk der Kommunikation das erzeugt wird, was wir unter Handeln verstehen\" (Luhmann 2000, S. 42). 26 Rasco Hertig-Perschke Sprechakttheorie f\u00fcr die Erkl\u00e4rung der Gene se kommunikativ verfasster Sozialsysteme. Ihre Grundpr\u00e4misse lautet bekannterma\u00dfen \"Kommunikation ist Handeln\": \"Mit der Bestimmung: jedes Sprechen ist Handeln wird angenommen, dass alltagspraktische \u00c4u\u00dferungen auf Seiten des Sprechers die triadische Struktur von Motivation, Ziel und Vollzug aufweisen. Jemand willkann etwas, es durch Sprechen erreichen und macht deswegen eine bestimmte \u00c4u\u00dferung\" (Krallmann, Ziemann 2001, S. 71, Hervorh. im Original). Die Intentionen des Sprechers erschlie\u00dfen sich dem Beobach-ter von Kommunikation jedoch nicht ohne Weiteres; was sich beobachten l\u00e4sst, sind die im Prozessverlauf der Kommunikatio n auftauchenden Mitteilungszeichen oder Nachrichten, die gerade aufgrund ihres in gro\u00dfen Kommunikationszusammenh\u00e4ngen h\u00e4ufig strikt thematisch oder problemzentriert gefassten Inhaltes (dieses gilt gerade dann, siehe oben, wenn sich die KommunikationspartnerInnen kaum kennen, sich nicht direkt sinnlich wahrnehmen k\u00f6nnen und aufgrund der gegebenen Form der Vergemeinschaftung, z.B. innerhalb eine s Online-Forums, nicht wissen k\u00f6nnen, was vom jeweiligen Gegen\u00fcber tats\u00e4chlich zu erwarten und zu halten ist) kaum unmittelbare R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Intentionen des sie hervorbringenden Akteurs zulassen, dennoch aber Sozialit\u00e4t entstehen lassen (vgl. hierzu in erweiterter Perspektive auch Fa\u00dfler und Halbach 1994). Absichten m\u00f6gen unmittelbar hinter den einzelnen Mitteilungen stehen; erkennen, erfassen und anal ysieren kann man sie mit ausschlie\u00dflichem Blick auf die Nachricht so aber noch nicht. 2.2 Das diskrete Kommunikationsereignis und seine Form Orientieren wir uns in erster Linie an dem, was f\u00fcr uns sichtbar ist - am Mitteilungszeichen des diskreten Kommunikationsereignisse s (vgl. Malsch, 5, S. 1 ff.). L\u00e4sst sich weiteren Verlauf des Textes noch zu sprechen kommen), so bereitet das diskrete das Mitteilungszeichen, die Nachricht, noch direkt sinnlich wahrnehmen (wir werden auf die Rolle und die Bedeutung des Mitteilungszeichens f\u00fcr die Kommunikation im Kommunikationsereignis in dieser Hinsicht einige Schwierigkeiten. Aber: Was ist \u00fcberhaupt ein diskretes Kommunikationsereignis? Was ist die kleinste Einheit der Kommunikation; ihr \"Letztelement\"? Niklas Luhmann hat das diskrete Kommunikationsereignis im Kontext seiner vielb eachteten Kommunikationstheorie bekanntlich als Synthese dreier Selektionen definiert, die das Ereignis in der kurzen Zeit seines Bestehens tragen: der Information, der Mitteilung und des Verstehens (vgl. Luhmann 1998, S. 190 ff.). Mit der Entscheidung f\u00fcr eine Information (ein Unterschied, der einen Unterschied macht) werden Sachverhalte aus einem \u00fcbergeordneten Sinnzu- Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 27 sammenhang zwecks \u00dcbermittlung ausgew\u00e4h lt. Die Selektion der Mitteilung (des Mitteilungsverhaltens) stellt das \"Wie\" der Kommunikation, also die Wahl m\u00f6glicher Verhaltens- oder Ausdrucksweisen dar, und das Verstehen meint schlie\u00dflich die Beobachtung des Kommunikationsereignisses, indem aus der Perspektive eines direkten Adressaten bzw. allgemeiner - aus der Perspektive eines (Fremd-)Beobachters (Beo-bachtung erster oder zweiter Ordnung) - zwischen Information und Mitteilung unterschieden wird. Hierbei ist zu ber\u00fccksichtigen, dass das Verstehen als eigenst\u00e4ndige Selektion nicht einfach ein Dupli- oder Reproduzieren einer \u00fcbermittelten Botschaft ist. Verstehen kann auch Missver stehen bedeuten: \"Verstehen ist nie eine blo\u00dfe Duplikation der Mitteilung in einem anderen Bewu\u00dftsein, sondern im Kommunikationssystem selbst Anschlu\u00dfvoraussetzung f\u00fcr weitere Kommunikation, also Bedingung der Autopoiesis des sozialen Syst ems. Was immer die Beteiligten in ihrem je eigenen selbstreferentiell-geschlosse nen Bewu\u00dftsein davon halten m\u00f6gen: Das Kommunikationssystem erarbeitet sich ein eigenes Verstehen oder Mi\u00dfverstehen und schafft zu diesem Zwecke Prozesse der Selbstbeobachtung und der Selbstkontrolle\" (Luhmann 2000, S. 47). F\u00fcr eine strikte Orientierung am Mitteilungszeichen des Kommunikationsereignisses \u00fcbersetzt bedeutet dieses: Das Mitteilungszeichen alleine ist sichtbar; welcher Informationsgehalt ihm im Akt des Verstehens abgewonnen, oder besser, beigegeben wird, l\u00e4sst sich im Hinblick auf das direkt beteiligte Bewusstsein nicht ohne Weiteres aus der mitgeteilten (Erst-)Infor-mation selbst erschlie\u00dfen. Hier wird ersichtlich, dass es in der Kommunikation nicht um die einfache \u00dcbertragung von spezifischen Inhalten geht, die zun\u00e4chst von einem Sender encodiert und dann \u00fcbermittelt, und im Anschluss von einem Empf\u00e4nger decodiert und in ihrem Informationsgehalt identisch wiederhergestellt werden (zu dieser Problematik \u00e4hnlich auch Schneider 1994, S. 163 ff.). Erst wenn es zum Verstehen kommt, so die weitere \u00dcberlegung Luhmanns, kann \u00fcberhaupt davon gesprochen werden, dass ein Kommunikationsereignis vorliegt. Alle drei Selektionen m\u00fcssen verkn\u00fcpft sein, bevor das Kommunikationsereignis (und dieses ist besonders wichtig) als Einheit abgeschlossen und somit dem Vergehen ausgesetzt wird. Eine Definition, die in der Forschung zu Missverst\u00e4ndnissen und einigen skeptischen Anmerkungen gef\u00fchrt hat. Wird ein Kommunikationsereignis erst mit der Selektion des Verstehens abgeschlos sen, so muss kritisch gefragt werden, wie schnell bzw. unmittelbar dieses Verstehe n denn auf die Mitteilung zu erfolgen hat? Oder anders formuliert: Wie lange k\u00f6nn en Mitteilungszeichen \"im Raum\" stehen bleiben, ohne dass sie zur Kenntnis genommen werden bzw. - mehr noch - werden 28 Rasco Hertig-Perschke m\u00fcssen (vgl. auch Malsch, 4., S. 15 f.) 14? Hat man es, sofern das Verstehen erst zu einem Zeitpunkt in sp\u00e4terer Zukunft realisiert wird, noch mit einem einzigen Kommunikationsereignis zu tun oder doch bereits mit zwei Ereignissen? 15 Und l\u00e4sst sich so die Annahme der Einheit aller drei Selektionen noch aufrecht erhalten? Zu guter Letzt: Woran ist zu erkennen, ob und wie verstanden wurde? Doch wohl nur an der 14 Seit der Erfindung des Buchdruckes und de r damit einhergehenden zunehmenden asynchronen Verbreitung (\"massage passing\") des ehedem exklus iv m\u00fcndlichen Wortes ist permanent davon auszugehen, dass Kommunikationsereignisse unter Umst\u00e4nden durch immense Zeitverz\u00f6gerungen in Bewegung hin auf die \"dritte Stelle\" gekennzeichnet sind (Latenz; vgl. Malsch, 4, S. 15 ff.). Vielmehr noch: Es besteht ebenso die M\u00f6glichkeit, dass vielleicht nie rezipiert wird. Ein soziologisch und netzwerktheoretisch prominentes Beispiel f\u00fcr eine versp\u00e4tete und sich lang hinziehende Rezeption, f\u00fcr ein versp\u00e4tetes \"Verstehen\", d\u00fcrfte die Kurzgeschichte \"L\u00e1ncszemek\" (\"Ketten\") des ungarischen Schriftstellers Frigyes Karinthy sein, enthalten in seinem 1929 publizierten Sammelband \"Minden mask\u00e9ppen van\" (\"Alles ist anders\"). Karinthy sp ielte in seiner Geschichte mit der Vorstellung, dass zwei beliebige Menschen in ihrer Bekanntschaft m\u00f6glicherweise nur f\u00fcnf \"Mittelsm\u00e4nner bzw. -frauen\" voneinan der entfernt sind. Eine Vorstellung, die gute drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter in der Soziologie ihre Erforschung im Rahmen eines ungew\u00f6hnlichen Projektes des Harvard-fand - das Ergebnis dieses Professors Stanley Milgram Projektes ist mittlerweile als \"Six Degrees of Separation\" bekannt. Dass Milgram die Geschichte im Vorfeld seiner Forschungen gelesen haben k\u00f6nnte scheint unwahrscheinlich - \"Minden mask\u00e9ppen vas\" bl ieb aufgrund mangelnden Erfolges dauerhaft vergriffen. Milgram d\u00fcrfte eventuell aber von der Geschi chte Karinthys geh\u00f6rt haben, war dieser doch seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein geachteter ungarischer Schriftsteller und Milgram das Kind eines ungarischen Vaters und einer rum\u00e4ni schen Mutter. Ob dem allerdings so ist (uns spielt das Nicht-Si chtbare der Kommunikation, das Bewusstsein, wieder mit), muss ungekl\u00e4rt bleiben, wie Albert-L\u00e1szl\u00f3 Barab\u00e1si in seiner vielgelesenen Ver\u00f6ffentlichung \"Linked\" unl\u00e4 ngst bemerkt hat (vgl. zu Karinthys \"Ketten\" Barab\u00e1si Karinthys (Wer wei\u00df, wo er sie aufgenommesto trotz, die einmal kommunizierte Idee 2003, S. 25 ff., S. 35 ff. und S. 44). Nichts den haben k\u00f6nnte? Oder ist er etwa ihr \"Erfinder\"? Besch\u00e4ftigten sich andere ebenfalls mit dieser Vorstellung ?) hat sich halten k\u00f6nnen, wurde schlie\u00dflich rezipiert, m\u00f6gliche rweise auch aus anderen Kontexten; ihr neuerliches Verschwinden ist damit unwahrscheinlicher geworden. Unabh\u00e4ngig von den beteiligten Personen: Kommunikation hat in diesem Falle ein \"Eigenleben\" entwickeln k\u00f6nnen und sich schlie\u00dfl ich \"durchgesetzt\"! 15 Dem Umstand, dass sich di e Differenz von Information und Mitteilung bei Luhmann erst vollst\u00e4ndig in der Selektion des Verstehens realisiert, verdankt sich schlie\u00dflich auch die teilweise praktizierte Lesart, Luhmanns Kommunikationstheorie im Wesentlichen als \"Verstehenstheorie\" zu rezipieren. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 29 Folgekommunikation, die sich an eine \u00c4u\u00dferung anschlie\u00dft und ein neues Mitteilungszeichen hervorbringt! Thomas Malsch argumentiert mit Nachdruck (und wir wollen uns mit dieser Argumentation im Folgenden n\u00e4her auseinandersetzen), dass sich hier eine nicht ganz unerhebliche theoretische Inkonsistenz der Kommunikationstheorie Luhmanns ausmachen l\u00e4sst, die der weiteren und gr\u00fcndliche Korrekturen anbringenden Bearbeitung bedarf. Verteilen sich Information\/Mitteilung und Verstehen \u00fcber eine gro\u00dfe Zeitspanne (und dieses ist, werden Mitteilungen f\u00fcr eine wie auch immer zu definierende \u00d6ffentlichkeit \"pub liziert\" h\u00e4ufig der Fall, da Rezeptionen raumzeitlich verschoben und verteilt erfolgen ), so wird offensichtlich, dass mit Bezug auf das Kommunikationsereignis nur noch schwer von einen \"fl\u00fcchtigen\" Ereignis gesprochen werden kann: \"Es ist klar, dass wir es hier mit einem Ereignisbegriff zu tun bekommen, der mit der Idee vom Temporalatom nicht viel zu tun hat\" (Malsch, 4, S. 21). Will man auf der anderen Seite jedoch an der Einheit der drei Selektionen festhalten, l\u00e4sst sich aber nur schwer einsehen, wie diese Einheitlichkeit mit dem m\u00f6glichen, lang andauernden Ablauf eines Kommunikationsereignisses auf (bisweilen) zwei Zeitstellen zusammengehen kann. Wie man es auch versucht: Ein fortlaufendes Drehen und Wenden des Proble ms scheint letztlich keine befriedigende L\u00f6sung zu versprechen (vgl. die Bem\u00fchungen von Malsch, ebd., S. 1 ff.). Thomas Malsch hat aus diesem Grunde im Kontext se iner sozionisch inspirierten Weiterentwicklung der Kommunikationstheorie Niklas Luhmanns den Vorschlag gemacht, das \"Einheitspostulat\" aufzugeben und generell vom Vollzug des diskreten Kommunikationsereignisses auf zwei separaten Zeitstellen auszugehen. Es geht ihm darum, in Modifizierung der Annahmen Luhmanns aufzuzeigen, dass im Vollzug des diskreten Kommunikationsereignisses zwei Selektions leistungen, Inzeption und Rezeption, erbracht werden und aufeinander folgen; Se lektionsleistungen, die immer zu zwei verschiedenen Zeitpunkten realisiert werden, wobei zwischen diesen beiden Punkten unterschiedlich viel Zeit vergehen kann (vgl. ebd., S. 22 ff.). Beide Begriffe, Inzeption und Rezeption sind, ohne sie allerdings we iter zu erkl\u00e4ren, bereits an anderer Stelle gefallen. Was ist aber mit Inzeption und R ezeption gemeint? Zun\u00e4chst einmal ist, bevor \u00fcberhaupt eine weitere Erkl\u00e4rung \"in Angriff\" genommen wird, festzuhalten, dass beide \"Ereignisarten\" als \"homolog gebaut\" angesehen werden k\u00f6nnen (ebd., S. 36). W\u00e4hrend es sich im Falle der Inzep tion um die Erstellung und das Kommunizieren einer Mitteilung bzw. Nachricht ha ndelt (bei Luhmann die Selektionen \"Information\" und \"Mitteilung\"), kann die Rezeption als das \"Verstehen\" (bei Luhmann die Betrachtung des Kommunikationsereignisses anhand der Differenz von Information und Mitteilung) de r mitgeteilten Nachricht angesehen werden, wobei hiermit noch nichts dar\u00fcber ausgesagt ist, auf welche Art und Weise und mit welchem 30 Rasco Hertig-Perschke Ergebnis dieses Verstehen tats\u00e4chlich erfolg en mag. Was beide Ereignisarten verbindet, ist die Mitteilung, die Nachricht, das Mitteilungszeichen - und nur Mitteilung bzw. Nachricht k\u00f6nnen auch empirisch be obachtet werden. Sowohl Rezeption (Verstehen) als auch Inzeption (Information ausw\u00e4hlen, Mitteilungsverhalten w\u00e4hlen) m\u00fcssen Luhmann folgend als Vorg\u00e4nge betrachtet werden, die in der \"black box\" des Bewusstseins ablaufen und somit von au\u00dfen beobachtend unzug\u00e4nglich sind. Indem sich Nachrichten allerdings mehr oder weniger stark bzw. mehr oder weniger offensichtlich aufeinander beziehen, kann aus der entstehenden Referenzstruktur auf die Verbindung von Inze ption und nachfolgender Rezepti on bzw. die m\u00f6gliche Verkn\u00fcpfung von Rezeption und neuer Inzeption geschlossen werden. Eine erste tragende S\u00e4ule dieses neuen, sich vor allem der Ereignishaftigkeit der Letztelemente von Kommunikation (und somit von Sozialit\u00e4t) verschreibenden allgemeinen Kommunikationsbegriffes ist somit die Trias von Inzeption, Mitteilung und Rezeption, wobei die Verbindung der beiden Kommunikatio nsereignisse \"Inzeption\" und \"Rezeption\" \u00fcber das Referenzieren in der Nachricht gew\u00e4 hrleistet wird (siehe Abbildung 1): \"Sooperations called ciologically speaking, referencing is composed of two basic communicative reception (understanding a message) and inception (producing a message)\" (Malsch und Schlieder in print, S. 5, Hervorh. im Original). Abbildung 1: Trias der Kommunikation MZ, NR R I R I Trias de r K omm unikat i on bei erf olgen de m Ansc hluss . In der \" b lack box\" des B ewusstseins g ehen R eze pt ion (R ) u nd In zept ion (I) \"f lie \u00dfend\" i neina nde r \u00fc ber . Aussch lie\u00df lich d as Mitteilu ngszeich en (MZ; NR = Nach richt) ist b eobach tb ar. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 31 Mit Blick auf die beiden nicht-sichtbaren Operationen der Inzeption und der Rezeption, welche Kommunikation als Ereignis hervorbringen, scheint im ersten Moment also nicht mehr zu sagen m\u00f6glich, als dass ihr Entstehen ohne ein \"Aufklappen\" der \"black boxes\" nicht weiter ge- und erkl\u00e4rt werden kann. Dieses bedeutet jedoch nicht, dass hinsichtlich der beiden Operationen \"Rezeption\" und \"Inzeption\" keine weiteren Annahmen getroffen werden k\u00f6nnen. Die weiterf\u00fchrende Frage lautet: Welche \"Hintergrundoperationen\" bestimme n die Inzeption und, eventuell gleicherma\u00dfen, auch die Rezeption? Wie werden Anschlussf\u00e4higkeiten sichergestellt und kommunikative Anschl\u00fcsse vollzogen? Wir hatten weiter oben bereits vorausgeschickt, dass es sich bei der Rezeption und der Inzeption um \"homolog gebaute\" Ereignisarten handelt. Thomas Malsch zu folge verfahren sowohl die Inzeption als auch die Rezeption im Kommunikationsprozess mit dem jeweils zu realisierenden Gehalt von Kommunikation bzw. Mitteilung in \u00e4hnlicher Weise: M\u00f6glichkeiten werden aus einem Verweisungszusammenhang ausgew\u00e4hlt und Mitteilungsgehalte im Vollzug des \"Verstehens\" in Informationsgehalte transformiert, indem sowohl Inzipient als auch Rezipient mit Hilfe der Fes tlegung von Signifikanzen und Relevanzen operieren und ihre Selektionen entsprechend ausgestalten (vgl. Malsch, 5, S. 23 ff.). Signifizieren bedeutet nichts anderes, als der Kommunikation inzipierend ihre Richtung zu geben und sich umgekehrt im Zuge der Rezeption einer Nachricht die Frage zu beantworten, wohin sich die Kommunikation bewegt hat und was sie bisher erlaubt hat als Thema zu fokussieren. Signifizieren is t die Entscheidung f\u00fcr ein Thema, das in der Kommunikation behandelt werden soll bzw. kann. Ber\u00fccksichtigt man, dass The-men in der Regel nicht vollkommen zuf\u00e4llig nach \"Lust und Laune\" ausgew\u00e4hlt und dann in den Kommunikationsprozess \"eingeschleust\" werden, so muss noch eine weitere \"Hintergrundoperation\" an der Auswahl bzw. Einsch\u00e4tzung von Themen beteiligt sein: das Setzen von Relevanzen. Einem Thema Relevanz zuzusprechen hei\u00dft, seine Wichtigkeit (=Wertigkeit) in einem jeweils unterschiedlich gro\u00dfen Ma\u00dfe herauszustellen, sowie diese Wichtigkeit\/Wertigkeit umgekehrt anzuerkennen bzw. ebenfalls zuzusprechen (Selbstverst\u00e4ndlich kann ein Thema immer auch f\u00fcr unwichtig befunden werden). Dieses geschieht in der Kommunikation sowohl offensiv (wie es so sch\u00f6n hei\u00dft: man \"vertritt\" ein Thema nach au\u00dfen hin), nicht selten aber auch verdeckt - und gew\u00f6hnlich stellt es sich aus der Beobachterperspektive im ersten Moment ohnehin so dar, als ob zur Relevanz nichts gesondert gesagt werden k\u00f6nnte oder d\u00fcrfte. Wir wissen alle: Wer seinen Aussagen permanent Nachdruck zu verlei-hen sucht, sagt vielleicht doch nicht die Wahrheit, ist im Unrecht, oder sucht etwas zu verbergen - \"Ich liebe Dich! - Wirklich!\" (Punkt?! Aus!?). Aufgabe der beiden Selektoren \"Signifikanz\" und \"Relevanz\" ist es gleicherma\u00dfen, Anschlusswerte zu 32 Rasco Hertig-Perschke ermitteln bzw. einer Ermittlung von Anschlusswerten zu dienen. Interessiert mich das angeschnittene Thema wirklich? Was habe ich zu sagen? Welche Themen \"brennen\" unter den N\u00e4geln? - Fragen, die schon auf den ersten Blick deutlich machen, dass Signifikanz und Relevanz in der Praxis immer Hand in Hand gehen und nicht voneinander zu trennen sind; und wenn doch, dann eben h\u00f6chstens analytisch. Wie signifiziert und relevanziert wurde, l\u00e4sst sich wieder nur den relativ persistenten Mitteilungen entnehmen - es sei denn, wir fragen ausdr\u00fccklich danach, die Gefahr in Kauf nehmend, \u00fcber wahre Relevanzen, Absichten und Intentionen get\u00e4uscht zu wer-den. Wir m\u00fcssen hier indes abbrechen. Absichten und Intentionen sollen uns in unserer Besch\u00e4ftigung mit den empirisch sichtbaren Mitteilungszeichen zun\u00e4chst nicht interessieren: \"Signifikation und Relevanz verhalten sich zueinander wie eine Thematik und deren Wichtigkeit. Signifikation und Relevanz sind Selektoren. Sie dienen der Berechnung von Anschlusswerten. Ob und wie die Kommunikation fortgesetzt wird, h\u00e4ngt ga nz davon ab, wie In zeptionen und Rezeptio nen signifiziert und relevanziert werden\" (ebd., 5, S. 23) 16. Das hier Festgehaltene in weitere \u00dcber legungen miteinbeziehend ist an dieser Stelle kurz etwas grunds\u00e4tzliches zur Operation des Verstehens zu sagen. Die Analyse umfangreicher Kommunikationsprozesse setzt voraus immer zu ber\u00fccksichtigen, dass in der Kommunikation verschiedene Vorg\u00e4nge des Signifizierens und Relevanzierens parallel und gegeneinander laufen. Diese Erkenntnis bleibt, folgen wir dem einge-schlagenen Pfad, unspektakul\u00e4r. Solange wir uns ausschlie\u00dflich mit der Person des Inzipienten bzw. Rezipienten besch\u00e4ftigen ! Denn: Nicht nur Inzi pient und Rezipient signifizieren und relevanzieren - auch die Kommunikation setzt fortw\u00e4hrend eigene Signifikanzen und Relevanzen. Wie ist das zu verstehen? Hier soll vordergr\u00fcndig 16 Individuelle Signifikanzen und Relevanzen setzend ist Verstehen das Ergebnis des Unterscheidens von Information und Mitteilung: [V = (diff (I,M))], wogegen die Inzeption Thomas Malsch zufolge als Synthese von Information und Mitteil ung verstanden werden kann: [(syn (I,M))] (Malsch, 4, S. 26). Als \"Kommunikationsformel\" ergibt sich somit: [K = (diff (syn (I,M)))]. Auf die mit dies er Formel verbundenen Probleme hat Maren L\u00fcbcke bereits hingewiesen (L\u00fcbcke, WP 1 2004, S. 7 f., Version: 10.02.2004). Hier steht kritisch zu fragen: Warum muss eigentlich nur in der Rezeption zwischen Information und Mitteilung unterschieden werden? Ist eine Synthese von Information und Mitteilung in der Inzeption nicht ebenso unm\u00f6glich, soll ein Kommunikationsversuch als solcher \u00fcberhaupt gestartet werden k\u00f6nnen? Bleiben I und M, auch wenn sie zusammen prozessiert werden, f\u00fcr sich nicht immer \"e igenst\u00e4ndig\", da ansonsten nur beobachtet werden k\u00f6nnte, dass etwas stattgefunden hat, unabh\u00e4ngig davon ob, dieses nun als Kommunikationsversuch gelten kann\/soll\/muss? Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 33 nicht einmal an gesellschaftliche \"Gro\u00dfkontexte der Informationsverarbeitung \" (Schneider 1994, S. 166, Hervorh. im Original) oder an die Kommunikation bzw. Informationsgewinnung und -verarbeitung in Organisationssystemen, die Entstehung organisationalen Wissens, gedacht werden. Bereits einfache Kommunikationssequenzen erlauben es der Kommunikation, ein besonderes Eigenleben zu entwickeln, sowohl im Einklang wie auch in Konflikt zu jenem Informationssinn, den einzelne Individuen mit ihrer Hilfe zu realisieren verm\u00f6gen. Denn die Kommunikation kann, solange die beteiligten Bewusstseinssysteme nicht die Orientierung verlieren und abbrechen m\u00fcssen, auch auf Basis von Mi ssverst\u00e4ndnissen weiteres Prozessieren gew\u00e4hrleisten. Es wird in der Kommunikation dann zwar ein anderes Verstehen erreicht, f\u00fcr den Fortgang der Kommunikation bleibt dieses aber unerheblich. Wolfgang Ludwig Schneider erl\u00e4utert hierzu: \"Jede Anschlu\u00df\u00e4u\u00dferung impliziert ein bestimmtes Verstehen der vorausgegangenen \u00c4u\u00dferung, weist ihr eine bestimmte Bedeutung kommunikativ zu. Der Sprecher mag sich vielleicht mi\u00dfverstanden f\u00fchlen. So z.B. wenn der Adressat die als Bitte intendierte \u00c4u\u00dferung 'Kannst Du mir das Salz reichen?' (vielleicht in scherzhafter Ab sicht) einfach nur mit 'Ja', d.h. als Informationsfrage beantwortet. Belassen es beide dabei, dann ist das in der Kommunikation durch die Antwort erreichte Verstehen das Verstehen einer Informationsfrage, auch wenn beide Psychen etwas anderes verstanden haben. Und insofern gilt: Verstehen in der Kommunikation 'schlie\u00dft ... mehr oder weniger weitgehende Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse als normal ein'. In der Kommunikation aber z\u00e4hlt, was durch Anschlu\u00df\u00e4u\u00dferungen zustande kommt solange als Verstehen, wie kein Einspruch erhoben und etwas als Mi\u00dfverst\u00e4ndis deklariert wird\". (ebd., S. 165, Hervorh. im Original). Diese Besonderheit von Kommunikationssystemen ist neben weiteren Aspekten zu ber\u00fccksichtigen, sollen gr\u00f6\u00dfere kommunikative Zusammenh\u00e4nge einer detaillierten Betrachtung unterzogen werden - Jedes Missverstehen ist, wie gesagt, ein, wenn sich nun allerdings auch anders \"windendes\" Verstehen. Nachdem die Elementaroperationen Inze ption und Rezeption im vorigen Abschnitt Er\u00f6rterung gefunden haben, ist es an der Zeit, noch einmal auf das Mitteilungsgeschehen zur\u00fcckzukommen. Schon zu Beginn wurde darauf hingewiesen, dass sich als einziger Bestandteil des Kommunikationsereignisses lediglich das Mitteilungszeichen, d.h. die Nachricht, einm al abgesehen vom M itteilungsverhalten in der Interaktion, sinnlich wahrnehmen und empirisch beobachten l\u00e4sst. Inzeption und Rezeption sind im ersten Moment Operatio nen, die f\u00fcr die Fremdbeobachtung unzug\u00e4nglich in der \"black box\" des Bewusstseins vollzogen werden, ihre Resultate treten uns nur sofern inzipiert wird als Mitteilungen in der Kommunikation entgegen. Wie wir Nachrichten verstehen, h\u00e4ngt von unseren Signifikanzen und Relevanzen ab, oft 34 Rasco Hertig-Perschke (zun\u00e4chst noch) unabh\u00e4ngig davon, wie sehr der Inzipient\/die Inzipientin auch bem\u00fcht sein mag, uns \"Lesarten\" und Verstehensoptionen nahezubringen - ganz abgesehen davon, dass die kommunikativen Verstehensm\u00f6glichkeiten (Anschlussalternativen) ohnehin immer \u00fcber all jenes hinausreichen, was einzelne Bewusstseinssysteme zum jeweiligen Zeitpunkt t als Informationssinn aktualisieren k\u00f6nnen (vgl. ebd., S. 167). Halten wir fest: eine weitere heuristisch und analytisch brauchbare Leitunterscheidung ergibt sich erneut in Anbetracht der Tatsache, dass Kommunikationssysteme strukturell fest an selbstreferentiell-geschlossen arbeitende Bewusstseinssysteme gekoppelt sind: Operationen, die Kommunikation in ihrem Vollzug ausmachen, bleiben unsichtbar, einzig und allein die Mitteilung erschlie\u00dft sich der Beobachtung erster und h\u00f6herer Or dnung. Damit gilt: \"In a very general sense, any message (gesture, spoken word, written text, picture, icon) must be construed as the empirical manifestation of invisible communicative operations\" (Malsch und Schlieder in print, S. 6). Wir bekommen so eine weitere Leitdifferenz an die Hand gegeben: Invisibilit\u00e4t vs. Visibilit\u00e4t. In der Beobachtung erscheint uns das Mitteilungszeichen auf den ersten, oft noch fl\u00fcchtigen Blick als Ergebnis einer Inzeption, als Ding gewordenes Anliegen, als K\u00f6rper oder Gestalt von wie auch immer noch n\u00e4her zu bestimmender Information. Woher aber kommt das Mitteilungszeichen? Welches sind die (nicht sprechakt- sondern systemtheoretisch-kommunikologisch verstandenen) Grundbedingungen seines Entstehens? Was ist sein Anlass, was sein Impetus? Auf das Problem der doppelten Kontingenz soll an dieser Stelle nicht erneut eingegangen werden. Interessante Untersuchungen zur Entstehung von Ordnung vor dem Hintergrund des Zieles der Reduktion von Unsicherheit aus sozionischer Perspektive haben u.a. Kron und Dittrich (2002), Papendick und Wellner (2002) sowie Kron, Schimank und Lasarczyk (2003) vorgelegt. Wi r wollen statt dessen, uns Fragen der Inzeption und der Rezeption widmend, kommunikations-theoretisch argumentieren, dass eine Inzeption nie ohne vorausgehende Rezeption erfolgen kann. Kommunikation kann nie Erstkommu-nikation sein, sie ist immer Anschlusskommunikation (vgl. auch Malsch, 5, S. 13). Wir er\u00f6ffnen m\u00f6glicherweise eine Interaktionsdyade mit einer uns noch unbekannten Person 17, k\u00f6nnen uns im Dialog aber nicht auf Nichts beziehen, importieren Themen oder zumindest Ans\u00e4tze hierf\u00fcr aus anderen Kontexten (Signifikanz) und bestimmen unsere Relevanzen, bieten somit Sinnofferten an. Genaugenommen ist das Mitteilungszeichen immer auch Ausdruck einer vorangegange nen Rezeption, die auf die 17 Niklas Luhmann definiert di e \"Person\" als eine in der \" Kommunikation referierbare Einheit\" (Luhmann 2000, S. 375, Hervorh. im Original). Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 35 eine oder andere Art und Weise die ihr zeitlich nachfolgende Inzeption konditioniert hat (vgl. auch Abbildung 1, S. 21). Sinnofferten wurden aufgenommen und weiterverarbeitet. Beide Operationen, Inzeption wie auch Rezeption, bleiben aber, und dieses sei hier noch einmal betont, unbeobachtbar - sie verschaffen sich ihren Ausdruck im empirisch sichtbaren Mitteilungszeichen, und nur in der Analyse dieser Mitteilungs-zeichen wird es gerade f\u00fcr den nicht selbst an der Kommunikation beteiligten Beobachter m\u00f6glich, auf Rezeption und Inzeption zur\u00fcckzuschlie\u00dfen. Hieraus ergibt sich f\u00fcr die Theorie Bekanntes, dieses kann jedoch nicht oft genug wiederholt wer-den. Zwar besteht das Kommunikationsereignis, verteilt auf zwei Zeitstellen, aus der nachfolgenden Rezeption. Aussagen einer Inzeption, dem Mitteilungszeichen und zu seinem Gehalt, zu seinem \"kommunikativen Gewicht\", seiner Bedeutung und seinen kommunikativen Wirkungen k\u00f6nnen im (fremdbeobachtenden) Anschluss an ein solches Temporaltom aber noch nich t gewonnen werden. Welcher Sinn sich kommunikativ am Mitteilungszeichen kondensiert, als einsehbares Resultat freigeben wird und somit emergente Strukturen entstehen l\u00e4sst, kann nur dann festgestellt werden, wenn es dem Fremdbeobachter m\u00f6glich ist, weitere Mitteilungszeichen in Augenschein zu nehmen. Was der Rezeption folgen muss, ist eine neue Inzeption, die dem Beobachter von Kommunikation als Anhaltspunkt Auskunft dar\u00fcber geben kann, in welcher Form die Rezeption ei ner ersten Mitteilung (m\u00f6glicherweise) erfolgt ist und wie sie auf die Folgeinzeption gewirkt haben mag. Das Kommunikationsereignis als Temporalatom besteht aus Inzeption, Rezepti on und Mitteilung, als solches bleibt es aber seltsam offen und, obwohl eine Nachricht vorliegt, im Kommunikationsprozess selbst noch \"stumm\". Denn hinzukommt: wa s zwar rezipiert wird, jedoch nie eine neue Inzeption nach sich zieht oder, schlimmer noch, \u00fcberhaupt nicht rezipiert wird, das besitzt f\u00fcr den Fortgang der Kommunikation selbst kaum an bzw. keine Bedeu-tung mehr. Mit dieser Feststellung soll - und darauf ist an dieser Stelle ausdr\u00fccklich hinzuweisen - aber keineswegs der ungerechtfertigten Annahme Vorschub geleistet werden, Nachrichten, die nicht unmittelbar Folge\u00e4u\u00dferungen nach sich ziehen, seien vollkommen unwichtig. Ganz im Gegenteil. Zun\u00e4chst einmal schlie\u00dfen eine nicht unmittelbar folgende oder eine nicht-inzepti ve Rezeption ja nicht aus, dass zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt m\u00f6glicherweise doch noch \"erfolgreich\" rezipiert und inzipiert wird (gerade die moderne Computertechnologie stellt eine erstaunliche Bandbreite an Lagerungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Zeichen zur Verf\u00fcgung). Zum anderen werden in der Kommunikation seit je her \u00fcbersch\u00fcssige Anschlussm\u00f6glichkeiten 18 produziert, die 18 Thomas Malsch spricht in diesem Zu sammenhang auch von \"virtuellen kommunikativen Ereignissen\" (Malsch, 5, S. 2). 36 Rasco Hertig-Perschke im Nachhinein keine \"Abnehmer\" finden. Auch die Rationalisierung von Kommunikation, die \"Einzw\u00e4ngung\" kommunikativer Prozesse in vorgegebene, starre Abl\u00e4ufe, in durch Kommunikation selbst hervorgebrachte Strukturen (festgesetzte Reihenfolge der Wortbeitr\u00e4ge, zahlenm\u00e4\u00dfige Begrenzung, Verwendung von festen Formeln etc.), wirkt im Hinblick auf die Reduzierung von \u00fcbersch\u00fcssigen Beitr\u00e4gen mit von System zu System, von Kommunikationszusammenhang zu Kommunikationszusammenhang unterschiedlichem Erfolg (w\u00e4hrend z.B. die Kommunikation im Rechtssystem einen hohen Grad an Formalisierung aufweist, sc heinen oft nicht weiter Beachtung findende \u00fcbersch\u00fcssige und nicht selten nicht recht einzuordnende Sinnofferten unterschiedlichster Couleur im World Wide Web eine wahre Heimst\u00e4tte gefunden zu haben). \"Was nicht rezipiert wird oder aber rezipiert und wieder vergessen wird, das kann in seiner (ehemaligen) Existenz doch nieman den st\u00f6ren!\". Diese \"Leitmaxime\" scheint in der Regel gleicherma\u00dfen f\u00fcr den Prozess der Kommunikation und die sich an ihm beteiligenden Personen zu gelten. Selbstverst\u00e4ndlich aus der Perspektive der (Fremd-)Beobachtung \"\u00dcbersch\u00fcssiges\" (keine Inzeption ohne Signifikanz und Relevanz!) wird somit zwar nicht vermieden, aber auch nicht direkt nachgesucht. Entweder werden gar keine Inzeptionen angeschlo ssen, Rezeptionen und Folgemitteilungen \"verebben\" oder Teilbereiche der Kommun ikation brechen ab - so massenhaft wie dieses allerdings geschieht, kann es nicht ausreichen, ausschlie\u00dflich \"erfolgreiche\" 19 Kommunikationen zu beachten und auf den ersten Blick \u00fcberfl\u00fcssige Sinnofferten links liegen zu lassen. Auch Abbr\u00fcche und Nicht-Anschl\u00fcsse sowie die sie \"vorbereitenden\" Mitteilungen m\u00fcssen als gegebene empirische Ereignisse auf ihre Bedeutung hin untersucht werden. Was ist, kann nicht einfach \"unter den Teppich\" gekehrt werden; Betrachtung ist es wert, gerade wenn wir es mit einem so komplexen Ph\u00e4nomen wie der Kommunikation zu tun haben. Welche Ergebnisse eine solche Betrachtung letztlich bringt, steht auf einem anderen Blatt. Mit der herausgehobenen Stellung der M itteilungszeichen als exklusive Ansatzpunkte f\u00fcr die (Fremd-)Beobachtung von Kommunikationen ergibt sich eine weitere Unterscheidung, die f\u00fcr den Verlauf der nachfolgenden Untersuchung von nicht zu untersch\u00e4tzender Tragweite ist, dar\u00fcber hinaus aber der Er\u00f6rterung bedarf: die Unterscheidung zwischen den transienten Opera tionen der \"Inzeption\" und der \"Rezeption\" und der persistenten Mitteilung. Eine Unterscheidung, die sich keineswegs von selbst 19 Erfolgreiche Kommunikation ist hier nicht als erfolgte \"Verst\u00e4ndigung\" oder gar eine zu Zwecken der L\u00f6sung komplexer Aufgaben herbeigef\u00fchrte \"Handlungskoordination\" zu verstehen! Erfolgreich meint in unserem Sinne lediglich: auf eine Inzeption ist eine weitere Inzeption gefolgt, vorbereitet durch den Zwischenschritt der Rezeption. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 37 erkl\u00e4rt. Denken wir an Inte raktionssysteme, die sich \u00fcb er das Grenzziehungsprinzip der Anwesenheit definieren lassen (vgl. Luhmann 1975), erscheint die soeben vorgestellte Unterscheidung nicht plausibel, wissen wir doch alle, dass das gesprochene Wort noch im Entstehen wieder im Vergehen begriffen ist. Alles was bleibt, ist die Zurechnung der Sprechakte auf die sie vollziehenden, anwesenden Personen. Mit der Erfindung der Schrift und deutlicher noch mit der Erfindung des Buchdrucks ver\u00e4nderten sich jedoch M\u00f6glichkeiten, Bedi ngungen und Gewohnhe iten der Rezeption. K\u00f6nnen Mitteilungen erst einmal dauerh aft fixiert werden, m\u00fcssen Rezeption und Verstehen nicht mehr im unmittelbaren Anschluss an die vorausgehende Inzeption erfolgen. Der Vorgang des R ezipierens kann ausgedehnt, da s Rezipierte in weitere Kontexte eingebettet und mit den Ergebnis sen anderer Rezeptionen verglichen werden (vgl. zu den Auswirkungen der Schrift und des Buchdrucks auf die Kommunikation u.a. Luhmann 1998, S. 249 ff.). Dieses gilt analog f\u00fcr die elektronische Speicherung von \u00c4u\u00dferungen, Statements, Texten usw. sowie selbstverst\u00e4ndlich auch f\u00fcr das menschliche Ged\u00e4chtnis. Nach wie vor ist und bleibt nat\u00fcrlich nicht alles an Mitteilung persistent - gem\u00e4\u00df jeweiliger Signifikanz, Relevanz und nicht zuletzt Speicherm\u00f6glichkeit wird die Spreu vom Weizen, werden das f\u00fcr interessant und wichtig Gehaltene vom Uninteressanten und Unwichtigen getrennt. Was verschriftlicht ist bleibt, je nach Speichermaterial und Entscheidung, entweder dauerhaft oder zumindest kurzzeitig persistent. F\u00fcr Inzep tion und Rezeption gilt in der Regel aber, dass sie sich kaum \u00fcber extrem lange Zeitspannen hinwegziehen k\u00f6nnen: \"Being operational elements, inception and reception exactly take the amount of time they need to create or understand a message, i.e. read a book, utter a sentence, understand a question, write a letter. In an oral conversa tion, but also in internet discussion groups, operations appear to be very short, ephemeral events. In a scientific discourse they tend to be much longer. They simply last as lo ng as it takes to write or read a paper. In both cases however, in everyday life encounter s as well as scientific discourses, any reception and any inception is processed di scretely as a unique event which disappears when its over (...). In contrast to transient operations, messages are persistent objects, at least in textual and electronic communication\" (Malsch und Schlieder in print, S. 6 f.). 38 Rasco Hertig-Perschke 3. MODELLIERUNG VON AGGREGATIONEN \"Communication-Oriented Modeling\" muss, so wie es im Rahmen des von Thomas Malsch und Christoph Schlieder entwickelten sozionischen Ansatzes zu verstehen ist, immer am empirisch sichtbaren Mitteilungszeichen ausgerichtet sein - dieses d\u00fcrfte, auch in Anbetracht der bislang getroffenen Feststellungen und Annahmen, nicht weiter \u00fcberraschen. Ziehen wir jenes, was wir zu Inzeption und Rezeption, zur Ereignishaftigkeit der Kommunikation und zum Mitteilungszeichen bereits er\u00f6rtert haben noch einmal in die engere Betrachtung, so f\u00e4llt schnell ins Auge, dass es zwar gelungen ist, den Rahmen f\u00fcr eine Modellierung von Aggregation und Abstraktion oder auch Kondensation abzustecken; konkrete Hinweise auf m\u00f6gliche Arten und Weisen der Modellierung sowie auf die Gestalt der hieraus resultierenden Modelle konnten aber vorerst noch nicht gewonnen werden. Hier ist nun anzusetzen. a. \"Communication-Oriented Modeling\" - Der bisherige Ansatz Im Rahmen des COM-Ansatzes haben zu Zw ecken der Modellierung bisher u.a. aus der Netzwerk-Forschung bekannte (gerichtete) Graphen Anwendung gefunden (vgl. in print, S. 6). Die verwendeten Graphen soMalsch und Schlieder in print, S. 9 ff. sowie Albrecht, L\u00fcbcke, Malsch und Schlieder llen an dieser Stelle kurz vorgestellt werden, da sie Bestandteil nachfolgender Modellierungen sind. Thomas Malsch und Christoph Schlieder setzen in ihrem \"Aufriss\" zum \"Communication-Oriented Modeling\" (\"Communication without Agents?\", in print) gerichtete Graphen ein, um die Publikation von Mitteilungen (verstanden als \"To Whom It May Concern\") und die sich zwischen diesen Nachrichten ergebenden Referenzen modellieren und ferner computergest\u00fctzt simulieren (COMTE) 20 zu k\u00f6nnen. Mitteilungen werden im Modell mit Hilfe vo n \"Netzwerk-Knoten\" erfasst und dargestellt, die Visualisierung der bereits angesprochenen Referenzen \u00fcbernehmen Richtungs-Vektoren (\"Kanten\"), die es er lauben, das r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Referenzieren von Nachrichten auf Nachrichten zu visualisieren. Nachfolgende Abbildungen zeigen zwei gerichtete Graphen zur Darste llung der zeitlichen Abfolge von Publikati20 Im Falle von COMTE handelt es sich um eine Testumgebung f\u00fcr die Simulation von Kommunikationsprozessen im Anschluss an die Ergebnisse des \"COM\". Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 39 ons-Ereignissen (\"Publication Event Graph\") sowie zur Darstellung der dazugeh\u00f6rigen Referenzen (\"Message Reference Graph\"; Abbildung 2). Abbildung 2: \"Publication Event Graph\" und \"Message Reference Graph\" publication events present messages 8 9 10 11 8 9 10 11 6 7 6 7 3 4 5 3 4 5 past 1 2 1 2 Quelle: Malsch und Schlieder in print, S. 11. Darstellung aufeinanderfolgender Kommunikationsereignisse. W\u00e4hrend der \"Publication Event Graph\" ausschlie\u00dflich dar\u00fcber in formiert, welche Nachrichten in welcher der \"Message Reference Graph\", wie zeitlichen Abfolge \"gepostet\" wurden, zeigt Mitteilungen auf die ihnen vorausgehenden Nachrichten Bezug nehmen. Die f\u00fcr diese beiden Graphen in der Simulation geltenden Annahmen k\u00f6nnen Malsch und Schlieder in print, S. 11, entnommen werden. \"Message Reference Graphs\" findet sich u.a. in \"Communication without Agents? Ein Beispiel f\u00fcr die Simulation von Kommunikationssequenzen unter Einsatz des From Agent-Oriented Modeling to Commun ication-Oriented Modeling\" (in print). Einzelne Nachrichten gelten in diesem Modell als im Zeitverlauf \"gepostet\", Anschl\u00fcsse an vorausgehende Mitteilungen, d.h. Referenzen, werden auf Basis der Sichtbarkeit der im Prozessverlauf bereits erzeugten Nachrichten mit Hilfe einer Wahrscheinlichkeitsfunktion berechnet. Im Zeitverlauf nimmt die Sichtbarkeit von 40 Rasco Hertig-Perschke Nachrichten gem\u00e4\u00df den Rahmenbedingungen der Modellierung bzw. Simulation ab (\"Sichtbarkeitsverfall\" im Laufe der Zeit). Die erneute Bezugnahme auf \u00e4ltere Mitteilungen erh\u00f6ht deren Visibilit\u00e4t jedoch wieder. \"Sichtbarkeitsverfall\" und durch erneutes Referenzieren wiedergewonnene Bedeutung werden schlie\u00dflich in einem \"Visibilit\u00e4tsindex\" gegeneinander aufgerechnet, so dass sich f\u00fcr jede Nachricht im-mer wieder neue Visibilit\u00e4tswerte errechnen lassen, die die Wahrscheinlichkeit des Anschlusses positiv oder negativ beeinflussen (vgl. ebd., S. 12 ff.). Was hier als \"Visibilit\u00e4t\" verstanden wird ist, vom Modell auf den Kommunikationsprozess zur\u00fcckschauend, die \"soziale Sichtbarkeit\" einer Nachricht; die ann\u00e4hernde Einsch\u00e4tzung, inwiefern Mitteilungen f\u00fcr Rezepti onen zum Zeitpunkt t=0 (Gegenwart) noch erreichbar sind und so (bezogen auf ihren kommunikativen Gehalt bzw. den jeweils zu realisierenden Kommunikationsgehalt) zum Movens neuer kommunikativer Anschl\u00fcsse werden k\u00f6nnen. Die \"soziale Sichtbarkeit\" gibt vermittelt Aufschluss \u00fcber die Erreichbarkeit dieses kommunikativen Gehaltes, wobei immer zu ber\u00fccksichtigen gilt, dass der Inhalt einer Nachricht im Kommunikationsprozess schon weitere Verbreitung in anderen Mitte ilungen gefunden haben kann, dann aber gefiltert durch den Vorgang der Reze ption, welcher in die rezep tiv-inzeptive Ve rkn\u00fcpfung (m\u00f6glieinm\u00fcnden kann. Ein entscheidender Vorgang, der im \"Message Reference Graph\" cherweise) ganz unterschiedlicher Sachverhalte zum Inhalt einer neuen Nachricht nur eine rudiment\u00e4re und ungen\u00fcgende Beachtung find et, da der kommunikative Gehalt einzelner Mitteilungen f\u00fcr die Modellie rung und den Simulationslauf bislang keine Rolle spielt, ebenso wie seine Re- und Deformierung, auch in Anbetracht der Ged\u00e4chtnisleistung von Akteuren bzw. Ag enten. Die hieraus resultierenden Probleme werden u.a. Thema nachfolgender Abschnitte sein. b. \"Kondensation\" und \"Aggregation\". (Vor-)\u00dcberlegungen zur Struk-turbildung in Diskussionsproze ssen - Das Beispiel \"DEMOS\" Unter 1.2 habe ich einleitend das Untersuchungsziel der hier vorliegenden explorati-ven Studie umrissen, welchem ich mich nun im Anschluss an die umfangreichen, zugleich aber notwendigen Vorbemerkungen zum Begriff der Kommunikation widmen m\u00f6chte. Wie erl\u00e4utert, sollen sich in Kommunikationsprozessen ergebende Zusammenfassungen bzw. Aggregationen, in engerem Sinne \"thematische Verdich-tungen\" als Kondensationen und somit allgemein komplexit\u00e4tsreduzierende Leistungen der Kommunikation einer genaueren Betrachtung unterzogen werden. In diesem Zusammenhang ist es weniger das Ziel , gewachsene soziale Systeme, Institu- Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 41 tionen, Organisationen etc. und die sie konstituierenden, tragenden und festigenden Kommunikationen, Regelsysteme und Wissensbest\u00e4nde gezielt zu analysieren. Vielmehr geht es darum, auf einer weiterhin das unmittelbare Kommunikationsereignis (mit-)beobachtenden Ebene zu fragen, wie es zu \"thematischen Verdichtungen\" bzw. den bereits angesprochenen Kondensationen und Aggregationen kommen kann, die gleicherma\u00dfen Anschlussm\u00f6glichkeiten beschneiden (Reduktion von Komplexit\u00e4t), durch diese Verknappung aber die Wahrscheinlichkeit des Anschlusses an den von erh\u00f6hen, insbesondere aufgrund hoher Repr\u00e4sentativit\u00e4t, Visibilit\u00e4t und Stabilit\u00e4t ihnen geschaffenen, neuen und gr\u00f6\u00dferen kommunikativen Zusammenh\u00e4ngen deutlich (neue Kapazit\u00e4ten im Umgang mit Komplexit\u00e4t). Bevor zun\u00e4chst \"thematische Verdichtungen\", oder anders formuliert, \"Kondensationen\" aber auch \"Aggregationen\" \u00fcberhaupt mit dem Vokabular einer sozionisch inspirierten Kommunikationstheorie neu erfasst werden k\u00f6nnen, ist zu fragen, welchen Spuren wir \u00fcberhaupt folgen k\u00f6nnen, wollen wir unser Untersuchungsobjekt in den Blick bekommen. Ich hatte bereits ange deutet, dass es unter anderem die Operation der Rezeption ist, die es in ihrer prinzi piellen Offenheit gegen\u00fcber erreichbaren Kommunikationen den einzelnen, an Komm unikation strukturell gekoppelten Bewusstseinssystemen erlaubt, Mitteilungsgeha lte b\u00fcndelnd zu behandeln und auf dieser Grundlage neuerliche Inzeptionen vorzubereiten. Somit stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll sein k\u00f6nnte, wieder auf den Akteur\/Agenten als handelnde Instanz zur\u00fcckzukommen und Kommunikation im engeren Sinne als \"kommunikatives Handeln\" aufzufassen. Dass Akteure, oder allgemeiner Agenten, f\u00fcr die Kommunikation von existentieller Bedeutung sind, dass sie handeln, ist indes nie bestritten worden. Wichtig aber bleibt zu sehen, dass sich Sinn nicht nur im Bewusstsein der an KomKommunikation hervorgebracht und prozessiert wird - ob nun komplement\u00e4r oder munikationen wie auch immer beteiligten Personen ablagert, sondern vielmehr in der auch kontr\u00e4r zu dem, was im individuellen Bewusstsein an \"Sinnprovinzen\" und \"Sinnfacetten\" bereits geschaffen wurde. Auf den Stellenwert des Akteurs im Zu-sammenhang mit der Ermittlung und Erm\u00f6glichung von Anschl\u00fcssen soll erst im \u00fcbern\u00e4chsten Abschnitt eingegangen werden, n\u00e4mlich dann, wenn wir erste Restriktionen des bisherigen \"COM\" beleuchtet haben und weiterf\u00fchrende Modellierungsvorschl\u00e4ge gefordert sein werden. Als erster Ansatzpunkt zur weiteren Bestimmung des Erscheinungsbildes von Aggregationsleistungen der Kommunikation mag hier das Beispiel einer Online-Diskussion dienen, durchgef\u00fchrt im Rahmen des EU-gef\u00f6rderten Forschungsprojektes 42 Rasco Hertig-Perschke \"DEMOS\" 21. Interessierte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der Freien und Hansestadt Hamburg hatten im Jahre 2002, wie auch die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger anderer europ\u00e4ischer St\u00e4dte, die M\u00f6glichkeit, via Internet in mehreren Foren \u00fcber die Zukunft der Stadt und das Leitbild \"Metropole Hamburg - Wachsende Stadt\" zu diskutieren. gen und ihr Nutzen f\u00fcr die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der Freien und Hansestadt. Im Im Mittelpunkt der Diskussionen standen u.a. m\u00f6gliche st\u00e4dtebauliche Ver\u00e4nderunVerlauf eines DEMOS-Threads wurde z.B. di skutiert, ob die Freie und Hansestadt Hamburg in Zukunft darauf setzen sollte, den Bau von Hochh\u00e4usern st\u00e4rker als bislang zu f\u00f6rdern 22. Dieser \"Wolkenkratzer-Thread\" startete am 14. November 2002 direkt und indirekt bis zum 27. November des gleichen Jahres 31 weitere Nachrichten mit einem Eingangspl\u00e4doyer f\u00fcr den Bau neuer Hochh\u00e4user in Hamburg, eingereicht von einem User mit dem Pseudonym \"ms1008\". An diese Mitteilung schlossen sich an. Sie alle nahmen in unterschiedlicher Art und Weise das vorgegebene Thema auf. Beitr\u00e4ge reichten von ernsthaf ten \u00dcberlegungen zur Gestaltung des Stadtbildes bis hin zu nicht ganz ernst gemeinten Visionen, die sich der \"Spielerei\" mit st\u00e4dtebaulichen Ideen widmeten. Die n\u00e4here Betrachtung des Threads erlaubt, einen tieferen Einblick in die Struktur von (Online-)Kommunikationsprozessen zu nehmen. Interessant ist vor allen Dingen, die 32 Mitteilungen des Th reads unter Ber\u00fccksichtigung des in der ersten Nachricht eingelassenen thematischen Fokus gegenzulesen. Das Ergebnis: Im Laufe der Diskussion entstanden schnell unterschiedliche \"strukturelle\" und \"seman-tische\" Threads 23, ein Resultat, das hier anfangs ein wenig verwundern mag, bedenkt 21 Bei DEMOS (\"Delphi Mediation Online Syst em\") handelte es sich um ein von der europ\u00e4ischen Kommission gef\u00f6rdertes Forschungs projekt zur politischen B\u00fcrgerbeteiligung im Internet (vgl. L\u00fchrs u.a. 2003, Vo rwort Abschlussbericht DEMOS sowie www.demos.tu-harburg.de). Insgesamt acht Partner aus vier europ\u00e4ischen L\u00e4ndern beteiligten sich an der Durchf\u00fchrung des Projektes. In Hamburg fanden Online-Diskussionen zum Leitbild \"Metropole Hamburg - Wachsende Stadt\" in den Monaten November und Dezember 2002 statt. \u00dcber die Ergebnisse informiert der von der TuTech (Technische Universit\u00e4t Hamburg-Harburg) herausgegebene Bericht \"DEMOS. Delphi Mediation Online System. Bericht zur Online-Dis kussion. Metropole Hamburg - Wachsende Stadt\", 2003. 22 Im Gegensatz zu anderen deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten werden in Hamburg nach wie vor verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenige, extrem hohe Geb\u00e4ude errichtet. 23 Inhaltsanalytisch lie\u00dfen sich f\u00fcr den so genannten \"Wolkenkratzer-\" und den mit ihm in Beziehung stehenden \"Hafennutzungs-Thread\" mindestens 5 unterschiedliche Themen feststellen (L\u00fcbcke, WP 1 2004, Version: 10.02.2004, S. 19). Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 43 man, dass doch eine noch recht kleine , \u00fcberschaubare Zahl von Mitteilungen \"gepostet\" wurde. Es lohnt sich allerdings, noch genauer hinzusehen 24. Die thematischen Foci einzelner Beitr\u00e4ge einem Vergleich unterziehend lassen sich eine Handvoll \"Cluster\" identifizieren; Mitteilungen, die mehr oder weniger konzentriert ganz bestimmte As-pekte des Baus von Hochh\u00e4usern in den Vordergrund stellten. Schwerpunkte reichten von der Ver\u00e4nderung des Stadtbildes durch neue Hochh\u00e4user \u00fcber die Wirtschaftlichkeit entsprechender Bauten bis hin zu Fragen der Wohnqualit\u00e4t und der Faszination, die von Wolkenkratzern ausgeht. W\u00e4hrend di e \"strukturellen Threads\" lediglich Aufschen Threads\" dar\u00fcber, welchen Themenschwerpunkten \u00fcber l\u00e4ngere Zeitspannen Bedingungen geschuldeter) Anschl\u00fcsse geben k\u00f6nnen, informieren uns die \"themati-schluss \u00fcber das \"Wann\" und \"Wo\" erfolgter (teilweise auch den technischen hinweg oder auch nur kurz in mehreren Mitteilungen Bedeutung beigemessen wurde und welche AutorInnen einzelne Aspekte wie behandelten 25. Diese Themenschwerpunkte weisen jedoch nicht nur uns einen Weg durch das \"Dikicht der Diskussion\", sie d\u00fcrften diese Funktion, wenn auch auf je unterschiedliche Art und Weise, also abh\u00e4ngig von der Beobachterposition 26, ebenso f\u00fcr die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Online-Diskussion erf\u00fcllt haben. Themen sind die \"Leitpunkte\" und \"Wegweiser\" der Kommunikation. Und dieses gilt umso mehr, je weniger sich die KommunikationsteilnehmerInnen pers\u00f6nlich kennen und direkt wahrnehmen k\u00f6nnen, sondern ihre Fern-Interaktion \u00fcber das geschriebene Wort gestalten m\u00fcssen. Aspekte, die gerade im Falle der Interaktion Kommunikationen zus\u00e4tzlich formen und \u00fcberformen (Macht, Rollen, Gestik etc.) haben online zun\u00e4chst keine Bedeutung. Orientierung bietet die Sache; Relevanzen werden angedockt, und eine Begr\u00fcndung 24 Steffen Albrecht und Maren L\u00fcbcke vom \"COM\"-Team ha ben im Winter 2003 erneut Demos-Threads aufgearbeitet. Ihnen gilt besonderer Dank. Die zus\u00e4tzlichen Analysen zur DEMOS-Online-Kommunikation machten die nachfolgenden Betrachtungen erst m\u00f6glich. 25 \"Thematische Threads\" wu rden \u00fcber direkte kommunikative Anschl\u00fcsse rekonstruiert. In der Folgemitteilung musste unmittelbar auf den Inhalt oder den Autor der vorangegangenen Nachricht Bezug genommen worden sein (namentliche Ansprache, Zitat, Frage\/Antwort). 26 Selbstverst\u00e4ndlich handelt es sich bei de r nachtr\u00e4glichen Rekonstruktion von \"thematischen Threads\" um eine Leistung der - in diesem Falle wi ssenschaftlichen Fremdbeobachtung und somit der \"Beobachtu ng zweiter Ordnung\". Wie die thematischen Schwerpunkte tats\u00e4chlich ihre Leitfunktion f\u00fcr die einzelnen, an der Diskussion beteiligten Akteure erf\u00fcllt haben, muss offen bleiben. 44 Rasco Hertig-Perschke dieser oder jener Relevanzsetzung schein t ratsam, soll der Beitrag anschlussf\u00e4hig bleiben. Zentral ist und bleibt aber vor allem, das Thema nach M\u00f6glichkeit mit neuen Aspekten anzureichern, ohne sich dabei von seinem inneren Kern all zu weit zu entfernen. Die Er\u00f6ffnungsmitteilung gab einen ersten Rahmen f\u00fcr die weitere Diskussion vor, ein Rahmen (das \"F\u00fcr\" und \"Wider\", \"Hochhaus und Stadtbild\"), der selbst in der Besch\u00e4ftigung mit nicht ganz ernst gemeinten Ideen nicht verlassen wurde 27. In nahezu allen Mitteilungen spielte der Einf luss der Wolkenkratzer auf das Stadtbild eine Rolle, ein Aspekt mit starker Bindungskraft. Eine erste These f\u00fcr m\u00f6gliche Mo-dellierungen soll deshalb lauten: Signifikanz vor Relevanz. Dieses d\u00fcrfte generell und im Besonderen f\u00fcr alle Kommunikationszusammenh\u00e4nge gelten, in denen sich die KommunikationsteilnehmerInnen untereinander nicht kennen und ebenso wenig di-rekt wahrnehmen k\u00f6nnen, somit zu Beginn Nichts und sp\u00e4ter nur jenes, was sie den einzelnen Mitteilungen entnehmen k\u00f6nnen, \u00fcbe r die andere\/den anderen TeilnehmerIn wissen. Dass Signifikanz und Relevanz i mmer Hand in Hand gehen, soll gar nicht bestritten werden. Aber in der Diskussion ist zwecks Aufnahme der Kommunikation zun\u00e4chst ein Thema vonn\u00f6ten. Wer diesem Thema welche Bedeutung\/Relevanz beimisst und daran sein Mitteilungsverhalten ausrichtet, ist noch eine andere Frage; sichergestellt sein muss nur, dass es f\u00fcr potentielle KommunikationsteilnehmerInnen (im Falle von \"DEMOS\" B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der Freien und Hansestadt Hamburg) m\u00f6glich wird, zu partizipieren 28. Hinzu kommt noch, dass pers\u00f6nliche Referenzen den Fortgang von Kommunikation allein nicht erm\u00f6glichen und zu gew\u00e4hrleisten verm\u00f6gen. Vielmehr k\u00f6nnen sie sogar, stark genug und direkt durchsetzbar, Kommunikation zum Erliegen bringen 27 In einigen Mitteilungen wurde kurz dis kutiert was w\u00e4re, wenn der Wassertr\u00e4germann Hummel-Hummel mit seinem Tragegestell und seinen zwei Eimern als gro\u00dfes Geb\u00e4ude \u00fcber der Elbe nachgebaut werden w\u00fcrde. Auch wenn zun\u00e4chst \u00fcber \"Swimmingpools\" in den Eimern gewitzelt wurde, nahm ein Teilnehmer doch schnell wieder den \"ernsthaften\" Gehalt der urspr\u00fcnglich \"geposteten\" Anfrage zu \"Hummel-Hummel\" auf - Wie sollten Wolkenkratzer, oder auch allgemeiner neue Hamburger Geb\u00e4ude, beschaffen sein, damit sie sich nicht einfach nur durch H\u00f6he und Gr\u00f6\u00dfe, sondern auch durch eine gewisse \"Un-verwechselbarkeit\" auszeichnen und das Stadtbild bereichern (vgl. www.demos.tuharburg.de, Thread \"Moderne Wolkenkratzer f\u00fcr Hamburg\", Mitteilungen 19 bis 24\/25). 28 \"Themen diskriminieren die Beitr\u00e4ge und dam it auch die Beitr\u00e4ger. So geh\u00f6rt z.B. zu den Erforderlichkeiten geselliger Kommunikation, Themen zu w\u00e4hlen, zu denen alle Anwesenden etwas beitragen k\u00f6nnen: Themen, die niemanden verlocken, seine Individualit\u00e4t auszureizen, und jedem die Chance geben, einen hinreichend individuellen Beitrag zu leisten, in dem er selbst erkennbar sein wird\" (Luhmann 1999, S. 213). Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 45 sind alle in bestimmter Hinsicht einer Meinung, gibt es nichts mehr zu diskutieren; habe ich anderen meine Meinung aufgezwungen, kann und will niemand mehr mit mir diskutieren. Nicht desto trotz, die unterschiedlichen Relevanzsetzungen m\u00fcssen sich an etwas halten, sie m\u00fcssen einen \"Punkt\" machen, gleicherma\u00dfen aber auch ihren \"(Ansatz-)Punkt finden - und diesen bieten nur die in der Kommunikation auf-gebrachten und oftmals nur langsam ihre spezifischen Foci wechselnden Themen. Abrupte \u00dcberg\u00e4nge von einem Thema zum anderen bleiben nicht ausgeschlossen, neuerliche Kombinationen von ganz unters chiedlichen Relevanzen und Signifikanzen m\u00f6glich - die bestehende Gefahr lautet jedoch: Orientierungsverlust der Kommunizierenden - die Optionen: Abbruch und sofortige Neuausrichtung der Kommunikation oder Missverstehen, Aufgeben der Relevanz, Abbruch und g\u00e4nzlich andere Anschl\u00fcsse, selbstverst\u00e4ndlich in neuen Zusammenh\u00e4ngen. In einem Thread wie dem hier analysierten kann \u00fcber die Wirtschaftlichke it von Hochh\u00e4usern, ihr Erscheinungsbild und die M\u00f6glichkeiten ihrer Nutzung gesprochen bzw. \"gepostet\" werden. Themen wie die Bundesligaergebnisse vom Wochenende oder das Wetter scheiden jedoch aus. Entsprechende Mitteilungen k\u00f6nnten \"gepostet\" werden, bringen aber die bisher im kommunikativen Zusammenhang erbrachte Le istung (konzentrierte Diskussion \u00fcber den Bau von Hochh\u00e4usern) in Gefahr. Zwar muss aus \"unsinnigen\" Beitr\u00e4gen nicht gleich die Gefahr eines Abbruches erwachsen, sie binden aber im geringsten Fall kognitive Kapazit\u00e4ten, die auf ihre Rezeption \"verschwendet\" werden. Themen geben der Kommunikation also ihre Richtung, M itteilungen und die in ihnen zum Ausdruck kommenden Signifikanzen und Relevanzen m\u00fcssen an zum jeweiligen Zeitpunkt in einer Diskussion \u00fcber einen besonderen Status verf\u00fcgende thematische Schwerpunkte angedockt werden, damit zumindest eine grunds\u00e4tzliche Anschlussf\u00e4higkeit gegeben ist 29. Auf das Ph\u00e4nomen der \"thematischen Konzentration bzw. Verdichtung\" hat im Zuge seiner \"autopoietischen Wende\" bereits Niklas Luhmann in seiner allgemeinen Theorie sozialer Systeme (1984) hingewiesen. Luhmanns \u00dcberlegungen folgend kann davon gesprochen werden, dass Kommunikationen sich immer dann zu spezifischen Prozessen weiterentwickeln, wenn die funktionsspezifische Differenz von \"Themen\" und \"Beitr\u00e4gen\" in der Kommunikation zum Tragen kommt: \"Kommunikationszu29 Maren L\u00fcbcke hat in Anlehnung an die Untersuchungen von L. Osborne herausgestellt, dass auch Themenmutationen nur dann zustande kommen k\u00f6nnen, wenn ein bereits in der Kommunikation Orientierung bietendes Thema zun\u00e4chst in einer Anschlussmitteilung erneut Erw\u00e4hnung findet und darauf hin folgend aus seiner \"Bahn\" abgelenkt\" wird (vgl. L\u00fcbcke, WP 1 2004, Version: 10.02.2004, S. 17). 46 Rasco Hertig-Perschke sammenh\u00e4nge m\u00fcssen durch Themen geordnet werden, auf die sich Beitr\u00e4ge zum Thema beziehen k\u00f6nnen. Themen \u00fcberdauer n Beitr\u00e4ge, sie fassen verschiedene Beitr\u00e4ge zu einem l\u00e4nger dauernden, kurz fristigen oder au ch langfristigen Sinnzusammenhang zusammen\" (vgl. Luhmann 1999, S. 213). Dass in erster Linie Themen als zentr ale \"Kondensationspunkte\" der Kommunikation gelten k\u00f6nnen, ist auch eine wichtige Erkenntnis im Rahmen diskursanalytischer Ans\u00e4tze, die darauf ausgerichtet sind, den Fokus der Analyse weg ihren inneren Elementen, das hei\u00dft den in ihren jeweiligen Zusammenh\u00e4ngen wirken-von den \u00e4u\u00dferen, Diskurse stabilisierenden oder destabilisierenden Einfl\u00fcssen, hin zu den Kommunikationen zu verlagern. Hubert Knoblauch hat dieses in seinem Beitrag f\u00fcr das \"Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse I\" (2001) deutlich heraus-gestellt: \"Diskurse zeichnen sich durch typi sche Inhalte aus, die in und zwischen Diskursgemeinschaften behandelt werden. In der Diskursanalyse ist deswegen auch beispielsweise von 'Kriegsdiskursen', 'Anti-Alkoholdiskursen' oder - etwas abstrakter - von 'Unterdr\u00fcckungsdiskursen' die Rede. Genau genommen handelt es sich hier um Themen bzw. Topoi, die in den genannten Formen kommunikativ konstruiert werden, bzw. um die ein Komplex kommunikativer Vorg\u00e4nge inhaltlich kreist. In diesem Sinne sind Diskurse die Prozesse, die die thematischen Relevanzen des kommunikativen Haushaltes pr\u00e4gen\" (Knoblauch 2001, S. 214) 30. Themen verdichten Kommunikation, Themen leiten Kommunikation, Themen erm\u00f6glichen erst die in diesem Text fortw\u00e4hrend erw\u00e4hnte \"Kondensation\" und die \"Aggregation\" von Kommunikationsbeitr\u00e4gen zu gesonderten, inhaltlich relativ geschlossenen Bl\u00f6cken 31. Schauen wir auf die Argumentation zur\u00fcck . Themen bzw. thematische Foci bieten f\u00fcr die an der Kommunikation beteiligten Bewusstseinssysteme Orientierung zur (Eng-)F\u00fchrung einzelner Beitr\u00e4ge. Gleichzeitig lassen sie im jeweiligen Kommunika-tionssystem eine Eigenstruktur mit thematischen Schwerpunkten und Aspekten entstehen, in die spezifische Relevanzen eingelassen sind\/werden. Unterscheiden sich 30 Nach Luckmann besteht der \"kommunika tive Haushalt\" einer Gesellschaft aus allen kommunikativen Vorg\u00e4ngen, die von den Mitgliedern dieser Gesellschaft hervorgebracht werden und verweist somit auf ihr Gesamt-Relevanzsystem (vgl. Knoblauch 2001, S. 213). 31 Die Offenheit von Kommunikation wird durch die relative Geschlossenheit einzelner Sequenzen oder Episoden nicht ber\u00fchrt. Wi r wissen: immer sind neue Relevanzsetzungen m\u00f6glich; jederzeit kann der Versuch gemacht werden, ein neues Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Dieses hat im konkreten Fall jedoch immer positive (Anreicherung, Neuausrichtung der Kommunikation) oder negative Folgen (Orientierungslosigkeit der kommunizierenden Personen, Abbruch der Kommunikation). Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 47 individuelle Relevanzen immer mehr oder weniger stark, gibt das Kommunikationssystem nach einiger Zeit m\u00f6glicherweise den Blick auf einige zentrale Relevanzen frei, die permanente Best\u00e4tigung finden. In der DEMOS-Diskussion zum Thema \"Wolkenkratzer\" wurde so z.B. geradezu ei nvernehmlich herausgestellt, dass Neubauten des Alsterpanorama nicht ver\u00e4ndern bzw. \"entstellen\" d\u00fcrften (vgl. www.demos.tu-harburg.de, Mitteilungen 1 bis 32). Diese Betrachtung der Kondensation, des \"Sich-Ablagerns\" von Kommunikationen \u00fcber thematische Foci unter Bezugn ahme auf \"Resultate\" der\/Beitr\u00e4ge zur \"thematischen Verdichtung\" bedeutet, so schl\u00fcssig sich die Argumentation und der Ansatz auf den ersten Blick auch darstellen m\u00f6gen, anzuerkennen, dass hier, gerade im Hinblick auf das gew\u00e4hlte Beispiel, eine spezifische Abstraktionsleistung der Beobachtungskommunikation erbracht worden ist. Welche thematischen Schwerpunkte sich letztlich in der Kommunikation herausbilden, um welche Aspekte sich die Diskussion drehen wird, welches faktis che \"Relevanzsystem des kommunikativen Diskussionshaushaltes\" schlie\u00dflich zu einem bestimmten Zeitpunkt entstehen wird dieses ist f\u00fcr die DiskussionsteilnehmerInnen der DEMOS-Online-Diskussionen m\u00f6glicherweise \"individuell vorhersehbar\" und \"w\u00fcnschbar\", aber keineswegs im Voraus \"vorhersagbar\" gewesen. Nachtr\u00e4glich allgemeine Schwerpunkte und Relevanzen bestimmen kann nur, wer den endg\u00fcltigen Verlauf der Kommunikation in Threads oder auch in gr\u00f6\u00df eren Kommunikationssystemen (z.B. im gesamten DEMOS-Diskussionsprozess) bereits kennt. Erst dann wird es im empirischen, d.h. f\u00fcr uns im sich an der konkreten Beobacht ung des Mitteilungszeichens orientierenden Sinne m\u00f6glich, mehr \u00fcber die stattgefundene Kommunikation zu sagen als noch zu Zeiten ihres Verlaufs. Oder, um die Betonung vom m\u00f6glichen Ende des Kommunikationsprozesses zu nehmen: Erst wenn die Kommunikation fortgeschritten ist, lassen sich aus der Perspektive des Fremdbeobachters \"thematische Verdichtungen\" und \"Kondensationen\" beobachten - sofern (noch) nachvollzogen werden kann, was zu sagt oder \"gepostet\" worden ist. Auch wenn die TeilnehmerInnen von einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit zu einem bestimmten Thema geKommunikationsprozessen zwecks Orientierungsfindung im \"Dschungel des kommunikativen Austausches\" den Ge halt von Mitteilungen immer wieder zusammenziehen und somit auch nach de n eigenen Signifikanzen und Relevanzen aggregieren, bleibt eine noch umfassendere Aggregationsleistung doch der Fremdbe-obachtung vorbehalten. Ihren eigenen \"blinden Fleck\" kann aber auch die Beobachtungskommunikation, in unserem Falle die Beobachtung zweiter Ordnung, nicht in Eigent\u00e4tigkeit beseitigen. Welche Bedeutung sie besitzt, l\u00e4sst sich ebenso nur \u00fcber weitere Beobachtung(skommunikation) kl\u00e4ren (vgl. Malsch, 7, S. 5). Sobald 48 Rasco Hertig-Perschke fremdbeobachtend an einen Kommunikationsprozess angeschlossen wird (z.B. um die Frage zu kl\u00e4ren, welche thematischen Sc hwerpunkte im Verlaufe der Kommunikation eine exponierte Stellung erlangt haben und eine gro\u00dfe Zahl von Beitr\u00e4gen motivieren konnten) muss klar sein, dass \u00fcber die \"Sto\u00dfrichtung\" der mit dieser Beobachtung einhergehenden Kommunikationen und ihre Wirkungen nicht einfach vorschnell auf gleicher Ebene befunden werden kann. Trotzdem ist in Rechnung zu stellen, dass die beobachtende Kommunikation der unmittelbaren allt\u00e4glichen Kommunikation hinsichtlich ihrer Abstraktionsleistung \u00fcberle gen ist: \"Als Spezialistin der Beobachtung von Kommunikation bildet sie sich ein, Mitteilungszeichen in beliebiger Menge zu \u00fcberblicken, indem sie lange Prozessketten, ausgedehnte Netzwerke, verzweigte Referenzstrukturen synoptisch zusammenfasst. Die operativen Leistungen, die dahinter stecken, hei\u00dfen Aggregation und Abstraktion. Es werden viele Mitteilungszeichen zu einer Beschreibung zusammen gezogen oder aggregiert. Wenn komplette Kommuni-kationsnetzwerke mit einheitlichen Mitteilungszeichen belegt werden, so sind die vielen einzelnen Netzwerkkommunikationen immer mitgemeint. Dass damit auf Tiefensch\u00e4rfe und Detailreichtum verzichtet wird, versteht sich von selbst. Gleichwohl bleibt es die unbestreitbare Leistung von hochaggregierten und hochabstrakten Be-schreibungen, dass sie sehr viel mehr zu sehen und zu beobachten erlauben, als es sonst der Fall w\u00e4re\" (ebd., 7, S. 5). Wir halten fest: Aggregation und Abstraktion sind in erster Linie Leistungen der Beobachtungskommunikation, kommen aber, wenn auch in anderer Form und mit anderer Reichweite, ebenso in laufenden Kommunikationsprozessen vor, ohne dass sie jedoch in aller Deutlichkeit einen Niederschlag finden m\u00fcssen (Individuelle Zusammenfassungen dienen den an der Kommunikation beteiligten Bewusstseinssystemen in erster Linie dazu, die \u00dcbersicht zu behalten). \"Kondensation\" ist eine Erscheinung in Anbetracht \"thematischer Verdichtung\", im unmittelbaren Kommunikationsprozess direkt gegeben, in ihrer vollen Tragweite jedoch erst in der Fremdbeobachtung des entsprechenden Kommunikationsprozesses zu erfassen. Nachdem erste Schl\u00fcsse gezogen worden sind, ist ihre \u00dcbertragbarkeit auf bzw. Integration in das unter 3.1 vorgestellte COMTE-Modell zu pr\u00fcfen ( Visualisierung unter Zugrundelegung der grafischen Elemente von COMTE ). Im Anschluss an die bereits weiter oben erw\u00e4hnten Auswertungen und Vor\u00fcberlegungen zu DEMOS wurden aus diesem Grunde die 32 Mitteil ungen des \"Wolkenkratzer-Threads\" von Steffen Albrecht und Maren L\u00fcbcke in jene Modellierungsweise \u00fcbertragen, die auch die Grundlage f\u00fcr Darstellungen in COMTE, namentlich in den Aufs\u00e4tzen \"Commu-nication without Agents? Form Agent-Oriented to Communication-Oriented Modeling\" (Malsch und Schlieder in print) sowie \"Scalability and the Social Dynam- Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 49 ics of Communication. On Comparing SNA and COM as Models of Communication Networks\" (Albrecht, L\u00fcbcke, Malsch und Schlieder in print) bildete. Abbildung 3: \"Wolkenkratzer\" - Strukturelle und semantische Threads (COM\/TE) Quelle: Analysen aus dem COM-Projektteam ; Grafik: Steffen Albrecht und Maren L\u00fcbcke. Die Verbindungslinien zwischen de n Mitteilungen verweisen auf die von den einzelnen Akteuren in der Kommunikation gesetzten Referenzen (\"strukturell\", teils aufgrund der vorgegebenen Anschlussm\u00f6glichkeiten), die mehrere Nachrichten umfassenden Umrandungen zeigen hingegen die in der Fremdbeobachtung rekonstruierbaren direkten thematischen Bezugnahmen bzw. \"semantischen Threads\". 50 Rasco Hertig-Perschke Im Gegensatz zu den \"Mitteilungszeichen\" der computergest\u00fctzten Simulation von Kommunikationssequenzen in COMTE (Nachrichteninhalte, Signifikanzen und Relevanzen spielen in der Simulation bislang keine Rolle) bieten die DEMOS-Threads infolge der gegebenen empirischen Beobachtbarkeit einzelner Mitteilungen und insbesondere aufgrund der M\u00f6glichkeit des retrospektiven Durchsehens ihrer Inhalte nat\u00fcrlich die Chance, \"thematische Verdichtungen\" am Material zu rekonstruieren. Werden die \"strukturellen Thr eads\" grafisch dargestellt, so ist es \"ein Leichtes\", die verschiedenen, sich im Laufe der Kommunikation abzeichnenden thematischen Foci \u00fcber eine Inhaltsanalyse zu ermitteln und anschlie\u00dfend als \"Cluster\" einzufrieden (vgl. hierzu Abbildung 3). Damit ist f\u00fcr das Problem der Simulation freilich noch nicht viel gewonnen, denn: Wie soll und kann zwecks Bestimmung von \"Kondensationspunkten\" (Themen) \u00fcberhaupt verfahren werden, wenn Simulationsl\u00e4ufe (noch) nicht auf der Basis einzelner, den verschiedenen Kommunikationen unmittelbar vorausgehender, Signifikanz- und Relevanzsetzungen durchgef\u00fchrt werden (k\u00f6nnen)? Bevor im Zuge einer allzu vorschnellen Kritik die Revision und der v\u00f6llige Umbau der bereits existierenden Testumgebung (COMTE) gefordert wird, sollte ihre Funktionsweise noch einmal genau betrachtet werden. Zu einem gegebenen Zeitpunkt t=0 werden vom Programm zu Beginn des Simulationslaufes n Nachrichten generiert, die einen \"Visibilit\u00e4tswert\" von 1.0 erhalten. F\u00fcr diese gilt: \"The number of newly generated messages at a cycle c is a random variable N(c) whose probability distribu-tion is one of the parameters of the simulation model. We assume N(c) to be equally distributed among values from the integer range [1...4]\" (Malsch und Schlieder in print, S. 13). Mit Blick auf den weiteren Verlauf des Kommunikationsprozesses wird davon ausgegangen, dass die urspr\u00fcngliche Sichtbarkeit (zum Zeitpunkt t=0, Gegenwart) eine fortlaufende Schw\u00e4chung erf\u00e4hrt, da die \u00e4lteren Nachrichten gegen\u00fcber den zum jeweiligen neuen Zeitpunkt t=0 publizierten Mitteilungen keinen \"Neuigkeitswert\" mehr f\u00fcr sich beanspruchen k\u00f6 nnen. Die Aufgabe der Reduzierung des \"Visibilit\u00e4tswertes\" mit der Zeit \u00fcbernimmt ebenfalls eine ihrer Aufgabe entsprechende Funktion (vgl. ebd., S. 12 f.). Wird in\/mit neueren Nachrichten auf \u00e4ltere Mitteilungen Bezug genommen, so erh\u00f6ht sich hingegen wieder die \"soziale Sichtbarkeit\" dieser \u00e4lteren Nachrichten. Aus dem Zusammenspiel des positiven Einflusses neuer Referenzen und des negativen Wirkens der Zeit ergeben sich auf jeder Zeitstufe von Runde zu Runde neue Visibilit\u00e4tswerte f\u00fcr die im Laufe der Simulation bereits generierten Nachrichten. Nachrichten mit hohen Werten zeichnen sich durch eine deutliche \"soziale Sichtbarkeit\" aus; sie sind , reinterpretieren wir ihre Werte, f\u00fcr alle TeilnehmerInnen der Kommunikation mehr oder weniger gut sichtbar und ziehen damit immer wieder (mit hoher bzw. h\u00f6here r Wahrscheinlichkeit) Folgebeitr\u00e4ge nach Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 51 sich, die sich direkt auf sie beziehen und somit ihren Stellenwert untermauern. In der DEMOS-Diskussion zum Hochhausbau in Hamburg war insbesondere die Eingangsmitteilung, welche den Thread er\u00f6ffnete, ein solcher Bezugspunkt. Selbst zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt schlossen sich neue Nachrichten immer wieder an diese Ausgangsmitteilung an; sogar dann, wenn sich zwischenzeitlich bereits eigenst\u00e4ndige Kommunikationssequenzen mit fortlaufenden Referenzen etabliert hatten. Der Grund f\u00fcr die so erfolgten erneuten Anschl\u00fcsse ist leider mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Anordnung der Betreffzeilen der Nachrichten auf der grafischen Oberfl\u00e4che zu sehen (die Eingangsmitteilung war besonders gut sichtbar plaziert, jedoch nicht infolge ihrer sozialen Sichtbarkeit sondern aufgrund der vorab festgelegten Form der Visualisierung der zum Thread geh\u00f6rigen Mitteilungen), sobald aber ein erster Anschluss auf diese Art und Weise erfolgte, kam es vor, dass an der entsprechenden Stelle noch folgend anschlie\u00dfende Nachrichten den im Eingangsstatement aufgespannten Diskussionsrahmen wieder aufnahmen und sich in ihrer thematischen Ausrichtung hieran orientierten, mithin also in gewissem Rahmen \"Erinnerungsarbeit\" leisteten und somit zu einer Art \"Erinnerungskommunikation\" wurden. Interessant k\u00f6nnte es sein zu kl\u00e4ren, was im Besonderen die Eingangsmitteilung ausgemacht hat, d.h. worin ihre Bedeutung f\u00fcr weitere Anschl\u00fcsse lag. Hier ist festzustellen, dass die Mitteilung in recht allgemeiner Form das sp\u00e4ter die Diskussion bestimmende Thema \"F\u00f6rderung des Wolkenkratzer-Baus\" initiierte, gleichzeitig aber auch eindeutig die Relevanzset-zung ihres Autors widerspiegelte (\"Ich pers\u00f6nlich habe nichts gegen Wolkenkratzer\", vgl. demos.tu-harburg.de, Mitteilung 1). Fe rner wurden die Th emen \"Wohnen im Hochhaus\", \"Arbeitspl\u00e4tze\" und \"Verbesserung der Attraktivit\u00e4t der Stadt\" angespro-chen. Die Nachricht bot somit allein aufgrund ihrer Struktur bereits g\u00fcnstige Anschlussm\u00f6glichkeiten. Zum einen pr\u00e4sentierte die Nachricht das angebotene The-ma in recht allgemeiner Form, so dass f\u00fcr nachfolgende Mitteilungen M\u00f6glichkeit bestand, ohne die Anschlussf\u00e4higkeit bzw. -wahrscheinlichkeit des eigenen Inhaltes unn\u00f6tig zu gef\u00e4hrden (Abbruch von Kommunikationen ist immer m\u00f6glich, gleich-wohl aber in unterschiedlichem Ma\u00dfe wahrscheinlich) individuelle Schwerpunktsetzungen (die Themenschwerpunkte \"Wohnen\" und \"Arbeitspl\u00e4tze\" stellten m\u00f6gliche Anhaltspunkte dar) dennoch vornehmen zu k\u00f6nnen, sofern der gesteckte thematische Rahmen nicht verlas sen wurde. Des Weiteren bestand die M\u00f6glichkeit, \"Relevanz an Relevanz\" zu koppel n - und dieses relativ problemlos. Dem \"Pro\" der ersten Nachricht konnte ebenso ein direktes \"Contra\" entgegengesetzt werden wie es m\u00f6glich blieb, die nun ohnehin schon bestehende Relevanzsetzung \"Pro\" zu verifizieren. Oder zusammenfassend ausgedr\u00fcckt: die gleichzeitige \"Offenheit\" (neue thematische Schwerpunkte zum Thema m\u00f6glich) und \"Geschlossenheit\" (\"Bau 52 Rasco Hertig-Perschke neuer Wolkenkratzer\" als zentrales Thema) sowie das Angebot eines Einstiegs in die Relevanzsetzung unter Nutzung des elementaren bin\u00e4ren Codes \"ja\/nein\" (Pro\/Contra) lie\u00dfen die Nachricht zu ei nem wichtigen \"Knotenpunkt\"\/\"Mittelpunkt\" 32 der Kommunikation werden. Die Identifikation eines solchen Knotenpunktes ist aller-dings nicht ganz unproblematisch. Hierzu einige \u00dcberlegungen. Wir halten zun\u00e4chst weiterhin unsere Annahme aufrecht: \"Keine Inzeption ohne Rezeption\". Dennoch muss jetzt ber\u00fccksich tigt und bei der Analyse von Kommunikationsprozessen in Rechnung gestellt werden, dass es immer anf\u00e4ngliche Bezugspunkte oder eben auch, wie im Falle der vorgestellten Online-Diskussion, einzelne Nachrichten gibt, die im Besonderen aufgrund ihres thematischen Schwerpunktes oder der mit diesem Schwerpunkt verbundenen Relevanzsetzung inzeptiv Folge\u00e4u\u00dferungen moti-vieren und dementsprechend nach sich ziehen. Im Hinblick auf die Simulationsl\u00e4ufe in COMTE w\u00e4re so z.B. zu \u00fcberlegen, inwiefern tats\u00e4chlich davon ausgegangen werden kann, dass auch die ersten Nachrichten, die zum Zeitpunkt t=0 den Kommunikationsprozess \"in Gang bringen\", generell einem \u00e4hnlichen Sichtbarkeitsverlust im Zeitlauf ausgesetzt sind, wie die ihnen nachfolgenden Mitteilungen (COMTE wurde zun\u00e4chst in Anlehnung an die in der fachwissenschaftlichen \u00d6ffentlichkeit \u00fcbliche Kommunikationsform des Zitierens entwickelt). Richtig ist: werden Inhalte\/Themen einer Nachricht f\u00fcr relevant befunden, leben diese in Folgenachrichten aufgrund einer mehr oder weniger authentischen Wiedergabe weiter; reichen Speicherkapazit\u00e4ten jedoch aus, um auch die Originalnachricht zu erhalten, so spricht einiges daf\u00fcr, dass auch (oder vielmehr) sie im Nachhinein f\u00fcr einen m\u00f6glichen neuen Anschluss ausgew\u00e4hlt wird und nicht die ihr nachfolgenden Mitteilungen, die lediglich ihre Inhalte aufzugreifen vermochten: rezipiert wird Verschiedenes, der Anschluss erfolgt jedoch ausschlie\u00dflich an einer bestimmten Stelle. Jede Soziolo-gin\/jeder Soziologe wird sich erinnern, was sie\/er im ersten Semester gesagt bekommen hat: \"Eine Einf\u00fchrung in das Fach stellt lediglich eine erste Grundlage dar - lesen sie die Klassiker!\" (vgl. Abbildung 4). 32 Vgl. zum Begriff und zur Funktion von \"hubs \" auch Barab\u00e1si 2003 sowie Newman 2003. \"Ausgangs\u00e4u\u00dferungen\" lassen sich auch als \"initial\" oder \"parental messages\" bezeichnen (vgl. L\u00fcbcke, WP1 2004, Version: 10.02.2004, S. 18). licher Anschluss (R) blieben vorbehalten; endg\u00fcltiger Verweis: 1 4 Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 53 Abbildung 4: Tats\u00e4chlicher Anschl uss und m\u00f6gliche Rezeptionen 2 r Die Nachrichten 1 bis 3 wurden 1 4 rezipiert (r), Rezeption und neuerr + R r 3 Tats\u00e4chlich \"transportiert\" die Testumgebung COMTE mit der deutlich hohen Bewertung der \"sozialen Sichtbarkeit\" neuer Nachrichten (ein Visibilit\u00e4tswert von 1.0) in ihrer grunds\u00e4tzlichen Anlage eine Erkenntnis aus der neueren Netzwerkforschung, welche die urspr\u00fcngliche \u00dcberlegung, gerade die in einem sich zum Netzwerk entwi-ckelnden Zusammenhang zuerst entstehenden Knotenpunkte k\u00f6nnten die meisten Verbindungen auf sich ziehen, teilweise su spendierte. Aktuelle Forschungen zeigen, dass es f\u00fcr die Netzwerkforschung mittlerweile von gro\u00dfer Bedeutung geworden ist, die in der Modellierung durch Knoten dargestellten und einer bestimmten Klasse zugeordneten Entit\u00e4ten auch \u00fcber erste Klassifikationen hinaus gehend genau im Hinblick auf ihre \"Eigenschaften\", \"F\u00e4higke iten\", \"Energien\" etc. zu unterscheiden Wahrscheinlichkeit weiterer Anschl\u00fcsse ents(vgl. Barab\u00e1si 2003, S. 93 ff.). Was bedeutet dieses aber f\u00fcr das Beispiel der Kommu-nikation? Die Antwort lautet: Mitteilung ist nicht gleich Mitteilung. \u00dcber die cheidet zwar grunds\u00e4tzlich die \"soziale Visibilit\u00e4t\" einer Nachricht, diese aber wi rd durch Signifikanz- und Relevanzsetzungen der an Kommunikation beteiligten Akteure erst gespeist, und mit den Operationen der Inzeption und der Rezeption k\u00f6nnen die Reputation eines Akteur, das Thema einer Mitteilung, ihr Umfang etc. die jeweilige Sichtbarkeit positiv oder negativ beeinflussen. Dieses bedeutet auch, dass Ursprungsmitteilungen, so steht es jedenfalls zu vermuten, je nach Kommunikationsprozess, unterschiedliche Sichtbarkeiten f\u00fcr sich verbuchen k\u00f6nnen. In COMTE elegan t gel\u00f6st: Ursprungsmitteilungen haben im Verlauf der Simulation zun\u00e4chst die gr\u00f6\u00dfte Chance, indirekte und direkte Referenzen 54 Rasco Hertig-Perschke \"auf sich zu ziehen\", so dass sich ihre Sichtbarkeit erh\u00f6hen kann (jene, die im Zeitverlauf sinkt), ihnen wird also eine \"verdeckt prominente\" Stellung zuerkannt. F\u00fcr einigerma\u00dfen geschlossene, abgekapselte \"Kommunikationsr\u00e4ume\" mag tats\u00e4chlich gelten, dass (in Anbetracht einer \u00e4hnlichen Reputation der Mitteillenden, der jeweiligen Platzierung der Mitteil ungen in Medien etc.) alle Mitteilungen gleich wahrscheinlich rezipiert werden und mit gleicher Wahrscheinlichkeit auch Folgenmitteilungen nach sich ziehen k\u00f6nnen. F\u00fcr viele empirisch beobachtbare Kommunikationsprozesse gilt dieses so aber keinesfalls. Zu \u00fcberlegen w\u00e4re, ob nicht auch in COMTE, gerade mit Blick auf die Rekonstruktion von empirischen Kommunikationsprozessen, mit unterschiedlichen \"Ausgangswerten\" der Visibilit\u00e4t gearbeitet werden k\u00f6nnte\/m\u00fcsste? Hierzu w\u00e4ren alle rdings eine Vielzahl weiterer Bedingungen der Kommunikation mitzumodellieren, stellt sich doch nicht zuletzt mit Blick auf den soeben unterbreiteten Vorschlag die Frage, worin eine jeweils unterschiedliche \"Ausgangsvisibilit\u00e4t\" gr\u00fcndet bzw. wie die Einsetzung unterschiedlicher Werte zu begr\u00fcnden ist? Fragen, die zun\u00e4chst offen bleiben m\u00fcssen, dennoch aber von Interesse sind. Wo eine hohe Sichtbarkeit gegeben ist, wo Anschl\u00fcsse mit hoher Wahrscheinlichkeit folgen, dort liegen auch immer die Schwerpunkte der Kommunikation, dort werden relevante Themen verhandelt, hier kommt es in Anbetracht \u00e4hnlich verhandelter Gehalte zu Kondensation und Aggregation, hier bietet es sich an, in neuen Mitteilungen altbekannte Sachverhalte kom pakt darzustellen, sie mit vereinheitlichenden Mitteilungszeichen zu bezeichnen. Bei den Nachrichten mit hohem Visibilit\u00e4tswert handelt es sich, so steht also zu vermuten, um Mitteilungen, die in ihrem Ke rn jene Themen behandeln, denen aufgrund der individuellen Einsch\u00e4tzung der KommunikationsteilnehmerInnen hohe Relevanz zugesprochen wird; entweder direkt im Hinblick auf das Thema selbst, oder sei es auch nur indirekt (mit Blick auf AutorInnen usw.), mit dem Ziel, die Visibilit\u00e4t der eigenen Nachricht zu steigern. Diese N achricht muss sich aber auch dann inhaltlich in den prominenten Themenkomplex eingliedern bzw. an jene Nachricht(en) anschlie\u00dfen lassen, die das (derzeit) bestimmende Thema der Kommunikation offensiv und gut sichtbar transportier t\/transportieren. Innerhalb des Gesamtzusammenhanges der Kommunikation \"w\u00e4chst\" so die Sensibilit\u00e4t der Teilnehmer f\u00fcr all das was anschlussf\u00e4hig ist, w\u00e4hrend andere Themen (noch) au\u00dferhalb des aktuellen Verweisungszusammenhanges bleiben m\u00fcssen. Es ist zu unterscheiden zwischen jenem, was im Kommunikationszusammenhang sagbar ist, und all jenem, dass keine Rolle spielen (kann). Luhmann hierzu: \"Erst an Hand von Themen kann man die Richtigkeit eigenen und fremden kommunikativen Verhaltens im Sinne eines Zum-Thema-Passens kontrollieren. Insofern sind Themen gleichsam die Handlungs- Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 55 programme der Sprache. Wenn es dann nur noch um die beste Art geht, M\u00e4use in M\u00e4usefallen zu fangen, kann man immer noch eine ganze Menge beitragen, aber nicht mehr Beliebiges; und man ist durch das Thema genug vororientiert, um seine Beitr\u00e4ge rasch w\u00e4hlen und das Passen der Beitr\u00e4ge anderer kontrollieren zu k\u00f6nnen; man kann an Hand der Qualen, die die M\u00e4use erleiden, die moralische Sensibilit\u00e4t der Teilneh-mer testen und das Thema wechseln, wenn man den Eindruck hat, da\u00df es f\u00fcr einen selbst und f\u00fcr die \u00fcbrigen Teilnehmer ersch\u00f6pft ist\" (Luhmann 1999, S. 216). Am Thema \"kondensieren\" sich Kommunikationen, an ihm bilden sich Kommunikationssequenzen heraus - die n\u00e4here, endg\u00fcltige Bestimmung dieser \"thematischen Verdichtungen\", die\/der Zusammenfassung\/-lauf von Nachrichten mit Blick auf ihren dings als Leistung der (Fremd-)Beobachtung verstanden werden. Beitr\u00e4ge passen und thematischen Rahmen, muss, dem Gang der bisherigen Darstellung folgend, allerliefern neue Aspekte, aber dieses muss nicht hei\u00dfen, dass ihre UhrheberInnen zum Zeitpunkt der Publikation bereits vollst\u00e4 ndig die Implikationen des verhandelten Themas \u00fcbersehen, geschweige denn alle bisher im wie auch immer begrenzten Kommunikationszusammenhang zum Thema \"geposteten\" Nachrichten rezipiert haben. Dieses mag auch f\u00fcr das COMTE-Modell gelten. Vorschlag w\u00e4re es hier, die Darstellung bzw. Visualisierung von Aggregationen parallel zur Simulation des eigentlichen Kommunikationsprozesses im Modell zu erm\u00f6glichen (\"Splitscreen\"), gleichsam also einen Einblick in die spezifische Leistung von Fremdbeobachtung zu bieten. Woran lassen sich \"thematische Ve rdichtungen\" in COM TE aber festmachen, wollen wir, einen Ausblick wagend, schon vorab \u00fcberlegen, wo schlie\u00dflich was in COMTE identifiziert werden k\u00f6nnte? Als \"Mittelpunkte\" von \"Clust ern\", so scheint es zumindest auf den ersten, fl\u00fcchtigen Blick und eine unreflektierte Vermutung wa-gend, lassen sich (ausschlie\u00dflich) jene Nachrichten einstufen, die, zwar zu einem fr\u00fcheren Zeitpunkt \"gepostet\", zum aktuellen Zeitpunkt t=0 \u00fcber die h\u00f6chste \"soziale Sichtbarkeit\" (die meisten Anschl\u00fcsse) verf\u00fcgen. Vorherige und neuere Runden betrachtend lie\u00dfen sich ferner dann jene Mitteilungen hinzuziehe n, die zu diesen \"Hauptknoten\" in unmittelbarer Verbindung stehen\/standen. \u00c4hnlich lassen sich auch in Online-Diskussionsforen Themenentwicklungen verfolgen (\"Threadstruktur\"): \"Die dahinterliegende These lautet, dass zwei Nachrichten ein gemeinsames Thema haben, wenn sie sich aufeinander beziehen\" (L\u00fcbcke, WP1 2004, Version: 10.02.2004, S. 17). Das nachfolgende grafische Schema mag hier zur Verdeutlichung beitragen: 56 Rasco Hertig-Perschke Abbildung 5: M\u00f6gliche Clusterbildung in COM\/Visualisierung? 10 3 11 t=0 8 9 10 11 7 2 5 t=1 6 7 t=2 3 4 5 t=3 1 2 In Anlehnung an die Simulationsl\u00e4ufe von Malsch und Schlieder - \"cycle 4\" (Malsch und Schlieder in print, S. 14.). Der Nutzen einer solchen Visualisierung bleibt beim derzeitigen Stand der Entwick-lung von COMTE aber gering. Etwas anders muss hinzukommen, sollen, den jetzigen Stand der Modellierung in COMTE zum Ausgangspunkt nehmend, ann\u00e4hernd zuverl\u00e4ssig (wie gesagt: die einzelnen Mitte ilungen in COMTE bleiben \"inhaltsleer\") \"Cluster\" und somit \"thematische Verdicht ungen\" sichtbar gemacht werden. Aber was? Wie kann man erkennen, ob Gegebenes (die Mitteilung) \u00c4hnlichkeiten zu ande-ren Gegebenheiten (Mitteilungen) besitzt, wenn Nichts \u00fcber die mit dem Gegebenen transportierten Inhalte bekannt ist? Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 57 Wieder liegt eine weitere L\u00f6sung des Problems im Verstehen des Prozesses der Fremdbeobachtung. Kommunikationen m\u00fcssen sich, sollen gr\u00f6\u00dfere Zusammenh\u00e4nge geschaffen werden, an Themen ausrichten lassen. Fortlaufend werden so im Zuge der Beobachtung der Umwelt durch die an Kommunikation beteiligten Personen oder Systeme Beobachtungsresultate in laufende Prozesse eingespeist oder f\u00fchren zur Er\u00f6ffnung neuer Sequenzen. Der sachliche Gehalt von Themen ist von Fall zu Fall verschieden, die M\u00f6glichkeiten scheinen zun\u00e4chst unbegrenzt: \"Der Spezialisierung sind keine Grenzen gesetzt, - au\u00dfer solchen, die sich aus dem Interesse an der Fortset-zung der Kommunikation ergeben\" (Luhmann 1999, S. 214). Eine besondere M\u00f6glichkeit der Kommunikation liegt darin, nicht nur den sachlichen Gehalt von Themen, sondern ebenso den bisherigen Fortgang von Kommunikationsprozessen selbst in der laufenden Kommunikation thematisieren zu k\u00f6nnen. Sobald dieses geschieht (z.B. in dem explizit auf die Differenz von Signifikanz und Relevanz hingewiesen, das Mitteilungsverhalten von KommunikationsteilnehmerInnen oder das individuelle Verst\u00e4ndnis des Gesagten thematisiert wird), kann, der allgemeinen soziologischen Terminologie folgend, davon gesprochen werden, dass Kommunikation \"reflexiv\" wird: \"Kommunikation die sich selbst thematisiert, ist Metakommunikati-on\" (Malsch, 7, S. 5). Obwohl die Metakommunikation Sequenzen unterbricht, fordert sie keinen \"Ortswechs el\" heraus. Die Selbstreflexio n findet als Selbstbeobachtung innerhalb des Prim\u00e4rprozesses statt. Anders hingegen verh\u00e4lt es sich mit der Fremdreflexion, d.h. im Falle des kommunikativen Anschlusses an und der Reflexion der von einem Beobachter aus der Distanz wahrgenommenen Kommunikationsprozesse. Werden Verlauf und Inhalt dieser Prozesse im Rahmen von Sekund\u00e4rkommunikationen thematisiert, so ergibt sich ein asymmetrisches Verh\u00e4ltnis der Erreichbarkeit. Die Beobachtungskommunikation \"sieht\", was im Prim\u00e4rprozess geschieht und kann aufgrund ihrer Position, gleichsam den eigenen Ort der \"Nichterreichbarkeit\" verlassend, den Anschluss an das im Prim\u00e4rprozess bislang nikation mit Leitunterscheidungen arbeiten, um sich ein \"Bild\" machen zu k\u00f6nnen. Im Kommunizierte suchen. Wie jede Kommunikation muss auch die BeobachterkommuGegensatz zur Metakommunikation sind diese Leitunterscheidungen aber in der Regel weniger fluide: Beobachterkommunikation ist \"scharf\" gestellt, Leitdifferenzen der reflexiven Kommunikation k\u00f6nnen sich hingegen schneller \u00e4ndern. Thomas Malsch hat hierzu interessante \u00dcberlegungen, auch zur Begr\u00fcndung einer entsprechenden Argumentationsweise vorgelegt, so dass hier auf eine erneute Wiedergabe von Bei-spielen verzichtet werden soll (vgl. ebd., 7, S. 11 ff.). F\u00fcr uns ist wichtig festzuhalten, dass auch die Beobachtungskommunikation ihren Fokus ver\u00e4ndern kann. Unterscheiden wir im Hinblick auf die Abstraktionsleistung der Aggregation also nicht mehr 58 Rasco Hertig-Perschke zwischen hohen und geringen Visibilit\u00e4ten, \u00e4ndern wir den Fokus, und schauen wir uns kurzerhand bestehende Referenzen an! Der neue Vorschlag lautet: Wann immer zwei unterschiedliche Nachrichten Bezug auf exakt dieselben vorg\u00e4ngigen Nachrichten nehmen, soll davon ausgegangen werden, dass im Kontext der von ihnen transportierten Beitr\u00e4ge, die bereits angesprochene Sensibilit\u00e4t der am Kommunikati-onsprozess Beteiligten f\u00fcr das unmittelbar Sagbare und Nicht-Sagbare vorausgesetzt, etwas verhandelt wird, das thematisch \u00e4hnlich liegt. Wo \u00fcberkreuzt referenziert wird, treffen sich Inhalte und die dazugeh\u00f6rigen Argumentationen (Relevanzen). Abbildung 6: \"Cross-Referencing\" als An satzpunkt f\u00fcr die Fremdbeobachtung und die vorl\u00e4ufig- verdeutlichende Visualisierung thematischer Verdichtungen t=0 8 9 10 11 6 7 6 7 t=1 t=2 3 4 5 t=3 1 2 Erneut in Anlehnung an die Simulationsl\u00e4ufe von Malsch und Schlieder - \"cycle 4\" (Malsch und Schlieder in print, S. 14.). Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 59 Mit der permanenten \"Durchleuchtung\" der in COM simulierten prim\u00e4ren Kommunikationsprozesse unter Anwendung der eingef\u00fchrten Leitunterscheidung k\u00f6nnten \"(thematische) Verdichtungen \" (m\u00f6glicherweise?) anhand der Referenzen der einzelnen Mitteilungen vermutet und mit Hilfe einer die bislang existierende Visualisierung erg\u00e4nzenden und den Betrachter der Simulation zus\u00e4tzlich informierenden Darstel-lung herausgehoben sichtbar gemacht werden. Wie dieses im Einzelnen zu geschehen hat, kann an dieser Stelle leider nicht mehr ausf\u00fchrlich diskutiert werden. Ebenso sind, keine Frage, M\u00f6glichkeiten und Nutzen eines solchen Vorgehens zu pr\u00fcfen, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Mitteilungen in COMTE noch keine Inhalte transportieren. Wir werden sehen, dass Erweiterungen der Testumgebung generell unumg\u00e4nglich sind. Bez\u00fcglich der Frage nach den m\u00f6gliche n Mitteilungsinhalten steht kurz zu kl\u00e4ren, was COMTE-Mitteilungen \u00fcberhaupt a lles beinhalten k\u00f6nnten, gilt es doch, Anschl\u00fcsse m\u00f6glichst realit\u00e4tsangemessen zu modellieren. Wir hatten festgehalten, dass derzeit zwei Faktoren die soziale Si chtbarkeit einer Nachricht\/die Anschlusswahrscheinlichkeit bestimmen: der \"Sichtbarkeitsverlust\" im Angesicht des unerbittlichen Fortschreitens der Zeit und neue eingehende Referenzen. Hinzu kom-men k\u00f6nnten zus\u00e4tzlich, dieses sei aber im vorliegenden Zusammenhang nur am Rande bemerkt, von den Inzipienten\/Rezipienten selbst ermittelte \"individuelle Signifikanz- und Relevanzwerte\", die ebenfalls direkten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit weiterf\u00fchrender Anschl\u00fcsse nehmen. Eine vielleicht mit entsprechenden \"Labeln\" auf den Weg gebrachte Mitteilung m\u00fcsste dann, abh\u00e4ngig von ihrer Position im Netzwerk, zun\u00e4chst eine gewi sse \"Aufmerksamkeitsschwelle\" bei m\u00f6glichen RezipientInnen \u00fcberwi nden, anschlie\u00dfend w\u00e4re f\u00fcr diese RezipientInnen zu kl\u00e4ren, ob nach der individuellen Einsch\u00e4tzung von Signifikanz und Relevanz und dem Abgleich mit den bestehenden \"Labeln\" Anlass zur Bezugnahme und somit zur Inzeption einer neuen Nachricht gegeben ist. Diese neue Nachricht w\u00fcrde dann ebenfalls mit einem \"Label\" versehen in den Kommunikationsprozess eingebracht werden. Ergr\u00fcndet werden m\u00fcsste dann allerdings, wie das Zustandekommen der angesprochenen Werte in COMTE mitsimuliert we rden sollte, d.h. ob es ausreicht, die Entstehung dieser Werte als gegeben hinzunehmen und \u00fcber angemessene Funktionen zu realisieren, oder ob \u00fcber die \"relativ e Verortung\" des\/r InzipientIn\/RezipientIn hinter der Nachricht hinaus wieder mit einem expliziten Akteurmodell gearbeitet werden m\u00fcsste. Fragen, die hier noch offe n bleiben m\u00fcssen. Statt dessen soll im Folgenden das Augenmerk st\u00e4rker auf den Inhalt\/die Problematik des Inhaltes von Nachrichten gelenkt werden. 60 Rasco Hertig-Perschke Bevor in den n\u00e4chsten Abschnitten in laufenden Prim\u00e4rprozessen auftretende Aggregationen besprochen werden sollen gilt es, noch eine letzte M\u00f6glichkeit der fremdbeobachtungsbasierten Visualisierung von Aggregationen kurz zu diskutieren. Diskussionen sind ohne divergierende Meinungen kaum denkbar. Wann immer der sachliche Gehalt eines Themas Gegenstand kommunikativen Austausches ist, dienen Relevanzsetzungen den einzelnen Akteuren dazu, \u00fcber das Aufgreifen des Themas, das Einbringen neuer Aspekte oder gar den Versuch der Verlagerung thematischer Schwerpunkte zu entscheiden. Oft wird die individuelle Einsch\u00e4tzung der Wertigkeit eines Themas auch entsprechend mitgeteilt. Wir erl\u00e4utern, dass wir etwas f\u00fcr wichtig oder weniger wichtig, f\u00fcr relevant oder irrelevant oder gar dar\u00fcber hinaus gehend f\u00fcr unterst\u00fctzens- oder ablehnenswert halten. Im \"Wolkenkratzer-Thread\" der DEMOSOnline-Diskussion haben Teilneh-merInnen immer wieder Stellung bezogen, ob sie im Allgemeinen und im Speziellen (unter Angabe von Bedingungen) f\u00fcr den Bau neuer Hochh\u00e4user sind oder eher eine ablehnende Haltung vertreten. Von Bedeutung waren neben dem sachlichen Gehalt der Themen somit auch das \"Pro\" und \"Contra\", das explizite Herausstellen eines Teilergebnisses der Relevanzsetzung. Mit dem in einzelnen F\u00e4llen immer mehr oder weniger eindeutigen \"Ja\" oder \"Nein\" bzw. dem mehr oder weniger eindeutigen \"Pro\" und \"Contra\" als weiterf\u00fchrendes Ergebnis jeweils individueller Kombinationen von Signifikanzen mit Relevanzen in der vom Akteur abstrahierenden Modellierung von Kommunikationsprozessen arbeiten zu wollen, stellt, vorsichtig ausgedr\u00fcckt, eine besondere Herausforderung dar, ihre Realisierbarkeit bleibt mehr als fraglich. Um zu realit\u00e4tsnahen Ergebnissen in der Modellierung und Simulation kommen zu k\u00f6nnen, sind in vorbereitenden Schritten nicht nur empirisch beobachtbare Prozesse der Meinungsbildung eingehend zu untersuchen, sondern ebenso jene Einfl\u00fcsse, welche die individuelle Entscheidungsfindung von Akteuren grundlegend und grunds\u00e4tzlich beeinflussen. Eine weitr\u00e4umige Ausleuchtung korrespondierender Fragen ist an di eser Stelle nicht zu leisten. Statt dessen soll in Anlehnung an die vorstehenden Ausf\u00fchrungen der Vorschlag unterbreitet werden, in Zukunft im Rahmen des \"Communication-Oriented Modeling\" m\u00f6glicherweise mit \"Relevanzmarkern\" (f\u00fcr einzelne Mitteilungen auszuweisende Relevanzwerte) zu arbeiten, die Hinweise auf die \"individuelle\" Gewichtung eines Themas und auf laufende Meinungsbildungsprozesse zulassen. Mit Blick auf die fremdbeobachtungsbasierte Abstraktionsleistung des Aggregierens lie\u00dfen sich hier zus\u00e4tzlich Potentiale der Visualisierung von \"Verdichtungen\" erschlie\u00dfen. So ist z.B. zu \u00dcberlegen, ob es auch im Rahmen von COM\/TE m\u00f6glich w\u00e4re, Prozesse zu modellieren\/simulieren, in denen sich die Entscheidungsfindung (\"ja\/nein\", \"pro\/contra\" = hohe und niedrige Relevanzwerte) des Akteurs vornehmlich auf Basis der Orientie- Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 61 rung an den bereits \"publizierten\" Haltungen und der sich im Kommunikationsprozess m\u00f6glicherweise abzeichnenden \"Mehrheitsmeinung\" vollzieht; ob es, anders formuliert, m\u00f6glich sein kann, gleichsam in der Modellierung und der Simulation die Bedeutung der Kommunikati on\/Mitteilung von Ergebnissen aus individuellen Entscheidungsprozessen f\u00fcr weitere Entscheidungsfindungen (und somit vermittelt f\u00fcr die weiterf\u00fchrende Gestaltbildung im jeweiligen Kommunikationsprozess) herauszustellen (Einfluss auf \"Themenkonjunktur en\" etc.). Entsprechende Prozesse fremdbeobachtend begleitend lie\u00dfen sich unter Umst\u00e4nden von diesem Prim\u00e4rprozess abstrahierend neue zusammenfassende Visualisierungen des kommunikativen Geschehens implementieren. Von nicht zu untersch\u00e4tzender Relevanz d\u00fcrfte hierbei allerdings sein die Frage zu beantworten, inwiefern es tats\u00e4chlich m\u00f6glich ist bzw. sein kann, in der Simulation auf ein (generalisiertes) Akteurmodell zu verzichten bzw. ob nicht f\u00fcr diese Art der Simulation eventuell Multiagentensysteme (gerade aufgrund der M\u00f6glichkeit der Mitmodellierung und Implementierung spezifischer Agentenei-genschaften und Erwartungen) ein geeigneteres Anwendungsfeld darstellen (vgl. zur Meinungsbildung in Multiagentensystemen z.B. Schweitzer und Zimmermann 2001, S. 1 ff.). Die vorgestellten Id een bleiben somit rudiment\u00e4r. c. Akteur und Ged\u00e4chtnis - Aggregation als Abstraktionsleistung der Rezeption Mit der Zunahme raumzeitlich entgrenzter Kommunikationen \u00fcber das World Wide Web scheinen sich Akteur und Kommunikation weiter voneinander zu \"entfremden\". Wir hatten zu Beginn festgehalten, dass die Mitteilung in der Online-Kommunikation s\u00e4mtliche Aufmerksamkeit f\u00fcr sich beansprucht; denn: Nichts anderes als ihr Gehalt ist sichtbar, direkte R\u00fcckschl\u00fcsse auf die UrheberInnen einzelner Nachrichten bzw. ihre Identit\u00e4t bleiben schwierig. Umso erstaunlicher mag es da anmuten, dass auch im Netz von Zeit zu Zeit die \"Personen\" hinter den Nachrichten wieder an Bedeutung gewinnen. Themen entwickeln zwar \"Zugkraft\", die Kommunikation kommt jedoch nicht ohne die \"Motivation\" Einzelner aus, sich, den eigenen Relevanzsetzungen geschuldet, an der Kommunikation zu beteiligen (vgl. Malsch, 6, S. 27) Wir haben es mehrfach festgehalten: Kommunikation ist ohne den Akteur nicht denkbar. Dieses gilt auch dann, wenn die Entstehung von Sozialit\u00e4t als Effekt der Kommunikation begriffen werden soll. Wozu dieses Bekenntnis jedoch nicht zwingt ist, erneut beim Akteur, seinem Handeln und seinen individuellen Intentionen ansetzen zu m\u00fcssen, um die Entstehung sozialer Strukturen und soziale Differenzierung erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Greifen wir das Flusser'sche Verdikt wieder auf und erinnern wir uns an Watzlawick, 62 Rasco Hertig-Perschke Beavin und Jackson (\"Wir k\u00f6nn en nicht nicht kommunizieren\") 33, so m\u00fcssen wir ohnehin erneut direkt bei der Kommunikation ansetzen und zun\u00e4chst ihr Zustandekommen analysieren, ohne dieses gleich au f Absichten, Intentionen, Ziele oder gar Nutzenmaximierung einzelner Akteure zur\u00fc ckf\u00fchren zu wollen. Warum wird weiter oben in diesem Absatz dann aber davon gesprochen, dem Akteur wieder (neue) Be-deutung beimessen zu wollen - \"Bringing Agents Back In\" - ? Unsere Problemlage stellt sich wie folgt dar. In der Kommunikation kommt es fortlaufend zu \"thematischen Verdichtungen\" oder auch zur Zusammenfassung von kommunikativen Gehalten, verstanden als Aggregationen von Mitteilungszeichen, Symbolisierung von Sachverhalten auf Basis neuer Zeichen etc. Leistungen der Abs-traktion werden nicht nur im Rahmen der Fremdbeobachtung abgeschlossener Diskussionsprozesse erbracht, sondern sind in erster Linie immer auch, in Anbetracht struktureller Kopplung und Interpenetration 34, Leistungen der an Kommunikation beteiligten Bewusstseinssysteme. In der Rezeption ganz unterschiedlicher Mitteilungen und Nachrichten machen wir uns im Alltag verstehend \"unseren eigenen Reim\" (Signifikanz und Relevanz!) auf das, was sich der Wahrnehmung in der Kommunika-tion erschlie\u00dft; nahezu selbstverst\u00e4ndlich ordnen wir, in dem wir Bez\u00fcge herstellen, klassifizieren, zusammenfassen etc. Und auch wenn wir kommunikativ nur an bestimmter Stelle anschlie\u00dfen, bedeutet dieses in den seltensten F\u00e4llen, dass wir nur eine\/diese \"Vorg\u00e4ngernachricht\" vor Anschluss rezipiert haben. Es sind mitunter vielf\u00e4ltige \"implizite Referenzen\" entstanden, und \u00fcber die Rezeption an anderen Stellen muss und kann nicht in jedem Mitteilungszeichen erneut Auskunft gegeben werden. Das Problem der \"impliziten Referenzen\" stellt sich auch in COMTE als 33 \"Now, if it is accepted that all behaviour in an interactional situation has message value, i.e., is communication, it follows that no matter how one may try, one cannot not communicate\" (Watzlawick, Beavin und Jackson, zi tiert nach Neuliep 1996, S. 294). 34 Der Begriff der Interpenetration wird hier im Sinne Luhmanns verstanden. Interpenetration liegt dann vor, wenn sich Systeme gegenseitig ihre Eigenkomplexit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stellen, um so den weiterf\u00fchrenden Aufbau des jeweils anderen Systems (der jeweils anderen Systeme) zu unterst\u00fctzen: \"Von Penetration wollen wir sprechen, wenn ein System die eigene Komplexit\u00e4t (und damit: Unbestimmtheit, Kontingenz und Selektionszwang) zum Aufbau eines anderen Systems zur Verf\u00fcgung stellt. In genau diesem Sinne setzen soziale Systeme >Leben< voraus. Interpenetration liegt entsprechend dann vor, wenn dieser Sachverhalt wechselseitig gegeben ist, wenn also beide Systeme sich wechselseitig dadurch erm\u00f6glichen, da\u00df sie in das jeweils andere ihre vorkonstituierte Eigenkomplexit\u00e4t einbringen\" (Luhmann 1999, S. 290, Hervorh. im Original). Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 63 spezifisches Problem dar. Was hier im Wesentlichen mitspielt, und dieses ist entscheidend, ist Ged\u00e4chtnis. F\u00fcr den Akteur\/A genten bedeutet Ged\u00e4chtnis nicht nur, mit dem Vergessen hadern zu m\u00fcssen, sondern auch, ehedem Rezipiertes in der Gegen-wart wieder verf\u00fcgbar machen zu k\u00f6nnen. Wi r erinnern uns rein zuf\u00e4llig wieder an etwas, was vor Wochen von einer bestimmten Person in einem Gespr\u00e4ch gesagt wurde und k\u00f6nnen hierauf in einer neuerlichen Inzeption Bezug nehmen. Wir suchen im Netz nach Informationen und finden Mitteil ungen, die l\u00e4ngst in Vergessenheit geraten waren - Wir leisten \"Erinnerungsarbeit\" (vgl. ebd., 6, S. 20). Und diese \"Erinnerungsarbeit\" ist ebenso notwendig, wenn es um die Aggregation von kommunikativen Gehalten geht. Diskurse bieten typische Beispiele (vgl. zur \"thematischen Verdichtung\" in Diskursen auch 3.5). In ihrem kommunikativen Zusammenhang werden, orientieren wir uns am Diskursbegriff Foucaults, Kommunikationsobjekte\/Gegenst\u00e4nde hervorgebracht, die nich t in \"\u00dcbersetzung\" (von Prozessen oder Operationen im Bewusstsein) entstehen (vgl. Bublitz 2003, S. 7 f.), sich aus \"\u00dcbersetzung\" aber speisen. In Diskursen entstehe nde Begriffe konstruieren und konstituieren erst, was sie bezeichnen, und die Generierung des Objektes ist Folge der kommunika-tiven Verdichtung - Ergebnis der K\u00e4mpfe um Deutungshoheiten, den Machtverh\u00e4ltnissen geschuldet. Was im Diskurs bleibt? Begriffe m\u00fcssen eingef\u00fchrt und Vorschl\u00e4ge unterbreitet werden, um ta ts\u00e4chlich kl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, was sie bezeichnen sollen - m\u00f6glicherweise dann kulminierend in Realit\u00e4ten schaffender Wirkungsm\u00e4chtigkeit. F\u00fcr \"COM\" bedeutet das bisher Ausgef\u00fchrte zumindest folgendes: Wenn die Aggregation verschiedener Mitteilungszeichen (auch) ei ne Leistung der Rezeption\/des Akteurs ist und das Ergebnis dieser Aggregation in Nachrichten mitgeteilt wird, kommen wir in COMTE mit der ausschlie\u00dflichen Modellierung von Mitteilun-gen und Referenzen bzw. der Simulation von Referenzen und Anschl\u00fcssen aufgrund von Sichtbarkeiten nicht mehr weiter. Wir m\u00fcssen die \"black box\" der Inzeption und Rezeption aufbrechen, und dieses m\u00f6glichst geschickt. Kein \"generalisiertes\" Akteurmodell, kein individualistisches Programm - wir fragen: was braucht die Kommunikation, um ihren Fortbestand zu sichern und in Aussicht zu stellen? Eine erste Antwort wurde bereits gegeben: Anschl uss. Die zweite lautet: Ged\u00e4chtnis. Versuchen wir, uns dem Gegenstand zu n\u00e4hern. Prinzipiell best\u00fcnde im Falle der Modellierung von Kommunikationsprozessen zun\u00e4chst nat\u00fcrlich die M\u00f6glichkeit, die Leitunterscheidung von System und Umwe lt voll auszuspielen. Bewusstseinssysteme stellen f\u00fcr Kommunikationssysteme Umwelt dar, sind aber, strukturell gekoppelt, an Kommunikation \"beteiligt\". Wie und wann und mit welchem Gehalt Mitteilungen \"gepostet\" werden, welche Strukturen Kommunikationsprozesse ausbilden, h\u00e4ngt also 64 Rasco Hertig-Perschke grunds\u00e4tzlich zun\u00e4chst davon ab, wie viele Akteure\/Agenten beteiligt sind und \u00fcber welche F\u00e4higkeiten\/Kapazit\u00e4ten diese verf\u00fcgen. Die Anzahl von Akteuren\/Agenten ist somit eine Umweltvariable, die Beachtun g verdient. In einem Online-Chat k\u00f6nnen sich so g\u00e4nzlich andere Strukturen heraus bilden, als in einer wissenschaftlichen Diskussion. W\u00e4hrend Kommunikation in einem unkoordinierten\/unmoderierten Online-Chat hohe Inkonsistenzen aufweisen kann (geringe \"cross turn coherence\", sich \u00fcberschneidende Mitteilungen, schnelle Themenwech sel; vgl. Herring 1999, S. 1 ff.) sind wissenschaftliche Diskussionen, selbst dann wenn sie kontrovers gef\u00fchrt werden, eher durch eine h\u00f6here Konsistenz, gerade was ihren thematischen Fokus betrifft, gekennzeichnet. Hier spielt jeweils eine wichtige Rolle, welchen Aufwand es f\u00fcr die an Kommunikation beteiligten Bewusstseinssysteme bedeutet, in Beobachtung der Kommunikation zu rezipieren und inzipieren, d.h. wie lange es qua der gegebenen kognitiven Kapazit\u00e4ten dauert, Mitteilungen zu verstehen oder zu generieren, und ebenso ist von Bedeutung, welchen Raum Mitteilungen dann in der Kommunikation einnehmen k\u00f6nnen (in einem Online-Chat be stehen die meisten Mitteilungen nur aus wenigen Zeilen; der Kommunikationszusa mmenhang kann es somit einer recht gro\u00dfen Zahl von TeilnehmerInnen erm\u00f6glichen, ihre Nachrichten \"schnell\" zu \"posten\", allzu viele Kapazit\u00e4ten m\u00fcssen f\u00fcr die R ezeption einer einzelnen Mitteilung nicht aufgewendet werden; freilich kann so aber auch schnell ein \"Durcheinander\" entste-hen - im wissenschaftlichen Diskurs wird hingegen deutlich selegiert, wer aufgrund welcher Leistungen in der Vergangenheit und aufgrund welcher Reputation an welcher Stelle etwas sagen\/ver\u00f6ffentlichen kann). F\u00fcr die Modellierung und Simulation von Kommunikationsprozessen werden somit zwei \"Umweltvariablen\" von Bedeutung: die Anzahl m\u00f6glicher KommunikationsteilnehmerInnen und ihre kognitiven Kapazit\u00e4ten. Fragen lauten dann: Was und vor allem wieviel kann im interessierenden Zusammenhang rezipiert werden? Wie lange dauern Rezeptionen (w\u00e4hrend im Chat oftmals nur kurze Mitteilungen zu rezipieren sind, bedeutet Rezeption in wissenschaftlichen Diskursen z.B., sich darauf einlassen zu m\u00fcssen, viel Zeit f\u00fcr die Rezeption aufzuwenden - auch auf die Gefahr hin, dass man am Ende immer noch nicht \"verstanden\" hat) und Inzeptionen? Wie h\u00e4ufig kann inzipiert werden? Die Antwort auf diese Fragen h\u00e4ngt selbstredend davon ab, welche Kapazit\u00e4ten einem Akteur\/Agenten zur Verf\u00fcgung stehen, kann aber ebenso nur in Abh\u00e4ngigkeit vom interessierenden kommunikativen Zusammenhang gegeben werden. Die m\u00f6gliche Anzahl von Agenten, m\u00f6glicher Rezeptionen pro Agent und auch m\u00f6glicher Inzeptionen pro Agent sind Variablen, die gerade in der Entwicklung basaler Anschlussmodelle Einbeziehung und Diskussion finden k\u00f6nnen und m\u00fcssen, soll die Modellierung\/Simulation von Kommunikation in COM\/TE auf eine neue Ebene ge- Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 65 lenkt werden. Gleiches gilt auch f\u00fcr den Umfang von Mitteilungen. Haben wir es nur mit kurzen S\u00e4tzen und wenigen Sinnfacetten zu tun? Werden ganze B\u00fccher, Diskussionen oder gar Diskurse rezipiert? Weiterf\u00fchrende \u00dcberlegungen sind n\u00f6tig. Was hier vorliegt ist ein Pl\u00e4doyer daf\u00fcr, weitere Bedingungen von Kommunikation im Rahmen des \"Communication-Oriented Modeling\" zu erfassen und \u00fcber ihre m\u00f6gli-che Ber\u00fccksichtigung im Rahmen der Simulation von Kommunikationsprozessen zu beraten und zu befinden (\"intervenierende Variablen\"). Wir bewegen uns indessen wieder auf unsere Ausgangsfrage nach dem Ged\u00e4chtnis zu. Gehen wir davon aus, dass Sozialit\u00e4t, so wie Thomas Malsch es formuliert hat, \"(...) \u00fcber keine aparte Ged\u00e4chtnisfunktion verf\u00fcgt\" (Malsch, 6, S. 16, Hervorh. R.P.), m\u00fcssen wir uns unmittelbar fragen , ob und inwieweit ausschlie\u00dflich Agenten\/Akteure Ged\u00e4chtnisleistungen erbringen? In der Kommunikation sind Menschen unweigerlich auf Ged\u00e4chtnisleistungen angewiesen, gilt es doch, mehr oder weniger gut auf Basis des bisher Mitgeteilten weiterzukommunizieren und den \"\u00dcberblick\" zu behalten. Und nur so wird es m\u00f6glich, zur\u00fcckliegende Ereignisse erneut aufzugreifen und sich auf ihren Inhalt zu beziehen. Nat\u00fcrlich kann \"Erinnerungsarbeit\" ferner auch mediengest\u00fctzt geleistet werden, sofern gespeichert wurde\/wird. Wer oder was \"erinnert\" aber? Einige Vorbemerkungen. Folgen wir weiterhin Thomas Malsch, so ist es in der Kommunikation nicht der Akteur an sich, der als InzipientIn\/ RezipientIn im Kommunikationsprozess auftritt. Dieses hat zun\u00e4chst damit zu tun, dass sich Kom-munikationsereignisse als \"transiente Kleinstprogramme\" auf doppelte Weise den Personen zurechnen lassen. Als operans verteilter Kommunikationsprozesse kommt ihnen \"Sinntr\u00e4gerschaft\" zu, indem sie als Operationen auf weitere sinnverarbeitende Instanzen verweisen aber auch \"Sinn\u00fcbertr\u00e4g erschaft\": \"Eine auf den vorausgehenden Inzipienten verweisende Rezep tion (iSR) l\u00e4sst sich nicht schlechthin mit der verstehenden Person identifizieren. Vielmehr steht die Rezipientin f\u00fcr eine im Rekurs auf eine mitteilende Akteurin verstehende Akteurin. Und vice versa gilt, dass eine Inzeption nicht als Akteurin sans phrase identifiziert werden kann, sondern stets als eine ihren Rezipienten antizipierend e Inzeption (SRr). Der Inzipient ist nicht als der mitteilende Mensch schlechthin bestimmt, sondern er agiert als ein - mit Blick auf einen jetzt oder sp\u00e4ter verstehenden Mitmenschen - mitteilender Mensch. Ein menschlicher Akteur w\u00e4re mithin als eine die Transi enz des Kleinstprogramms synthetisierende Kopplung aus vielen Inzeptionen und Rezeptionen aufzufassen, an der immer auch andere menschliche Akteure mitwirkend bete iligt sind\" (ebd., S. 25 f.). Dieses, zugegeben lange Zitat mag verdeutlichen, worum es geht, wenn es zu \u00fcberlegen gilt, wie in Anbetracht des Zieles der Modellierung von Aggregationen im Vollzuge der Rezeption die Mitmodellierung von \"Ged\u00e4chtnis\" geleistet werden kann. Inzeption und 66 Rasco Hertig-Perschke Rezeption sind der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Forderun g. Was an welcher Stelle wie und wo inzipiert\/rezipiert wurde muss ei ne, wenn auch immer tempor\u00e4re, Verortung erfahren - ein plazierter \"Inzeptions -\/Rezeptionsspeicher\", ein \"Inzeptions- und Rezeptionsged\u00e4chtnis\" - nicht des Akteurs, sondern der InzipientI n\/RezipientIn. Mitteilungen haben gleichsam immer einen \"Ort\", an dem mehr \u00fcber sie bekannt ist, als sie selbst offen zu legen verm\u00f6gen; an dem bekannt ist, in welchem Inzeptions\/Rezeptionszusammenhang sie bislang stehen - der mitteilende Mensch als \"synthetisierende Kopplung\"! F\u00fcr die Modellierung von Kommunikation bedeutet dieses zun\u00e4chst: dort wo die Mitteilung generiert wird, muss nicht nur bere its rezipiert worden sein, sondern Rezipiertes muss eine wie auch immer gelagerte Verwahrung gefunden haben. InzipientIn und RezipientIn m\u00fcssen \u00fcber Ged\u00e4chtnis verf\u00fcgen. Dieses setzt voraus, dass InzipientInnen in COM-Modellen Ber\u00fccksichtigung erfahren und ausgewiesen werden, Mitteilungen also zugeordnet bzw. \"verortet\" werden k\u00f6nnen. Wenn hier davon gesprochen wird, dass es f\u00fc r COM\/TE sinnvoll w\u00e4re, \u00fcber das \"Systemged\u00e4chtnis\/den Systemzusammenhang der Kommunikation\" (Mitteilungen bleiben infolge des Refe-renzierens unterschiedlich lange und deutlich sichtbar) hinaus Ged\u00e4chtnisleistungen abzubilden, so bleibt zu fragen, welche Eintr\u00e4ge aus der Rezeption hervorgehen solKommunikation ist in der Regel immer spralen. Wir ber\u00fchren an diesem Punkt wichtige und weiterf\u00fchrende Fragen. chlich vermittelt. Und mit Hilfe der Sprache wird in Bewusstsein 35 und Kommunikation Sinn prozessiert. Sinn als Ph\u00e4nomen \"erscheint\" bekanntlich \"(...) in der Form eines \u00dcberschusses von Verweisungen auf weitere M\u00f6glichkeiten des Erlebens und Handelns\" (Luhmann 1999, S. 93). Bez\u00fcglich der allgemeinen Modellierung im Rahmen des \"COM\" und der Frage nach dem Ged\u00e4chtnis und den Sinngehalten der Kommunikation w\u00e4re somit schlie\u00dflich erneut zu \u00fcberlegen, ob nicht ein detailliertes Akteurmodell entworfen werden muss, um die Weiterentwicklung von COM auf der Basis eines Multiagentensystems inklusive 35 \"Jeder Gedanke ist ein Zeichen\", so l\u00e4sst sich eine wichtige Erkenntnis des amerikanischen Semiotikers Charles Sanders Peirce beschreibend fassen. Ludwig Nagl erl\u00e4utert: \"Sind wir in der Lage, Einsichten zu gewi nnen, die aus dem realen Zeichengebrauch vollst\u00e4ndig ausbrechen? Peirce' Antwort lautet: Nein. Alles, auch das unmittelbar Erfahrene, ist, sobald wir uns darauf beziehen, durch Zeichen vermittelt. Jeder Gedanke, auch der innovative, jeder intime Einfall eines Ly rikers, jede pers\u00f6nliche Emotion wird selbst wenn wir sie nicht aussprechen - in jenem >>inneren Dialog<<, den denkende Menschen mit sich selbst f\u00fchren, gepr\u00e4gt von W\u00f6rtern und Urteilen aus einer allgemeinen Zeichenwelt, die wir aus der Vergangenheit \u00fcbernommen und gelernt haben und mit anderen intersubjektiv teilen\" (Nagl 1992, S. 22). Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 67 R\u00fcckgriff auf bereits ihre Anwendung findende Agentensprachen voranzubringen. Dieses w\u00fcrde jedoch bedeuten, sich in Modellierung und Simulation wieder mit jenen (teilweise auch schon gel\u00f6sten oder sich in Bearbeitung befindenden) Problemen befassen zu m\u00fcssen, die immer dann zu ve rhandeln sind, wenn mit auf Sprechaktprimitiven basierenden Agentensprachen gearbeitet wird. Als Stichworte seien hier nur kurz genannt: die Frage des \"turn takings\"\/der Interaktionsdyade in der Agentenkommunikation, die strikte Protokollgebundenheit aller Kommunikationen (Abstinenz Abbildung und Implementation von sozialen Stdes \"evolution\u00e4ren Moments\"), die Nutzung von \"blackboard\"-Architekturen zur rukturen in Agentengesellschaften, der Aufbau von Erwartungsstrukturen in der Kommunikation etc. Auf alle diese wichtigen Fragen kann an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden. Nur soviel: eine erneute Besch\u00e4ftigung mit diesen Fragen w\u00fcrde unter Vernachl\u00e4ssigung der spezifischen Charakteristika von Kommunikationssystemen bedeuten, den Fokus wieder auf den Agenten an sich, auf Annahmen \u00fcber die Intentionen von Akteuren und die F\u00e4-higkeiten von Agenten in Multiagentensystemen verlagern zu m\u00fcssen - ohne den Clou des \"Communication-Oriented Modeling\", eine M\u00f6glichkeit zur Modellierung und Simulation hochskalierter, sich selbst aufrecht erhaltender, die Akteure in ihren Verweisungszusammenh\u00e4ngen verdeckender Kommunikationsprozesse zu schaffen, weiter w\u00fcrdigen und Grenzen sowie Optionen ausloten zu k\u00f6nnen. Semantik und Sinn t\u00e4tsangemessen modelliert und simuliert werden k\u00f6nnen. F\u00fcr COMTE muss statt werden weiterhin wichtige Themen bleiben, sollen Kommunikationsprozesse realidessen aber zuerst, die Bedeutung von Themen, so wie sie auch schon herausgestellt wurde, ber\u00fccksichtigend gefragt werden, ob es vielleicht m\u00f6glich sein kann, f\u00fcr RezipientIn\/InzipientIn einen \"Themenspeicher\" zu realisieren, der hilft \"Aggregation in Rezeption\" analog zu den Verkn\u00fcpfungsleist ungen, d.h. den jeweiligen Signifikanzund Relevanzsetzungen von Bewusstseinssys-temen zu modellieren\/simulieren. Dieses d\u00fcrfte aber nur dann eine Option sein, wenn die Frage des Zustandekommens \"basaler Anschl\u00fcsse\" im Rahmen des \"COM\" einer ersten L\u00f6sung zugef\u00fchrt wird. In der nachfolgenden Abbildung finden \u00dcberlegungen eine erste Visualisierung. Voraussetzung ist, Mitteilungen au f InzipientInnen\/RezipientI nnen als \"synthetisierende Kopplungen\" zurechnen zu k\u00f6nnen, welche in Anbetracht ihrer Ged\u00e4chtnisleistung (die Funktionsweise dieses Ged\u00e4chtnisses w\u00e4re genau zu bestimmen 36) rezeptiv thematisch \u00e4hnlich oder zun\u00e4chst in der Kommunikation unabh\u00e4ngig voneinander scheinende Beitr\u00e4ge miteinander verkn\u00fcpfen oder auch in neuen Mitteilungszeichen zusammenfassen, evtl. sp\u00e4ter aber auch wi eder trennen. Wir wollen hier, auf das Dis36 Als Beispiel: Kron und Dittrich 2002. 68 Rasco Hertig-Perschke kursbeispiel verweisend festhalten, dass es in Kommunikationen Aggregationen der beschriebenen Art sind, die erst Realit\u00e4ten unterschiedlicher Art schaffen, d.h. auch Neues Realit\u00e4t werden lassen. Wie Aggreg ationen im Rahmen von Rezeptionen entstehen, w\u00e4re noch weiter zu kl\u00e4ren. Hierzu ist vor allem auszuloten, wie Signifikanzund Relevanzsetzungen der \"sozialen Sichtbarkeit\" von Nachrichten den Weg bahnen; Erkenntnisse zur generellen Modellieru ng von Anschl\u00fcssen werden damit von entscheidender Bedeutung. Unabh\u00e4ngig von der Frage der Aggregation von Mittei-lungsgehalten bleibt noch zus\u00e4tzlich die Frage zu stellen, ob Nachrichten in COMTE mit \"Relevanzmarkern\" versehen werden k\u00f6nnten; Marker, welche helfen, die einzelnen Mitteilungen vom Akteur oftmals beigegebenen Einsch\u00e4tzungen zur nen. Auch hier w\u00e4re hinsichtlich der Modellierung und Formalisierung weiter zu individuellen\/m\u00f6glichen kollektiven Bedeutung eines Sachverhaltes abbilden zu k\u00f6n\u00fcberlegen, wie und in welcher Gestalt solc he Marker in COMTE integriert werden k\u00f6nnten (z.B. als Werte, die aus bestimmten Berechnungen der Signifikanz und Relevanz f\u00fcr eine Nachricht hervorgehen). In Abbildung 7 (S. 56) wurden \"thematische Gehalte\" mit Hilfe von Ziffern dargestellt. Buchstaben verorten die Nachricht, weisen auf ihre\/n InzipientIn\/RezipientIn hin. Wie und warum aggregiert wird, dar\u00fcber ent-scheiden in der Kommunikation nat\u00fcrlich immer auch Erwartung und Erwartungserwartungen. Zu \u00fcberlegen w\u00e4re somit, ob die Entstehung von Erwartungsstrukturen in der Kommunikation mitmodelliert und simuliert werden m\u00fcsste, bevor Aggregationen Thema sein k\u00f6nnen (vgl. zur Entstehung von Erwartungsstrukturen in der Agentenkommunikation Kron und Dittrich 2002). Die Idee der \"Platzhalter\" f\u00fcr Themen\/thematische Aspekt e wird auch in den nachfolgenden Modellierungsvorschl\u00e4gen eine Rolle spielen. Wie bereits erl\u00e4utert, bedarf der unterbreitete Vorschlag der Durchleuchtung, \u00dcberpr\u00fcfung und Erg\u00e4nzung, gerade im Hinblick auf die eindeutige Formulierung von Bedingungen des Anschlusses und Abbruches im Regelfall. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 69 Abbildung 7: Aggrega tion in der Rezeption 8 10 I: 1,4, 8 A C I: 2-, 3 -10 R: 4 R: 1, 7 7 I: 7 D R: 3 4 3 B I: 4 C I: 2-3 R:1 1 R: 1 I: 1 A R: Aggregation von Mitteilungen, Themen\/thematische Gehalte dargestellt in Ziffern (keine Metrik, Relation etc.). In Form von Kreisen abgebildet: die Mitteilung und ihr 70 Rasco Hertig-Perschke Gehalt; Rechtecke: Inzeptions-\/Rezeptionssp eicher. Vertikale Kanten im \"I\/RGed\u00e4chtnis\" weisen darauf hin, welche Gehalte zu welchen neuen Gehalten zusammengefasst werden (horizontale Kanten im \"I-Ged\u00e4chtnis\" weisen auf die bestehenden Verbindungen\/den neuen Gehalt hin). Im n\u00e4chsten Abschnitt soll versucht werden, weiter zu pr\u00e4zisieren, was \"Aggregationen\" sind und wann bzw. wo sie in empirischen (Online-Kommunikationsprozessen) auftreten, um f\u00fcr das \"Communication-Oriented Modeling\" neue Anhaltspunkte gewinnen zu k\u00f6nnen. d. Anschlussverlagerung durch Ebenenwechsel Im World Wide Web existieren eine Vielzahl von Informationsangeboten, die es dem User\/der Userin erlauben, je nach den gegebenen M\u00f6glichkeiten Zugang zu ben\u00f6tigten Informationen zu suchen und zu finden. Einzelne Angebote reichen von den popul\u00e4ren Suchmaschinen \u00fcber Web-Sites bis hin zu Mailinglisten und Diskussionsgruppen. W\u00e4hrend Web-Seiten von den NutzerInnen lediglich rezipiert werden k\u00f6nnen und \u00fcber ihre Links 37 neue Angebote unterbreiten, in welche Richtungen weiter rezipiert werden k\u00f6nnte, er\u00f6ffnen Mailinglisten und Newsgroups, die softwaretechnische Infrastruktur vorausgesetzt, Chancen, Informationen aktiv anzufordern bzw. um sie zu bitten. Wie im allt\u00e4glichen Umgang mit Anderen in der face-to-face-Interaktion oder der systemisch vermittelten Kommunikation auch, sollten in den 37 Inwiefern das in \"Ins-Netz-Stellen\" von Webseiten und deren Betrachtung mit den Begriffen von Inzeption, Mitteilung und Rezeption erfasst werden k\u00f6nnen, ist gesondert zu diskutieren. Auch zur \"Verlinkung\" von Web-Seiten und der \"Abarbeitung\" dieser Links in der Rezeption w\u00e4re Einiges zu sagen. So hat Peter Fuchs unl\u00e4ngst den (nicht uninteressanten) Vorschlag unterbreitet, die Sinnkonstitution im Netz aus zweifacher Perspektive zu betrachten. W\u00e4hrend die im Netz verbreiteten \u00c4u\u00dferungen und Mitteilungen sich als \"Dokumente erster Ordnung\" bezeichnen lie\u00dfen, welche als \"gesellschaftliche Dokumente\" (Fuchs 1999, S. 6) Sinn zuschreiben und denen in dieser Eigenschaft ebenso Sinn zugeschrieben wird, seien Hyperlinks ausschlie\u00dflich als \"(...) minimal sinnhaltige Operationen (..), die zu weiteren Angeboten von minimal sinnhaltigen Operationen f\u00fchren\" (ebd., S. 5) aufzufa ssen. Somit verbleibt exklusiv die Operation des Linkens als wesentliches Merkmal des Systems \"WWW\": \"Das WWW ist auf diese Weise immer im Betrieb und es ist immer intern, gleich, wieviel psychische Systeme im Moment sich zugeschaltet oder weggeschaltet haben. Wenn etwas an ihm exklusiv und spezifisch ist, dann eben diese im System laufenden Operationen des Linkens. Aber dabei kommt etwas sehr Merkw\u00fcrdiges zustande\" (ebd., S. 5). Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 71 Newsgroups bestimmte Verhaltensregeln (\" Netiquette\") beachtet werden, um sich nicht unn\u00f6tig unbeliebt zu machen, oder sich selbst den Zugang zu Informationen kurzsichtig zu versperren. Zum einen ist zu ber\u00fccksichtigen, dass \"ComputerMediated-Communication\" (CMC) immer zwischenmenschliche Kommunikation bleibt: \"Because your interaction with the ne twork is through a co mputer it is easy to forget that there are people 'out there'\" (Von Rospach, Spafford zitiert nach Fristrup 1994, S. 286). Zum anderen gilt f\u00fcr netzbasierte Kommunikationsprozesse mit Bezug auf den sachlichen Gehalt behandelter Themen all das, was f\u00fcr die Kommunikation in anderen Zusammenh\u00e4ngen auch gilt. So verbieten sich im Netz z.B. ebenso wie in anderen Kommunikationszusammenh\u00e4ngen auch gezielte (Nach-)Fragen, deren Sinngehalt bereits in vorausgehenden Sequenzen eine, und dieses ist hier wichtig, mit einem Resultat (ein Ergebnis, das anschlie\u00dfend ebenso wenig wie der Prozess seines Zustandekommens reflexiv eine erneute Behandlung erf\u00e4hrt und das in das \"kollektive Ged\u00e4chtnis\" aufgenommen wird) endende Behandlung erfahren hat - es verbieten sich Fragen, zu denen die Antworten bereits gegeben wurden. Doch auch im System \"World Wide Web\" verh\u00e4lt es sich \u00e4hnlich wie in allen systemischen Zusammenh\u00e4ngen, die in ihre n Struktureigenschaften \u00fcber die blo\u00dfe Interaktion hinausreichen. MitarbeiterInnen verbleiben nicht \"ewig\" in einem Unternehmen, neue Kr\u00e4fte werden eingestellt - und DiskussionsteilnehmerInnen klinken sich nun einmal aus Diskussionsforen aus, wiederum andere schalten sich zu. Immer dann, wenn sich neue Teilneh-merInnen einklinken, gerade wenn es sich hierbei um bislang inaktive Personen handelt, entsteht am Rande, oder besser formuliert: in der psychischen Umwelt des Kommunikationssystems in Teilen zus\u00e4tzlicher Informationsbedarf. \"Neuank\u00f6mmlinge\" sind nicht \u00fcber Gepflogenheiten informiert; sie wissen nicht, wie bestimmte Dinge funktionieren oder k\u00f6nnen keinen passenden \"Einstieg\" finden, um Nachrichten in den gegebenen Zusammenhang einflie\u00dfen zu lassen. Offene Anfragen, die helfen k\u00f6nnten, diese Fragen im Austausch mit anderen UserInnen zu kl\u00e4ren, bringen den bereits bestehenden kommunikativen Rahmen, dem es bisher verg\u00f6nnt war die \"Klippen\" des Auseinander- oder Abbrechens erfolgreich zu umschiffen, in ernste Gefahr. M\u00fcssen kognitive Kapazit\u00e4ten f\u00fcr die Reaktivierung und Darstellung bereist erarbeiteter Kommunikationsergebnisse abgestellt werden, zerfasert der augenblicklich in \"thematische r Verdichtung\" gehaltene kommunikative Zusammenhang; im schlimmsten Fall w\u00fcrde er bei einer \u00dcbersch\u00fcttung mit Anfragen und mit den hilflosen Versuchen, diesen unmittelbar gerecht werden zu wollen, gar abbrechen. Eine andere M\u00f6glichkeit w\u00e4re es nat\u00fcrlich, nur kurz auf redundante Anfragen einzugehen und neue TeilnehmerInnen mit dem Hinweis auf diese Redundanz 72 Rasco Hertig-Perschke sofort wieder auszugrenzen. Dieses entspricht jedoch nicht den \u00fcblichen Gepflogenheiten im Netz, soll doch gerade die Offenheit des Netzes f\u00fcr Beitr\u00e4ge aller Art nach allgemeiner Ansicht vieler Nu tzerinnen und Nutzer aufrecht erhalten bleiben. Welche L\u00f6sung des Problems findet nun aber in der Praxis Anwendung? Die Antwort: FAQ. Bei den FAQ handelt es sich um zumeist vo n etablierten und erfa hrenen Forennutzern geschriebene und permanent erweiterte Zusammenstellungen von Antworten auf die wichtigsten Fragen, welche sich in technischer Hinsicht, bez\u00fcglich der Nutzung des Forums oder auch in thematischer Hinsicht immer wieder stellen (vgl. Hinner 1998, S. 58 ff.). \"Frequently Asked Questions\" entstehen also auf der Basis der Aggregation identischer sachlicher Gehalte unterschiedlicher Mitteilungen. Auch die Zusammenstellung von FAQ setzt voraus, dass ein bestehender kommunikativer Zusammenhang aus der Perspektive zweiter Ordnung beobachtet wird. Selbst wenn es sich bei den Initiatoren und Verfassern von FAQ (urspr\u00fcnglich) um ForennutzerInnen handelt, setzt die Bestimmung der Fragen und Antworten die Eingang in den FAQ-Katalog finden sollen die Durchsicht bisheriger Beitr\u00e4ge unter Zugrundelegung einer spezifischen Leitunterscheidung oder mehrerer spezifischer Leitunterscheidungen voraus (zu denken w\u00e4re hier z.B. an die Differenz \"h\u00e4ufig the-matisierte Sachverhalte\/nur in weniger als n F\u00e4llen thematisierte Sachverhalte). Dass an diesem Prozess wieder InzipientInnen\/RezipientInnen mit ihren jeweiligen Signifikanzen und Relevanzen beteiligt sind, braucht nicht weiter erw\u00e4hnt werden. Die Komplettierung von FAQ verlangt allerdings, dass zwecks Beobachtung des Prim\u00e4rzusammenhanges nicht permanent neue Un terscheidungen eingebracht werden, die letztlich der Aggregation unn\u00fctzerweise zu einem \"zerfaserten\" Gesamtzusammenhang \"verhelfen\"; ein Indiz daf\u00fcr, dass sich die Beobachtungskommunikation von der Fremdbeobachtung wieder zur Reflexion hin verschiebt (vgl. zum Unterschied von Reflexionsprozessen und Beobachtungsprozessen erneut Malsch, 7, S. 11 ff.). Charakteristisch (im Hinblick auf die hier vorgestellte Leitunterscheidung!) muss f\u00fcr Einzelmitteilungen bzw. einzelne FAQ-Beitr\u00e4ge also sein, dass sie thematisch \u00e4hnliche Gehalte unterschiedlicher Beitr\u00e4ge in angemessener Form aufnehmen und zusammenfassen. Was aber weiter? So paradox es auch klingen mag: Die einzelnen Beitr\u00e4ge der FAQ-Zusammenstellungen haben zum Ziel, ganz bestimmte neuerliche Anschl\u00fcsse in laufenden Prim\u00e4rprozessen zu verhindern bzw. weniger wahrscheinlich zu machen und so die Leistungsf\u00e4higkeit der Kommunikation im Hinblick auf die Erfassung relevanter Aspekte eines Themas und die \"thematische Verdichtung\" hin Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 73 zu steigern, mithin also M\u00f6glichkeiten der Verst\u00e4ndigung 38 \u00fcber Themen zu verbessern. Gleichzeitig ist der Anschluss an die FAQ aber mehr als \"gew\u00fcnscht\" und vorgesehen. Was in ihrem Zusammenhang sta ttfindet (idealer Weise stattfinden soll), ist ein Rezipieren (\"implizites Referenzieren\") in Bezug auf bestimmte Themen ohne erneute Inzeption an konkreter Stelle (einzige Ausnahme: in der Metakommunikation wird von einzelnen \"Contributors\" diskutiert, ob dieses oder jenes Thema tats\u00e4chlich in die FAQ aufgenommen h\u00e4tte werden m\u00fcssen), mit m\u00f6glicherweise aber mehr als deutlichen Auswirkungen auf die Inzeption an anderer Stelle (Prim\u00e4rprozess). Entweder er\u00fcbrigt sich das \"posten\" unn\u00fctzer Fragen im Prim\u00e4rprozess mit der Rezeption einer FAQ (Unterlassung), oder Inzeptionen werden, die parallele Rezeption der im Prim\u00e4rprozess laufenden Kommunikation und der FAQ vorausgesetzt, mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit als es davor der Fall gewesen w\u00e4re, an den aktuellen Diskussionsstand und die bereits gegebenen \"thematischen Verdichtungen\" angeschlossen. In der Visualisierung erg\u00e4ben sich somit die in der Abbildung 8 dargestellten Zusammen-h\u00e4nge. Offen geblieben ist noch die Frage, wie es zur Auswahl von Beitr\u00e4gen zwecks Zusammenfassung ihres Gehaltes kommt. Hier w\u00e4re zun\u00e4chst darauf hinzuweisen, dass Akteure die Auswahl entsprechend ihrer jeweiligen Signifikanz- und Relevanz-setzungen vornehmen, allerdings gebunden durch die sich anzueignende Leitunterscheidung. Insofern ist also, evtl. auch unter Einbeziehung m\u00f6glicher Leitunterscheidungen zur Beobachtung des Prim\u00e4rprozesses, nach einem Anschlussmodell zu fragen, welches Aufschluss dar\u00fcber gibt, wie Signifikanzen und Relevanzen zustande kommen und welchen Mitteilungen des Prim\u00e4rprozesses bzw. genauer welchen Inhalten welche Bedeutungen oder Wertigkeiten letztlich zugewiesen werden. 38 Als Medium dient Sprache dazu, das Ve rstehen von Kommunikationen \"weit \u00fcber das Wahrnehmbare hinaus\" zu st eigern (Luhmann 1999, S. 220). Gleichzeitig steigert die Sprache aufgrund des in ihrem Rahmen M\u00f6glichen jedoch Komplexit\u00e4t. Komplexit\u00e4t, die im System entsch\u00e4rft werden muss. Diese Komplexit\u00e4tsreduzierung geschieht in der Regel, in dem Kommunikationsprozesse thematisch zentriert werden (vgl. ebd., S. 216). 74 Rasco Hertig-Perschke Abbildung 8: Aggregation des identischen Inhaltes verschiedener Nachrichten zu vereinheitlichenden Beitr\u00e4gen in einem Kommunikationsprozess h\u00f6herer Ordnung Prim\u00e4rprozess FAQ r r r r r Aggregation von Mitteilungsinhalten zu FAQ-Beitr\u00e4gen. Auf der rechten Seite sicht-bar gemacht: die empirisch unsichtbar bleibenden Rezeptionen (r). F\u00fcr die FAQBeitr\u00e4ge sind m\u00f6gliche thematische Zusammenh\u00e4nge nur \"anvisualisiert\" worden (hier k\u00f6nnten ebenso Zeitstruktur und Referenzen eingebunden werden). Die auf der linken Seite unten in der A bbildung eingezeichnete Doppe lreferenz, etabliert vom hervorgehobenen FAQ-Knotenpunkt lie\u00dfe im konkreten Fall auf eine einfache Kommunikationssequenz (Frage-Antwort) im Prim\u00e4rprozess schlie\u00dfen. Hier ist aber noch etwas anderes wieder von Bedeutung: ein bereits angeschnittenes und somit \"altes\" Problem. S\u00e4mtliche in COMTE darstellbaren \"Knoten\" bzw. Mitteilungssymbole sind genere ll inhaltsleer. Mit einiger Vehemenz stellt sich dementsprechend erneut die Frage, wie Aggregationen oder Zusammenfassungen \u00fcberhaupt sinnvoll simuliert werden k\u00f6nnten? \"Cross-Referencing\" w\u00e4re als ein An- Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 75 satzpunkt zu nennen, f\u00fchrt uns aber nicht \u00fcber das ohnehin schon Gesagte hinaus. Statt dessen ist m.E. weiter zu \u00fcberlegen, inwiefern es m\u00f6glich w\u00e4re, Marken\/Knoten in COMTE mit Inhalten aufzuf\u00fcllen. Denken wir kurz an die Leistungen der Sprache, wenn es um die Aggregation inhaltlichen Gehaltes geht. Zum einen k\u00f6nnen Zusammenfassungen als verk\u00fcrzte Reformulierungen gegebener und an unterschiedlicher Stelle auffindbarer Sachverhalte unter Ma\u00dfgabe getroffener Signifikanz- und Relevanzentscheidungen angelegt sein. Zum anderen stellt die Sprache aufgrund der Verweisungszusammenh\u00e4nge einzelner Signifikanten M\u00f6glichkeiten der zusammen-fassenden Beschreibung, respektive der Aggregation bereit. So k\u00f6nnen einzelne Symbole per definitionem z.B. vereinheitlichend zu Zwecken der Klassifizierung dienen: Selbstverst\u00e4ndlich unterscheiden sich ein PKW und ein LKW in vielen Details voneinander. Dieses \u00e4ndert jedoch nichts an der Tatsache, dass beide Fortbewegungsmittel, ebenso wie z.B. auch Kraftr\u00e4der, in die Ka tegorie \"Fahrzeuge\" eingeordnet, und dementsprechend abstrahierend auch als Fahrzeuge bezeichnet werden k\u00f6nnen. Ein anderes Beispiel. Wer vom politischen System der Bundesrepublik Deutschland spricht, muss, solange es nicht zu Missverst\u00e4ndnissen kommt, kaum f\u00fcrchten in die Verlegenheit zu geraten, aufz\u00e4hlen zu m\u00fcssen, welche Institutionen, Organisationen oder Personen denn nun explizit zum politischen System zu z\u00e4hlen sind. In (allzu oft vager) Vorstellung wird davon ausgegangen, dass es sich in Falle des \"politischen Systems\" im Wesentlic hen um einen Sammelbegriff f\u00fcr Verfassungsorgane wie den Bundestag, den Bundesrat, die Landesparlamente oder auch die jeweiligen im politischen System aktiven Parteien handeln muss. Mit den \u00dcberlegungen zur \"Stellvertreterfunktion\" von Symbolen ber\u00fchren wir unweigerlich die zentralen Fragen der Semio tik; der Lehre der Zeichen, ihrer Verweisungszusammenh\u00e4nge und ihrer Funktionen. Die in semiotischen Studien geleistete Grundlagenforschung kann im vorliegenden Zusammenhang nicht erneut aufgearbeitet werden. Einflussreiche Erl\u00e4uterungen zum Zeichenbegriff wurden im Wesentlichen u.a. vorgelegt von Peirce, Ogden und Richards, dem schweizerischen Linguisten de Saussure oder auch dem Italiener Eco (vgl. Nagl 1992, Fiske 1987 sowie Eco 1972). Hier soll indes versucht werden, den Peirceschen Zeichenbegriff kurz betrachtend das Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Integration neuer Symbole in COMTE zu un-termauern. Charles S. Peirce zufolge sind in Sprache und Schrift verwendete Zeichen in eine Zeichentrias, bestehend aus dem Zeichen selbst, dem Zeichengegenstand (dem unmit-telbaren Objekt welches es bezeichnet) und dem Interpretanten, \"(...) welcher den pragmatischen Zeichenzusammenhang, die >>Semiosis<< tr\u00e4gt (...)\" (Nagl 1992, S. 35 ff.) eingebunden. Als Zeichen finden so z.B. in Sprache und Schrift W\u00f6rter Ver- 76 Rasco Hertig-Perschke wendung, die sich von dem, was sie zu bezeichnen suchen aufgrund ihrer \"materiellen Qualit\u00e4t\" unterscheiden: \"Als Beispiel solcher Qualit\u00e4ten ist z.B. bei dem Wort >>Mensch<< das Faktum zu verstehen, da\u00df es (geschrieben) aus sechs Buchstaben besteht, zweidimensional und ohne Relief ist\" (Peirce zitiert nach Nagl 1992, S. 35). Mit dem Begriff des Objektes hingegen werden generell jene Dinge bezeichnet, die innerhalb des Bezugsnetzes der Sprache mit Hilfe des Zeichens aufgewiesen werden (Das Wort \"Mensch\" und der lebendige Mensch). Als schwierigster Begriff der Zeichentrias gilt schlie\u00dflich der so genannte Interpretant, der f\u00fchrend die Zeichenwirkung eines Zeichens mitbestimm t. Er tr\u00e4gt dem Umstand Rechnung, dass (Gedanken-) Zeichen immer durch weitere Zeichen interpretiert, gleichsam weiterf\u00fchrend bestimmt werden. Zu ber\u00fccksichtigen ist somit, dass ein Zeichen nie unmittelbar f\u00fcr ein gegebenes Objekt steht, sondern dieses vielmehr ebenso f\u00fcr etwas anderes bezeichnet. Ludwig Nagel hat diesen Sachverhalt in seiner Einf\u00fchrung zum semiotischen Werk Charles Sanders Peirce folgenderma\u00dfen um- und beschrieben: \"(...) Zeichen(k\u00f6rper), >>signs<<, verstehen ihren Bedeutungssinn nicht selbst; Zeichen sind Zeichen f\u00fcr jemanden, sie werden rezipiert in Wirkungen, Gef\u00fchlen, Handlungen, das hei\u00dft in deutender, interner oder externer Kommunikation\" (Nagl 1992, S. 40, Hervorh. im Original). Auf einzelne Eigenschaften des Interpretanten kann hier nicht mehr eingegangen werden, nur soviel: unterscheiden lassen sich Interpretanten f\u00fchl im Zeichenempf\u00e4nger ausl\u00f6sen k\u00f6nnen, f\u00fchren \"energetische Interpretanten\" nur hinsichtlich ihrer Wirkung. W\u00e4hrend unmittelbare Interpretanten z.B. direkt ein Genach vorangegangener Interpretation und nur \"in der Regel\" zu bestimmten Handlungen und Verhaltensweisen. Eine dritte Zeic henwirkung ergibt sich in Folge\/im \"logical interpretant\"; ein Interpretant, der Anlass zu Fragen und Schl\u00fcssen gibt, in sich noch keine feste, ausschlie\u00dfliche Bedeutung und Wirkung haben muss, dessen Interpretation noch in unterschiedlicher Hinsic ht offen ist - eine Offenheit, die in der fortw\u00e4hrenden Interpretation und Argumentation Peirce' zufolge durchaus \u00fcberwun-den werden kann (Entstehung des \"final interpretant\"; vgl. ebd., 40 f.). Abbildung 9: Peircescher Zeichenbegriff Zeichen Inter pretant Ob jekt Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 77 Abstrahieren wir zun\u00e4chst von der Peircesc hen Zeichentrias und versuchen wir, das gegebene Modell nutzend, weiterf\u00fchrend mit Blick auf das \"grafische Vokabular\" von COMTE zu argumentieren. Wie erl\u00e4utert, fungieren Themen in der Kommunikation als Ansatzpunkte zur Komplexit\u00e4tsreduktion. COM l\u00e4sst, vom momentanen Stand ausgehend, jedoch nur den Blick auf die im Zeitverlauf publizierten Mitteilungszeichen und die zu ihnen geh\u00f6renden rekursiven Referenzen zu. Die \"Unterf\u00fctterung\" der \"Auff\u00fcllung\" von Mitteilungen mit zus\u00e4tzlichen Symbolen k\u00f6nnte es erm\u00f6glichen, Themen bzw. themenbezogenen Beitr\u00e4ge zu kennzeichnen. Wir h\u00e4tten es auf der Ebene des Kommunikationsprozesses mit folgender Trias zu tun 39: Abbildung 10: Symbolisierung von Themen - Zeichen als \"Stellvertreter\" A, B, C, ... Zeichen\/ 1, 2, 3, ... Code (ind.) Verst\u00e4ndnis: Thema \/ Aspekte eines Signifikanz und Themas (Objekt) Relevanz - Informationssinn Dieses \"Gedankenexperiment\" fortf\u00fchrend lie\u00dfe sich folgendes Abbild eines Kommunikationsprozesses schaffen: 39 Ontologische Implikationen bleiben als Th ema hier zun\u00e4chst au\u00dfen vor (vgl. auch den weiteren Gang der Argumentation). 78 Rasco Hertig-Perschke Abbildung 11: Einfaches Beispiel - Darstellung von Nachrichtengehalt - Aggregation Prim\u00e4rprozess FAQ r r r r r A' C F\/ G\/ E H\/ C E D C\/ E\/ C\/ D A D C D C A B A Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 79 Nutzung von Zeichen des \"Systemcodes\" der Schriftsprache (Alphabet) zur Symbolisierung (\u00e4hnlicher) thematischer Aspekt e\/\u00e4hnlicher Themen unterschiedlicher Nachrichten. Die Sachverhalte lassen sich als Folge der Beobachtung h\u00f6herer Ord-nung zu neuen \"FAQ-Mitteilungen\" aggregieren (\"r\" bezeichnet erneut die an sich unbeobachtbare Rezeption von \"FAQ-Beitr\u00e4g en\"). Ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Aggregation sind die \"soziale Sichtbarkeit\" von Mitteil ungen im Prim\u00e4rprozess sowie das Ergebnis der Beobachtung ihres Inhaltes unter Ber\u00fccksichtigung einer spezifischen und relativ persistenten Leitunterscheidung. Inwiefern es m\u00f6glich und sinnvoll sein kann, innerhalb von COMTE mit stellvertretenden Symbolen zur Kennzeichnung vo n Themen zu arbeiten, ist eine Frage, die der weiteren Er\u00f6rterung bedarf. Zu \u00fcberlegen steht insbesondere nicht nur, wof\u00fcr Zeichen stehen sollen, sondern auch: in we lcher Beziehung stehen die \"StellvertreterZeichen\"\/\"Platzhalter\" zueinander? (Im Rahmen welcher Anschl\u00fcsse ist es wahr-scheinlich, dass erneut dem Gehalt de r Vorg\u00e4ngermitteilung\/en entsprechende \u00e4hnliche Aspekte eines Themas\/Themen angeschnitten werden? Was wird in der Regel zusammen thematisiert? Was nicht?). Der durch die Sprache gegebene \"Thematisierungsfreiraum\", welcher durch Erwartungsstrukturen und spezifische Themen der Kommunikation letztlich wieder eingeschr\u00e4nkt wird, stellt also auch hier wieder ein Problem dar. Basale Anschl\u00fcsse sind in ihrem Entstehen vorab zu erkl\u00e4ren. Der Einsatz m\u00f6glicher \"Stellvertreter-Z eichen\" f\u00fcr Themen\/thematische Aspekte in COMTE scheint unumg\u00e4nglich, richten wir unseren Blick auch auf die ersten \"COM\"-Arbeitsergebnisse zur Ausdifferenzierung von Subforen bzw. -gruppen, die in ihrer thematischen Geschlossenheit besondere Ergebnisse der Verdichtung bzw. Ag-gregation von Nachrichten und Mitteilungen entlang bestimmter Themen darstellen. Maren L\u00fcbcke hat darauf hingewiesen, dass f\u00fcr die nachtr\u00e4gliche Ermittlung von Themen in Online-Diskussionen bzw. in den in ihrem Verlauf \"geposteten\" Nachrichten \"keywords\" von besonderer Bedeutung sind. So haben z.B. K. Uchimoto, H. und Themenwechsel \u00fcber \"Schl\u00fcsselw\u00f6rter\" zu indentifizieren (vgl. L\u00fcbcke, WP 1 Ozaku und H. Isahara einen Newsreader entwickelt, der es m\u00f6glich macht, Themen 2004, Version: 10.02.2004, S. 18 ff.). Nach Ansicht von Maren L\u00fcbcke h\u00e4lt diese Methode auch M\u00f6glichkeiten f\u00fcr COM bereit. Und wir k\u00f6nnten hier mit Blick auf den Stand des bisher Gesagten hinzuf\u00fcgen: W\u00fcrde es z.B. gelingen, nicht nur ein Thema \u00fcber \"Platzhalter\" in COM zu symbolisieren\/ zu visualisieren, sondern vielmehr auch \"Schl\u00fcsselw\u00f6rter\", die auf den von einer Mitteilung aufg espannten thematischen Rahmen verweisen (ohne allerdings bereits eine ontologische Verkn\u00fcpfung mit Bedeutungen und Inhalten mitliefern zu wo llen), so k\u00f6nnte \u00fcber den Vergleich von gegebenen Mengen von \"Schl\u00fcsselw\u00f6rtern\" ermittelt werden, inwiefern und bis zu 80 Rasco Hertig-Perschke welchen Punkten sich Verdichtungen eines Kommunikationsprozesses im Hinblick auf ein Thema und somit auch Aggregationen als Reihungen von Mitteilungen bestimmten Inhaltes in der Kommunikation und im speziellen Fall in der Subforenbildung ergeben haben. Was als \"Platzhalter\" f\u00fcr thematische Aspekte\/Anh\u00e4ufungen von Schl\u00fcsselw\u00f6rtern fungieren m\u00fcsste und kann, w\u00e4re allerdings noch zu kl\u00e4ren. Maren L\u00fcbcke hat im Hinblick auf dieses Thema vorgeschlagen, den durch die Inzeption auszuweisenden Teil ei nes Signifikanzwertes f\u00fcr eine Nachricht als Menge aller in einer Nachricht identifiz ierten Schl\u00fcsselw\u00f6rter zu definieren, w\u00e4hrend der durch den Kontext, in dem eine Nachricht steht, zu bestimmende Wert aus dem Abgleich der Elemente der Menge eine r Nachricht mit den Elementen der Menge einer Vorg\u00e4ngernachricht ermi ttelt werden sollte (vgl. ebd., S. 20). Der von der Rezeption zugewiesene Wert kann selbstverst\u00e4ndlich nur als Wert neuerlicher Inzeption bestimmt werden (vgl. zu Weiterem ebd., S. 16 ff.). Auch hier wird noch einmal deutlich, dass auf eine Kennzeichnung von Themen und thematischen Aspekten, sei es nun in direkter Form oder auch vermittelt (\"Platzhalter\" f\u00fcr \"Schl\u00fcsselw\u00f6rter\" eines Themas 40), in Anbetracht der Bedeutung von Themen f\u00fcr den Fortgang der Kommunikation kaum verzichtet werden kann. Welche M\u00f6glichkeiten der Realisierung, so zum Beispiel hinsichtlich der Einf\u00fchrung von \"stellvertretenden Symbolen\" (f\u00fcr Elemente, \"Schl\u00fcsselbegriffe\", Themen, Aspekte) oder der Definition von Mengen und Werten offen stehen, wird zu pr\u00fcfen bleiben. F\u00fcr die Aggregation von Mitteilungszeichen kommt erschwerend hinzu dass, der sprachlichen Realit\u00e4t angemessen, Inhalte und Bedeutungen, z.B. von \"keywords\", schlie\u00dflich doch wieder spezifiziert werden m\u00fcssten, um durch weitere Festlegungen auch auf das Ph\u00e4nomen reagieren zu k\u00f6nnen, dass es in der Sprache vermittelt \u00fcber den Prozess der Kommunikation m\u00f6glich ist, komplexe Sachverhalte mit wenigen Begriffen bezeichnen zu k\u00f6nnen. Was in dieser Hinsicht denkbar und m\u00f6glich w\u00e4re ist, dem Interesse an der Universalit\u00e4t eines neuartigen soziologischen Kommunikatin\u00e4chste Abschnitt neue Hinweise. In diesem nun an sein Ende gelangenden Abschnitt onsbegriffs geschuldet, noch zu untersuchen. Warum dem so ist, darauf gibt auch der sollte lediglich ein erster Versuch unternommen werden, neue Vorschl\u00e4ge zur Interpretation des Ph\u00e4nomens der Kondensation\/Aggregation zu unterbreiten und m\u00f6gliche angemessene Visualisierungen zu entwickeln. Im Rahmen dieses Versuches d\u00fcrfte ersichtlich geworden sein, dass in der Kommunikation nicht nur Themen die Aufgabe haben, Komplexit\u00e4t zu reduzieren . Auch Aggregationen einzelner Sachver40 Uchimoto u.a. griffen f\u00fcr den von ihne n konstruierten Newsreader auf Pronomen als \"keywords\" zur\u00fcck (vgl. L\u00fcbcke, WP 1 2004, Version: 10.02.2004, S. 17 ff.). Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 81 halte (siehe das Beispiel der \"FAQ\") dienen in der Kommunikation dazu, Anschlusswahrscheinlichkeiten zu ver\u00e4ndern und Anschl\u00fcsse auf andere Ebenen, und dieses hei\u00dft hier, auf die Mitteilungen anderer Kommunikationsprozesse zu verlagern. e. \"Thematische Verdichtung\" in Diskursen Mit dem Begriff des \"Diskurses\" werden, trotz seiner urspr\u00fcnglich weiten Bedeutung 41, mittlerweile jene gesellschaftlichen Diskussionsprozesse bezeichnet, die sich vor allem durch einen gewissen und - dieses hei\u00dft nichts anderes als - explizit beobachtbaren - Grad an Organisiertheit, Regelhaftigkeit und (teil-)\u00f6ffentlicher Breitenwirkung auszeichnen. Obwohl sich Diskurse zun\u00e4chst als regelhafte Verkn\u00fcpfungen von Aussagen oder auch als \"Aussageformationen\" definieren lassen (vgl. hierzu Knoblauch 2001, S. 211), darf an solchen (Kurz-)Beschreibungen nicht allzu lange festgehalten werden. Diskurse zeichnen sich im Besonderen durch eine weitere wichtige Eigenschaft aus - eine Eige nschaft, die sie erst zu einem den Geistes- und Sozialwissenschaften interessant erscheinenden Beobachtungs- und Untersuchungsgegenstand macht: ihrer spr achvermittelten Kraft, gesellschaftliche Realit\u00e4ten in den eigenen Verweisungszusa mmenh\u00e4ngen erst (er)schaffen zu k\u00f6nnen. Werfen wir einen Blick auf den \"Signifikantenreichtum\" unserer Sprache, auf W\u00f6rter und Begriffe, so f\u00e4llt auf, dass eine Vielzahl von Signifikanten nicht nur in einfachem Sinne auf ein Signifikat oder auch ein Ob jekt verweisen (es bezeichnen), sondern dieses in einer nicht selten schwer fassbaren Eigenbewegung erst zu generieren ver-m\u00f6gen. Hierzu ein Beispiel. Vor dem Hintergrund des zunehmend in allen gesellschaftlichen Bereichen vorgetragenen Pl\u00e4doyers f\u00fcr eine neue Eigenverantwortlichkeit des Individuums ist in der \u00d6ffentlichkeit unl\u00e4ngst das Leitbild des \"Unternehmers seiner Selbst\" entstanden - eines Menschen, der es versteht, nur die jeweils wirklich n\u00f6tige Unterst\u00fctzung seiner Mitmenschen und der Solidargemeinschaft in Anspruch nehmend die eigene Arbeit, aber auch sein Leben an sich in weitgehender Eigenverantwortung zu bew\u00e4ltigen. Mit den neuen Sozialreformen in der Bundesrepublik ist gerade der \"Arbe itskraftunternehmer\", ehemals sozialwissenschaftlicher Arbeitsbegriff der j\u00fcngeren Industriesoziologie (vgl. Pongratz, Vo\u00df 2003), zu einem neuen Leitbild avanciert. Was den \"Arbeitskraftunternehmer\" im 41 Der aus der franz\u00f6sischen Umgangssprache entlehnte Begriff bezeichnete urspr\u00fcnglich eine Vielzahl von Formen der \u00c4u\u00dferung, im Speziellen jedoc h \"(...) jedes halbwegs geordnete, \u00fcberwiegend monologi sche Daherreden - vom gew\u00f6hnlichsten bis zum wichtigen und feierlichen (..)\" (Seitter, zitiert nach Bublitz 2003, S. 5). 82 Rasco Hertig-Perschke Einzelnen ausmacht und in welchen gesellschaftlichen Bereichen der \"Unternehmer seiner Selbst\" angetroffen werden kann, ist bislang, trotz vielf\u00e4ltiger diskursiver Definitionsversuche, allerdings eine offene Frage geblieben. Dass es ihn gibt, wird kaum mehr bezweifelt. Die in diesem Beispiel bereist im Ansatz deutlich werdende \" Materialit\u00e4ten generierende Kraft \" des Diskurses (Bublitz 2003, S. 5, Hervorh. im Original) hat Hannelore Bublitz, wenn auch mit anderem thematischen Schwerpunkt, eing\u00e4ngig beschrieben: \"So b ezeichnen Begriffe wie >Ma nn< oder >Frau<, >Hetero< oder >Homosexuelle<, >Ausl\u00e4nder<, >Asylant< oder >Fremde< nicht etwas Reales, eine gegebene, vordiskursive Wirklichkeit, etwas, das in Wirklichkeit vorkommt und sprachlich abgebildet wird, sondern sie konstruieren erst das, was sie benennen, n\u00e4mlich geschlechtlich konnotierte Subjekte , Bev\u00f6lkerungsgruppen, die qua Bezeichnung stigmatisiert und ausgegrenzt werden, Individuen als semantische Komplexe , die durch eine klassifikatorische gesellschaftlic he Praxis gegeneinander angegrenzt und in eine Gesamtpopulation eingeordnet werden. Daran wird unmittelbar sinnf\u00e4llig: Zeichenordnungen bringen aufgrund ihrer konventionellen Verankerung und performativen Artikulation symbolisch hervor, was sie symbolisieren oder >bezeichnen<. An die Stelle der abbildenden Realit\u00e4ts funktion der Sprache tritt die konstruktive Herstellung von Realit\u00e4ten durch ein geordnetes Zeichensystem\" (ebd., S. 29 f., Her-vorh. R.P.). Um einzelne Modellierungsvorschl\u00e4ge zur Aggregation in Diskursen unterbreiten zu k\u00f6nnen, sollen die wesentlichen, bislang in der sozialwissenschaftlichen Forschung herausgestellten Eigenschaften v on Diskursen skizziert werden. Parallel ist gegenzupr\u00fcfen, in wie weit es m\u00f6glich sein kann, COMTE unter Einbeziehung dieser Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit einer Modellierung und Simulation diskursiver Kommunikationsprozesse zug\u00e4nglich zu machen bzw. allgemeiner, verst\u00e4ndliche und informierende Darstellungen typischer Eige nschaften diskursiver Kommunikationszusammenh\u00e4nge zu entwickeln. Folgen wir dem aktuellen Stand der Forschung im Bereich der Diskursanalyse, so ist festzuhalten, dass sich Diskurse in ihrem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild, d.h. mit Blick auf ihre \"Oberfl\u00e4che\", noch nicht allzu sehr von \"gew\u00f6hnlichen\", l\u00e4nger andau-ernden und die Gefahr des Abbruchs immer wieder \u00fcberwindenden Kommunikations- bzw. Diskussionsprozessen unterscheiden. Diskurse gelten als Verkn\u00fcpfungen einer Vielzahl von durchaus auch heterogenen Aussagen bzw. \u00c4u\u00dferungen. Ihre Urspr\u00fcnge liegen somit u.a. in sich zun\u00e4chst noch nicht zuspitzenden Diskussionszusammenh\u00e4n-gen, ihre Grundelemente sind einzelne M itteilungen (das \"In-Erscheinung-Treten\"), die sich durch eine unterschiedliche soziale Sichtbarkeit auszeichnen (vgl. ebd., S. 5). Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 83 Diese Eigenschaft von Diskursen ber\u00fccksichtigend erg\u00e4be sich erneut einbekanntes Bild: Abbildung 12: Mitteilungen und Referenzst rukturen (\"Message Reference Graph\") Als eine besondere Eigenschaft diskursiver Kommunikationsprozesse wird in der Forschung gegen\u00fcber dem \"In-Erscheinung-Treten\" und der damit gegebenen Sicht-barkeit von Aussagen der Grad ihrer Wiederholbarkeit bzw. die tats\u00e4chliche Wiederholung von \u00c4u\u00dferungen oder auch von Beitr\u00e4gen genannt und hervorgehoben. Je h\u00e4ufiger ganz bestimmte, inhaltlich identi sche bzw. \u00e4hnliche \u00c4u\u00dferungen erfolgen, je h\u00e4ufiger bestimmte Begriffe genannt werden, je h\u00e4ufiger diese Begriffe mit hoher Relevanz belegt werden, desto \"offensichtlicher\" wird, in welche Richtung sich Diskurse \"bewegen\". An den Diskursbegriff Michel Foucaults anschlie\u00dfende DiskursanalytikerInnen haben immer wieder darauf hingewiesen, dass es vor allem auch die im \"gesellschaftlichen Nexus\" (F oucault 1994, S. 257) fest verankerten Machtbeziehungen sind, die im und durch den Diskurs ihre Wirkung entfalten und den Diskurs in seiner Gestalt formen und pr \u00e4gen. Interessant ist, dass Diskurse erst durch die Wiederholung und erneute Setzung bestimmter Begriffe, Themen, Relevan-zen etc. in der permanenten Disqualifika tion zwischen dem unmittelbar Sagbaren und dem Nicht-Sagbaren\/Nicht-mehr-Sagbaren ihre Strukturen als Kommunikationszu-sammenh\u00e4nge schaffen. Dabei ist, und dieses m\u00f6chte ich als f\u00fcr Diskurse charakteristisch bezeichnen, unwichtig, ob die erneute Thematisierung eines Sachverhaltes, die wiederholte Nennung eines Begriffes oder die Bekr\u00e4ftigung von Sichtweisen, Einsch\u00e4tzungen und Werten auf einer Rezeption des bisher im Verlauf des kommunikativen Zusammenhanges \"an die Oberfl\u00e4che\" der Mitteilungsebene 84 Rasco Hertig-Perschke bef\u00f6rderten Inhaltes der Kommunikation beruht, oder ob etwas aus anderen Prozessen \"importiert\" wird. Entscheidend ist, inwiefern es einem neuen Beitrag gelingt, eine ausreichende Wiederholungsleistung zu erbringen - eine Wiederholungsleistung, \u00fcber die im diskursiven Zusammenhang selbst entschieden wird. Zwar l\u00e4sst sich, Signifikanzen und Relevanzen miteinander in entsprechender Form verkn\u00fcpfend, vom Autor einer Mitteilung die Zu geh\u00f6rigkeit seiner Nachricht zu einem spezifischen diskurside Rezeptionen und m\u00f6gliche Inzeptionen. ZiInhalt anschlussf\u00e4hig bleiben, dar\u00fcber entscheiden jedoch ausschlie\u00dflich nachfolgen-ven Zusammenhang reklamieren; ob ihre soziale Sichtbarkeit gew\u00e4hrleistet und ihr ehen wir erneut in Betracht, was weiter oben mit Verweis auf die Ergebnisse zur Subforenbildung gesagt wurde, so wird deutlich, dass sich die zu einem Diskurs geh\u00f6renden Nachrichten durch hochgradig identische Schnittmengen bez\u00fcglich der \"keywords\", d.h. durch identische S-Werte auszeichnen m\u00fcssen. Der Diskurs stellt som it die \"h\u00f6chste Form\" der \"thematischen Verdichtung\", der Kondensation und somit der Ablagerung von Beitrag an Beitrag zu einem ganz bestimmten thematischen Ve rweisungszusammenhang dar. Der Diskurs Rezeption, Ausbringen und nikationsprozess) und Zusammenfassung\/Aggregation (zusammenfassende ist \"Kondensation\" in st\u00e4rkster Auspr\u00e4gung. Anlagerung (Kondensation im Kommu-kommunikative Pr\u00fcfung neue r Begrifflichkeiten) verkn\u00fcpfen sich zu einem engen Bedingungszusammenhang. Als Frage bleibt noch bestehen, wie es \u00fcberhaupt dazu kommen kann, dass sich im kommunikativen Zusammenhang des Diskurses einzelne Aussagen entweder als anschlussf\u00e4hig oder auch als nicht-anschl ussf\u00e4hig erweisen? Nehmen wir erneut an, dass einzelne Elemente eines f\u00fcr die Visualisierung und Modellierung in Zukunft zu nutzenden Systemcodes wieder f\u00fcr thematis ch \u00e4hnlich gefasste Beitr\u00e4ge oder auch Themenidentit\u00e4t stehen. Hinzu kommen soll, dass sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt t aufgrund der jeweiligen Signifikanz- und Relevanzsetzungen der Akteure Anschl\u00fcsse wie in der nachfolgenden Abbildung 13 dargestellt ergeben haben. Deutlich zu sehen ist, dass thematisch mit B jeweils an A oder B angeschlossen wurde sowie auch umgekehrt und doppelt Bezug nehmend. Ebenso zeigt das Schaubild Anschl\u00fcsse, die die thematische Referenz von C auf D und umgekehrt sowie in Kombination darstellen. Sobald Anschl\u00fcsse von A auf C bzw. C auf D erfolgten, blieben Bezugnahmen auf die jeweils refere nzierende Nachricht aus. Die Platzhalter A und B blieben f\u00fcr sich anschlussf\u00e4hig. Dieses gilt ebenso f\u00fcr C und D. Versuche der Kombination des thematischen Gehaltes beider Bl\u00f6cke m\u00fcssen, alle Ebenen durchleuchtend bis zum Zeitpunkt t=0 (Gegenwart, oberste Ebene) als gescheitert betrachtet werden (weitere Anschl\u00fcsse fehlen). Zu sehen sind somit zwei Diskussionszusammenh\u00e4nge, deren Beitr\u00e4ge sich in spezifischer Weise aufeinander beziehen. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 85 Je h\u00e4ufiger mit dem Zeitverlauf immer wi eder dieselben thematischen Referenzen etabliert werden, desto unwahrscheinlicher, so steht zu vermuten, werden Anschl\u00fcsse, die die Grenze zwischen dem unmittelbar im Diskussionszusammenhang Sagbaren und dem Nicht-, oder nur in anderen diskursiven Kommunikationszusammenh\u00e4ngen Sagbaren \u00fcberschreiten 42. F\u00fcr die Simulation thematischer Bezu gnahme und Verdichtung zu einem Diskurs- und Aggregationszusammenhang m\u00fcssten \u00fcber die Einf\u00fchrung von Symboliken hinaus m\u00f6glicherweise Relationen zwischen Themen, \"Ausgangsanschlusswahr-scheinlichkeiten\" aber auch Bedingungen des Nicht-Zustandekommens zun\u00e4chst f\u00fcr offensichtlich oder hoch wahrscheinlich ge haltener Anschl\u00fcsse festgelegt werden. Von besonderer Bedeutung ist und bleibt aber, dass damit nicht ausschlie\u00dflich sich einseitig verselbst\u00e4ndigenden Anschl\u00fcssen (auf Beitr\u00e4ge mit dem Gehalt xy folgen immer Beitr\u00e4ge mit dem Aspekt z) Vorschub geleistet wird. Auch Kommunikation in Diskursen bleibt, trotz allem, manches Mal f\u00fcr \u00fcberraschende Anschl\u00fcsse offen, wenn auch in deutlich geringerem Ma\u00dfe als andere kommunikative Zusammenh\u00e4nge; Abbr\u00fcche sind nicht generell ausgeschlossen aber in hohem Ma\u00dfe unwahrscheinlich. Wir ber\u00fchren erneut die Grundfrage des \"Communication-Oriented Modeling\": Wie sind basale Anschl\u00fcsse zu modellieren? 42 Die \"Hysteresis\" von Kommunikationen und Themen w\u00e4re in diesem Zusammenhang ein weiteres spannendes \"Untersuchungsobjek t\". Arbeitsergebnisse der Selektionsforschung der Publizistik geben Anlass zu der Vermutung, dass ei nmal etablierte thematische Zusammenh\u00e4nge ohnehin \u00fcber eine hohe Stabilit\u00e4t aufgrund des verbreiteten Rezeptionsverhaltens von MediennutzerInnen verf\u00fcgen: \"Die Selektionsforschung der Publizistik gibt eher Anlass, zu einer skeptischen Haltung hinsichtlich starken Themenschwankungen. So ist zumindest die Wahl der Mediennutzung stark habitualisiert, und die Theorie kognitiver Dissonanz geht davon aus, dass es Selektionsstrategien oftmals darauf hinauslaufen, konsistente Informationen zu finden und Inkonsistenzen zu vermeiden (...). Auf der thematischen Ebene hei\u00dft dies, dort anzuschlie\u00dfen, wo Akzeptanz durch thematische N\u00e4he gew\u00e4hrleistet scheint, und tendenziell eher das vorhandene Thema zu best\u00e4tigen, als Irritationen au szul\u00f6sen und einen Wechsel zu evozieren\" (L\u00fcbcke, WP 1 2004, Version: 10.02.2004, S. 21, sic!). 86 Rasco Hertig-Perschke Abbildung 13: Anschl\u00fcsse in einem diskursiven Kommunikationszusammenhang A C A D C A D B A C\/D A\/B C\/D B A\/B A D C A B C D Entstehung von zwei unterschiedlichen Disk ursen (Diskursraum 1: A\/B, Diskursraum chreitende Referenzen scheitern, da das 2: C\/D). Die jeweiligen Diskursr\u00e4ume \u00fcbers \u00dcberkreuzen weitere Bezu gnahmen \"verhindert\". Abbildung 13 zeigt deutlich, dass thematisch anschlussf\u00e4hige Beitr\u00e4ge die wohl eine ausreichende \"Wiederholungsleistung\" erbringen k\u00f6nnen\/k\u00f6nnten (siehe Beitrag A, Ebene 3; Indikator hierf\u00fcr sind nachfolgende Referenzen) sich auch in den Verweisungszusammenhang einpassen lassen\/lie\u00dfen. In diesem Zusammenhang w\u00e4re vor allem zu \u00fcberlegen, wie der \"Import\" von thematisch \u00e4hnlichen und damit anschlussf\u00e4hig bleibenden Beitr\u00e4gen aus anderen Kommunikationsprozessen in Zukunft mit COM modelliert und in COMTE simuliert werden k\u00f6nnte. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 87 Diskurse disqualifizieren zwischen Beitr\u00e4gen, die in jenem bislang von ihnen aufgespannten und gehaltenen Netz als annehmbar oder nicht-annehmbar gelten. Dieses geschieht in der Regel zum einen im Hinblic k auf den bisher etablierten thematischen Zusammenhang (Was nicht zum Thema passt, kann auch nicht im Kommunikations-zusammenhang behandelt werden: vgl. hierzu auch die Analysen zum DEMOSKommunikationsprozess), immer aber auch hinsichtlich der mit dem thematischen Beitrag gekoppelten Relevanzen. Wie selektive Anschl\u00fcsse dieser Art zustande kommen k\u00f6nnen, ist noch genauer zu er\u00f6rtern. In diesem Zusammenhang stellt sich vor allem die Frage, inwiefern der Akteur bei der Beobachtung von Kommunikation doch, auch im Falle von hochskalierten und anonymen Kommunikationsprozessen, Beachtung finden muss. Eine Frage, die in weiteren (Nach-) Forschungen, das Anschlussproblem (einfache Kommunikations anschl\u00fcsse) direkt verhandelnd, zu beantworten ist. F\u00fcr geschlossene Diskurse ist in der Regel zu beobachten, dass es keineswegs unbedeutend ist und bleibt, wer zu welchem Zeitpunkt welche Referenzen etabliert und welche Themen in die Disku ssion einbringt. Als Beispiel k\u00f6nnen u.a. wissenschaftliche Diskurse gelten. Trotz einer hohen Vernetztheit und trotz der relati-ven Offenheit des Forschungsbetriebes ist nicht unerheblich, von welchen Personen z.B. neue Ergebnisse, Ansichten, Theorien etc. zu einem bereits erforschten Gegenstand in die weitere Diskussion eingespeist werden. Dieses hat vor allem mit der sozialen Sichtbarkeit von Mitteilungen zu tun. Besteht die M\u00f6glichkeit, in wichtigen Fachzeitschriften oder bei einem angesehenen Verlag zu ver\u00f6ffentlichen, so steht zu erwarten, dass die eigenen Ergebnisse eine breitere Rezeption erfahren und somit auch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl an Folgebeitr\u00e4gen provozieren, als es bei weniger sichtbaren Beitr\u00e4gen wie z.B. Dissertationen der Fa ll ist. In eine \u00e4hnliche Richtung wirkt auch die Reputation des Autors, mit ein Resultat seiner Ver\u00f6ffentlichungst\u00e4tigkeit, anschlie\u00dfender (positiver wie negativer) Repliken und der generellen Bezugnahme auf die Inhalte (Zitation) seiner Arbeit. Die Modellierung und m\u00f6gliche Simulation von Kommunikationsprozessen in COMTE noch einmal ins Auge fassend w\u00e4re zu \u00fcberlegen, ob es m\u00f6glich sein k\u00f6nnte, die in einem Simulationslauf zu unterschiedlichen Zeitpunkten generierten Nachri chten \"fiktiven\" Au torInnen\/Adressen zuzuordnen, so dass sich die soziale Sichtb arkeit einer Nachricht in Anbetracht des \"Who is Who?\" von Bezugnahmen beeinflussen l\u00e4sst bzw. ergibt? Damit w\u00e4re nicht nur von Bedeutung, dass \u00fcberhaupt inzipiert\/rezipiert, und somit die Sichtbarkeit einer Nachricht schon hoch sein muss\/erh\u00f6ht wird, sondern auch, von wem inzi-piert\/rezipiert wird. Einer weiterf\u00fchrend realistischeren Abbildung zutr\u00e4glich bleibt aber fraglich, inwiefern und in welcher Hinsicht eine solche Art der \"Mitteilungskennzeichnung\" n\u00f6tig ist. Das Aufkommen der Frage l\u00e4sst sich aber begr\u00fcnden: 88 Rasco Hertig-Perschke COMTE vermag es tats\u00e4chlich, einen Kommunikationsverlauf zu simulieren, der \u00c4hnlichkeit mit dem Kommunikationsprozess des wissenschaftlichen Zitierens hat; erkl\u00e4ren l\u00e4sst sich so nur wenig. Denn wo werden jene Signifikanzen und Relevanzen bestimmt, die zur Ausbringung einer Nachricht f\u00fchren? Kommunikation ist sich selbst genug - Autopoiesis ist die Reproduktion der Elemente des Systems, sie ist nicht die Automation \"ewiger\" Existenz. Abbildung 14: Nachrichten und Autoren 10 11 12 13 B C A D 5 6 7 8 9 D A B A C 1 2 3 4 A B C D W\u00e4hrend Ziffern lediglich die laufende Nummer der Nachrichten anzeigen, verweisen Buchstaben auf die AutorInnen der einzel nen Mitteilungen. Dem Umstand, dass ein\/e AutorIn mehrere Nachrichten zu einem Zeitpunkt \"posten\" kann, wurde Rechnung getragen. Aus Gr\u00fcnden der \u00dcbersichtlichkeit wurde auf eine \"Auff\u00fcllung\" der Mitteilungssymbole mit Themenindikatoren verzichtet. Es ist davon auszugehen, dass sich die Sichtbarkeit einer Nachricht vor allem dann \u00fcber das gew\u00f6hnliche Ma\u00df hinaus steigert, sobald die Bezugnahme durch eine\/n AutorIn mit hoher Reputation erfolgt. \u00dcber die Abstufung der Reputationen lie\u00dfen sich in der Simulation somit unterschied-liche Auswirkungen auf die \"soziale Sichtb arkeit\" einzelner N achrichten erzielen. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 89 Mit der eindeutigen Kennzeichnung von \"AutorInnen\" lie\u00dfen sich auch Kommunikationssequenzen (Dialog, Gespr\u00e4ch, Austausch, Konversation etc.) darstellen und erfassen. Inwiefern dieser Vorschlag tragbar ist, bleibt zu pr\u00fcfen. Soll das COMTE-Modell in der Realit\u00e4t stattfindende Kommunikationsprozesse (auch in OnlineKommunikationen\/-Diskussionen k\u00f6nnen bestimmte TeilnehmerInnen aufgrund ihres bisherigen Mitteilungsverhaltens oftmals eine h\u00f6here Reputation als andere TeilnehmerInnen f\u00fcr sich verbuchen) jedoch besser abbilden k\u00f6nnen als bislang, m\u00fcssen Anschlussbedingungen genauer ausgelotet und Anschl\u00fcsse zus\u00e4tzlich neu gelagert modelliert werden. Die Reputation, das Ansehen eines Autors, w\u00e4re (nur) eine weitere Variable, die \u00fcber die vom Autor in seiner eigenen Nachricht etablierten Referenzen auf die soziale Sichtbarkeit von Mitteilungen wirkt. Gleichzeitig lie\u00dfe die Arbeit mit einer wie auch immer in Formalisierung und Simulation mathematisch zu ber\u00fccksichtigen \"Reputation\" des Autors\/der Autorin zu, das COMTE-Modell in seinem Kern St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck zu erweitern, ohne mit vorweg zu treffenden, generalisierenden An-nahmen \u00fcber Absichten oder Ziele von Akteuren arbeiten zu m\u00fcssen. Dass damit allerdings die Beobachtungsebene der \"Mitteilungszeichen\", des Kommunikationsprozesses an sich wieder verlasse n wird, indem \"Umweltbedingungen\" Thematisierung erfahren, ist klar. Die Erl\u00e4uterungen zum Thema \"Anschluss f\u00e4higkeit\" vorl\u00e4ufig beiseite lassend m\u00f6chte ich zum \"Diskurs\" zur\u00fcckkommen. Wie zu Beginn dieses Abschnittes er\u00f6rtert, sind Diskurse in erster Linie durch die ihnen innewohnende \"Kraft\" gekennzeichnet, Objekte (in) der sprachlichen Realit\u00e4t \"zum Leben\" erwecken zu k\u00f6nnen. Dieses unterscheidet sie von allgemeinen Diskussions- oder noch unspezifischer Kommunikationsprozessen. Gerade der Foucaultsche Diskursbegriff ist Bestandteil eines theoretischen Programms das sich, wenn auch nicht ohne Probleme, in das \"durchaus heterogene Spektrum (post-)strukturalistischer Theorie\" (Bublitz 2003, S. 23) einordnen l\u00e4sst. Im Mittelpun kt dieses Programmes steht insbesondere die Ablehnung der blo\u00dfen Repr\u00e4sentationsfunktion der Sprache in Anlehnung an die Studien de Saussures. Im Gegensatz zu Peirce betont de Saussure in seiner Arbeit vor allem die Beziehung einzelner Zeichen zueinander. Als \"Objekt mit Bedeutung\" besteht das Zeichen de Saussure zufolge aus dem Zeichenk\u00f6rper sowie den allgemeinen Vorstellungen bzw. Konzepten, die von den Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft mit einzelnen Zeichen verbunden werden. Diese \"allgemeinen Vorstellungen\" (das Bezeichnete), welche mit dem sprachliche n Zeichen zum Ausdruck gebracht werden, lassen sich am ehesten mit Peirces Interpre tanten vergleichen. Inwiefern und auf welche Art und Weise das (sprachliche) Zeiche n nun tats\u00e4chlich aber etwas au\u00dferhalb der 90 Rasco Hertig-Perschke Sprache Stehendes bezeichnet (\" Signifikation\"), dieses wa r f\u00fcr de Saussure eher von nachrangiger Bedeutung (vgl. auch Fiske 1987, S. 47). In Anlehnung an die Forschungen von de Saussure betonen poststrukturalistische Autorinnen und Autoren immer wieder, dass Gedanken, Vorstellungen oder Dinge nicht einfach durch Zeichen bzw. Symbole abgebildet werden. Die Vorstellung, dass \"vorg\u00e4ngige Referenten\" den Zeichen vorausgehen, ist statt dessen aufzugeben und zu ersetzen durch ein Verstehen und Definieren der Beziehung zwischen Zeichen und bezeichnetem Gegenstand als arbitr\u00e4r: \"Sinn konstituiert sich demnach durch die Regeln des Gebrauchs von Sprache und durch den Verweis von Zeichen aufeinander, nicht durch eine einfache Reflexion der Welt in der Sprache\" (ebd., S. 23). Diese folgenschwere Dekonstruktion \u00f6ffnet schlie \u00dflich den Blick daf\u00fcr, dass Realit\u00e4t nicht einfach gegeben, sondern ebenso sehr, oft aber auch ausschlie\u00dflich (dieses gilt weniger f\u00fcr die nat\u00fcrliche Realit\u00e4t, umso st\u00e4rker aber f\u00fcr die gesellschaftliche Wirklichkeit) \"gemacht\" wird. Auf die ein zelnen Implikationen dieser Sichtweise kann hier nicht weiter eingegangen werden. Ein Beispiel f\u00fcr einen solchen Konstruktionsprozess und damit auch Aggregationspr ozess ist bereits erw\u00e4hnt worden (der \"Arbeitskraftunternehmer\"), weitere lie\u00dfen si ch anf\u00fchren. Was bedeutet dieses aber f\u00fcr die Modellierung von diskursiven Kommunikationszusammenh\u00e4ngen? Zun\u00e4chst vor allem eines: Diskurse f\u00fchren \u00fcber kurz oder lang zu Resultaten, die ihrerseits somit nicht nur Realit\u00e4t werden, sondern auch Realit\u00e4t an sich und in sich sind . Nehmen wir erneut an, dass wir einen Diskussionszusammenhang mit einer gewissen (begrenzten) Anzahl von TeilnehmerInnen 43 haben (vgl. Abbildung 15, S. 77). Vorausgesetzt werden soll ferner eine bereits erfolgte Schlie\u00dfung des kommunikativen Zusammenhanges. Diskussionen konzentrieren sich im folgenden Modellierungsbeispiel im Wesentlichen auf zwei unterschiedliche Aspekte (A\/B) eines Sachverhaltes\/Themas X. Wir wollen zus\u00e4tzlich annehmen, dass aufgrund der gegebenen Bedingungen kommunikativer Anschl\u00fcsse bzw. der sich aus der Wirkung unterschiedlicher Faktoren ergebenden Anschlussf\u00e4higkeiten sich schlie\u00dflich einer 43 Wie bereits erl\u00e4utert, begrenzt sich die Zahl der m\u00f6glichen KommunikationsteilnehmerInnen im Diskurs vor allem im Zugang zu seinem kommunikativen Zusammenhang. Im Wissenschaftssystem ist es z.B. nicht f\u00fcr PolitikerInnen, Journalisten oder interessierte B\u00fcrgerInnen m\u00f6glich, in die laufen den diskursiven Kommunikationszusammenh\u00e4nge direkt einzugreifen. Nur wer an bestimmter Stelle dem Gesamtzusammenhang des Systems angeh\u00f6rt (Kopplung, Rollen, Progra mme) kann \u00fcberhaupt die bereitstehenden M\u00f6glichkeiten und Chancen nutzen, in diese Prozesse auch tats\u00e4chlich einzugreifen Ausgang ungewi\u00df! Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 91 der beiden Aspekte als der am h\u00e4ufigsten mitgeteilte und somit thematisierte \"entpuppt\". Nicht selten steht am Ende eines solchen Prozesses, so z.B. in der wissenschaftlichen Forschung, die Konsolidier ung eines Begriffes, der m\u00f6glicherweise schon im Prim\u00e4rzusammenhang gepr\u00e4gt wurde (\"Aggregation als Begriffsbildung\" und Schaffung neuer Sachzusammenh\u00e4nge). In Zusammenhang mit dem Thema \"Aggregation als Begriffsbildung\" l\u00e4sst sich lung) klar positiv oder negativ beeinflusst. Zu fragen w\u00e4re nach Verschiedenem; nach Sichtbarkeit einer Mitteilung (dieses Mal der das \"Aggregat\" beinhaltenden Mittei-erneut vortrefflich diskutieren, ob die Reputation eines Autors\/einer Autorin die m\u00f6glichen \"Zahlen-\" oder \"Buchstabenmarkern\" in Nachrichten (Implementiert und in der Simulation ber\u00fccksichtigt in Form von \"Signifikanzwerten\"?), nach den Folgen der Signifikanz- und Relevanzsetzungen im Prim\u00e4rprozess (\"Ausflaggen\" von Signifikanz- und Relevanzwerten mit de r Mitteilung, Auswirkungen auf die Sichtbarkeit\/Anschlusswahrscheinlichkeit), dem wie und wann des Zustandekommens von Aggregationen, der Sichtbarkeit der die Aggregationen transportierenden Nachrichten? etc. 92 Rasco Hertig-Perschke Abbildung 15: Aggregation in Diskursen - Begriffsbildung\/Sachzusammenhang A'\/B A'\/D A'\/C 5 4 8 Resultat A' (z.B. Begriff), mitgeteilt in einer Art zuA A A A sammenfassen1 der Nachrich t 5 4 8 1 A A B 7 1 6 A A\/B 4 5 A B B 1 2 3 Aggregation\/Zuspitzung von Sachverhalten inklusive Resultat. Die Ziffern rechts unterhalb der jeweiligen Mitteilung geben wi eder Hinweis auf den verantwortlichen Autor\/die verantwortliche Autorin. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 93 Inwiefern zwecks Modellierung thematisch er und begrifflicher Verdichtung mithilfe von Platzhaltern f\u00fcr Themen, Aspekte, \"keywords\", ganze \"Schnittmengen\" etc. gearbeitet werden kann, bedarf, und dieses wurde weiter oben schon ausf\u00fchrlich angesprochen, der weiteren Kl\u00e4rung. Von Bedeutung ist insbesondere, inwiefern eine Art \"Themenkennzeichnung\" zur Erg\u00e4nzung und Erweiterung von Modellen n\u00fctzlich sein kann. Zentrales Problem f\u00fcr die Modellierung und Simulation von Kommunikationsprozessen d\u00fcrfte ohnehin grunds\u00e4tzlich jene Komplexit\u00e4t sein, mit der die Sprache Kommunikationsprozesse \"\u00fcberflutet \", und die auch durch die Themensetzung nur in ganz bestimmtem Umfang wieder reduziert werden kann. Eine wichtige Frage bleibt also letztlich bestehen: Wi e und womit sollen die \"Mitteilungssymbole\" in COM(TE) in Zukunft \"unterf\u00fcttert\" werden? Was soll ihr Inhalt sein? Wof\u00fcr sollen sie stehen? Und wie ist mit den Leistungen der Sprache umzugehen? Erst unter Ausnutzung der mit der Sprache gegebenen M\u00f6glichkeiten, insbesondere der Begriffsbildung, lassen sich Gehalte einzelner Mitteilungen zu zusammenfassenden Beschreibungen verdichten oder auch \u00fcber neue, stellvertretende Zeichen aggregieren und symbolisieren. Damit bleibt aber offen, wie das Sprach- und Semantikproblem im Kontext des \"Communication-Oriented Modeling\" Beachtung finden soll. 4. SCHLUSSBETRACHTUNG Unter Punkt 3 sind verschiedene Aspekte der Prozesshaftigkeit von Kommunikation beleuchtet worden. Die eingehende theoretisch-abstrahierende Betrachtung des Ph\u00e4-nomens \"Kommunikation\" m\u00fcndete in de r Modellierung der Verdichtung und Aggregation von Kommunikationen in verschiedenen F\u00e4llen. Inwiefern sich die Re-sultate dieser, sich aus einer Beob achtung zweiter Ordnung speisenden onstheoretischen Annahmen, nicht direkt beeinflusst und dementsprechend nicht wir auch weiterhin den auf den letzten gut siebzig Seiten favorisierten kommunikati-Beobachtungskommunikation selbst als anschlussf\u00e4hig erweisen werden, kann, folgen vorweggenommen werden. Einzelne Analysen haben insbesondere neue Fragen bez\u00fcglich des COMTE-Modells und seiner M\u00f6g lichkeiten aufgeworfen. Wichtig wird in Zukunft sein, welche zus\u00e4tzlichen Anschlussbedingungen sich abgesehen von der \"sozialen Sichtbarkeit\" in das Modell und somit auch in die Modellierungen integrieren lassen, um so das Problem der Anschlussf\u00e4higkeit und -wahrscheinlichkeit neu und erg\u00e4nzend behandeln sowie besser fassen zu k\u00f6nnen. Mit Blick auf die in Abschnitt 3 vorgestellten Visualisierungen ist schlie\u00dflich auch zu fragen, inwiefern der 94 Rasco Hertig-Perschke Akteur eine Einbeziehung in die Modellierung finden muss und welche M\u00f6glichkeiten es hier gibt, dieses zu leisten, ohne direkt auf die Absichten, Intentionen, Ziele und W\u00fcnsche von Akteuren Bezug nehmen bzw. diese unmittelbar ber\u00fccksichtigen zu m\u00fcssen. Eine weitgehende Formalisierung un d deutlich reduktionistische Betrachtung einzelner Eigenschaften von Kommunikationsprozessen scheint (noch) zu kurz gekommen zu sein - sie war ohnehin nicht b eabsichtigt, stand eine \"realit\u00e4tsad\u00e4quate\" ne!\". Ann\u00e4herung an Probleme doch im Vordergrund - \"A lot of work remains to be doDas die definitorische Abgrenzung der Begriffe \"Kondensation\" und \"Aggregation\" voneinander betrifft, muss hier letztlich auch mit einem vorl\u00e4ufigen Ergebnis vorlieb genommen werden. Die \"Kondensation\" l\u00e4sst sich am ehesten als Verdichtung des Mitteilungsgeschehens in Anbetracht eines spezifischen, in der Kommunikation eingehende Behandlung erfahrenden Themas beschreiben (identische Signifikanzwerte der einzelnen Nachricht aufgrund identis cher Beitr\u00e4ge zu einem Thema; vgl. hierzu auch die Frage der Themenkennzeichnung und der \"keywords\"), w\u00e4hrend es sich im Falle der \"Aggregation\" um die Zusammen fassung von Mitteilungsgehalten in einer Nachricht oder auch mit Hi lfe eines Mitteilungszeichen s handeln soll. Eine trennscharfe Abgrenzung bleibt ein Problem. \"Kondensation\" und \"Aggregation\" von Mitteilungen sind Themen, die eng aneinander gelagert eben wie so viele andere Themen auch Eigenschaften aufweisen, die sich als \"fuzzy\" bezeichnen lassen. Einzig und allein der Begriff der \"Konfirmation\" hat hier keine Verwendung gefunden, vor allem nicht im Zusammenhang mit der Entstehung von Resultaten in der Kommunikation. Dieses hat gute Gr\u00fcnde, findet der Begriff doch bereits Verwendung in den Geistes- und Sozialwissenschaften wenn es darum gehen soll, aus sprachphilosophischer oder auch konversationsanalytisch-soziologischer Perspektive die von alter kommunizierte Best\u00e4tigung des \"richtigen\" Verstehens eines von ihm\/ihr initiierten Kommunikationsaktes durch sein Gegen\u00fcber, ego, zu bezeichnen (vgl. dazu auch Schneider 1994, S. 172 ff.). Abschlie\u00dfend sei noch kurz erw\u00e4hnt, da ss auch die Aufl\u00f6sung \"thematischer Verdichtungen\" und das Aufbrechen von Zusammenh\u00e4ngen in der Kommunikation wie auch der \"Relevanzverlust\" von Aggr egationen wichtige Themen sind, die in Zukunft im Gesamtzusammenhang des Problems der \"Aggregation\" Er\u00f6rterung finden m\u00fcssen. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 95 LITERATUR Albrecht, Steffen; Maren L\u00fcbcke, Thomas Malsch und Christoph Schlieder (2004): Scalability and the Social Dynamics of Communication. On Comparing SNA and COM as Models of Communication Networks. In: Klaus Fischer und Michael Florian (Hg.): Socionics: Its Contributions to the Scalability of Complex Social Systems. Berlin, Heidelberg, New York: Springer-Verlag. (In print). (2003): Linked. How Everything Is Connected to Every-Barab\u00e1si, Albert-L\u00e1szl\u00f3 thing Else and What It Means for Business , Science, and Everyday Life. With a New Afterword. New York u.a.: Plume\/Penguin Group. Bublitz, Hannelore (2003): Diskurs. Bielefeld: transcript Verlag. Burkart, Roland (2003): Kommunikationstheorien . In: G\u00fcnter Bentele, Hans-Bernd Brosius und Ottfried Jarren (Hg.): \u00d6ffentliche Kommunikation. Handbuch Kommu-nikations- und Medienwissenschaft. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag GmbH. S. 169 ff. Crowley, David und David Mitchell (1994): Communication Theory Today. Cambridge, Oxford: Polity Press\/Blackwell Publishers. Debatin, Bernhard (1998): Analyse einer \u00f6ffentlichen Gruppenkonversation im Chat-Room. Referenzformen, kommunikations-praktische Regularit\u00e4ten und soziale Strukturen in einem kontextarmen Medium. In: Gerhard Vowe und Elisabeth Prommer (Hg.): Computervermittelte Kommunikation. \u00d6ffentlichkeit im Wandel. Kommunikation audiovisuell. Bd. 26. Konstanz: UVK Medien. S. 13 ff. DUDEN (1997): Das Fremdw\u00f6rterbuch. 6., auf der Grundlage der amtlichen Neuregelung der deutschen Rechtschreibung \u00fcberarbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, Wien, Z\u00fcrich: Dudenverlag. Eco, Umberto (1972): Einf\u00fchrung in die Semiotik. Autorisierte deutsche Ausgabe von J\u00fcrgen Trabant. M\u00fcnchen: Wilhelm Fink Verlag. Ellrich, Lutz und Christiane Funken (1998): Problemfelder der Emergenz. Vor\u00fcberlegungen zur informatischen Anschlu\u00dff\u00e4higkeit soziologischer Begriffe. In: Thomas Malsch (Hg.): Sozionik. Soziologische Ansichten \u00fcber k\u00fcnstliche Sozialit\u00e4t. Berlin: edition sigma. S. 345 ff. 96 Rasco Hertig-Perschke Fa\u00dfler, Manfred und Wulf R. Halbach, Hg. (1994): Cyberspace. Gemeinschaften, Virtuelle Kolonien, \u00d6ffentlichkeiten. M\u00fcnchen: Wilhelm Fink Verlag. Fa\u00dfler, Manfred (1997): Was ist Kommunikation? 2. Auflage. M\u00fcnchen: Wilhelm Fink Verlag GmbH & Co. KG. Ferber, Jacques (2001): Multiagentensysteme. Eine Einf\u00fchrung in die Verteilte K\u00fcnstliche Intelligenz. Deutsche \u00dcbersetzung von Stefan Kirn. M\u00fcnchen u.a.: Addison-Wesley. Fiske, John (1988): Introduction to Communication Studies. Reprint. London, New York: Routledge. Flusser, Vil\u00e9m (1996): Kommunikologie. Schriften. Band 4. Hg. von Stefan Bollmann und Edith Flusser. Mitarbeit: Klaus Sander. Mannheim: Bollmann Verlag GmbH. Foucault, Michel (1994): Das Subjekt und die Macht. In: Hubert L. Dreyfus und Paul Rabinow (Hg.): Michel Foucault. Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik. Mit einem Nachwort von und einem Interview m it Michel Foucault. 2. Auflage. Aus dem Amerikanischen von Claus Rath und Ulrich Raulff. Weinheim: Beltz Athen\u00e4um Ver-lag. S. 243 ff. Friedrichs, J\u00fcrgen (1990): Methoden der empirischen Sozialforschung. 14. Auflage. Opladen: Westdeutscher Verlag GmbH. Fuchs, Peter (1993): Moderne Kommunikation. Zur Theorie des operativen Displacements. Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag. Fuchs, Peter (1999): Die world in der Welt des World Wide Web. (Online-Version: www.kreimeier-online.de\/Fuchs.htm, Stand: 21.11.2003). Hartfiel, G\u00fcnter und Karl-Heinz Hillmann (1982): W\u00f6rterbuch der Soziologie. 3., \u00fcberarbeitete und erg\u00e4nzte Auflage. Stuttgart: Alfred Kr\u00f6ner Verlag. Herring, Susan (1999): Interactional Coherence in CMC. In: Journal of ComputerMediated Communication Vol. 4.4 (1999). S. 1 ff. (Online-Version: http:\/\/www.ascusc.org\/jcmc\/vol4\/issue4\/her ring.html, Stand: 15. Januar 2004). Hinner, Kajetan (1998): Gesellschaftliche Auswirkungen moderner Kommunikationstechniken am Beispiel des Internet. 2., ver\u00e4nderte Auflage. Berlin: Logos-Verlag. Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 97 Huhns, Michael N. und Larry M. Stephens (1999): Multiagent Systems and Societies of Agents. In: Gerhard Weiss (Hg.): Multiagent Systems. A Modern Approach to Distributed Artificial Intelligence. Cambridg e, Mass., London: The MIT Press. S. 79 ff. Keller, Reiner; Andreas Hirseland, Werner Schneider und Willy Vieh\u00f6ver, Hg. (2001): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band 1. Theorien und Methoden. Opladen: Leske + Budrich. Knoblauch, Hubert (2001 ): Diskurs, Kommunikation und Wissenssoziologie. In: Reiner Keller, Andreas Hirseland, Wern er Schneider und Willy Vieh\u00f6ver (Hg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band 1. Theorien und Methoden. Opladen: Leske + Budrich. S. 207 ff. Krallmann, Dieter und Andreas Ziemann (2001): Grundkurs Kommunikationswissenschaft. M\u00fcnchen: Wilhelm Fink Verlag GmbH. Krippendorff, Klaus (1994): A Recursive Theory of Communication. In: David Crowley und David Mitchell (Hg.): Communication Theory Today. Cambridge\/Oxford: Polity Press\/Blackwell Publishers. S. 78 ff. Kron, Thomas, Hg. (2002): Luhmann modelliert. Sozionische Ans\u00e4tze zur Simulation von Kommunikationssystemen. Opladen: Leske + Budrich. Kron, Thomas und Peter Dittrich (2002): Doppelte Kontingenz nach Luhmann ein Simulationsexperiment. In: Thomas Kron (Hg.): Luhmann modelliert. Sozionische Ans\u00e4tze zur Simulation von Kommunikationssystemen. Opladen: Leske + Budrich. S. 209 ff. Kron, Thomas; Uwe Schimank und Christian W. Lasarczyk (2003): Doppelte Kontingenz und die Bedeutung von Netzwerken f\u00fcr Kommunikationssysteme. Ergebnisse einer Simulationsstudie. Zeitschrift f\u00fcr Soziologie. 32.5 (2003). S. 374 ff. Lorentzen, Kai F. und Matthias Nickles (2002): Ordnung aus Chaos - Prolegomena zu einer Luhmann'schen Modellierung de entropisierender Strukturbildung in Multiagentensystemen. In: Thomas Kron (Hg.): Luhmann modelliert. Sozionische Ans\u00e4tze zur Simulation von Kommunikationssystemen. Opladen: Leske + Budrich. S. 55 ff. L\u00fcbcke, Maren (2004): Differenzierung und Fusion. \"COM\"-Arbeitspapier. Version: 10.02.2004. [Masch- schr.] Hamburg. 98 Rasco Hertig-Perschke L\u00fchrs, Rolf u. a. (2003): DEMOS. Delphi Mediati on Online Sys-tem. Bericht zur Online-Diskussion Metropole Hamburg - Wachsende Stadt. (Online-Version: www.demos.tu-harburg.de, Stand: Dezember 2003). Luhmann, Niklas (1975): Interaktion, Organisation, Gesellschaft. Anwendungen der Systemtheorie. In: Ders.: Soziologische Aufkl\u00e4rung 2. Aufs\u00e4tze zur Theorie der Gesellschaft. Opladen: Westdeutscher Verlag. S. 9 ff. Luhmann, Niklas (1998): Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag. Luhmann, Niklas (1999): Soziale Systeme. Grundri\u00df einer allgemeinen Theorie. 7. Auflage. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag. Luhmann, Niklas (2000): Die Politik der Gesellschaft. Herausgegeben von Andr\u00e9 Kieserling. Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag. Luhmann, Niklas (2000): Was ist Kommunikation? In: Ders.: Short Cuts. HerausgeZweitausendeins S. 41 ff. geben von Peter Gente, Heidi Paris und Martin Weinmann. Frankfurt a. M: Maier, Gunther und Andreas Wildberger (1995): In 8 Sekunden um die Welt. Kommunikation \u00fcber das Internet. 4., \u00fcberarbeitete und erweiterte Auflage. Bonn, Paris u.a.: Addison-Wesley Publishing Company. Malsch, Thomas (1998): Die Provokation der \"Artificial Societies\". Ein programmatischer Versuch \u00fcber die Frage, warum die Soziologie sich mit den Sozialmetaphern der Verteilten K\u00fcnstlichen Intelligenz besch\u00e4ftigen sollte. In: Ders. (Hg.): Sozionik. Soziologische Ansichten \u00fcber k\u00fcnstliche Sozialit\u00e4t. Berlin: edition sigma. S. 25 ff. Malsch, Thomas; Michael Florian, Michael Jonas und Ingo Schulz-Schaeffer (1998): Sozionik. Expeditionen ins Grenzgebiet zwischen Soziologie und K\u00fcnstlicher Intelligenz. In: Thomas Malsch (Hg.): Sozionik. Soziologische Ansichten \u00fcber k\u00fcnstliche Sozialit\u00e4t. Berlin: edition sigma. S. 9 ff. Malsch, Thomas und Christoph Schlieder (2004): Communication without Agents? From Agent-Oriented to Communication Oriented Modeling . In: Post Proceedings of the First International Workshop on Regulated Agent-Based Social Systems: Theories and Applications (RASTA'02), July 15-19, 2002, Bologna, Italy. Berlin, Heidelberg, New York: Springer-Verlag (In print). Anschluss, Kondensation und Aggregation in Kommunikationsprozessen 99 Malsch, Thomas (2004): Kommunikationsbegriff und Netzwerkdynamik. Zur soziologischen Konstruktion von k\u00fcnstlicher Sozialit\u00e4t und realer Gesellschaft. Unver\u00f6ffentlichtes Manuskript [Masch. - schr.] Hamburg. M\u00fcller-Benedict, Volker (2003): Modellierung in der Soziologie - heutige Fragestellungen und Perspektiven. In: Soziologie 1 (2003). S. 21 ff. Nagl, Ludwig (1992): Charles Sanders Peirce. Reihe Campus. Einf\u00fchrungen. Frankfurt a. M., New York: Campus Verlag. Neuliep, James W. (1996): Human Communication Theory. Applications and Case Studies. Boston u.a.: Allyn and Bacon. Newman, M. E. J. (2003): The Structure and Function of Complex Networks. In: SIAM Review. 45.2 (2003). S. 167 ff. Papendick, Sigmar und J\u00f6rg Wellner (2002): Symbolemergenz und Strukturdifferenzierung. In: Thomas Kron (Hg.): Luhmann modelliert. Sozionische Ans\u00e4tze zur Simulation von Kommunikationssystemen. Opladen: Leske + Budrich. S. 175 ff. Perschke, Rasco (2004): \"Unbedeutende Begebenheiten\"? Episodenbildung in Kommunikationsprozessen. \"COM-Arbeitspapier\". Vers ion: 16.02.2004. [Masch. schr.] Hamburg. Pongratz, Hans J. und G. G\u00fcnter Vo\u00df (2003): Arbeitskraftunternehmer. Erwerbsorientierungen in entgrenzten Arbeitsformen. Berlin: edition sigma. Prommer, Elizabeth und Gerhard Vowe, Hg. (1998). Computervermittelte Kommunikation. \u00d6ffentlichkeit im Wandel. Kommunikation audiovisuell. Bd. 26. Konstanz: UVK Medien. R\u00f6ssler, Patrick (1998): Information und Meinungsbildung am elektronischen \"Schwarzen Brett\". Kommunikation via Usenet und m\u00f6gliche Effekte im Licht klassischer Medienwirkungsans\u00e4tze. In: Gerhard Vowe und Elisabeth Prommer (Hg).: Computervermittelte Kommunikation. \u00d6ffentlichkeit im Wandel. Kommunikation audiovisuell. Bd. 26. Konstanz: UVK Medien. S. 113 ff. Rosengren, Karl Erik (2000): Communication. An Introduction. London, Thousand Oaks, New Delhi: SAGE Publications. Scherr, Albert (2003): Kommunikation. In: Bernhard Sch\u00e4fers (Hg.): Grundbegriffe der Soziologie. Opladen: Leske + Budrich. S. 178 ff. 100 Rasco Hertig-Perschke Schimank, Uwe (2000): Theorien gesellschaftlicher Differenzierung. 2. Auflage. Opladen: Leske + Budrich GmbH. Schneider, Wolfgang Ludwig (1994): Die Beobachtung von Kommunikation. Zur kommunikativen Konstruktion sozialen Handelns. Opladen: Westdeutscher Verlag GmbH. Schulz-Schaeffer, Ingo (2003): Dualit\u00e4t von Regelvorschrift und Regelpraxis. Statement zum Workshop \"Agentengesellschaften au\u00dfer Kontrolle? Sozialtheoretische Mechanismen f\u00fcr den Bau k\u00fcnstlicher Sozialsy steme\" am 07. und 08.11.03 in Hamburg. Unver\u00f6ffentlichtes Manuskript [Masch. - schr.] Berlin. Schwab-Trapp, Michael (2001): Diskurs als soziologisches Konzept. Bausteine f\u00fcr eine soziologisch orientierte Diskursanalyse. In: Reiner Keller, Andreas Hirseland, Werner Schneider und Willy Vieh\u00f6ver (Hg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band 1. Theorien und Methoden. Opladen: Leske + Budrich. S. 261 ff. Schweitzer, Frank und J\u00f6rg Zimmermann (2001): Communication and SelfOrganization in Complex Systems: A Basic Approach. In: M. M. Fischer und J. Fr\u00f6hlich (Hg.): Knowledge, Complexity and Inn ovation Systems. Berlin: Springer Verlag. S. 275 ff. von L\u00fcde, Rolf; Daniel Moldt und R\u00fcdiger Valk , Hg. (2003): Sozionik - Modellierung soziologischer Theorie. Unter Mitarbeit von Michael K\u00f6hler, Roman Langer, Heiko R\u00f6lke und Daniela Spresny. M\u00fcnster: LIT Verlag. ","related_references":[{"view":"Albrecht, S., ., Malsch, T., Schlieder, C. (2005). Christoph 2005: Scalability and the Social Dynamics of Communication. On Comparing Social Network Analysis and Communication-Oriented Modelling as Models. Berlin, Heidelberg, New York: Springer-Verlag. Socionics: Its Contributions to the Scalability of Complex Social Sys- tems, pp. 242-262.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Barab\u00e1si, A. L., L. (2003). Linked. How Everything Is Connected to Every- thing Else and What It Means for Business, Science, and Everyday Life. With a New Afterword. Cambridge (Mass: Plume\/Penguin Group.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Bublitz, H. (2003). Diskurs. Bielefeld: transcript Verlag. Informationsbl\u00e4tter zum Thema Migration und Schule Nr. 1\/2016-17. 20., aktualisierte Aufl. Online verf\u00fcgbar unter.","pdf_url":""},{"view":"Burkart, R. (2003). Kommunikationstheorien. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag GmbH. \u00d6ffentliche Kommunikation. Handbuch Kommu- nikations-und Medienwissenschaft.","pdf_url":""},{"view":"Crowley, D., Mitchell, D. (1994). Communication Theory Today. Cam- bridge, Oxford: Polity Press\/Blackwell Publishers.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Debatin, B. (1998). Analyse einer \u00f6ffentlichen Gruppenkonversation im Chat-Room. Referenzformen, kommunikations-praktische Regularit\u00e4ten und soziale Strukturen in einem kontextarmen Medium. Konstanz: UVK Medien. Kommunikation audio-visuell. Bd, 26 pp. 13-37.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"D. U. D. (1997). Das Fremdw\u00f6rterbuch. 6., auf der Grundlage der amtlichen Neure- gelung der deutschen Rechtschreibung \u00fcberarbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim, Wien, Z\u00fcrich: Dudenverlag.","pdf_url":""},{"view":"Eco, U. (1972). Einf\u00fchrung in die Semiotik. Autorisierte deutsche Ausgabe von J\u00fcrgen Trabant. M\u00fcnchen: Wilhelm Fink Verlag.","pdf_url":""},{"view":"Ellrich, L. F., C. (1998). Problemfelder der Emergenz. Vor\u00fcberlegungen zur infor- matorischen Anschlu\u00dff\u00e4higkeit soziologischer Begriffe. Berlin: edition sigma. Sozionik. Soziologische Ansichten \u00fcber k\u00fcnstliche Sozialit\u00e4t, pp. 345-393.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"C. (1994). Cyberspace. Gemeinschaften, Virtuelle Kolonien, \u00d6ffentlichkeiten. M\u00fcnchen: Wilhelm Fink Verlag.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Ferber, J. (2001). Multiagentensysteme: eine Einf\u00fchrung in die Verteilte K\u00fcnstliche Intelligenz, M\u00fcchen. Boston, San Francisco: Addi.","pdf_url":""},{"view":"Fiske, J. (1988). Introduction to Communication Studies. London, New York: Routledge.","pdf_url":""},{"view":"Flusser, V. (1996). Kommunikologie. Schriften. Band 4. Mitarbeit: Klaus Sander.","pdf_url":""},{"view":"Foucault, M. (1994). Nachwort von Michel Foucault. Das Subjekt und die Macht. Weinheim: Beltz Athen\u00e4um Verl. Michel Foucault. Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik. Mit einem Nachwort von und einem Interview mit Michel Foucault. 2. Auflage. Aus dem Amerikanischen von Claus Rath und Ulrich Raulff. Weinheim: Beltz Athen\u00e4um Ver- lag, pp. 243-261.","pdf_url":""},{"view":"Fuchs, P. (1993). Moderne Kommunikation. Zur Theorie des operati- ven Displacements, Frankfurt a.M. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. M.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Fuchs, P. (1999). Die world in der Welt des World Wide Web.","pdf_url":""},{"view":"Hartfie~G.\/Hillmann, K. H., Hillmann, K. H. (1982). W\u00f6rterbuch der Soziologie, 3. Stuttgart: Alfred Kr\u00f6ner Verlag.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Herring, S. (1999). Interactional Coherence in CMC\". Journal of Computer- Mediated Communication, 4(4).<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Hinner, K. (1998). Gesellschaftliche Auswirkungen moderner Kommunikati- onstechniken am Beispiel des Internet. 2., ver\u00e4nderte Auflage. Berlin: Logos-Verlag.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Huhns, M. N., Stephens, L. M. (1999). Multiagent Systems and Socie- ties of Agents. Cambridge, Mass., London: The MIT Press. Multiagent Systems. A Mod- ern Approach to Distributed Artificial Intelligence.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Keller, R., Hirseland, A. (2001). Werner Schneider und Willy Vieh\u00f6ver. Opladen: Theorien und Methoden.","pdf_url":""},{"view":"Knoblauch, H. (2001). Diskurs, Kommunikation und Wissenssozio- logie. Wiesbaden: Theorien und Methoden, Opladen. Die diskursive Konstruktion von Wirklichkeit. Zum Verst\u00e4ndnis von Wissenssoziologie und Diskursforschung, pp. 207-223.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Krallmann, D., Ziemann, A. (2001). Grundkurs Kommunikationswis- senschaft. M\u00fcnchen: Wilhelm Fink Verlag GmbH.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Krippendorff, K. (1994). A Recursive Theory of Communication. Cam- bridge\/Oxford: Polity Press\/Blackwell Publishers. Communication Theory Today.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"G.\/Weyer, J. (2002). Luhmann modelliert. Sozionische Ans\u00e4tze zur Simulation von Kommunikationssystemen, Opladen: Leske + Budrich Kr\u00fccken. Opladen: Opladen, Leske und Budrich. Risikoforschung, in: S. Br\u00f6chler et al., 1999: Handbuch Technikfolgenabsch\u00e4tzung, pp. 227-235.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Kron, T., Dittrich, P. (2002). Doppelte Kontingenz nach Luhmann -Ein Simulationsexpe riment In: Kr\u00f6n. Opladen: Leske + Budrich. Luhmann modelliert -Sozioni- sche Ans\u00e4tze zur Simulation von Kommunikationssystemen. Opladen. Leske + Budrich, pp. 209-251.<\/a> <\/span>PDF<\/a>","pdf_url":"https:\/\/www.ssoar.info\/ssoar\/bitstream\/handle\/document\/19741\/?sequence=1"},{"view":"Lorentzen, K. F., Nickles, M. (2002). Ordnung aus Chaos -Prolegome- na zu einer Luhmann'schen Modellierung deentropisierender Strukturbildung in Multiagentensystemen. Opladen: Leske + Budrich. Luhmann modelliert. Sozionische Ans\u00e4tze zur Simulation von Kommunikationssyste- men, 55.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"L\u00fcbcke, M. (2004). Differenzierung und Fusion. \"COM\"-Arbeitspapier. Version: 10.02.2004. Masch-schr.] Hamburg.","pdf_url":""},{"view":"F., ., Pressestelle, S. (2002). Freie und Hansestadt Hamburg Staatliche Pressestelle: Fortschreibung des Leitbildes: Metropole Hamburg -Wachsende Stadt. Wiesbaden: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften. Wachsende Stadt durch schrumpfendes Gemeinwesen? Sonderheft der H am burger Skripte (Nr.f f). Hamburg -2006 (Hrsg.): Erfolgsmodell \"Metropole Ham burg -Wachsende Stadt\"? Ein neolibe rales Leitbild und seine Folgen.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Luhmann, N. (2000). Was ist Kommunikation? In: Ders.: Short Cuts. Herausge- geben von Peter Gente, Heidi Paris und Martin Weinmann. Frankfurt a. M: Zweitausendeins.","pdf_url":""},{"view":"Maier, G., Wildberger, A. (1994). In 8 Sekunden um die Welt. Kommunikation \u00fcber das Internet. 4., \u00fcberarbeitete und erweiterte Auflage. Bonn Paris Reading, Mass: Addison-Wesley Publishing Company.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Kron, T., Schimank, U., Lasarczyk, C. W. (2003). 20 0 3 : Dop pelte Kontingenz und die Bedeutung von Netzwerken f\u00fcr Kommunikationssysteme -Ergebnisse einer Simu lationsstudie. Zeitschrift f\u00fcr Soziologie, H, 32(5), pp. 374-395.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Malsch, T. (1997). Die Provokation der \"Artificial Societies\". Ein programmatischer Ver- such \u00fcber die Frage, warum die Soziologie sich mit den Sozialmetaphern der Verteilten K\u00fcnstli- chen Intelligenz besch\u00e4ftigen sollte. Berlin, Sigma: edition sigma. Sozionik. Soziologische Ansichten \u00fcber k\u00fcnstliche Sozialit\u00e4t, 26(1), pp. 3-21.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Marin, B., ., Jonas, M., Schulz-Schaeffer, I., S. (1998). Sozionik. Ex- peditionen ins Grenzgebiet zwischen Soziologie und K\u00fcnstlicher Intelligenz. Berlin, Sigma. Malsch: Chicago, The University of Chicago Press. Skalierung von Multi- agenten-Systemen als gesellschaftliche Strukturbildung, in: Th, pp. 9-24.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Malsch, T., Schlieder, C. (2004). Christoph 2004: Communication without Agents? From Agent-Oriented to Communication-Oriented Modeling. Bologna, Italy. Berlin, Heidel- berg, New York: Springer-Verlag. Post Proceedings of the First International Workshop on Regulated Agent-Based Social Systems: Theo- ries and Applications (RASTA'02, 16 pp. 113-133.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Malsch, T. (2004). Kommunikationsbegriff und Netzwerkdynamik. Zur sozio- logischen Konstruktion von k\u00fcnstlicher Sozialit\u00e4t und realer Gesellschaft. Hamburg: Unver\u00f6ffentlichtes Manuskript [Masch.","pdf_url":""},{"view":"M\u00fcller-Benedict, V. (2003). Modellierung in der Soziologie -heutige Frage- stellungen und Perspektiven. Soziologie, H, 1 pp. 21-36.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Nagl, L. (1992). Charles Sanders Peirce. Reihe Campus. Einf\u00fchrungen. Frank- furt a. New York: M.","pdf_url":""},{"view":"Neuliep, J. W. (1996). Human Communication Theory. Applications and Case Studies. Boston u.a: Allyn and Bacon.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Newman, M. E. J. (2003). The Structure and Function of Complex Networks\u00ab. SIAM (Society for Industrial and Applied Mathematics) Review, 45(2), pp. 167-256.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Papendick, S., Wellner, J. (2002). Symbolemergenz und Strukturdiffe- renzierung. Opladen: Leske + Budrich. Luhmann modelliert. Sozionische Ans\u00e4tze zur Simulation von Kommunikationssystemen, pp. 175-208.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Perschke, R. (2004). Unbedeutende Begebenheiten\"? Episodenbildung in Kommunikationsprozessen. \"COM-Arbeitspapier\". Version: 16.02.2004. Hamburg:.","pdf_url":""},{"view":"Pongratz, H. J. V., G\u00fcnter, G., A., G. (2003). ArbeiterInnen und Angestellte als Arbeits- kraftunternehmer? Erwerbsorientierungen in entgrenzten Arbeitsformen. M\u00fcnchen, Chemnitz: Edition Sigma (Forschung aus der Hans- B\u00f6ckler-Stiftung. Le- benslanges Lernen im Beruf -seine Grundlegung im Kindes-und Jugendalter, pp. 228-234.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Payer, M. (1998). Vowe Gerhard, 1998: Computervermittelte Kommunikation: \u00d6ffentlichkeit im Wandel. Konstanz: \u00d6ffentlichkeit im Wandel. Unterst\u00fctzung formaler Beteiligungsverfahren durch Issue Based Information Systems, 26.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"R\u00f6ssler, P. (1998). Information und Meinungsbildung am elektronischen \"Schwarzen Brett\". Kommunikation via Usenet und m\u00f6gliche Effekte im Licht klassi- scher Medienwirkungsans\u00e4tze. Konstanz: UVK Medien. \u00d6ffentlichkeit im Wandel. Kommunikation audiovisuell. Bd, 26.","pdf_url":""},{"view":"Rosengren, K. E. (2000). Communication. An Introduction. London, Thousand Oaks, New Delhi: SAGE Publications.","pdf_url":""},{"view":"Scherr, A. (2003). Kommunikation. Opladen: Leske + Budrich. Grundbegriffe der Soziologie.","pdf_url":""},{"view":"Schimank, U. (2000). Theorien gesellschaftlicher Differenzierung, Opladen. Schimank, Uwe (2008): Gesellschaftliche \u00d6konomisierung und unternehmerisches Agieren. Opla- den: Leske + Budrich GmbH. Die Gesellschaft der Unternehmen -die Un- ternehmen der Gesellschaft. Gesellschaftstheoretische Zug\u00e4nge zum Wirtschafts- geschehen, Wiesbaden, pp. 220-236.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Schneider, W. L. (1994). Die Beobachtung von Kommunikation; Zur kommunikativen Konstruktion sozialen Handelns, Opladen: Westdeutscher Verlag Short, James 1996: Personal, Gang, and Community Careers. Opla- den: Westdeutscher Verlag GmbH. Opladen, pp. 221-240.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Schulz-Schaeffer, I. (2003). Dualit\u00e4t von Regelvorschrift und Regelpraxis. State- ment zum Workshop \"Agentengesellschaften au\u00dfer Kontrolle? Sozialtheoretische Mechanismen f\u00fcr den Bau k\u00fcnstlicher Sozialsysteme. Berlin:.","pdf_url":""},{"view":"Schwab-Trapp, M. (2001). Diskurs als soziologisches Konzept. Bausteine f\u00fcr ei- ne soziologisch orientierte Diskursanalyse. Wiesba- den: VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften. Handbuch Sozialwissenschaftli- che Diskursanalyse, Bd. 1: Theorien und Methoden, pp. 261-283.<\/a> ","pdf_url":""},{"view":"Schweitzer, F., Zimmermann, J. (2001). Communication and Self- Organization in Complex Systems: A Basic Approach. Berlin: Springer Verlag. Knowledge, Complexity and Innovation Systems.<\/a> ","pdf_url":""}]},"system_type":"BASE","doc_rank":4,"rid":29029839},{"_index":"gesis-22-05-2026-02-01-51","_id":"gesis-ssoar-40681","_version":2,"_seq_no":65991,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Die gesellschaftliche Konstruktion der Technik: zur Entwicklung eines Theorieansatzes f\u00fcr die Forschung im Bereich der Techniksoziologie","id":"gesis-ssoar-40681","date":"1989","date_recency":"1989","portal_url":"http:\/\/www.ssoar.info\/ssoar\/handle\/document\/40681","type":"publication","person":["Hochgerner, Josef"],"person_sort":"Hochgerner","links":[{"label":"URN","link":"http:\/\/nbn-resolving.de\/urn:nbn:de:0168-ssoar-406811"}],"publisher":"Seismo Verl.","document_type":"Konferenzbeitrag","institutions":["DGS"],"coreAuthor":["Hochgerner, Josef"],"coreEditor":["Hoffmann-Nowotny, Hans-Joachim"],"coreSjahr":"1989","corePublisher":"Seismo Verl.","coreSatit":"Kultur und Gesellschaft: gemeinsamer Kongre\u00df der Deutschen, der \u00d6sterreichischen und der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Soziologie, Z\u00fcrich 1988 ; Beitr\u00e4ge der Forschungskomitees, Sektionen und Ad-hoc-Gruppen","publishLocation_str_mv":"Z\u00fcrich","coreLanguage":"de","urn":"urn:nbn:de:0168-ssoar-406811","data_source":"GESIS-SSOAR","index_source":"GESIS-SSOAR","database":"SSOAR - Social Science Open Access Repository","link_count":0,"gesis_own":1,"fulltext":1,"metadata_quality":10,"full_text":" "},"system_type":"EXP","doc_rank":5,"rid":29029839},{"_index":"gesis-22-05-2026-02-01-51","_id":"gesis-bib-37044","_version":1,"_seq_no":5829,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"coreAuthor":["Fuchs, Peter"],"coredoctypelitadd":["Monographie"],"coreJournalTitle":"K\u00f6lner Zeitschrift f\u00fcr Soziologie und Sozialpsychologie","coreLanguage":["Deutsch (DE)"],"database":"GESIS - Bibliothek","data_source":"GESIS-BIB","document_type":"Zeitschriftenaufsatz","fulltext":0,"gesis_own":1,"library_location":["K\u00f6ln Zeitschriftenaufsatz"],"person":["Fuchs, Peter"],"person_sort":"Fuchs","publisher":"GESIS","source":"In: K\u00f6lner Zeitschrift f\u00fcr Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 44, 1992, Nr. 1, S. 1-11.. ISSN 0023-2653","subtype":"journal_article","title":"Gef\u00e4hrliche Modernit\u00e4t. Das zweite vatikanische Konzil und die Ver\u00e4nderung des Messeritus","topic":["Zeitschriftenartikel"],"type":"gesis_bib","id":"gesis-bib-37044","index_source":"GESIS-BIB"},"system_type":"BASE","doc_rank":6,"rid":29029839},{"_index":"gesis-22-05-2026-02-01-51","_id":"ubk-opac-LY000926522","_version":1,"_seq_no":80808,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Interpretation, Konstruktion, Kultur : ein Paradigmenwechsel in den Sozialwissenschaften","id":"ubk-opac-LY000926522","date":"1999","date_recency":"1999","portal_url":"http:\/\/sowiport.gesis.org\/search\/id\/ubk-opac-LY000926522","type":"publication","topic":["Sozialwissenschaften","Paradigmenwechsel","Aufsatzsammlung"],"person":["Reckwitz, Andreas"],"person_sort":"Reckwitz","source":"Opladen [u.a.], Westdt. Verl., 1999","links":[{"label":"Link","link":"http:\/\/digitool.hbz-nrw.de:1801\/webclient\/DeliveryManager?pid=1525231&custom_att_2=simple_viewer"}],"subtype":"book","publisher":"USB K\u00f6ln","database":"USB K\u00f6ln - Sondersammelgebiet Sozialwissenschaften","document_type":"Buch","coreEditor":["Reckwitz, Andreas"],"corePublisher":"Westdt. Verl.","coreIsbn":"3-531-13309-8","coreLanguage":["Deutsch (DE)"],"recordurl":["http:\/\/digitool.hbz-nrw.de:1801\/webclient\/DeliveryManager?pid=1525231&custom_att_2=simple_viewer"],"data_source":"GESIS-Literaturpool","link_count":0,"gesis_own":1,"fulltext":1,"index_source":"OUTCITE","literature_collection":"GESIS-Literaturpool"},"system_type":"EXP","doc_rank":7,"rid":29029839},{"_index":"gesis-22-05-2026-02-01-51","_id":"ubk-opac-HL002745224","_version":1,"_seq_no":81828,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"title":"Die Metapher des Systems : Studien zu der allgemein leitenden Frage, wie sich der T\u00e4nzer vom Tanz unterscheiden lasse","id":"ubk-opac-HL002745224","date":"2001","date_recency":"2001","portal_url":"http:\/\/sowiport.gesis.org\/search\/id\/ubk-opac-HL002745224","type":"publication","topic":["Subjekt-Objekt-Problem","Systemtheorie"],"person":["Fuchs, Peter"],"person_sort":"Fuchs","source":"Weilerswist, Velbr\u00fcck-Wiss., 2001, 268 : Ill., graph. Darst.","links":[{"label":"Link","link":"http:\/\/digitool.hbz-nrw.de:1801\/webclient\/DeliveryManager?pid=1564366&custom_att_2=simple_viewer"}],"subtype":"book","publisher":"USB K\u00f6ln","database":"USB K\u00f6ln - Sondersammelgebiet Sozialwissenschaften","document_type":"Buch","coreAuthor":["Fuchs, Peter"],"coreEdition":"1. Aufl.","corePublisher":"Velbr\u00fcck-Wiss.","coreIsbn":"3-934730-30-2","coreLanguage":["Deutsch (DE)"],"recordurl":["http:\/\/digitool.hbz-nrw.de:1801\/webclient\/DeliveryManager?pid=1564366&custom_att_2=simple_viewer"],"data_source":"GESIS-Literaturpool","link_count":0,"gesis_own":1,"fulltext":1,"index_source":"OUTCITE","literature_collection":"GESIS-Literaturpool"},"system_type":"BASE","doc_rank":8,"rid":29029839},{"_index":"gesis-22-05-2026-02-01-51","_id":"gris-publication-2fprje8b9rs0","_version":1,"_seq_no":45407,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"type":"publication","document_type":"incollection","data_source":"GESIS-GRIS","index_source":"GESIS-GRIS","title":"Demografisierung des Gesellschaftlichen. Eine diskursanalytische Bestandsaufnahme","date_recency":"2016","coreSjahr":"2016","doi":"https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-658-14900-0_13","url":"http:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783658148997","id":"gris-publication-2fprje8b9rs0","person":["Reinhard Messerschmidt"],"person_sort":"Messerschmidt","source":"In Macht in Wissenschaft und Gesellschaft. Diskurs- und feldanalytische Perspektiven, edited by Julian Hamann, Jens Mae\u00dfe, Vincent Gengnagel, Alexander Hirschfeld, 319-358, Springer VS, Wiesbaden, 2016","gesis_own":1},"system_type":"EXP","doc_rank":9,"rid":29029839},{"_index":"gesis-22-05-2026-02-01-51","_id":"gesis-bib-31846","_version":1,"_seq_no":4850,"_primary_term":1,"found":true,"_source":{"coreAuthor":["Fuchs, Peter"],"coredoctypelitadd":["Monographie"],"coreJournalTitle":"Zeitschrift f\u00fcr Soziologie","coreLanguage":["Deutsch (DE)"],"database":"GESIS - Bibliothek","data_source":"GESIS-BIB","document_type":"Zeitschriftenaufsatz","fulltext":0,"gesis_own":1,"library_location":["K\u00f6ln Zeitschriftenaufsatz"],"person":["Fuchs, Peter"],"person_sort":"Fuchs","publisher":"GESIS","source":"In: Zeitschrift f\u00fcr Soziologie, Jg. 20, 1991, Nr. 2, S. 89-103.. ISSN 0340-1804","subtype":"journal_article","title":"Vaterland, Patriotismus und Moral - zur Semantik gesellschaftlicher Einheit","topic":["Zeitschriftenartikel"],"type":"gesis_bib","id":"gesis-bib-31846","index_source":"GESIS-BIB"},"system_type":"BASE","doc_rank":10,"rid":29029839}]}}